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Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

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der 


NatuFwissensehaftliehen  Gesellschaft 


liie 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactlons-Comit§. 


Jahrgang  1885. 


FL- 


Dresden. 

In  Commission  von  WamatZ  &.  Lehmann,  Kgl  Sachs.  Hofbiichhän.ller. 


M. 


Üedactions-Comite    fxir   1885. 

Yorsitzender:  Gel».  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  B.  Geiiiitz. 
Mitgriieder:  FreiheiT  I).  von  Biedermann,  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Oberlehrer 
Dr.  R»  Ebert,  Bauratli  Prof.  Dr.  W.  Friinkel,  Bergingenieur  A.  PurgoUl. 
Prof.  Dr.  K.  Ulbricln;  und  Dr.  J.  V.   Deichmüllor  als  yerantwortUcher 

Redacteui*. 


Sitzungskaiender  für  1886. 

Januar.    T.Zoologie.    14.  Botanik.    21.  Mineralogie  und  Geologie.   2^-.  Haupt- 
versammlung. 
Februar.    4.  Matbematik.    11.  Physik  und  Clieniie.     18.  Prjehiüt.  Forschungen. 

25.     H»  II  n  t  VPf  C  miim  1  11  tt  #v 


25.  Hauptversammlung. 

März.    4.  Zoologie.    11.  Botanik.    18,  Mineralo^^ie  und  Geologie.    25.  Haupt- 
versammlung, 

April.      1.  Matbematik.     8.    Physik  und  Chemie.       15.   Praebist.  Forschungen. 
29.  Hauptversammlung. 

Mai.    6.  Zoologie.    13.  Botanik.     2().  Mineralogie  und  Geologie.    27.  Haupt- 
versammliuig. 

Juni.    10.  Physik  und  Cbeniie.      1".  Vucat.     24.  Hauptversammlung. 

Juli.     1.  Botanik  (ausserordentl.   Sitzung).     29.   Hkuptversammlung. 

August.    20.  Hauptversanimlnng. 

September.    30.  Hauptversammlung. 

October.    7,  Pi-aehist.  Forschungen.   14.  Zoologe.    21.  Botanik.  —  Mathematik. 
28.  Hauptversammlung. 

XoYember.    4.  Mineralogie  und  Cfeologie.    11-  I^bysik  und  Chemie.   18.  Pr»^l**«^- 
Forschungen.    25.  Hauptversammlung. 

December.    2.  Matbematik, -—  ^oolofric.     ^-    Botanik.     16   Hauptversamm- 
lung. 


Sitzigstienclite  id  Aliliani 

der 

Naturwissensehaftliehen  Gei 

in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions-Coml 


Jahrgang  1885. 


Dresden. 

In  Commission  von  Warnatz  li  Lehmanil,  Königl.  Sachs.  Hofbi 

1886. 


Inhalt  des  Jahrganges  1885. 


I.  Sitzungsberichte. 

60Jlbrige  Jobelfeier  der  Gesellschaft  Isis  S.  3. 

I.  Section  für  Zoologri«  S.  9.  —  Ebert,  R.:  Ueber  die  Entstehung  der  Geschlechter 
bei  Menschen,  TWeren  und  Pflanzen  S.  9.  -—  Geinitz,  H.  B.:  Literatur- Vorlage 
S.  11.  —  Haase,  E.:  „Zur  Biologie  der  Kafergattung  Phengodes  Dl."  S.  10.  — 
Krone,  H.:  Zoologische  Sammelberichte  aus  BrasUien  S.  9.  —  Reibisch,  Th.: 
Ueber  das  Skelett  des  Maulwurfs  und  abnorme  Knochenanh&ufungen  und  Ver- 
wachsungen am  Brustkasten  eines  Huhns  S.  9;  über  Abnormitäten  am  Gehäuse  ver- 
schiedener /feto -Arten  S.  9.  —  Vetter,  B.:  Ueber  das  Eierlegen  und  die  Ent- 
wickelung  der  Monotrematen  S.  9;  über  Ärch<uopteryx  und  den  Stammbaum  der  Vögel 
S.  9;  über  die  Gliederung  des  Wirbelthiersdiädels  S.  11.  —  Brief  von  F.  Nott- 
haf  t,  Verbreitung  der  Kreuzotter  betr.,  S.  9.  —  Vorlagen  S.  9  u.  10. 

II«  Section  fflr  Botanik  S.  12.  —  Drude,  0.:  Ueber  die  einheitliche  Entstehung  neuer 
Pflanzenarten  S.  13;  über  eine  botanische  Excursion  zum  Kalten  Berge  bei  Ditters- 
bach  S.  16;  über  populäre  Literatur  der  deutschen  Flora  S.  23;  Vorlage  Ton  Pflanzen 
aus  Angra  Pequeim  S.  22;  Literatur -Vorlagen  S.  12  und  18.  —  Kosmahl,  A. 
Ueber  parasitische  Pilze  als  Urheber  von  Baumkrankheiten  S.  19.  ~  Schiller,  C. 
Hymenophyllum  thunbridgense  aus  der  sächsischen  Schweiz  S.  23.  —  Stötzer,  E.. 
Melittis  MelissophyUum  von  Dohna  S,  15.  —  Thüme,  0.:  Ueber  die  Flora  von 
Neu- Vorpommern,  Rügen  und  Usedom  S.  18.  —  Ulbricht,  R.:  Chemische  Analyse 
einer  Orchidee  S.  13.  —  Vetters,  K.:  Ueber  die  Wechselbeziehungen  zwischen  der 
Flora  und  Fauna  von  Neuseeland  S.  12.  —  Vorlagen  S.  18. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  28.  —  Danzig.  E.:  Neue  Beobach- 
tungen im  Lausitzer  Granit-Gebiet  S.  36.  -—  Deichmüller,  J.:  Ueber  Ammoniak- 
Alaun  (Tschermigit)  von  Dux,  Böhmen,   S.  34.  —  Engelhardt,  H.:   Ueber  die 

Geologische  Karte  des  sächsischen  Granulitgebirges  von  H.  Credner  S.  30;  über 
^reikantner  aus  der  Lössuitz  S.  33.  —  Geinitz,  H.  B.:  Ueber  Gesteine  von  der 
Insel  Juan  Femandez  S.  '28;  über  künstliche  Krvstallbildungen  am  Gaylussit  S.  28, 
Neubildung  von  Ultramarin  und  Eisenglanz  und  künstliche  Alaunkrystalle  S.  29; 
über  Whewellit  in  der  Steinkohlenfomiation  des  Plauenschen  Grundes  S.  29;  über 
den  angeblichen  Meteorit  von  Hirschfelde  bei  Zittau  S.  30;  Qher  Podmacites?  Beichi 
und  Iguanodon  ManteUi  S.  30;  Ernennung  F.  von  Hauer*s  zum  Intendanten  der 
kaiserlichen  naturhistorischen  Hofmuseen  in  Wien  S.  30;  Über  G.  Bruder,  die  Fauna 
der  Juraablagerungen  von  Hohnstein  in  Sachsen  S.  34;  Vorlage  neuerer  Literatur 
S. 29u. 33.  —  Oettel,  F.:  Ueber  künstliche  Darstellung  von  Krystallen  von  Struvit 
und  Kryolith- ähnlichen  Verbindungen  S.  29.  —  Purgold:  Ueber  Kalkspath  von 
Hüttenberg  und  Schwefelkrystalle  von  der  Perticara  S.  31;  Herderit  von  Stoneham, 
Kastor  und  Pollnx  von  Elba  und  Euklas  vom  Glockner  S.  32,  Beryll  und  Phenakit 
aus  den  Alnen  S.  33,  Prehuit  aus  dem  Radauthal  und  Orthoklas  von  Königshain 
S.  34;  Bericnt  über  den  Internationalen  Gedlogen-Congress  zu  Berlin  S.  34;  Vorlage 
neuerer  Literatur  S.  30.  T heile.  F.:  Ueber  die  typischen  Formen  und  die  Ent- 
stehung der  Dreikantner  S.  36,  mit  Bemerkungen  hierzu  von  H.  B.  Geinitz  S.  36. 

—  Zschau,  F.:  Ueber  das  Vorkommen  des  iTalkspaths  im  Syenite  des  Plauenschen 
Grundes  S.  33. 

IV.  Section  für  prähistorlsqjie  Forschnngen  S. 38.  —  Elw.  von  Burchardi  f  S.  42. 

—  von  Biedermann,  D.:  Ueber  die  Geschichte  der  Halloren  S.  40;  über  Funde 
von  Silex  craquel^  im  Tertiär  Frankreichs    S.  44.  —  von  Boxberg.  J.:   Ueber 

das  Urnenfeld  von  Dobra  S.  42; und  H.  B.  Geinitz:  lieber  Funde 

am  Opferstein  des  alten  Mahles  von  Tauscha  bei  Radeburg  S.  38.  —  Deich- 
müller, J.:  Literatur-Vorlage  S.  44.  —  Geinitz,  H.  B.:  Ueber  Umenfunde  am 
Sonnenstein  bei  Pirna  S.  40;  über  einen  angeblichen  Fund  von  Steinbeilen  bei  Wald- 
heim S.  43;  neue  Pfahlbaufunde  S.  44;  Literatur -Vorkge  S.  38,  39  und  40.  <~ 
OsbornCjW.:  üeber  die  Pfahlbauten  des  Neuchäteler  Sees  und  die  schweizerischen 
prähistorischen  Sammlungen  S.  38.  —  Wiechel,  H.:  Ueber  die  prähistorischen 
Funde  der  Eisenzeit  in  Sachsen  S.  39. 

y.  Section  fUr  Physik  und  Chemie  S.  45.—  Freyberg,  J.:  Erläuterungen  zu  physi- 
kalischen Mess-  nnd  Demonstrationsapparaten  S.  50.  —  Hempel,  W.:  Ueber  die 


IV 

Sauerstoff bestimmung  in  der  athmosphärischen  Laft  S.  45;  über  den  Einfluss  der 
chemischen  Natur  und  des  Druckes  der  Gase  auf  die  Eiektricitätsentwickelung  der 
Influenzmaschine  S.  47.  —  Raspe,  F.:  Ueber  chemische  Untersuchungen  von 
Frauenmilch  S.  45.  --  Toepler,  A.:  üeber  optische  Hilfsmittel  für  akustische 
Untersuchungen  S.  47. 

Tl.  Section  für  Mathematik  S.  51.  —  Burmester,  L.:  Ueber  ein  neues  Diagramm 
für  die  Konstruktion  der  Stufenscheiben  S.  51.  —  Freyberg,  J.:  Ueber  die  Ein- 
richtung optischer  Modelle  von  Toepler  und  von  0.  E.Meyer  S. 64. —  Grübler, 
M.:  Ueber  die  Geschichte  der  Turbinentheorie  S.  54.  —  Proeil,  R.:  Beiträge  zur 
Regulirung  und  Steuerung  schnelllaufender  Dampfmaschinen  S.  52.  —  Rohn.  G.: 
Ueber  eine  lineare  Konstruktion  der  ebenen  rationalen  Kurven  5.  Ordnung  S.  51.  — 
Ulbricht,  R.:  Ueber  das  von  ilim  construirte  Proportional-Galvanometer  S.  53. 

YII.  HauptTergammlnngen  S.  56.  —  Fünfzigjähriges  Jubiläum  der  „Isis''  S.  56,  59 
und  61.  —  Verstorbene  Mitglieder  S.  56,  57,  59,  60,  64,  67  und  70.  —  Neu  auf- 
genommene Mitglieder  S.  78.  —  Rechnungsabschluss  für  1884  S.  57,  58  und  82.  — 
Rechnungsrevisoren  S.  57.  —  Voranschlag  für  1885  S.  57  und  83.—  üble- Stiftung 
S.  64.  —  Freiwillige  Beiträge  S.  79.  —  Actie  des  zoologischen  Gartens  S.  67.  — 
Vermehrung  der  Bibliothek  S.  34,  56,  57,  61,  69  und  84.  —  Besuchsstunden  der 
Bibliothek  S.  67.  —  Schriftentausch  S.  59,  60,  67  und  70.  —  Beamten-CoUegium 
für  1886  S.80.  —  B.  Silliman  f,  von  Sonklar  f  S.56;  G.  von  Helmersen  t 
S.  57;  W.  Dunker  t,  Röper  f  S.58;  J.Worsaae  f  S.64;  W.B.  Carp enter  t, 
Th.  Davidson  f,  A.  verw.  Na^el  f  S.  67.  —  von  Biedermann,  I).:  Ueber 
Dioscoreen-Wiu*zeln  imd  ÄnastcUica  hierochuntica  S.  57.  —  Drude,  0.:  Ueber  das 
botanische  Institut  zu  Buitenzor^  S.  57;  über  eine  Fortsetzung  zu  Brehm's  Thier- 
leben  8.  66.  —  Ebert,  R.:  Ueber  die  Schwankungen  des  Kolilonsäuregehaltes  der 
Luft  S.  57.  —  Engelhardt,  H.:  Ueber  Bradysismus  S.  58.  —  Geinitz,  H.  B.: 
Ueber  den  angeblichen  Meteoritenfall  zu  Hirscnfelde  bei  Zittau  S.  58;  Uebersijcht 
über  die  im  August  und  September  1885  tagenden  naturwissenschaftlichen  Wander- 
versammlungen S.  61;  über  glaciale  Bildungen  in  Norddeutschlaud  und  Sachsen 
S.  65;  Rückblick  auf  das  Jalir  1885  S.  71. —  Harnack,  A.:  Ueber  Maturphilosophie 
und  Naturforschung  S.  59.  —  Helm,  G. :  Ueber  ein  Verfahren  zur  Veranschau- 
lichung der  Grössenverhältuisse  des  Planetensystems  S.  66.  —  Klencke,  H.:  Ueber 
die  Grenzen  der  Erkenntniss  und  Naturwissenschaft  und  Philosophie  S.  70.  — 
Krebs,  W.:  Ueber  Knospenbildung  und  Knospenschutz  S.  58.  —  Neubert,  G.: 
Ueber  den  Urspning  der  Gewitter-Electricität  S.  66.  —  Purgold,  A.:  Bericht  über 
eine  Reise  nacli  Italien  S.  61;  über  Mineraleinschlüsse  im  Granit  von  Waldheim 
S.  68.  -  Streit,  W.:  Ueber  Leonardo  da  Vmci  als  Naturforscher  S.  64.  — 
Thüme,  0.;  Referat  über  B.  Frank,  neue  Mittheilunffen  über  die  Mycorhiza  der 
Bäume  und  der  Monotrapa  hypopitys  S.  69.  —  Wohlfahrt,  0.:  Geologische  Be- 
obachtungen in  der  Gegend  von  Dippoldiswalda  S.  60. 

ExGunlonen  S.  73.  —  Geognostische  Excursion  nach  Dippoldiswalde  S.  73;  der 
internationale  Geologencongress  in  Dresden  S.  76;  Excursion  in  die 
Dresdner  Haide  S.  77. 

Nekrolog:  Zur  Erinnerung  an  Frau  Elw.  von  Burchardi  S.  95. 

II.   Abhandlungen. 

I.  von  Engelhardt,  B.:  Ueber  die  Sternwarte  des  Herrn  von  Engelhardt  in  Dres- 
den S.  3. 
II.  Geinitz,  H.  B.:  Ueber  Pcdmacites?  Beichi  Gein.  S.  7. 
III.  Reibisch,  Th.:  Ueber  das  Aufstellen  von  Conchyliensammlungen  S.  10. 


IHeAnfat'en  sindiiUeinvm^antworttichf^rdeii  luhaU  ihrer  AbhdntUufigeti. 


Die   Autoren    erhalten  von   den   Abhandlungen   50,    von    den    Sitzungs- 
berichten  auf  besonderen   Wunsch   25   Separatabzüge   gratis,    eine   grössere 
Zahl  gegen  Erstattung  der  Herstellungskosten. 


Sitzungsberichte 

der 

naturwissenschaftliehen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


1885. 


50jährige  Jubelfeier  der  Gesellschaft  Isis. 


Zur  Feier  des  fünfzigjährigen  Bestehens  der  „Isis"  fand  am  14.  Mai 
1885,  Mittags  12Vs  Uhr  eine  Festsitsimg  statt,  welche  Se.  Majestät 
der  König  mit  seiner  Gegenwart  zu  beehren  geruhte  und  welche  eine 
glänzende  Versammlung  in  der  Aula  des  Kgl.  Polytechnikums  vereinigte. 
Ausser  einer  grossen  Zahl  hiesiger  und  auswärtiger  Mitglieder  der 
Gesellschaft  waren  erschienen  die  Herren  Staatsminister  Excellenzen 
Dr.  von  Gerber,^  von  Nostiz-Wallwitz  und  Dr.  von  Abeken, 
Stadtcommandant  Generallieutenant  Exe.  von  Funke,  Exe.  wirkL  Geh. 
Rath  Dr.  Schmaltz,  Kreishauptmann  von  Koppen fels,  General 
Schubarth  aus  Görlitz,  Geh.  Räthe  von  Thümmel,  Meusel,  Götz, 
von  Craushaar  und  Häpe,  Polizeipräsident  Schwauss,  Oberbof- 
prediger  und  Vicepräsident  Dr.  Kohlschütter,  Hofprediger  Ober- 
consistorialrath  Dr.  Rühling,  Consistorialrath  Superintendent  Dr.  Meier, 
Geh.  Oberforstrath  Dr.  Judeich  aus  Tharandt,  Geh.  Finanzrath  Kopeke, 
Oberbürgermeister  Dr.  Stübel,  Bürgermeister  Bönisch,  Stadträthe 
Kunze  und  Toucher,  zahlreiche  Professoren  der  Kgl.  technischen  Hoch- 
schule und  Vertreter  der  Kgl.  Forstakademie  in  Tharandt,  der  Kgl.  Thier- 
arzneischule ,  der  hiesigen  Vereine  für  Natur-  und  Heilkunde,  für  Erd- 
kunde, des  Gewerbevereins,  des  Kgl.  meteorologischen  Instituts  in  Chemnitz, 
der  naturforschenden  Gesellschaft  in  Görlitz  u.  a. 

Bei  dem  Erscheinen  Sr.  Majestät  des  Königs  um  V^l  Uhr  wurde 
Höchstderselbe  durch  den  Vorstand  der  Gesellschaft,  Geh.  Hofrath 
Dr.  Geinitz,  Oberlehrer  Dr.  Helm  und  Hofbuchhändler  Warnatz,  im 
Vereine  mit  Geh.  Rath  Director  Dr.  Zeuner  ehrfurchtsvoll  empfangen 
und  nach  dem  Sitzungssaal  geleitet. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  eröffnete  die  Sitzung  mit  der  folgenden 
Ansprache: 

„Allergnädigster  König!    Hohe  und  hochansehnliche 
Versammlung! 

Es  ist  mir  die  hohe  Ehre  geworden,  Ew.  Majestät  und  Sie  Alle  im 
Namen  unserer  Gesellschaft  Isis  bei  ihrer  fünfzigjährigen  Jubelfeier 
herzlich  zu  begrüssen  und  Ihnen  Allen  für  Ihre  Theilnahme  an  diesem 
Feste  unseren  tiefgefühlten,  verbindlichsten  Dank  auszusprechen.    Gerade 

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der 

NatuFwissensehaftliehen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Her{iusgege])eu 

von  dem  Redaetlons-Comlt^. 


Jahrgang  1885. 


Dresden. 

In  Comniis.Mon  von  WarnatZ  &  Lehmann,  Kgl.  Sachs.  Ilofbuchhnn.ller. 

□  188«.  puC 


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Hedactions-CoxxLite    Tiir  1885. 

Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  B.  Geinitz. 

x>     f  T^v  O  Drude,  Oberlehrer 
Mitglieder:  Freiherr  I).  von  Bieder  mann.  Piot.  ^»; '^-  ^    purgoltl. 

Dr.  R.  Ebert.  Baurath  Prof.  Dr.  W.  Frankel    ^l^^f^Jant^yortUcUer 
Prof.  Dr.  R.  Ulbricho  und  Dr.  J.  V.    Deichmrtllcr  als  >eran 

Redacteui". 


Sitzungskalender  für  1886. 

Januar.    7.  Zoologie.    14.  Botanik.    21.  Mineralogie  «nd  Geologie.    2.-.  Uaupt- 

Versammlung.  .         ..^   ,»     i«*  Vm-<rhiui''eii- 

Februar.    4.  Mathematik.     11.  Physik  und  Chenne.     18.  Priehist.  Foi^chim« 

März.    4.  Zoologie.    11.  Botanik.   18.  Mineralogie  und  Geologie,    io.  «avi 

Versammlung.  .  ,^     ,  •  .    i.^/^,.ttM»nii£reiK 

April.     1.  Mathematik.      8.    Physik  und  Chemie.       15.    Pnehist.  Imschunge, 

29.  Hauptversammliiiig-  ,  ^,     ,     .       07    Hani>t- 

Mai.    6.  Zoologie.    13.  Botanik.    2().  Mineralogie  und  Geologie.    -^.  ^^'     1 

versaramluntf.  ,,  „i«ii^ 

Juni.    10.  Physik  «nd  Chemie.     iL   Vaaat.     24    Haupt versamml"g- 
JuH.    1.  Botanik  (ausserordentl.  SitzmigK     2i).  HHuptversammUmg. 
Augrust.    26.  Hauiitversamniluug. 

September.    30.  Hauptversanimliiug  ,         .,        v,„,i.pmatik. 

October.    7.  Pnehist.  Forschungen.    14.  Zoologie.    21.  Botanik.- Mathemat.K 

28.  Hauptversammluu^-  .  ,^,      .      io  Prjpliist. 

Norember.    4.  Mi„e,alogic  "»*l^,^:l"S^uli/^>-^*''  undChennc.   16.  Pr^l^»« 

Forschungen.    2ö.  Hauptversammlung  ,,ersan.m- 

December.    2.  Mathematik.  —  ^^''o»»»'*"-     «•  «otan,k.     16.  Hauptversai 

hing. 


Sitzigslienclite  lülilMdliiiigen 

der 

NatuFwissensehaftliehen  Gesellschaft 

in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactlons-Comltö. 


Jahrgang  1885. 


Dresden. 

In  Commission  von  Wamatz  &  Lehman II,  Königl.  Sachs.  Hofbuchhändler. 


8 

Nach  dieser  Begrüssungsrede  bestieg  Prof.  Dr.  0.  Drude  die  Redner* 
bühne,  um  in  eingehendem  Vortrage  ein  klares  Bild  von  Sachsens 
pflanzen -geographischem  Charakter  zu  entwickeln  *), 

Nach  Beendigung  der  officiellen  Feier  unterhielt  sich  Se.  Majestät 
noch  längere  Zeit  in  huldvollster  Weise  mit  den  beiden  Festrednern  und 
den  Vorsitzenden  der  Gesellschaft,  sowie  mit  verschiedenen  anderen  an- 
wesenden Herren.  Bei  dem  Scheiden  Sr.  Majestät  bekundete  ein  von  dem 
ersten  Vorsitzenden  ausgebrachtes  dreimaliges  Hoch  die  Treue  und  Ver- 
ehrung der  Mitglieder  der  „Isis"  und  ihrer  Gäste  für  den  allgeliebten 
Monarchen.  — 

Am  Abend  des  Jubeltages  fanden  sich  zahlreiche  Mitglieder  und 
einzelne  aus  der  Ferne  herbeigeeilte  Gäste  zu  einer  zwanglosen  Zu- 
sammenkunft, FeBt-Osiris,  im  kleinen  Saale  des  Gewerbehauses  ein, 
welcher  zu  diesem  Zwecke  geschmackvoll  und  der  Thätigkeit  der  Gesell- 
schaft entsprechend  ausgeschmückt  war.  Während  die  eine  Seite  des 
Saales  eine  prachtvolle  Gruppe  tropischer  Gewächse  einnahm,  aus  welcher 
die  Büsten  Sr.  Majestät  des  deutschen  Kaisers  und  Sr.  Majestät  des  Königs 
von  Sachsen  neben  der  Alexander  von  Humboldts  hervorragten,  veran- 
schaulichten an  den  Wänden  Apparate  und  Darstellungen  die  Thätigkeit  der 
einzefnen  Sectionen,  unter  denen  namentlich  eine  reizende,  von  Herrn  Römer , 
Conservator  am  Kgl.  zoologischen  Museum,  aufgestellte  Gruppe  allseitigen 
Beifall  fand.  Der  zweite  Vorsitzende  der  Isis,  Oberlehrer  Dr.  Helm, 
eröffnete  die  Festfeier  mit  einem  Toast  auf  Ihre  Majestäten  den  deutschen 
Kaiser  und  den  König  von  Sachsen.  Oberlehrer  Engelhardt  feierte  den 
Vater  der  Isis,  Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz,  welcher  seinerseits  die  aus- 
wärtigen Mitglieder  leben  liess  und  die  zahlreichen  Gesellschaften  namhaft 
machte,  welche  Glückwunschschreiben  und  Telegramme  eingesandt  hatten. 
Ihm  folgten  zahlreiche  Toaste  ernsten  und  heiteren  Inhalts,  welche  der 
Gesellschaft,  den  Festrednern,  dem  Festcomite,  den  Professoren  des  Kgl. 
Polytechnikums  u.  a.  galten  oder  in  launiger  Weise  das  Wirken  der  „Isis" 
verherrlichten.  — 

Am  Nachmittag  des  16.  Mai  1885  unternahm  eine  grössere  Zahl 
Mitglieder  mit  ihren  Familien  einen  Ausflug  nach  Tharandt,  wo  sie 
unter  der  freundlichen  Führung  des  Herrn  Geh.  Oberforstrath  Dr.  Judeich 
und  mehrerer  der  Herren  Professoren  der  Kgl.  Forstakademie  die  Ein- 
richtungen des  Forstgartens  besichtigten  und  einen  längeren  Spaziergang 
durch  die  heiligen  Hallen  ausführten. 

Mit  diesem  Ausflug  schloss  die  Jubelfeier  der  Isis,  welche  wohl  bei 
allen  Theilnehmern  einen  freundlichen  und  bleibenden  Eindruck  hinter- 
lassen hat. 


^)  Von  einer  ausführlichen  Wiedergabe  dieses  Vortrags  soll  für  jetzt  hier 
abgesehen  werden,  da  Vortragender  dasselbe  Thema  in  reicherer  Weise  ver- 
arbeitet zum  Gegenstände  einer  späteren,  durch  Karten  zu  erläuternden  Ab- 
handlung zu  machen  gedenkt. 


I.   Section  für  Zoologie. 


Ente  SltzuBf  am  19.  Februar  1885.  Vorsitzender:  Oberlehrer 
Dr.  R.  Ebert. 

Schuldirector  Th.  Reibisch  legt  vor  und  bespricht  das  Skelett  des 
Maulwurfs  und  abnorme  Knochenhäufungen  und  Verwachsungen  am  Brust- 
kasten eines  Huhns. 

Prof.  Dr.  B.Vetter  spricht  über  das  Eierlegen  und  die  Ent- 
wickelung  der  Monotrematen. 

Docent  H.  Krone  giebt  unter  Vorlage  zahlreicher  Objecto  zoo- 
logische Sammelberichte  aus  Brasilien,  die  sein  Sohn  ton  dort 
eingesendet. 


Zweite  Sltzuns  am  U.  April  1885.     Vorsitzender:   Überlehrer  Dr. 
R.  Ebert. 

Prof.   Dr.   B.    Vetter    spricht    über   Archaeopteryx    und   den 
Stammbaum  der  Vögel.    (Vergl.  Festschrift  der  Isis,  1885,  S.  109.) 


Dritt«  Sitzans  am  18.  Juni  1885.  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr. 
R.  Ebert. 

Zur  Vorlesung  gelangt  ein  Brief  von  Dr.  F.  Notthaft  aus  Frank- 
furt a.  M.,  der  mit  einer  Abhandlung  über  die  Verbreitung  der  Kreuz- 
otter beschäftigt,  uni  darauf  bezügliche  Notizen  bittet. 

Schuldirector  Th.  Reibisch  spricht  über  Abnormitäten  am  Ge- 
häuse verschiedener  Helix- kr ten  und  anderer  Schnecken  und  erläutert 
dieselben  an  zahlreichen  Exemplaren  seiner  Sammlung. 

Der  Vorsitzende  behandelt  die  Entstehung  der  Geschlechter 
bei  Menschen,  Thieren  und  Pflanzen  nach  Dr.  Heincke  in  Oldenburg 
und  Dr.  Karl  Düsing's  Werke:  Die  Regulirung  des  Geschlcchtsverhält- 
nisses  bei  der  Vermehrung  der  Menschen,  Thiere  und  Pflan^^en. 


JO 

Vierte  Sitznnfp  am  15.  October  1885.  Vorsitzender:  Oberlehrer 
Dr.  R.  Ebert. 

Dr.  Erich  Haase  führt  den  Duftapparat  von  Acherotitia  Atropos  h, 
vor  und  hält  einen  eingehenden  Vortrag;  „Zur  Biologie  der  Käfer- 
gattung Pkengodes  III." 

In  seinen  „Reisen  in  Südamerika"  berichtet  Azara  von  einer  Insekten- 
larve, deren  Kopf  und  Nacken  wie  eine  glühende  Kohle  in  rothem  Licht 
erglänzte  und  deren  Seiten  eine  Reibe  gelblichgrün  strahlender  Leucht- 
flecken zeigte. 

Eine  ebenso  auffallend  leuchtende  Larve  fand  Reinhardt  in  einem 
südamerikanischen  Landstädtchen.  Er  gab  eine  sehr  genaue  Beschreibung 
des  äusseren  Baues  derselben  und  beobachtete,  dass  das  gelbgrüne  Licht 
der  Seitenleuchtflecken  von  der  Willkür  des  Thieres  beeinflusst  wurde, 
während  das  rothe  am  Kopf  constant  blieb. 

Ohne  von  seinen  Vorgängern  Kenntniss  zu  haben,  beschrieb  A.  Murray 
1869  eine  von  Fry  bei  Rio  de  Janeiro  auf  einem  Landweg  gefundene  Larve, 
welche  in  der  von  Azara  beschriebenen  Weise  geleuchtet  hatte,  und  bildete 
sie  recht  treffend  ab;  nach  einer  Notiz  von  Trimen  im  selben  Bande  des 
„linnean  Journal"  war  eine  solche  Larve  auch  schon  einmal  in  Monte- 
video von  einem  Canonicus  Ogilvie  beobachtet  worden.  Die  fragliche 
Larve  muss  sehr  selten  sein,  da  sie  alle  Beobachter  höchstens  in  zwei 
Exemplaren  gefunden  hatten.  Nach  Murray  steht  dieselbe  den  Elateriden- 
larven  am  nächsten,  obwohl  sie  nicht  der  Familie  dieser  Käfer  unbedingt 
zuzutheilen  ist;  er  nennt  sie  so  provisorisch  Astraptor  illuminans. 

Im  Anschluss  an  Murray's  Arbeit  veröffentlichte  Burmeister  zwei 
Jahre  später  Beobachtungen  über  eine  leuchtende  Käferlarve,  welche  die- 
selben Lichterscheinungen  zeigte,  jedoch  sich  im  äusseren  Bau  von  Murray's 
Larve  deutlich  unterschied  und  von  Burmeister  zur  Gattung  Pyrophorus^ 
den  echten  Leuchtschnellkäfern,  gestellt  wurde. 

Ohne  von  diesen  Vorarbeiten  Kenntniss  zu  nehmen,  beschrieb  endlich 
noch  Weyenbergh  1872  die  besprochene  leuchtende  Larve,  welche  er  in 
den  Strassen  Cordova's  bei  strömendem  Regen  gefunden  hatte;  auch  er 
hält  die  Larve  für  zu  Pyrophorus  gehörig.  Die  Larve  Weyenbergh's  nun 
stimmt  am  meisten  mit  der  von  Murray  und  Reinhardt,  die  Burmeister's 
(ihrer  bedeutenderen  Grosse  nach)  mit  der  Azara^s  überein.  Auch  unter 
den  von  Herrn  Dr.  A.  St  übel  aus  Südamerika  mitgebrachten  Thieren 
befinden  sich  zwei  solcher  als  „leuchtend^*  bezeichneter  und  dem  i^Astraptor^^ 
sehr  ähnlicher  Larven. 

Die  Entscheidung  der  Frage,  zu  welcher  Gattung  jene  leuchtende 
Larve  gehörte,  wuräe  nach  dem  Vortragenden  besonders  dadurch  hin- 
gehalten, dass  die  Beschreiber  der  Larve  keine  anderen  leuchtenden  Käfer 
herbeiziehen  zu  können  glaubten,  als  Lampyriden  und  Pyrophorus.  Nun 
leuchten  aber  noch  die  zahlreichen  Arten  der  amerikanischen  Phengödes^ 
was  schon  Goudot  1843  geschildert  hatte,  und  in  der  That  finden  sich 


11 

besonders  in  den  Dr.  StübeFschen  CoUectionen  diese  ^,Ästraptar*^  neben 
relativ  reichlichen  PhengodeSf  die  alle,  wie  Vortragender  durch  Präparation 
feststellte,  Männchen  sind. 

Auch  die  Phengodes  des  Berliner  Museums  sind  alle  männlichen  Ge- 
schlechts. Volle  Klarheit  gab  endlich  die  Beobachtung  des  Herrn  Dr. 
HieronynoLUs,  einstigen  Professors  der  Botanik  in  Cordova,  der  Phengodes- 
Männchen,  einer  noch  unbeschriebenen  Art  angehörig,  mit  dem  Ästraptar 
genannten  Thier  in  C!opula  fand.  Das  Weibchen  legte  später  Eier,  aus 
denen  nach  kurzer  Zeit  ihm  sehr  ähnliche  Larven  hervorgingen,  die  so 
leuchteten,  wie  ihre  Mutter. 

Auch  die  anatomische  Untersuchung  dieser  ganz  flügellosen,  mit 
Larvenfuhlem  und  einkralligcn  Beinen  versehenen,  durchaus  larvenähn- 
lichen Weibchen  liess  reife  Eier  im  Uterus,  sowie  ein  mit  Spermatozoen 
gefülltes  Receptaeulum  seminis  erkennen.  Die  darauf  bezüglichen  Präpa- 
rate und  Zeichnungen  werden  vom  Vortiragenden  vorgezeigt. 

So  ist  denn  durch  die  Entwickelung  des  Weibchens  von  Phengodes 
wieder  ein  Uebergangsbeispiel  mehr  von  sogenannter  vollkommener  zu 
sogenannter  unvollkommener  Verwandlung  der  Insecten,  sowie  ein  Beweis 
dafür  gebracht,  dass  die  Gattung  Phengodes^  welche  zu  den  besonders  ab- 
getrennten Telephoriden  gestellt  wurde,  besser  mit  letzteren  und  den  Lam- 
pyriden  s.  str.  eine  einzige  Gruppe  bildet. 

Prof.  Dr.  B.  Vetter  spricht  über  die  Gliederung  des  Wirbel- 
thierschädels. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  bringt  einen  Aufsatz  von  Dr.  E.  Th.  Liebe, 
die  Uebelthäter  in  der  Vogelwelt,  zur  Vorlesung. 


12 


IL  Section  für  Botanik. 


Erste  Hitiung  am  8.  Januar  1885.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
0.  Drude. 

Der  Vorsitzende  legt  Kirchner^s  Süss  Wasserflora  (abgekürzter  Leit- 
faden für  die  Algenflora  Mitteleuropas)  und  Leitgeb's  Vortrag  über 
Reizbarkeit  und  Empfindung  im  Pflanzenreich  vor. 

Dr.  K.  Vetters  hält  einen  Vortrag  über  die  Wechselbeziehungen 
zwischen  Flora  und  Fauna  von  Neuseeland. 

Das  organische  Leben  dieser  Inselgruppe  ist  in  vieler  Beziehung  sehr 
interessant ,  •  besonders  zeigt  die  Fauna  mancherlei  Sonderheiten  im  Ver- 
gleiche zu  anderen  Theilen  der  Erde.  So  ist  das  gänzliche  Fehlen  der 
Landsäugethiere  und  das  Auftreten  merkwürdiger  Formen  im  Reiche  der 
Vögel  und  Amphibien  für  Neuseeland  charakteristisch.  Frühere  Forschungen 
betonten  auch  eine  aufiTällige  Armuth  an  Insecten,  die  bei  uns  eine  so 
bedeutende  Rolle  im  Befruchtungsgeschäfte  der  Pflanzen  spielen,  und  schloss 
man  aus  dieser  Beobachtung,  dass  die  Vegetation  auf  Neuseeland  bei 
weitem  nicht  so  abhängig  von  der  Thierwelt  sei  wie  bei  uns.  Die  gleich- 
zeitigen Untersuchungen  über  die  Flora  des  Eilandes  konnten  diese  An- 
nahme nur  bestätigen.  Nach  den  Angaben  von  Wallace  sind  die  Blüthen 
der  neuseeländischen  Pflanzen  meist  klein,  unansehnlich  und  auch  durch 
ihre  Färbung  wenig  in  die  Augen  fallend.  Wohlriechende  Blumen  sind 
nach  ihm  äusserst  selten.  —  In  Bezug  auf  die  Insectenwelt  sei  erwähnt, 
dass  Wallace  nur  1 1  Tribus  Schmetterhnge  und  300  Species  Käfer  kennt. 
Dipteren  und  Heteropteren  hat  er  nicht  vorgefunden;  die  auftretenden 
Neuropteren,  Orthopteren  und  Homopteren  kommen  nicht  in  Betracht, 
da  sie  keine  Blumen  besuchen. 

Nach  neueren  Forschungen  stellen  sich  jedoch  die  Verhältnisse 
wesentlich  anders.  Man  fand  auf  Neuseeland  viele  hundert  Schwärmer- 
arten, 1300  Species  Käfer,  10  Bienenarten  und  über  90  Species  Dipteren. 

Auch  die  Flora  ist  keineswegs  so  arm  wie  sie  uns  nach  den  Schilder- 
ungen von  Wallace  erscheint.  Georges  Thompson  sammelte  in  einem 
Zeiträume  von  3  Jahren  132  Genera  mit  262  Species  blühender  Pflanzen, 
von  denen  nach  seinen  Beobachtungen  nur  82  Species  einige  Wahrschein- 


13 

lichkdt  der  Selbstbefirochtang  fBr  sich  haben.  Hindchtlich  der  Färbung 
der  Blfithen  constatirte  Thompson,  dass  72  Species  weiss,  27  gelb, 
18  grünlich,  2  violett,  2  blau  und  11  roth  oder  rosa  gefärbt  waren. 
Nor  8  Species  sind  vollständig  gemchlos,  tragen  aber  dafiir  schöne  Blüthen 
Ton  bedeutender  Grösse,  die  durch  kleine  Vögel  besucht  werden.  Mit 
Einscbhiss  der  anemophilen  Pflanzen  bleiben  nach  Thompson  nur  39  Species 
übrig,  die  in  keinerlei  Beziehung  zur  Insectenwelt  stehen. 

Prof.  Dr.  R.  Ulbricht  berichtet  über  chemische  Analysen  von 
einer  Orchidee;  Vortragender  Üieilt  mit,  dass  er,  um  einen  Beitrag 
zur  Ernährung  der  epiphyten  chlorophyllführenden  Pflanzen  zu  liefern, 
ein  Stück  Oneidium  sphacdatfim  Lindl.  aus  dem  Dresdener  botanischen 
Garten  untersucht  habe.  Der  untersuchte  Trieb  betrug  allerhöchstens  ein 
Zehntel  der  ganzen  grossen,  ohne  jede  weitere  Unterlage  auf  berindetem 
Holze  wachsenden  Pflanze  und  bestand  aus 

Luftwurzeln 6,5  Proc. 

Scheinknollen  (3) 65,9      „ 

Sonstigen  Organen  (ohne  Blüthen)    27,6      „ 
Alle  Organe  enthielten,  im  Gemenge  untersucht, 

Wasser 89,91  Proc 

Trockensubstanz 40,09      „ 

Reinasche 0,60  Proc. 

darin 

Kalkerde 0,387      „ 

Talkerde 0,053      „ 

Eisenoxyd 0,021      „ 

Phosphorsäure 0,023      „ 

Kieselsäure  ...  ^  ...  .  0,045  „ 
Alkalien,  Schwefelsäure  und  Chlor  0,071  „ 
Redner  berichtet  hierzu  noch  über  zahlreiche,  von  De  Luca  in  den 
Compt.  rend.,  1866,  pag.  244  ausgeführte  Bestimmungen  des  Aschegehaltes 
verschiedener  Orchideenarten  und  knüpft  hieran  kurze  Betrachtungen  über 
die  Aufnahme  von  Mineralstoffen  seitens  der  Epiphyten  durch  die  Luft- 
wurzeln" und  andere  Organe  aus  dem  atmosphärischen  Staube. 


Zweite  Sitzang  am  5,  Hlrz  1885.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
0.  Drude. 

Der  Vorsitzende  hält  einen  Vortrag  über  „Die  einheitliche  Ent- 
stehung neuer  Pflanzenarten''.  Seit  der  Zeit,  wo  man  über  die 
Bedingungen,  unter  welchen  neue  Arten  sich  bilden  können,  wissen- 
schaftliche Forschungen  und  Betrachtungen  angestellt  hat,  ist  die  Frage, 
ob  jede  neue  Art  wirklich  nur  eine  einzige  Heimat  haben  müsse  oder  ob 
dieselbe  Art  (überhaupt  jede  Sippe)  auch   an  völlig  geschiedenen  Orten 


14 

gleichzeitig  oder  ungleichzeitig  ganz  nnabhängig  mehr&ch  habe  entstehen 
können,  von  besonderer  Wichtigkeit  gewesen.  Die  Mehrzahl  der  Heimats- 
areale von  Pflanzen  ist  derartig  beschaffen,  dass  ein  ernster  Zweifel  an 
der  einheitlichen  Entstehung  nicht  gehegt  werden  kann ;  in  Frage  kommen 
nur  solche  Fälle,  wo  an  weit  entlegenen  Orten  dieselbe  Form  thatsächliob 
beobachtet  wurde,  ohne  dass  man  eine  Wanderung  von  einem  zum  anderen 
Orte  für  leicht  erklärlich  halten  darf;  diese  Fälle  betreffen  also  die 
sogenannten  „discontinuirlichen^^  oder  „disjuncten'^  Areale,  welche  den 
„continuirlichep'^  Arealen  als  Minderzahl  gegenüberstehen.  —  Vor  einem 
Decennium  beschäftigte  die  Pflanzengeographie  in  dieser  Hinsicht  das  Areal 
der  zu  den  Rhamneen  gehörigen  Fhylica  arborea,  dem  krummholzartig 
wachsenden  starken  Strauche  der  Insel  Tristan  d'Acunha,  welche  viel 
später  auch  auf  Neu -Amsterdam,  einer  über  1300  Meilen  von  ersterer 
entfernten  Insel,  gefunden  wurde,  sonst  nirgends  auf  der  Erde.  Die  aus- 
führliche Discussion  des  Falles  ergab  doch  auch  hier  mit  der  grössten 
Wahrscheinlichkeit  Verschleppung  dieser  Phylica  durch  oceanische  Ström- 
ungen von  Tristan  d'Acunha  nach  Neu  -  Amsterdam.  —  Ein  anderer  Fall 
betrifft  die  Koa-Acacie,  welche  gleichzeitig  auf  den  Sandwich -Inseln  und 
auf  Madagaskar,  sonst  nirgends,  beobachtet  sein  sollte.  Hier  hat  sich 
nun  allerdings  herausgestellt,  dass  die  Acacia  Koa  der  Sandwich-Inseln 
specifisch  von  der  malagassischen  Form  A,  heterophyUa  verschieden  ist, 
dass  somit  überhaupt  nicht  dieselbe  Art  an  zwei  getrennten  Orten  ent- 
standen ist.  Befremdend  ist  aber  der  Fall  trotz  alledem,  da  beide  Acada- 
Arten  zu  der  sonst  ÜEist  allein  auf  Australien  beschränkten  Section  der 
Phyüodinae  gehören;  es  wäre  also  wohl  als  das  Wahrscheinlichste  anzu- 
nehmen, dass  vor  langer  Zeit  von  Australien  aus  eine  phyllodine  Acacie 
sowohl  nach  den  Sandwich-Inseln  als  nach  Madagaskar  verschlagen  wurde, 
welche  sich  dort  zu  den  einheimischen  Arten  umgebildet  hat;  in  solchen 
Fällen,  sobald  wir  der  bestehenden  Artverschiedenheit  wegen  auf  ver- 
gangene Zeitabschnitte  der  Erdentwickelung  zurückgreifen  müssen,  hat  die 
Hypothese  ein  um  so  freieres  Spiel,  ist  eine  sichere  Entscheidung  um  so 
schwerer  zu  treffen.  —  Ein  dritter,  sehr  interessanter  Fall  betrifft  das 
Auftreten  von  Cctstanea  vesca  im  Mediterrangebiet  und  ganz  unabhängig 
davon  in  den  atlantischen  Staaten  Nordamerikas;  in  beiden  Gebieten 
weichen  die  Formenkreise  der  Kastanie  nur  wenig  von  einander  ab.  Hier 
vermag  die  Entwickelungsgeschichte  der  Erde  erklärend  einzugreifen,  welche 
aus  paläontologischen  Resten  die  frühere  viel  weitere  Verbreitung  der 
Kastanie  im  Tertiär  nachweist,  wo  sie  auch  z.  B.  in  Japan  gefunden  ist, 
ohne  jetzt  dort  noch  wild  zu  sein ;  nimmt  man  die  Verbreitung  der  ver- 
wandten Gattung  Castanopsis  in  Ost- Asien  und  Kalifornien  dazu,  so  erhellt 
daraus,  dass  von  dem  grossen  Areal  der  Kastanien  {Oastanea  und 
Castanopsis)  in  der  arkto-tertiären  Flora,  welches  vielleicht  seinen  Mittel- 
punkt an  beiden  Küsten  des  Stillen  Oceans  gehabt  hat,  für  Casianea  vesca 
in  der  jetzigen  Periode  nur  noch  die  beiden  fragmentarischen,  südwärts 


15 

stark  Torgeschobenen  Gebietsreste  in  der  Alten  and  Neuen  Welt  übrig 
geblieben  sind. 

Es  ist  also  wiedemm  aus  der  Betrachtung  aller  dieser  Fälle  hervor- 
gegangen, dass  kein  zwingender  Orund  iiir  die  getrennte  Doppelentstehung 
derselben  Art  geltend  gemacht  werden  kann.  Es  ist  jedoch  dabei  nöthig, 
den  Begriff  der  „einheitlichen"  Entstehung  nicht  su  eng  beschränkt  auf- 
zufassen ;  man  darf  sich  schwerlich  Torstellen,  dfcss  nur  an  einer  sehr  eng 
begrenzten  Stelle  irgend  eine  neue  Art  entstehen  und  sich  von  da  weiter 
yerbreiten  müsse.  Vortragender  ist  der  Meinung,  dass,  wenn  z.  B.  unter 
den  vielen  iZtiAu^- Formen  Mitteldeutschbinds  eine  besonders  zur  Heraus- 
bildung einer  neuen  Art  neigte,  diese  gleichzeitig  im  Riesen-,  Iser-,  Erz-, 
Fichtelgebirge  u.  s.  w.  entstehen  könnte  und  also  sogleich  aus  vielen 
Stammpflanzen  erzeugt,  ein  grösseres  Areal  (selbstverständlich  ein  continu- 
irliches)  von  Haus  aus  besässe. 

Sobald  wir  den  Boden  der  Betrachtung  von  den  Arten  und  ihren 
Arealen  ausdehnen  auf  die  Gattungen  und  ihre  Areale,  wird  die  Discussion 
schwieriger  und  häufen  sich  die  Annahmen  wegen  unserer  Unkenntniss 
der  letztvergangenen  Erdperioden.  Vortragender  beleuchtet  beispielsweise 
die  disjuncten  Areale  von  Chstanopsis  (kaum  disjunct  zu  nennen),  Fagfis 
mit  3  borealen  und  12  aastralen  Arten  ohne  eine  einzige  Repräsentativ- 
form in  den  Tropen  und  in  Afrika,  Pelargonium  mit  163  Arten  am  Gap, 
2  im  südlichen  trop.  Afrika,  i  ^uf  Tristan  d'Acunha  und  Neuseeland, 
2  in  Südost- Australien ,  3  in  Abessinien,  1  auf  dem  Taurus,  Kurdistan 
und  Cilicien,  und  die  Goniferen-Gattung  Liboeedrus,  deren  jetziges  Areal 
mit  verschiedenen  Arten  Kalifornien,  China,  Neu-Kaledonien,  Neuseeland 
und  Chile  umfasst. 

Hinsichtlich  näherer  Einzelheiten  sowohl  über  diese  Fälle  als  über 
die  Theorien,  welche  sich  daran  anschliessen ,  ist  auf  des  Vortragenden 
Abhandlung  „lieber  die  systematische  und  geographische  Anordnung  der 
Phanerogamen"  zu  verweisen,  welche  in  dem  zuTrewendt's  Encyklopädie 
der  Naturwissenschaften  gehörigen  Handbuch  der  Botanik  von  Schenk 
in  nächster  Zeit  erscheinen  wird. 


Dritte  Sitzung  (Im  Kaltbaase  des  Kgl.  bolaiiiselien  Gartens)  am 
4.  Juni  1885.    Vorsitzender:  Prof  Dr.  0.  Drude. 

Herr  E.  Stötzer  legt  ein  noch  frisches,  in  der  Nähe  von  Dobna 
gesammeltes  Exemplar  von  Mdittis  MdissophyUtm  vor,  durch  welches 
der  erfreuliche  Beweis  geliefert  ist,  dass  der  in  Prof.  Drude' s  Abhand- 
lung über  die  östlichen  Pflanzengenossenschaften  in  der  Umgebung  Dresdens 
(Festschrift  dieses  Jahres,  S.  101)  erwähnte  Stendort  für  diese  seltene 
Labiate  noch  jetzt  besteht. 


16  _ 

Der  Vorsitzende  berichtet  über  eine  von  ihm  in  den  Pfingsttagen  ausge- 
führte botanische  Excursion  zum  Kalten  Berge  nahe  Dittersbacli 
und  Böhmisch-Kamnitz,  einer  steil  bis  736  m  Höhe  ansteigenden  Basaltkuppe, 
welche  sich  als  runder  Dom  wie  ihre  Schwester,  der  Rosenberg  bei  Tetschen, 
über  das  Eibsandsteingebirge  erhebt.     Es  ist  bekannt,  dass  der  grosse 
Winterberg  im  sächsischen  Qebietstheil  einige  seltenere  Pflanzen  in  seiner 
Flora  besitzt,  welche  dazu  anspornen,  die  Flora  der  südwärts  stärker  und 
dominirender  henror tretenden  Basaltberge    genauer   zu  untersuchen.     Es 
hat   sich   auch   thatsächUch   bei   diesem  Frühjahrsbesuche  herausgestellt, 
dass  die  Mehrzahl  der  selteneren  Pflanzen  des  sächsischen  Eibsandstein- 
gebirges hier  in  viel  reicherer  Fülle  neben  neu  hinzukommenden  auftreten. 
Wenn  Vortragender  diesen  Vorkommnissen  eine  grössere  Aufinerksamkeit 
widmet  und  sie  hier  erwähnt,  so  geschieht  es  nicht,  als  wenn  die  ge- 
nannten Pflanzen  an  anderen,  vielleicht  Dresden  näher  gelegenen  Orten  nicht 
auch  zu  finden  wären,  sondern  um  die  Flora  des  Eibsandsteingebietes  mit 
seinen   romantischen,    doch    floristisch   immerhin   ziemlich   einförmig   zu 
nennenden  tiefdurchfurchten  Thälern  durch  die  reichhaltigen  Sammelplätze 
der  nordböhmischen  Basaltberge  zu  beleben,    zu  zeigen,   dass  sich  hier 
eine  Montanflora  befindet,  von  der  viele  Vertreter  auch  auf  die  sächsischen 
Spitzen  oder  Thalschluchten  vorgedrungen  sind,    und  um  für  die  topo- 
graphische  Botanik    dieser    uns    hoch    interessirenden    Landschafben    zu 
sorgen. 

Vortragender  stieg  zu  dem  Berge*  vom  Dorfe  Kaltenbach  aus  hinan, 
da  wo  der  Bach  gleichen  Namens  in  360  m  Höhe  vom  Berge  herab- 
kommend in  das  Dorf  eintritt.  Hier  sind  schöne  Bergwiesen,  jetzt 
(25.  Mai)  alle  im  Schmuck  von  Orchis  Mario,  Saxifraga  granulata^  Plantago 
lancedata,  Luztda  campest-ns,  ÄlchemiUa  vulgaris,  Banuncidus  acer, 
Veronica  Chanuxeärys,  Rumex  Acefosa,  Bellis  perennis  zwischen  Anthoxan- 
thum  und  Alopecurus  prangend,  auf  Sandstein  als  Untergrund.  Dem* 
Bachthal  aufwärts  folgend  (dasselbe  bildet  eine  tiefe  Thalfurche  an  der 
Nordostseite  des  Berges)  und  über  eine  steilere  Bergwiese  mit  Thlaspi 
aipestre  (sehr  häufig!),  Pölygala  vulgaris  mit  dunkelblauen  Blumen,  Ajuga 
reptans  und  Cardamine  pratensis  hinschreitend,  trifft  man  alsbald  auf  den 
Wald,  der  aus  den  drei  Nadelhölzern  (Fichte,  Tanne,  Kiefer),  der  Erle 
und  Buche  zunächst  besteht,  dann  aber  in  den  höheren  Lagen  auf  Basalt- 
untergrund in  den  herrlichsten  Buchenwald  übergeht,  wie  er  in  gleicher, 
sonst  diesen  Gegenden  fehlenden  Schönheit  auch  auf  dem  Rosenberge 
erblickt  wird;  die  höchsten  Lagen  nimmt  dann  wieder  der  Nadelwald 
(Tanne!)  grösstentheils  für  sich. 

Am  Bach,  im  tiefen  oder  lichteren  Schatten  des  gemischten  Waldes, 
stösst  man  alsbald  auf  Cardamiiie  amara  und  Euphorbia  dtilcis,  dichte 
Massen  von  ChaeropfiyUum  hirsutum,  Equisetum  siJvaticum,  stellenweise 
auch  Möhringia  trinervis»  Bei  400  m  Höhe  angelangt,  zeigen  sich  plötzlich 
zwei  bessere  Vertreter  der  Montanflora  r  zuerst  {Seneciö)  Tephroseris  sudetica 


17 

in  erster  Blüthe,  die  Doldentrauben  strahlig  ausgebreitet,  die  orangegelben 
Blumen  weithin  leuchtend;  und  dann  einige  Meter  höher  hinan  Petasites 
nUms,  jetzt  schon  völlig  verblüht  und  mit  weissschiramernden  Pappus- 
kränzen  an*  den  Früchten.  Die  beiden  Girysospknien  wachsen  auf  dem 
quelligen  'Boden  gesellig,  an  einzelnen  Waldplätzen  Smilacina  bifolia  in 
ungeheuren  Mengen,  dazu  Paris  quadrifdia  und  Carex  bri^saides.  Die 
ersten  Pfte^iYcs-Exemplare  stehen  da,  wo  sich  grobes  Basaltgeröll  zwischen 
die  Sandsteinblöcke  mischt;  bald  schwinden  die  letzteren  und  der  Berg- 
charakter wird  vorwaltend.  Poa  sudetica  neben  Milium  effusum  zeigen 
sich  alsbald  als  bemerkenswerthe  Gräser,  beide  kräftig  in  Halme  schiessend 
und  noch  weit  von  der  Blüthe  entfernt,  Ordbus  vemus  hier  jetzt  erst  in 
Blüthe  eintretend,  Oo'aUs  Acetoselln,  Cysiopteris,  neben  Pclypodium 
Ih^yopteris  auch  PJiegqpteris ,  und  mit  450  m  Höhe  die  ersten  Exemplare 
von  Dentaria  mneaphyllos!  Ueber  500  m  hoch  wächst  Petasites  albus 
als  häufigste  Pflanze  im  Bachgeröll,  und  alsbald  muss  das  Bachthal  mit 
seinem  bequemen  Aufstieg  verlassen  und  mit  Bergpfaden,  welche  von  der 
Nordseite  her  zum  Gipfel  fuhren,  vertauscht  werden.  Hier,  an  den 
trockneren  Abhängen,  im  herrlichsten,  oft  geschlossenen  und  oft  wieder 
lichteren  Buchenwalde  bedecken  jetzt  zumeist  Met'curialis  perennis  und 
Asperula  odarafa  den  Boden,  ist  Lamium  maculatum  häufig,  und  blüht 
noch  jetzt  Sambucus  racemosa.  Grosse  Massen  von  Dentaria  enneaphyllos 
sind  neben  einer  grossblüthigen,  dunkelvioletten  und  wohlriechenden  Form 
von  Glechoma  hederacea  häufig,  und  dazu  gesellt  sich  als  Gattungsgenoss 
Dentaria  bulbifera  an  den  Lichtungen;  die  grösste  Häufigkeit  beider 
Dentarien  liess  sich  um  630  m  beobachten ,  wo  auch  Ranunculus  lanugi- 
nosus,  Actaea  spicata  neben  GaleobddUm  luteum  sich  zu  ihnen  gesellten. 
Von  hier  an  beginnt  der  reine  Buchenwald  wieder  in  Mischwald  über- 
zugehen, stellenweise  Fichten  vorzuherrschen  mit  Pyrola  uniflora  und 
sectmda  (in  Knospen)  in  ihrem  Schatten,  und  die  Tanne  in  einzelnen 
schönen  Stämmen  sich  einzumischen;  die  Kuppe  wird  steiler,  das  Geröll 
nimmt  zu,  dazwischen  stehen  die  üppigsten  Exemplare  von  Paris  quadri- 
folin  und  grosse  Rasen  von  einer  durch  ihre  rosa  Blüthenfarbe  sehr  aus- 
gezeichneten Spielform  der  Myosotis  silvatica. 

Die  Kuppe  selbst  war  damals  noch  dicht  mit  Buchen,  Fichten, 
Bergahorn  (gerade  in  erster  Blüthe  bei  736  m  Höhel)  und  Tannen 
bewachsen;  inzwischen  soll  den  Anstrengungen  des  böhmischen  Gebirgs- 
vereins  ein  bequemer  Aufstieg  mit  Rundsicht  von  der  Kuppe  zu  verdanken 
sein.  Ribes  alpinum  mit  Daphne  Mezereum  bildete  das  Untergesträuch, 
Paris,  Urtica,  Asperula  und  Mercurialis  die  gesellige  Stauden  Vegetation. 
Beim  Abstiege  gen  Südosten  auf  die  obersten  Häuser  des  Dorfes  Hasel  zu 
erschienen  auf  den  flachgewölbten  Bergwiesen  mit  eben  abgeblühten 
Vrimula  eiatior  und  Anemone  nemarosa,  Polygala  vulgaris,  CmivaUaria 
niajalis  (auf  der  Wiesel)  und  der  niedergedrückten  Wiesenform  von 
Aldiemilla  vulgaris  grosse  Rudel  von  Orclns  samhtieina,  bald  rothbraun, 

üe».  Isi»  in  Dresden  1885.  —  Hiürangtbcr.  2.  2 


_^  18 

bald  wachsgelb  in  den  Blüthen,  die  einen  erfreulichen  Abschluss  des 
Ausfluges  bilden.  — 

Die  selteneren  Pflanzen  dieser  Gegend  wurden  vorgelegt  und  alsdann 
die  Photographie  in  natürlicher  Grösse  nebst  Originalfrüchten  eines  grossen 
Phytelephas  maVromrpa -Kolbens  gezeigt,  welche  beide  Herr  Amtsrichter 
Munkel  so  freundlich  war  der  Gesellschaft  zur  Ansicht  zu  senden. 

Ein  gemeinsamer  Spaziergang  durch  den  botanischen  Garten  beschloss 
diese  Sitzung. 


Vierte  Sitzuntp  am  1.  October  1885.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
0.  Drude. 

Der  Vorsitzende  legt  den  neu  erschienenen  „Botaniker-Kalender**  vor. 

Handelsschullehrer  0.  Thüme  hält  einen  Vortrag  über  die  Flora 
von  Neu-Vorpommern,  Rügen  und  Usedom,  da  er  im  letzten 
Sommer  Gelegenheit  gefunden  hatte,  die  Flora  der  letzteren  Insel  aus 
eigener  Anschauung  theilweise  kennen  zu  lernen.  Nachdem  Vortragender 
über  diese  Insel  im  Allgemeinen  und  eingehend  über  die  Lage  und  sonstigen 
Verhältnisse  des  auf  ihr  liegenden  Badeortes  und  Fischerdorfes  Ahlbeck, 
das  eine  halbe  Stunde  von  dem  bekannten  Bade  Häringsdorf  entfernt  ist, 
berichtet  hatte,  theilte  er  mit,  dass  nach  Prof.  Marsson  dieses  Floren- 
gebiet 1126  Arten  umfasst,  unter  denen  sich  835  Dikotyledonen, 
291  Monokotyledonen  und  24  Bastarde  befinden,  und  stellt  sich  das  Ver- 
hältniss  der  Mono  -  zu  den  Dikotyledonen  wie  1  :  29.  Vortragender  führte 
zunächst  20  ausschliessliche  Strandpflanzen  an,  von  denen  er  besonders 
im  Monat  August  blühend  und  in  Menge  am  Meeresufer  vorfand:  den 
gewöhnlichen  Meersenf  (Cakile  maritima  Scop.),  die  dickblättrige  Salzmiere 
{Honkenia  peploides  Ehrb.),  die  baltische  Binse  (Juncus  balticus  Willd.)  etc. 
Sodann  gedachte  er  der  42  Pflanzenarten,  die  am  Meeresstrande  vor- 
kommen, aber  auch  im  deutschen  Binnenlande  auf  salzhaltigem  Boden 
gefunden  werden,  und  führte  von  ihnen  besonders  die  bei  Ahlbeck  und 
Häringsdorf  wachsenden  Arten  auf,  so  z.  B.  das  reizende  schmalblättrige 
Tausendgüldenkraut  {Erythraea  Unariifolia  Pers.),  den  grossblumigen 
Zahntrost  (OdontUes  litoralis  Fr.),  den  steif  blättrigen  Sandhafer  {Elymus 
arenarius  L.)  etc.  Hierauf  führte  er  im  Geiste  die  Zuhörer  vom  Strande 
aus  durch  den  dichten  Laub-  und  Nadelwald,  über  Wiesen  und  Felder 
nach  mehreren  der  reizenden  Landseen  Usedoms,  dabei  hauptsächlich  die 
Pflanzen  nennend,  welche  im  Hochsommer  daselbst  blühen  oder  Früchte 
tragen  und  den  Charakter  der  Landschaft  mehr  oder  weniger  bestimmen. 
Während  den  physiognomischen  Charakter  des  Waldes  hauptsächlich 
Coniferen  und  Amentaceen,  also  Kiefern,  Buchen,  Eichen  und  Birken 
bestimmen,  herrschen  auf.  Wiesen  und  Feldern  besonders  Gramineen, 
Cyperaceen  und  Papilionaceen  vor.    Eigenthümlich  ist  in  diesem  Terrain 


19 

das  ziemlich  zahlreiche  Vorkommen  von  Orchideen  und  zählt  man  auf 
40  Pflanzenarten  schon  eine  Art  dieser  schönen  Pflanzenfamilie;  so  fand 
Vortragender  Epipogon  aphyüus  Sw.,  den  blattlosen  Widerbart,  am  Langen- 
berge bei  Häringsdorf,  am  Strande  und  in  den  Wäldern  Ahlbecks  sehr 
häufig  Epipactis  rubiginosa  Gaud.  (braunrothe  Sumpfwurz),  sowie  die 
zierliche  Goodyera  repens  Br.  (kriechende  Goodyere),  bei  Häringsdorf 
Epipactis  latifolia  All.  (breitblättrige  Sumpfwurz)  etc.  Weiter  wurden 
drei  Pflanzen  erwähnt,  die  nur  in  diesem  kleinen  Gebiete  und  sonst 
nirgends  in  Deutschland  yorkommen ,  nämlich  Atriplex  Babingtanii  Woods 
(Babingtons  Melde),  auf  Bügen  und  der  Nordspitze  von  Usedom  wachsend, 
Rubus  Münteri  und  R.  macranthelos  Marss.,  die  beide  bei  Wolgast  gefunden 
wurden.  Noch  gedachte  der  Vortragende  einer  Reihe  yon  Pflanzen,  die 
in  diesem  Gebiete  die  Grenzen  ihrer  Verbreitung  nach  irgend  einer 
Richtung  hin  für  Deutschland  oder  für  Europa  finden  und  besprach  noch 
einige  Gewächse,  die  in  diesen  Gegenden  von  Jahr  zu  Jahr  mehr  und 
mehr  verschwinden,  so  ist  dies  z.  B.  der  Fall  mit  der  gemeinen  Eibe 
{Taxus  baccata  L.),  dem  gebräuchlichen  Glaskraute  {Parietaria  officinalis  L.), 
während  unter  den  eingewanderten  Pflanzen,  die  alljährlich  sich  mehr 
Terrain  erobern,  besonders  die  aus  Nordamerika  stammende  Composite 
(Erigeron  canadensis  L.),  ferner  das  durch  Kleesamen  eingeführte  kelch- 
irüchtige  Schildkraut  (Algsum  calgcinum  L.)  und  das  ursprünglich  im 
mittleren  Russland  heimische  FrüUings-Kreuzkraut  (Senecio  vemalis  W.  K.) 
genannt  wurden. 

Oberförster  A.  Kosmahl  hält  darauf  einen  Vortrag  über:  Para- 
sitische Pilze  als  Urheber  von  Baumkrankheiten. 

Gewisse  Krankheiten  der  Waldbäume,  wie  die  Rothfaule  der  Fichte, 
der  Kienzopf  der  Kiefer  etc.,  waren  schon,  wie  aus  einem  in  Leipzig  1795 
erschienenen  Buche  Schreger's:  die  Erkenntniss  der  Krankheiten  der  Wald- 
und  Gartenbäume,  hervorgeht,  Ende  vorigen  Jahrhunderts  bekannt,  nur 
erklärte  man  sie  sich  anders  als  in  der  Jetztzeit.  Vor  reichlich  50  Jahren 
wandte  sich  die  Aufmerksamkeit  der  Forstwirthe,  angeregt  durch  die 
Forschungen  der  Oberforsträthe  Hai'tig  und  König,  sowie  des  Professor 
Ratzeburg  und  Anderer,  den  durch  Thiere  und  Witterungseinflüsse  hervor- 
gerufenen Pflanzenkrankheiten  zu  und  ist  darin  bis  auf  die  neueste  Zeit 
Viel  und  Grosses  geleistet  worden. 

Der  genannte  Oberforstrath  Hartig,  der  hannoversche  Oberförster 
Freiherr  v.  Berg  (später  Director  der  Forstakademie  in  Tharandt),  die 
Professoren  Unger,  Wiegmann,  de  Bary,  Tulassne,  Kühn  und  Stein  waren 
die  Ersten,  welche  nachwiesen,  dass  pflanzliche  Parasiten  in  sehr  vielen 
Fällen  Erzeuger  von  Pflanzenkrankheiten  sind.  1866  schrieb  der  Pro- 
fessor Dr.  Willkomm  sein  Buch:  „Die  mikroskopischen  Feinde  des  Waldes". 
Obwohl  in  demselben,  namentlich  in  Betreff  der  Fichtenrothfäule  nicht 
unbedeutende  Irrthümer  nachgewiesen  wurden,  so  hat  das  Buch  doch  auch 
jetzt  noch  mehr  als  einen  blos  geschichtlichen  Werth ;  schon  der  Umstand, 

2* 


20 

dass  der  genannte  Autor  der  Erste  war,  welcher  entdeckte,  dass  die  Ursache 
einer  weit  verbreiteten  und  theilweise  verheerend  auftretenden  Krankheit 
der  Lärche,  des  sogenannten  Lärchenkrebses,  ein  mikroskopischer  Pilz 
ist,  reicht  dazu  hin,  ebenso  lässt  sich  die  anregende  Einwirkung,  die  es 
auf  einen  grossen  Theil  der  Forstwirthe,  denen  parasitische  Pilze  als 
Pflanzenkrankheitserzeuger  noch  fremd  waren,  ausübte,  nicht  wegläugnen. 
Durch  seine  mühsamen  und  eingehenden  Untersuchungen  hat  der  Professor 
Robert  Hartig  in  München  der  Pflanzenpathologie  einen  grossen  unschätz- 
baren Dienst  geleistet,  indem  er  den  Nachweis  lieferte,  dass  sich  durch 
Infectionen  mit  Pilzsporen  etc.  gewisse  Baumkrankheiten^  wie  z.  B.  die 
Rothfäule  der  Fichte,  hervorrufen  lassen,  was  bis  jetzt  auf  keinem  anderen 
Wege  möglich  geworden  ist. 

Seine  Schriften:  „Die  wichtigsten  Krankheiten  der  Waldbäume'', 
,,Die  Zersetzungserscheinungen  der  Nadelhölzer  und  der  Eiche",  „Lehr- 
buch der  Baumkrankheiten",  „  Die  Untersuchungen  aus  dem  forstbotanischen 
Institut  zu  München",  sind  werthvolle  Erscheinungen  im  Gebiete  der  myko- 
logischen  und  pflanzenpathologischen  Literatur,  und  haben  eine  grosse 
Anzahl  Forstwirthe,  welche  der  Meinung  waren,  dass  die  Pilze  nicht  Hervor- 
bringer, sondern  Folgen  von* Pflanzenkrankheiten  seien,  eines  Anderen 
belehrt  (so  auch  mich)  und  ihnen  gezeigt  und  gleichzeitig  dargethan,  dass 
es  sowohl  Vorbeugungs-  wie  Bekämpfungsmittel  gegen  Pilzkrankheiten 
giebt.  Freilich  bleibt  bei  auch  sorgfältiger  Anwendung  derselben  in  bald 
mehr  bald  weniger  Fällen  der  Erfolg  aus.  Dies  ist  aber  auch  bei  den 
durch  Insekten  hervorgebrachten  Pflanzenkrankheiten  der  Fall  und  es 
kann  mithin  dieser  Umstand  jenen  mühevollen  Untersuchungen  den  ihnen 
gebührenden  Werth  nicht  schmälern,  wie  dies  in  der  neueren  Zeit  der 
Professor  Nördlinger  bei  Hartig  und  früher  der  Professor  Bauer  bei 
Willkomm  versucht  haben.  Der  Vortragende  hat  auf  dem  ihm  1867  zur 
Verwaltung  übertragenen  Forstrevier  Markersbach  (Forstbezirk  Schandau) 
mehrfach  Gelegenheit  gehabt,  durch  parasitische  Pilze  hervorgerufene 
Pflanzenkrankheiten  kennen  zu  lernen  und  zwar  zuerst  im  Jahre  1868  den 
von  Pesnza  Willkomii  erzeugten  Lärchenkrebs.  Durch  Heraushieb  der 
pilzkranken  Bäume  und  Verbrennen  der  mit  Fruchtträgern  und  Krebs- 
stellen behafteten  Baiimtheile  gelang  es,  in  dem  betreffenden  Bestände  die 
Krankheit  zu  beseitigen ,  so  dass  sie  bis  jetzt  dort  nicht  mehr  aufgetreten 
ist.  (Das  vorliegende  Baumstück  stammt  aus  einem  weit  von  obigem  Orte 
entfernten  Kiefernbestande,  in  dem  einzelne  Lärchen  vorkamen.) 

Die  Rothfaule  anlangend,  so  werden  hier  zwar  alljährlich  rothfaule 
Fichten  und  Kiefern  vorgefunden,  jedoch  sind  nur  bei  einem  kleinen  Theile 
derselben  die  von  Hartig  eingehend  beschriebenen  Parasiten  Trametes 
radidpcrdaj  Trametes  pini^  Polyporus  vaporarius  und  Agaricus  meUet^s 
als  Urheber  dieser  Krankheit  zu  bezeichnen  gewesen,  die  Mehrzahl  war 
durch  Anfaulen  der  Wurzeln  krank  geworden,  welches  seine  Ursache  allem 
Anschein  nach  darin  hat,  dass  durch  die  starken  Stürme  1868  und  1869 


21 

eine  grosse  Anzahl  Bäume  WurzelzeiTeissungen  erlitten  hatten,  die  wund 
gewordenen  Stellen  sind  dann  angefault  und  es  hat  sich  nach  und  nach 
die  Krankheit  weiter  verbreitet  und  den   Stamm  ergriffen.     lu  anderen 
Fällen    haben    auch    äussere   Verletzungen    des    Stammes    die  Krankheit 
hervorgebracht.    In  solchen  auf  diese  Art  rothfaul  gewordenen  Bäumen, 
die,  wie  Hartig  sehr  richtig  bemerkt,  oft  vom  Winde  geworfen  werden, 
ohne  dass  ihr  Absterben    erfolgt   ist,    findet   sich   auch   häufig  der  von 
Willkomm  beschriebene  Xenodüchus  Ugniperda,  nach  Hartig  eine  Form  von 
Sphaeria  dryina,  Rhizomorphen  von  Agaricus  mellms  als  Saprophyten.  Doch 
wächst  ihr  Mycelium  nicht  in  das  gesunde  Holz  hinein,  wie  das  bei  den  oben- 
erwähnten Parasiten  der  Fall  ist.    Der  Agaricus  tnelleus  tödtet  auf  Markers- 
bacher  sowohl  wie  in  den  angrenzenden  Forstrevieren  alle  Jahre  eine  bald 
mehr  bald  minder  grosse  Anzahl  von  Nadelholzpflanzen  (vornehmlich  Ficht« 
und  Tanne)  in  dem  Alter  von  5 — 10  Jahren ;  als  Parasit  alter  Nadelholzbäume, 
in  denen  er  nach  Hartig  eine  der  durch  Polyporus  fulvus  bei  den  Tannen 
hervorgebrachten  Weissfäule  ähnliche  Bothfäule  hervorbringen  soll,  habe  ich 
ihn  noch  nicht  gefunden,  während  durch  Polyporus  vaporarius,  borealis  und 
fulvus  krank  gewordene  Bäume  alljährlich  vereinzelt  vorkommen.   (An  dem 
hier  vorliegenden,  vom  Markersbacher  Revier  stammenden  liolzstücke  sind  die 
Angriffstellen,  sowie  das  Fortschreiten  der  Krankheit  zu  ersehen.)   Mit  den 
Fruchtträgern  der  genannten  Trameten  und  Polyporen  besetzte  Stämme  wer- 
den, wo  sie  gefunden  werden,  abgeschnitten  und  die  Stelle,  wo  der  Frucht- 
träger angeheftet  ist,  verbrannt,  um  so  die  Weiterverbreitung  des  Pilzes  durch 
die  Sporen  möglichst  zu  verhüten.    Dasselbe  geschieht  auch  mit  den  von 
sogenannten  Hexenbesen  besetzten  Theilen  der  Tannen,  welche  Erstere  durch 
das  Aecidium  elatinum  hervorgebracht  werden.    Die  an  den  hier  vorliegen- 
den Hexenbesen  ersichtlich  auf  den  Nadeln  zahlreich  vorhandenen  Aecidien 
öffnen  sich  Anfangs  September,  um  ihre  Sporen  auszustreuen,  welche  dann 
die  Krankheit  weiter  verbreiten.    Die  durch  die  Wirkungen  dieses  Pilzes 
nach  und  nach  entstehenden  Krebsstellen  bilden  das  Keimbett  für  die  Sporen 
des  Polyporus  fulvus,  der  dann  die  W^eissfäule  erzeugt,  welche  den  Stamm 
nach    und    nach    zum   Absterben   bringt.     Hervorragend    war    das    Auf- 
treten des  Pertdermiutn  pini  corticula  1882  in  einer  Kiefernanbauversuchs- 
fläche  des  Forstreviers,    der  circa  1500   20  Jahre  alte  Kiefern   so  stark 
befallen  hatte,  dass  sie,  um  der  Weiterverbreitung  der  Krankheit  ein  Ziel 
zu  setzen,  herausgehauen  werden  mussten,  zumal  der  Kienzopf  bedenklich 
überhand  genommen. 

Auch  hier  wurden ,  wie  beim  Lärchenkrebs  beschrieben ,  die  mit  Filz- 
und  Krebsstellen  besetzten  Baumthcile  verbrannt,  was  zur  Folge  gehabt 
bat,  dass  bis  jetzt  der  Pilz  nicht  mehr  aufgetreten  ist.  Die  Ursache  des 
Auftretens  dieser  Krankheit  in  der  genannten  Kiefernanbauversuchsfläche 
liegt  jedenfalls  darin,  dass  dieselbe  1868  von  Hagelschlag  betroffen  wurde. 
Die  damals  7  Jahre  alten  Pflanzen  wiesen  bei  einer  nach  dem  Hagelschlag 
vorgenommenen  Revision  der  Fläche  mehrfache  leichte  Rindenverletzungen 


TS. 

nach,  welche  jedenfalls  den  Sporen  des  Pilzes  als  Keimbett  gedient  haben. 
Nach  Wolflf  erzeugt  das  auf  Senecio- Arten  wachsende  Coleosparium  sene- 
conis  das  Teleuto-  und  Uredo  -  Sporenlager  des  Pilzes,  dessen  Aecidien- 
form  das  Peridermium  pini  ist.  Senecio  silvaticus  und  viscosus  ^uden 
sich  mehrfach  in  der  Nähe  der  Versuchsfläche. 

Eine  auf  Markersbacher  Revier  alljährlich  auftretende  Krankheit  der 
jungen  Kiefernpflanzen  (vorzugsweise  in  den  Saatbeeten),  die  Schütte, 
wurde  von  Professor  Göppert  einem  auf  den  schüttekranken  Nadeln  sich 
vorfindenden  Pilze,  dem  Hysterium  pinastri^  zugeschrieben,  welcher  Ansicht 
die  Professoren  Tursky  und  Brantel  in  Moskau  beigetreten  sind  und  zwar 
auf  Grund  geglückter  Infectionsversuche.  Es  wurde  folgedessen  von  den 
Letztgenannten  vorgeschlagen,  Kiefersaatbeete  wo  thunlich  nur  da  anzu- 
legen, wo  keine  Kiefern-  oder  mit  denselben  vermischte  Bestände  in  der 
Nähe  sich  befinden,  da  der  fragliche  Pilz  sich  auf  den  abgestorbenen 
Nadeln  alter  Kiefern  häufig  vorfindet  (so  auch  auf  grünen).  Der  Vor- 
tragende schliesst  sich  auf  Grund  der  von  ihm  gemachten  Erfahrungen 
der  Ansicht  des  Professors  Ebermayer  in  München  an.  Nach  den  von 
Demselben  gemachten  Beobachtungen  entsteht  die  Krankheit  dann,  wenn 
im  Herbst  und  Frühjahr  auf  warme  Tage  kalte  Frostnächte  folgen. 
Während  am  Tage  die  Wasserverdunstung  durch  die  Nadeln  fort- 
dauert, ist  die  Aufnahme  derselben  aus  dem  gefrorenen  Boden  unmöglich 
geworden. 

Die  dadurch  erkrankten  Nadeln  werden  iür  den  Pilz  empfänglich  und 
dann  von  demselben  getödtet. 

Dem  Forstmeister  a.  D.  Meschwitz  (früherer  Verwalter  des  Dresdener 
Forstreviers)  ist  es  gelungen,  seine  Kiefernsaatbeete  dadurch  schüttefrei 
zu  erhalten,  dass  er  sie  zeitig  im  Herbst  so  hoch  mit  klarer  Erde  über- 
sieben Hess,  dass  die  Pflänzchen  bis  zur  Hälfte  ihrer  Höhe  mit  Erde 
bedeckt  wurden,  wodurch  ein  Auffrieren  des  Bodens  verhindert  wurde. 

Der  gute  Erfolg  spricht  für  die  Richtigkeit  der  Ebermayer'schen 
Behauptung  in  Folge  anderer  missglückten  Versuche.  (Anlage  von  Kiefer- 
saatbeeten an  kieferfreien  Orten,  Bedecken  der  Saatbeete  mit  Reissig  etc.) 
Zur  Vermeidung  unnöthigen  Geldaufwandes  habe  ich  dies  Verfahren 
zwei  Jahre  nur  im  Kleinen  versucht.  Die  Resultate  dieser  Versuche  waren 
durchgängig  gut  und  wird  nun  das  beschriebene  Verfahren  in  diesem 
Herbst  auf  alle  Kiefernsaatbeete  ausgedehnt  werden. 


Fflnfte  Sitzung  am  12,  November  1885.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
0.  Drude. 

Nach  den  Vorstandswahlen  legt  der  Vorsitzende  eine  Zwiebel  von 
ausserordentlicher  Grösse,  wahrscheinlich  zu  einer  ÄmaryUidee  gehörig, 
vor,    welche   Betriebsdirector  Pöble    in   Erde    sorgfältig  verpackt    mit 


23^ 

mehreren  kleineren  Zwiebeln  und  Sämereien  von  seiner  nach  Angra  Pe- 
quena  gerichteten  Expedition  mitgebracht  und  dem  hiesigen  botanischen 
Garten  zu  schenken  die  Güte  hatte.  Es  giebt  dies  Gelegenheit  zur  Er- 
örterung der  Vegetationsverhältnisse  in  jenem  Florengebiet.  — 

Lehrer  C.  Schiller  theilt  mit,  dass  er  Hymenophyllum  thunbridgense 
in  der  sächsischen  Schweiz  wiederum  aufgefunden  habe  und  legt  Exemplare 
der  seltenen  Pflanze  vor.  — 

Prof.  Dr.  Drude  referirt  alsdann  über  „populäre  Literatur  der 
deutschen  Flora.^*  Es  ist  ein  unabweisliches  Bedürfniss  für  die  deutsche 
Floristik,  neben  der  eigentlichen  Fachliteratur  von  schwererem  oder 
leichterem  Gewichte  auch  im  Interesse  der  grossen  Zahl  von  Naturfreunden 
beiderlei  Geschlechtes  eine  populäre  Literatur  gross  zu  ziehen,  welche  sich 
zwar  durchaus  auf  den  Boden  des  wissenschaftlich  Erprobten  stellt,  aber 
nicht  die  ermüdende  Masse  von  Einzelheiten  bringt,  welche  nur  den  tiefer 
eindringenden  Kenner  anregt  und  befriedigt.  Wir  haben  doch  gewiss  als 
Naturforscher  von  Fach  auch  noch  andere  Interessen,  z.  B.  für  Geschichte 
des  Menschengeschlechts,  und  sind  dann  wohl  in  diesem  Gebiete  auch  Laien 
und  Liebhaber  mit  Bedürfnissen,  die  befriedigt  sein  wollen;  aber  wer  von 
den  historischen  Fachleuten  muthet  den  Liebhabern  in  seinem  Gebiete  zu, 
sich  durch  die  mühsam  aufgestapelten  Einzelheiten,  welche  von  Jahr  zu 
Jahr  Belege  mit  Namen  und  Ereignissen  bringen,  durchzuarbeiten,  wie  man 
es  von  ihm  selbst  verlangt?  So  ist  es  auch  in  der  Floristik,  welche  jähr- 
lich Tausenden  unserer  Landsleute  Freude  und  Unterhaltung  gewährt; 
soll  immer  das  Urtheil  in  der  grossen  Menge  bestehen  bleiben,  dass  die 
Botanik  hauptsächlich  aus  dem  Bestimmen  und  Auswendiglernen  von 
Pfianzennamen  bestehe?  Man  setze  an  Stelle  des  Bestimmens  das  Kennen- 
lernen an  der  Hand  einsichtiger  Führer,  die  eine  Demonstration  durch  die 
viva  vox  einigermassen  zu  ersetzen  vermögen;  man  beschränke  die  Masse 
der  Namen,  ohne  die  wir  uns  nun  einmal  nicht  helfen  und  verstehen 
können,  auf  eine  geringe,  vom  erdrückenden  Uebermass  weit  entfernte  Zahl 
und  lehre  vor  AUem,  dass  diese  Namen  nichts  mit  der  Natur  zu  thun 
haben,  sondern  dass  wir  Menschen  sie  zu  unserer  Verständigung  erfunden 
haben;  man  vermeide  jede  doppelte  Bezeichnung  da,  wo  eine  einfache  ge- 
nügt;  man  unterrichte  auch  über  die  durch  zahlreiche  ähnliche  und 
schwieriger  unterscheidbare  Arten  ausgezeichneten  Gattungen  —  wie  Carex^ 
CerUaurea,  Salix,  —  so,  dass  ein  Verständniss  für  die  Untergruppen  solcher 
formenreicher  und  auch  dem  Liebhaber  bei  Schritt  und  Tritt  aufstossender 
Gattungen  erweckt  werden  kann,  ohne  sogleich  in  das  volle  Detail  aller 
Arten  und  ihrer  Charaktere  einzugehen:  so  wird  sich  unstreitig  Vieles 
bessern  und  viele  Freunde  der  Pflanzenwelt  werden  mit  Vergnügen  zu 
einem  Buche  greifen,  um  sich  belehren  zu  lassen,  auch  um  selbst  in  die 
Vorhallen  der  eigentlichen  botanischen  Wissenschaft  eingeführt  zu  werden. 

Es  sind  ja  unausgesetzt  Versuche  gemacht,  die  deutsche  Flora  für 
weite  Kreise  zugänglich  zu  machen ,  aber  die  entstandenen  Werke  waren 


24 

doch  meistens  fachmännische  niedern  Grades,  oder  sie  waren  populär  im 
schlechten  Sinne,  d.  h.  unwissenschaftlich.  Die  Verlagsbuchhandlung  von 
F.  Tempsky  &  G.  Freytag  in  Prag  und  Leipzig  hat  mit  der  Herausgabe 
eines  in  drei  Abtheilungen  erschienenen  Werkes:  Frühlingsblumen 
von  Aglaia  v.  Enderes  und  Einleitung  etc.  von  Prof.  Dr.  Willkomm, 
Sommerblumen,  eine  Schilderung  der  heimischen  Blumen  weit  von  Carus 
Sterne,  Herbst-  und  Winterblumen  von  demselben  Verfasser,  einen 
durch  reiche  und  sehr  gelungene  Illustrationen  geschmückten  neuen  Ver- 
such gemacht,  die  Liebe  an  der  heimischen  Flora  zu  nähren.  Wenn  auch 
nicht  behauptet  werden  soll  oder  kann,  dass  mit  diesem  Versuche  alles 
Ereichbare  wirklich  erreicht  sei,  so  darf  man  doch  behaupten,  dass  hier  — 
besonders  in  der  letzten  der  drei  Abtheilungen  —  eine  wissenschaftlich 
populäre  und  zugleich  schöne  Einführung  in  die  deutsche  Blumenwelt  (unsere 
Gartenculturgewächse  von  hoher  Bedeutung  eingeschlossen)  erreicht  sei, 
und  unsere  Gesellschaft  mag  daher  eine  Besprechung  dieses  Unternehmens 
nicht  für  unter  ihrer  Würde  halten. 

Das  ganze  Werk  ist  nicht  ganz  billig;  die  erste  Abtheilung  kostet 
12  Mark,  die  zweite  und  dritte  je  15;  bedenkt  man  aber,  dass  in  ihm 
219  Pflanzenarten  auf  den  in  8^  hergestellten  120  Farbendrucktafeln 
illustrirt  und  339  Holzschnitte  ausserdem  im  Text  vertheilt  sind,  um  theils 
andere  Pflanzen  darzustellen,  theils  Analysen  und  Blüthendiagramme  zu 
den  Farbentafeln  hinzuzufügen,  so  erscheint  der  Preis  schon  in  Hinsicht 
darauf  nicht  hoch,  da  der  Besitzer  für  jede  Mark  etwa  3  Farbendruck- 
tafeln und  8  Holzschnitte  an  Abbildungen  erhält,  wenn  man  zunächst 
den  Text  ganz  ausser  Augen  lässt.  Die  Tafeln  sind  von  Jenny  Schermaul 
und  zum  kleinen  Theil  von  Jos.  Seboth  gemalt  und  sind  unstreitig  sehr 
viel  vorzüglicher,  als  die  Mehrzahl  der  deutschen  illustrirten  Florenwerke 
(wie  z.  B.  Schlechtendahl  -  Hallier's  Flora)  sie  liefert.  Der  Farbendruck, 
der  in  neuerer  Zeit  so  bedeutende  Fortschritte  gemacht  hat,  ist  auch  hier 
in  der  Regel  vorzüglich  gelungen,  so  dass  die  Mehrzahl  der  auf  den  Tafeln 
dargestellten  Arten  auf  den  ersten  Blick  sicher  zu  erkennen  ist;  nur  in 
dem  Colorit  der  Blüthen  hat  die  Herstellung,  wahrscheinlich  gegen  die 
Absicht  der  Malerin,  nicht  immer  das  Richtige  getroffen,  z.  B.  in  den 
„Sommerblumen"  auf  Taf.  20  bei  Astragalus  und  Pyrola.  In  dieser  Hin- 
sicht ist  es  von  Interesse,  die  Schwierigkeiten  für  die  Herausgabe  solcher 
Werke,  die  doch  auch  mit  einer  gewissen  Geschwindigkeit  abgewickelt  sein 
wollen,  aus  einem  Briefe  zu  erfahren,  den  der  Verleger  in  einer  freund- 
lichen Mittheilung  an  den  Vortragenden  über  eben  dieses  Unternehmen 
schrieb.  „Die  Herstellung  guter  naturgeschichtlicher  Abbildungen",  heisst 
es  darin,  „gehört  zu  den  schwierigsten  Aufgaben.  Beim  Holzschnitt  hat 
man  zuerst  mit  dem  Zeichner  zu  kämpfen,  der  das  Charakteristische  von 
dem  Unbedeutenden  nicht  zu  trennen  weiss,  dann  mit  dem  Holzschneider, 
der  die  schönsten  Zeichnungen  nur  zu  oft  schauerlich  zurichtet.  Und  nun 
erst  der  Farbendruck!  —  Der  Künstler  bekommt  die  Blumen,  fängt  die 


25 

Arbeit  aber  erst  an,  wenn  sie  verwelkt  sind,  und  bringt  das  Bild,  wenn 
blühende  Exemplare  nicht  mehr  existiren.  Viele  Bilder  sind  zweimal 
gemalt  worden.  Nun  kommen  die  Lithographen,  die  das  Bild,  da  sie 
von  Botanik  keine  Idee  haben ,  nicht  verstehen ;  da  muss  nun  auf  allen 
Seiten  nachgebessert  werden  und  dann  müssen  die  richtigen  Farben 
herauskommen.  Endlich  hat  man  nun  gute  Abdrücke,  die  einem  Freude 
machen,  bei  der  Ablieferung  der  Auflage  zeigen  sich  aber  grosse  Unter- 
schiede. Die  Farben  lassen  nach,  die  feine  Behaarung  fehlt  oder 
ist  plump  und  roh  geworden*  Die  feinen  Töne  und  Uebergänge 
fehlen'^  u.  s.  w.  —  Trotzdem  kann  man,  wie  gesagt,  mit  dem  hier  Ge- 
leisteten sehr  zufrieden  sein. 

Die  Beurtheilung  des  Textes  muss  verschiedene  Gesichtspunkte  unter- 
scheiden. Vom  eigentlichen  System,  der  gewöhnlichen  Anordnung  für 
alle  Zwecke  methodischer  Belehrung,  ist  liier  nur  ein  80  Seiten  langer 
Abriss  (verfasst  von  Prof.  Willkomm)  am  Schlüsse  der  Friihlingsblumen 
vorhanden,  der  die  in  anderer  Anordnung  aufgezählten  Pflanzen  recapi- 
tulirt,  und  unter  Namhaftmachung  der  natürlichen  Ordnung  ihre  botanische 
Charakteristik  liefert.  Dies  ist  nicht  übel,  aber  da  die  beiden  folgenden 
Abtheiluugen  dieser  methodischen  Zusammenfassung  entbehren,  so  möchte 
man  wünschen,  dass  diese  systematische  Gharakterisirung  überall  in 
gleicher  Weise  den  Schluss  bilde,  wenn  es  sich  nicht  thun  Hess,  dass  für 
alle  drei  Bände  eine  gemeinsame  Kecapitulation  am  Ende  des  dritten 
Bandes  erschien.  Dadurch  würde  nämlich  eine  Art  Vermittelung  zwischen 
der  hier  gewählten  Behandlung  der  deutschen  Flora  und  den  gewöhnlichen 
Excursionsbüchern  geschaffen.  Ferner  vermisst  Vortragender  unter  den 
vielen  wissenschaftlichen  Auseinandersetzungen,  die  tief  in  das  Innere 
anregender  morphologischer  und  biologischer  Kapitel  hinein  führen  und 
oft  als  gemeinsame  Gesichtspunkte  vorangestellt  sind,  eine  einleitende 
Behandlung  des  natürlichen  Systems  überhaupt,  die  eigentlich  nie  entbehrt 
werden  kann,  weil  der  Leser  immerfort  mit  seinen  Einzelheiten  zu  thun 
hat.  Der  Verfasser,  der  durch  ein  im  Jahre  1866  erschienenes  Buch  über 
die  botanische  Systematik  in  ihrem  Verhältniss  zur  Morphologie  zeigte, 
wie  tief  er  sich  in  den  Gedankengang  des  natürlichen  Systems  hineingelebt 
hat,  würde  unter  Benutzung  der  Illustrationen  gewiss  leicht  dasselbe  haben 
beleuchten  können.  Uebrigens  hat  ein  Referent  es  leicht,  Wünsche  solcher 
Art  auszusprechen;  vielleicht  war  es  gerade  bestimmte  Absicht  des  Ver- 
fassers, es  nicht  zu  thun,  und  er  wird  wohl  seine  Gründe  dafür  gehabt 
haben,  die  er  aber  natüi'lich  nicht  in  einer  Vorrede  lang  und  breit  aus- 
einander zu  setzen  braucht.  Die  Art  und  Weise  der  Anordnung  des 
gesammten  Stoffes  geht  am  Besten  aus  Mittheilung  des  Inhaltsverzeichnisses 
der  drei  Bände  hervor: 

I.  Die  Ersten  unter  den  Frühlingsboten.  —  Die  Frühlingsblumen  der 
trockenen  Hügel,  Felsen  und  Haiden.  —  Die  Fr.  der  Saatfelder  und 
Raine.  —  Die  Fr.  der  Wiesen.  —  Die  Blüthen  der  Büsche  und  Hecken.  — 


26 

Die  Frühlingsblumen  des  Waldes.  —   Die  Blüthen  der  Bäume.  —  Ent- 
wicklung der  Vegetation  im  Frühling;  Keimung  und  Lebensdauer  der  Pflanzen. 
IL  Die  Schönheit  der  Blumen,  eine  Einleitung  über  Blumen  und  Blühen. 

—  Blumen  am  Wege.  —  Feldblumen.  —  Die  Blumen  der  Hecken  und 
Gebüsche.  —  Auf  der  Wiese  und  im  Wasser.  —  Im  Walde.  —  Auf  Bergen 
und  Triften. 

III.    Der  Herbst  und  die  Pflanzenwelt.  —  Feldblumen.  —  Wegblumen. 

—  Wiesenblumen.  —  Strandpflanzen.  —  Auf  Bergen  und  Triften.  — 
Schuttpflanzen.  —  Im  Hausgarten.  —  Im  Herbstwalde.  —  Winterblumen. 

Wie  man  sieht,  ist  also  hauptsächlich  eine  Spaziergangsmethode  zur 
Anreihung  des  Stoffes  gewählt,  die  nach  Jahreszeiten  und  Standorten  die 
Pflanzen  sondert;  dabei  lässt  sich  natürlich  manches  Durcheinander  und 
vielerlei  Wiederholung  nicht  vermeiden,  was  sich  nur  dadurch  rechtfertigt, 
dass  die  drei  Abtheilungen  sich  gegenseitig  ergänzen  sollen.  Doch  würde 
man  Pflanzen  wie  Hieracium  Pilosella,  Chelidonium  majus,  Futnaria^ 
Prunella  grandiflora^  Sempervivum  teclorum^  Medicago  falcatay  Viola 
tricolor,  Campanula  persicifolia,  welche  in  die  Herbstblumen  aufgenommen 
sind,  doch  unbedingt  mit  Text  und  Abbildungen  in  die  Sommerblumen 
versetzen  müssen.  Die  „Winterblumen"  haben  selbstverständlich  nur  ein 
kleines  Kapitel  erhalten  können ,  doch  sind  auch  so  noch  Pflanzen  in  ihm 
enthalten,  welche  zu  den  frühesten  Frühlingsblumen  gehören,  besonders 
JEranthis  hiemcdis;  biologisch  abgegrenzt  würde  Vortragender  unter 
„ Winterbluraen "  solche  verstehen,  welche  zum  Schluss  ihrer  jährlichen 
Vegetationsperiode  Blüthen  entwickeln  und  dieselben  den  Winter  hindurch 
stehen  lassen  bis  zur  im  folgenden  Jahre  erst  beendeten  Fruchtreife:  das 
sind  also  Pflanzen  wie  der  Epheu  (der  wohl  auch  eine  colorirte  Tafel 
verdient  hätte!),  Hamamelis  virginica  in  unseren  Parkanlagen,  Colchicum 
autumnale  (bei  dem  bekanntlich  die  Blätter  unter  dem  Fruchtknoten  im 
Frühjahr  emporwachsen  und  dann  erst  die  Kapsel  auf  einem  Stiel  in  die 
Höhe  tragen,  deren  Blüthe  hart  über  der  Erde  im  Herbst  erschien), 
wahrscheinlich  auch  das  Alpenveilchen,  welches  in  den  Alpen  selbst,  wo 
es  bis  1500  m  hoch  wild  wächst,  vom  August  bis  October  blüht,  und 
hinsichtlich  unser  Gärten  die  „Weihnachtsrose"  HeUeborus  niger.  Bio- 
logisch scharf  von  diesen  geschieden  sind  die  Frühjahrspflanzen,  die  die 
erste  warme  Witterung  des  Februars  oder  März  benutzen,  um  aus  auf- 
gethautem  Boden  rasch  sich  zu  entwickeln  und  aus  ihren  Frühlingsblüthen 
in  rascher,  oft  durch  spätere  Fröste  gestörten  Folge  Früchte  zu  reifen: 
dahin  gehören  auch  unsere  Erstbnge  Leticqfum,  Cralanthus,  EratUhis 
(wenn  die  europäische  Art  auch  hiemalis  heisstl),  ebenso  wie  Daphne  als 
erster  Strauch.  Ueber  Bellis  perennis  müsste  man  erst  einmal  eine  kleine 
Studie  machen,  um  ihre  Zugehörigkeit  zum  Frühling  oder  Winter  in  dieser 
Hinsicht  zu  prüfen. 

Der  Text  ist  viel  mit  poetischen  Fragmenten,  mit  Erzählungen  aus 
der  Blumeumythe  und  dergleichen  geschmückt,  und  wenn  das  auch  viel- 


27 

leicht  manchen  nach  nücliterner  Realität  strebenden  Naturforscher  nicht 
anzieht,  so  hat  es  doch  unstreitig  noch  öfter  gute  Wirkung  bei  Denen, 
für  die  dieses  Buch  auch  in  erster  Linie  geschrieben  sein  soll,  die 
ästhetischen  Liebhaber  der  Pflanzenwelt  und  die  deutsche  Frauenwelt. 
Vieles  ist  wirklich  recht  hübsch,  und  in  den  Herleitungen  aus  dem 
klassischen  Alterthum  bei  vielen  Pflanzen  wird  auch  der  Fachmann 
Vieles  finden,  was  ihm  angenehm  zu  wissen  sein  muss,  wenn  er  Sinn  für 
die  Liebe  hat,  die  den  Menschen  zur  Blumenpflege  zieht.  Rühmend  ist 
anzuerkennen,  dass  oft  —  und  zwar  besonders  im  dritten  Theile  r-  nnt 
grossem  Geschick  wichtige  biologische  Kapitel  in  die  Schilderungen  der  siebe- 
treffenden Pflanzen  eingeflochten  sind,  die  durch  ihre  Verallgemeinerung 
belehren,  so  besonders  über  die  Wechselbeziehungen  zwischen  Blüthen- 
einrichtungen  und  Insektenwelt  zur  Erzielung  sicherer  Kreuzung.  Auch 
über  die  Herkunft  der  Culturpflanzen  und  ihre  allmählige  Ausbreitung  bei 
uns  sind  zahlreiche  gute  Besprechungen  z.  B.  an  den  Hanf,  Lein,  Mohn, 
Tabak,  Safran  und  Kohl  angeknüpft,  und  mit  grossem  Rechte  ist  solchen 
gewöhnlichen  Pflanzen,  wie  Artemisia,  der  Minze,  dem  gewöhnlichen 
Haidekraut,  der  Brennessel,  eine  ganz  ausführliche  Besprechung  zu  Theil 
geworden,  die  so  oft  bei  „gemeinen ^^  Pflanzen  für  unnöthig  gilt.  Ebenso 
ist  glücklicher  Weise  in  allen  drei  Theilen  des  Werkes  die  Sorgfalt  für 
die  Schilderung  der  Bäume  und  des  Waldlebens  eine  grosse  gewesen. 
Dagegen  ist  bei  den  vielen  Arten  langweiliger  Gattungen,  an  denen  die 
Liebhaber  keinen  Gefallen  finden  können,  wenn  sie  nicht  viele  Arten  für 
ihr  Herbarium  sammeln  und  sich  mit  mancherlei  Namen  belasten  wollen, 
mit  demselben  Recht^as  Einerlei  vermieden  worden ;  ist  doch  eine  zweck- 
mässige Auswahl  des  Stoffes  und  Betonung  des  Wichtigen  ein  Haupt- 
erfordemiss  schon  für  jedes  Schulbuch  der  Botanik! 

Alles  in  Allem  kann  man  also  sagen,  dass  dieses  Unternehmen  seinem 
Zwecke:  durch  gute  Leetüre  und  schöne,  naturgetreue  Abbildungen  den 
Liebhabern  und  Freundinnen  der  deutschen  Pflanzenwelt  Anregung  und 
Belehrung  zu  geben,  botanische  Kenntnisse  in  weite  gebildete  Kreise 
Erwachsener  zu  verbreiten  und  den  mit  „schöner  Literatur'^  gefüllten 
Bücherschränken  neben  illustrirten  Geschichts werken,  Erdkunden  und  Thier- 
bildern  auch  ein  Buch  der  heimischen  Pflanzenwelt  einzufügen  — ,  gerecht 
geworden  sei.  Möge  es  daher  für  die  Scientia  amabilis  wirken,  die  trotz 
ihres  sie  rühmenden  Namens  durch  Kleinigkeitskrämerei  und  von  der 
Natur  entfremdende  Namengeberei  bei  vielen  Gebildeten  doch  oft  in  recht 
schlechtem  Rufe  steht. 


28 


111.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Erste  Sitziiug:  am  15.  Jaiiiiar  1885.  Vorsitzender:  Bergingenieur 
A.  Purgold. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  legt  eine  Anzahl  Gesteine  von  der  Insel 
Juan  Fernandez,  der  sogenannten  Robinson-Insel  vor,  welche  das  K.  Minera- 
logische Museum  der  Güte  des  Herrn  Otto  Erler  verdankt.  Darunter 
befindet  sich  neben  verschiedenen  augitischen  Laven  und  Lavatuffen  ein 
ausgezeichnetes  knolliges  Exemplar  von  Magnesit.  Eine  jener  Laven  ist 
nach  mikroskopischer  Untersuchung  von  Eugen  Geinitz  ein  doleritischer 
Feldspathbasalt  mit  zahlreichen  grossen  und  kleinen  leistenförmigen 
Kry stallen  von  Labrador  oder  Anorthit,  zahlreichen  grossen  und  kleinen 
Augitkrystallen ,  weniger  Olivin,  spiessförmigen  Magnetitaggregaten  und 
fast  ohne  Glasgrund. 

In  einem  Vortrage  über  künstliche  Krystallbildungen  bespricht 
Derselbe  ferner  die  Bildung  von  Gaylussit  oder  Natroncalcit  in  den  Roh- 
sodalaugen der  chemischen  Fabrik  Herraania  in  Schönebeck.  (Vgl. 
Dr.  C.  Reidemeister,  über  Natronverluste  in  der  Sodafabrikation,  in 
Zeitschrift  für  Chemische  Industrie,  März  1881.) 

Diese  künstlichen,  von  Professor  Dr.  Rammeisberg  untei'suchten 
Krystalle,  welche  durch  ihre  chemische  Zusammensetzung  genau  der 
Formel  für  den  natürlichen  Gaylussit,  Na^O.  CO«  +GaO.  CO«  +  5  H2O, 
entsprechen,  sind  nach  Dr.  Reidemeister  in  der  Rohsodalauge  von  20  ^  bis 
21®  Baume  bei  34 ®C  entstanden,  während  bei  etwas  stärkerer  Con- 
centration  der  letzteren,  bei  22®  Baume,  und  etwas  höherer  Temperatttr 
von  43  ®C  ein  wasserärmeres  Natron- Kalk -Carbonat  auskrystallisirt, 
worin  nach  Untersuchung  von  Rammeisberg  nur  halb  so  viel  Wasser 
enthalten  ist,  als  in  den  ersteren.  Die  Krystallform  des  künstlichen 
Gaylussits  stimmt  mit  jener  der  von  Sangerhausen  in  Thüringen  und 
anderen  Orten  bekannten  Calcit-Pseudomorphose  nach  Gaylussit  oder 
dem  sogenannten  Pseudo- Gaylussit  genau  überein. 

Eine  zweite  Neubildung  von  Mineralien,  welche  Dr.  Reidemeister 
neuerdings  beobachtet  hat,  ist  die  von  ausgezeichnetem  Ultramarin  auf 


29 

der  Charmottemasse  in  den  Feuerziigen  der  Sulfatöfen.  Qieses  Vor- 
kommen entspricht  dem  natürlichen  Vorkommen  von  Ultramarin  als 
lasurblau  färbende  Substanz  mancher  Pflanzenreste  in  den  gebrannten 
Schieferthonen  der  Steinkohlenformation  von  Planitz  bei  Zwickau,  und 
man  darf  wohl  annehmen ,  dass  auch  die  lavendelblaue  Färbung  des 
Porcellanjaspis  in  ähnlichen  Brandzonen  des  Steinkohlen-  und  Braun- 
kohlengebirges von  Ultramarin  herrühre. 

Hierauf  wird  die  Neubildung  von  Eisenglanz  in  den  Feuerzügen 
und  Muffeln  eines  Sulfatofens  in  der  Hermania  beleuchtet  und  natur- 
gemäss  auf  eine  Zersetzung  von  Eisenchlorid  durch  Wasserdampf  zurück- 
geführt, analog  solchen  Neubildungen  in  den  Kohrener  Töpferöfen,  in 
welchen  mit  Kochsalz  *  glasirt  wird,  in  den  alten  Amalgamirwerken  der 
Freiberger  Hütten,  auf  den  Kluftflächen  zwischen  säulenförmig  abgeson- 
derten Sandsteinen  von  Johnsdorf  bei  Zittau  und  auf  den  Kluftflächen 
oder  in  den  Hohlräumen  vulkanischer  Tuffe. 

Redner  hält  es  für  wahrscheinlich,  dass  wenigstens  viele,  namentlich 
isolirt  vorkommende  Krystalle  von  natürlichem  Eisenglanz,  wenn  nicht 
selbst  die  berühmten  Krystalle  von  Elba,  auf  ähnliche  Weise  aus  Eisen- 
chlorid entstanden  sind,  wie  die  ziemlich  grossen  Krystalle  von  Eisenglanz, 
welche  durch  die  Güte  des  Herrn  Dr.  Reidemeister  von  der  Hermania 
vorliegen. 

Der  Vortragende  nimmt  noch  Gelegenheit,  zwei  neuere  Abhandlungen 
von  G.  Rammeisberg  zu  besprechen:  Ueber  die  Phosphate  des  Thalliums 
und  Lithiums ,' Berlin  18S2,  und:  Ueber  die  essigsauren  Doppelsalze  des 
Urans,  Berlin  1884,  mit  1  Tafel  Abbildungen;  er  berichtet  ferner  über 
drei  Abhandlungen  von  Dr.  G.  Brügelmann:  Ueber  die  Krystallisation, 
Beobachtungen  und  Folgerungen  (Chemisches  Centralblatt,  1882.  Nr.  33, 
1883,  Nr.  30—32.  Leipzig,  8®);  über  eine  Arbeit  von  Dr.  C.  Hintze: 
Beiträge  zur  krystallographischen  Kenntniss  organischer  Verbindungen 
(Zeitschr.  f.  Krystallographie,  1884,  IX.  Nr.  5  und  6);  legt  eine  Reihe 
der  verschiedenen  höchst  gelungenen  künstlichen  Alaunkrystalle  aus  dem 
Laboratorium  von  C.  Goldbach  in  Kork  bei  Kehl  vor,  und  erwähnt 
schliesslich  der  interessanten  Entdeckung  des  Whewellit  in  der  Stein- 
kohlenformation des  Plauenschen  Grundes,  worüber  Bergrath  Weisbach  in 
Froiberg  im  N.  Jahrbuch  f.  Min.,  1884,  p..48  eine  Notiz  veröffentlicht 
hat.  Während  des  Vortrages  circuliren  die  krystallographischen  Figuren- 
tafeln zum  Gebrauche  bei  mineralogischen  Vorlesungen,  zusammengestellt 
von  Fr.  Ulrich,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule  zu 
Hannover,  welche  allgemeine  Anerkennung  finden. 

In  der  hier  anknüpfenden  Discussion  erwähnt  u.  A.  Assist.  F.  Oettel, 
dass  es  ihm  gelungen  sei,  Struvit  und  durch  Einfiihrung  stellvertretender 
Bestandtheile  dem  Kryolith  entsprechende  Vorbindungen  krystallisirt 
herzustellen. 


30 

Zum  Schluss  berichtet  Oberlehrer  H.  Engelhardt  über  die  von 
Oberbergrath  H.  Credner  herausgegebene  geologische  Karte  des 
Sächsischen  Granulitgebirges. 


Zweite  Sitzung:  am  12.  HSrz  1885.  Vorsitzender:  Bergingenieur 
A.  Purgold. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  theilt  mit,  dass  Hofrath  Ritter  Franz 
von  Hauer  in  Wien  seine  bishei'ige  Stellung  als  Director  der  K.  K.  geo- 
logischen Beichsanstalt  niedergelegt  habe,  um  der  Ernennung  zum 
Intendanten  der  Kaiserl.  naturhistorischen  Hofmuseen  als  Nachfolger 
Ferdinand  von  Hochstetter's  Folge  zu  leisten,  und  erkennt  mit  Dank  die 
freundlichen  Beziehungen  an,  in  welchen  Herr  von  Hauer  zu  den  hiesigen 
wissenschaftlichen  Instituten  gestanden  habe. 

Allgemeines  Interesse  erregt  die  Erklärung,  dass  der  angeblich  am 
7.  Februar  d.  J.  Abends  8  Uhr  in  Hirschfelde  bei  Zittau  in  Sachsen 
gefallene  Meteorit  sich  nach  Untersuchung  im  hiesigen  K.  Minera- 
logischen Museum  als  ein  Markasit,  z.  Th.  mit  noch  anhängenden  Besten 
von  Braunkohle,  wie  sie  in  der  dortigen  Gegend  häufig  vorkommt, 
erwiesen  hat. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  giebt  noch  die  Mittheilung,  dass  der  im 
Sandstein  bei  Dittersbach  in  Sachsen  aufgefundene  Palmadtes?  Reicht 
Gein.  als  Scolithus  linearis  Hall  erkannt  worden  sei,  ein  Fossil,  das  den 
cambrischen  Schichten  des .  mittleren  Schwedens  entstammt  und  als  Ge- 
schiebe in  das  Gebiet  des  sächsisch -böhmischen  Quadersandsteins  gelangt 
sein  muss,  und  berichtet  schliesslich  über  das  in  Brüssel  aufgestellte,  in 
der  Gegend  von  Lüttich  aufgefundene  riesige  Skelett  von  Igucmodon 
Mantellif  3,58  m  hoch  und  lang,  eine  Zwischenstufe  zwischen  Reptil  und 
Vogel  darstellend. 

Der  Vorsitzende  legt  zwei  Werke  vor,  deren  Anfange  er  seiner  Zeit 
hier  ebenfalls  besprochen  hat:  Handwörterbuch  der  Mineralogie, 
Geologie  und  Paläontologie,  von  Kenngott,  v.  Lasaulx  und 
Rolle,  IL  Theil,  Breslau  1885,  und  Lehrbuch  der  Mineralogie  von 
G.  Tschermak,  Wien  1885.  —  Das  Handwörterbuch  umfasst  auf 
495  Seiten  von  „Geologie*'  bis  „Permisches  System"  17  Artikel  von 
Kenngott  specifisch  mineralogischen,  7  Artikel  von  v.  Lasaulx  geologischen 
und  9  Artikel  von  Rolle  paläontologischen  Inhalts,  welche  im  Wesent- 
lichen die  nämlichen  Vorzüge  und  Mängel  besitzen,  welche  bereits  bei 
Besprechung  des  ersten  Theiles  bemerkt  "wurden.  Auch  Tschermak's 
Mineralogie  beschränkt  sich  auf  die  Elemente  dieser  Wissenschaft, 
behandelt  sie  aber  von  hohem  Standpunkt  herab  mit  solchem  Glück  und 
Geschick,  dass  der  Zusammenhang  unter  den  Erscheinungen  überall  er- 


3t^ 

• 

kennbar  bleibt,  und  namentlich  auch  im  zweiten,  speciellen  Theile  durch 
Hervorhebung  der  wichtigsten  Species  deren  Verwandtschaften  ersichtlich 
hervortreten. 

Von  Mineralien  legt  Ingenieur  A.  Purgold  vor:  Kalkspath  von 
Hüttenberg  in  Kärnthen,  aus  Gruppen  von  V ierl ings kr y stallen  ge- 
bildet, deren  -  Individuen  aus  dem  Rhomboeder  — 2R  bestehen  und  in 
solcher  Weise  zu  je  dreien  mit  einem  mittleren  vierten  verwachsen  sind, 
dass  die  horizontalen  Diagonalen  aneinanderstossender  Rhomboederflächen 
—  2R  zusammenfallen,  diese  Flächen  einen  einspringenden  Winkel  von 
106®  16''  mit  einander  bilden,  die  Hauptaxen  der  seitlichen  Rhomboeder 
mit  der  des  mittleren  Winkel  von  52o30'  bilden  und  die  beiden  Rhom- 
boedern  gemeinschaftliche  Verwachsungsebene  auf  einer  Fläche  des  nächst- 
stumpferen Rhomboedera  — */,R.  senkrecht  steht.  Die  Neigung  einer 
Hauptaxe  zur  Verwachsungsebene  =26^15'  ist  also  um  nur  38'  geringer 
als  zur  zugehörigen  Fläche  des  Rhomboeders  —  2  R  =  26  ®  53 '.  Aus- 
springender Winkel  zwischen  den  Nachbarflächen  zweier  seitlichen  Indi- 
viduen =  1 30  *  58 '.  —  Diese  Vierlinge  sind  bereits  bekannt  gemacht  und 
mit  einer  Handskizze  erläutert  durch  G.  vom  Rath  in  Jahrg.  1883  der 
naturwiss.  Zeitschr.  für  Rheinland -Westfalen,  dabei  auch  auf  ein  ähn- 
liches Vorkommen  von  New -York  verwiesen.  Nach  Brunnlechner, 
Minerale  Kämthens,  wurden  dergleichen  Vierlinge  auch  noch  zu  Zeltschach 
in  Kärnthen  gefunden  und  haben  sie  ihre  Analogien  in  den  bekannten 
Vierlingen  des  Tetradymit  und  der  Rothgüldenerze,  sowie  in  den  Fünf- 
lingen  des  Hausmannit  vom  Oehrenstock.  —  Schwefelkrystalle  aus 
Schwefelkohlenstoflf  mit  P.  »/.P.  ooP  und  zur  Vergleichung  solche  von  der 
Perticara  in  der  Romägna  mit  oP.V.^/^V.ocl?,Voo,  Das  Schwefelwerk 
der  Perticara  befindet  sich  auf  dem  Bergrücken,  welcher  den  Oberlauf 
des  Savio,  an  dem  weiter  unten  Gesena  liegt,  vom  Thal  der  Märecchia 
trennt,  welche  bei  Rimini  ins  adriatiscfae  Meer  mündet,  und  der  äusserlich 
charakterisirt  wird  durch  ganz  enorme  unaufhaltsame  Erdschlüpfe,  welche 
die  kahlen  steilen  Abhänge  nach  allen  Seiten  zerreissen  und  tiefe  Schlamm- 
ströme bilden ,  aus  denen  die  abgestürzten  und  mitgeschleppten  Felsblöcke 
kalkigen  oder  mergeligen  Gesteins  wild  hervorragen.  Das  eigentliche 
Schwefelerz  besteht  aus  einem  bis  8  Meter  mächtigen  Schichten  verband 
mit  Schwefel  mehr  oder  minder  durchtränkten  und  durchwachsenen  Kalk- 
mergels, wird  an  Ort  und  Stelle  Pietrone  genannt  und  zeichnet  sich  durch 
einen  bedeutenden  Gehalt  an  Bitumen  aus,  der  meist  als  fadenziehende 
klebrige  Masse  ausgeschieden,  hie  und  da  aber  auch  zu  Asphalt  erhärtet 
ist,  den  ganzen  Bergbau  mit  starkem  Geruch  erfüllt  und  auch  die  sonst 
klaren  Schwefelkrystalle  (ambro)  bräunlich  zu  färben  pflegt.  Das  un- 
mittelbare Dach  des  Pietrone  besteht  aus  Gyps,  der  aber  einen  bedeutenden 
(bis  12  Proc.)  Gehalt  an  kohlensaurem  Kalk  besitzt.  Dieser  Kalkgehalt, 
der  Bitumengehalt  des  Schwefellagers  und  im  nahen  Savio -Thale  gegen- 
wärtig noch  quellende  kohlensaure  Schwefelwasser  stehen  sicherlich  unter- 


*  32 

• 

einander  in  genetischem  Zusammenhange  und  geben  einen  Fingerzeig,  wie 
das  Schwefellager  durch  die  Einwirkung  starker  kohlensaurer  Schwefel- 
wasserstoflFquellen  auf  bituminösen  thonigen  Gyps,  der  im  italienischen 
Tertiärgebirge  ja  so  häufig  ist,  sich  gebildet  haben  mag. 

Endlich  bespricht  Ingenieur  A.  Purgold  noch  einige  durch  Professor 
Brezina  in  Verhandl.  der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt,  1884,  Hft.  18  be- 
kannt gemachte  neuere  Erwerbungen  des  k.  k.  Hofmineraliencabinets  zu 
Wien.  Als  wichtigste  zuerst  ein  Handstück  von  Herderit  in  fast  hasel- 
nussgrossen  Krystallen  auf  zollgrossen  Margarotidkrystallen  aufsitzend, 
von  Stoneham,  Maine.  Bis  auf  dieses  erst  1884  von  Hidden  entdeckte 
amerikanische  Vorkommen  gehörte  der  Herderit  zu  einem  der  seltensten 
Minerale.  Er  wurde  zuerst  im  Jahre  1813  von  Breithaupt  im  Fluss- 
spath  der  Zinnwerke  von  Ehrenfriedersdorf  erkannt,  und  lange  war  dieses 
das  einzige  Stück,  das  von  Breithaupt  an  Werner  geschenkt,  von  diesem 
für  Apatit  gehalten  wurde.  Haidinger  bestimmte  die  Krystallform  in- 
dessen als  rhombisch  und  Plattner  fand  als  chemische  Bestandtheile 
Kalkerde,  Thonerde,  Fluor  und  Phosphorsäure.  Durch  den  amerikanischen 
Fund  wurde  eine  genauere  chemische  Untersuchung  ermöglicht  und  für 
das  Vorkommen  von  Stoneham  Kalk  -  Beryllium  -  Phosphat  mit  Kalk- 
Beryllium- Fluorid  gefunden,  sodass  auf  Grund  der  krystallographischen 
Uebereinstimmung  und  der  grossen  chemischen  Aehnlichkeit  zwischen 
Beryllium  und  Aluminium  eine  Prüfung  des  sächsischen  Herderit  ebenfalls 
auf  Beryllium  sehr  wünschenswerth  und  interessant  erscheint. 

In  ähnlicher  Weise  wie  1813  am  Herderit  bewährte  Breithaupt's 
mineralogischer  Scharfblick  gleichfalls  lange  vor  der  Kenntniss  der 
chemischen  Natur  sich  unter  Anderm  1847  an  zwei  Elbaner  Mineralien, 
die  bis  dahin  för  Quarz  gehalten  waren  und  die  Breithaupt  unter  den 
Namen  Kastor  und  Pol  lux  als  neue  Species  bestimmte.  Der  Kastor, 
ein  Lithion  -  Silicat,  wurde  inzwischen  mit  demPetalit  als  dessen  edelste 
Form  vereinigt,  Pollux  blieb  wegen  seiner  Seltenheit  fast  unbeachtet. 
1861  entdeckte  Bunsen  in  Heidelberg  mittelst  der  von  ihm  erfundenen 
Spectralanalyse  das  neue  chemische  Element  Cäsium;  und  als  im  Jahre 
1873  Pisani  zu  Paris  endlich  eine  Analyse  des  Pollux  durchzufuhren 
vermochte,  fand  er,  dass  dieses  Mineral,  welches  isometrisch  als 
ooOoo.  202  krystallisirt,  34  Proc.  jenes  Elementes  Cäsium  enthält,  mithin 
der  an  dieser  Seltenheit  reichste  natürliche  Körper  und  für  dessen  Dar- 
stellung nun  sehr  gesucht  ist. 

Ausser  dem  berylliumhaltigen  Herderit  wird  unter  den  neuen  Be- 
reicherungen des  Wiener  Cabiuets  von  Brezina  noch  ein  Beryllium- 
Mineral  aufgeführt,  nämlich  Euklas  von  der  Gamsgrube  in  der  Um- 
gebung des  Glockners,  in  halbzoUgrossen ,  beiderseits  ausgebildeten 
schilfigen  Krystallen,  mit  Periklin  und  Quarz  auf  Gneis  aufgewachsen, 
bisweilen  Rutilnadeln  einschliessend  und  mit  Calcit  und  Schüppchen  von 
Perlglimmer  als  jüngeren   Bildungen.    Auch  der  Euklas  zählt  unter  die 


33 

mineralogischen  Seltenheiten.  Bis  vor  wenigen  Jahren  war  er  nur  von 
Boa  Yista  und  von  Capao  do  Lane  bei  Villa  Bica  in  Brasilien,  sowie 
aus  den  Goldseifen  der  Sanarka  im  Ural  bekannt.  Im  Jahre  1881  wurde 
durch  Becke  ein  Vorkommen  aus  den  Tauern  von  Rauris  beschrieben, 
welchem  nun  der  ausgezeichnete  Fund  Km  Glockner  sich  zugesellt. 

Euklas,  Beryll,  Phenakit  gelten  als  die  hauptsäx^hlichsten 
natürlichen  Träger  des  chemisclien  Elementes  Beryllium.  Beryll  ist  aus 
dem  Habachthaie  und  von  anderen  Punkten  der  Salzburger  Alpen  schon 
lange  bekannt,  auch  vom  Pfitscher  Joch  in  Tyrol.  —  Durch  Professor 
Websky  wurde  1881  als  angeblich  vom  Rhonegletscher  Phenakit  be- 
schrieben, welcher  aber  nach  Seeligmann  wahrscheinlich  von  Rek- 
1  in  gen  bei  Münster  im  Oberwallis  herstammt,  das  hiernach  als  erster 
alpiner  Fundort  dieses  ausserdem  nur  noch  zu  Framont  im  Elsass,  an 
dem  Ufer  der  Takowaja  und  bei  Miask  am  Ural  vorgekommenen 
Minerales  zu  nennen  ist.  Das  Element  Beryllium  muss  demnach  fortan 
als  ein,  wenn  auch  exotischer,  doch  ziemlich  verbreiteter  Bestandtheil  in 
den  Gesteinen  der  Centralalpen  gelten. 


Dritte  Sitzunj:  am  7.  Hai  1885.  Vorsitzender:  Handelsschullehrer 
F.  Zschau. 

Durch  Geh.  Hofrath  Dr.  Oeinitz  gelangen  zur  Vorlage  und 
Besprechung 

D.  Stur,   Beiträge   zur  Kenntniss   der  Flora  der  Vorwelt.     Bd.  IL 

Die  Carbon -Flora  der  Schatzlarer  Schichten.    Wien  1885. 
0.  C.  Marsh,   Dinocerata;  a   Monograph  of  ati   extinct   Order  of 

gigantic  Mammalia.    Washington  1885. 
R.   D.  M.  Verbeek,    Topographische   und  geologische  Beschreibunff 

von    Sumatras    Westküste.     Batavia   1883.     Mit  Atlas    in   Fol. 

Amsterdam  1883. 

Handelsschullehrer  F.  Zschau  erläutert  an  einer  grossen  Zahl 
instructiver  Belegstücke  das  Vorkommen  des  Kalkspaths  im  Syenite 
des  Plauenschen  Grundes. 


Vierte  Sitzung^  am  8«  October  1885«  Vorsitzender:  Bergingenieur 
A.  Purgold. 

Oberlehrer  H.  Engelhardt  legt  eine  Anzahl  meist  aus  Quarz  be- 
stehender Dreikantner  oder  Pyramidalgeschiebe  vor,  welche  er  in  der 
Lössnitz  zwischen  Buchholz  und  der  Friedensburg  gesammelt  hat,  wo  sie 
in  auffallend  grosser  Menge  vorkommen.  Nach  einer  Mittheilung  des 
Herrn  W.  Putscher  finden  sich  derartige  Geschiebe  auch  ziemlich  häufig 
in  der  Gegend  von  Weinböhla. 

Dr.  Deichmüller  bespricht  ein  neues  Vorkommen  von  Ammoniak- 
Alaun  (Tschermigit)  von  Grube  „Vertrau  auf  Gott"  beiDux  in  Böhmen. 

Öei.  hin  in  Dig*deti,  188'».  —  SUzungitber.  3.  3 


34 

Das  weisse,  durchscheinende,  stark  glänzende  Mineral  durchsetzt  in  dünnen 
Platten  von  parallelfaseriger  Structur  eine  ca.  4  m  mächtige,  mit  erdiger 
Kohle  vermischte  Lettenschicht  im  Hangenden  der  Braunkohle,  und  besteht 
nach  einer  Analyse  von  Dr.  Geissler  in  Dresden  aus 

SOs       AljOs     (NH4)2  0    HjO     nicht  flüchtigen,  schwefelsauren 

34,99      11,40         3,83       49,72  Alkalien  0,06  %, 

weicht  hiernach  nur  um  Bruchtheile  von  Procenten  von  der  theoretischen 
Formel  des  Ammoniak  -  Alauns  ab.  Das  Vorkommen  soll  massenhaft 
genug  sein,  um  eine  technische  Gewinnung  in  Aussicht  zu  stellen. 

Bergingenieur  Purgold  setzt  schliesslich  in  Umlauf  ein  Stück  von 
hell -apfelgrünem  Prehnit  in  grossen  fächerförmig  verwachsenen  Tafeln 
der  allgemeinen  Form  oP.ocP.ocPcx)  aus  dem  Radauthal  bei  Harzburg 
am  Harz  und  ferner  dreierlei  Zwillingsverwachsungen  von  Orthoklas 
aus  dem  Granit  von  Königshain  bei  Görlitz,  welche  in  ihren  Formen 
vollständig  übereinstimmen  mit  den  zur  Vergleichung  danebengestellten 
Zwillingen  von  Baveno,  wie  bereits  in  Isis-Abh.  1881,  Seite  32  u.  flg. 
abgebildet  und  beschrieben  sind. 

Zum  Schluss  berichtet  Ingenieur  Purgold  über  den  in  der  Zeit 
vom  28.  September  bis  4.  October  zu  Berlin  stattgefundenen  inter- 
nationalen Geologen-Congress,  die  damit  verbundene  Ausstel- 
lung geologischer  Karten,  Sammlungen  und  Apparate  und  die  gehaltenen 
wissenschaftlichen  Vorträge,  unter  Vorlage  zahlreicher,  dort  zur  Ver- 
theilung  gelangter  Druck-  und  Kartenwerke. 

Fflnfte  Sitzunj:  am  19.  November  1885.  Vorsitzender:  Bergingenieur 
A.  Purgold. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  überreicht  der  Gesellschaft  im  Namen  des 
Herrn  Georg  Bruder  dessen  neueste  Abhandlung :  Die  Fauna  der  Jura- 
Ablagerung  von   Hohnstein  in  Sachsen.    Wien  1885.    4^.    51  S.    5  Taf. 

Das  lange  Verzeichniss  der  vom  Verfasser  benutzten  Literatur  weist 
auf  das  hohe  Interesse  hin,  was  man  dem  abnormen  Auftreten  jurassischer 
Gebilde  an  der  Grenze  des  Granits  und  Quadersandsteins  bei  Hohnstein, 
Saupsdorf  und  Hinterhermsdorf  in  Sachsen,  sowie  in  deren  Fortsetzung 
bei  Sternberg,  Khaa  und  Daubitz  in  Böhmen  bereits  seit  1827  geschenkt  hat. 

Waren  die  Lagerungsverhältnisse  insbesondere  schon  durch  Bernhard 
Cottai),  A.  V.  Gutbier«),  Oskar  Lenz»),  v.  Dechen*)  genauer  festgestellt 
worden  so  sind  nun  auch  die  organischen  Reste  aus  den  bezeichneten 
Ablagerungen,  welche  sich  in  den  Museen  von  Dresden,  Freiberg,  Tharandt, 
Berlin,  München  und  Prag  vorfinden,  durch  Georg  Bruder,  Assistent  am 

1)  B.  Cotta,    Geognostische  Wanderungen,  IL    Dresden  u.  Leipzig  1838. 
*)  A.  V.   Gutbier,    Geognostische  Skizzen  aus  der  Sächsischen  Schweiz. 

jeipzig^  Lenz,  Ueber  das  Auftreten  jurassischer  Gebilde  in  Böhmen.    Halle  1870. 
♦)  V.  Dechen,  Ueber  grosse  Dislocationeu.     (Sitzb.  d.  niederrh.  Ges.  f.  Nat. 
u.  Heilkunde,  3.  Jan.  1881.) 


35 

geologischen  Institute  der  k.  k.  deutschen  Universität  in  Prag,  von  Neuem 
untersucht  und  dem  gegenwärtigen  Stande  der  Wissenschaft  entsprechend 
beschrieben  worden. 

Der  vorliegenden  Abhandlung  gingen  zwei  andere  Schriften  des  Ver- 
fassers voraus; 

Georg  Bruder,  Zur  Kenntniss  der  Juraablagerung  von  Sternberg 
bei  Zeidler  in  Böhmen.  Wien  1881.  8^  und:  Neue  Beiträge  zur 
Kenntniss  der  Juraablagerungen  im  nördlichen  Böhmen.     Wien  1882.   8®. 

Die  erste  Notiz  über  die  Fortsetzung  der  Juraformation  von  Hohn- 
stein nach  Böhmen  wurde  von  H.  B.  Geinitz  in  Sitzb.  d.  Isis  1862, 
S.  239  und  240  niedergelegt  und  über  die  ersten  darin  entdeckten  Ver- 
steinerungen ist  dann  im  Jahrb.  f.  Min.  1865,  S.  214  berichtet  worden. 

Nach  Wahl  der  Sectionsbeamten  für  das  Jahr  1886  hält  Dr.  med. 
F.  Theile  den  Hauptvortrag  über  „Die  typischen  Formen  und  die 
Entstehung  der  Dreikantner".  Diese  merkwürdigen,  früher  oft  für 
prähistorische  Kunstprodukte  gehaltenen  Steinformen  gelten  jetzt  als 
untrügliche  Kennzeichen  der  Einwirkung  von  Gletschern  und  finden 
sich  in  hiesiger  Gegend  in  der  verschiedensten  Grösse  von  den  Ab- 
messungen einer  Haselnuss  bis  zu  der  von  1  —  lVs  Meter  Länge  (z.  B.  am 
letzten  Heller  bei  Dresden)  vornehmlich  auf  dem  rechten  Eibufer,  meist 
in  grosser  Menge  bei  einander  liegend,  aus  der  sächsischen  Schweiz 
heraustretend  auf  einer  Linie  von  Copitz  bei  Pirna  über  die  Pillnitzer 
Umgegend  bis  in  die  Gegend  von  Stolpen;  femer  in  der  Dresdener 
Haide  bei  Klotzsche  und  Langebrück,  im  Friedewalde  bei  Moritz- 
burg. Nach  den  Beobachtungen  und  Folgerungen  des  Vortragenden 
wird  zur  Bildung  von  Dreikantnern  die  Gegenwart  von  sphäroidischen 
Gerollen  harter  Gesteine,  wie  Quarz,  Quarzit,  Hornstein,  Basalt, 
Porphyr,  Granit  und  dergleichen,  vorausgesetzt  und  werden  an  einer 
langen  Reihe  von  Modellen  und  Belegstücken  die  Stellungen  und  Lagen 
erläutert,  in  welchen  diese  kugel-  und  eiförmigen  Geschiebe  sich  zu  einander 
befunden  haben  müssen,  um  unter  der  Last  und  dem  Fortschreiten  eines 
Gletschers  eine  wechselseitige  Reibung  auszuüben,  durch  welche  schliesslich 
sich  Ebenen  mit  scharfen  Kanten  anschleifen.  I/ctzterer  Anzahl  beträgt 
meistens  drei,  wechselt  jedoch  von  eins  bis  fünf  und  darüber.  Der 
Neigungswinkel  der  Schliffebetien  zu  einander  pflegt  sich  der  Grösse  von 
\20^  mehr  oder  weniger  anzunähern,  wodurch  die  Winkel  zwischen  den 
Kanten  sich  ungefähr  =  109*/«®  herstellen  und  somit  eine  Aehnlichkeit 
mit  der  dreikantigen  Ecke  eines  regelmässigen  Rhombendodekaeders 
sich  ausbildet.  Wird  ein  GeröUe  auf  diese  Weise  gleichzeitig  von  oben 
wie  von  unten  bearbeitet,  so  entstehen  Rhomboedern  ähnliche  Körper. 

Durch  die  Art  ihrer  Entstehung  widerlegen  diese  unter  dem  allge- 
meinen Namen  Dreikantner  begriffenen  angeschliffenen  Geschiebe 
gründlich  die  sogenannte  Drifttheorie  für  die  Herkunft  und  Bildung 
der  nordischen  Geschiebe,  stützen  und  bestätigen  dagegen  die  Gletscher- 

3* 


36 

theorie.  (Die  Veröffentlichung  dieses  Vortrags  ist  in  der  Zeitschrift 
„üeher  Berg  und  Thal",  Organ  des  Gebirgsvereins  für  die  sächsisch- 
böhmische Schweiz,  8.  Jahrg.  1885,  Nr.  11  und  12  erfolgt.) 

In  der  daran  schliessenden  Discussion  wird  von  Dr.  Gejnitz  zunächst 
hervorgehoben,  dass  der  von  Dr.  Theile  oft  beobachtete  Winkel  von  120  • 
keinesfalls  eine  Regel  sein  könne ,  sondern  nur  eine  Folge  des  Zusammen- 
treffens fast  gleichgrosser  Geschiebe  sei*);  dass  femer  die  Dreikantner 
nicht  in  der  Grundmoräne  der  Gletscher  oder  dem  untern  Geschiebe- 
mergel, wie  dies  nach  der  Ansicht  des  Vortragenden  der  Fall  sein  müsste, 
aufzutreten  pflegen,  sondern  vielmehr  ganz  vorzugsweise  an  den  oberen 
Geschiebemergel  und  die  darauf  zurückzuführenden  Steinbestreuungen 
gebunden  sind,  und  verweist  zugleich  auf  die  neuerdings  von  Prof. 
Dr.  Berendt  gegebenen  hierauf  bezüglichen  Erklärungen  im  Jahrbuche 
der  K.  preuss.  geolog.  Liandesanstalt,  1884,  S.  201—210. 

Auch  bestätigen  Oberlehrer  Engelhardt  und  Vortragender  selbst 
das  häufige  Vorkommen  der  Dreikantner  in  den  obersten  Schichten  ver- 
schiedener Kiesgruben,  während  dieselben  in  den  tieferen  Schichten  fehlen 
oder  nur  ganz  vereinzelt  vorkommen. 

Oberlehrer  E.  Dan  zig  in  Rochlitz  sendet  als  Nachtrag  zu  seiner, 
in  den  Abhandlungen  der  Isis  1884,  S.  141  veröffentlichten  Arbeit  über 
„Das  archäische  Gebiet  nördlich  vom  Zittauer  und  Jeschken- Gebirge'* 
folgende  briefliche  Miltheilung  ein: 

Rochlitz,  den  13.  November  1885. 

„Zunächst  muss  ich  darauf  aufmerksam  machen,  dassHerm.  Credner 
auf  Grund  schon  vor  12  Jahren  angestellter  Beobachtungen  zu  einer  der 
von  mir  über  die  Zugehörigkeit  vieler  Lausitzer  Granite  zur  Gneiss- 
formation ausgesprochenen  Ansicht  ähnlichen  Auffassung  gelangt  ist  und 
dieselbe  in  seinem  CoUeg  „Geologie  von  Sachsen"  vertritt.  Auch 
Woitschach  sieht  in  seiner,  mir  erst  vor  einigen  Wochen  zu  Gesicht 
gekommenen  Abhandlung:  „Das  Granitgebirge  von  Eönigshain  in  der 
preuss.  Oberlausitz  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  darin  vor- 
kommenden Mineralien"  (Abb.  naturforsch.  Ges.  Görlitz,  1881)  den 
Lausitz -Granit  auf  Grund  einiger  in  der  Nähe  von  Görlitz  angestellten 
Beobachtungen  für  ein  Glied  der  geschichteten  Formation  an  und  bemerkt 
darüber:  „An  mehreren  Aufschlusspunkten  wurde  deutlich  erkannt,  dass 
ihm  (dem  Lausitzer  Granit)  Bänke  von  Thonschiefer  untergeordnet  sind, 
sowie  auch  unweit  des  Neisse-Viaducts  ein  thoniges  Gestein  ansteht, 
welches,  von  flaseriger  Structur,  grosse  Quarze  enthält,  so  den  Uebergang 
zu  den  Schiefern  zu  vermitteln  scheint  und  als  Phyllitgneiss  bezeichnet 
werden  kann.     Es  unterliegt  daher  keinem  Zweifel,   dass  dieser  Granit 

*)  Dasselbe  bestätigte  auch  nachträglich  Herr  Prof.  Harnack  durch  eine 
mathematische  Untersuchung  der  bei  kugelförmigen  Gebilden  auftretenden  Rei- 
bungsflächen. Nur  bei  gleichgrossen  Körpern,  die  in  Bezug  auf  Form  und  Material 
gleichartig  nind,  köunen  sämratliche  Kantenwinkel  gleich  120®  wei-den.     D.  R. 


37 

ein  Gneissgranit  ist  und  ein  Glied  der  Urschieferformation 
darstellt".  Dagegen  wird  der  Königshainer  Granit  für  eruptiv  erklärt. 
Auch  Woitschach  hat  somit  auf  die  Verknüpfung  des  Lausitz  -  Granites 
mit  dem  Phyllit  ähnlichen  Schiefern  hingewiesen,  die  ich,  ohne  von  seiner 
Arbeit  Kenntniss  zu  haben,  wenige  Jahre  später  auf  einem  anderen  und 
grösseren  Gebiete  vielfach  vorgefunden  und  zum  Theil  in  meinem  Aufsatze 
„Ueber  das  archäische  Gebiet  nördlich  von  Zittau  und  dem  Jeschken- 
Gebirge"  besprochen  habe.  —  Laube  dagegen  hält  in  seinen  Mittheilungen 
über  „Die  Protogingesteine  des  nördlichen  Böhmens"  (Verh.  K.  K.  geol. 
Reichsanstalt,  Wien,  December  1884),  sowie  in  einer  neulich  an  mich 
gerichteten  Zuschrift  den  Lausitz-Granit  und  die  Gneisse  mit  grünem^ 
talkartigem  Glimmer  von  Weisskirchen,  Kratzau  etc.  im  nördlichen 
Bö'hmen  für  eruptiv  und  die  in  ihnen  vorkommenden  Schiefer  für  Ein- 
schlüsse. Ueber  meine  Stellung  zu  Laube  sowohl,  wie  zu  den  älteren 
Arbeiten  von  Jokely  mich  auszusprechen,  werde  ich  nächstes  Jahr 
Gelegenheit  nehmen. 

Ein  Seitenstück  zu  der  innigen  Verknüpfung,  von  Granit,  Gneiss  und 
phyllitartigem  Schiefer,  die  ich  a.  a.  0.  von  Hirschfelde  beschrieben 
habe,  traf  ich  in  Ober-Berzdorf  nördlich  von  Friedland  i.  B.  Aus 
sehr  grobkörnigem  Rumburg -Granit  entwickelt  sich  hier  ein  ebenfalls 
grobkörniger  und  grobflaseriger  Gneiss,  der  mehrere  Zwischenlager  der 
mehrfach  erwähnten  Schiefer  führt.  Eine  derselben  enthält  eine  flach- 
lenticulärcy  gegen  1 — 2  dm  dicke,  allseitig  umschlossene  Ausscheidung 
von  grobkörnigem  Granit. 

Bei  Nie  da  bei  Ostritz  glaube  ich  endlich  das  Muttergestein  dieser 
allermeist  verwitterten  Schiefer  in  einem  dichten,  dickschieferigen  aber 
deutlich  geschichteten,  flache  Quarzlinsen  parallel  seiner  Grenze  und  seinem 
Streichen  fuhrenden,  schwärzlichen  Gestein  gefunden  zu  haben.  Der 
Granitgneiss,  in  welchem  es  ein  2  m  mächtiges  Lager  bildet,  geht  an  der 
Grenze  in  dasselbe  über,  indem  eine  duhkle  Schieferflaser  den  Glimmer 
vertritt  und  schliesslich  das  Gestein  allein  zu  constituiren  scheint. 

Was  die  deutlich  körnigen,  flaserigen  bis  schieferigen  Gneisse  im 
Lausitz-  und  Rumburg-Granit  anlangt,  so  glaube  ich  auf  Grund 
namentlich  um  Löbau,  Ostritz  und  Seidenberg  angestellter  Beobachtungen 
behaupten  zu  dürfen,  dass,  wie  auch  die  Frage  nach  der  Entstehung 
jener  Granite  beantwortet  werden  mag,  diese  Gneisse,  die  früher  für  Ein- 
schlüsse gehalten  wurden,  von  ihnen  nicht  zu  trennen  sind. 

Der  wenig  untersuchte,  dichte  Gneiss  von  Weissenberg  (Cotta, 
Erläut.  zu  Sect.  6  der  geognost.  Karte  von  Sachsen)  zeigt  die  bemerkens- 
werthe  Erscheinung,  dass  er  in  der  Nähe  der  Gränitgrenze  Linsen  des 
gewöhnlichen  Lausitz-Granites  parallel  seinem  Streichen  fuhrt.  Auch  weist 
er  Uebergänge  vß  letzteren  auf." 


38 


IV.  Section  für  praehistorisclie  Forschimgen. 


Erste  Sitzung:  am  IS.  Februar  1885.  Vorsitzender:  Freit^prr 
D.  von  Biedermann. 

Herr  W.  Osborne  schildert  in  anregender  Weise  seine  im  December 
vorigen  Jahres  unternommene  Reise  in  die  Schweiz  und  die  Besichtigung  der 
praehistorischen  Sammlungen  zu  Zürich,  Luzern,  Bern,  Lausanne,  Genf 
und  Neuchatel  und  charakterisirt  dieselben  kurz,  wie  er  sie  befunden, 
wobei  er  auch  beiläufig  der  hohen  Preise  gedenkt,  welche  die  Antiquare 
in  den  besuchten  Städten  für  schweizerische  Funde  fordern. 

Eingehender  behandelt  der  Vortragende  die  Pfahlbauten  des 
Neuchäteler  Sees,  wo  er,  begünstigt  durch  den  niedrigen  Wasserstand, 
in  der  Lage  war,  selbst  Ausgrabungen  vorzunehmen.  Zahlreiche  vor- 
gelegte Funde  von  Steingeräthen ,  darunter  eine  ^nzahl  kleiner  Beile  aus 
Nephrit,  Jadeit  und  Chloromelanit,  Bronze-  und  Eisengegenständen, 
Gefassen,  Geweihen  und  Holzüberresten  erhöhten  das  Interesse  an 
dem  Vortrage. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  erwähnt  eine  Schrift  von  Dr.  Theile  in 
Lockwitz,  einem  der  Mitbegründer  der  Isis,  über  eine  Ausgrabung  in 
Stetzsch  bei  Cossebaude.  Vergl.  Fr.  Theile,  Altgermanische  Gräberstätte 
bei  Stetzsch,  in  Zeitschrift  „üeber  Berg  und  Thal"  1884,  Nr.  12  und 
1885,  Nr.  1. 


Zweite  Sitzung  am  9.  April  1885.  Vorsitzender:  Freiherr  D.  von 
Biedermann. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  bespricht  einige  von  Frl.  J.  von  Boxberg 
eingesandte  Gypsabgüsse  eiserner  Pfeil-  und  Lanzenspitzen,  sowie  eines 
eisernen  Opfermessers,  welche  bei  dem  Opfersteine  des  alten  Mahles  von 
Tauscha  bei  Radeburg  aufgefunden  wurden.  Frl.  J.  von  Boxberg 
schreibt  über  diese  Funde: 

„Ich  habe  während  meines  Aufenthaltes  in  Sachsen  vor  etwa  drei 
Jahren  einen  alten  OpferJ)latz  gesehen.  Es  war  ein  grosser  Bau  in  der 
Mitte  eines  neuerdings  abgeschlagenen  Holzes.     Obgleich  zerstört  ^   trat 


39 

der  Ueberrest  doch  noch  sehr  deutlich  auf  dem  Boden  hervor.  Zwei 
grosse  viereckige,  von  einander  getrennte,  aber  durch  einen  Weg  ver- 
bandene  Höfe  standen  noch  fest  aufgerichtet.  Der  zweite  Hof  war  weit 
höher  als  der  erste  und  enthielt  Spuren  eines  Altars,  fast  ganz  überzogen 
mit  Moos;  eine  Doppelreihe  von  Gräben  und  Erdwällen  bis  zu 
3  m  Höhe,  welche  das  Terrain  umgaben,  vervollständigten  den  Opferplatz, 
der  noch  heute  das  alte  Mahl  genannt  wird. 

Die  Wenden  opferten  Thiere  unter  Darreichung  von  Blumen  und 
Früchten.  Auch  legte  die  öfifentliche  Verehrung  Waffen,  Schmuck  und 
Geräthschaften  nieder.  Unter  den  ausgegrabenen  Knochen  erkennt  man 
den  Hirsch,  den  Eber,  das  Pferd,  Rind,  Vögel  und  selbst  Fische.  In 
grosser  Menge  hat  man  Getreide,  Hirse,  Erbsen  und  Eicheln  gefunden. 
Da  alle  diese  Gegenstände  von  dem  Feuer  kaum  berührt  worden  sind, 
darf  man  schliessen,  dass  die  Priester  während  der  Ceremonie  das  Feuer 
mit  frischer  Erde  bedeckt  und  die  dargebrachten  Gegenstände  darin  ein- 
gebettet haben. 

Zahlreiche  Bruchstücke  von  Thongeräthen,  womit  der  Boden  ge- 
wöhnlich bestreut  ist,  lassen  vermuthen,  dass  man  die  Gaben  in  Gefasseu 
dargeboten  hat,  oder  dass,  ähnlich  wie  bei  den  gallischen  Volksstämmen, 
die  von  Verstorbenen  gebrauchten  Gefasse  bruchstückweise  auf  den  Herd 
geworfen  worden  sind.  Durchbohrte  Steinhämmer,  gebogene  Messer, 
kleine  Sicheln  werden  oft  als  Opfergeräthe  bezeichnet,  während  kleine 
Tassen  und  Schalen  vielleicht  als  Libationsgefässe  die  Aschenurnen  häufig 
begleiten".  (Vergl.  Ann.  de  la  Soc.  d'agrictdture^  sciences,  arts  et 
commerce  de  Pup.    T.  XXVH.    1864—65.    p.  148) 

Ein  an  derselben  Stelle  ausgegrabenes  Thongefäss,  die  Gestalt  eines 
Reiters  wiedergebend,  hält  Frl.  von  Boxberg  für  das  Bild  des  Götzen 
Swantewit.  Vortragender  zeigt  das  Bruchstück  eines  ähnlichen,  in  der 
Nähe  der  Rudelsburg  gefundenen  Gefasses  vor,  welches  er  bisher  für 
den  Pfeifenkopf  einss  Studenten  gehalten  habe. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  bringt  zur  Vorlage  noch  eine  grössere 
Zahl  von  Schriften  von  Dr.  H.  Jentsch  in  Guben  über  praehistorische 
Funde  aus  dem  Stadt-  und  Landkreise  Guben,  von  F.  von  Hauer,  die 
Kraus -Grotte  bei  Gams  in  Steiermark  (Oestcrr.  Touristen-Zeitung  1885, 
Nr.  2  und  3)  und  von  A.  Hofmann,  Säugethierreste  aus  der  Stuhleck- 
Höhle  (Mittheil.  d.  naturwiss.  Ver.  f.  Steiermark,  Jahrg.  1884),  in  der 
neben  Ursus  speheus  Blum,  auch  Ur.  arctos  L.  entdeckt  wurde. 

Hierauf  spricht  Ingenieur  H.  Wiechel  über  die  praehistorischen 
Funde  der  Eisenzeit  in  Sachsen,  verglichen  mit  denen  der  Bronzezeit, 
veranlasst  durch  das  Werk  von  Dr.  Ingv.  Und s et:  „Das  erste  Auftreten 
des  Eisens  in  Nord -Europa",  worin  der  Verfasser  die  Ansicht  ausspricht, 
dass  die  in  Sachsen  gemachten  Funde  aus  der  Eisenzeit  in  ihrer  Form 
mehr  an  die  der  Bronzezeit  erinnerten.  Vortragender  widerspricht  dieser 
Ansicht  aus   mehreren  Gründen   und   stützt   sich  dabei   auf  das  reiche 


40 

Material,  das  er  bei  den  Ausgrabungen  in  Pirna  und  Uebigau  gewonnen 
hat.  Er  gedenkt  hierbei  auch  der  sogenannten  Napfurnen  (Lausitzer 
Typus),  welche  an  beiden  Fundstellen  vorkommen  und  entschieden  der 
Bronzezeit  angehören,  sowie  der  seltenen  Uebergangsformen,  die  sich 
einerseits  der  Flaschenform,  andererseits  der  Form  der  römischen  Misch- 
krüge nähern  und  auf  der  Drehscheibe  angefertigt  sein  müssen.  Redner 
macht  aufmerksam  auf  kleine  Napfurnen  (Beigefasse),  die  mit  Henkeln 
zum  Anbringen  von  Schnuren  versehen  sind  und  auf  Umenfeldern  der 
Latene-Zeit  gefunden  wurden.  Zahlreiche  Zeichnungen  unterstützten  den 
Vortrag.  Schliesslich  wird  noch  auf  ein  neueres,  für  Urnensammler 
interessantes  Werk  hingewiesen,  auf  Fritz  Berndt,  die  Gefasse  unseres 
Hauses,  drei  Vorträge  über  Keramik.     Aachen  1880. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  theilt  mit,  dass  nach  einem  Briefe  des 
Realschuldirectors  Muth  in  Pirna  am  Fusse  des  Sonnensteins  ein  Urnenfeld 
aufgedeckt  worden  sei  und  dass  man  im  dortigen  Rathhause  einen  Saal 
zu  einem  praehistorischen  Museum  einzurichten  gedenke. 

Derselbe  liest  aus  der  „Neuen  Züricher  Zeitung"  1885,  Nr.  70  u.  71 
noch  einige  Mittheilungen  aus  dem  Gebiet  der  Pfahlbauten  von  Jakob 
Messikommer  vor. 

Zum  Schluss  erklärt  Handelsschullehrer  0.  Thüme  ein  ihm  von 
Herrn  W.  Osborne  übergebenes  Holz  aus  den  Pfahlbauten  des  Neuen- 
burger  Sees  für  Nadelholz,  da  er  bei  der  Untersuchung  desselben  Tüpfel- 
zellen vorgefunden  habe. 


Dritte  Sitzung  am  11.  Juni  1885.  Vorsitzender:  Freiherr  D.  von 
Biedermann. 

Der  Vorsitzende  spricht  über  die  Geschichte  der  Halloren. 
Dem  interessanten  Vortrage  entnehmen  wir  Folgendes: 

Unter  den  innerhalb  der  eingeborenen  Bevölkerung  inselartig  ein- 
gestreuten Genossenschaften,  die  sich  durch  ihre  Eigenart  scharf  von  ihrer 
Umgebung  abscheiden,  nehmen  die  Halloren  das  Interesse  in  erster 
Linie  in  Anspruch,  da  diese  in  Halle  als  Salzwürker  thätige  Körper- 
schaft als  das  Ueberbleibsel  derjenigen  Völkerschaft  anzusehen  ist,  von 
der  die.  erste  Cultivirung  Deutschlands  ausging,  als  die  letzten  Beste  der 
Kelten  in  Deutschland,  deren  Urgeschichte  weit,  bis  ins  Sagenhafte 
zurückreicht.  Von  jeher  haben  sie  die  Aufmerksamkeit  durch  die  Eigen- 
artigkeit ihrer  Kleidung,  Sprache  und  Sitten  auf  sich  gelenkt,  doch  macht 
sich  in  neuester  Zeit  auch  bei  ihnen  die  moderne  Nivellirungssucht 
bemerklich,  und  rückt  der  Zeitpunkt  immer  näher,  von  welchem  an  sie 
nur  der  Geschichte  angehören  werden. 

Ch,  Keferstein,  dessen  Untersuchungen  Vortragender  folgt,  führt  die 
Erhaltung  ihrer  Eigenthümlichkeiten  darauf  zurück,  dass  eine  Verschmelzung 


41 

mit  den  Hallensern,  den  deutschen  Bewohnern  Halles  fast  nie  statt- 
gefunden hat;  betrachten  sie  selbst  sich  ja  nicht  als  Hallenser. 

Von  diesen  unterscheiden  sie  sich  durch  Körperbau,  Tracht, 
Sitten  und  Gebräuche,  wie  sie  in  manchen  Fällen  auch  rechtlich 
noch  eine  Ausnahmestellung  einnehmen.  Sie  zeichnen  sich  durch  hohen, 
schlanken  Wuchs,  ganz  verschieden  von  dem  der  Slaven,  aus  und  haben 
schwarzes  Haar,  das  sie  mit  Ausnahme  einer  lang  herunterhängenden 
Locke  am  Ohr  kurz  tragen.  Ihre  freilich  jetzt  nur  an  Sonn-  und  Fest- 
tagen getragene  Hallorentracht  ähnelt  der  thüringischen  Volkstracht,  nur 
ist  die  Farbe  der  langen  Röcke  meist  grell  bunt,  die,  oft  silbernen,  Knöpfe 
sind  sehr  hoch  und  conisch,  auch  verwenden  Männer  wie  Frauen  an  der 
Kleidung  viel  Pelzwerk. 

Ihre  grosse  Freimüthigkeit  im  Verkehr  mit  Anderen  ist  bekannt ;  nach 
altem  Brauche  sprechen  sie  Andere  mit  „Du''  an,  mit  Ausnahme  der 
Vorgesetzten  —  eine  noch  heute  im  Verkehr  mit  den  Studenten  ge- 
haltene Sitte. 

Ihr  Hauptfest  ist  das  Pfingstbier,  vielleicht  ein  Ueberrest  des 
alten  keltischen  Druidendienstes,  bei  dessen  Feier  die  alten  Gebräuche 
streng  innegehalten  wurden.  Ihre  früher  alljährlich,  jetzt  nur  sehr  selten 
ausgeführten  Fischerstechen  lockten  zahlreiche  Fremde  nach  Halle. 

Ihre  ezimirte  Stellung  bekundete  sich  durch  namhafte  Privilegien, 
die  sie  als  Eigen thümer  und  Verarbeiter  der  Soolquellen  genossen,  von 
denen  sie  aber  manche  in  den  heftigen  Fehden  mit  Patriziern  und  geist- 
lichen Vorgesetzten  schon  im  15.  Jahrhundert  einbüssten,  doch  gelten  für 
sie  noch  heute  mancherlei  Privilegien.  So  wird  das  Salzsieden  nur  von 
ihnen  allein  ausgeübt;  bei  jeder  Huldigung  eines  preussischen  Königs 
erhalten  sie  eine  Fahne  und  ein  Pferd,  mit  welchem  sie  den  Salzbrunnen 
umreiten ,  auch  steht  ihnen  das  Recht  zu,  bei  einer  Huldigung  durch  eine 
Deputation  vertreten  zu  sein  und  die  Bestätigung  ihrer  Rechte  zu  erbitten. 
Die  hierbei  gehaltenen  Reden  haben  noch  die  alte  Fassung.  Auch  zur 
Neujahrsgratulation  haben  sie  Zutritt.  Ein  nicht  ausgesprochenes,  aber 
als  Usus  festgehaltenes  Recht  ruhte  auf  dem  Gebiet  der  Halloren,  das 
einer  Freistätte.  Wer  zu  ihnen  flüchtete,  genoss  Straflosigkeit;  dahin 
flüchteten  auch  die  Studenten,  wenn  ihnen  Philister  und  Manichäer  zu 
hart  auf  den  Fersen  waren. 

Ihre  keltische  Abstammung  gründet  sich  vorwiegend  auf  ihr  Sprach- 
idiom. Schon  der  Name  Halle  ist  keltischen  Ursprungs  und  leitet  sich 
her  von  häl  =  Salz,  wie  Halloren  von  hallwr  (spr.  Hollur)  =  Salz- 
bereiter. Unzweifelhaft  keltischen  Ursprungs  sind  technische  Ausdrücke 
wie  Kothe  (Häuser)  von  cwt  (spr.  kut),  Thal  oder  Dal  (Gemeinschaft)  von 
dail,  Greve  (Administrativ-Beamter)  von  grav,  grabu,  Graeder  (Heitzer) 
von  gradaire,  Oigler  oder  Ogglere  (Beamtete)  von  oggl,  Pfanne  von  pen  etc. 
Auch  im  gewöhnlichen  Leben  haben  sich  Spuren  keltischer  Ausspracht 


42 

erhalten,  namentlich  durch  Verwandlung  des  a  in  o;  so  sagen  sie  nicht 
Halloren,  sondern  Holloren. 

Nicht  die  gesammte  Genossenschaft  der  Säl/er  sind  Halloren,  nur  die 
sogenannten  Salzwürker,  deren  Zahl  jetzt  etwa  100 — 120  beträgt, 
während  sie  im  16.  Jahrhundert  zu  Eriegszeiten  600-700  waffenfähige 
Leute  zu  stellen  vermochten. 

Die  älteste  Urkunde,  welche  ihrer  gedenkt,  ist  ein  kaiserliches  Patent 
Y.  J.  739.  Schon  1554  sclirieb  ein  Ernst  Brotuff  von  Merseburg  eine 
Geschichte  derselben,  worin  sie  allerdings  zu  den  Slaven  gerechnet  werden. 
Keferstein  sucht  nachzuweisen,  indem  er  den  Zug  der  einfallenden  Kelten 
genau  verfolgt,  dass  sie  hier  als  Salzarbeiter  zurückgeblieben  seien,  während 
der  Hauptstrom  sich  weiter  nach  Süden  und  Westen  verzog,  lieber  das 
Wann?  ist  freilich  mit  Bestimmtheit  nichts  zu  sagen.  Einen  thatsächlichen 
Beweis  für  das  hohe  Alter  der  Halloren  in  Halle  liefert  eine  6  Fuss 
mächtige,  unter  einer  5  Fuss  hohen  Dammschicht  auf  der  Insel  am 
Strohhofe  liegende  Ablagerung  von  Strohasche,  die  ihre  Entstehung  der 
anfangs  üblichen  Methode  der  Heizung  mit  Stroh  verdankt.  Aus  der 
Dicke  dieses  Lagers  berechnet  man  die  Anfange  der  Saline  um  circa 
2000  Jahre  zurück. 

Vortragender  glaubt,  dass  sich  in  einer  so  eng  geschlossenen,  von 
aller  Vermischung  mit  fremden  Elementen  rein  erhaltenen  Genossenschaft 
Manches  auffinden  lassen  müsse,  was  für  praehistorische  Forschungen 
Förderliches  bieten  könne,  dass  sich  in  dieser  z.  B.  mancherlei  altes 
Geräth  auffinden  Hesse,  das  im  Vergleich  mit  den  Funden  aus  Kelten- 
Gräbern  recht  instructive  Aufschlüsse  zu  geben  im  Stande  sein  würde. 


Vierte  Sitzung^  am  10.  December  1885.  Vorsitzender:  Freiherr 
D.  von  Biedermann. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  zeigt  den  am  8.  December  erfolgten  Tod 
der  Frau  Elwine  von  Burchardi,  geb.  Härtel  zu  Gross-Cotta  an,  welche 
seit  1868  Ehrenmitglied  der  Isis  gewesen  ist,  und  nimmt  den  Auftrag 
entgegen,  bei  ihrem  am  11.  December  stattfindenden  Begräbniss  im  Namen 
der  Gesellschaft  Isis  einen  Palmenzweig  auf  ihr  Grab  zu  legen. 

Derselbe  trägt  ferner  einen  Bericht  von  Fräulein  Ida  von  Boxberg 
über  ihre  diesjährigen  Ausgrabungen  auf  dem  Umenfelde  von  Dobra  bei 
Radeburg  vor,  aus  welchem  wir  Folgendes  entnehmen*): 

Es  wurden  dort  15  Grabstätten  aufgedeckt,  die  von  Neuem  die  alt- 
germanischen Elemente  bestätigten.    In  einem  Steinkranze,   welcher  aus 


*)  Vgl.  laisber.  1884,  p.  74.    Weitere  Mittheilungen  darüber  sollen  erfolffen, 
sobald  die  dortigen  Ausgrabungen  im  nächsten  Jahre  abgeschlossen  sein  werden, 

D^  Red. 


43 

tüchtigen,  theilweise  nordischen  Felsbrocken  bestand,  fanden  sich  2  grosse 
Knochenumen  vor  und  über  20  Beigefässe,  welche  leider  meist  zertrümmert 
waren.  In  einer  der  grösseren  Urnen  wurde  eine  Bronzenadel,  das  Frag- 
ment eines  durchbohrten  Knochenscheibchens,  das  Bruchstück  eines  Feuer- 
steinwerkzeuges und  die  Hälfte  eines  ebenfalls  durchbohrten  Wolfzahns 
gefunden.  Die  andere  dieser  Urnen  enthielt  als  Beigabe  ein  1  cm  breites 
Armband  aus  Bronze  und  einen  hellen  Kieselstein. 

Im  Ganzen  belief  sich  die  Zahl  der  bis  jetzt  dort  gewonnenen  und 
noch  gut  erhaltenen  Urnen,  Beigefasse  und  Amulette  auf:  4  Urnen, 
5  Tassen,  4  Beigefässe,  5  Schalen,  einen  15  cm  langen  Bronzestift, 
1  klares  Quarzgeröll,  5  Bernsteinperlen,  3  flach  geschnittene  und  durch- 
bohrte Amulette  aus  Grauwacke,  1  Gefässboden  mit  eingeritztem  Kreuz, 
1  Halsband  aus  59  Thonperlen  bestehend,  1  Näpfchen  mit  kleinen  Kinder- 
knöchelchen  gefüllt,  dessen  Aussenseite  mit  19  rund  um  den  Boden 
laufenden  Tupfen  verziert  ist  und  das  1  kleines  Bronzeringelchen  enthielt, 
4  Spirale  Bronzeornamente  und  1  kleinen  Gefässdeckel  mit  einer  anscheinend 
absichtlich  durchstossenen  Bodenöffnung. 

Unter  den  zahlreichen  Scherben  der  zerfallenen  Urnen  sind  Ver- 
zierungen als  Stichmuster,  Nageleindrücke,  Tupfen  und  Leistenornamente 
vielfach  vertreten;  gleichzeitig  wurden  aber  auch  53  verschiedene  Henkel 
von  Thongefassen  gesammelt. 

Es  verdient  Beachtung,  dass  in  3  Grabstätten  unweit  der  Knochen- 
urnen eine  Hand  voll  Asche  und  Holzkohlen  angetroffen  wurden,  welche 
die  kleinen  Gefässtrümmer  umgaben,  welche  zum  Brennen  und  Härten 
der  Gefässe  gedient  haben  mögen,  da  auch  der  von  Natur  gelbe  Sand, 
auf  dem  sie  gestellt  waren,  rothgebrannt  war. 

Zur  näheren  Erläuterung  hatte  Fräulein  von  Boxberg  Fragmente  der 
grösseren  Knochenurnen  mit  Knochenresten,  die  dort  gefundenen  Holz- 
kohlen und  Zeichnungen  verschiedener  Beigaben  eingesandt  und  abermals 
dem  K.  Mineralogischen  Museum  übergeben. 

Besonderes  Interesse  erregte  ferner  der  von  dieser  Dame  uns  gleich- 
zeitig eingesandte  Situationsplan  der  berühmten  Brunnengräber  von 
Troussepoil  in  der  Vend6e,  deren  Kenntniss  wir  ebenfalls  Fräulein 
von  Boxberg  verdanken  (vgl.  die  praehistorische  Abtheilung  des  K.  Mine- 
ralogischen Museums). 

Schliesslich  wurde  durch  sie  noch  die  Aufmerksamkeit  auf  Göthe^s 
Urtheil  über  die  Feuerbestattung  in  dem  Trauerspiele  des  Dichters  „Die 
natürliche  Tochter*'  gelenkt.   — 

Ueber  einen  angeblichen  Fund  von  Steinbeilen,  die  sich  nach  Angabe 
einiger  Tagesblätter  bei  dem  Bau  einer  Chausseebrücke  bei  Waldheim 
jüngst  gefunden  haben  sollen,  theilt  der  Vorsitzende  mit,  dass  nach  den 
aus  sichersten  Quellen  erhaltenen  Mittheilungen  dort  nur  ein  alter  Maurer^ 
hammer  zu  diesem  Gerüchte  Veranlassung  gegeben  habe. 


44 

Wichtiger  erschien  eine  neue  hier  vorgelegte  Sendung  des  rühmlichst 
bekannten  Antiquar  Herrn  Jacob  Messikommer  in  Wetzikon,  Zürich,  für 
das  K.  Mineralogische  Museum,  welche  aus  folgenden  Gegenständen  bestand: 
Feldhacken  mit  Stiel,  Haarnetz,  Geflechte  aus  dickem  Stoff  und  Gewebe  aus 
dem  Pfahlbau  von  Robenhausen,  sogenannte  Schieferkohle  mit  Zähnen  und 
Schädelresten  vom  Edelhirsch  von  Dürnten,  1  Menschenschädel  aus  dem 
Pfahlbau  von  St.  Blaise  am  Neuenburger  See  und  ein  noch  unentziffertes 
Stück  bronzirtes  Eisen  vom  Neuenburger  See. 

Dr.  Deichmüller  legt  das  erste  Heft  der  „Mittheilungen  der  Nieder- 
lausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte",  Lübben  1 885, 
vor  und  bespricht  die  darin  enthaltenen  Abhandlungen.  Referent  empfiehlt 
einen  Schriftentausch  mit  genannter  Gesellschaft. 

Der  Vorsitzende  spricht  noch  über  einen  Aufsatz  von  G.  de  Mor- 
tillet  in  der  Zeitschrift  „Thomme",  in  welcher  der  Verfasser  von  Neuem 
auseinandersetzt,  dass  die  Feuersteine,  welche  bei  Gelegenheit  von  Aus- 
grabungen zu  Thenay  bei  Blois,  südwestlich  von  Orleans,  5  m  tief  im 
Tertiär  gefunden  wurden  und  die  Spuren  von  Feuer  (Silex  craquele) 
zeigten,  von  einem  Wesen  herrühren  möchten,  welches  Feuer  zu  machen 
verstanden  habe ,  und  da  Menschen  zur  Zeit  noch  nicht  vorhanden  waren, 
dies  zweifelsohne  ein  höher  begabter  Affe  gewesen  sei,  eine  Zwischenstufe 
zwischen  diesen  und  dem  Menschen,  welchen  er  Anthropopithecus 
nennt.  Sprecher  widerlegt  diesen  gewagten  Schluss,  während  Dr.  Geinitz 
auf  frühere  Mittheilungen  hierüber  verweist  (vergl.  Isis  -  Abhandl.  1882, 
S.  127,  132  und  1883,  S.  93). 


45 


V.   Section  fdr  Physik  und  Chemie. 

Erste  SitZQBf  am  22.  Januar  1885.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
R.  Ulbricht. 

Prof.  Dr.  W.  Hempel  hält  einen  Vortrag  über  die  Sauerstoff- 
bestimmung  in  der  atmosphärischen  Luft.  Vortragender  hat 
seine  Untersuchungen  über  diesen  Gegenstand  in  den  Berichten  d.  deut- 
schen chemischen  Ges.  1885,  S.  267,  veröffentlicht. 


Zweite  Sitzung  am  19.  März  1885.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
R.  Ulbricht. 

Dr.  Fr.  Raspe  berichtet  über  die  zahlreichen  Untersuchungen 
von  Frauenmilch,  welche  er  im  Winter  des  Jahres  1868—69  zu  Mos- 
kau ausgeführt  hat. 

Besonders  günstige  Verhältnisse  machten  es  ihm  möglich ,  in  fort- 
laufender Reihenfolge  die  Milch  zweier  vollkommen  gesunder,  selbststillender 
Frauen  vom  5.  Tage  bis  zur  22.  Woche  nach  der  Entbindung  einer  ein- 
gehenden Prüfung  unterwerfen  zu  können. 

Bis  zur  7.  Woche  konnten  fast  täglich  vollständige  Analysen  oder 
wenigstens  Bestimmungen  der  Trockensubstanz  und  Asche  gemacht  werden, 
weil  genügendes  Material  vorhanden  war,  später  weniger  regelmässig, 
da  die  Bedürfnisse  der  Säuglinge  schon  zu  gross  geworden  waren.  Bis- 
weilen mussten  sogar  die  Pröbchen  mehrerer  Absaugungen  gesammelt 
werden. 

Die  Resultate  ergaben  ein  recht  gutes  Bild  der  Veränderungen,  welche 
die  Frauenmilch  während  des  angegebenen  Zeitraumes  erleidet,  wichen  in- 
dessen in  mehrfacher  Beziehung  nicht  unwesentlich  von  dem  bisher  An- 
genommenen ab. 

Im  Ganzen  zeigte  sich  eine  überraschende  Regelmässigkeit  in  derZu- 
und  Abnahme  gewisser  Bestandtheile,  welche  wohl  zu  der  Annahme  be- 
rechtigt, dass  die  untersuchte  Milch  als  wirklich  normale  anzusehen  ist. 


46 

Es  stellte  sich  nämlich  heraus,  dass  die  Menge  des  Milchzuckers, 
welche  am  5.  Tage  zu  7,6  Proc.  gefunden  wurde,  schon  von  der  zweiten 
Woche  ab  fast  vollständig  constant  bleibt,  indem  sie  zwischen  8,15  und 
8,87  Proc.  (2.  Woche)  schwankend  sich  auf  der  Durchschnittshöhe  von 
8,3  Proc.  hält. 

Dagegen  nimmt  die  Menge  des  Gas  eins  (Eiweiss  u.  s.  w.)  vom 
5.  Tage  ab  fast  ganz  regelmässig  von  1,48  bis  auf  0,62  Proc.  ab,  von 
einzelnen  Fällen  abgesehen,  welchen  eine  besondere  Bedeutung  nicht  bei- 
zulegen ist.  Wissen  wir  doch  aus  den  Beobachtungen  an  Kühen,  dass 
nicht  nur  die  zuerst  abgemolckene  Milch  (fettarm)  sich  sehr  wesentlich  von 
der  zuletzt  gewonnenen  (fettreich)  desselben  Melkalktes  unterscheidet, 
sondern  auch,  dass  die  längere  oder  kürzere  Zeit  des  Verweilens  der  Milch 
im  Euter  von  sehr  erheblichem  Einfluss  auf  die  relativen  Mengen  der 
Einzelbestandtheile  ist. 

Da  die  einzelnen  Proben  zu  sehr  verschiedenen  Zeiten  des  Säugungs- 
actes  genommen  wurden,  kann  es  nicht  auffallen,  dass  die  Menge  des 
Fettes  zwischen  0,50  (am  5.  Tage)  und  2,79  Proc.  gefunden  wurde. 

Die  Aschenmenge,  zwischen  0,36  uud  0,115  Proc.  schwankend,  ergab  im 
Durchschnitte  in  Uebereinstimmung  mit  anderen  Chemikern  0,2  Proc.  Auf- 
fallend war  nur,  dass  wenn  der  Aschengehalt  erheblich  unter  diese  Mittel- 
zahl sank,  regelmässig  Durchfall  bei  den  Kindern  sich  einstellte.  Ob 
darauf  aber  ein  besonderer  Werth  zu  legen,  kann  natürlich  aus  diesen 
wenigen  Fällen  nicht  entschieden  werden. 

Sieht  man  von  den  älteren,  völlig  werthlosen  Analysen  von  Vernois 
und  Becquerel,  Klemm,  Simon  und  Anderen  ab,  welche  die  Frauen- 
milch nahezu  mit  der  Kuhmilch  übereinstimmend  ergaben,  so  fand  der 
Vortragende  im  Allgemeinen  die  Menge  des  Milchzuckers  noch  höher  als 
die  meisten  neueren  Analytiker  (Krauch,  Decaisne,  Marchand  etc.), 
die  Menge  des  Caseins  dagegen  etwas  kleiner. 

Indessen  ist  ein  Vergleich  nicht  ohne  Weiteres  zulässig,  da  bei  den 
meisten  Analysen  weder  angegeben  ist,  in  welcher  Säugungsperiode  die 
Milch  entnommen  ist,  noch  wie  lange  sie  in  der  Brust  verweilte.  Ob  indi- 
viduelle oder  klimatische  Ursachen  die  ungewöhnliche  Höhe  des  Milchzucker- 
gehaltes (durchschnittlich  8,3  Proc.)  beeinflusst  haben,  muss  unentschieden 

bleiben. 

Die  grossen  Abweichungen  in  der  Zusammensetzung  der  trauenmilch 
und  derjenigen  aller  Pflanzenfresser,  sowie  das  fortwährende  Zurückgehen 
des  Caseingehaltes  vom  Tage  der  Geburt  an,  versuchte  der  Vortragende 
aus  der  Entwickelung  des  Säuglings  zu  erklären. 

Gestützt  auf  die  Resultate  seiner  Untersuchungen  uud  derjenigen 
anderer  Analytiker  entwickelte  er  seine  Ansichten  über  die  Ali;  und  Weise, 
wie  Säuglinge  künstlich  ernährt  werden  müssen  und  gab  für  die  einzelnen 
Monate  die  entsprechenden  Vorschriften,  wie  durch  Verdünnung  von  Kuh- 


17„_. 

milch  mit  Wasser  und  entsprechenden  Zusatz  von  Milchzucker  eine 
Mischung  hergestellt  werden  kann,  welche  der  Frauenmilch  möglichst  ähn- 
lich zusammengesetzt  ist. 

Dass  diese  Vorschriften  wirklich  den  Forderungen  der  Natur  ent- 
sprechen, hat  Vortragender  an  einer  grossen  Zahl  von  Kindern  beobachten 
können,  welche,  nach  ihnen  ernährt,  sich  ausnahmslos  kräftig  und  normal 
entwickelten. 

Da  die  besprochene  Methode  gleichzeitig  die  weitaus  einfachste  und 
bequemste  ist,  erscheinen  alle  anderen  Surrogate  nicht  nur  entbehrlich, 
sondern  sogar  zum  Theil  verwerflich. 

Näher  auf  den  Vortrag  einzugehen,  gestattet  der  Raum  nicht. 


Drifte  Sitznnfc  am  21.  Mai  1885.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  R. 
Ulbricht. 

Prof.  Dr.  W.  Hempel  spricht  in  längerem,  durch  Experimente  er- 
läutertem Vortrage  über  den  Einiluss,  welchen  die  chemische 
Natur  und  der  Druck  der  Gase  auf  die  Electricitätsentwicke- 
lung  der  Influenzmaschine  hat.  Mittheilungen  des  Vortragenden 
über  denselben  Gegenstand  finden  sich  im  Jahrgang  1884  der  Berichte  d. 
deutschen  chemischen  Ges.  und  im  Bd.  XXV  (1885)  der  Annalen  d.  Physik 
u.  Chemie  (mit  Abbild,  d.  Apparate). 


Vierte  Sitzung  am  5.  Koveniber  1885,  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
R.  Ulbricht. 

Geh.  Hoirath  Dr.  A.  Toepler  spricht  über  einige  optische 
Hilfsmittel  für  akustische  Untersuchungen. 

Der  Vortragende  bemerkt  in  der  Einleitung,  dass  die  mathematische 
Theorie  der  Schwingungen,  auf  denen  die  akustischen  Erscheinungen  be- 
ruhen, um  die  Mitte  unseres  Jahrhunderts  bereits  einen  hohen  Grad  von 
Vollkommenheit  erreicht  hatte,  dass  es  jedoch  damals  noch  in  mancher 
Hinsicht  an  physikalischen  Hilfsmitteln  fehlte,  um  die  Ergebnisse  der 
Theorie  zu  bestätigen  und  zu  vervollständigen.  Man  war  nicht  im  Stande, 
die  ungemein  raschen  Vibrationsbewegungen  tönender  Körper  bis  in  ihre 
Einzelheiten  genau  zu  beobachten.  Erst  in  den  letzten  drei  Jahrzehnten 
sind  derartige  Hilfsmittel  und  Beobachtungsmethoden  mit  Erfolg  angewendet 
worden.  Dieselben  sind  hauptsächlich  optischer  Natur;  sie  besitzen  zum 
Theil  einen  hohen  Grad  von  Feinheit.  Der  Vortragende  hatte  sich  die 
Aufgabe  gestellt,  einige  dieser  Hilfsmittel,  namentlich  solche,  welche  sich 
zugleich  zu  Vorlesungszwecken  eignen,  zu  besprechen  und  durch  Experi- 
mente zu  erläutern. 


48 

Zunächst  wird  die  sogenannte  phonautographische  Methode,  welche  aus 
einem  von  W.  Weber  ausgesprochenen  Gedanken  hervorgegangen  ist,  er- 
örtert. Nach  dieser  Methode  werden  die  Schwingungen  tönender  Körper 
mittelst  feiner,  an  denselben  befestigter  Schreibstifte  auf  glatte,  bewegte 
Schreibflächen  aufgezeichnet  und  so  dem  Auge  sichtbar  gemacht.  Aus  der 
so  entstehenden  Tonschrift  kann  sowohl  über  die  Schwingungszahl,  als 
auch  über  die  Natur  der  schwingenden  Bewegung  ein  Urtheil  gewonnen 
werden.  Wenngleich  das  Verfahren  nur  eine  beschränkte  Anwendung  ge- 
stattet, so  sind  ihm  doch  sehr  werthvoUe  Aufschlüsse  zu  verdanken. 

Alsdann  wird  vom  Vortragenden  die  Anwendung  der  manometrischen 
Flammen  (Koni gesehen  Brenner)  zu  akustischen  Beobachtungen  hervor- 
gehoben. Dieses  Hilfsmittel  in  Verbindung  mit  dem  rotirenden  Spiegel  ist 
bekanntlich  vielfach  benutzt  worden,  z.  B.  zur  Sichtbarmachung  der  Ton- 
schwebungen,  zum  Nachweis  der  Knoten  in  LÄbialpfeifen ,  zur  Erkennung 
der  Obertöne  in  Vocalklängen,  zur  Beobachtung  der  Schallinterferenz,  zur 
Wellenlängenbestimmung  u.  s.  w.  Der  Vortragende  führte  hierauf  eine 
Reihe  von  Versuchen  vor,  bei  welchen  er  die  Empfindlichkeit  kleiner 
Flammen  gegen  Lufterschütterungen  benutzte,  um  die  wellenartige  Fort- 
pflanzung und  Reflexion  einfacher  Luftstösse  dem  Auditorium  sichtbar  zu 
machen.  Zu  dem  Zwecke  war  eine  enge  Metallrohrleitung  von  etwa  90 
Meter  Länge  aus  dem  Auditorium  hinaus  und  wiederum  in  dasselbe  zurück- 
geführt. Die  Enden,  welche  den  Zuhörern  sichtbar  waren,  befanden  sich 
in  Verbindung  mit  Flammenzeigern.  Diese  waren  für  das  Experiment  so 
eingerichtet  worden,  dass  sie  durch  ihre  Zuckungen  auf  Luftverdichtung, 
nicht  aber  auf  Luftverdünnuug  in  dem  Rohre  reagirten.  Wurde  in  das 
beiderseits  geschlossene  Rohr  vom  einen  Ende  aus  ein  plötzlicher  Ver- 
dünnungsstoss  entsandt,  so  zeigten  die  Flammen  durch  ihr  abwechselndes 
Zucken,  dass  die  Stosswelle  etwa  achtmal  in  dem  Rohre  hin  und  her  eilte, 
bis  sie  zuletzt  unmerklich  wurde.  Es  war  auf  diese  Weise  möglich,  die 
Fortpflanzungsgeschwindigkeit  der  Welle  zu  bestimmen,  sowie  auch  zu 
zeigen,  dass  eine  Verdichtungswelle  am  geschlossenen  Rohrende  wiederum 
als  Verdichtungswelle,  am  offenen  aber  als  Verdünnungswelle  reflectirt  wird 
und  umgekehrt. 

Von  besonderem  Interesse  sind  diejenigen  Methoden,  welche  den  Zweck 
haben,  an  schwingenden  Körpern  den  Verlauf  des  Bewegungsprocesses 
während  einer  einzelnen  Schwingung  zu  studiren.  An  der  Hand  von 
Zeichnungen  und  Experimenten  erläutert  der  Vortragende  zunächst  die 
Anwendung  der  sogenannten  stroboskopischen  Methode,  welche  schon  vor 
mehr  als  40  Jahren  von  Plateau  und  Doppler  vorgeschlagen,  erst 
später  durch  Untersuchungen  theils  vom  Vortragenden,  theils  von  Mach, 
Boltzmann,  v.  Ettingshausen  u.  A.  in  der  Akustik  Eingang  gefunden 
hat.  Der  Vortragende  Hess  vermittelst  einer  elektromagnetisch  betriebenen, 
rasch  oscillirenden  Spaltvorrichtung  intermittirendes  Licht  aus  einer  elek- 
trischen Lampe  in  das  verfinsterte   Auditorium  eintreten,  so  zwar,  dass 


_  49 

gegen  70  Lichtblitze  in  der  Secunde  in  regelmässiger  Folge  aafleuehteten. 
Wegen  der  raschen  Folge  der  Lichtblitze  wurden  ruhende  Gegenstände 
ganz  wie  bei  ununterbrochener  Beleuchtung  gesehen.  Rasch  fortbewegte 
Gegenstände  erschienen  in  diesem  eigenthümlichen  Lichte  gleichsam  ver- 
vielfältigt. Regelmässig  schwingende  Körper,  deren  Schwingungszahl  mit 
der  Zahl  der  Lichtintermittenzen  nahezu  übereinstimmte,  vollführten  ihre 
in  Wirklichkeit  sehr  raschen  Vibrationen  anscheinend  ganz  langsam,  und 
zwar  um  so  langsamer,  je  vollkommener  jene  Uebereinstimmung  erreicht 
war.  Auf  diese  Weise  wurden  die  Schwingungen  einer  grossen  Stimm- 
gabel auf  dem  Projectionsschirme  vor  Augen  geführt  und  mit  der  Schwing- 
ung eines  Pendels  verglichen,  desgleichen  wurden  die  eigenthümlichen  Be- 
wegungen einer  schwingenden  Basssaite  projicirt. 

Nach  einer  kurzen  Uebersicht  über  die  mit  der  genannten  Methode 
an  tönenden  Pfeifen,  Stimmgabeln  u.  s.  w.  bis  jetzt  erzielten  Resultate 
beschrieb  der  Vortragende  ein  anderes,  von  Helmholt z  angewandtes 
Verfahren,  welches  sich  im  Princip  an  die  sog.  anorthoskopischen  Er- 
scheinungen der  Optik  anlehnt.  Stellt  man  einen  Tbeil  eines  schwingen- 
den Körpers  von  bedeutender  Längserstreckung,  wie  z.  B.  einer  Saite,  einer 
Stimmgabel  oder  dergl.,  in  geeigneter  liage  vor  eine  Scheibe  mit  radialen 
Spalten,  und  lässt  dann  die  Scheibe  mit  solcher  Geschwindigkeit  rotiren, 
dass  je  ein  Spalt  an  die  Stelle  des  nächstfolgenden  je  in  der  Zeit  einer 
ganzen  Schwingung  rückt,  so  sieht  man,  falls  die  rotirenden  Spalten  von 
rückwärts  beleuchtet  werden,  eine  Art  Phonautogramm  im  Schattenbilde 
des  schwingenden  Körpers.  Durch  Anwendung  dieses  Hilfsmittels  zeigte 
der  Vortragende,  dass  die  Vibrationen  der  schwach  erregten  Stimmgabel 
einfache  Schwingungen  sind,  dass  jedoch  die  Bewegungen  einer  mit  dem 
Bogen  gestrichenen  oder  mit  dem  Finger  gezupften  Violinsaite  eine  ganz 
andere  Beschaffenheit  haben. 

Ferner  wird  die  älteste  hierher  zählende  Beobachtungsmethode  er- 
läutert, nämlich  die  von  Lissajous,  welche  in  dem  Vibrationsmikroskop 
von  Helmholtz  eine  wichtige  und  häufig  benutzte  Anwendung  gefunden 
hat.  Die  geometrischen  Eigenschaften  der  sog.  Lissajous' sehen  Figuren 
wurden  an  auf  Glas  aufgetragenen  Curvensystemen  erklärt;  Experimente, 
bei  denen  eine  vor  einem  schwingenden  Spalt  vibrirende  Saite  projicirt 
wurde,  verdeutlichten  die  Anwendung  der  Methode  auf  die  Analyse  der 
periodischen  Bewegungen. 

Endlich  deutete  der  Vortragende  in  kurzen  Worten  an,  dass  die 
optische  Analyse  bei  durchsichtigen  Körpern ,  welche  während  des 
Schwingens  in  Folge  der  periodischen  Druckänderungen  doppeltbrechend 
werden,  noch  wesentliche  Vervollkommnung  erfahren  hat,  indem  zu  den 
vorgenannten  Hilfsmitteln  die  Anwendung  des  Polarisationsapparates  und 
des  Spectroskopes  hinzugekommen  ist. 

Den  Schluss  bildete  ein  Experiment,  bei  welchem  die  Gestalts- 
veränderungen   einer  tönenden  Flamme  in  ihren  einzelnen  Phasen  strobo- 

Gts.  Mm  in  />rr.<»J#*i,  fSHö.  —  Sitxungsber.  4 


50 

skopisch  sichtbar  gemacht  werden.  Man  sah  deutlich,  wie  sich  bei  den 
Schwingungen  leuchtende  Theile  in  Tropfenform  von  der  Flamme  loslösten, 
um  beim  Aufsteigen  zu  verschwinden. 


Fflnfte  Sitzung:  am  3.  Deeember  1885.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
R.  Ulbricht. 

Assistent  J.  Freyberg  giebt  Erläuterungen  zu  mehreren,  für  das 
physikalische  Institut  des  Kgl.  Polytechnikums  neu  angeschafften  physi- 
kalischen Mess-  und  Demonstrationsapparaten. 


5t 


VI.   Section  für  Mathematik. 


Erste  Sitzang:  am  5.  Febniar  1885.  Vorsitzender:  Raurath  Prof. 
Dr.  W.  Fränkel. 

Prof.  Dr.  L.  Burmester  spricht  über  ein  neues  einfaches 
Diagramm  für  die  Construction  der  Stufenscheiben. 

Um  bei  zwei  Stufenscheiben  mit  nicht  gekreuztem  Riementrieb  bei 
constanter  Riemenlänge  die  Grösse  der  entsprechenden  Scheibenradien 
graphisch  zu  bestimmen,  wurde  bis  jetzt  meist  das  Cul  mann 'sehe 
Diagramm  angewendet,  welches  aber  erst  durch  eine  umständliche  Con- 
struction erhalten  wird.  Wegen  dieser  umständlichen  Construction 
versuchte  man  auch  durch  Annäherungs  -  Formeln  die  Scheibenradien 
rechnerisch  zu  ermitteln;  aber  diese  Annäherungen  sind  nur  innerhalb 
sehr  enger  Grenzen  zulässig  und  geben  in  weiteren  Grenzen  ungenaue 
Resultate.  Prof.  Burmester  zeigt,  wenn  man  die  entsprechenden  Scheiben- 
radien als  rechtwinklige  Coordinaten  betrachtet,  dass  dadurch  ein  Dia- 
gramm gebildet  wird,  welches  eine  transcendente  Curve  ist,  und  dass 
dasjenige  Stück  dieser  Curve,  das  innerhalb  der  weitesten  in  der  Praxis 
vorkommenden  Grenzen  zur  Geltung  kommt,  mit  ausserordentlicher  Ge- 
nauigkeit durch  einen  Kreisbogen  ersetzt  werden  kann.  Der  Mittelpunkt 
und  der  Radius  dieses  Kreisbogens  wird  in  höchst  einfacher  Weise  durch 
den  Abstand  der  beiden  Scheibenaxen  bestimmt.  Aus  diesem  kreisförmigen 
Diagramm  kann,  wenn  der  eine  Scheibenradius  gegeben  ist,  der  ent- 
sprechende leicht  entnommen  werden;  und  ferner  giebt  dieses  Diagramm 
eine  klare  Uebersicht  über  die  Abhängigkeit  der  entsprechenden  Scheiben - 
radien.  Wie  bei  Stufenscheiben  kann  dieses  Diagramm  auch  bei  Konen 
mit  nicht  gekreuztem  Riementrieb  angewendet  werden. 

Prof.  Dr.  C.  Rohn  spricht  noch  über  eine  einfache  lineare  Con- 
struction der  ebenen  rationalen  Curven  V.  Ordnung,  welche 
neuerdings  vom  Vortragenden  in  den  Mathemat.  Aiinalon,  Rd.  XXV, 
4.  Heft  veröfifentlicht  worden  ist. 


52  _ 

Zweite  Sitzung  am  9.  April  1885.  Vorsitzender:  Baurath  Prof. 
Dr.  W.  Fränkel. 

Civilingenieur  Dr.  R.  Proeil  spricht  über  Beiträge  zur  Regulirung 
und  Steuerung  schnelllaufender  Dampfmaschinen. 

Die  Construction  schnell  laufender  Dampfmaschinen  hat  durch  die  in 
so  schnellem  Maasse  emporgeblühte  Elektrotechnik  eine  bedeutende  An- 
regung erhalten.  Während  man  sich  vor  tO  Jahren  noch  kaum  getraute, 
die  Dampfmaschinen  schneller  als  mit  100  Touren  per  Minute  laufen  zu 
lassen  (Locomotivmaschinen  ausgeschlossen)  macht  man  sich  zur  Zeit  schon 
mit  Tourenzahlen  von  300 — 400  per  Minute  vertraut  und  ist  eifrig  bemüht, 
für  so  bedeutende  Geschwindigkeiten  die  besten  Verhältnisse  zu  ermitteln. 
Die  Forderung  grösster  Dampfökonomie  lässt  auch  bei  den  schnelllaufenden 
Dampfmaschinen  eine  directe  Einwirkung  des  Regulators  auf  die  Expansion 
des  Dampfes  im  Cylinder  als  das  Rationellste  erscheinen.  Eine  weitere 
Forderung  ist  diejenige  grösster  Betriebssicherheit  namentlich  beim  Betriebe 
von  Dynamomaschinen  für  elektrische  Beleuchtung  und  grösster  Ein- 
fachheit der  Construction.  Die  vom  Vortragenden  construirte  schnell- 
laufende Dampfinaschine  zeichnet  sich  durch  mehrere  eigenartige  Details 
aus,  zu  denen  er  die  Idee  und  Anregung  theilweise  Herrn  Prof.  Dörfel  in 
Prag  verdankt.  Besonders  ist  es  der  im  Schwungrade  der  Maschine  be- 
findliche und  direct  um  die  Hauptwelle  rotirende  Regulator,  welcher  nicht 
allein  vom  constructiven ,  sondern  auch  vom  theoretischen  Standpunkte 
aus  höchst  bemerkenswerthe  Eigenthümlichkeiten  aufweist.  Um  zwei  in 
den  Speichen  des  Rades  gelagerte  kurze  Wellen  schlagen  zwei  Pendel 
parallel  der  Schwungradebene  aus,  denen  eine  einzige  zwischengesetzte 
und  mit  ihrer  Axe  das  Wellenmittel  kreuzende  Spiralfeder  entgegenwirkt. 
Die  Dimensionen  sind  derartig  gewählt,  dass  in  dem  Maasse  als  sich  die 
Schwungkugeln  des  Pendels  vom  Wellencentrum  entfernen  und  deren 
Centrifugalkraft  zunimmt,  nahezu  in  gleichem  Maasse  die  auf  Druck 
beanspruchte  Feder  eine  Gegenwirkung  ausübt,  so  dass  für  den  Regulator 
eine  nahezu  astatische  Functionirung  resultirt.  Die  Annäherung  an  die 
Astasie  kann  durch  kleine,  mit  den  Pendeln  verbundene  Hilfsgewichte 
experimentell  verändert  werden.  Die  ausschlagenden  Pendel  verdrehen 
während  ihrer  Rotation  eine  auf  einer  festen  Excenterscheibe  sitzende  lose 
Excenterscheibe,  von  der  aus  ein  eigenthümlich  construirter  und  an  tiefster 
Stellung  des  Cylinders  befindlicher  Steuerungshahn  sowohl  in  Bezug  auf 
Voreilung  als  Excentricität  verstellt  wird.  Eine  vom  Vortragenden  auf- 
gestellte ausfuhrliche  Theorie  des  Regulators  gestattet,  sich  über  die 
difficilsten  Fragen  entsprechende  Antwort  zu  holen.  Der  Vortragende 
leitet  dieselbe  her  und  zeigt  zur  Evidenz,  dass  eine  geschickte  Deutung 
rechnerischer  Grössen  durch  geometrische  Strecken  die  Brücke  zur  Er- 
kenntniss  von  Erscheinungen  wird,  welche  andernfalls  nur  sehr  schwer 
begrifien  werden  können  und  dann  nur  mit  einem  umständlichen  und 
schwulstigen  Rochnungsapparat.    Die  graphische  Behandlung  und  Lösung 


5H 

des  vorliegenden  Problems  fuhrt  auf  wichtige  und  interessante  Sätze,  die 
z.  B.  die  Wirkung  der  Fliehkräfte  in  den  einzelnen  Neben-  und  Verbindungs- 
theilen  klar  übersehen  lässt.  Redner  giebt  am  Schlüsse  seines  Vortrags 
einige  Rechnungsresultate,  die  erkennen  lassen,  dass  verhältnissmässig 
kleine  Regulatoren  mit  Schwungkugelgewichten  von  nur  1,4  kg,  einer 
mittleren  Federspannung  von  168  kg  im  Stande  sind,  in  der  Federaxe 
eine  Energie  von  16,8  kg  bezogen  auf  V40  Tourenänderung  zu  erzeugen, 
gross  genug,  um  den  an  der  angewendeten  Hahnsteuemng  auftretenden 
Reibungswiderstand  zu  überwinden. 

Zum  Schluss  bemerkt  der  Vortragende,  dass  die  Halle'sche  Maschinen- 
fabrik und  Eisengiesserei  vorm.  Riedel  &  Kemnitz  in  Halle  a.  S.  das  Recht 
der  Ausführung  der  ihm  patentirten  Constructionen  erworben  habe 
und  einen  Versuchsmotor  baue,  der  mit  350  Touren  in  der  Minute 
arbeiten  soll. 


Dritte  Sltzuuf  am  iZ.  Oetober  1885.  Vorsitzender:  Baurath  Prof. 
Dr.  W.  Fränkel. 

Betriebstelegraphen-Oberinspector  Dr.  R.  Ulbricht  bespricht  jdas 
von  ihm  construirte  Proportional-Galvanometer. 

Das  vorgeführte  Proportionalgalvanometer  dient  zu  Widerstands- 
messungen und  ist  aus  dem  von  Fl.  Jenkin  angegebenen  entwickelt 
worden.  Seiner  Construction  liegt  die  Absicht  zu  Grunde,  eine  Scala  zu 
erhalten ,  welche  für  gleiche  Widerstandsänderungen  äquidistante  Theilung 
zeigt;  ein  Vortheil,  welchen  die  bisher  bekannt  gewordenen  Proportional- 
galvanometer nicht  bieten. 

Das  Galvanometer  besitzt  zwei  wie  die  Ringe  von  Tangentenbussolen 
gestaltete,  gleichgrosse  Drahtringe  I  und  II,  welche,  im  rechten  Winkel 
zu  einander  gestellt,  sich  an  der  Peripherie  berühren.  Da,  wo  sich  die 
Achsen  beider  schneiden,  liegt  der  Drehpunkt  der  Magnetnadel.  Die 
Schaltung  ist  dieselbe  wie  bei  einem  Differentialgalvanometer,  doch  sind 
beide  hierbei  entstehende  Stromzweige  Ji  und  J»  über  beide  Ringe  I  und  II 
derart  geführt,  dass  sich  die  magnetischen  Momente  der  Ringe  verhalten 
wie  Ji — Ja  :  Ji — Ji. 

Ist  X  der  zu  messende  Widerstand,  G  der  Widerstand  jedes  Galvano- 
meterzweiges und  a  der  Nadelablenkungswinkel  bei  aufgehobener  Wirkung 
des  Erdmagnetismus,  so  bestehen  die  Gleichungen: 

J;  =  «±?und^^^_  =  tana,  oder  tana=  ij. 

Bei  dieser  Grösse  von  tanor  ergiebt  sich  Folgendes: 
Zieht  man  im  Quadranten  des  Nadelweges  eine  grösste  (unter.  45  ^ 
geneigte)  Sehne  von  der  Länge  G,  so  ist  die  auf  dieser  Sehne  gemessene 
Nadelablenkung  gleich  z;  d.  h.  die  Ablesung  der  Widerstandsgrösse  hat 


54 

auf  der  mit  äquidistanter  Theilung  versehenen  45^-Sehue,  oder 
auf  der  zugehörigen  Viertelkreislinie  sattzufinden,  auf  welche  jene  Sehneu- 
theilung  radial  projicirt  worden  ist. 

Bei  dem  vorgeführten  Instrument  hat  G  die  Grösse  von  100  Ohm. 
Durch  Anwendung  von  Zweigwiderständen  liesse  sich  der  Werth  der 
Scalentheile  beliebig  verkleinern.  — 

Hierauf  bespricht  Assistent  J.  Freyberg  die  Einrichtung  einiger 
optischer  Modelle  von  Töpler  und  0.  E.  Meyer,  welche  zur  Er- 
läuterung der  Brechung  von  ebenen  Lichtwellen,  wie  der  Brechung  von 
Lichtstrahlen  an  ebenen  Trennungsflächen  und  in  Linsen  mit  Vortheil 
benutzt  werden  können. 


Vierte  Sitzuug:  aiu  10.  Deeember  1885.  Vorsitzender;  Prof.  Dr. 
L.  Burmester. 

Privatdocent  M.  Grübler  spricht  über  die  Geschichte  der 
Turbinen -Theorie. 

Nachdem  der  Vortragende  in  Kürze  die  Bedeutung  spedalgeschicht- 
licher  Forschungen  für  die  einzelnen  Wissenschaftszweige  hervorgehoben, 
behandelt  er  zuerst  die  grundlegenden  Arbeiten  Euler's  auf  dem  turbinen- 
theoretischen Gebiete  aus  den  Jahren  1750  und  1754,  in  denen  der  noch 
heute  benutzte  Ausdruck  für  die  an  das  Turbinenrad  abgegebene  Arbeit, 
sowie  die  Gleichung  zur  Ermittlung  der  Ausfiussgesch windigkeit  bei  gegebener 
Umdrehungsgeschwindigkeit  in  mustergültiger  Weise  entwickelt  werden, 
allerdings  ohne  Berücksichtigung  der  Flüssigkeitsreibung.  Daran  schloss 
sich  die  Erläuterung  des  Reactionsrades ,  welches  Euler  in  Vorschlag 
gebracht  und  für  das  er  aus  seiner  l'heorie  die  Bedingungen  des  grösst- 
möglichen  Nutzeffektes  abgeleitet  hatte.  Die  Erfindung  der  innen  beauf- 
schlagten Radialturbine  durch  Fourneyron  im  dritten  Jahrzehnt  unseres 
Jahrhunderts  brachte  das  Euler'sche  Reactionsrad  rasch  in  Vergessenheit 
und  letzteres  geschah  auch  noch  mit  Euler's  theoretischen  Arbeiten, 
nachdem  Poncelet,  welcher  1838  eine  vorzügliche,  noch  jetzt  gültige 
Theorie  der  Fourneyron  -  Turbine  veröffentlichte,  behauptet  hatte,  dass 
die  Fourneyron -Turbine  mit  dem  Euler'schen  Reactionsrade  nichts  gemein 
habe  und  für  sie  die  Euler'schen  Theorien  keine  Gültigkeit  besässen. 
Der  Vortragende  bewies  die  Unrichtigkeit  der  Poncelet'schen  Behauptung, 
indem  er  mittelst  der  Poncelet'schen  Gleichungen,  deren  Entwickelung  er 
kurz  andeutete,  den  Euler'schen  Ausdruck  für  die  auf  das  Turbinenrad 
übertragene  Arbeit  herleitete.  Poncelet's  umfassende  Untersuchungen  sind 
das  Fundament  für  alle  folgenden  turbinentheoretischen  Arbeiten  geworden. 
Einen  weiteren  Fortschritt  erfuhr  die  Turbinentheorie  durch  eine  Ab- 
handlung von  Comb  es  aus  dem  Jahre  1843,  in  welcher  bei  der  Ableitung 
des    mehrfach   erwähnten    Euler'schen    Ausdruckes    für    die    Arbeit    die 


55 

Verluste  infolge  der  FlÜBsigkeitsreibung  berücksichtigt  werden  und  zwar 
in  einer  Weise,  wie  sie  heute  allgemein  benutzt  wird.  Das  1844 
erschienene  Buch  von  Redtenbacher,  welches  jetzt  zumeist  als  das 
fundamentale  Werk  fiir  die  Turbinentheorie  angesehen  wird,  ist  hin- 
sichtlich seines  theoretischen  Theiles  nichts  als  eine  theilweise  sogar 
unzulängliche  Combination  und  Umarbeitung  der  Untersuchungen  von 
Poncelet  und  Combes,  während  die  1847  erschienene  Bearbeitung  der 
Turbinen theorie  von  Weisbach  viel  sorgfaltiger  und  consequenter  ist  und 
einen  Fortschritt  in  dem  inneren  Ausbau  der  Turbinentheorie  repräsentirt. 
Nach  Weisbach  ist  aber  bis  in  die  neueste  Zeit  hinein  kaum  etwas  ver- 
ö£Eentlicht  worden,  was  als  ein  wesentlicher  Fortschritt  der  Turbinentheorie 
zu  betrachten  wäre,  im  Gegen theil  repräsentirt  so  manches  der  in  den 
letzten  Jahrzehnten  erschienenen  Lehrbücher  auf  diesem  Gebiete  den 
älteren  Originalarbeiten  gegenüber  einen  beträchtlichen  Rückschritt. 
Einige  Belege  für  letztere  Behauptung  und  der  Hinweis  auf  den  Umstand, 
dass  hauptsächlich  der  Mangel  an  geschichtlichen  Forschungen  innerhalb 
der  Turbinentheorie  jenen  Rückschritt  bedingten,  bildeten  den  Schluss 
des  Vortrages. 


56 


VII.   Hauptversammlungen. 


Erste  Sitzunfp  am  29.  Januar  1885.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Dr.  Geinitz, 

Der  Vorsitzende  zeigt  der  Gesellschaft  das  Hinscheiden  ihrer  Ehren- 
mitglieder: Dr.  Wilh.  Rüppell,  Privatgelehrter  der  Zoologie  in  Frank- 
furt a.  M.,  daselbst  f  am  10.  December  1884,  Regierungsrath  Prof.  Dr. 
Friedr.  Ritter  von  Stein,  f  am  9.  Januar  1885  in  Prag,  und  Peter 
Christen  Asbjörusen,  norwegischer  Forstmeister,  f  am  6.  Januar  1885 
zu  Christiania,  an,  und  weist  auf  die  Verluste  hin,  welche  die  Wissenschaft 
erlitten  hat  durch  den  Tod  des  durch  seine  Arbeiten  über  die  Urographie 
der  deutschen  Alpen  berühmten  Generalmajor  von  Sonklar,  f  am  10. 
Januar  1885  zu  Innsbruck,  und  des  Prof.  der  Chemie  Benj.  Silliman. 
f  am  15.  Januar  1885  zu  Newhaven,  Conn. ,  mit  J.  D.  Dana  Heraus- 
geber des  American  Journal  of  Sciences  and  Arts. 

Der  Vorsitzende  legt  die  von  den  Verfassern  der  Gesellschaftsbibliothek 
überreichten  Schriften: 

A.  von  Veyder-Malberg,  Ueber  die  Einheit  der  Kraft,  Wien  1884,  8», 
Stan.  Meunier,  Trait6  de  Paleontologie,  Paris  1884,  8®, 
Ed.  Jannetaz,  Les  Boches,  Paris  1884,  8® 
vor.    Der  Vorsitzende  wird  beauftragt,  den  Gebern  den  Dank  der  Gesell- 
schaft zu  übermitteln. 

Der  von  der  botanischen  Section  beantragte  Ankauf  von  H.  Leitgeb, 
Reizmittel  und  Empfindung  im  Pflanzenreich,  Graz  1884,  S^  wird  ge- 
nehmigt. 

Zur  Berathung  gelangt  sodann  die  Feier  des  am  14.  Mai  1885  statt- 
findenden 50.  Stiftungsfestes  der  Gesellschaft.  Der  Vorschlag  des  Direk- 
toriums und  Verwaltungsrathes,  das  Jubelfest  durch  Herausgabe  einer 
Festschrift  zu  feiern,  welche  ausser  einer  Geschichte  der  Isis  Abhand- 
lungen aus  den  von  der  Gesellschaft  gepflegten  Wissenschaften  enthalten 
soll,  ferner  durch  eine  am  Vormittage  des  Jubiläumstages  zu  veranstal- 
tende Festsitzung  in  der  Aula  des  Kgl.  Polytechnikums  und  durch  eine 
zwanglose  Zusammenkunft  der  Mitglieder  am  Abend  dieses  Tages,  wird 


57 

von  der  Versammlung  zum  BeschlusB  erhoben  und  das  Directorium  in  Ge- 
meinschaft mit  dem  Verwaltungsrath  beauftragt,  die  zu  einer  würdigen 
Feier  nöthig  werdenden  Vorbereitungen  zu  treffen. 

Hierauf  ergreift  Oberlehrer  Dr.  R.  Ebert  das  Wort  zu  einem  Vortrag 
über  die  Schwankungen  des  Kohlensäuregehaltes  der  Luft. 


Zweite  SitzuBg  am  2%.  Februar  1885.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Dr.  Geinitz. 

Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Sitzung  mit  Worten  der  Erinnerung  an 
die  jüngst  verstorbenen  Mitglieder,  den  durch  seine  zahlreichen  Vorträge 
über  Australien  um  die  Isis  verdienten  Samenhändler  J.  F.  C.  Wilhelmi, 
t  gegen  Ende  1884  zu  Dresden,  die  Ehrenmitglieder  Geh.  Oberberghaupt- 
nutnn  a.  D.  Otto  Krug  von  Nidda,  f  am  8.  Februar  1885  zu  Berlin, 
und  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  £.  E.  Schmid,  f  am  16.  Februar  1885  zu 
Jena,  gedenkt  auch  des  vor  Kurzem  in  Petersburg  verstorbenen  bekannten 
Geologen  und  Akademikers  General  G.  von  Uelmersen. 

Herr  Otto  Erler  überreicht  der  Bibliothek  als  Geschenk  eine  Schrift 
von  Molina,  Versuch  einer  Naturgeschichte  von  Chile,  eines  der  ältesten 
naturwissenschaftlichen  Werke  über  dieses  Land. 

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsrathes,  Oberlehrer  Dr.  G.  Helm,  er- 
stattet Berk^ht  über  den  Kassenabschluss  der  Isis  vom  Jahre  1884  (s.  An- 
lage A.  S.  82)  und  legt  den  Voranschlag  für  1885  vor.  Zu  Rechnungs- 
revisoren werden  die  Herren  0.  Erler  und  W.  Putscher  ernannt.  Der 
Voranschlag  für  1885  (s.  Anlage  B.  S.  83)  findet  einstimmig  Geneh- 
migung. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  berichtet  über  ein  im  botanischen  Garten  zu 
Buitenzorg  auf  Java  nach  Art  der  zoologischen  Station  zu  Neapel  er- 
richtetes botanisches  Institut,  durch  welches  den  europäischen 
Botanikern  Gelegenheit  gegeben  werden  soll,  die  Flora  der  Tropen  an  Ort 
und  Stelle  zu  studiren.  Die  Kosten  eines  halbjährigen  Aufenthalts  da- 
selbst würden  sich  auf  etwa  5000  frs.  belaufen. 

Zum  Schluss  giebt  Herr  D.  von  Biedermann  noch  einige  kurze 
Mittheilungen  über  Dioscoreen- Vfurzeln  und  über  Anastatica  hiero- 
chuntica. 

Dritte  Sitzung  am  26.  Hirz  1885.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Dr.  Geinitz. 

Der  Vorsitzende  theilt  mit,  dass  am  3.  März  1885  zu  Dresden  das 
Ehrenmitglied  Alb.  Kinder  deCamarecq,  K.  Niederländ.  Resident 
a.  D.,  verschieden  sei,  am  13.  März  1885  zu  Hildesheim  der  durch  seine 
geologischen  Forschungen  verdiente  Geh.  Bergrath  Dr.  Wilh.  Dunker 
und  am  19.  März  d.  J.  der  bekannte  Botaniker  Prof.  Dr.  Röper  in 
Rostock. 


_58     _ 

Dem  Kassirer  wird,  da  die  Rechnungsrevisoren  den  Kassenabschluss 
für  1884  für  richtig  befunden  haben,  Decharge  ertheilt. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  spricht  sodann  über  den  angeblichen  Fall 
eines  Meteoriten  zu  Hirschfelde  bei  Zittau  in  Sachsen  am  7.  Februar 
1885,  über  welchen  mehrfach  falsche  Notizen  in  die  Tagesblätter  über- 
gegangen waren.  Nachdem  bereits  mehrere  Stücke  dieses  Pseudo- 
Meteoriten zu  erheblichen  Preisen  in  den  Besitz  des  Dr.  Schuchardt  in 
Görlitz  gelangt  waren,  erhielt  auch  unser  Kgl.  Mineralogisches  Museum 
durch  die  freundliche  Vermittelung  des  Herrn  C.  A.  Lange  in  Hirschfelde 
ein  Fragment  des  Steines  zur  Ansicht,  welcher  hier  sofort  als  verkiestes 
Braunkohlenholz,  an  welchem  Krystalle  von  Markasit,  dem  rhombischen 
Eisenkies,  noch  deutlich  erkennbar  waren,  bestimmt  wurde.  Noch  lag  in- 
dessen die  Möglichkeit  vor,  dass  neben  derartigen  aufgelesenen  Stücken 
am  7.  Februar  auch  wirkliche  Meteoriten  gefallen  seien,  welche  in  die 
Hände  des  Görlitzer  Mineralogen  übergegangen  sein  konnten,  was  jedoch 
nicht  der  Fall  ist,  wie  sich  Vortragender  bei  seiner  Anwesenheit  in  Hirsch- 
felde am  17.  März  an  Exemplaren,  die  von  den  Schuchardt^schen  ab- 
geschlagen waren,  zu  überzeugen  Gelegenheit  hatte.  Hiermit  stimmen 
auch  die  von  Dr.  Schuchardt's  eigenen  Chemikern,  Dr.  G.  Klemm  und 
Dr.  K.  Riemann  in  Görlitz,  vorgenommenen  chemischen  Untersuchungen 
überein,  welche  in  den  für  Meteoriten  gehaltenen  Steinen  vorherrschend 
Doppeltschwefeleisen  (Pyrit  oder  Markasit)  richtig  erkannt  haben.  Derselbe 
entstanmit  der  holzigen  Braunkohle  der  nächsten  Umgebung,  welche  in 
Hirschfelde  das  gewöhnliche  Feuerungsmaterial  ist.  Sollte  am  7.  Februar 
in  Hirschfelde  wirklich  ein  Meteorit  auf  den  Dachrand  des  Ofiermann- 
schen  Hauses  gefallen  sein,  wie  ein  aufgeweckter  12 jähriger  Knabe, 
Reinhold  Kroschwald,  beobachtet  zu  haben  versichert,  so  ist  der  Meteor- 
stein selbst  wenigstens  bis  jetzt  noch  nicht  aufgefunden  worden.  Uebrigens 
ist  von  dem  Knaben  nur  ein  hefldger  Knall,  aber  keine  Feuererschei- 
nung beobachtet  worden,  von  welcher  schon  mehrere  Tagesblätter  be- 
richtet haben.  —  Ein  eingehenderer  Fundbericht  ist  von  dem  Vortragenden 
in  den  Verhandl.  d.  K.  K.  geolog.  Reichsanstalt,  Wien  1885,  Nr.  7,  S.  188 
niedergelegt  worden.  — 

Gandidat  des  höheren  Schulamts  W.  Krebs  theilt  seine  Beobachtungen 
über  Knospenbildung  und  Knospenschutz  mit. 

Oberlehrer  H.  Engelhardt  spricht  noch  über  Bradysismus,  über 
die  säcularen  Hebungen  und  Senkungen  der  Erdoberfläche. 


Vierte  SitEung  am  8*.  April  1885.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Dr. 
Geinitz. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  gedenkt  der  Verdienste  des  am  10.  März 
1885   zu   Karlsruhe  verstorbenen   Geh.   Hofrath   Prof.   Dr.   Chr.   Doli, 


59 

Ehrenmitglied  der  Isis  seit  L861,  und  des  am  7.  April  d.  J.  zu  München 
verschiedenen  Prof.  Dr.  K.  von  Siebold,  Ehrenmitglied  seit  1871. 

Aus  Anlass  des  bevorstehenden  50jährigen  Jubiläums  der  Gesellschaft 
wird  der  einzige  noch  lebende  Stifter  derselben,  Dr.  med.  Friedr.  T heile 
in  Lockwitz,  zum  Ehrenmitgliede  ernannt. 

Der  vom  Norwegischen  Alterthumsverein  zu  Christiauia  gewünschte 
Schriftentausch  wird  genehmigt. 

In  längerem  Vortrage  behandelt  hierauf  Prof.  Dr.  A.  Harnack  das 
Thema:  Naturphilosophie  und  Naturforschung. 


Fünfte   SUzung   am    11.   Juni   1885.    Vorsitzender:    Ueh.   Uofrath 
Dr.  Geinitz. 

Durch  den  Secretär  erfolgt  die  Ueberreichung  und  Verlesung  der  Be- 
glückwünschungsschreibem  und  telegraphisdien  P'estgrüsse,  welche  der  Isis 
aus  Anlass  ihres  fünfzigjährigen  Jubiläums  von  auswärtigen  Mitgliedern 
und  wissenschaftlichen  Gesellschaften  und  Anstalten  zugegangen  waren,  von 
Agram:  Herr  L.  F.  von  Vukotinovich; 
Bamberg:  Die  naturforschende  Gesellschaft; 
Berlin:  Herr  Oberberghauptmann  Serlo; 

Bonn:    Se.  Excellenz  vdrklicher  Geheimer  Bath  und  Oberberghaupt- 
mann Dr.  H.  von  Dechen; 
Der  naturhistorische  Verein  der  preussischen  Rheinlande  und 
Westphalens ; 
Breslau:  Herr  Geh.  Bergrath  Prof.  Dr.  F.  Roemer; 
Budapest:  Herr  Rud.  Temple; 
Chemnitz:  Herr  Oberlehrer  Dr.  T.  Sterzel; 
Dan  zig:  Die  naturforschende  Gesdlsohaft; 
Freiberg  i.  S.:  Herr  Prof.  Dr.  A.  Stelzner; 

Herr  Dr.  med.  0.  Wohlfahrt; 
Görlitz:  Die  naturforschende  Gesellschaft; 
Güstrow:  Der  Verein  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Meckleu* 

bürg; 
Herrnhut:  Herr  Apotheker  B.  Kinne; 
Jena:  Herr  Dr.  Rob.  Schmidt; 
Königsberg:  Herr  Dr.  Alfr.  Jentzsch; 
Leipzig:  Herr  Oberbergrath  Prof.  Dr.  H.  Grodner; 
Herr  Dr.  Fei.  Flügel; 
Herr  Schulrath  Dr.  E.  Kühn; 
Herr  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  R.  Leuckart; 
Die  Kgl.  geologische  Landesuntersuchung  von  Sachsen; 
Lobenstein:  Herr  Bergmeister  H.  Härtung; 
Manchester:  Herr  Gh.  Kesselmeyer; 


60 

MeisBen:  Der  naturwissenschaftliche  Verein  „Isis"; 
Mühlhausen  i.  Th.:  Herr  Candidat  W.  Krebs; 
Padua:  Herr  Prof.  Dr.  G.  Canestrini; 

Das  geologische  Institut  der  Universität; 
Die  Societa  Veneto-Trentina  di  sdenze  naturali; 
Paris:  Herr  Prof.  Dr.  A.  Gaudry; 
Pösneck:  Herr  Kaufmann  A.  Fischer; 
Prag:  Herr  Prof.  Dr.  G.  Laube; 
Herr  Prof.  Dr.  0.  Noväk; 
Herr  Prof.  Dr.  M.  Willkomm; 
Herr  Oberbergrath  Prof.  Dr.  V.  von  Zepharovich; 
Der  naturwissenschaftliche  Verein  „Lotos"; 
Reichenberg  i.  B.:  Der  Verein  der  Naturfreunde; 
Schönebeck  a.  d.  Elbe:  Herr  Dr.  C.  Reidemeister; 
Schneeberg:  Herr  Oberlehrer  Dr.  E.  Köhler; 
Stuttgart:  Herr  Studienrath  Prof.  Dr.  0.  Fr  aas; 

Herr  Oberstudienrath  Prof.  Dr.  F.  von  Krauss; 
Der  Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württem- 
berg; 
Wien:    Herr  Regierungsrath  Prof.  Dr.  C.  Aberle; 

Herr  Hofrath  Dr.  F.  von  Hauer,  Intendant  der  K.  K.  Hof- 
museen ; 
Herr  Prof.  Dr.  W.  Reich  ardt; 
Herr  Dr.  A.  Senoner; 
Herr  Oberbergrath  D.  Stur,  Director  der  K.  K.  geologischen 

Reichsanstalt; 
Die  K.  K.  geologische  Reichsanstalt; 
Würzburg:  Herr  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  F.  Sandberger; 
Zürich:  Herr  Prof.  Dr.  A.  Kenngott. 

Aus  dem  gleichen  Anlass  hat  der  Verein  der  Freunde  der  Natur- 
geschichte in  Mecklenburg  den  ersten  Vorsitzenden  der  Isis,  Geh.  Hofrath 
Dr.  Geinitz,  zu  ihrem  Ehrenmitgliede,  und  deren  Secretär,  Dr.  Deich- 
müller,  zu  ihrem  correspondirenden  Mitgliede  ernannt.  — 

Am  8.  Mai  1885  verlor  die  Gesellschaft  durch  den  Tod  ihr  lang- 
jähriges correspondirendes  Mitglied  Prof.  Dr.  J.  C.  Andrae  in  Bonn. 

Dr.  med.  F.  T heile  in  Lockwitz  sendet  ein  Dankschreiben  für  seine 
Ernennung  zum  Ehrenmitgliede  ein. 

Die  Gesellschaft  beschliesst,  mit  der  John  Hopkins  Universüy  in 
Baltimore,  Maryland,  in  Schriftentausch  zu  treten. 

Herr  0.  Wohlfahrt,  praktischer  Arzt  in  Freiberg,  sendet  eine  Mit- 
theilung über  geologische  Beobachtungen  ein,  die  er  während  seines  lang- 
jährigen Aufenthaltes  in  Dippoldiswalde  in  der  dortigen  Gegend  gemacht 
hat.    (Vergl.  Bericht  über  die  geogn.  Excursion  S.  72). 


6t 

Zum  Schluss  giebt  Geh.  Hofrath  Dr,  Oeinitz.  eine  Uebersicbt  über 
die  im  August  und  September  t885  stattfindenden  naturwiBsenschaftlichen 
Wanderversammlungen : 

1)  Die  58.  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und 
Aerzte  wird  vom  17. — 22.  September  in  Strassburg  tagen. 

2)  Die  3.  Versammlung  des  internationalen  Oeologen- 
Congresses  wird  am  28.  September  in  Berlin  unter  dem  Ehren- 
präsidium von  Dr.  H.  von  Dechen  eröffnet.  Für  den  Organi- 
sations - Gomite  fungiren  Geh.  Bergrath  Prof.  Beyrich  als  Prä- 
sident und  Geh.  Bergrath  Hauchecorne  als  Generalsecretär. 

3)  Die  British  Association  for  the  Advancement  of  Science 
hält  ihre  55.  Versammlung  unter  dem  Präsidium  von  Sir  Lyon 
Playfair  vom  9.  September  an  in  Aberdeen.ab. 

4)  Die  Societe  geologique  de  France  beginnt  ihre  diesjährige 
ausserordentliche  Versammlung  den  23.  August  in  der  Mairie  von 
Champagnole,  Jura,  und  beendet  ihre  Excursionen  am  1.  Sep- 
tember in  Belley,  Ain. 


Seehste  Sitzunir  am  86.  Jloni  1886«  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Dr.  Geinitz. 

Ein  vom  Director  der  K.  K.  geologischen  Reichsanstalt,  Oberbergrath 
D.  Stur,  in  Wien  eingegangenes  Dankschreiben  für  seine  Ernennung  zum 
Ehrenmitgliede  der  Isis  wird  durch  den  Secretär  mitgetheilt. 

Oberlehrer  H.  Engelhardt  spricht  im  Namen  vieler  Mitglieder  dem 
bei  der  Feier  des  fünfzigjährigen  Jubiläums  der  Gesellschaft  thätig  ge- 
wesenen Festcomite  den  Dank  derselben  für  die  Bemühungen  am  Gelingen 
des  Festes  aus. 

Der  Vorsitzende  überreicht  im  Namen  des  Directors  des  mineralogischen 
Museums  des  Königl.  Polytechnikums  in  Lissabon,  Dr.  F.  A.  Pereira  da 
Costa,  der  Bibliothek  die  Schrift:  Terremotos  de  Andnhwiaj  Madrid 
1885,  8<^  als  Geschenk. 

In  einem  Vortrage  über  die  Ergebnisse  seiner  im  April  und  Mai  d.  J. 
ausgeführten  Reise  nach  Italien  schildert  Bergingenieur  A.  Purgold 
zunächst  die  vulkanische  Umgebung  von  Melfi  mit  dem  Monte  Vulture. 
Dieser,  ein  sogenannter  Erhebungskrater,  besteht  wie  die  in  seinem 
Ringe  liegenden  Hügel  aus  einem  leudtreichen  Hauynophyr,  in  welchem 
der  Hauyn  nur  auf  frischem  Bruche  die  ihn  an  anderen  Fundorten  aus- 
zeichnende schöne  grünlich  -  blau  leuchtende  Farbe  zeigt,  für  gewöhnlich 
aber  an  licht  und  Luft  in  düsteres  Schwarz  und  Dunkelblau  nachdunkelt. 
Zwischen  den  Hügeln  liegende  kleine  Seen  sind  nicht  als  Kraterseen, 
sondern  nur  als  mit  Wasser  und  Sumpf  ausgefüllte  Bodenvertieiungen  zu 
betrachten,  welche  ihren  Ursprung  dem  bemerkenswerthen  Reichthum  an 
Quellen,   unter  denen  sich  einige  kräftige  Säuerlinge  befinden,  verdanken. 


62 

Von  Melfi  begab  sich  Vortragender  nach  Neapel,  wo  er  längere 
Zeit  dem  Besuche  der  Museen  widmete,  unter  denen  sich  das  mineralogische 
Museum  der  Universität  durch  die  reiche  Sammlung  der  Mineral- 
Vorkommnisse  des  VesuT  und  die  Belegstücke  zu  Scaochi's  klassischen 
Arbeiten  auszeichnet,  während  eine  chronologische  Zusammenstellung  der 
verschiedenen  Eruptionen  hier  wie  auch  in  Palmieri's  Observatorium  am 
Vesuv  leider  mangelt.  Auch  das  Museo  nazionale,  wie  die  B.onghi- 
sehe  Sammlung  und  die  Kirche  in  San  Martino  enthalten  manches 
mineralogisch  Interessante. 

Nachdem  der  bisher  hinter  dichten  Regenwolken  verborgene  Vesuv 
sichtbar  geworden,  wurde  mit  Hülfe  der  Seilbahn  eine  Besteigung  des 
Berges  ausgeführt.  Der  jetzt  thätige  Krater  ist  von  elliptischer  Form, 
aus  der  Vereinigung  zweier  kreisförmiger  Krater  gebildet,  seine  Wände  sind 
mit  einer  dicken  Kruste  von  Salmiak  bekleidet,  die  von  Eisenoxychlorid 
gefärbt  in  lebhafter  chromgelber  bis  morgenrother  Farbe  leuchtet;  auf 
seinem  Grunde  wälzen  und  ziehen  sich  dunkelgraue  Dampf  ballen,  die,  in 
ziemlich  regelmässigen  Zwischenräumen  einiger  Minuten  als  dichte  Wolken 
in  die  Höhe  geblasen ,  für  Augenblicke  Alles  in  Finsterniss  hüllen,  durch 
stechende  Ghlordämpfe  das  Athmen  erschweren,  glühende  Steine  mit  sich 
emporreissen ,  welche  meist  wieder  in  den  Schlund  zurückfallen,  und  zu 
eiligem  Rückzuge  mahnen.  Flüssige  Lava  quillt  an  der  Südostseite  des 
Aschenkegels  im  Niveau  der  oberen  Bahnstation  in  der  Breite  von  etwa 
2  m  ohne  kraterähnliche  Oeifnung  aus  der  Oberfläche  desselben  hervor, 
fliesst  dunkelroth  glühend  langsam  herab,  um  bald  auf  den  Schollen  eines 
alten  Stromes  zu  erstarren;  die  Tiefe  des  Stromes  soll  nach  Aussage  der 
Führer  über  5  m  betragen. 

Von  Neapel  aus  unternahm  Redner  einen  Ausflug  nach  den  den  Busen 
von  Puzzuoli  einfassenden  phlegräischenjurefilden,  welche  den  Schau- 
platz grossartigster,  zum  Theil  noch  in  historische  Zeit  fallender  vulka- 
nischer Thätigkeit  darstellen,  die  noch  heute  in  der  Solfatara  von  Puz- 
zuoli fortdauert.  Diese  bildet  den  mit  weissem  Thon  bedeckten  Boden 
eines  grossen  elliptischen  Kraters,  der  namentlich  in  seinem  nördlichen 
Theile  durch  aufsteigende  Wasser-  und  Schwefeldämpfe  erwärmt  und  zer- 
klüftet wird.  Ebenfalls  in  Puzzuoli  befinden  sich  die  bekannten  Ruinen 
des  Serapistempels,  dessen  durch  Bohrmuscheln  angebohrte  Säulen  ein 
unwiderlegbares  Zeugniss  für  wiederholte  Bodenschwankungen  seit  Er- 
bauung des  Tempels  abgeben.  Von  Puzzuoli  östlich  liegt  der  nach  einem 
starken  Erdbeben  am  29.  September  1538  durch  einen  vulkanischen  Aus- 
bruch aufgeschüttete  Monte  Nuovo,  an  seinem  nördlichen  Fusse  der 
Kratersee  von  Averno,  dem  noch  zuLucretius'  Zeiten  soviel  unathem- 
bare  Gase  entstiegen,  dass  kein  Vogel  über  ihn  hinwegzufliegen  vermochte, 
die  sich  jedoch  seit  geraumer  Zeit  erschöpft  zu  haben  scheinen. 

Von  Neapel  begab  sich  der  Vortragende  nach  Palermo,  und  nach 
kurzem,    der  Besichtigung  dieser    prachtvoll    gelegenen  Stadt  und  ihrer 


63 

Sammlungen  gewidmeten  Aufenthalte,  nach  Girgenti,  von  wo  aus  der 
Schlammvulkan  von  Maccaluha  besucht  wurde.  An  der  Maccalubi 
genannten  Oertlichkeit,  einer  breiten,  mit  blendend  weissem  Thon  bedeckten, 
pflanzenleeren  Ebene  auf  dem  Gipfel  eines  Hügels,  finden  sich  mehrere  grössere 
Lachen  von  ungefähr  2  m  Durchmesser,  die  wie  eine  Anzahl  kleinerer  bis  an 
den  etwa  20  cm  über  die  Umgebung  flach  kegelförmig  sich  erhebenden  Rand 
mit  bitterlichem,  trüben  Salzwasser  erfüllt  sind,  aus  dem  einzelne  Gas- 
blasen aufsteigen.  Bei  Regenwetter  sollen  diese  häufiger  werden  und  auch 
Schlamm  mit  heraufbringen.    Von  Naphta,  Erdöl  war  nichts  zu  sehen. 

Die  Eisenbahn  nach  Gatania  durchschneidet  bei  Grotte  und  Ra- 
calmuto  den  jetzigen  Hauptsitz  der  sicilianischen  Schwefeiindustrie, 
vollständig  baumlose  Hügel  mit  vielen  zu  Tage  ausgebenden  Gypsbänken, 
zahlreichen  brennenden  Haufen  von  Schwefelerz,  aus  denen  der  Schwefel 
ausgesaigert  und  die  Luft  weithin  mit  Schwefeldämpfen  erfüllt  wird.  — 
Gatania  liegt  auf  und  in  einem  Lavastrom  auf  dem  Fnsse  des  Aetna. 
Den  schönsten  Anblick  des  Berges  geniesst  man  von  der  an  der  Aetnastrasse 
liegenden  Villa  Bellini.  Sehr  bemerkenswerth  ist  der  kleine  Winkel  von 
10 — 11  Grad,  welchen  durchschnittlich  der  Abhang  des  Aetna  mit  der 
Horizontalebene  bildet  und  durch  welchen  sich  bei  der  Erhebung  desselben 
um  3303  m  über  den  Meeresspiegel  die  ausgebreitete  Basis  von  rund 
40  Kilometer  Durchmesser  erklärt. 

Von  Gatania  aus  wurde  eine  Fahrt  nach  Nicolosi  ausgeführt  zur 
Besteigung  der  Monti  Rossi,  eines  wohlerhaltento  Seitenkraters  des 
Aetna,  der  unten  aus  schlackiger  Lava,  am  oberen  Rande  aus  deutlich  ge- 
schichteten Lapilli  besteht  und  ganz  mit  rothen  Aschenmassen  bedeckt  ist. 
Der  Krater  wurde  bei  der  grossen  Eruption  von  1669  gebildet,  an  seinem 
Fusse  tritt  der  grosse  Lavastrom  zu  Tage,  welcher  bis  nach  Gatania  breit 
hinunter  floss  und  erst  an  der  Gartenmauer  des  dortigen  Benedictiner- 
klosters  zum  Stillstand  gelangte.  Vom  Kraterrande  bietet  sich  eine  weite 
Uebersicht  über  den  Aetna  und  einen  Theil  seiner  Seitenki-ater ,  deren 
Zahl  jetzt  367  betragen  soll.  —  Einen  zweiten  Ausflug  unternahm  Redner 
von  Gatania  aus  nach  den  Cyclo pi sehen  Inseln,  einem  halben  Dutzend 
steiler  Klippen  gegenüber  dem  Fischerdörfclien  Aci  Trezza,  deren  basal- 
tisches Gestein  jedenfalls  älter  als  alle  Aetnalaven  und  durch  seinen 
Reichthum  an  Anaicim  und  anderen  Mineralien  bekannt  ist. 

Von  Gatania  begab  sich  Vortragender  nach  Messina,  dann  mit  dem 
Dampfer  nach  Neapel,  von  wo  ihn  eine  ununterbrochene  Eiseubahnfahrt 
über  Rom,  Verona,  den  Brenner  und  München  nach  Friedrichsroda 
im  Thüringer  Walde  zurückbrachte. 

Zahlreiche  Photographieen  der  von  dem  Redner  besuchten  Localitäten 
dienten  zur  Illustration  des  interessanten  Vortrags. 


64 


Siebente  Sttzunf  am  24.  September  1885.  Vorsitzender:  Geh. 
Hofrath  Dr.  Geinitz. 

Der  Vorsitzende  macht  der  Gesellschaft  die  erfreuliche  Mittheilung, 
dass  ihr  Mitglied  Herr  Louis  Uhle,  Rittergutsbesitzer  auf  Maxen,  das 
Kapital  der  Isis  durch  Schenkung  von  500  Mark  vergrössert  habe.  Der 
wärmste  Dank  der  Gesellschaft  für  dieses  Geschenk  soll  auch  an  dieser 
Stelle  ausgesprochen  werden. 

Derselbe  gedenkt  ferner  der  Verluste,  welche  die  Wissenschaft,  ins- 
besondere auch  die  Isis,  durch  den  Tod  des  Prof.  Dr.  H.  W.  Reichardt 
in  Wien,  f  am  2.  August  1885,  und  des  Directors  des  ethnographischen 
Museums  in  Kopenhagen,  J.  J.  Worsaae,  f  am  15.  August  1885, 
erlitten  hat. 

Auf  Antrag  von  Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  wird  Herr  R.  D.  M.  Ver- 
beek,  Director  der  K.  Niederländischen  geologischen  Untersuchung  von 
Sumatra  und  Java,  zum  Ehrenmitgliede  der  „Isis^*  ernannt. 

Verlagsbuchhändler  Wilh.  Streit  spricht  über  Leonardo  da  Vinci 
als  Naturforscher, 

Der  Vortragende  stützt  sich  auf  die  neuesten  Veröffentlichungen  der 
Manuskripte  Leonardo's,  auf  die  noch  nicht  abgeschlossene  Facsimile- 
Ausgabe  des  Institut  publique  in  Paris  uncl  die  Londoner  Ausgabe  von 
1883:  The  Lit^ary  Works  of  L.  ä,  F.  compiled  and  edited  frmn  the 
Original  Manuscripts  by  Dr.  J.  P.  Richter. 

An  der  Hand  dieses  neuen  Materials  entrollt  Derselbe  ein  fesselndes 
Charakterbild  von  den  wissenschaftlichen  Einsichten,  Erfahrungen  und 
Speculationen ,  sowie  von  der  Beobachtungsmethode  jenes  als  Universal- 
genie genugsam  bekannten  Cinquecentisten  und  gelangt  zu  dem  Schlüsse, 
dass  derselbe  allerdings  als  einer  der  frühesten  Begründer  der  exacten 
Naturforschung  hingestellt  werden  kann  und  als  ein  echter  Vorläufer  des 
Newton,  des  Lyell  und  Darwin.  Aussprüche  wie:  „Bewegung  ist  Ursache 
einer  jeden  Lebenserscheinung",  oder  „Wo  Leben  ist,  da  ist  Wärme  und 
wo  Wärme  ist,  da  ist  Bewegung"  wirken  höchst  überraschend. 

Ferner:  „Die  Noth wendigkeit  ist  Lehrmeisterin  und  Führerin  der 
Natur,  die  Nothwendigkeit  giebt  Thema  und  Lösung  in  der  Natur,  sie  ist 
Zügel  und  ewige  Regel"  erinnert  lebhaft  an  „den  Kampf  ums  Dasein", 
und:  „Die  Schwere,  die  Kraft  und  der  Anstoss  in  Verbindung  mit  dem 
Widerstand  sind  die  vier  treibenden  Mächte,  durch  welche  alle  sichtbaren 
Thaten  vergänglicher  Dinge  ihr  Dasein  und  ihren  Untergang  finden", 
zeigt  uns  den  Leonardo  auf  einer  Höhe  der  Weltanschauung,  welche 
ihn  über  die  Jahrhunderte  herüber  zu  einem  völlig  modernen  Menschen 
stempeln.  Dann  fährt  L.  an  anderen  Orten  fort:  „AU'  unsere  Kenntniss 
beginnt  mit  empfangenen  Eindrücken"  und  „Die  Wahrheit  ist  einzig  und 
allein  die  Tochter  der  Zeit".     Mit  diesen  Worten  macht  er  sich  frei  von 


(>5 

Tradition  und  Offenbarung  und  yerräth  in  den  folgenden  seinen  neuen 
und  einzigen  Leitstern:  „Es  giebt  durchaus  keine  Gewissheit  in  denjenigen 
Wissensbereichen,  auf  welche  nicht  wenigstens  eine  der  mathematischen 
Wissenschaften  angewandt  werden  kann,  welche  sich  mit  der  Mathematik 
schlechterdings  nidit  yereinigeu  lassen  ^\  „  Und  wer  die  höchste  Gewissheit 
der  Mathematik  zu  tadeln  versucht,  der  weidet  sich  nur  an  der  Ver- 
wirrung und  wird  niemals  den  Widersprüchen  der  sophistischen  Wissen- 
schaften Schweigen  gebieten  können,  welche  nur  zu  unaufhörlichem 
Gezeter  führen." 

120  Jahre  vor  Galilei  sprach  er  den  Satz  aus:  „Die  Sonne  bewegt 
sich  nicht";  und  300  Jahre  vor  Newton:  „Die  Erde  ist  nicht  im  Oentrum 
der  Sonnenbahn,  noch  im  Centrum  des  Universums,  sondern  in  der 
Mitte  der  ihr  gleichartigen  und  ihr  zugesellten  Elemente";  ferner:  „Die 
Schwere  ist  eine  Kraft,  welche  von  einem  Element  erzeugt  wird,  welches 
von  einem  anderen  gezogen  oder  in  demselben  aufgehängt  ist,  daraus 
folgt,  dass  ein  Element  im  eigenen  Elemente  ohne  jedwedes  Gewicht  ist, 
und  im  höher  liegenden  Elemente,  welches  leichter  ist  als  dasselbe,  ein 
Gewicht  aufweist." 

An  diese  Aussprüche  über  mechanische  Himmelstheorie  reiht  sich 
eine  längere  Abhandlung  über  das  Vorkommen  der  Muscheln  auf  hohen 
Bergen  an,  in  welcher  Leonardo  dieses  damals  dunkle  Räthsel  in  geist- 
vollster Weise  von  allen  Seiten  beleuchtet  und  durch  exacte  Beobachtungen 
und  Vernunftschlüsse,  die  sich  auf  die  Gesetze  der  Hydrostatik  stützen, 
zu  einem  Resultat  gelangt,  welches  dem  modernen  völlig  parallel  erscheint 
und  womit  er  die  biblische  Sündfluth  ad  absurdum  führt. 

Schliesslich  sei  bemerkt,  dass  der  hier  kurz  skizzirte  Vortrag  in 
seinem  vollen  Umfange  in  der  Monatsschrift:  Universum,  Verlag  von 
Eugen  Friese  in  Dresden,  abgedruckt  wurde  und  eine  zweite  Abhandlung 
Leonardo's  über  Möglichkeit  von  Geistererscheinungen  und  deren  Gegen- 
beweise durch  den  Vortragenden  in  der  Monatsschrift:  Deutsche  Revue, 
Verlag  von  Trewendt  in  Breslau,  Veröffentlichung  fand.  — 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  legt  eine  grosse  Zahl  sogenannter  Drei- 
kantner  oder  Pyramidalgeschiebe  vor,  welche  den  Gescbiebedecksand,  die 
Rückzugsmoräne  der  diluvialen  Gletscher  cliarakterisiren,  erläutert  deren 
EntstehuDgsweise  und  berichtet  sodann  über  seine  Beobachtungen  im 
Gebiet  des  norddeutschen  spec.  mecklenburgischen  Diluviums  unter  V^orlage 
zahlreicher  Belegstücke  von  Geschiebemergeln ,  geschrammten  Glacial- 
geschieben,  5co2i^Att5>  Sandsteinen  u.  a.  Er  hatte  diese  Gegenden,  welche 
in  neuester  Zeit  durch  Prof.  Dr.  Eugen  Geinitz  in  Rostock  mit  grossem 
Erfolge  sehr  genau  durchforscht  worden  sind,  mit  Letzterem  gemein- 
schaftlich noch  im  August  d.  J.  besucht  und  diese  Wanderungen  auch  auf 
die  Lüneburger  Haide  ausgedehnt,  wo  ihnen  Herr  Dr.  med.  Spreng  eil 
in  Lüneburg  ein  ausgezeichneter  Führer  war. 

des,  liti»  in  Die»dm,  J885.  —  Sitinngsber.  5 


66 

Vortragender  weist  noch  darauf  hin,  dasB  auch  ein  grosser  Theil  der 
sächsischen  Schweiz  von  Geschiebesand  bedeckt  ist,  die  diluvialen  Gletscher 
also  bis  in  diese  Gegend  gereicht  haben  müssen  und  dass  sicher  die  Ent- 
stehung der  tiefen  Schluchten  und  Thäler  in  diesem  Gebiete  zum  Theil 
auf  Gewässer  zurückgeführt  werden  kann,  die  mit  jenen  Gletschern  im 
Zusammenhang  standen,  ihnen  ihren  Ursprung  verdankten.  (Vergl. 
Excursionsbericht  S.  76.) 


Achte  Sitzung  am  29.  October  1885.  Vorsitzender:  Oberlehrer 
Dr.  G.  Helm. 

Dem  Verein  für  Salzburger  Landeskunde,  welcher  am  Rupertusti^e 
das  Fest  seines  25jährigen  Bestehens  feiert,  wird  von  der  Isis  ein  Glück- 
wunschschreiben gesandt. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  macht  auf  ein  vom  Bibliographischen  Institute 
in  Leipzig  lieferungsweise  herausgegebenes  Werk  aufmerksam,  welches, 
gleichsam  eine  Fortsetzung  zu  Brehm's  Thierleben,  eine  allgemeine 
Naturkunde  mit  Ausnahme  der  Zoologie  umfassen  soll.  Ueber  den  Ankauf 
dieses  Werkes  für  die  Bibliothek  wird  nach  Vollendung  der  einzelnen 
Abtheilungen  Beschluss  gefasst  werden. 

Prof.  G.  Neubert  spricht  über  den  Ursprung  der  Gewitter- 
Elektricität  im  Anschluss  an  die  gleichnamige  Schrift  von 
Dr.  L.  Sohnke,  Jena  1885,  in  welcher  die  Entstehung  derselben  auf 
Reibung  zwischen  den  Eisnadeln  und  Wasserdamplwolken  der  Luft 
zurückgeführt  wird. 

Oberlehrer  Dr.  G.  Helm  bespricht  ein  Verfahren  zur  Veran- 
schaulichung der  Grössenverhältnisse  des  Planetensystems. 

In  Ausführung  eines  Gedankens,  den  zuletzt  Mar  tu  s.  Astronomische 
Geographie  1880,  verwerthet  hat,  empfiehlt  der  Vortragende  besonders 
für  Unterrichtszwecke,  kosmische  Grössenverhältnisse  durch  Abbildung  in 
der  heimischen  Stadt  zur  Veranschaulichung  zu  bringen.  In  der  Ver- 
jüngung 1  zu  tausend  Millionen  wird  die  Sonne  durch  eine  Kugel  von 
Schulterhöhe  (1,4  m  Durchmesser)  abgebildet,  die  man  sich  inmitten  des 
Dresdener  Altmarkts  aufgepflanzt  denke.  Die  Bahn  des  Merkur  (60  m 
Radius)  ist  dann  etwa  dem  Altmarkt  einbeschrieben,  die  der  Erde  (150  m 
Radius)  berührt  die  Weissegasse,  Rosmaringasse  und  die  Verbindungswege 
zwischen  der  Wilsdruflfer  Strasse  und  ihren  Parallelen.  Die  Jupitersbahn 
trifft  das  Blockhaus,  die  Annenschule,  das  Panorama,  den  Eibberg,  und 
Neptuns  Bahn  findet  auf  dem  officiellen  Stadtplane  Dresdens  (l  :  10000) 
nur  noch  stückweise  Platz:  sie  trifft  Kaitz,  Briesnitz,  die  äussersten 
Militärbauden,  das  Fischhaus.  Die  Erde  wird  hierbei  dargestellt  durch 
einen  Körper  von  nur  12  mm  Durchmesser  und  ist  von  einem  nur  3  mm 
grossen  Kömchen ,  dem  Bilde  des  Mondes ,  in  38  cm  Abstand  umkreist. 


67 

Auch  die  Neigung  jeder  Planetenbahn  kann  man  leicht  zur  VeranBchau- 
lichung  bringen,  wenn  man  sich  die  Ekliptik  durch  die  Horizontalebene 
yeranschaulicht.  Merkur  erhebt  sich  bis  zu  8,  Jupiter  bis  zu  16  m  über 
den  Horizont.  Bei  dem  angewendeten  Maasstab  pflanzt  sich  das  licht  nur 
0,3  m  weit  fort  in  einer  Secunde  und  die  Karte  von  Mitteleuropa  bedeckt 
nur  etwa  1  qmm.  Trotzdem  müsste  der  nächste  Fixstern  a  Centauri 
35  Millionen  Meter  weit  vom  Altmarkt  gedacht  werden,  wohin  die  An- 
schauung nicht  zu  folgen  vermag  (Erdumfang  40  Mill.  Meter).  —  Wendet 
man  jedoch  als  Verjüngungsmaasstab  1  zu  1  Billion  an,  so  findet  das 
ganze  Planetensystem,  das  vorhin  den  Stadtplan  Dresdens  überdeckte,  in 
einem  grossen  Zimmer  (9  m  Seite)  Platz  und  der  nächste  Fixstern  muss 
in  35  km  Entfernung,  etwa  auf  den  Geising,  Pabststein  oder  in  die  Frei- 
berger  Gegend  versetzt  werden.  Die  Sonne  ist  dann  nur  noch  ein 
Fünkchen  von  1,4  mm  Durchmesser,  das  Licht  schleicht  0,3  mm  in  der 
Secunde  und  die  Erde  wird  für  das  menschliche  Auge  unsichtbar  klein. 


Neunte  Sitziuis  am  )M.  Kovember  1885.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Dr.  Geinitz. 

Der  Vorsitzende  widmet  dem  am  25.  September  1885  zu  Dresden 
verschiedenen  Stadtrath  Prof.  Dr.  F.  J.  Wigard,  welcher  der  Isis  seit 
1860  als  wirkliches  MitgUed  angehörte,  einen  warmen  Nachruf. 

Derselbe  theilt  ferner  mit,  dass  die  Wittwe  des  im  Jahre  1883  ver- 
storbenen Stifters  der  Isis,  des  Kanzleisecretär  K.  Ch.  Nagel,  vor 
wenigen  Tagen  ihrem  verewigten  Gatten  gefolgt  ist,  und  gedenkt  noch  des 
Hinscheidens  zweier  ausgezeichneter  englischer  Forscher,  des  grossen 
Brachiopodenkenners  Thomas  Davidson,  f  am  14.  October  1885,  und 
des  verdienstvollen  F(Nraminiferenforschers  Wil.  Benj.  Carpenter,  f  am 
10.  November  1885. 

Die  Resultate  der  hierauf  statutengemäss  vorgenommenen  Wahl  der 
Beamten  für  das  Jahr  1886  sind  am  Schlüsse  der  Sitzungsberichte 
zusammengestellt 

Der  Bibliothekar  theilt  mit,  dass  wegen  Erkrankung  des  Gustos  der 
Isis -Bibliothek  diese  in  den  nächsten  Monaten  Mittwochs  von  llVs  bis 
12>/i  Uhr  und  Freitags  von  11—12  Uhr  geöffnet  sein  wird. 

Die  bisher  von  Oberlehrer  GL  König  benutzte,  der  Gesellschaft 
gehörige  Actie  des  Dresdener  zoologischen  Gartens  wird  für  das  nächste 
Jahr  Assistent  J.  Freyberg  übergeben. 

Der  Secretär  verliest  ein  Dankschreiben  des  Vereins  für  Salzburger 
Landeskunde  für  die  ihm  Seitens  der  Isis  zu  seinem  25  jährigen  Jubiläum 
gesandten  Glückwünsche. 

Der  von  dem  naturwissenschaftlichen  Vereine  zu  Trencsen  in  Ungarn 
gewünschte  Schriftentausch  wird  genehmigt. 


68 

BergiDgenieur  A.  Purgold  berichtet  über  einige  Mineralein- 
schlüsse  im  Granulit  von  Waldheim,  welche  bei  einem  Bau  am 
dortigen  Bahnhofe  gefunden  und  von  Herrn  Baurath  Engelhardt  an  das 
hiesige  Königl.  Mineralogische  Museum  eingeliefert  wurden.  Das  Mutter- 
gestein ist  der  gewöhnliche  verworren  blätterige  weisse  Granulit,  in 
welchem  unzählige  dunkelbraune  Granatkörnchen  von  Mohnkornkaliber 
zerstreut  sind.  Neben  diesen  kleinen  Granaten  finden  sich  aber  auch 
noch  zahlreiche  grössere  vom  Durchmesser  einer  Erbse  und  darüber, 
an  welchen  öfter  noch  der  sechsseitige  Umriss  des  Rhombendodekaeders 
erkennbar  ist  und  welche  alle  mehr  oder  weniger  zersetzt  sind,  indem 
jedes  einzelne  Korn  von  einem  dichten  Kranz  aus  dunkelgrünen  Chlori t- 
schüppchen  eingefasst  ist,  in  dessen  Umgebung  die  Gesteinsmasse  rost- 
gelb gefärbt  erscheint.  In  mehreren  Fällen  liegt  dieser  Kranz  aus  Ghlorit 
nicht  unmittelbar  auf  dem  Granatkern,  sondern  beide  trennt  eine  etwas 
lockere  isabelgelbe  Zwischenlage,  welche  Vortragender  für  Anthophyllit 
hält,  von  dem  einzelne  Blättchen  auch  zwischen  die  Sprünge  der  inneren 
Granatmasse  eindringen.  Mit  Ausnahme  des  von  aussen  hinzugetretenen 
Wassergehalts  sind  die  chemischen  Bestandtheile  des  Chlorits  wie  des 
Anthophyllites  vollständig  in  der  Mischung  des  Granates  enthalten  und 
der  nach  ihrer  Ausscheidung  verbliebene  üeberschuss  von  Eisenoxyd  und 
-oxydul  bewirkt  die  rostgelbe  Färbung  des  Gesteins.  Die  Zersetzung  des 
Granatkernes  ist  zuweilen  so  weit  vorgeschritten,  dass  dieser  gänzlich  in 
apfelgrünen  weichen  Steatit  umgewandelt  erscheint. 

Nächst  den  Granaten  sind  es  zahlreiche  stängelige,  grünlichgraue, 
seidenglänzende  Krystalle,  die  meisten  zwei  bis  drei  Centimeter  lang,  welche 
im  Gestein  auf  zweierlei  Weise  vorkommen,  nämlich  in  radial -stängelige 
Gruppen  vereinigt,  oder  einzeln  porphyrisch  ausgeschieden.  Trotz  des 
verschiedenen  Aussehens  erinnern  die  strahlig  gruppirten  sofort  an  das 
bekannte  Vorkommen  des  Andalusit  im  Granit  von  Penig,  und  in  der 
That  bestätigt  eine  genauere  Untersuchung,  dass  auch  die  hier  vorliegen- 
den Krystalle  Andalusit  sind.  Sie  sind  aber  wohl  alle  in  mehr  oder 
weniger  vorgeschrittener  Zersetzung  begriffen,  denn  ihre  Härte,  in  frischem 
Zustand  ==:  7—8,  nach  Breithaupt  sogar  =9,  erweist  sich  meist  viel  ge- 
ringer und  sinkt  in  einzelnen  Fällen  so  weit,  dass  mit  einem  gewöhnlichen 
Messer  leicht  Pulver  abgeschabt  werden  kann.  Nur  an  einzelnen  Streifen 
welche  durch  unvollkommene  Spaltflächen  parallel  der  Hauptaxe  freigelegt 
sind,  hat  sich  fettiger  Glasglanz  und  grössere  Härte  erhalten.  Die  Mehr- 
zahl dieser  langsäulenförmigen  Krystalle  pflegt  nach  der  Längsaxe  stark 
cannelirt  zu  sein,  wodurch  sie  eine  unbestimmbare,  fast  cylindrisohe  Form 
erlangen;  nur  unter  den  porphyrisch  eingewachsenen  finden  sich  einzelne 
mit  je  zwei  breiten  Seitenflächen,  und  an  ihnen  gelang  es,  den  Prismen- 
winkel ooP  des  Andalusit  =  91  ^  zu  messen  und  den  Winkel  dieses 
Prisma  zur  Seitenfläche  s=  133<>45',  durch  welchen  diese  letztere  sich  als 
das  Brachypinakoid  ocPoc  erweist,  eine  bisher  am  Andalusit  noch  nicht 


69 

weiter  beobachtete  Form.  Endflächen  konnten  nicht  wahrgenommen  werden, 
sondern  die  prismatischen  Flächen  verlaufen  •  allmählich  in  die  Gesteins* 
masse.  Auf  dem  Querbruch  zeigen  sich  oft  Granatkörnchen  und  Flimmer 
von  Glimmer  und  Eisenglanz  und  vielleicht  auch  von  Uutil. 

Auf  ebenen  Kluftflächen  des  Granulit  endlich,  auf  welchen  auch  kör- 
nige Quarzpartieen  ausgeschieden  sind,  sind  stellenweise  kleine  Turmalin- 
säulchen  in  grosser  Menge  unregelmässig  angehäuft,  die  im  reflectirten 
Lichte  schwarz  erscheinen,  rechtwinkelig  gegen  die  Hauptaxen  indessen 
mit  lebhaftem  Glanz  gelbbraun  durchscheinen  und  in  einzelnen  Fällen 
parallel  zur  Hauptaxe  rothbraune  oder  auch  grünliche  Farbe,  also  Dichro- 
Ismus  zeigen.  Zwischen  den  Turmalinen  verstreut  finden  sich  als  Selten- 
heiten ganz  kleine  blassblaue  durchsichtige  Säulchen,  welche  für  Beryll 
zu  halten  sein  dürften. 

Handelsschullehrer  ü.  Thüme  referirt  noch  über  die  von  Professor 
B.  Frank  in  den  Berichten  der  deutschen  botanischen  Gesellschaft 
(3.  Jahrg.,  7.  Heft)  gegebenen  „neuen  Mittheilungen  über  die 
Mycorhiea  der  Bäume  und  der  Manotrapa  hypopiiys'^  in  welchen 
letzterer  von  Neuem  diesen  Pilz  als  das  Organ  der  Nahrungsaufnahme  für 
den  Baum  darstellt  und  sich  dahin  ausspricht,  dass  das  biologische  Ver« 
hältniss  desselben  sich  nicht  bloss  auf  die  Familie  der  Cupuliieren  be- 
schränke, sondern  unter  den  Bäumen  noch  weiter  verbreitet  sei.  Ent- 
schieden tritt  der  Verfasser  Prof.  Woronin  entgegen,  der,  hinweisend  auf 
die  Untersuchungen  des  F.  Kamienski  über  Manotropa  hypopUys^  die  er 
im  24.  Bd.  der  Mimoires  de  la  soeieU  fi€Uionale  des  sdences  naturelles  de 
Cherbourg  veröffentlichte,  alle  Prioritätsrechte  in  der  Frage  über  die  auf 
Wurzelsymbiose  beruhende  Ernährung  gewisser  Bäume  durch  unterirdische 
Pilze  Letzterem  zugeschrieben  wissen  möchte,  indem  Frank  nachweist, 
dass  Kamienski  durchaus  eine  andere  Ansiclit  über  die  Bedeutung  der 
Verpilzung  von  Baumwarzeln  seiner  Auffassung  gegenüber  ausspricht,  da 
Kamienski  mit  seiner  Auffassung  genau  auf  dem  Standpunkte  seiner  Vor- 
gänger stehe,  den  Frank  schon  früher  eingehend  charakterisirt  und  als 
irrig  bezeichnet  hat.  Schliesslich  weist  Verfasser  noch  auf  seine  neuesten 
Untersuchungen  über  die  Bedingungen  des  Auftretens  der  Mycorhiga  und 
über  ihre  physiologische  Bedeutung  hin.  Die  Ergebnisse  derselben,  welche 
später  ausführlich  veröffentlicht  werden  sollen,  veranlassen  ihn,  bereits 
jetzt  sechs  Thesen  aufzustellen,  welche  mit  erläuternden  Bemerkungen  vom 
Referenten  zum  Vortrage  gebracht  wurden. 


Zehnte  Sitzung^  am  17«  December  1885.    Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Dr.  Geinitz. 

Im  Namen  des  Herrn  Verfassers  überreicht  der  Vorsitzende  der  Ge- 
sellschaft das  Werk: 

A.  Stelzn  er.   Beitrage   zur  Geologie   und  Paläontologie   der  Argen- 
tinischen JEtepublik.  L  Geologischer  Theil.  Kassel  und  Berlin  1885. 


70 

Der  von  der  Section  für  prähistorische  Forschungen  beantragte  Tausch- 
verkehr mit  der  Niederlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Ur- 
geschichte wird  von  der  Hauptversammlung  genehmigt. 

Herr  von  Garlowitz  auf  Schloss  Ringenkuhl  in  Hessen  dankt 
Namens  der  Hinterlassenen  der  Frau  Elw.  von  Burchardi  in  Gross- 
Cotta  in  einem  Schreiben  an  den  Vorsitzenden  für  die  von  der  Isis  beim 
Hinscheiden  ihres  Ehrenmitgliedes  gezeigte  Theilnahme,  worauf  Geh.  Hof- 
rath  Dr.  Geinitz  in  ehrender  Weise  der  Verdienste  der  Verewigten  lun  die 
Wissenschaft  gedenkt.    (Nekrolog  s.  S.  95). 

Er  erinnert  in  gleicher  Weise  an  unsern  unermüdlichen  Foraminiferen- 
forscher,  den  schon  am  28.  März  1884  verstorbenen  Oekonom  Carl 
Gottlieb  Kirsten,  geb.  am  19.  November  1821,  Ehrenmitglied  der  Ge- 
sellschaft seit  1858. 

Dr.  med.  H.  Klencke  spricht  über  die  Grenzen  der  Erkenntniss 
und  Naturwissenschaft  und  Philosophie. 

Vorausgeschickt  wird:  Es  handelt  sich  um  Wurzeln  und  Tragweite 
unserer  Erkenntniss,  um  die  Begriffe  Causalität,  Mechanismus,  Zweck, 
Idee  und  das  Verhältniss  der  Naturwissenschaften  zur  Gesammtcultur  und 
Lebensgestaltung. 

Philosophie  ist  die  Darstellung  der  verschiedenen  Welt-  und  Lebens- 
anschauungen in  begriffsmässigen  Erkenntnissen.  Die  Verachtung  der 
Philosophie  ist  wesentlich  verursacht  durch  die  Naturphilosophie  HegePs 
und  SchelUng's.  Eine  Skizze  der  letzteren  wird  vom  Vortragenden  ent- 
worfen. Ihr  gegenüber  hat  die  ezacte  Methode  durch  Erfahrung  (Be- 
obachtung, Experiment,  Rechnung)  grosse  Erweiterung  unserer  Kenntnisse 
geliefert.  Aber  auch  bei  den  Exacten  stellte  sich  Verlangen  nach  einer 
Weltanschauung  im  neueren  Sinne  ein:  Büchner,  Moleschott,  Du  Bois. 
Forschungsmethoden  (Mechanismus  und  Atomenlehre)  werden  für  das  innerste 
Wesen  der  Welt  erklärt  und  schwere  Verstösse  gegen  jede  vernünftige  Er- 
kenntnisstheorie begangen.  Darwinismus  jüngste  Naturphilosophie.  Vor- 
tragender zieht  eine  Parallele  zwischen  Hegel  und  Darwin.  Die  Grund- 
fragen: Was  ist  Materie?  was  Bewusstsein?  Wie  kommt  dieses  zu  jener? 
tauchen  immer  wieder  auf,  bald  unter  idealistischer,  bald  materialistischer 
Form  als  Subject-Object  oder  Atome  und  Empfindung.  Grenzbegriffe 
unserer  Erkenntniss:  Kant's  Kriticismus  grundlegend:  Keine  Er- 
weiterung unserer  Erkenntnisse  ohne  Erfahrung,  die  Elr&hrung  aber  in 
ihrer  Form  und  Grenze  bedingt  durch  Bau  der  Sinnesorgane  und  des  Hirns. 
Gegenüber  Schelling's  transcendentalen  Deductionen  suchen  wir  jetzt  durch 
Erforschung  des  Baues  der  Sinnesorgane  und  des  Hirns  in  jene  Fragen 
einzudringen,  was  aber  ebenso  einseitig  ist,  als  Schelling.  Alle  unsere 
Erkenntniss  beruht  auf  der  Voraussetzung  (nicht  durch  Erfahrung  zu  erweisen), 
dass  in  der  Natur  Constanz  und  Gleichförmigkeit  herrsche.  Handeln  ist 
die  Probe  auf  Erkenntniss  und  in  der  Erkenntniss,  wie  sie  uns  zum 
Handehi  und  zur  Herrschaft  über  die  Natur  befähigt,  impavide  progredi- 


n 

amur  in  infinitum  ohne  Grenssen.  Was  Welt  an  und  für  sich  sei  oder  für 
andere  Wesen,  sind  müssige  Fragen,  ebenso  der  faustische  Drang  ins 
Innerste  der  Natur  zu  dringen. 

Idee  und  Zweck  wiederherzustellen  in  ihrer  Bedeutung  geläutert. 
Wir  stehen  an  den  Ausläufern  der  materialistischen  Bichtung,  unsere  Auf- 
gabe: die  organische  Verbindung  beider  Richtungen.  Willensfreiheit  nicht 
im  Widerspruch  mit  Mechanismus  (s.  Dicke n's  Geist  der  Zeit,  Leipzig 
1883;  Schrift  von  Dr.  Klencke). 

Uebersicht  über  Cultur  und  philosophischer  Sinn  bewahrt  vor  1)  Moden 
in  der  Naturwissenschaft,  die  alle  Gemüther  unkritisch  gefangen  nehmen; 
2)  Verrennen  in  eine  Methode,  eine  Richtung ;  3)  vorzeitigem  Dogmatismus. 
Statt  raffinirter  Verstandeserziehung  Erziehung  zur  Vernunft.  Weder 
phrasenmachender  Philosoph,  noch  roher  Empiriker,  sondern  das  Ideal 
ist:  naturwissenschaftlicher  Denker.  Ideale  Gipfelung  der  Naturwissen- 
schaft. — 

Zum  Schluss  wirft  der  Vorsitzende  einen  kurzen  Rückblick  auf 
das  Jahr  1885: 

Wir  können,  wie  ich  glaube,  mit  Befriedigung  auf  das  bald  verflossene 
Jahr  zurückblicken,  in  welchem  unsere  Isis  die  erhebende  Feier  ihres 
50jährigen  Bestehens  in  Gegenwart  Sr.  Majestät,  unseres  hochverehrten 
Königs,  begangen  hat,  die  allen  Theilnehmern  noch  in  frischer  Erinnerung 
geblieben  sein  wird. 

Die  Zahl  unserer  wirklichen  Mitglieder  hat  sich  gegen  das  Vorjahr 
nicht  wesentlich  geändert,  trotzdem  uns  der  Tod  einige  geschätzte  Mit- 
glieder, wie  Herrn  Professor  Dr.  Wigard,  geraubt  hat,  dessen  Andenken 
noch  frisch  ist,  während  Andere,  wie  der  um  unsere  Gesellschaft  verdiente 
Professor  Dr.  Voss,  seinen  Wohnsitz  nach  München  verlegt  hat,  Einige 
ebenso  wegen  Wegzugs  von  Dresden  in  die  Reihe  *der  correspondirenden 
Mitglieder  getreten  oder  überhaupt  ausgetreten  sind. 

Gegenwärtig  beträgt  die  Zahl  der  wirklichen  Mitglieder  214. 

Eine  reichere  Ernte  hat  der  unerbittliche  Tod  unter  den  Ehreumit- 
gliedern  der  Isis  gehalten.  Wir  haben  in  unseren  Sitzungen  den  Verlust 
beklagen  müssen  von: 

1)  Peter  Christen  Asbjörnsen  in  Christiania,  Ehrenmitglied 
seit  1873,  f  6.  Januar  1885, 

2)  Regierungsrath  Prof.  Dr.  v.  Stein  in  Prag,  aufgenommen  1846, 
t  am  9.  Januar  1885, 

3)  Oberberghauptmann  Krug  von  Nidda  in  Berhn,  Ehrenmitglied 
seit  1868,  f  8*  Februar  1858, 

4)  des  edlen  Kinder  de  Camarecq,  Niederländ.  Resident  a.  D,, 
aufgenommen  1863,  f  3.  März  1885, 

5)  des  verdienten  Geh.  Hofrath  Chr.  Doli  in  Karlsruhe,  auf- 
genommen 1861,  t  10.  März  1885, 


72 

6)  des  ausgezeichueten  Zoologen  Professor  Dr.  Carl  v.  Sieboldt  in 
München,  Ehrenmitglied  Seit  1871,  f  am  7.  April  1885, 

7)  Frau  Elwine  von  Burchardi,  geb.  Härtel,  in  Gross-Cotta  bei 
Pirna,  f  am  8.  December  1885. 

Dagegen  sind  in  diesem  Jahre  drei  neue  Ehrenmitglieder  aufgenommen 
worden:  die  Herren  Dr.  med.  T heile,  Oberbergrath  D.  Stur,  Director 
der  K.  K.  geolog.  Reichsanstalt  in  Wien,  und  der  Director  der  geolog. 
Landesuntersuchung  von  Sumatra  und  Java,  Herr  R.  D.  M.  Verbeek. 

Unter  den  correspondirenden  Mitgliedern  müssen  wir  leider  die 
schweren  Verluste  des  Geh.  Hofrath  Professor  Dr.  Ernst  Schmid  in 
Jena,  Mitglied  seit  1862,  f  am  16.  Februar  1885,  des  Professor  Dr.  C. 
J.  Andrae  in  Bonn,  Mitglied  seit  1872,  f  am  8.  Mai  1885,  und  des 
Botanikers  Prof.  Dr.  H.  W.  Reichard t  in  Wien,  Mitglied  seit  1868, 
f  am  2.  August  1885,  tief  beklagen. 

Unsere  Bibliothek  ist  trotz  der  seit  längerer  Zeit  schon  und  leider 
noch  immer  auhaltenden  Krankheit  des  bisherigen  Gustos  Herrn  Koch 
durch  unser  unermüdliches  Mitglied  Herrn  0.  Thüme  wohl  geordnet 
geblieben  und  den  Mitgliedern  zur  Benutzung,  so  viel  unter  bewandten 
Umständen  nur  immer  möglich  gewesen  ist,  zugänglich  geblieben.  Wir 
sind  Herrn  Thüme  dafür  zu  besonderem  Danke  verbunden,  und  ich  glaube, 
dass  Sie  Alle  den  Ansichten  ihres  Verwaltungsrathes  gern  beitreten  werden 
der  bei  Ihnen  seiner  Zeit  eine  entsprechende  Entschädigung  für  die  auf- 
gewendete Mühe  und  Sorgfalt  unseres  unentbehrlichen  Bibliothekars  be- 
antragen wird. 

Die  Verhältnisse  unserer  Isis  haben  sich  auch  in  pecuniärer  Beziehung 
seit  einer  Reihe  von  Jahren  durch  hochherzige  Beiträge  zu  ihrem  eisernen 
Fonds  schon  wesentlich  gebessert  und  ist  zu  hoffen,  dass  man  diesem 
Fonds  in  ähnlicher  Weise  noch  weitere  Förderung  gönnen  wird,  bis  wir 
unser  Ziel  erreicht  haben  werden,  von  allen  äusseren,  unsere  Thätigkeit 
hemmenden  Verhältnissen  erlöst  zu  werden. 

Die  beiden  Actien  des  zoologischen  Gartens  sind  nach  Ihrem  Beschlüsse 
für  das  Jahr  1886  zur  Benutzung  auf  die  Herren  Prof.  Dr.  Vetter  und 
Assistent  Freyberg  bestimmt  worden. 

Ueber  die  wissenschaftUche  Thätigkeit  der  Gesellschaft  im  Jahre  1885 
in  den  Sitzungen  und  auf  Excursionen  wird  der  bald  fertig  gedruckte 
Bericht  Ihnen  nähere  Auskunft  ertheilen.  Eine  Uebersicht  über  die  Er- 
gebnisse der  Beamtenwahlen  des  Vereins  für  1 886  finden  Sie  am  Schlüsse 
der  Sitzungsberichte  aufgestellt. 

Für  das  Jahr  1886  sind  vorgesehen  12  Hauptversammlungen,  je 
5  Sitzungen  für  die  Sectionen  für  Zoologie  und  für  Botanik,  je  4  Sitzungen 
für  die  anderen  Sectionen. 

Möge  das  Jahr  1886  für  unsere  Isis  ein  recht  glückliches  und  segens- 
reiches werden! 


73_ 

Exc'ursioueii.  Geognostische  Excursion  nach  Dippoldis- 
walde  am  30.  Juli  1885.  Eine  freundliche  Einladung  des  Herrn  J.  U. 
Wohlfarth  in  Freibergsdorf,  welcher  lange  Jahre  hindurch  als  viel- 
.beschäftigter  praktischer  Arzt  in  Dippoldiswalde  die  weitere  Umgegend 
dieser  Stadt  genauer  kennen  gelernt  und  aufmerksam  untersucht  hat, 
führte  am  30.  Juli  acht  Mitglieder  der  Isis,  unter  ihnen  den  Berichterstatter, 
die  Herren  Dr.  Deichmüller,  0.  Erler.  J.  W.  Putscher  und  Fr.  A.  Weber, 
nach  Dippoldiswalde,  um  einige  eigenthfimliche  Verhältnisse  des  dortigen 
Quadersandsteingebirges  näher  kennen  zu  lernen.  Herr  Dr.  Wohlfarth 
hatte  sich  darüber  in  einem  unter  dem  21.  Juni  1885  an  die  Isis  ein« 
gesandten  Aufsatze  in  folgender  Weise  geäussert:  „Versuch  einer  Er- 
klärung dammartig  langgestreckter  Bildungen  im  Quader- 
sandßtein  etc.  Nördlich  von  Dippoldiswalde  streift  der  sächsische 
Quadersandstein  in  einer  Entfernung  von  zwei  Kilometern  dieses  Städt- 
chen, sich  in  östlicher  Richtung  an  den  Dörfern  Oberhäselich ,  Reinberg, 
Hirschbach,  Hausdorf  etc.  hinziehend,  während  seine  Erstreckung  nach 
Westen  kein  zusammenhängendes  Ganze  mehr  bildet,  sondern  in  einzelnen 
Inseln  bei  Paulsdorf  und  Höckendorf  auftretend,  erst  am  GriiUenburger 
Walde  wieder  in  mehr  zusammenhängender  Weise  angetroffen  wird,  wo  er 
dann  bei  Niederschöna  (etwa  7  Kilometer  von  Freiberg)  den  äussersten 
westlichen  Punkt  des  Quadersandsteins  bildet. 

In  diesem  Gebiete  nun,  und  zwar  in  der  Hauptsache  an  zwei  Stellen 
in  der  Nähe  von  Dippoldiswalde,  weicht  die  Form  des  sonst  breit  auf  dem 
Gneisse  aufliegenden  Sandsteins  insofern  ab,  als  sie  eine  langgestreckte 
tafel-  oder  mehr  dammartige  Leiste  darstellt. 

Die  erste  derselben  beginnt  dicht  links  an  der  Strasse  von  Dippol- 
diswalde nach  Rabenau,  mitten  in  der  meist  oben  auf  dem  Hochplateau 
gelegenen  Dippoldiswaldaer  Haide,  am  sogenannten  äabenauer  Knochen 
(durch  welche  Bezeichnung  der  plötzlich  aus  der  Hochebene  scheinbar  her- 
aufgehobene südliche  Anfang  dieses  Dammes  jedenfalls  charakterisirt 
werden  sollte).  Der  Damm,  bald  breiter,  bald  schmäler  werdend,  im 
Durchschnitt  etwa  fünf-  bis  achthundert  Schritte  breit,  erstreckt  sich  in 
ziemlich  gerader  Richtung  nördlich  bis  Neuölsa,  über  zwei  Kilometer  rechts 
neben  sich  die  genannte  Strasse  nach  Rabenau  und  tiefer  unten  den  Oelsa- 
bach  lassend.  Die  Abdachung  des  Dammes  nach  dieser  seiner  östlichen 
Seite  ist  nicht  so  jäh,  als  seine  westliche  Böschung,  die  an  einigen  Orten 
zusammengestürzte  Trümmer  von  wild  durcheinander  liegenden  grossen 
Sandsteinblöcken  aufweist  und  tief  unten  neben  sich  die  rothe  Weis- 
ser itz  hat,  etwa  in  derselben  Entfernung,  wie  bei  der  östlichen  Damm- 
seite den  Oelsabach.  —  Ein  Fussweg  nach  Neuölsa  geht  auf  dem  Rücken 
des  Danunes  hin.  Der  Rücken  selbst  ist  festes  Sandsteingebirge,  nicht 
etwa  von  angehäuftem  Geröll  aufgebaut,  vielmehr  erscheint  seine  Oberfläche 
da,  wo  sie  nicht  bewachsen  ist  und  der  Fels  bloss  daliegt,  so  glatt,  als 
ob  sie  gescheuert  wäre.    Beträchtliche  Hebungen   und  Senkungen  seiner 


74 

Oberfläche  bietet  er  nicht  dar.  An  seinem  nördlichen  Ende,  rechts 
von  Neuöisa,  hört  er  beinahe  ebenso  jäh  auf,  wie  er  am  Südende 
begann. 

Von  obgenannten  zwei  Wasserrinnen  tief  zu  beiden  Seiten  des  Dammes 
hat  die  westliche,  in  der  Entfernung  von  etwa  zwei  bis  drei  Kilometer 
dahinfliessende  rothe  Weisseritz  den  Sandstein  bis  nahe  herauf  an  den 
Fuss  des  Dammes  vollständig  hinweggewaschen,  so  dass  der  Gneiss  nicht 
mehr  bedeckt  ist,  während  die  östliche,  der  Oelsabach,  zwar  audi  ein 
tiefes  Thal  in  den  Sandstein  eingeschnitten  hat,  jedoch  in  dem  Baume 
zwischen  Damm  und  Bach  viel  mehr  Sandstein  stehen  gelassen  hat,  als 
die  Weisseritz. 

Ausser  diesem  ersten  Damm  findet  sich  eine  zweite,  ganz  ähnlich 
hingestreckte  Sandsteinleiste  auf  dem  Kamm  der  Wasserscheide  zwischen 
derselben  Weisseritz  und  dem  Paulshainer  Bach,  so  dass  letzterer  den 
Damm  an  seiner  westlichen  Seite  begleitet,  während  seine  östliche  Bösch- 
ung der  Weisseritz  zugekehrt  ist. 

Dieser  Damm  erhebt  sich  ebenso  plötzlich,  wie  der  erstere,  einige 
hundert  Schritte  südlich  von  Paulshain,  und  stellt  das  südlichste  Ende 
des  Dippoldiswaldaer  Sandsteins  dar,  indem  einige  hundert  Schritte  süd* 
lieh  vom  Damme  der  Sandstein  ganz  aufhört  und  nur  rundliche  Kiesel- 
gerölle.  die  früher  dem  Sandstein  einverleibt  waren,  die  Zerstörung  ihres 
ehemaligen  Muttergesteins  verrathen.  Der  Damm  selbst ,  in  gerader 
Bichtung  nach  Norden  fortschreitend,  endet  erst  kurz  vor  Seifersdorf  und 
dürfte  an  drei  Kilometer  lang  sein.  Er  erreicht  eine  bedeutende  Höhe, 
so  dass  sein  Kamm  etwa  30—40  Ellen  über  die  beiden  Sandsteinbrüche 
heraufragt,  deren  einer  auf  seiner  Ostseite,  in  Paulsdorfer  Flur,  der  andere 
auf  seiner  Westseite,  unmittelbar  am  Dorfe  Paulshain,  im  Gange  ist.  Im 
weiteren  Verlaufe  nach  Norden  wird  er  abwechselnd  mehr  oder  weniger 
breit,  anfangs  nach  links  grosse  Trümmerblöcke  zeigend,  die  vom  Damme 
sich  losreissend,  der  Tiefe  zugestürzt  sind.  Der  ganze  Bücken,  in  der 
Hauptsache  eben  aber  durchgängig  mit  Wald  bestanden,  zeigt  abwechselnd 
massige  Senkungen.  Im  zweiten  Drittel  seiner  Länge  ist  ihm  linkerseits 
durch  fiskalische  Steinbrüche  (jetzt  der  Liebersche  Bruch)  derb  in  die  Ein- 
geweide geschnitten  worden.  Die  Wände  dieses  Bruches,  senkrecht  stehend, 
dürften  nahe  an  100  Fuss  hoch  sein.  Weiter  nach  Seifersdorf  hin  hebt 
sich  der  Rücken  auffallig  und  findet,  jetzt  den  höchsten  Theil  des  ganzen 
Kammes  bildend,  plötzlich  sein  nördliches  Ende,  das,  einen  steilen  Absturz 
bildend,  weiter  vor  nur  noch  ein  kurzes  Stück,  von  losen  Sandsteinblöcken 
geringeren  Umfanges  umlagert  wird. 

Dies  meine  beiden  Dämme,  auf  die  ich  die  Aufmerksamkeit  Sach- 
verständiger lenken  wollte.  Ich  könnte  noch  von  einer  dritten  Reihe 
leistenähnlicher  Linien  im  Dippoldiswaldaer  Sandstein  sprechen,  die  sich 
in  der  dortigen  Haide,  nordwestlich  von  Oberhäsdich  finden  und  in  der 
Hauptsache  andere  Himmelsrichtung  haben,  als  die  genannten.   Doch  will 


^75 

ich  deren  nähere  Bestimmung  Solchen  überhissen,  die  sich  hoffentlich  dazu 
berufen  fühlen  werden. 

Nun  noch  in  aller  Kürze  zu  meiner  unmassgeblichen  Meinung  über 
die  Entstehungsweise  dieser  gestreckten  Dämme  in  der  Sand- 
steinformation.  Hierbei  kommt  zuerst  der  Umstand  in  Betracht,  dass 
beide  beschriebenen  Dämme  jeder  zu  beiden  Seiten  von  Wasserläufen  be- 
gleitet werden,  zwischen  denen  ihre  Rücken  also  die  Wasserscheiden  bilden, 
so  dass  die  atmosphärischen  Niederschläge  je  nach  ihrer  Seite  herablaufen 
müssen,  dem  Thalgerinne  zu.  Auf  diese  Weise  ward  das  früher  zusammen- 
hängende  Sandsteinlager  gespalten;  indem  zu  beiden  Seiten  der  Fluss- 
ufer der  Sandstein  fortgeführt  wurde  und  somit  breite  Lücken  entstehen 
mussten,  auf  denen  der  darunter  liegende  Gneiss  blossgelegt  wurde.  Da- 
durch wurden  aus  dem  zusammenhängenden  Sandsteincontinente  blosse 
Sandstein  -Inseln. 

Wie  riel  auch  Zeit  nöthig  gewesen  sein  mag,  um  diese  Massen  weg- 
zufuhren, so  ist  doch  so  viel  gewiss,  dass  diese  Zerstörung  ungleich 
schneller  vor  sich  gegangen  wäre,  ja  dass  vom  ganzen  Sandsteingebiete 
keine  Spur  mehr  da  wäre,  hätte  die  Pflanzenwelt  solches  nicht  verhindert, 
die  in  immer  neuen  Generationswechseln  auf  dem  Sandstein  sich  nieder- 
gelassen hatte.    Der  Wald  war  des  Sandsteins  Schutz/' 

Herr  Wohlfahrt  nimmt  an,  dass  dieser  Schutz  vorher  dem  Boden 
durch  eine  Eisdecke  gewährt  worden  sei  und  dass  die  ersten  Anfange  der 
jetzigen  Thalsohlen  eine  Folge  von  Rinsalen  unter  jener  Eisdecke  seien,  in 
welchen  die  Schmelzwasser  abgeflossen  wären. 

Die  Theilnehmer  an  der  Excursion  konnten  sich  von  dieser  Ansicht 
nicht  überzeugen,  zumal  in  der  ganzen  Umgegend  keine  Spur  von  Ge- 
schiebemergel oder  Geschiebesand  vorhanden  war,  der  auf  alte  Ver- 
gletscherung hätte  hinweisen  können;  sie  gewannen  vielmehr  die  Ueber- 
zeugung,  dass  die  dort  zu  beobachtenden  Abschwemmungen  und  Erosionen 
auf  Gewässer  zurückzufuhren  seien,  welche  vom  Erzgebirge  herab  in  der 
noch  jetzt  vorherrschenden  Richtung  der  Flussläufe  nach  N  und  NW  ab- 
geflossen sind.  Wohl  aber  mögen  entferntere  Gletschermassen,  die  ja  einen 
grossen  Theil  von  Sachsen  während  der  Diluvialzeit  bedeckt  hielten,  durch 
ihre  Schmelzwasser  und  die  sich  aus  ihnen  entwickelnden  Wasserdämpfe  zu 
den  erheblichen  Niederschlägen  Veranlassung  gegeben  haben,  welche  ge- 
waltige Wassermengen  erzeugten  und  von  den  nördlichen  Abhängen  des 
Erzgebirges  in  diese  Niederungen  herabgefiihrt  haben. 

Andere  Reize  gewährte  diese  Excursion  durch  den  Besuch  der  ansehn* 
liehen  Porphyrbrüche  im  Süden  von  Dippoldiswalde,  den  schon  früher 
beschriebenen  Näpfchensteinen  an  dem  Hauptportale  der  dortigen  Stadt- 
oder Marienkirche  und  einiger  Sandsteinbrüche  bei  Malter  vor  Dippoldis- 
walde, unter  denen  der  Bruch  in  der  Nähe  der  originellen  Funke'schen 
Restauration  und  der  Schmidt'sche  Bruch  an  Versteinerungen  am  ergiebig- 
sten waren.    Man  fand  dort  insbesondere  zahlreiche  Spuren  von  CaUia- 


76 

fiassa  antiqua  Otto,  Pinna  decussata  Goldf. ,  Inoceremius  siriatus  Mant., 
Vola  aequicostata  Lam.  sp.,  Volaphaseola  Lam.,  Exogyra  Columba  Lam., 
Ostrea  carinata  Lam.,  Ostrea  diluviana  L.  und  Spangia  Saxamca  Gein. 

Die  Excursioi)  endete  in  dem  alten  Gneisse  des  Babenauer  Grundes, 
nachdem  noch  der  aus  Trümmern  von  Quadersandstein  bestehende  Ein- 
siedlerfels  mit  seinen  Schluchten  und  Höhlen  und  die  unfern  davon 
inmitten  des  Waldes  gelegene  Barbara-Kapelle  oder -Klause  ihre  alte 
Anziehungskraft  noch  auf  die  Theilnehmer  dieser  Excursion  ausgeübt 
hatten.  — 

Der  vom  28.  September  bis  3.  October  in  Berlin  tagende  inter- 
nationale Geologencongress,  au  welchem  sich  auch  eine  Beihe  von 
Mitgliedern  derlsis  betheiligt  haben,  hat  in  den  letzten  Tagen  seinen 
würdigen  Abschluss  in  Dresden  erfahren. 

Waren  schon  unmittelbar  vor  dem  Congresse  einige  hervorragende 
Mitglieder  desselben  hierher  geeilt,  um  eingehende  Studien  in  unserm 
KönigL  mineralogisch- geologischen  und  prähistorischen  Museum  zu  machen, 
so  trafen  zu  demselben  Zwecke  unmittelbar  nach  dem  Congresse  Andere 
ein,  während  die  Theilnehmer  an  den  grösseren  Excursionen  in  dem 
sächsischen  Erzgebirge  zumeist  erst  am  8.  und  9.  October  Dresden  er« 
reichen  und  Einzelne  ihnen  sogar  erst  bis  zum  15.  October  nachfolgen 
konnten. 

Von  248  Mitgliedern  des  Congresses,  welche  das  oificielle  Mitglieder- 
Yerzeichniss  aufführt,  haben  in  diesen  Tagen  über  50  Dresden  besucht 
und  zwar:  15  aus  Deutschland,  5  aus  Oesterreich-Uugarn,  t  aus  Belgien, 
1  aus  Spanien,  5  aus  den  Vereinigten  Staaten  Nordamerikas,  2  aus  Frank- 
reich, 4  aus  Grossbritannien,  10  aus  Italien,  t  aus  Japan,  1  aus  Portugal, 
1  aus  Bumänien,  3  aus  Bussiand,  2  aus  Schweden  und  3  aus  der  Schweiz. 

Auf  alle  Besucher  haben  insbesondere  die  ausgezeichneten  Samm- 
lungen aus  dem  Bereiche  der  Dyas  (des  Zechsteins  und  Bothliegenden) 
in  dem  Königlichen  Mineralogischen  Museum  grosse  Anziehungskraft  aus- 
geübt, da  diese  auch  mit  dem  Namen  „permische  Formation'^  belegte 
Gruppe,  trotz  ihrer  grossen  Bedeutung  für  Deutschland,  Bussiand  und 
England,  im  Auslande  nur  wenig  gekannt  ist,  so  dass  es  sich  bei  diesen 
internationalen  Congressen  sogar  noch  darum  handeln  konnte,  ob  man  sie 
als  selbstständige  Gruppe  festhalten  oder  nur  an  die  Steinkohlengruppe 
anschliessen  solle,  worüber  auch  jetzt  noch  die  Entscheidung  ausgesetzt 
worden  ist. 

Nachdem  in  den  Vormittagsstunden  die  reichen  Schätze  dieses  und 
anderer  Königl.  Museen  besichtigt  und  gewürdigt  worden  sind,  fanden  in 
den  Nachmittagsstunden,  soweit  es  die  Witterung  erlaubte,  einige  Excur- 
sionen statt  und  zwar  am  9.  und  10.  October  in  den  Plauenschen  Grund 
unter  Leitung  des  Herrn  Prof.  Dr.  Stelzner -Freiberg  und  Herrn  Ober- 
lehrer Engelhardt-Dresden ,  in  die  Lössgegend  Dresdens  unter  Führung 
des  Herrn  Dr.  Jentzsch-Königsberg  und  am  11.  October  nach  der  Sachs. 


77 

Schweiz.  Geh.  Hofrath  Dn  Geinitz  geleitete  an  diesem  Tage  27  Theil- 
nehmer  des  Congresses  nach  der  Bastei  und  dem  Uttewalder  Grunde,  von 
wo  sich  schliesslich  noch  eine  kleine  Partie  nach  dem  Hockstein  und 
Hohnstein  unter  Führung  des  Herrn  Dr.'Hettner  abzweigte,  zur  Besich- 
tigung der  dortigen  abnormen  Verbältnisse  in  dem  Auftreten  der  Jura- 
formation. 

Die  Theilnehmer  fanden  Gelegenheit,  ein  volles  unvergessliches  Bild 
von  dem  Charakter  unserer  grotesken  sächsischen  Schweiz  in  sich  auf- 
zunehmen und  Parallelen  zu  ziehen  zwischen  hier  und  den  sehr  ähnlichen 
Felsen-  und  Thalbildungen  jenseits  des  Oceans  in  dem  Grand- Caflon- 
districte  von  Colorado. 

Dr.  Geinitz  führte  hierbei  die  Structur  der  sächsischen  Schweiz  auf 
die  Wirkung  gewaltiger  Schmelzwasser  nordischer  diluvialer  Glet- 
scher zurück,  welche  sich  nach  allen  neueren  Erfahrungen  bis  in  unsere 
Gegenden  ausgedehnt  und  noch  jetzt  zahlreiche  nordische  Feuersteine  und 
andere  Geschiebe,  selbst  in  der  unmittelbaren  Nähe  der  Bastei  hinterlassen 
haben.  Jene  massenhaften  Schmelzwasser  und  auf  deren  Verdampfung 
zurückzuführenden  Niederschläge  haben  das  grossartige  Zerstörungswerk 
der  früher  in  innigem  Zusammenhange  stehenden  Quadersandsteinplateaus 
durchgeführt  und  uns  den  Zauber  der  jetzt  isolirten  Felsenpartien  und 
Gesteinsgruppen  mit  all  ihren  Schluchten  und  Abstürzen  hinterlassen. 

Die  fliessenden  Gewässer  haben  sich  durch  die,  infolge  von  Austrock- 
nung der  sedimentären  Gesteinsschichten  und  von  Ei*schütterungen  durch 
die  während  der  Tertiärzeit  den  Quadersandstein  vielorts  durchbrechenden 
Basalte,  entstandenen  Risse  und  Klüfte  hindurchgedrängt,  dieselben  vertieft 
und  erweitert;  sie  haben  genügende  Veranlassung  zu  gewaltigen  Fels- 
abstürzen geboten;  die  durch  Verdampfung  des  Wassers  entstandenen 
Niederschläge  haben  abschlämmend  und  erodirend  gleichzeitig  von  oben 
herab  gewirkt,  eine  Wirkung,  die  im  Vereine  mit  dem  nachhaltigen  Ein- 
flüsse der  auf  dem  lockeren  Sandsteine  wuchernden  Vegetation  noch  heute 
zersetzend  und  verändernd  fortdauert. 

Dr.  H.  B.  Geinitz. 

Am29.  Augustl885  unternahm  eine  grosse  Anzahl  von  Mitgliedern 
einen  Gang  in  die  Dresdner  Haide.  Man  wanderte  durch  den  Priess- 
nitzgrund  bis  zur  Küchenbrücke,  von  da  den  Jungfernweg  entlang  bis  zum 
Jungfernplatz,  von  hier  nach  dem  Kellerflüsschenthale,  Meschwitzruhe  und 
dem  Bahnhofe  von  Klotzsche.  Am  Jungfemplatz  (auf  dem  linken  Priessnitz- 
ufer)  wurde  bei  dieser  Wanderung  u.  A.  ein  Dreikantner  aus  Lydit  ge- 
funden. 

H.  Engelhardt 


am  26.  März  1886. 


>   am  11.  Juni  1885. 


78 


Neu  anf|i:enoinniene  wirkliche  mtf Heder: 

1.  HeiT  Ingenieur  Bernb.  Kirsch  in  Dresden, 

2.  „    Cand.  des  höh.  Schijamts  Wilh.  Krebs  ^^  ^  ^^^^ 

'    T\     j  }   am29.  Januar  1885. 

m  Dresden,  [ 

3.  „    Maler  Paul  Schmidt  in  Blasewitz, 

4.  „    Cand.  des  höh.  Schulamts  Dr.  Herm.  Hof  mann  in  Dresden, 

am  26.  Februar  1885. 

5.  Herr  Taubstummenlehrer    Otto   Ebert    in 

Dresden, 

6.  „    Kammermusikus  Ad.  Laue  in  Dresden, 

7.  „    Geh.  Begierungsrath  Jul.  Sperber  in  Dresden,  am  30.  April 

1885. 

8.  „    Privatus  Benj.  Beyer  in  Dresden, 

9.  „    Majoratsherr  von  Carlowitz  auf  Schloss 

Kukuksstein  bei  Liebstadt, 

10.  „    Oeconomierath    Generalsecretär    C.    von 

Langsdorff  in  Dresden, 

11.  „    Pharmaceut  Walth.  Stauss  in  Dresden,  am  25.  Juni  1885. 

1 2.  „    Gesandtschafts  -  Secretär    F.    D  e  i  1 1    in 

Dresden, 

13.  „    Bezirksschullehrer    Herm.    Döring    in 

Dresden, 

1 4.  „    Institutsmechaniker    Ose.    Leuner    in 

Dresden, 

15.  „    Prof.  Dr.  C.  Rohn  in  Dresden, 

16.  „    Telegraphen -Oberinspector  Dr.  Richard 

Ulbricht  in  Dresden, 

17.  „    Bürgerschullehrer    Arth.    Hammer    in 

Dresden, 

18.  „    Bezirksschullehrer   Job.  A.  Jentsch  in 

Dresden, 

19.  „    Hans    Freiherr     von    Ledebur    in 

Dresden, 


am29.0ctoberl885. 


am  26.  November 
1885. 


am  17.  December 
1885. 


Nea  emannte  Ehrenmitglieder: 

1.  Herr  Dr.  med.  Friedr.  Theile  in  Lockwitz,  am  30.  April  1885. 

2.  „    Oberbergrath  D.  Stur,  Director  d.  K.  E.  geol.  ReichBanstalt  in 

Wien,  am  11.  Juni  1885. 

3.  ,,    R.  D.  M.  Verbeek,   Director   d.  E.  Niederländ.   geol.  Landes- 

untersuchung von  Sumatra  und  Java,  am  24.  September  1885. 


79 

Neu  aaffenommene  eorrespondirende  HltfUeder: 

1.  Herr  Prof.  Emanuel  Hibsch  in  Liebwerd  bei  Tetschen,  am  29.  Oc- 
tober  1885. 


Aus  der  Reihe  der  wirklichen  mtgUeder  in  die  der  eorrespondlrenden 

sind  übergetreten: 

1.  Herr  Cand.  d.  höh.  Schulamts  Wilh.  Krebs  in  Hamburg.  • 

2.  „    Dr.  K.  Vetters  in  Chemnitz. 


Freiwillige  Bein%e  zur  Gesellsebaftskasse 

zahlten  die  Herren:  Oberlehrer  Dr.  Bach  mann  in  Plauen  i.  V.  3  Mk.; 
Bergdirector  Baldauf  in  Ladowitz  3  Mk.  2  Pf.;  Königl.  Bibliothek  in 
Berlin  3  Mk.;  Ingenieur  Carstens  in  Berlin  3  Mk.;  Oberlehrer  Dan  zig 
in  Rochlitz  3  Mk.;  K.  K.  Rath  Ehrlich  in  Linz  3  Mk.;  Privatus  Eisel 
in  Gera  3  Mk.;  Oberlehrer  Frenkel  in  Pirna  3  Mk.;  Sanitätsrath  Dr. 
Friederich  in  Wernigerode  3  Mk.;  Apotheker  Gonnermann  in  Neu- 
stadt b.  Koburg  5  Mk.;  Bergmeister  Härtung  in  Lobenstein  5  Mk.;  Ge- 
werberath  Herbrig  in  Zwickau  10  Mk.;  Apotheker  Kinne  in  Hermhut 
30  Mk. ;  Oberlehrer  Dr.  Köhler  in  Schneeberg  6  Mk.;  Pharmaceut 
Lüttke  in  Neuenahr  3  Mk. ;  Fabrikbesitzer  Dr.  Na  sc  hold  in  Aussig 
6  Mk.;  Oberlehrer  Naumann  in  Bautzen  3  Mk.;  Prof.  Dr.  Nitsche  in 
Tharandt  3  Mk.;  Oberlehrer  Mehnert  in  Pirna  3  Mk.;  Dr.  Reide- 
meist  er  in.  Schönebeck  3  Mk.;  Oberlehrer  Seidel  I.  in  Zschopau  3Mk.; 
Rittergutspachter  Sieb  er  in  Grossgrabe  2Mk.;  Civilingenieur  und  Fabrik- 
besitzer Siemens  in  Dresden  100  Mk.;  Apotheker  Sonntag  in  Wüste- 
waltersdorf 3  Mk.;  Oberlehrer  Dr.  Sterzel  in  Chemnitz  3  Mk.;  Ritter- 
gutsbesiter  Uhle  in  Maxen  600  Mk.;  Dr.  Heinr.  Vater,  z.  Z.  in  Dresden, 
3  Mk.;  Conservator  Weise  in  Ebersbach  3  Mk. ;  Dr.  med.  Wohlfahrt 
in  Freiberg  3  Mk.;  Oberlehrer  Wolff  in  Pirna  3  Mk.  20  Pf.;  Oberlehrer 
Dr.  Wünsche  in  Zwickau  3  Mk.    In  Summa  730  Mk.  22  Pf. 

H.  Warnatz. 


80 


•Beamten -Collegium  der  ISIS  im  Jahre  1886: 

Vorstand. 

Erster  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  B.  Geinitz. 
Zweiter  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr.  G.  Helm. 
Kassirer:  Hofbuchhändler  H.  Warnatz. 


Dlreetoriam. 

Erster  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  B.  Geinitz. 

Zweiter  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr.  G.  Helm. 

Als  Sectionsvorstände:  Freiherr  D.  von  Biedermann. 

Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Prof.  Dr.  A.  Harnack. 

Ingenieur  A.  Purgold. 

Prof.  Dr.  R.  Ulbricht. 

Prof.  Dr.  B.  Vetter. 
Erster  Secretär:  Dr.  J.  V.  Deichmüller. 
Zweiter  Secretär:  Oberlehrer  K.  Vetters. 


Verwaltnnfsrath. 

Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr.  G.  Helm. 

1.  Civilingenieur  und  Fabrikbesitzer  F.  Siemens. 

2.  Geheimrath  und  Director  Prof.  Dr.  G.  Zeuner 

3.  Apotheker  H.  Baumeyer. 

4.  Commissionsrath  E.  Jäger. 

5.  Maler  A.  Flamant. 

6.  Fabrikant  E.  Kühnscherf. 
Kassirer:  Hofbuchhändler  H.  Warn  atz. 

Erster  Bibliothekar:  Handelsschullehrer  0.  Thüme. 
Zweiter  Bibliothekar:  Professor  Dr.  B.  Vetter. 
Secretär:  Oberlehrer  K.  Vetters. 

Sectlons- Beamte. 

I.  Section  f&r  Zoologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  B.  Vetter. 
Stellvertreter:  Institutsdirector  Th.  Reibisch. 
Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  R.  Ebert. 
Stellvertreter:  Taubstummenlehrer  O.  Ebert. 


n.  Saetion  Ar  Botuik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  0.  Drude. 
Stellvertreter:  Institutslehrer  A.  Weber. 
Protokollant:  Obergärtner  0.  Kohl. 
Stellvertreter:  Institutslehrer  F.  A.  Peuckert. 

HL  Seotion  Ar  Mineralogie  nnd  Oaologie. 

Vorstand:  Ingenieur  A.  Purgold. 
Stellvertreter:  Oberlehrer  H.  Engelhardt. 
Protokollant:  Bürgerschullehrer  A.  Zipfel. 
Stellvertreter:  Bürgerschullehrer  L.  Meissner. 

IV.  Seotion  fttr  Physik  nnd  Chemie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  R.  Ulbricht. 
Stellvertreter:  Prof.  G.  Neu  her  t. 
Protokollant:  Assistent  F.  Oettel. 
Stellvertreter:  Assistent  J.  Freyberg. 

V.  Seetion  ftr  praehittoritche  Fonchnngen. 

Vorstand:  Freiherr  D.  von  Biedermann. 
Stellvertreter:  Bentier  W.  Osborne. 
Protokollant:  Oberlehrer  Dr.  H.  A.  Funcke. 
Stellvertreter:  Bezirksschullehrer  H.  Döring. 

VI.  Saetion  ftr  Xathematik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  A.  Harnack. 
Stellvertreter:  Prof.  Dr.  L.  Burmester. 
Protokollant:  Assistent  J.  Freyberg. 
Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  G.  Helm. 


Redaetlons  -  Comlti, 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Directoriums  mit  Ausnahme  des  II.  Vor- 
sitzenden und  des  II.  Seoretäi's. 


ü#«.  Intt  in  UrtHiIfu  IHH'k  —  Sittungshfr. 


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83 


Voranschlag 

für  das  Jahr  1885  nach  Besehlnss  des  Verwaltmigsrathes  vom  9^5.  Februar 
and  der  Hanpliersaniinliing  vom  M.  Februar  1885, 


Gehalte 

Inserate 

Lokalspesen 

Buchbinderarbeiten      .... 
Bücher  und  Zeitschriften      .     . 
Sitzungsberichte  und  Festschrift 
Insgemein 


Mk. 


691 
90 
130 
150 
500 
1600 
100 


Summa  Mk.  3261 


Heinrich  Warnatz/ 
d.  Z.  Kassirer. 


6* 


84 


An  die  Bibliothek  der  Gesellsohaft  Isis  sind  im  Jahre  1885 
an  Geschenken  eingegangen: 

Aa       2.     Abhandlungen;  herausgeg.  v.  naturw.  Ver.  in  Bremen.   IX.  Bd.    2.  Hft. 

Bremen  85.  8. 
Aa      5.     Jahresbericht  d.  naturhist.  Ges.  zu  Nürnberg.    1884.    Nürnberg  85.  8. 
Aa      9*-  Bericht    über    die    Senckenbergische     naturf,     Ges.      1884.      Frank- 
furt a.  M.  84.  8. 
Aa     11.     Anzeiger  d.  K.  K.  Akademie  d.  W.  in  Wien.   Jhrg.  1885.   Nr.  1—24. 

Wien  85.  8. 
Aa     14.    Archiv  d.  Ver.  d.  Freunde  d.  Naturgesch.  in  Mecklenburg.    38. -Jhrg. 

Güstrow  84.    8. 
Aa     19.     Bericht,  XÜL,   zur  Halbsäcular- Feier  d.  naturf.  Ges.  in   Bamberg. 

Bamberg  84.  8. 
Aa    23.     Bericht  über  die  Thätigkeit  d.  St.  Gallischen  naturw.  Ges.     1882/a3. 

St.  Gallen  84.  8. 
Aa    24.    Bericht    über    die    Sitzungen    d.    naturf.    Ges.    zu    Halle.      1874/84. 

Halle  a.  d.  S.  74/85.  4. 
Aa    27.     Bericht,  24.  u.  25.,  über  die  Thätigkeit  d.  Offenbacher  Ver.  f.  Naturk. 

Offenbach  a.  M.  85.  8. 
Aa    34.     Korrespondenzblatt   d.  Naturfoi  scher  Ver.    zu  Riga.     XXVII.  Jhrg. 

Riga  84.  8. 
Aa    41.     Gaea,  Zeitschr.  f.  Natur  u.  Leben.   Jhrg.  21.   Hft.  1—12.    Köln  85.  8. 
Aa    42.     Jahrbuch  d.  naturhist.  Landesmuseums  v.  Kärnthen.    17.  Hft.    Klagen- 
furt 85.  8. 
Aa    43.    Jahrbücher    d.  Nassauischen  Ver.    f.  Naturkunde.     Jhrg.  37.     Wies- 
baden 84.  8. 
Jahresbericht,  62.,  d.  Schlesischen  Ges.  f.  vaterl.  Kultur.   Breslau  85.  8. 
Jahresbericht   d,  Ges.  f.  Natur-  u.  Heilkunde  zu  Dresden.     1884/85. 

Dresden  85.  8. 
Jahresbericht,  69.,  d.  naturforsch.  Ges.  in  Emden.   1883/84.  Emden  85.  8. 
Jahresbericht   d.    naturf.   Ges.  Graubündens.    N.  F.    27,  u.   28.  Jhrg. 

Chur  84/85.  8. 
Jahresbericht,  33.,  d.  naturhist.  Ges.  in  Hannover.    Hannover  84.  8. 
Jahreshefte     d.     Ver.     f.     vaterländ.     Naturkunde    in     Württemberg. 

41.  Jhrg.     Stuttgart  85.  8. 
Leopoldina.    XX.  Bd.    Nr.  23.  24.  XXL  Bd.    Nr.  1—20.    Halle  85.  4. 
Lotos,  Jahrbuch  f.  Naturwissenschaft.     N.  F.    VI.  Bd.     Prag  85.  8. 


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63. 

85 

Aa  64.  Magazin,  neues  lausitzisches.  60.  Bd.  2.  Hft.  61.  Bd.  1.  HfU 
Görlitz  84/85.  8. 

Aa  68.  Mittheilungen  a.  d.  natuiw.  Ver.  v.  Neu-Vorpommeni  u.  Rügen. 
XVL  Jhrg.     Berlin  85.  8. 

Aa  70.  Mittheilungen  a.  d.  Ver.  d.  Naturfreunde  in  Reichenberg.  XVI.  Jhrg. 
Reichenberg  85.  8. 

Aa  71.  Mittheilungen  d.  Ges.  f.  Salzbui-ger  Landeskunde.  24.  Vereiusjahr. 
Geschichte  d.  Stadt  Salzburg.  1.  Buch.  Peatschr.  d.  Ges.  f.  Salz- 
burger Landeskunde  zur  Feier  ihres  25jähr.  Bestehens.  Salz- 
burg 84/85.  8. 

Aa  80.  Schriften  d.  naturw.  Ges.  in  Danzig.  N.  F.  VI.  Bd.  II.  Hft. 
Danzig  85*  4. 

Aa    81.     Schriften  d.  phy8.-ökonom.  Ges.  zu  Königsberg  in  Preussen.    25.  Jhrg. 

1.  2.  Abth.    Königsberg  85.  4. 

Aa     83.     Sitzungsberichte  u.  Abhandl.  d.  naturw.  Ges.  Isis  in  Dresden.     1884. 

2.  Hft.    Festschrift  dieser  Ges.  zur  Feier  ihres  50 jähr.  Bestehens. 
Dresden  85.  8. 

Aa    85.     Sitzungsberichte   d.    phys.  -  niediz.   Ges.    zu    Würzburg.      Jhrg.    1884. 

Wurzburg  84.  8. 
Aa    86.     Verhandlungen    d.    naturforsch.    Ges.    in    Basel.     7.   Theil.     3.    Hft. 

Basel  85.  8. 
Aa    87.     Verhandlungen  d.  naturforsch.  Ver.  in  Brunn.    XXII.  Bd.    1.  2.  Hft. 

Brunn  84.  8. 
Aa    90.     Verhandlungen  d.  naturhist.-mediz.  Ver.  zu  Heidelberg.    N.  F.   II.  Bd. 

2.  Hft.    IIL  Bd.    4.  Hft.    Heidelberg  76/85.  8. 
Aa    93.    Verhandlungen  d.  naturhist.  Ver.  d.  preuss.  Rheinlande  u.  Westfalens. 

41.  Jhrg.  2.  Hlft».   42.  Jhrg.  1.  Hlfte.  nebst  Register  zu  Bd.  1—40. 

Bonn  84/85.  8. 
Aa    94.     Verhandlungen  der  Siebenbürgischen  Ver.  f.  Naturw.  in  Hermannstadt 

25.  Jhrg.    Hermannstadt  85.  8. 
Aa    96.    Vierteljahrsschrift  d.  naturf.  Ges.  in  Zürich.    23.  26.  27.  28.  29.  Jhrg. 

Zürich  78.  81/84.  8. 
Aa  101,    Annais  of  the  New -York  Academy  of  Sciences.     Vol.  III.     Nr.  3 — 6. 

New- York  83/84.  8. 
Aa  106.    Memoirs  of  the  Boston  Society  of  Nat.  History.   Vol.  III.   Nr.  8—10. 

Boston  84.  4. 
Aa  109.     The  Canadian-Record  of  Science.     Vol.  L    Nr.  3.  4.    Montreal  85.  8. 
Aa  111.     Proceedings    of  the   Boston   Society    of  Nat.   History.     Vol.  XXII. 

P.  2.  3.   N.  S.   Vol.  XIL    Boston  83/85.  8. 
Aa  112.    Bulletin   of  the    California   Academy    of  Sciences.     1885.    Nr.  2.  3. 

San  Francisco  85.  8. 
Aa  117.    Proceedings  of  the  Academy  ofNat-Sciencof  Philadelphia.  1858—1860. 

Part  II.  IIL    1884.   Part  I.  H.    1885.   Phüadelphia  59/61.  84/85.  8. 
Aa  120.    Annual  Report  of  the  Board  of  Regents  of  the  Smithsonian  Institution 

for  the  year  1883.    Washington  85.  8. 
Aa  124.    Transactions  of  the  Connecticut-Academy  of  Arts  and  Sciences.  Vol.  lU. 

P.  IL    Vol.  VL    P.  L  n.    New-Haven  78.  84.  85.  8. 


86 

Aa  125.    Transactions   of  the   Academy    of  Science    of  St.   Louis.     Vol.  IV. 

Nr.  3.     St.  Louia  84.  8. 
Aa  132.     Annales  d.  1.  Soci^tö  Linnöeuue  de  Lyon.    Annöe  1883.    Lyon  84.  8. 
Aa  133.     Annales    d.    1.    Soci^tö   d'Agriculture    etc.    de   Lyon.     V.  Ser.     T.  6. 

Lyon  84.  8. 
Aa  134.    Bulletin  d.   1.  Soc.  imperiale  d.  Natui'aüstes  d.  Moscou.    Annöe  1855. 

Nr.  1.    1862.   Nr.  2-4.    1882.   Nr.  1.    1883.    Nr.  4.    1884.   Nr.  1—3. 

1885.    Nr.  1.    Moscou  56/85.  8. 
Aa  137.     Mtoioires  d.  1.  Soeiöt^  nationale  des  Sc.  natur.  d.  Cherbourg.     T.  24. 

Pai-iö  84.  8. 
Aa  139.    Mömoires  d.  l'Acad.  des  Sc,  Belles-Lettrei/et  Ai-ts  de  Lyon.  Vol.  26. 27. 

Lyon  84.  85.  8. 
Aa  148.    Atti    d.    Societä   dei   Naturalisti    di   Modena.     Ser.  III.    Vol.  I.  II. 

Rendiconti  et  Memorie.    Ser.  III.    Vol.  II.  IIL    Modena  83/84.  8. 
Aa  150.    Atti  d.    Societä  Italiana   d.   sc.  naturali.    Vol.  XXVII.     Fase.  1—4. 

Milano  84/85.  8. 
Aa  154.    Civico  Museo  Ferdiuando  Massimiliano  in  Trieste.    Continuas.    Anno 

1869.    Trieste  74.  4. 
Aa  154  b.  Atti   del   Museo   Civico   di    Storia   Naturale    di    Trieste.     Vol.  VII. 

Trieste  84.  8. 
Aa  161.     üendiconti     d.    R.     Istituto  Lombardo    d.    sc.    e   lettere.    Ser.   U. 

Vol.  XVI.  XVn.    Milano  83/84.  8. 
Aa  163.    Bulletin  of  the  Essex  Institute.    Vol.  15  and  16.    Salem  83/84.  8. 
Aa  167.     Memorie    d.  R.  Istituto  Lombardo  di  sc.  e  lettere.    Vol.  XV — XVI. 

d.  Ser.  in.     Fase.  U.  HI.    Müano  84.  4. 
Aa  171.    Berichte  d.  naturw.-mediz.  Ver.  in  Innsbruck.    XIV.  Jhrg.     1883/84. 

Innsbruck  84.  8. 
Aa  173.    Jahresbericht,    13 — 15. ,    d.    naturw.  Ver.    zu    Magdeburg.     1882/84. 

Magdeburg  84.  8. 
Aa  174.    Schriften  d.  Ver.  f.  Qeschichte  u.  Naturgeschichte  d.  Baar  u.  angrenz. 

Landestheile  u.  Donaueschingen.    V.  Hfl.    Tübingen  85.  8. 
Aa  177.    Jahresbericht,    VI.,    d.    naturw.    Ver.    zu    Osnabrück    f.     1883,84. 

Osnabrück  85.  8. 
Aa  179.    Jahresbericht  d.  Ver.  f.  Naturkunde  in  Zwickau  1884.    Zwickau  85.  8. 
Aa  184.    Reports  annual  of  the  Trustees  of  the  Peabody  Academy  of  Science 

1874/84.    Salem  85.  8. 
Aa  187.    Mittheilungen   d.  deutschen  Ges.  f.  Natur-  u.  Völkerkunde  Ostasiens. 

32.  33.  Hft.    Yokohama  85.  4. 
Aa  189.     Schriften   d.   naturw.   Ver.    f.   Schleswig- Holstein.     Bd.  VI.     I.  Hft. 

Kiel  85.  8. 
Aa  193.    Atti  d.  Soc.  Veneto-Trentina  d.  Sc.  naturali  res.  in  Padova.    Vol.  IX. 

Fase.  1.    Padova  84.  8. 
Aa  193^*  Bullettino    della   Societä   Veneto-Treniino    d.   Sc.   natuialL     T.  IIL 

Nr.  3.    Padova  85.  8. 
Aa  198.    Jahrbuch  d.  ungar«  Karpathen-Ver.    XI.  Jhi*g.   Hft.  3.  4.   XII.  Jhrg. 

Iglö  84/85.  8. 
Aa  199.    Commentari  delVAteneo  di  Brescia  p.  l'anno  1884/85.   Brescia  84/85.  8. 


87 

Aa  202.     Berichte   über  d.  Verh.  d.  K.  S.  Ges.  d.  WisBenBchaften  zu  Leipzig. 

Math.-phy6.  Kl.  I.  IL  84.    I.  IL  85.     Sitzungsberichte    11.  Jhrg. 

1884.    Leipzig  85.  8. 
Aa  204.     Abhandlungen   a.    d.    Gebiete    d.    Naturwissenschaften,    lierausgeg.    v. 

naturw.  Ver.  m  Hamburg.    VII L  Bd.    Hft.  1—3.     Hamburg  84.  4. 
„      „       Verhandlungen  d.  Ver.  f.  naturw.  Unterhaltungen  zu  Hamburg.  1878/82. 

Hamburg  83.  8. 
Aa  205.     Berichte  über  die  Verhandlungen  d.  uaturf.  Ges.  zu   Freiburg  i.  Br. 

Vm.  Bd.    3.  Hft.     Freiburg  85.  8. 
Aa  208.    Boletin    d.   1.  Aeademia  Nacional    de  Giencias   en  Cördoba.     T.  VI. 

Entr.  40.     T.  VIL     Entr.   1—4.     T.   VJIL     Entr.   1.     Buenos- 

Aires  84/85.  8. 
Aa  208^-  Actos  d.  1.  Aeademia  Nacional  de  Ciencias  en  Cördoba.    T.  V.   Entr.  2. 

Buenos-Aires  84.  4. 
Aa  209.    Atti  d.  Soc.  Toscana  d.  Scienze   uatur.  Memorie.     Vol.  IV.    Fase.  3. 

Proc.  verbali.    Dec.  84.     Febr.,  März,  Juni,  Juli  85.    Pisa  85.  8. 
„      „       X™<>  Annivers.  d.  Soc.  d.  Scienze  natur.     14.  Dec.  1884.    Pisa  85.  8. 
Aa  210.    Jahreshefbe  d.  naturw.  Ver.  f.  d.  Fürstenthum  Lüneburg.   IX.    1883/84. 

Lüneburg  84.  8. 
Aa  211.    Netto,  L.  Dr.,   Oonfäi*ence  faite  au  Museum  national  le  4.  Nov.  1884. 

Rio  de  Janeiro  85.  8. 
Aa  213.    Jahresbericht,  XIV.,  d.  Ver.  f.  Naturkunde  in  Oesterr.  ob  d.  E.  zu 

Linz.    Linz  84.  8. 
Aa  216.    Jahrbuch  d.  süduugar.-uaturw.  Ges.  in  Temeswar.    VIU.  Bd.   Hft.  2 — 4. 

IX.  Bd.   Hft.  1.  2.    Temeswar  84/85.  8. 
Aa  217.    Archives  du  Musöe  Teyler.     Ser.  U.    Vol.  11.    P.  2.    Harlem  85.  8. 
Aa  221.     Bulletin   d.  1.  Soc.  dAgriculture,  Sc.  et  Arts  d.   1.  Sarthe.    I.  Ser. 

29.  T.   n.  Ser.   21.  T.    fasc.  5.   22.  T.   fasc.  1.   Le  Maus  84/85.  8. 
Aa  222.    Proceedings    of  the    Canadian    Institute.    III.   Ser.    Vol.  11.    Nr.  3. 

Vol.  in.   Nr.  1.  2.     Toronto  84/85.  8. 
Aa  224.    Travaux   d.  1.  Soc.   d.  Naturalistes  k  rUniversit«  d.  Charkow.     T.  18. 

Charkow  84.  8. 
Aa  225.    Die    Vergangenheit    u.    Gegenwart    d.    K.    ungar.    naturw.    Ges.    in 

Budapest.     Budapest  85.  8. 
Aa  226.    Atti  d.  R.  Accad.  dei  Lincei.  Rendiconti.   Ser.  IV.    Vol.  I.    Fasc.  1—25. 

Memorie  di  Classe  di  Scienze  Fisiche,  Matematiche  etc.     Ser.  III. 

VoL14— 17.  Transunti.  Vol.  VIU.  fasc.  16  ed  ultimo.  Roma  84/85.  4. 
Aa  230.    Anales  d.  1.  Soc.  Cientifica  Argentina.     T,   18.    Entr.  5.  6.    T.   19. 

Entr.  1—6.    Buenos-Aires  84/85.  8. 
Aa  231.    Jahresbericht,  XU«^  d.  Westfal.  Prov.-Ver.  f.  Wissenschaft  u.  Kunst 

pro  1873/76  und  1883/84.    Münster  83/85.  8. 
Aa  232.    Jahresbericht,  XI.,    d.  Gewerbeschule    zu  Bistritz    in   Siebenbürgen. 

Bistritz  85.  8. 
Aa  236.    Mittheilungen  d.  wissensch.  Ver.  f.  Schneeberg  u.  Umgegend.    2.  Hft. 

Schneeberg  85.  8. 
Aa  239.    Proceedings  of  the  Royal  Society.  Vol.  37.  Nr.  233—238.  London  85.  8. 
Aa  243.    Tromse  Museums  Aarshefter  VU.    Tromse  84.  8. 


88 

Troms©  Museums  Aarsberetniug  for  1883.     Tromse  84.  8. 
Proceedings    of   tlie    Nat.    Hist.    Soc.    of  Glasgow.      Vol.   V.     P.  3. 

N.  S.  Vol.  1.  P.  1.    Glasgow  84.  8. 
Bulletin  d.  1.  Soc.   des  »ciences  naturelles  de  Neuchätel.     Tome  XIV. 

Neuchfttel  84.  8. 
Bulletin  d.  1.  Soc.  Vaudoise  d.  sc.  natur.    2.  Ser.    Vol.  XXL   Nr.  91. 92. 

Lausanne  85.  8. 
Tijdschrift,    Natuurkundig   voor   Nederlandsch -Indie.    D.  54.     8,  Ser. 

D.  V.    Batavia  85.  8. 
Den    Norske    Nordhavs  -  Expedition    1876/78.      XII.    XUI.    Zoologi. 

Permatulida,    Spongiadae.    Crustacea  !*•  1^-     Christiania  84/85.  4. 
M^moires  d.  1.  Hoc.  des  Sciences  phys.  et  natur.  d.  Bordeaux.    Tome  I. 

Paris  84.  8. 
Mittheilungen    d.    naturf.    Ges.    in    Bern    a.    d.    J.   1884.     2.  3.   Hft. 

1885.    1.  Hft.    Bern  84/85.  8. 
Verhandlungen   d.   Schweiz,    naturf.   Ges.   in  Luzem.  •  Jhrsber.  83/84. 

Luzem  84.  8. 
Schriften  d.  neurussischen  Ges.  d.  Naturfreunde.   T.  IX.  X.    Odessa  85. 

(In  russischer  Sprache.) 
Archives   Näerlandaises   d.    Sc.    exact.    et   natur.     T.  19.    Livr.  4.  5. 

T.  20.   Livr.  1—3.     Haarlem  84/85.  8. 
Jahrbücher  d.  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wiaseuschatleu  zu  Erfurt. 

N.  F.    Hft.  XVL    Erfurt  85.  8. 
Science.  Publish.  weekly  at  Cambridge.  Mass.  Vol.  V.  Nr.  96 — 100.    VI. 

Nr.  101—149.  Cambridge  85.  8. 
Ges.  d.  Museimis  d.  Kgr.  Böhmen.     Bericht  über  die  Generalvers.  u. 

Mitgliederverzeichniss.    Prag  85.  8. 
Natura.    Maandschrift  v.  Naturw.  utgegw.  Genootschap  Gent.  2.  Jhrg. 

Lief.  9—12.    3.  Jhrg.   Lief.  8.  9.     Gent  85.  8. 
Jahrbuch   d.    Hamburgischen    wissensch.   Anstalten.     I.  Jhrg.    Ham- 
burg 85.  8. 
Naturhistor.  Museum  zu  Hamburg.    Bericht  f.  1884.    Hamburg  85.  8. 
Jahresheft   d.    naturw.    Ver.    d.    Trencsiner    Komitates.     3. — 7.  Jhrg. 

Trencsin  80/85.  8.    (In  ungar.  Sprache.)  • 
Senoner;  A.    Cenni  Bibliografici.    (Natur.    Siciliano  85.  8.) 
Molina,  J.     Versuch  einer  Naturgeschichte  v.  Chili.    Leipzig  1786.  8. 
Correspondenzblatt    d.     naturw.     Ver.     in    Begensburg.      38.     Jlirg. 

Begensburg  84.  8. 
Ba     14.    Bulletin   of  the  Museum  of  Comparat.  Zoology  at  Harvard  College. 

Vol.  VII.    Nr.  2—11.    Vol.  XL    Nr.  11.    Voh  XH.    Nr.  1.  2. 

Cambridge  84/85.  8. 
Ba     14.    Beport;  Annual  of  the  Curator  of  the  Mus.  of  Comparat.     Zoology 

f.  1883—1885.    Cambridge  84/85.  8. 
Ba    20.    Meddelanden     af    Soc.    pr.    Fauna     et    Flora    Fennica.       11.    Hft. 

Helsingfors  85.  8. 
Ba    22.    Beport,   13. ,  of  the  Board  of  Dir.  of  the  Zoological  Society  of  Phila- 
delphia.    Philadelphia  85.  8. 


Ab  243. 
Aa  244. 

Aa  247. 

Aa  248. 

Aa  25U. 

Aa  251. 

Aa  253. 

Aa  254. 

Aa  255. 

Aa  256. 

Aa  257. 

Aa263. 

Aa  268. 

Aa  272. 

Ab  275, 

Aa  276. 

Aa  277. 

Ab  78. 

Ab  80. 

Ba   2. 

89 

Ba     24.     Bulletin  de  1.  Boc.  zoologique  d.  France  p.  lann^e  1884.    P.  1.  2.  5.  6. 

p.  rannöe  1885.     P.  1—3.     Paris  84/85.  8. 
Bb     58.     Bettoni,  E.  Dr..  Prodromi  die  Faunistica  Breeciana.     Brescia  84.  8. 
Bd        1.     Mittheilun^en    d.    anthropolog.    Ge».    in    Wien.      XII.    Bd.      Hft.   2. 

XIV.  Bd.     Hft.  4.     XV.  Bd.     Hft.  1.     Wien  82/85.  8. 
Bf      41.     Temple,     B.,     Die     Familie     d.     rabenartigeii     Vögel.       Sep.   Abdr. 

Brunn  84.  8. 
Bf      57.     Zeitschrift  d.  oniithologischeu  Ver.   IV.Jhrg.  Hft.  3— 12.  Stettin  85.  8. 
Bi         1.     Annales  d.  1.  Soc.  royale  Malacolog.  d.  Belgique.     T.  XVIII.  XIX. 

Pasc.  1.     Bi-uxelles  84/85.  8. 
Bi        4.     Proc.    Verb.     d.     1.     8oc.     royale    Malacolog.     d.    Belgique.     5   aoAt 

1884  —  5.  Juli  1885.     BruxeUes  85.  8. 
Bi      83.     Beecher,  E.,  Fresh -Water  Shells,   some  abnormal  a.  patholog.  forms. 

Albany  84.  8. 
Bk      9.  .  Deutsche  eutomologische  Zeitschrift.     29.  Jhrg.    1.  Hft.    Berlin  85.  8. 
Bk     12.    Entomologisk  Tidskrift.    Arg.  5.     Hft.  3.  4.    Stockholm  84.  8. 
Bk     13.     Annales  d.  1.  Soc.  Entomologique  de  Belgique.   28.  Bd.  29.  Bd.  1.  Theil. 

Bruxelles  84/85.  8. 
Bk  193.     Bullettino  d.  Soc.  Entomologica  Italiana.    Anno  16.    Tr.  3. 4.   Anno  17. 

Tr.  1—4.     Pirenze  84/85.  8. 
Bk  222.     Mittheilungen    d.    Schweizer,    entomol.    (Tes.      Vol.   VU.     Nr.   2—4. 

Schaff  hausen  85.  8. 
BI      38.     Czemiavskio^    V.     C-rustacea    Decapoda    Pontica    Littoralia.     Char- 

kow  84.  8. 
Bm    51.     Lovön^    J.    v.,     Ou    Pourtalesia    a    Genus    of   Echinoidea.     Stock- 

hobn  83.  4. 
Ca      6.     Verhandlungen    d.    Bot.    Ver.    d.    Prov.    Brandenburg.     25.  26.  Jhrg. 

Berlin  84/85.  8. 
Ca    10.    Acta    Horti    Petropolitani.     T.   VUI.      Fase.  3.      T.  IX.     Fase,  1. 

Petersburg  84.  8. 
Ca     11.     Recueil  d.  M^moires   et  d.  Travaux  publ.  p.  1.  Soc.  Bot.  de  Luxem- 

bourg.    Nr.  9.  10.    Luxembourg  85.  8. 
Ca     16.     Bulletin    d.   1.  Soc.  royale  d.  Botanique  d.  Belgique.     T.  23.    T.  24. 

Pasc.  1.    Bruxelles  84/85.  8. 
Ca    17»'  Abhandlungen  d.  Thür.  Bot.  Ver.  „Irmischia".   lU.  Hft.   pag.  17—44. 

Sondershausen  84.  8. 
Ca    17  »*   Irmischia.    Thür.  Bot.  Zeitschrift.    IV.  Jhrg.    Hft.  10—12.    V.  Jhrg. 

Hft.  1—9.    Sondershausen  84/85.  8. 
Ca     18.    Reyue   d.   Botanique.     Bull.    mens.   d.    1.    Soc.    fran^;.   de   Botanique. 

T.  3.    Nr.  33—40.    Auch  85.  8. 
Cb    35.     Temple,  R.,  Aus  der  Pflanzenwelt.    Aphorismen.    Keichenberg  84.  8. 
Cb    38.    Mylius,    C,     Das    Anlegen    v.     Herbarien    d.     deutsch.    Gefässpfl. 

Stuttgart  84.  8. 
Cc     51.    Wiesner  y   Jul.,   lieber   das   Gummiferment.     (Sep.  Abdr.  a.  d.  B.   d. 

K.  K.  Ak.  d.  Wissenschaften.)     Wien  85.  8. 
Cd    90.    Sporleder,   F   W.,    Verzeichniss    d.  i.  d.  Grafschaft  Wernigerode   u. 


90 

Umgebung   wildwachsenden  Phanerogamen   u.  Gefässki-yptogamen 

Wernigerode  82.  8. 
Lanzi;  La  Forma  dell'  Eudocrouia  uelle  Diatomee.    Borna  85.  4. 
Abhandlungen  d.K.K.geol.ßeichsanstalt.  XL  Bd.  LAbth.  Wien  86.  4. 
Bollettino  d.  B.  Oonütato  Geologie©  dltalia.    18Ö4.   Nr.  IL  12.   1885. 

Nr.  1—6.     Boma  84/85.  8. 
Jahrbuch    d.    K.    K.    geol.    Beichsaustalt.    Bd.  34.    Uli.  4.    Bd.  35. 

Hft.  1—3.    Wien  85.  8. 
Memoire  of  the  Geological  Survey  of  India.     Vol.  XXL     Part.  1.  2. 

Calcutta  84.  8. 
Meraoirg   of  the  Geological  Survey  of  Lidia.     Palaeontologia  Indica. 

Ser.  IV.    Vol.  I.   Ser.  X.    Vol.  111.    P.  2—4.    Ser.  XIIL    Fase.  3.  4. 

Ser.  XIV.    Vol.  I.    P.  3.    Calcutta  84/85.  4. 
Palaeontographical  Society.     Vol.  XXXVILl.    London  78/84.  4. 
Becord  of  the  Geolog.  Survey  of  India.    Vol.  XVU.    P.  4.    Vol.  XVIH. 

P.  1—3.     Calcutta  84/85.  8. 
Transactions  of  the  Geological  Society   of  Glasgow.    Vol.  VII.     P.  2. 

Glasgow  85.  8. 
Verhandlungen  d.  K.  K.  geolog.  Beichsanstalt    Vol.  IV.    Nr.  13—18. 

Vol.  V.     Nr.  1—7.    Wien  84/85.  8. 
Zeitschrift  d.  deutsch,  geol.  Gesellschaft.    Bd.  36.     Hft.  3.  4.    Bd.  37. 

Hft.  1.  2.     Berlin  85.   8. 
Beport   of  the   Mining    Begistrars.     The    Gold    Fields    of   Victoria. 

Sept.  u.  Dec.  1884.    März  1885.    Melbourne  84/85.  4. 
Annual  Beport  of  the  Activy  Secret.  f.  Mines  etc.    Melbourne  85.  4. 
Mineral  Statistics  of  Victoria  f.  the  year  1884.    Melbourne  85.  4. 
Annales  d.  1.  Soc.  g^ologique  de  Belgique.    T.  X.  XL   Li^ge  82/84.  8. 
Nachrichten   d.    geol.    Komites    in   Petersburg.     T.  HL     Nr.   8 — 10. 

T.  IV.    Nr.  1—7.     Petersbuig  84/85.  8.    (In  russischer  Sprache.) 
Da    24.    M^moires   d.    Comit^   göologique   de   Petersbourg.      Vol.    I.     Nr.    4. 

Vol.  IL    Nr.  1.  2.    Vol.  in.    Nr.  1.    Petersbourg  85.  4. 
„       „      Carte  g^ologique  gön^rale  d.  1.  Bussie  d'Europe,  publ.  p.  le  Comit^. 

Petersbourg  85. 
„       „      Geologische   Karte   d.    Ostabhangs   d.    Urals    v.    Karpinsky;    do.    des 

Bezirks  von  Kamensk.    Petersburg  84. 
Grothy   P.;  Die  Minerallagerstätten  des  Dauphinä.    (Sep.  Abdr.  a.  d. 

Sitzungsberichten  d.  K.  bayer.  Akademie  d.  Wissensch.  v.  7.  Nov.  1883. 
Dathe,  £.,  lieber  die  Stellung  d.  zweiglimmerigen  Gneise  im  Eulen-, 

Erlitz  -  Mensegebirge  in  Schlesien  etc.     Berlin  84.  8. 
Traube,  H.,  Ueber  den  Nephrit  v.  Jordansmühl  in  Schlesien.  Sep.Abdr.  84. 8. 
Williams,  A.,  Mineral  Besources  of  the  TJn.  St.     Washington  83.  8. 
Jannetaz,  Ed.,  Les  Boches.    Descript.  et  Analyse  au  microscope  de 

leurs  ölöments  min^ralog.  et  de  leur  structure  etc.    Paris  84.  8. 
Brezina,   Dr.  A.,   Die   Meteoritensammlung  d.   K.  K.   mineral.  Hof- 

kabinets  in  Wien.    Wien  85.  8. 
Credner,  H.,  Die  obere  Zechsteinformation  im  Kgr.  Sachsen.     Sep. 

Abdr.    Leipzig  85.  8. 


Cf 

24. 

Da 
Da 

1. 

3. 

Da 

4. 

Da 

8. 

Da 

9. 

Da 

10. 

Da 

11. 

Da 

15. 

Da 

16. 

Da 

17. 

Da 

21. 

» 

J1 

Da 
Da 

22. 
23. 

Db 

72. 

Db 

76. 

Db 

80. 

Db 

81. 

Db 

82. 

Db 

83. 

De 

22. 

91 

De  120.     United   States    Geological    Survey.      Monographs.      Vol.  lU— VIII. 

Washington  82/84.  4. 
De  120^-   Bulletin  of  tlie  United  Htates  Geological  Sai-vey  and  ete.     Nr.  2—6. 

Washington  83/84.  8. 
De  146.    Credner,  H.^    Die    geolog.  Landesuntersuchung   d«    Königi*.   Saehsen. 

Leipzig  85.  8. 
De  152.    Qeinitz  -  Rostock ,    VII.  Beitrag    zur    Geologie   Mecklenburgs,    (j^üst- 

ix>w  85.  8. 
De  152.        „  „  Uebersicht      über      die     Geologie    JVIecklenburgs. 

Güstrow  85.  4. 
De  166.     Bx>manow8ki,  ih,  Materialien  zur  Geologie  y.  Turkestan.    Lief.  I.  II. 

Petersb.  80/84.  4. 
De  167.     Foith,  K.,  Das  geol.   Ungeheuer  od.  d.  Ableitung   d.  Miuerabuassen 

auf  organ.  Grundlage.    Klausenburg  85.  H. 
Dd     19.    Fritsehy  Dr.  A.,  Fauna  d.  Gaskohle  u.  d.  Kalksteine  d.  Pennformation 

Böhmens.    Bd.  IL  Hft.  1.     Prag  85.  4. 
Dd    84.     Stni-,  Dr.,  Die  obertriadische  Flora  d.  Lunzer  Schichten  u.  d.  bitumi- 
nösen Schiefers  v.  Baibl..  Sep.-Abdr.    Wien  85.  8. 
Dd    84.        „        „    Vorlage  d.  Farne  d.  Carbon.  Flora  d.  Sehatzlarer  Schichten. 

Sep.-Abdr.    Wien  85.  8. 
Dd    84.        „        „    Die  Carbon-Flora  d.  Sehatzlarer  Schichten.    Abth.  L    Die 

Farne.    Wien  85.  4. 
Dd    93.   'Sterzel,  T.,  Zur  Culmflora  v.  Chemnitz-Hainichen.   Entgegnung.  Sep.- 
Abdr.    Cassel  85.  8. 
Dd    94.    Engelhardt,  H.,  Die  Tertiärflora  des  Jesuitengrabens  b.  Kundraditz  in 

Nordböhmen.    Halle  85.  4. 
Dd  110.    Noväk,  O.,  Remarques  sur  le  genre  Aristozoe  Bar.    Prag  85.  4. 
Dd  111.    Omboni,   Giov.,   Penne  Fossili  d.   Monte  Bolca.     c.  2  Tavol.     Ve- 

nezia  85.  8. 
Dd  119.    Meunier,  St,  Trait^  de  Paläontologie  pratique.    Gisement  et  descrip- 

tion  des  anim.  et  des  v^^t.  fossiles  d.  L  France  etc.     Paris  85.  8. 
Dd  120.     Gaudry,      M.    A.,     Nouvelle     note      sur     les      reptiles      permiens. 

Aureau  85.  8. 
Dd  121.    Bruder,   G.,   Die  Fauna  der  Jura  -  AbUtgening  von  Hohnstein  i.  S. 

Wien  85.  4. 
£a     28.    Schnbring,  G.,  Der  christL  Kalender  alten  n.  neuen  Stib  in  tabellar. 

Form  dargestellt    Erfurt  84.  8. 
£a    ^8.  „  „     Kalendarisches.    (Sep.-Abdr.  a.  d.  Zeitsehr.  f.  Naturw. 

Bd.  58.)    Halle  85.  8. 
£a     36.    Publications   of  the   Cineinnati   Observatory.      Observat  of  Comets. 

Cincinnati  85.  8. 
£b    35.    Jahresbericht   des  physik.   Vereins  zu   Frankfurt    a.   M.    f.   1883/84. 

Frkfb.  a.  M.  85.  8. 
Ec       2.    Bolletino  meteorologico   etc.     Vol.  IV.  Nr.  4—12.    VoL  V.  Nr.  1—7. 

Moncalieri  85.  4. 
Ec       3.    Journal  of  the   Scottish   Meteorological   Society.     III.   8er.    Nr.   2. 

London  85.  8. 


92 

Ec       7.     Aonalen  d.  physik.  Central  -  Observatoriums.     Jahrg.  1883.     Th.  1—2. 

Peterab.  84.  4. 
Ec     55.     Bericht   d.    meteorol.  Gommission    d.    naturf.  Vereins    in  Brunn  1882. 

Brunn  84.  8. 
Ec     57.     Jahrb.  d.  K.  8.  meteorol.  Instituts.     11.  Jhrg.  1884.     Leipzig  85.  4. 
Ec     59.     König,  Gl.,  Moor  u.  Torf.     Ein  Beitrag  z.  Untersuchung  üb,  d.  wech- 

•  selnden  kontinentalen  u.  insularen  Klimate.     Sep.-Abdr.  84.  8. 
Ec     62.     Schmidt,  Dr.  R.,    lieber  ostthüringische  Öewitterkurven.     Sep.-Abdr. 

Jena  85.  8. 
Ec     63.     Osservazioni       meteorolog.,       fatte       al      Observ.       d.      Lampidoglio. 

Roma   85.    4. 
Ec     64.     Seeland,  F.,  Diagranune  d.  magnetischen  u.  meteorol.  Beobaqhtungen. 

Klagenfurt  84/85.  4. 
Ec     65.     Volger,   N.  O.,    Ueber  die  Dämmerungserscheinungeu  seit  d.  J.  1883. 

(Sep.-Abdr.)    85.  4. 
Ea       2.     Bollettino    d.    Soc.    Geografica   Italiana.      Ser.  I.    Vol.  VIII.    fasc.  9. 

VoL  IX.  fasc.  3.  4.    Vol.  X.  fasc.  3.  Ser.  II.    Vol.  VII.  fasc.  1—12. 

Vol.  Vm.    fasc.   1—12.    Vol.  IX.    fasc.   1.   11.  12.    Vol.  X.   fasc. 

1—10.    Roma  72/85.  8. 
Fa       7.     Mittheilungen  d.  K.  K.  geograph.  öesellsch.  in  Wien.     XXVII.  Bd. 

Wien  84  8. 
Fa       8.     Notizblatt  d.  Ver.  f.  Erdkunde  zu  Darmstadt.  IV.  F.   5.  Hft.    Darm- 

Stadt  84.  8. 
Fa       9.    Bericht,  43.,  über  d.  Museum  Franc.  Carolinum  nebst  Lief.  37.  Linz  85.  8. 
Fa     18.     Jahresbericht,  V.,  VI.,  d.    geograph.  Oesellsch.    zu  Hannover  1883/85. 

Hannover  85.  8. 
Fa     20.    Jahresber.    IL    d.    geogr.   Ges.    zu   Greifswald.     I.  Theil.     Mönfahrt. 

Greifswald  83/84.  8. 
Fa     22.    Revista  d.  1.  Sociedad  Geografica  Argentina,    T.  III.     Cuad.  25—32. 

Buenos-Aires  85.  8. 
Fa     24.     Revista  Trimensal  d.  Instituto  Historico,  Geogr.  etc.  do.  Brazil.   T.  47. 

P.  1.  2.     T.  20.  livr.  1.  2.     Rio  de  Janeiro  84.  8. 
G        2.    Foreningen  til  Norske  Fortidsmindesmerkers  Bevaring  f.  1883.    Kris- 
tiania 84.  4. 
G        5.    Mittheillungen  vom  Freib.  Altei-thumsverein.     21.  Heft.     Freib.  85.  8. 
G      54.    Bullettino  di  Paletnologia  ItaUana.  Ser.  IL    T.  L    AnnoX.  Nr.  7— 12. 

Anno  XL    Nr.  1—10.    Roma  85.  8. 
G       55,     Verhandlungen    d.  Berl.  Ges.   f.  Anthropologie,  Ethnol.  etc.     Mai  bis 

Juü,  Okt.,  Nov.,  Dec.  1884.   Januar  bis  Mai  1885.    Berlin  84/85.  8. 
G       70.     Viert^ljahrshefte,  Württemb.,  für  Laudesgeschichte.    Jhrg.  VII.    Hft. 

1—4.     Stuttg.  84.  4. 
G       71.     Pamatky,     Archaeologicke    a    Mistopisnö.     Dilu   XII.      Ses.    9 — 12. 

V.  Praze  84.  4. 
G       75.     Archiv,  neues,    f.  Sachs.  Gesch.   u.  Alterthumskunde.     5.  Bd.     4.  Hft. 

6.  Bd.     1.— 4.  Hft.    Dresden  85.  8. 
G      81.    Nicolaysen,  N,,   Kunst  og  Haandverk  fra  Norges  Fortid.     IV.  Hft. 

Elristiania  84.  4. 


93 

G      89.    Meyer,  A.  B.,  Ein  weiterer  Beitrag  zur  ,, Nephritfrage ".     Sep.- Abdr. 

Wien  85.  4. 
G      90.    L'homme,    Journal     illustrd     d.     Sc.    Anthropol.     1884.     Nr.  17.  18. 

21—24.     1885.    Nr.  1—16.     Paris  84/85.  8. 
G      98.     Boucher  d.  Perthes,  M.,  Antiquit^s  Celtiques  etc.     Paris  64.  8. 
G       99.     Theile,  Dr.,  Die  Gräberstätte  b.  Stetzsch  b.  Dresden.    i.Geb.-Vereiu.- 

Zeitung  Nr.  82.  83.    Dresden  85.  4.) 
G      99.        „  „      Die  Eiszeit,   mit   bes.  Bez.  auf  d.  Gegend  v.   Dresden. 

Dresden  85.  4. 
G      99.        „  „      Die  Oltersteine  u.  a.  erratische  Blöcke  d.  Dresdner  Haide. 

(Geb.-Ver.-Zeit.  Nr.  90.  91.    Dresden  85.  4.) 
G     100.    Gaudry,  M.  A.,  Sur  les  Hytoes  d«  1.  Grotte  d.  Qargas  etc.    Paris  84.  4. 
G     101.    Putnam,  Ch.,  Elephant  Pipes  in  the  Mus.  of  the  Davenport-Academy. 

Davenport  85.  8. 
Ha      9.     Mittheilungen  d.  ökon.  Ges.  im  Königr.  Sachsen.  1884/85.  Dresden  85.  8. 
Ha     20.     Die  landwirthschaftl.  Versuchsstationen.     Bd.  31.     Hft.  4—6.    Bd.  32. 

Hft  1—4.    Berlin  85.  8. 
Ha    26.     Bericht    (28.)    über    das    Veterinarwesen    im   Kgr.    Sachsen    f.    1884. 

Dresden  85.  8.  l 

Ha    27.    Gehe  &  Comp.,  Handelsbericht  April  u.  Sept.  1885.    Dresden  85.  8. 
Ha    35.    Petermann,  Dr.  A.,  Exp^r.  p.  combattre  La  Maladie  d.  1.  Pomme  de 

Terre  d'aprfes  la  Methode  Jensen.     Gembloux  85.  8. 
Ha    36.     Archivio    d..  Scuola    d'Anatomia    Patalogica.     Dir.    Prof.    Pellizzei*i. 

Vol.  I.    Firenze  81.  8. 
Hb     75.     Bulletin  d.  1.  Stat.  Agricole  Exper.  de  l'titat  de  Gembloux.    Xr.  32.  34. 

Gembloux  85.  8. 
Hb  106.     Bovighi,  A.  e  Santini.   G.,  Sülle  Convulsioni  Epileptiche  p.  Velani. 

Firenze  82.  8. 
Jb     60.     König,    Cl.,     lieber   Grisebach's    Denken    u.   Schaffen.     Sepr.-Abdr. 

Dresden  84.  8. 
Je     63.     Ergänzung  zum  Progr.  d.  K.  S.  Polytechnikums.     Dresden.     Sommer« 

Semester  85.  4.  • 
Je     69.     Verzeichniss     d.     neuen   Werke     d.    K.    ö£fentl.    Bibl     zu    Dresden. 

Dresden  84.  8. 
Je     80.     Verslag,    84.,    van    het    Natuurkundig    Genotschap    te    Groningen. 

Groningen  85.  8. 
Je     94.     Catalogo     d.    Manuscriptos     d.    Inst.     Geogr.,     Historico     Brasileiro. 

Rio  d.  Jan.  84.  8. 
Je     95.    Catalogus   d.  Bibliotheek    v.    d.  K.  Natuurk.  Ver.    in  Nieder!. -Indie. 

Batavia  84.  8. 
Jd    28.     Blaschka,  Katalog  d.  Modelle  wirbelloser  Thiere.     Stolpen  85.  8. 


94 


Für  die  Bibliothek  der  Gesellsohaft  Isis  wurden  im  Jahre 
1885  folgende  Bücher  und  Zeitschriften  angekauft: 

Aa    98.    Zeitschrift   für.  die   gesammten  Naturwissensckaften.    B<L  57.    (4.  F. 

3.  Bd.)   Hft.  5.  6.   Bd.  58.   (4.  F.   4.  Bd.)   Hft.  1-4.   Berlin  85.  8. 
Aa  102/    The   Annais   and   Magazine    of  Nat.   Hist.     Vol.  XV.     Nr.  85—96. 

London  85.  8. 
Aa  107.    Nature.    Vol.  29.    Nr.  791.    Vol.   30.    Nr.  792—841.    London  85.  8. 
Ba    10.     Zeitschrift    f.    wissensch.     Zoologie.     Bd.    41.     Nr.    2—4.     Bd.    42. 

Nr.  1—4.     Leipzig  S^.  8. 
Ba    21.     Zoologischer  Anzeiger.  1884.  Nr.  184.  1885.  Nr.  185— 211.  Leipzig  85.  8. 
Ba    23.     Zoologischer  Jahresbericht  f.   1883  u.   1884.     Herausgeg.  v.  d.  Zool. 

Station  zu  Neapel.    I.  IL  III.  IV.  Abth.    (Arthropoda,  Mollusca. 

Brachiopoda.)    Berlin  85.  8. 
Bb    54.    Bronn ,  '  Dr. ,    Die   Klassen    u.    Ordnungen     d.    Thierreichs.     I.  Bd- 

Lief.  28-31.     VI.  Bd.   I.  Abth.   Lief.  4.    IH.  Abth.  Lief.  43—45. 

IV.  Abth.    Lief.  10—12.     V.  Abth.   Lief.  28.    Leipzig  u.  Heidel- 
berg 85.  8. 
Ca       2.     Hedwigia,    Notizenblatt   f.   kryptogamische   Studien.     Bd.  23.    Nr.  12, 

Bd.  24.   Nr.  1—5.    Leipzig  85.  8. 
Ca      3.    Jahrbücher  f.  Wissenschaft!.  Botanik.    Bd.  15.  Hft.  4.    Bd.  16.  Hft.  1—3. 

Berün  85.  8. 
Ca      8.    Zeitschrift,  österr.-botanische.    Jahrg.  25.    Nr.  1—12.    Wien  85.  8. 
Ca      9.     Zeitung,  botanische.    Jahrg.  43.    Nr.  1—52.    Berlin  85.  8. 
Cc    62.     Leitgeb,    Dr.   H.,     Reizbarkeit    u.     Empfindung    im    Pflanzenreiche. 

Graz  84.  8. 
De      8.    Buch,  L.  V.,  Gesammelte  Schriften.    IV.  Bd.    I.  IL  Hlfte.  Berlin  85.  8. 
Ee      2.     Quarterly  Journal   of  Microscop.  Science.    Vol.  24.     Nr.  96 — 101  and 

Supplem.    London  85.  8. 
Fa      5,    Jahrbuch    d.    Schweizer    Alpen -Club.     XX.   Jahrg.    nebst   Beilagen. 

Bern  85.  8. 
G        1.    Anzeiger  f.  schweizerische  Alterthumskunde.  1885.  Nr.  1 — 4.  Bern  85.  8. 
G      91.    Antiqua,  Zeitschrift  f.  Alterthumskunde.    Nr.  1—12.    Leipzig  85.  8. 
Ha      1.    Archiv  f.  Pharmacie.     Jhrg.  1885.    Hft.  1—22.    Halle  85.  8. 

Osmar  ThOme, 

z.  Z.  I.  Bibliothekar  d«  Ges.  Isis. 


95 


Zur  Erinnerung  an 
Frau  Elwine  Yon  Burchardi,  geb.  Hartel, 

von 
Dr.  H.  B.  Geiniti*). 

Elwine  Härtel  ist  am  30.  August  1805  als  älteste  Tochter  des 
Verlagsbuchhändlers  Gottfried  Christoph  Härtel  in  Leipzig  geboren.  Ihre 
Mutter  Amalie,  geb.  Klötzer,  ward  ihr  schon  im  sechsten  Jahre  entrissen, 
doch  wurde  ihr  im  väterlichen  Hause,  zeitweilig  auch  in  dem  des  Professor 
Nasse  in  Halle  eine  anregende,  für  ihre  Lebensauffassung  entscheidende 
Erziehung  zu  Theil.  Im  Jahre  1821  erwarb  der  Vater  das  fiittergut  Cotta 
bei  Pirna,  wo  er  am  27.  Juli  1827  verschieden  ist.  Im  Jahre  vorher  w^ar 
Elwine  Härtel  ihrem  älteren  Vetter  Christoph  Wilhelm  Härtel  aus 
Annaberg  in  der  Kirche  von  Cotta  angetrauet  worden,  welches  Ehebtindniss 
im  Herbste  1831  wieder  gelöst  worden  ist. 

Eine  im  Jahre  1830  mit  ihren  Geschwistern  unternommene  längere 
Reise  nach  Italien  brachte  die  vom  Vater  gelegten  Keime  edler  Kunstpflege 
und  gemüth voller  Lebensbetrachtung  zu  schöner  Entfaltung.  1832  über- 
nahm sie  das  bis  dahin  mit  ihren  vier  Geschwistern  Härtel  gemeinsam  be- 
sessene Rittergut  Cotta,  wohin  sie  am  22.  Februar  1833  unmittelbar  nach 
der  zu  Jena  erfolgten  Trauung  mit  Friedrich  Freiherrn  von  Leyser, 
Preuss.  Oberlieutenant  a.  D.,  zurückkehrte. 

Dieser  Ehe  entsprangen  zwei  liebliche  Töchter,  Clara  Veronica,  geboren 
1835,  welche  ihr  am  I.Februar  1869  durch  den  Tod  entrissen  worden  ist, 
und  Rosa  Isidora,  geb.  1836,  welche  sich  mit  dem  damaligen  Ober-Lieutenant 
der  Artillerie  Bruno  von  Carlowitz,  jetzt  auf  Schloss  Ringenkuhl, 
Prov.  Hessen,  verheirathet  hat. 

Nachdem  Herr  Freiherr  von  Leyser  das  Gut  Helmsdorf  in  der  Lausitz 
erkauft  und  sich  von  der  Gattin  getrennt  hatte,  verblieb  dieser  allein  die 

'^)  Wir  verdanken  die  historischen  Unterlagen  zu  diesem  Lebensbilde  dem 
hochgeschätzten  Neffen  der  Verewigten,  Herrn  Dr.  O.  von  Hase  in  Leipzig. 


96 

Pflege  ihrer  beiden  Kinder,  Grund  genug,  dass  die  geistvolle  liebenswürdige 
Frau  1840,  an  ihrem  35.  Geburtstage,  eine  dritte  Ehe  mit  dem  1807  ge- 
borenen Eduard  von  Burchardi  einging,  welchen  nach  25jähriger  Ehe 
im  November  1865  ein  plötzlicher  Tod  hingerafft  hat. 

Nunmehr  ganz  allein  stehend  verkaufte  Frau  Elwine  von  Burchardi 
noch  im  Juli  desselben  Jahres  das  Rittergut  an  den  jetzigen  Besitzer, 
Herrn  Victor  Bradsky,  sich  selbst  nur  ein  kleines  Bauerngütchen  vor- 
behaltend, das  sie  bis  zum  Tode  bewohnt  hat.  Hatte  sie  vordem  in  dem 
von  ihr  in  italienischem  Styl  umgebauten  Schlosse  stattlich  und  edel  ge- 
waltet, so  lebte  sie  nun  rührend  und  liebevoll  unter  dem  Strohdache  des 
von  ihrem  Zauberstabe  verwandelten  Bauernhauses,  dessen  Bibliothek  und 
durch  zwei  Stockwerke  ragender  Salon,  dessen  Kammern  und  Kämmer- 
chen  eine.  Fülle  sinnvoller  Erinnerungen  bargen,  inmitten  deren  die  hoch- 
begabte Greisin  mit  dem  hellen  Kindergemüthe  sass,  trotz  Schicksals- 
schlägen und  Altersbeschwerden,  Jedermann  aus  ihrem  unverwüstlichen 
Schatze  von  Liebe,  Treue  und  Begeisterung  freigebig  spendend. 

So  blieb  sie  durch  ihr  ganzes  Leben  mit  dem  Dorfe  Cotta  eng  ver- 
bunden, wenn  sie  auch  durch  Reisen  zu  ihren  geliebten  Geschwistern  nach 
Leipzig,  Halle  und  Jena,  oder  ihrer  Tochter,  welche  längere  Zeit  das 
Schloss  Elgersburg  und  das  Rittergut  Weida  in  Holstein  bewohnte,  sowie 
auch  in  anderen  befreundeten,  namentlich  wissenschaftlichen  Kreisen  einen 
regen  Zusammenhang  mit  der  Welt  wahrte.  Von  ihren  Mädchenjahren  an 
bis  zum  Greisenalter  ist  sie  die  hülfreichste  Trösterin  und  Fürsorgerin 
aller  Kummer-  und  Nothleidenden  geblieben. 

Bis  in  die  letzten  Jahre  hatte  sie  3  alte  treue  Dienstboten,  welche 
mit  ihr  zusammen  über  300  Jahre  zählten;  mehrfach  hat  sie  in  ihrer 
Güte  junge  Mädchen  gastlich  aufgenommen  und  gepflegt,  von  denen  ins- 
besondere die  jetzige  Frau  Katharina  Schmuhl  in  Rothvorwerk  bei  Frei- 
berg ihr  durch  treueste  Pflege  im  Alter  liebevoll  gelohnt  hat. 

Mit  lebhaftem,  sinnvollem  Interesse  hat  die  Verblichene  allezeit  alle 
Lebensbeziehungen  auszugestalten  gewusst.  Die  von  ihr  verfasste  Chronik 
von  Cotta,  ein  von  ihr  kunstvoll  ausgeschmückter  Band,  zeigt,  wie  emsig 
und  ernst  sie  die  alten  Zeiten  durchforscht,  wie  thatkräftig  sie  das  Wohl 
ihres  Ortes  durch  Anlagen  von  Strassen,  Forstcultur,  Steinbruchsbetrieb 
u.  s.  w.  gefördert,  wie  liebevollen  Antheil  sie  an  Freud  und  Leid  der  Ein- 
wohner genonmien  hat.  Dabei  geht  ein  warmer  Hauch  von  Treue  zum 
sächsischen  und  deutschen  Vaterlande  durch  diese  bis  an  ihr  Ende  treur 
lieh  fortgeführten  Blätter. 

Von  ihrer  sinnigen  und  ungesucht  künstlerischen  Lebensauffassung 
giebt  vor  Allem  ihr  Liederbuch  Zeugniss,  ein  an  originellen  Ornamenten 
überreiches  Werk  mit  feinen  Bildern,  zumeist  aus  dem  eigenen  Familien- 
leben; in  demselben  künstlerischen  Sinne  ist  auch  das  Jagd  buch  für  den 
Gatten  von  ihr  geführt  worden.    Sowohl  die  Skizzenbücher  aus  früher 


97 

Zeit,  wie  die  für  die  Kinder  niedergeschriebenen  Märchen  vom  Birken- 
hänschen  und  dergl.,  sowie  die  von  ihr  volksthümlich  erzählten  Sagen  der 
Gegend,  Alles  dies  verräth  eine  feine  und  lebhaft  empfindende  Seele. 

Frau  von  Burchardi  war  aber  auch  eine  grosse  Freundin  der  Natur 
und  in  dieser  Beziehung  gerade  ist  sie  unserem  Kreise  nahe  getreten  und 
hat  unsere  Bestrebungen  wesentlich  fördern  helfen. 

Sie  verwandte  nicht  nur  die  Blumen  mit  Vorliebe  zu  künstlerischem 
Schmucke,  sondern  gab  sich  auch  dem  Studium  der  Botanik  im  engeren 
Sinne  hin.  Mit  ihrem  praktischen  Sinn  nahm  sie  zugleich  die  genaueste 
Kenntniss  von  den  Bodenverhältnissen  ihrer  Umgegend,  so  dass  man  bei 
ihr  wohl  niemals  vergebliche  Erkundigungen  einzog  nach  den  von  einem 
StoUn  am  Fusse  des  Ladenberges  bei  Berggiesshübel,  oder  in  einem  Schachte 
an  der  Ziegelei  von  Gross-Cotta,  oder  den  verschiedenen  Dorfbrunnen  etc. 
durchschnittenen  Gebirgsschichten  und  ihren  Einschlüssen. 

Ich  erkenne  es  dankbarst  an,  dass  die  Lösung  der  Lagerungs-  und 
Altersfragen  der  Quader -Sandstein-  und  Pläner  -  Schichten  in  den  Um- 
gebungen des  basaltischen  Cottaer  Berges  ganz  wesentlich  mit  durch  das 
wissenschaftliche  Interesse,  welches  Frau  von  Burchardi  dem  Vorkommen 
der  Versteinerungen  in  jenen  berühmten  Bildhauersandsteinbrüchen  und 
anderen  Gesteinsschichten  lange  Jahre  hindurch  geschenkt  hat,  erfolgt  ist; 
wie  jeder  andere  ungewöhnliche  Fund,  z.  B.  das  von  W.  Haidinger  in  den 
Sitzungsberichten  der  Wiener  Akademie,  Bd.  XLIX.  10.  Mai  1864,  be- 
schriebene merkwürdige  Fundeisen  von  Gross-Cotta,  oder  auch  die  prae- 
historischen  Funde  in  ihrem  Bereiche,  wie  alte  Spinnwirtel  auf  dem  Laden- 
berge oder  die  Steintische  (Dolmen)  auf  der  Gersdorfer  Haide  von  ihr  ge- 
nauer verfolgt  und  zur  weiteren  Erörterung  an  Fachleute  darüber  be- 
richtet wurde. 

Nach  Wahrheit  zu  forschen  und  die  Wissenschaft  zu  fördern  war  ihr 
Bedürfniss,  und  so  gross  auch  die  Freude  an  ihren  paläontologischen 
Sammlungen  war,  so  wurde  von  ihr  doch  Alles,  was  für  unser  Königl. 
Mineralogisches  Museum  in  Dresden  von  Werthe  war,  demselben  in  be- 
reitwilligster Weise  liebenswürdig  überlassen. 

In  dem  langen  Zeitraum  seit  Ende  1 849,  wo  ich  zum  ersten  Male  das 
gastfreie  Haus  betrat,  bin  ich  oft  Zeuge  gewesen,  welche  Freude  der  herr- 
lichen Frau  durch  den  Besuch  von  Männern  der  Wissenschaft  bereitet 
wurde,. und  Männer  wie  die  Professoren  Forchhammer  aus  Kopenhagen 
und  aus  Kiel,  oder  Prof.  Hebert  aus  Paris  und  viele  Andere,  welche  z.  B. 
die  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Aerzte  in  Dresden  im 
September  1868  nach  Cotta  führte,  wurden  nicht  müde,  den  Worten  der 
gründlichen  Kennerin  und  begeisterten  Naturforscherin  zu  lauschen. 

Achtzig  Jahre  alt  ist  sie  am  8.  December  1885  sanft  entschlafen.  Bei 
dem  am  11.  December  stattfindenden  Begräbniss  hatte  sich  ausser  den 
nächsten  Verwandten  die  Gemeinde  von  Cotta  dicht  um   die  alte  Herrin 

Om.  /«iif  m  DresdtHt  1880.  —  Sitsungiber.  7 


ÖS    _ 

gesammelt.  Der  Pfarrer  des  Orts  hielt  eine  Rede,  welche  dem  Wesen  der 
Heimgegangenen  yoU  und  schön  gerecht  ward;  im  Namen  unserer  Gesell- 
schaft Isis  aber,  welcher  die  Verewigte  seit  1868  als  Ehrenmitglied  an- 
gehört hat,  legte  der  Vorsitzende,  Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz,  einen  Palmen- 
zweig an  ihrem  Sarge  nieder  unter  herzlichen  Worten  zum  Andenken  an 
die  verstorbene  Freundin  und  unermüdliche  Forscherin. 

Ihr  Andenken  in  Cotta  wird  noch  Menschenalter  hindurch  un- 
vergessen bleiben ,  ebenso  aber  auch  bei  Allen ,  welche  das  Glück  gehabt 
haben,  in  das  reiche  liebevolle  Gemüth  dieser  edlen  und  hochbegabten  Frau 
einen  Blick  zu  werfen. 


Abhandlungen 

•  der 

naturwissenschaftlichen  Gesellseha ft 


in  Dresden. 


1885. 


I.  lieber  die  Sternwarte  des  Herrn  B.  von  Engelhardt 

In  Dresden« 


Im  Herbste  des  Jahres  1877  hatte  ich  in  Dresden  in  einem  gepach- 
teten Theile  eines  Gartens  (Leubnitzer  Strasse  Nr.  2)  eine  Sternwarte 
errichtet,  welche  aus  einem  massiven  Thurme  nebst  Meridian  und  Bibliothek- 
zimmer bestand.  Die  Position  dieser  Sternwarte  war:  Länge  im  18  8,37 
östlich  von  Berlin,  Breite  +  51  ^  2'  30 ",95.  Das  Hauptinstrument  be- 
stand aus  einem  SzöUigen  Aequatoreal  von  Howard  Grubb  in  Dublin 
(England),  von  einer  vollkommenen  Construction ,  mit  welchem  ich 
eine  Beihe  von  Mikrometerbeobachtungen  des  Brorsen'schen  Kometen 
angestellt  habe.  Der  Besuch  dieser  Sternwarte  war  für  mich  sehr  unbequem, 
weil  sie  ziemlich  weit  von  der  Wohnung  entfernt  lag,  deshalb  bescnloss 
ich,  eine  Villa  nebst  einer  neuen  Sternwarte  (Liebi^strasse  1)  zu  bauen. 
Dieser  Neubau  wurde  im  Herbst  1879  fertig  und  die  alte  Sternwarte  im 
Sommer  1879  abgetragen.  Im  massiven  Thurme  der  neuen  Sternwarte, 
in  einer  Höhe  von  12  Meter  über  dem  Erdboden,  auf  einem  massiven 
Steinpfeiler  von  2,5  Meter  Durchmesser,  welcher  gänzlich  von  den  anderen 
Fundamenten  isolirt  ist,  um  die  Erschütterungen  des  Bodens  abzuschwächen, 
steht  das  Hauptinstrumeut:  ein  Aequatoreal,  von  H.  Grubb  in 
Dublin  gefertigt.  Das  Objectivglas  hat  eine  freie  Oeffnung  von  306  Milli- 
meter und  ist  dieses  Instrument  das  zweitgrösste  in  Deutsch- 
land, indem  es  nur  vom  grossen  Strassburger  Aequatoreal  an  optischer 
Stärke  übertroffen  wird.  Der  Stundenkreis  des  Instrumentes  bei  einem 
Durchmesser  von  0,8  Meter  wird  bis  auf  4  s  und  der  Declinationskreis  bei 
einem  Durchmesser  von  0,5  Meter  wird  bis  auf  30"  mittelst  Vemiers 
abgelesen.  Die  Ablesung  des  Declinationskreises  geschieht  durch  ein 
Fernrohr  in  der  Nähe  des  Oculars.  Das  Positionsmikrometer  nebst  dem 
Beleuchtungsapparate  ist  ein  wahres  Meisterwerk  der  Gebrüder  Repsold 
in  Hamburg.  Um  die  Spinnefäden  des  Mikrometers  und  die  verschiedenen 
Theilungen  bei  Nacht  zu  sehen,  werden  dieselben  beleuchtet.  Die  Moderirung 
der  Beleuchtung  vom  hellsten  bis  zum  schwächsten  Lichte  geschieht  durch 
Drehung  eines  Körpers.  Ein  einziges  kleines  Lämpchen  beleuchtet:  die 
hellen  Fäden  auf  dunklem  Felde,  das  helle  Feld  mit  dunklen  Fäden,  die 
beiden  Mikroskope  des  Positionskreises,  die  Trommel  der  Mikrometer- 
schraube, die  Auszugstheilung  am  Fernrohr  und  den  Declinationskreis. 
Zu  dem  Aequatoreal  gehören  ferner:  6  negative  und  6  positive  Oculare, 
ein  Polarisations  -  Helioskop  und  ein  Ringmikrometer.  Der  Sucher  des 
Aequatoreals  ist  von  Reinfelder  und  Hertel  in  München  und  hat  ein 
Objectivglas  von  136  Millimeter  Oeffnung  bei  2,5  Grad  Gesichtsfeld.    An 

0«.  Mi  m  Df9tdtn,  1885.  -  Abb.  1. 


diesem  Sucher  ist  ein  kleiner  Sucher  mit  einem  Objectiye  von  15  Linien 
Oeffnung  und  6  Grad  Gesichtsfeld  angebracht.  Am  anderen  Ende  der 
Declinationsaxe  ist  ein  Fernrohr  von  100  Millimeter  OeflFnung  von  Grubb, 
mit  einem  Sucher  von  Reinfelder  von  54  Millimeter  OeiFnung  angebracht. 
Das  grössere  Fernrohr  ist  mit  einem  Universalspectroskop  von  Merz, 
bestehend  aus  4  Prismensystemen  ä  visiou  directe  verbunden  und  dient  zu 
astrophysikalischen  Beobachtungen.  Die  Axen  des  Aequatoreals  ruhen  auf 
Frictionsrollen  eigenthümlicher  Construction,  welche  zu  mehreren  Systemen 
verbunden  sind.  Die  Fernröhre  des  Aequatoreals  werden  durch  ein 
kräftiges  Uhrwerk  getrieben,  welches  der  Axendrehung  der  Erde  mit 
grosser  Präcision  folgt.  Die  Klemmungen  und  feinen  Bewegungen  ge- 
schehen durch  Stangen  und  Schnüre.  Neben  dem  Aequatoreal  steht  eine 
nach  Sternzeit  gehende  Pendeluhr  von  Thiede  in  Berlin,  welche  mit  einem 
Chronograph  von  Fuess  in  Berlin  elektrisch  ^verbunden  ist.  Letzterer 
dient  zur  Registrirung  der  Aequatorealbeobachtungen  auf  einem  fort- 
rollenden Papierstreifen. 

Der  obere  Theil  des  Thurmes,  die  Kupi)el,  ist  von  Holz,  ruht  auf 
6  Kugeln  und  lässt  sich  mittelst  eines  Mechanismus  leicht  mit  einer  Hand- 
bewegung drehen.  Der  innere  Durchmesser  der  Kuppel  beträgt  5  Meter. 
Die  Klappen,  durch  welche  man  während  der  Beobachtung  den  Himmel 
sieht,  haben  eine  Breite  von  1,10  Meter.  Der  Chronograph  und  die 
galvanische  Batterie  stehen  in  der  mittleren  Thurmetage.  in  der  unteren 
Etage  befinden  sich:  meteorologische,  verschiedene  transportable  astro- 
nomische Instrumente  und  kleinere  Fernröhre ,  sowie  das  Meridianzimmer. 
In  diesem  stehen  in  einer  Höhe  von  4  Meter  über  dem  Erdboden  auf 
gänzlich  isolirten  Pfeilern  ein  Passageninstrument  von  Bamberg  in  Berlin 
mit  gebrochenem  Fernrohre  von  68  Millimeter  Oeffnung,  Ocularmikro- 
meter  und  Umlegemechanismus  (eine  einzige  kleine  Lampe  beleuchtet:  das 
Niveau,  den  Kreis,  die  Mikrometertrommel  und  das  Feld),  drei  Chrono- 
meter und  eine  astronomische  Pendeluhr  von  Knoblich  in  Hamburg  mit 
Compensation  für  Temperatur  und  Luftdruck.  Auf  dem  Dache  der  Villa 
auf  einer  geräumigen  Plattform  steht  ein  drehbarer  Thurm  von  2,5  Meter 
Durchmesser.  Diese  Constructionen  sind  sämmtlich  mit  Zinkblech  be- 
kleidet. In  dem  Thurme  ist  ein  grosser  Kometensucher  aufgestellt.  Das 
Objectivglas  von  6  Zoll  Oeffnung  ist  von  Merz  und  die  äquatoreale  Mon- 
tirung  von  G.  Heyde  in  Dresden.  Letztere  hat  verstellbare  Polhöhe, 
getheilte  Kreise  und  Beleuchtungseinrichtung.  Zu  dem  Sucher  gehören: 
ein  kleiner  Sucher  von  Steinheil  mit  sehr  grossem  Gesichtsfelde,  ein 
Moderationsglaskeil  für  Sonnenbeobachtungen  von  demselben  Künstler, 
mehrere  Oculare  (von  welchen  eins  mit  3  Grad  Gesichtsfeld)  und  zwei 
Ringmikrometer.  Die  Aufstellung  sämmtlicher  Instrumente,  verschiedene 
Verbesserungen  derselben,  Anfertigung  von  neuen  Theilen  u.  s.  w.  hat  der 
hiesige  ausgezeichnete  Mechaniker  G.  Heyde  mit  grossem  Geschick  und 
Präcision  ausgeführt.  In  seiner  Werkstatt  sind  mehrere  grössere  astro- 
nomische Instrumente  gebaut  worden,  welche  den  strengsten  Anforderungen 
entsprechen.  Die  Sternwarte  ist  mit  der  Villa  durch  Telephon  und  Tele- 
graph verbunden.  Sie  liegt  1^19  8,93  östlich  von  BerUn  und  18,17 
westlich  von  dem  Königl.  mathematischen  Salon  zu  Dresden.  Die  Breite 
ist  -|-5l  ^  2'  16",  80.  Der  Fussboden  des  Meridianzimmers  liegt  118,5  Meter 
über  dem  Meere. 

Mit  den  vorstehend  beschriebenen  Instrumenten  habe  ich  von  Anfang 
October  1880  bis  Ende  1884  folgende  Beobachtungen  ausgeführt: 


I.    Beobachtungen  mit  dem  grossen  Aequatoreal. 

A.  Ortsbestimmungen,  angestellt  mit  dem  Fadenmikrometer. 

186  Beobachtungen  von  13  verschiedenen  Kometen.  Es  wurden 
beobachtet  die  Kometen:  Hartwig,  Swift  1880,  Swift  1881,  Pecbule, 
Grosser  Komet  1881,  Grosser  Septemberkomet  1882,  Schäberle,  Wells, 
Barnard  1882,  Barnard  1884,  Brooks -Swift,  Pons  Brooks  und  Wolf. 

306  Beobachtungen  von  65  verschiedenen  Planeten.  Es  wurden  be- 
obachtet die  Planeten:  Ceres,  Pallas,  Juno,  Astraea,  Hebe,  Flora,  Metis, 
Parthenope,  Egeria,  Psyche,  Fortuna,  Massalia,  Themis,  Amphitrite, 
Pomona,  Fides,  Aglaija,  Galypso,  Pandora,  Mnemosyne,  Concordia,  Elpis, 
Danae,  Leto,  Diana,  Sylvia,  Antiope,  Aegina,  Aretusa,  Klymene,  Amal- 
thea,  Peitho,  Kassandra,  Thyra,  Juewa,  Lucina,  Bertha,  Aemilia,  Eva, 
Loreley,  Sybilla,  Baucis,  Ino,  Idunna,  Elsa,  Kolga,  Nausikaa,  Byblis, 
Penelope,  Chryseis,  Callisto,  Dido,  Medea,  Kleopatra,  Thusnelda,  Eos, 
Oceana,  Wcringia,  Athamantis,  Russia,  Asterope,  Barbara,  Hypathia, 
Vanadis  und  Germania. 

293  Beobachtungen  von  73  verschiedenen  Nebeln. 

10  Anschlüsse  von  Vergleichsternen. 

Also  im  Ganzen  795  Ortsbestimmungen. 

B.  27  Beobachtungen  von  verschiedenen  Phänomenen  der  Jupiters- 
trabanten. 

G.    3  Beobachtungen  von  Stembedeckungen  durch  den  Mond. 

D.  Eine  sehr  grosse  Anzahl  Beobachtungen  von  Pol-  und  A«quator- 
stemen,  um  den  Werth  einer  Schraubenrevolution  des  Fadenmikrometers 
zu  bestimmen. 

E.  17  Beobachtungsreihen  von  Declinationsdifferenzen  von  neun 
Sternpaaren  im  Sternbilde  des  Perseus,  um  den  vorstehend  benannten 
Schraubenwerth  durch  eine  andere  Methode  zu  bestimmen. 

II.    Beobachtungen  am  Bamberg'schen   Passageninstrument. 

A.  10  Beobachtungen  von  Mondculminationen  und  den  dazugehörigen 
Mondsternen. 

B.  Beobachtungen  zur  Bestimmung  der  Zeit  werden  alle  8  bis 
10  Tage  angestellt,  indem  jedes  Mal  ein  Polstern  in  beiden  Lagen  des 
Instrumentes  und  3  bis  5  Zeitsterne  beobachtet  werden. 

G.  Eine  sehr  grosse  Anzahl  Beobachtungen  von  Polsternen,  um  die 
Fadendistanzen  und  den  Werth  einer  Schraubenumdrehung  des  Ocular- 
mikrometers  zu  ermitteln. 

III.    Beobachtungen  mit  dem  Mikroskop  und  dem  doppelt 
brechenden  Prisma. 

Zur  Ermittelung  der  fortschreitenden  und  periodischen  Ungleichheiten 
der  Schraube  am  Repsold'schen  Fadenmikrometer  des  grossen  Aequatoreal 
habe  ich  mehrere  Tausend  Einstellungen  ausgeführt.  Die  Schraube  ist 
ganz  vorzüglich. 

Die  Kometen-  und  Planetenbeobachtungen  sind  in  den  Astronomischen 
Nachrichten   bez.   in   den  Gircularen  des  Berliner  Astronomischen  Jahr- 


buches  veröfifentlicht.  Einige  Eometenbeobachtungen  sind  in  der  Eng- 
lischen Zeitschrift  Copernicus  publicirt.  Die  Phänomene  der  Jupiters- 
trabanten sind  in  dem  Bulletin  de  l'Observatoire  de  Paris  erschienen. 
In  den  Nummern  2514  und  2568  der  Astronomischen  Nachrichten  habe 
ich  einige  Berichtigungen  zu  der  Bonner  Sterndurchmusterung  und  dem 
Atlas  ecliptique  Ton  Chacornac  angegeben.  Die  Nebelbeobachtungen  sind 
zum  grössten  Theil  reducirt  und  werden  (hoffentlich  gegen  Ende  1885)  in 
einem  besonderen  Buche  erscheinen.  Sämmtliche  Beobachtungen  sincl  von 
mir  selbst  ausgeführt.  In  meiner  Privatsternwarte  war  und  ist  kein 
Assistent  angestellt. 

B.  von  Eugelhardt. 


11.    Ueber  Palmacites?  Meichi  Oelii. 

Von  Dr.  H.  B.  QeinitB. 


Als  Palmacües  Reicht  wurde  im  „Quadersandsteiugebirge  oder  Kreide- 
gebirge in  Deutschland  von  H.  B.  Geinitz^S  1849,  p.  270  ein  Fossil 
bezeichnet,  das  in  einem  weissen,  höchst  feinkörnigen  Sandsteine  von 
Dittersbach  in  der  Sächsischen  Schweiz  eingeschlossen  war,  welcher  von 
den  Quadersandsteinen  der  dortigen  Gegend  in  keiner  Weise  verschieden 
erschien ,  wenn  auch  die  eine  abgeriebene  Seite  des  Blockes  auf  ein  Ge- 
schiebe hinwies.  Das  Exemplar  war  mir  seiner  Zeit  durch  Herrn 
von  Quand  auf  Dittersbach  selbst  eingehändigt  worden  und  über  3eine 
Zugehörigkeit  zu  dem  Quadersandsteine  schien  damals  kein  Zweifel  ob- 
zuwalten. Die  grosse  Aehnlichkeit  mit  dem  Stamm  der  Dattelpalme 
veranlasste  mich,  dem  Fossile  eine  Stellung  unter  den  Palmen  anzuweisen, 
die  aber  gemäss  dem  alten  Spruche  „Keiner  kann  ungestraft  unter  Palmen 
wandeln^',  auch  diesmal  nicht  ungestraft  bleiben  sollte. 

Schon  in  unseren  „Sitzungsberichten  der  Isis^'  1870,  p/'150,  wo 
eine  Abbildung  cles  Fossils  Tat  II,  Fig.  1a.  b.  gegeben  wird,  hob  ich 
hervor:  „Da  dasselbe  nichts  weiter  erkennen  lässt,  als  jene  in  Sandstein 
umgewandelten  Holzbündel,  worin  keine  besondere  Structur  sich  erhalteu 
hat,  so  ist  es  überhaupt  noch  sehr  fraglich,  ob  Palmacites?  Reichi 
wirklich  zu  den  Palmen  gehört'^ 

In  meinem  „ Elbthalgebirge  in  Sachsen^*  I,  1871 — 1875,  p.  305  heisst 
es  ferner:  „Das  ganz  unsicher  bestimmbare  Stammstück  zeigt  gegen 
2  mm  dicke  Holzbündel,  welche  eng  beisaftimen  stehen  und  ihre  Gefäss- 
bündel  unter  spitzem  Winkel  nach  der  Seite  hin  senden/^ 

Eine  Lösung  des  Räthsels  scheint  nun  durch  Herrn  Professor  Stenzel 
in  Breslau  erfolgt  zu  sein,  welcher  die  Güte  gehabt  hat,  den  fraglichen 
Falmaeites  Reichi  von  Neuem  mikroskopisch  zu  untersuchen.  Das  von 
ihm  hierbei  gewonnene  Resultat  ist  in  seinem  Briefe  vom  22.  Februar  1885 
mit  folgenden  Worten  niedergelegt: 

„Von  dem  zweifelhaften  Palmacites'/  Reichi  habe  ich  durch  Voigt  u. 
Hochgesang  in  Göttingen  eine  1 — 2  mm  dicke  Scheibe  abschneiden  und 
poliren  lassen,  ebenso  wie  die  Fläche  des  Stückes,  an  welcher  der  Ab- 
schnitt genommen  ist;  ohne  meinen  Wunsch  hat  er  noch  ein  paar  Dünu- 
schlifiPe  gemacht,  die  nur  Sandsteinstructur  zeigen.  Da  ich  audi  auf  allen 
Flächen  des  Längsbruchs  keine  die  anderen  kreuzenden  Fasern  fand,  war 
ich  schon  ziemlich  gewiss,  dass  keine  Palme  und  dann  wohl  überhaupt 
keine  Pflanze  vorliege.  Ich  zeigte  das  Stück  Herrn  Geheimrath  Römer, 
der  eben  eine  Arbeit  über  ähnliche  Bildungen  veröffentlicht  und  der  es 

Ga.  hu  IN  Ihetdm,  188S.  ~  Abh.  8. 


8__ 

für  diesen  gleichwerthig  erklärte.  Nach  mehreren  Stücken,  welche  er 
mir  von  sogenanntem  Scolithus- Sandstein  (Scolithus  linearis  Hall, 
Arenicolites  Salter)  zeigte,  glaube  ich  auch,  dass  das  Stück  dieseu 
Gebilden  der  cambrischen  Formation  zuzuzählen  ist,  die  Römer  für  ganz 
unorganischen  Ursprungs,  für  eine  Art  Absonderungsproduct  hält,  welches 
in  der  Sandsteinmasse  erst  nachträglich  durch  freilich  noch  unbekannte 
Einflüsse  zu  Stande  gekommen  sei.  Sehr  interessant  war  es  ihm,  ein 
solches  Vorkommen  aus  dem  Quadersandsteine  kennen  zu  lernen;  das 
Gestein  schien  mir  entschieden  dafür  zu  sprechen,  dass  das  Stück  wirklich 
aus  dem  dortigen  Sandsteine  stamme,  nicht  etwa  dahin  aus  älterer 
Formation  angeschwemmt  sei,  obwohl  die  eine  flach  abgerundete  Fläche 
für  ein  Rollstück  spricht.  Ich  für  meinen  Theil  kann  mir  die  Entstehung 
solcher  paralleler  Stäbe  so  wenig  erklären,  dass  ich  doch  au  irgend  einen 
organischen  Ursprung  glauben  möchte  und  es  wohl  der  Mühe  werth  halten 
würde,  an  den  Fundstätten  der  Sache  weiter  nachzuspüren.  Die  Palmcn- 
hoknatur  aber  habe  ich  freilich  aufgegeben." 

War  es  auch  nicht  mehr  möglich,  den  Fundort  des  Dittersbacher 
Stückes  genauer  festzustellen,  da  Herr  von  Quand  schon  seit  Jahrzehnten 
aus  dem  Leben  geschieden  ist,  so  musste  doch  die  unverkennbare  Aehn- 
lichkeit  des  Fossils  mit  den  gewöhnlichsten  Formen  des  in  neuester  Zeit 
auch  im  Diluvium  Sachsens  so  häufig  aufgefundenen  Scolithus  linearis 
Hall  nun  auch  unser  Auge  darauf  richten,  um  so  mehr,  als  die  Aussen- 
fläche  des  Dittersbacher  Stückes  auf  ein  Geschiebe  hinwies.  Geschiebe 
der  Art  sind  in  den  letzten  Jahren  in  grosser  Anzahl  bei  Zschorna 
N.  von  Radeburg  in  Sachsen  durch  Fräulein  Ida  von  Boxberg  entdeckt 
worden  ^). 

Ich  muss  es  dankbarst  anerkennen,  dass  diese  Dame,  welcher  unser 
K.  mineralogisch -geologisches  und  prähistorisches  Museum  höchst  werth- 
volle  geologische,  paläontologische  und  prähistorische  Sammlungen  ver- 
dankt, aucn  in  dieser  Beziehung  wieder  meine  Untersuchungen  auf  das 
kräftigste  unterstützt  hat.  Durch  ihre  rastlosen  Bemühungen  liegt  mir 
eine  ganze  Reihe  ausgezeichneter  Exemplare  des  Scolithus  linearis  Hall^) 
vor,  die  mit  den  Abbildungen  dieser  Art  von  Torell^)  nach  Exemplaren 
aus  dem  cambrischen  Sandsteine  Schwedens,  von  Eug.  Geinitz*)  nach 
Geschieben  in  Mecklenburg  übereinstimmen.  Nur  besitzen  sämmtliche 
Scolithus -Sandsteine,  diö  mir  als  Geschiebe  vorliegen,  ein  etwas  gröberes 
Korn,  als  das  in  dem  Stücke  von  Dittersbach  ist,  indess  kommen  auch 
bei  Zschorna  Sandsteingeschiebe  vor,  welche  durch  die  Feinheit  ihres  Kornes 
dem  Dittersbacher  Exemplare  mit  Pabnacites?  Reichi  sehr  nahe  treten. 

Bezüglich  der  Natur  des  Scolithus  linearis^  womit  den  PcUmacites? 
Reichi  zu  vereinen  einen  hohen  Grad  von  Berechtigung  erfahren  hat,  muss 
man  anerkennen,  dass  die  das  Gestein  durchziehenden  parallelen  und  nur 
hier  und  da  spitzwinkelig  gabelnden  Cylinder  durch  die  gleiche  Gesteins- 


*)  In  der  Nähe  von  Dresden,  auf  den  Feldern  zwischen  Dippelsdorf  und 
Buch  holz  bei  Moritzbm'g,  wurde  neuerdings  ein  derartiges  Geschiebe  durch 
Dr.  Deichmüller  aufgefunden. 

2)  J.  Hall,  Palaeontology  of  New  York.  1.   1847.   p.  2.    PI.  1.    Fig.  l.a.b.c. 

•)  O.  Tor  eil,  Bidrag  tili  Spai'agmitetagens  geognosi  och  paleontologi 
(Lunds  Univ.  Ärsskrift,  Tom.  IV.   p.  35.    Tab.  II.    Fig.  1.  a.  b.) 

*)  V.  Beitrag  zur  Geologie  Mecklenburgs.    Nenbrandenburg,  1882.  Fig.  1.  2. 


masse  versteinert  sind,  wie  ihre  Umhüllung,  wenn  sie  auch  sowohl  im 
Längsbruche  als  im  Querbruche  davon  getrennt  erscheinen;  auch  das 
Mikroskop  lässt  in  dieser  Beziehung  keinen  Unterschied  wahrnehmen, 
wesshalb  auch  F.  Körner,  wie  man  aus  dem  Briefe  Herrn  StenzeFs  ent- 
nimmt, sie  als  unorganische  Absonderungen  betrachten  will.  Meiner 
Ansicht  nach  sind  die  Scolithen  mit  grösserer  Wahrscheinlichkeit  zu  den 
Spongien  als  zu  den  Algen  zu  verweisen  ^  und  es  verhalten  sich  diese 
Körper  ganz  analog  der  Spongia  Saxonica  Gein.  im  Quadersandsteine 
Sachsens,  deren  lockeres  Geiüge  das  Eindringen  der  versteinernden 
Schlammmasse  mit  Leichtigkeit  gestattet  hat,  ohne  in  späteren  Zeiten 
noch  Rückstände  ihrer  ursprünglichen  organischen  Substanz  zu  hinterlassen. 

1)  Abb.  d.  Isis,  1883.   p.  98. 


10 


IIL   lieber  das  Aufstellen  von  Concliylieusammlaogen. 

Von  Insütutsdirector  Th«  Beibisoh. 


Wenn  es  auch  nicht'  zu  den  streng  wissenschaftlichen  Aufgaben  ge- 
hören mag,  über  die  Aufstellung  von  Conchyliensammlungen  zu  sprechen, 
so  halte  ich  es  dennoch  für  nöthig,  sich  darüber  ausführlich  zu  verbreiten, 
weil  durch  eine  naturgemässe  Aufstellung  nicht  nur  ein  guter  Eindruck 
auf  jeden  Beobachter  gemacht  wird,  sondern  auch  eine  bequeme  und  klare 
Uebersicht  erreicht  werden  kann,  in  jedem  Falle  also  das  Lernen  er- 
leichtert ,  die  Wissenschaft  gefördert  wird ,  und  das  ist  ja  der  Endzweck 
fast  aller  Sammlungen. 

Wie  oft  bort  man  die  Cnstoden  öffentlicher  Sammlungen  diirüber 
klagen,  dass  sie  für  ihre  Abtheilung  auf  einen  zu  kleinen  Kaum  beschränkt 
sind,  und  wie  mancher  Privatmann  würde  sich  gern  eine  Sammlung  an- 
legen, wenn  er  nicht  fürchtete,  damit  einen  sehr  grossen  Raum  in  Anspruch 
zu  nehmen  und  dadurch  wieder  seinen  Geldbeutel  zu  sehr  anstrengen  zu 
müssen.  Bedenkt  man  aber,  dass  die  Uebersichtlichkeit,  die  doch  ein 
Haupterforderniss  jeder  Sammlung  sein  soll,  nur  durch  möglichste  Raum- 
ersparniss  erzielt  werden  kann,  so  hat  man  eigentlich  den  Schlüssel  zur 
Aufstellung  der  Sammlung  gefunden. 

Geht  man  irgend  welche  Conchyliensammlungen,  wie  sie  jetzt  sehr 
häufig  aufgestellt  werden,  durch,  so  findet  man  oft,  dass  die  Arten  im 
Kasten  öder  Pulte  von  links  nach  rechts  angereiht  sind,  wie  unsere  Worte 
in  der  Schrift,  und  das  scheint  ganz  natürlich  zu  sein,  ist  aber  schon 
aus  dem  Grunde  unpraktisch,  weil  der  Beobachter,  will  er  die  Arten  der 
Reihe  nach  durchgehen ,  von  links  nach  rechts  laufen  muss ,  und  ist  er 
am  Ende  der  ersten  Reihe  angekommen,  so  muss  er  zurückspringen,  um 
die  zweite  Reihe  zu  studiren,  und  so  fort,  bis  er  genug  hat.  Denkt  man 
dabei  an  Glaspulte  von  ungefähr  2  m  Länge  mit  vielleicht  tO  bis  15  Reihen 
Kästchen,  so  kann  man  sicli  leicht  vorstellen,  welche  Anstrengung  die 
Betrachtung  einer  ganzen  Sammlung  machen  muss.  Ein  zweiter  Grund 
gegen  diese  Art  der  Aufstellung  ist  der,  dass  die  Klassen-,  Ordnungs-, 
Familien-  und  Gattungsnamen  nebeneinander,  statt  untereinander  gesetzt 
werden.  Auch  dieses  erschwert  die  Uebersicht,  denn  es  ist  ganz  und  gar 
nicht  schriftmässig.  Die  Namen  der  einzelnen  Abtheilungen  müssen  als 
Ueberschriften  wirken,  wie  diejenigen  der  Kapitel  eines  Buches,  Daraus 
folgt  nun  von  selbst,  dass  die  Anordnung  der  Arten  von  oben  nach  unten  . 
zu  geschehen  hat  und  das  entspricht  der  Aufzählung  von  Arten  in  einem 
Kataloge.    Wir  haben  es  bei  der  Aufstellung  der  Arten  nicht  mit  Sprach- 

Gc8.  Ins  in  Dietden,  188Ö.  -  Abh.  3. 


II 

Sätzen,  sondern  nur  mit  Dingen  und  deren  Namen  zu  thun.    Auch  sind 
uns  in  dieser  Beziehung  die  Entomologen  längst  voraus. 

Nun  muss  aber  auch  die  Form  und  Grösse  der  einzelnen  Kästchen 
nach  einem  bestimmten  Gesetze  hergestellt  werden,  ohne  deshalb  die 
Grösse  oder  Menge  der  Stücke,  welche  darin  liegen  sollen,  unberücksichtigt 
zu  lassen.  Alle  Kästchen  müssen  von  links  nach  rechts  gleich  gross  sein 
—  als  Einheit  kann  man  eine  Ausdehnung  von  4,5  oder  6  cm  annehmen  — , 
während  sie  quer  dieser  Richtung  verschiedene  Ausdehnung  haben  können. 
Dadurch  entstehen  auch  verschiedene  Grössen  und  alle  Kästchen  passen 
doch  aneinander ,  ohne  Raum  zwischen  «ich  zu  lassen.  Solche  Concnylien 
aber,  welche  noch  zu  gross  für  dergleichen  Kästchen  sind,  legt  man  in 
solche  von  doppelter  oder  dreifacher  Breite  und  diese  lassen  sich  dann 
ebenfalls  bequem  einreihen.  Inwendig  müssen  alle  Kästchen  weiss  sein, 
weil  Weiss  zu  jeder  Farbe  stimmt.  Da  eine  solche  Sammlung  ungeschüttelt 
stehen  bleibt,    so  brauchen  die  Gehäuse  auch  keine  Watte  zur  Unterlage. 

Ganz  kleine  Conchylienformen  werden  am  besten  in  Glasröhrchen 
von  der  Länge  der  Namenträger  (siehe  weiter  unten)  gesteckt  und  der 
Name  des  Fundortes  auf  ein  schmales  Streifchen  Papier  geschrieben, 
ebenfalls  der  Länge  nach  hinein  gethan.  Der  Verschluss  Icann  durch  Kork 
oder,  was  noch  bequemer  ist,  durch  Watte  bewerkstelligt  werden.  So 
eingepackt  kann  man  Thiere  von  einerlei  Art,  aber  von  verschiedenen 
Fundorten  nun  in  ein  und  dasselbe  Kästchen  bringen.  Bei  dieser  Gelegen* 
heit  möchte  ich  noch  bemerken,  dass  man  für  die  Concbjrlien  nicht  zu 
grosse  Kästchen  nehmen  darf,  wenn  die  Sammlung  wenig  Raum  ein- 
nehmen, schnell  übersehen  werden  und  einen  guten  und  befriedigenden 
Eindruck  machen  soll  Wenn  mancher  Sammler  meint,  seine  Sammlung 
nehme  sich  feiner  aus,  wenn  sie  recht  viel  Raum  einnimmt,  so  behaupte 
ich,  dass  sie  deswegen  viel  ärmer  an  Conchylien  ist.  Hat  man  die 
Sammlung  so  zusammengeschoben,  so  bedarf  man  auch  keiner  heben 
Wandschränke,  an  denen  mittelst  Treppenleitern  aufgestiegen  werden 
muss,  um  ihren  Inhalt  kennen  zu  lernen. 

Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  es  nun,  wie  man  die  Artnamen  an- 
zubringen hat.  Häufig  liegen  die  Namen  in  den  Kästchen  und  die 
Schnecken  oder  Muscheln  darauf,  so  dass  der  Name  verdeckt  ist  und  man 
erst  die  Conchylien  herausnehmen  muss,  um  den  Namen  zu  erfahren,  was 
für  öffentlich  aufzustellende  Sammlungen  der  unpassendste  Weg  ist.  Dort 
aber  hat  man  sehr  häufig  recht  niedliche  Drahtklemmen  auf  den  Hinter- 
rand der  Pappkästchen  gesteckt  und  daran,  ein  Stück  über  und  hinter 
dem  Kästchen ,  in  schräger  Lage  den  Namen  des  Thieres  befestigt. .  Dazu 
ist  aber  nöthig,  dass  jedes  Kästchen  ein  Stück  von  dem  hinter  ihm  be- 
findlichen abgerückt  wird ,  denn  sonst  würde  die  in  der  Höhe  schwebende 
Etikette  die  dahinter  liegende  Conchylie  verdecken,  und  das  kostet  wieder 
sehr  vielen  Raum,  ist  also  iür  die  öffentliche  wie  für  die  Privatsammlung 
ganz  unpraktisch.  Ausserdem  machen  die  hochangebrachten  Zettel  den 
Schnecken  Schatten,  und  wenn  ein  Fenster  hinter  dem  Pulte  ist,  so  steht 
auch  der  Name  selbst  im  Schatten.  Nach  meinem  Dafürhalten  müssen 
die  Etiketten  so  angebracht  werden,  dass  sie  in  der  Höhe  der  Kästchen 
wie  Ueberschriften  erscheinen.  Zu  dem  Ende  verschafft  man  sich  kleine 
Hölzer  von  der  Länge  der  als  Einheit  aller  Kästchen  angenommenen 
Breite,  dazu  müssen  sie  die  Höhe  der  Kästchen  h^ben  und  im  Querschnitte 
quadratisch  sein.  Diese  überzieht  man  mit  weissem  Papiere  und  schreibt 
die  Namen  darauf.    Die  Etikette  für  jede  Art  besonders  kann  man  ent- 


12 

weder  so  schreiben,  dass  der  Gattungsname  ganz  wegbleibt  und  dafür 
der  Name  der  Untergattung  mit  dem  Artnamen  hingesetzt  wird,  was 
aber  zur  Folge  hat,  dass  man  das  Geschlecht  des  Artnamens  oft  ändern 
muss,  weil  das  Geschlecht  der  Untergattung  manchmal  ein  anderes  ist 
als  dasjenige  der  Gattung.  Am  besten  thut  man,  wenn  man  zur  Art 
einen  oder  einige  Anfangsbuchstaben  der  Gattung  und  dahinter  in 
Klammern  den  Namen  der  Untergattung  setzt,  damit  man  für  den  Art- 
namen das  Geschlecht  der  Gattung  beibehalten  kann.  Ein  so  beschriebenes 
Klötzchen  oder  Stäbchen  wird  nun  in  das  Kästchen  an  die  Rückwand  so 

Selegt,  dass  die  Conchylie  sich  davor  befindet.  Darüberhin  kann  auch 
as  volle  Licht  auf  die  Conchylien  selbst  wie  auf  die  Namen  fallen. 
Etiketten,  welche  man  mit  Conchylien  von  andern  Sammlern  bekommen 
hat,  werden  in  die  Kästchen  gelegt. 

Ausserdem  sind  nun  noch  die  Träger  der  Klassen-,  Ordnungs-, 
Familien-  und  Gattungsnamen  zu  besprechen.  Dazu  habe  ich  kleine 
Klötzchen,  welche  so  hoch  wie  die  Kästchen  sind,  so  lang  wie  die  durch- 
gängig angenommene  Breite  derselben,  und  dabei  verhält  sich  die  eigene 
Breite  zu  ihrer  Länge  ungefähr  wie  2 :  5.  In  meiner  Sammlung  sind  die 
Kästchen  nicht  höher  als  1  cm.  Für  die  Klassennamen  überziehe  ich  die 
Klötzchen  mit  blauem  Papiere,  für  die  Ordnungsnamen  mit  rothem,  für 
die  Familiennamen  mit  gelbem  und  für  die  Gattungsnamen  mit  weissem 
Papiere.  Dadurch  kann  auch  der  weniger  unterrichtete  Beschauer  leichter 
einen  Begriff  von  der  Eintheilung  der  Conchylien  bekommen. 

Gegen  diese  Anwendung  der  Farben  zur  besseren  Veranschaulichung 
des  Systems  werden  wohl  Diejenigen  etwas  einzuwenden  haben,  welche 
die  Vaterländer  auf  den  Etiketten  durch  Farben  bezeichnen.  Wenn  man 
aber  nur  fünf  Farben  für  die  fünf  Erdtheile  annimmt,  so  bekommt  der 
Betrachter  der  Sammlung  kein  klares  Bild  von  der  geographischen  Ver- 
breitung und  der  verschiedenen  Faunengebiete.  Versieht  man  z.  B.  die 
Etikette  von  Hdix  aspersa  Müll,  mit  der  Farbe,  welche  man  für  Europa 
angenommen  hat,  so  ist  das  darum  schon  nicht  ganz  richtig,  weil  HeL 
aspersa  nur  in  West-  und  Südeuropa  vorkommt,  dann  aber  auch,  weil 
sie  zu  gleicher  Zeit  in  ganz  Nordafrika  lebt.  So  könnte  man  noch  viele 
Beispiele  anführen,  die  das  Ungenaue  einer  solchen  Bezeichnung  gründlich 
darthun.  Und  nun  die  Seeconchylien :  Gehören  die  Arten  des  rothen 
Meeres  zu  Asien  oder  Afrika,  die  des  kaspischen  Meeres  zu  Europa  oder 
zu  Asien  ?  Aber  viele  Farben  einzuführen,  finde  ich  ebenfalls  unpraktisch, 
weil  es  dann  Uebergänge  giebt,  deren  genaue  Unterscheidung  eben  nicht 
Jedermanns  Sache  ist.  Die  Fundorte  müssen  einfach  zu  den  Namen 
geschrieben  werden. 

Möchten  diese  wenigen ,  im  Interesse  der  Wissenschaft  wohlgemeinten 
Worte  ohne  Vorurtheil  aufgenommen  werden  und  zu  gründlichen  Ver- 
besserungen führen.  Mündliche  wie  schriftliche  Erklärungen  bin  ich  zu 
geben  stets  bereit. 

Plauen  b.  Dresden. 


Uroek  von  E.  Hloehmftiiu  und  Suhii  in  ])r«Mi«n. 


Die  Preise  iur  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzuugs- 
berichte  der  ulsis^>,  welche  durch  die  Burdach'sche  Hofbuch- 
handlung  in  Dresden  bezogen  werden  könneji,  sind  in  folgender 
Weise  festgestellt  worden : 

Denkschriften.    Dresden  1860.     8 1  M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.    Jahrgang  1861.      8.      .      .' 1  M.- 20  Pf. 

Sitzungsberichte.    Jahrgang  1863.     8 1  M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.    Jalirgaug  1864  und  1865.     8.     pro  Jahrgang  .  1  M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.    Jahrgang  1866.     8.      April-Deccmber  ....  2  M.  50  Pf, 

Sitzungsberichte.    Jahrgang  1867   und    1868.     8.  .  i>ro  Jahrgang  .  5  M,  —  Pf. 

Sitzungsberichte.    Jahrgang  1869,   1871    u.  1872.    8.   pro  Jahrgang  3  M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.    Jalu'gang  1870.     8.      April-Deceniber  ....  3  M.  —  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873 — 1878.  8.  pro  Jahrgang  .  "!  4M.  —  Pf. 
Dr.  Oscar  Schneider:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntniss 

der  Kaukasusländer.     187.^.     8.      160  S.     5  Tafehi    .     .  (>  M.  —  Pf. 

Sitzungsberichte.    Jahrgang  1870.     8 5  M.  —  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  8.  Juli-Decernber  ....  3  M.  —  Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.      Jahrgang    1881  —  1884.     8. 

pro  Jahrgang 5  i;i,  _  pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen."    Jahrgang   1885.    S.    .     .     .  2  M.  50  Pf. 

Festsehrift.    Dresden  1885.    8.     178  S.      4   Tafehi 3  M.  —  Pf. 

Mitgliedern  der  «Isis«  wird  ein  Ra]>att  von  '25  rroc.  gewäln-t 
Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  «dsis»,  sowie  aucli 
Wünsche  hezüglidi  der  Abgabe  und  Versendung  dei-  «Sitzungs- 
berichte der  Isis»  werden  von  dem  ei-steu  Secretär  der  Gesell- 
schaft, d.  Z.  Dr.  Deichmuller,  Schillerstrasse  1  (K  entgegengenommen. 
t^  Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  au  aus- 
wärtige  Mitglieder  sowie  an  auswärtige  Vereine  erfolgt  in  der  Regel 
entweder  gegen  Austausch  mit  anderen  Scliriften  oder  einen  jähr- 
lichen Beitrag  von  3  Mark  zur  Voreinskasse,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  (juittirt  wird. 


Königl.  Sachs.  Hof  buchhandlung  von  Hermann  Burdach 
(Wamatz  <fe  I-elmiaiin) 

emDfir.liU    .;,.,-  ^*^     -^T^-    1» 


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2UT  Sesorgung  wissenschaftlich,!  ^^^^»^^^b^   hilligsten    Preisen  und  promptester 


I,re»«I.n.   Pra.k  von  E.  Biacl.rn.n 


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Festschrift 


der 

Natur-wissenschaftlichen  Gesellschaft 

IBtB 

in  ^Dresden 

zur 

Feier  ihres  50jährigen  Bestehens 

am  14.  Mai  1885. 


Mit   Tnfol    I--IV 


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Dresden.  18h.». 

In  C'ommission  von  Wamatz  &  Lehmann,  Königl.  Sachs  Ilnfbuclihnndler. 


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j^iu  Maieutag,  iii  »cliöiiHter  Zeit  der  Welt, 

Wird  uni»er  Fest,  dan  fröliliche,  gefeiert, 
Der  ISIS  Fest,  die  uns  den  Geist  erhellt 

Und  voller  Huld  ilir  Antlitz  m\a  entHclileiei*t; 
Die  fünfzig  Jahr  war  unsVe  Führerin 

Durch  langtet  vergang'ne,  wie  durch  neue  Zeiten. 
Der  heilgen  (iluth  des  Wissens  Schürerin, 

Gab  sie  die  Kraft,  Erkennt niss  zu  erweitern. 

Wer  ihr  sich  weiht,  erbebt  vor  keiner  Macht: 

Er  steigt  hinab  in  Meeresschlucht  und  Tiefen, 
Durchwüldt  Gestein,  dringt  bis  zum  dunklen  Schacht, 

Wo  Urweltsrat hsel  noch  verborgen  scliliefen. 
Er  folgt  den  Fährten,  die  vor  langer  Zeit 

Des  Urthiers  Fuss  im  feuchten  Grund  gezogen, 
Und  liest  aus  Spuren  der  Vergangenheit, 

Wie  Weltentwicklung  langsam  sich  vollzogen. 

Was  Vorgeschichte  düster  uns  verhüllt, 

Wird  aufgedeckt  durch  unermüdlich  Streben. 
Der  Stürme  Rasen,  das  die  Welt  erfüllt. 

Des  kaum  erschafTneii  Erdballs  krampfliaft  Beben, 
Des  Feuers  Kraft,  die  Wald  um  Wald  verzehrt, 

Was  flüssig  war,  bis  zum  Erstarren  brachte. 
Und  was  vernichtend  Brand  um  Brand  verheerte, 

Durch  Neugestaltung  wieder  dienstbar  machte. 

In  Höhlenschlünde,  wo  der  Mensch  geweilt. 

Als  noch  gebunden  seines  Geistes  Schwingen, 
Des  Forschers  Blick,  Gefahr  bewält'gend  eilt. 

Um  Kunde  seiner  Vor/eit  zu  erringen. 
Des  Wissens  Leuchte,  die  er  angefacht. 

Flammt  auf  und  ab,  misst  Welt    —  und  Jjebenssphäreu. 
Durchbricht  der  tiefsten  Schlünde  lange  Nacht, 

Der  Schöpfung  Meisterwerke  zu  erklaren. 


IV 


Wenn  auch  das  Weltziel  uns  verborgen  bleibt. 

Baut  massloa  doch  der  Mensch  am  Wissensdome. 
So  lange  Schaffenskraft  zum  Werden  treibt, 

Prüft  er  den  Kosmos,  prüfet  die  Atome. 
Was  er  erstrebt,  ist  Blendwerk  nicht,  noch  Traum. 

Begeistert  blickt  er  auf  zu  Monden,  Sonnen. 
Ward  auch  sein  (xeist  begrenzt,  im  Weltenraum 

Hat  doch  der  Forscher  Heimathsrecht  gewonnen. 

Sein  ist  die  Welt,  so  weit  er  sie  erkannt. 

So  weit  er  Wissensschätze  aufgespeichert, 
So  weit  der  Nebel  vor  dem  Blick  verschwand, 

Der  Wahrheit  göttlich  Licht  den  Geist  bereichert. 
Zum  Dienst  der  ISIS  bleiben  wir  bereit, 

Von  Dank  erfüllt,  wird  heut'  ihr  Fest  gefeiert; 
Wir  hoffen,  dass  sie  gnädig  künft'ge  Zeit 

Ihr  ernstes  Antlitz  huldvoll  uns  entschleiert. 


Agnes  Kayser-Langerhanss, 


Vorvv^ort. 


Uie  Naturwissenschaftliche  (jJesellschaft  ISlS  in  Dresden  hat 
am  29.  Januar  1885  den  Beschluss  gefasst,  zur  Feier  ihres 
fünßzlgjährig'en  Bestehens  eine  Festschrift  herauszugehen, 
die  sich  unmittelbar  an  jene  Denkschrift  anschliessen  soll,  welche 
als  Festgabe  zur  Feier  ihres  fünfundzwanzigjährigen  Bestehens 
1860  von  Dr.  A.  Drechsler  veröffentlicht  worden  ist. 

Der  damit  beauftragte  Kedactions-Coniite  ist  diesem  Wunsche 
um  so  freudiger  nachgekommen,  als  ihm  die  Mitwirkung  einer 
Anzahl  werther  Mitglieder  unserer  (Gesellschaft  bereits  zugesagt 
worden  war. 

Einem  kurzen  historischen  Rückblick  auf  die  letzten  fünfund- 
zwanzig Jahre  folgt  eine  Reihe  von  Abhandlungen  aus  den  ver- 
schiedenen Gebieten  derjenigen  Wissenschaften,  welche  zu  fördern 
und  zu  verbreiten  die  Aufgabe  und  das  Streben  unserer  (Gesell- 
schaft ist  Möchte  dasselbe  in  immer  weiteren  und  weitereu 
Kreisen  Anerkennung  linden  zum  Segen  für  unser  engeres  und 
weiteres  Vaterland! 

Dresden,  den  23.  April  1885. 

H.  B.  Geinitz. 


1 


T  11  li  a  1 1. 


Seite 

I.   Oefielilehte  der  naturwissenschaftliche»  (resellschaft  Isis  in  Dresden    in   den 
Jahren  1860—1885.    Von  Dr.  .loh.  V.  Deiihmtlller,  d.  Z.  ei-stem 

Secretär  der  (resellschaft 1 

Keainten-(*ollegiuni  der  Isis  im  Jahre  IH85 23 

II.  Abhandlungen. 

AI  fr.   Stelzner:    Die  Kntwickelung    der    petrographischen   rntersuchungs- 

niethoden  in  den  letzten  fünfzig  Jahren 25 

E.  Z schau:  Bemerkungen  über  den  Quarz  im  Syenite  des  Plauenschen  Grundes  49 

Herrn.  Kngelhardt:  Die  Cretlnerien  im  unteren  Quader  Sachsens.    Mit  Taf.  I  55 

H.  li.  Geiuitz:   Paläontologische  Beiträge 68 

1.  Teber  Thierfahrten  in  der  Steinkohlenfcmuation  vtm  Zwickau.  Mit  Taf.  II  6^) 

2.  l.'eber  Milchzähne  des  Mammuth  iKlejUian  primigenias).     Mit  Taf.  III  66 
Ose.   Drude:    Die  Yertheilung    und    Zusammensetzung    östlicher   Pflanzeu- 

genossen Schäften  in  der  Umgebung  von  Dresden 75 

B.  Vetter:  Teber  die  Verwandtschaftsbeziehungen  zwischen  Dinosauriern  und 

Vögeln lOf) 

H.  Wiechcl:  Urnenfundc  bei  Klotzsche  und  iiUussuitz  hi  Sachsen    ....  128 

Rud.  Schmitt:  Beiti*ag  zur  Kenntniss  der  Ktdbe'ijchen  Salicylsäure-Synthese  12?) 

Fried r.  Siemens:   Neue  Beleuchtungsmethode.    Mit  Taf.  IV 131) 

Axel  Ilarnack:  Ziu*  Theorie  der  Wärmeleitung  in  festen  Körperu  .  .  .  147 
A.  Toepler:  llückblick  auf  die  Entdeckung  des  Elektromagnetismus  und  der 

Inductionselektrizität 16J) 


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Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzuugs- 
berich  rtlsis»,  welche  durch  die  Burdach'sche  Hofbuch- 
3ung  in  Dresden  bezogen  werden  könne«,  smd  m  folgender 
Weise  festgestellt  worden: 

1        ^aan       S  ....     1   M.  5«  Pf. 

Denkschriften.    Dresden  18bO.     ö IM -2«  Pf 

Siteungsberichte.    Jal»rga„g  1861.     8. ■     ■        -  ^  ^■ 

rÄir  SrS  S-  Ja  xse.   a-  ..o"......  .    .  m.  ao  Pf. 

Slngsberichte.    Jahricaug  18G9,   1871   u.  1872.    8.   pro  Jahrgan,.  '  m   '*    p  * 
Sitzungsberichte.    Jalirgang  1870.     8.     April-Deeember  •    •    '     — ;^  ^-  "  l]: 

Sitzungsbenchte.    Jahrgang  1873—1878.     8.     pro  Jahrgang    .     .  4M.-  n. 
Dr   Oscar  Öchneitler:  Naturwisseiisch.  Beiträge  zur  Kenntniss 

der  KaukasusUinder.     1878.     8.     160  S.     5  Tatdn    .     .  6  M.  —  Pf. 

Sitzungsberichte.    Jahrgang  1879,     8 lUI*  ~  S* 

Sitzungsberichte.    Jahrgang  1880.     8.     Juli-December     .    .     .     •  3  M.  ~  ü- 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.      Jahrgang   iasi-18S4.     8. 

pro  Jahrgang o  M.  —  1  f. 

Sitzungsberichte  und  Abhandhnigen:    Jahrgang  1885.    8.    .     .     .  ^  ^I-  ^>  1'*; 

FesUehrift.     Dresden  1885.    8.     178  S.     4  Tafehi    .....  3  M.  -  Pt. 

Mitgliedern  Jer  ulsisn  wird  ein  Rabatt  vou  25  Pvoc.  gewälni. 
Alle  yAiseiidungeu  für  die  Gesellschaft  ulsis»,  «owie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Vorsendinig  der  «Sitzungs- 
berichte der  Isis))  werden  von  dem  ersten  Secretlir  der  Gesell- 
schaft, d.Z.  Dr.  Deichmüller,  Schillerstrasse  10,  entgegengenoiuHien. 
H^^  Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzuiigsl)erichte  au  aus- 
wärtige Mitglieder  sowie  an  auswärtige  Vereine  erfolgt  in  der  Regel 
entweder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften  oder  einen  jähr- 
lichen Beitrag  von  3  Mark  zur  Vereinskasse,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  «luittirt  wird. 


Königl.  Sachs.  Hofbuchhandlung  von  Hermann  Burdach 
(Warnatz  ^  I-elimanii) 

empftQhlt  sich 

„r  S^^^i^'^S  wlssmchaniichiT  LiteraUu  hH  biUigsten   Preisen  und  promptester 

Lieferung. 


l>r«il»n.  I,ru.k  ro.  E.  lUocJ.m.n»  «^a    «„).„ 


FestsehFift 


der 

NatuF'wissensehaftliehen  Gesellschaft 


in  I^resden 


zur 


Feier  ihres  50jährigen  Bestehens 

am  14.  Mai  1885. 


Mil   Tafel    l—  I\' 


Dresden,  IHs.». 

In  ( .'ommission  von  WamatZ  &.  Lehmann,  Königl.  Sachs.  IlofbuchhämUer. 


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und  war  damit  auch  die  Verpflichtung  gewachsen,  diesen  Vereinen  ein 
Aequivalent  für  deren  Schriftensendungen  zu  bieten.  Um  andererseits 
auch  den  Mitgliedern,  welche  am  regelmässigen  Besuch  der  Sitzungen 
verhindert  waren,  Gelegenheit  zu  geben,  das  Versäumte  wenigstens  im 
Auszug  kennen  zu  lernen,  fasste  die  Gesellschaft  am  17.  Juli  1861  den 
Beschluss,  regelmässig  erscheinende  Berichte  über  ihre  Sitzungen  zu  ver- 
öiTentlichen.  Diese  Berichte  sollten  nicht  allein  Mittheilungen  über  die 
Verhandlungen  in  den  Sitzungen  geben,  sondern  auch  den  Mitgliedern,  die 
sich  mit  speziellen  Untersuchungen  beschäftigten,  die  Möglichkeit  bieten, 
die  Resultate  derselben  bekannt  zu  machen.  Mit  der  Redaction  dieser 
„Sitzungsberichte  der  naturwissenschaftlichen  Gesellschaft  Isis  zu  Dresden*' 
wurde  deren  Secretär,  Dr.  A.  Drechsler,  betraut.  Das  erste,  die  Zeit 
vom  Januar  bis  Juni  1861  umfassende  Heft  wurde  am  17.  October 
durch  den  Secretär  der  Hauptversammlung  überreicht.  Die  Zahl  der 
Mitglieder  betrug  zu  Ende  des  Jahres  90  vortragende,  38  befdrdenide, 
74  Ehren-  und  199  correspondirende  Mitglieder. 

Während  der  Jahre  1862  bis  1864  trat  im  Directorium  ein  Wechsel 
nur  durch  Zurücktreten  des  bisherigen  Bibliothekars,  Schuldirector 
Clauss,  der  sein  Amt  mit  Ende  des  Jahres  1863  niederlegte,  ein;  an 
seine  Stelle  wurde  Lehrer  Gerstenberger  erwählt.  Während  dieser 
drei  Jahre  widmete  die  Gesellschaft  ihre  Thätigkeit  vorwiegend  wissen- 
schaftUchen  Fragen;  von  innern  Angelegenheiten  ist  nur  ein  auf  An- 
trag der  Section  für  Mineralogie  und  Geognosie  gefasster  Beschluss 
über  Aenderung  in  der  Reihenfolge  der  Sectionssitzungen  hervorzuheben. 
Die  Zahl  der  Sectionen  war  durch  Gründung  einer  mathematischen  im 
Jahre  1855  auf  vier  gestiegen,  infolge  dessen  die  Section  für  Mineralogie 
ihre  Sitzungen  auf  Sonnabend  verlegt  hatte,  welcher  Tag  sich  aber  aus 
mancherlei  Gründen  als  Versammlungstag  ungeeignet  erwies.  Daher  be- 
antragte dieselbe  im  November  1862,  dass  jede  der  drei  übrigen  Sectionen 
von  ihren  zwölf  alljährlichen  Sitzungstagen  drei  an  sie  abtrete,  um  auch 
das  Abhalten  ihrer  Sitzungen  an  einem  Donnerstage  zu  ermöglichen. 
Die  Aufeinanderfolge  der  einzelnen  Versammlungen  wurde  nun  in  der 
Weise  festgestellt,  dass  die  zoologische  Section  beginnen,  dann  die  bo- 
tanische, die  mineralogische  und  zuletzt  die  mathematiscli- physikalische 
folgen  sollten,  während  jeder  dritte  Donnerstag  im  Monat  wie  bisher 
der  Hauptversammlung  vorbehalten  blieb.  Zugleich  mit  der  Einordnung 
der  Section  für  Mineralogie  in  die  Reihe  der  übrigen  beantragte  diese 
auch  eine  Aenderung  in  der  Wahl  ihres  Versammlungslokales,  da  der 
bisher  benutzte  Hörsaal  am  botanischen  Garten  den  Anforderungen  nicht 
genügte,  namentlich  die  Beleuchtung  sehr  mangelhaft  war.  Da  das  in 
Vorschlag  gebrachte  Lokal  in  der  K.  polytechnischen  Schule,  dessen  Be- 
nutzung die  Direction  derselben  in  freundlichster  Weise  gestattete,  ausser 
guter  Beleuchtung  auch  die  Möglichkeit  der  Benutzung  der  mineralogischen 
Sammlungen  dieses  Instituts  bot,  genehmigte  die  Hauptveraammlung  den 
beabsichtigten  Lokalwechsel. 


5 

N(jch  ist  hier  eines  Verlustes  zu  gedenken,  den  die  Isis  gegen  Ende 
des  Jahres  1863  durch  den  Tod  des  Gymnasiallehrers  C.  Tr.  Sachse 
erlitt,  der  mehrere  Jahre  das  Amt  eines  Secretärs  verwaltet  und  als  solcher 
mehrere  Jahrgänge  der  allgemeinen  naturhistorischen  Zeitung  redigirt, 
regelmässig  meteorologische  Beobachtungen  in  den  Sitzungen  mitgetheilt 
und  zahlreiche,  namentlich  botanische  Vorträge  gehalten  hatte. 

Das  1865  an  die  Spitze  der  Gesellschaft  berufene  Directorium  bestand 
aus  Hofrath  Prof.  Dr.  Reichenbach  als  erstem,  Prof.  Sussdorf  als 
zweitem  Vorsitzenden,  Dr.  Drechsler  als  Secretär,  Kaufmann  Schmorl 
als  Kassirer  und  Lehrer  Gerstenberg  er  als  Bibliothekar.  Das  Amt 
eines  Conscrvators  der  botanischen  Sammlung  wurde  nicht  wieder  besetzt, 
da  das  Herbarium,  welches  nicht  hatte  verkauft  werden  können,  Schul- 
director  Clauss  zur  Benutzung  bei  seinen  Unterrichtsstunden  überlassen 
worden  war. 

Das  Jahr  1865  bedeutet  in  der  Geschichte  unserer  Gesellschaft  einen 
wichtigen  Abschnitt  und  kann  wohl  als  das  Ende  einer  älteren  Periode 
bezeichnet  werden,  da  die  im  Laufe  dieses  Jahres  zu  Ende  geführte 
Revision  der  Statuten  eine  vollständige  Umgestaltung  der  Organisation 
der  Gesellschaft  herbeiführte  und  die  mit  unwesentlichen  Abänderungen 
noch  heute  bestehenden  Zustände  schuf. 

Die  in  den  letzten  Jahren  in  Unordnung  gerathenen  finanziellen  Ver- 
hältnisse der  Gesellschaft  hatten  zunächst  zahlreiche  Wünsche  nach  Wieder- 
zusammentritt des  bis  etwa  sechs  Jahre  vorher  thätig  gewesenen  Verwaltungs- 
rathes  laut  werden  lassen,  und  hatte  dieser,  nach  den  noch  zu  Recht 
bestehenden  Statuten  aus  den  beiden  Vorständen,  den  Sectionsvorsitzenden, 
dem  Secretär,  dem  Kassirer  und  dem  Bibliothekar  bestehend,  bereits  im 
Februar  und  März  mehrfach  Sitzungen  abgehalten.  Die  Ergebnisse  der 
Berathungen,  welche  sich  namentlich  mit  der  Frage,  auf  welche  Weise 
eine  Erhöhung  der  Einnahmen  zu  erzielen  sein  würde,  beschäftigten,  wurde 
im  April  der  Hauptversammlung  vorgelegt  und  von  dieser  genehmigt. 
Durch    diese    Beschlüsse    wurden    das    Eintrittsgeld    von     10    Ngr.    auf 

1  Thlr.   und  die  Jahresbeiträge    der  vortragenden   Mitglieder  von  2  auf 

2  V«  Thlr.  erhöht,  wogegen  dieselben  die  Jahresberichte  gratis  er- 
hielten. Der  Umfang  der  Gesellschaftsschriften  wurde  auf  höchstens 
12  Bogen  jährlich  festgesetzt,  denselben  halbjährlich  auch  eine  Liste  der 
als  Geschenke  eingegangenen  Bücher  beigeftigt.  Der  Ankauf  neuer 
Werke,  welcher  bisher  einer  besonderen  Commission  überlassen  war,  wurde 
dem  Verwaltungsrathe  übergeben,  um  eine  Ueberschreitung  der  vorhandenen 
Geldmittel  zu  vermeiden,  was  bisher  leider  sehr  oft  der  Fall  gewesen  und 
wodurch  der  Gesellschaft  eine  im  Verhältniss  zur  Einnahme  beträchtliche 
Mehrausgabe  aufgebürdet  worden  war.  Auch  ein  längst  gehegter  Wunsch 
wurde  durch  Versicherung  der  Bibliothek  mit  40jOO  Thlr.  bei  der 
Dresdener  Feuerversicherungsgesellschaft  zunächst  auf  5  Jahre  zur  Aus- 
führung gebracht. 


_J5 

Der  für  die  Euhvickelung  der  Isis  bedeutsamste  Beschluss  der  Revision 
der  bisher  gültigen  Statuten  wurde  auf  einen  durch  Photograph  Krone 
im  Namen  zahlreicher  Mitglieder  ehigebrachten  Antrag  hin  im  Mai  1865 
gefasst,  und  zur  Aufstellung  eines  neuen  Statuten-Entwurfs  eine  aus  Prof. 
Dr.  Geinitz,  Photograph  Krone,  Bankier  Na wr ad t,  Oberappellations- 
rath  Dr.  Sickel  und  Lehrer  Zschau  zusammengesetzte  Commission  er- 
wählt. Die  von  derselben  entworfenen  und  vom  Verwaltungsrathe  beiür- 
worteten  neuen  Statuten  wurden,  nachdem  sie  jedem  Mitgliedc  vorher  in 
einem  gedruckten  Exemplare  zur  Einsichtnahme  zugestellt  waren,  der 
Hauptvei-sammlung  am  21.  December  vorgelegt  und  nach  lebhaften  Debatten 
in  ungeänderter  Form  angenommen. 

Die  tiefeingreifenden  Veränderungen,   welche   die  neuen  Statuten  in 
der   Organisation   der    Gesellschaft   hervorriefen,    lassen    es   gerechtfertigt 
erscheinen,    hier  die   wichtigsten  Bestimmungen  derselben  hervorzuheben. 
Während  bisher  der  ei-ste  Vorsitzende,    sogenannte   Director,  jedes  Jahr 
wieder  wählbar  war  und  der  bisherige  Voi-stand  Hofrath  Prof.  Dr.  Reiche n- 
bach  in  der  That  auch  30  Jahre  lang  ohne  Unterbrechung  an  der  Spitze  der 
Gesellschaft  gestanden  hatte,  war  in  den  neuen  Bestimmungen  ein  Wechsel 
in  der  Person  desselben  in   der  Weise  vorgesehen,   dass  der  für  ein  Jahr 
gewählte  erste  Vorsitzende  zwar  im  nächsten  Jahre  wieder  wählbar  war, 
nach  Ablauf  desselben  aber  mindestens  zwei  Jahre  vergehen  mussten,  ehe  er 
an  dieselbe  Stelle  berufen  werden  konnte.     Diese  Bestimmung  war   ge- 
troffen,  um  der  Gesellschaft  immer  neue  Kräfte  in  ihi'em  Vorstande  zu- 
zuführen  und  frisches  Leben  in  derselben  zu  erhalten.     Die  Leitung   der 
Gesellschaft  wurde  einem  Directorium  und  einem  Verwaltungsrathe  unter- 
stellt.  Ersteres  sollte  aus  den  beiden  Voi'sitzenden,  den  Sectionsvorständen 
und  den  beiden  Secretären,  letzterer  aus  dem  zweiten  Vorsitzenden,  dem 
zweiten  Secretär  und  sechs  wirklichen  Mitgliedern,  von  denen  je  zwei  alljähr- 
lich auszuscheiden  hatten,  aber  wieder  wählbar  waren,  gebildet  werden.  Dem 
ersten  Vorsitzenden  lag  die  Leitung  der  wissenschaftlichen  Thätigkeit  und 
der  inneren  Angelegenheiten  ob,  soweit  sie  nicht  als  vermögensrechtlicher 
Natur  dem  Verwaltungsrath  zukamen,  dem  zweiten  Vorsitzenden  die  Ober- 
aufsicht über  das  Besitzthum  der  Gesellschaft,  dem  Kassirer  die  vermögens- 
rechtliche Vertretung  in  allen  gerichtlichen  und  aussergerichtlichen  Ange- 
legenheiten. Die  Redaction  der  Jahresberichte  wurde  einem  Redactionscomite 
übergeben,  das  aus  dem  ersten  Vorsitzenden,   dem  ersten  Secretär  und  je 
einem  Delegii-ten  aus  jeder  Section  bestehen  sollte;  für  den  Vertrieb  der 
Berichte   wurde  ein  besonderer  Agent   bestimmt.     Der   früher  bestehende 
Unterschied  zwischen  „vortragenden"  und  „befördernden"  Mitgliedern  wurde 
aufgehoben  und  statt  deren  nur  „wirkliche"  aufgenommen,  deren  Aufnahme 
in  einer  Hauptversammlung  nach  Anmeldung  in  der  vorhergehenden  erfolgte. 
Die  Jahresbeiträge  der  Mitglieder  wurden  von  2^2  auf  3  Thlr.  erhöht. 

Am  Ende  des  Jahres  1865  legte  der  bisherige  Secretär  Dr.  Drechsler 
sein  Amt  nach  It  jähriger  erfolgreicher  Thätigkeit  nieder.  Bei  der  gleich- 
zeitig mit  den  Schlussberathungen  über  die  neuen  Statuten  vorgenommenen 


Wahl  des  Directoriums  für  IS66  wurden  die  bisher  thiitigeu  Mitglieder 
desselben  wiedergewählt,  als  ersten  Sceretär  ersah  die  Gesellschaft  Ober- 
lehrer Dr.  Ebert,  als  dessen  Stellvertreter  Oberlehrer  Besser.  Da  Geh. 
Hofratli  Prof.  Dr.  Reichenbach  und  Dr.  Ebert  die  auf  sie  gefallene 
Wahl  nicht  annahmen,  niusste  in  der  ersten  Hauptversammlung  1S66  eine 
Ergänzungswahl  vorgenommen  werden  und  bestand  das  Directorium  nach 
derselben  aus  Geh.  Justizrath  Dr.  Siebdrat  als  erstem,  Lehrer  Zschau 
als  zweitem  Voi'sitzenden ,  Apotheker  Bley  als  erstem  und  Oberlehrer 
Besser  als  zweitem  Secretär,  Kaufmann  Schmorl  als  Kassirer  und 
Lehrer  Gerstenberger  und  Lehrer  A.  Weber  als  Bibliothekaren. 

Geh.  Justizrath  Dr.  Siebdrat  eröftnete  die  ei-ste  von  ihm  geleitete 
Hauptvei-sammlung  mit  einer  Ansprache  an  die  Mitglieder,  in  welcher  er 
auf  die  Verhältnisse  hinwies,  unter  denen  er  sein  Amt  angenommen  habe, 
daas  er  aus  der  Wahl  seiner  Person  als  einer  dem  juristischen  Geschäfts- 
kreise angehörenden  schliessen  müsse,  dass  die  Gesellschaft  auch  ihren 
geschäftlichen  Angelegenheiten  ein  besonderes,  erhöhtes  Interesse  zugewandt 
wissen  wünsche,  dass  er  aber  neben  diesem  die  Wissenschaft  stets  als 
Leitstern  fiir  die  Isis  betrachten  werde. 

Im  März  wurde  der  Gesellschaft  bekannt  gegeben,  dass  das  hohe 
Ministerium  des  Kultus  und  öffentlichen  Unterrichts  am  9.  März  1866  die 
neuen  Statuten  genehmigt  habe,  womit  die  in  den  letzten  Monaten  des 
Vorjahres  durchgeführte  Reorganisation  der  Isis  als  glücklich  beendet 
angesehen  werden  durfte  und  eine  neue  Periode  ihrer  Entwickelung  begann. 
Der  auf  Grund  der  neuen  Statuten  gewählte  Verwaltungsrath,  ausser  dem 
zweiten  Vorsitzenden  und  dem  zweiten  Secretär  aus  Maler  Fischer, 
Prof.  Dr.  Geinitz,  Photograph  Krone,  Bankier  Na wradt,  Dr.  Sophus 
Rüge  und  Vicepräsident  Dr.  Sickel  gebildet,  unterzog  sich  sofort  der 
schwei*en  Aufgabe,  die  Finanzen  der  Gesellschaft  zu  regeln,  und  gelang 
es  seiner,  von  der  Opferwilligkeit  der  Mitglieder  unterstützten  Thätigkeit, 
das  Gleichgewicht  zwischen  Einnahme  und  Ausgabe  bald  herzustellen  und 
die  noch  schwebenden  Verpflichtungen   bis  Ende  des  Jahres  zu  beseitigen. 

Zugleich  mit  dem  Wunsche  nach  einer  Neugestaltung  der  Isis  hatte 
sich  auch  das  Bedürfniss  immer  geltender  gemacht,  ein  geeigneteres  Ver- 
sammlungslokal zu  erlangen.  Der  bisher  für  die  meisten  Sitzungen  noch 
benutzte  botanische  Hörsaal  der  chirurgisch -medicinischen  Akademie  bot 
nur  ungenügende  Beleuchtung  durch  Oellampen,  auch  hatten  die  Mitglieder 
im  Whiter  oftmals  durch  Kälte  zu  leiden.  Der  zur  Aufstellung  der 
Bibliothek  benutzte  Raum  war  sehr  eng,  feucht  und  feuergefährlich,  w^o- 
durch  zu  befürchten  stand,  dass  die  Bücher  bei  längerer  Aufstellung  in 
demselben  Schaden  nehmen  möchten.  Aus  diesen  Gründen  entschloss 
sich  die  Gesellschaft,  ein  anderes  Lokal  zu  suchen,  und  wurde  der 
von  J*rof.  Dr.  Geinitz  gemachte  Vorschlag,  die  Direction  der  K.  poly- 
technischen Schule  um  Gewährung  eines  geeigneten  Sitzungssaales  zu 
ersuchen,  angenommen.  Massgebend  für  die  Wahl  dieses  Gebäudes  w^ar 
zunächst  die  dadurch  gebotene  Vermeidung  der  vorher  angedeuteten  Uebel- 


8 

stände,  sodann  auch  die  grössere  Wohlfeilheit  des  neuen  Versammlungs- 
ortes und  seine  Lage  inmitten  der  Stadt.  Auf  ein  dahin  gerichtetes  Gesuch 
stellte  die  Direction  der  K.  polytechnischen  Schule  am  21.  Februar  1866 
mit  dankenswerther  Bereitwilligkeit  der  Isis  ein  geräumiges  Auditorium 
zur  Disposition  und  hielt  bereits  am  folgenden  Tage  die  Section  für 
Botanik  in  dem  neuen  Versammlungslokale  ihre  Sitzung  ab. 

Leider  war  es  nicht  möglich,  die  Bibliothek  in  demselben  Gebäude 
aufzustellen  und  musste  sie  von  dem  Sitzungslokale  getrennt  werden.  Ein 
geeigneter  Ort  für  ihre  Aufstellung  wurde  vom  Bibliothekar  Friedrich 
Richter  in  dessen  Hause,  am  See  23a,  für  60  Thlr.  jährlich  gemiethet 
und  siedelte  die  Bibliothek  sehr  bald  dahin  über.  Dank  der  Thätigkeit 
der  Bibliothekare  konnte  bereits  am  19.  Juli  der  Hauptversammlung  mit- 
getheilt  werden,  dass  die  Aufstellung  der  Bücher  beendet  und  die  Bibliothek 
Montags  und  Sonnabends  von  12  bis  1  Uhr  Mittags  und  Donnerstags 
Abends  von  6  bis  7  Uhr  geöfifnet  sei. 

Um  den  Mitgliedern  eine  Uebersicht  über  die  im  Laufe  eines  Jahres 
stattfindenden  Sitzungen  zu  geben,  wurde  von  jetzt  ab  der  in  den  letzten 
Jahres-Hauptversammluugen  nur  im  Entwurf  mitgetheilte  Isiskalender  ge- 
druckt und  jedem  Mitgliede  zu  Beginn  eines  neuen  Jahres  in  einem 
Exemplare  überreicht.  Die  bisher  übHche  Reihenfolge  der  Sitzungen 
behielt  man  auch  in  Zukunft  bei,  dagegen  machte  sich  für  die  folgenden  Jalire 
eine  Verlegung  der  Hauptversammlungen  vom  dritten  auf  den  letzten 
Donnei'stag  jeden  Monats  nöthig  infolge  einer  Verordnung  des  hohen 
Ministeriums  des  Kgl.  Hauses,  an  welches  sich  die  Isis  nach  einer 
Weigerung  des  Geli.  Hofrath  Prof.  Dr.  Reichenbach,  den  Höi-saal  des 
Zw'ingergebäudes  für  die  Hauptversammlungen,  wie  es  ihr  seit  länger  als 
25  Jahren  gewährt  worden  war,  noch  fernerhin  zur  Benutzung  zu  gestatten, 
gew3ndet  hatte. 

Die  Zahl  der  Mitglieder  nahm  im  Laufe  der  Jahre  stetig  zu  und 
war  bereits  im  Mai  1866  auf  200  wirkliche,  88  Ehren-  und  236  cor- 
respondirende  Mitglieder  gewachsen.  Leider  hatte  die  Gesellschaft  auch 
manche  Verluste  zu  beklagen,  namentlich  ist  hier  des  am  9.  Mai  1866 
verschiedenen  Oberst  A.  v.  Gut  hier  zu  gedenken,  eines  Mannes,  der  seit 
seinem  Eintritt  in  die  Isis  im  Jahre  1843  sich  eifrigst  an  den  wissen- 
schaftlichen Verhandlungen  derselben  betheiligte,  in  ihr  stets  die  Früchte 
seiner  zahlreichen  geologischen  Untersuchungen  zum  Vortrage  brachte, 
auch  seit  1865  das  Amt  eines  zweiten  Vorsitzenden  der  Section  für 
Mineralogie  verwaltete. 

Im  Jahre  1867  traten  Prof.  Dr.  Schlömilch  und  Geh.  Justizrath 
Dr.  Siebdrat  als  Vorsitzende  an  die  Spitze  der  Gesellschaft;  als  erster 
Secretär  fungirte  Apotheker  Bley,  als  dessen  Stellvertreter  Überlehrer 
Kngelhardt,  als  Bibliothekare  Lehrer  Gerstcnberger  imd  Bibliothekar 
Richter,  als  Kassirer  Hofbuchhänder  Burdach.  Im  Jahre  1868  änderte 
sich  die    Zusammensetzung  des  Directoriums  nur  durch  Wahl    des  Prof. 


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Dr.  Gcinitz  zum  ei-steu  Vorsitzenden  und  des  Assessor  Jahn  zum  zweiten 
Secretär. 

Von  inneren  Angelegenheiten  aus  dieser  Zeit  sind  nur  einige  Zusatz- 
bestimmungen zu  den  Statuten  zu  erwähnen.  Der  durch  dieselben 
eingefülirte  Modus  der  Anmeldung  neuer  Mitglieder  änderte  sich  insofern, 
als  Anmeldungen  auch  in  den  zwischen  den  Hauptversammlungen  ge- 
legenen Sectionssitzungen  gestattet  wurden.  Dem  Verwaltungsrathe 
wurde  die  Vorlage  des  Rechnungsabschlusses  für  das  vergangene  und 
des  Voranschlages  für  das  neue  Jahr  nicht  mehr  in  der  letzten  Haupt- 
versammlung des  ei-steren,  sondeni  in  der  ersten,  spätestens  zweiten 
des  letzteren  zur  Pflicht  gemacht.  Die  Deschlussfähigkeit  der  Haupt- 
vei-sammlungen  machte  man  nicht  mehr  von  der  Anwesenheit  des  sechsten, 
sondern  nur  des  zehnten  Theils  der  Mitglieder  abhängig.  —  Um  das 
Interesse  an  dem  Privatunteniehmen  des  zoologischen  Gartens  in  Dresden 
zu  bethätigen,  wurde  eine  Actie  desselben  angekauft,  eine  zweite  von  einem 
Mitgliede,  Präsident  Dr.  Sickel,  geschenkt.  Die  dazu  gehörigen  Frei- 
karten erhielten  zwei  Mitglieder  mit  der  Vei'pflichtung,  über  alle  Vor- 
kommnisse in  dem  zoologischen  Garten  zu  referiren  und  denselben  auf 
diese  Weise  der  Gesellschaft  nutzbar  zu  machen. 

Im  Jahre  1869  trat  im  Directorium  ein  Wechsel  nur  in  den  Personen 
der  beiden  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Secrctärs  ein,  und  wurden 
Generalstabsai-zt  Dr.  Günther,  I^of.  Dr.  Geinitz  und  Advokat 
E.  Schmidt  für  diese  Aemter  erwählt.  Von  wichtigeren  Beschlüssen  aus 
diesem  Jahre  ist  der  der  Hei-stellung  eines  gedruckten  Bibliothekskataloges 
und  der  Neuaufstellung  der  Bibliothek  hervorzuheben.  Zu  diesem  Zwecke 
wurde  eine  aus  Oberlehrer  Besser,  Prof.  Dr.  Hart  ig,  Staatsrath  Dr. 
Schieiden  und  Lehrer  A.  Weber  gebildete  Kommission  niedergesetzt, 
welche  sich  zunächst  über  die  Prinzipien  der  Aufstellung  und  Katalogisirung 
der  Bibliothek  zu  einigen  und  der  Hauptversammlung  geeignete  Vorschläge 
vorzulegen  hatten.  Während  bisher  die  Bücher  fortlaufende  Nummern 
trugen,  was  eine  Uebei-sicht  kaum  ermöglichte  und  das  Aufsuchen  ausser- 
ordentlich erschwerte,  entschied  sich  die  Kommission  für  Trennung 
der  Bücher  in  Abtheilungen  nach  den  einzelnen  Wissenschaften,  alpha- 
betische Ordnung  und  Numerii-ung  jeder  Abtheilung  mit  1  beginnend. 
Die  Gesellschaft  stimmte  diesen  Vorschlägen  am  26.  August  zu  und  nahm 
das  Anerbieten  ihres  ersten  Secretärs,  Apotheker  Bley,  einen  neuen 
Katalog  bis  Ende  des  laufenden  Jahres  unentgeltlich  auszuarbeiten,  mit 
Dank  an. 

Die  Zahl  der  Sectionen  wurde  auf  Antrag  des  Prof.  Dr.  Geinitz  im 
November  d.  J.  um  eine  Section  für  vorhistorische  Forschungen  erweitert 
und  damit  die  Bestrebungen  und  Arbeiten  der  Isis  auf  ein  bisher  von  ihr 
nur  wenig  berücksichtigtes  Gebiet  ausgedehnt.  Die  Sitzungen  dieser  Section 
fanden  vorläufig  je  zweimonatlich  ein  Mal  an  einem  Donnerstage  statt. 

Die  Mitgliederzahl  war  seit  1866  beträchtlich  gewachsen  und  gehörten 
zu  Ende   des  Jahres  1869  262  wirkliche,   126  Ehren-  und  257  correspon- 


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clirende  Mitglieder  der  Isis  an.    Uurcli  den  Tod  verlor  sie  aiu  1 5.  December 

1868  den  langjährigen  früheren  Vorsitzenden  der  Section  für  Mathematik, 
Physik  und  Chemie,  General  J.  A.  Törmer,  und  am  28.  Juli  1869  den 
Geheimrath  und  Kgl.  Leibarzt  Dr.  med.  A.  G.  Carus,  Präsident  der 
Kais.  Leopoldinischen  Akademie,  eine  bedeutende  wissenschaftliche  Autorität, 
welcher  der  Isis  seit  1856  als  w^irkliches  Mitglied  angehörte. 

In  den  Jahren  1870  und  1871  waren  ßegierungsrath  Prof.  Schneider 
und  Prof.  Dr.  Hart  ig  Vorsitzende  der  Gesellschaft.  Für  den  von  seinem 
Amte  zurückgetretenen  ersten  Bibliothekar  war  Maler  C\  Sei'del  gewählt, 
für  die  übrigen  Aemter  die  früheren  Beamten  bestätigt  worden.  Das  neue 
Genossenschaftsgesetz  vom  15.  Juni  1868  machte  in  dieser  Zeit  eine  Revision 
der  1866  bestätigten  Statuten  noth wendig,  da  die  Eintragung  der  Isis  ins 
Genossenschaftsregister  auf  Grund  jener  verweigert  worden  war.  Gemäss 
den  Bestimmungen  dieses  Gesetzes  musste  ausser  dem  Directorium  noch 
ein  aus  den  beiden  Vomtzenden  und  dem  Kassirer  gebildeter  Voi-stand 
genannt  werden,  dem  die  Vertretung  der  Gesellschaft  in  gerichtlichen  und 
aussergerichtlichen  Angelegenheiten  oblag,  während  nach  den  bisherigen 
Statuten  der  Kassirer  allein  die  Gesellschaft  in  solchen  vertreten  hatte. 
Die  vom  Directorium  und  Verwaltungsrathe ,  unter  Berücksichtigung  der 
im  Jahre  1868  getroflenen  Zusatzbestimmungen,  vorgeschlagenen  Aendc- 
rungen  der  Statuten  wurden  in  der  Hauptvei-sammlung  am  30.  Juni 
1870  genehmigt,  und  auf  Grund  der  revidiilen  Statuten  die  Isis  am 
15.  December  d.  J.  in  das  Geuossenschaftsregister  fiir  die  Stadt  Dresden 
eingetragen. 

Der  in  Folge  der  rühmensweilhen  Thätigkeit  der  Herren  C.  Seidel 
und  C.  Bley  bis  Ende  1870  fei*tiggestellte  neue  Bibliothekskatalog  gelangte 
am  25.  November  zur  Ausgabe.  Die  Druckkosten  desselben  deckte  eine 
unverzinsliche,  binnen  5  Jahren  ratenweise  getilgte  Anleihe,  welche  von 
mehreren  Mitgliedern  gezeichnet  worden  war. 

Am  13.  August  1871  verlor  die  Gesellschaft  durch  den  Tod  ein  durch 
seine  Vorträge  aus  dem  Gebiete  der  vergleichenden  Anatomie  und  der 
Paläontologie  verdientes  Mitglied,  Generalstabsarzt  Dr.  Günther,  welcher 

1869  der  Gesellschaft,  1870  der  zoologischen  Section  als  erster  Vorsitzender 
vorgestanden  hatte. 

Im  Jahre  1872  ül)ernahm  Prof.  Dr.  Fleck  den  Vorsitz,  während 
die  übrigen  Beamten  mit  Ausnahme  des  bisherigen  ei-sten  Bibliothekars, 
der  eine  Wiederwahl  ablehnte  und  durch  Lehrer  Osniar  Thüme  ersetzt 
wurde,  in  ihren  Aemtern  verblieben.  Der  am  24.  September  1872 
erfolgte  Tod  des  verdienstvollen  Vereinskassirers,  Hofbuchhändler  Bur- 
dach, machte  eine  Neuwahl  noth  wendig  und  wurde  für  dieses  Amt 
Hofbuchhändler  Warnatz  ersehen.  Im  Jahre  1873  waren  Vorsitzende 
der  Gesellschaft  Geheimer  Regierungsrath  von  Kiesenwetter  und 
Regierungsrath  Prof.  Schneider.  Zu  erwähnen  sind  aus  dieser  Zeit 
die  Verhandlungen  über  die  Verwendung  der  „Reichenbach -Stiftung", 
welche,    seit    ihrer  Gründung    im   Jahre    1860    von    der    Isis    verwaltet, 


eiDeu  KapitalbesüiDtl  von  251  Thlr.  16  Ngr.  7  11g.  erreicht  hatte. 
Da  seit  einer  Reihe  von  Jahren  Einzahlungen  zu  dieser  Stiftung  nicht 
weiter  geleistet  worden  waren,  Hess  sich  die  Erreichung  ihres  bei 
der  Gründung  bezeichneten  Zweckes  nicht  mehr  erwarten,  und  beschloss 
die  Gesellschaft  am  27.  Februar  1873,  die  zu  dci-selben  gehörigen  Gelder 
und  Werthpapiere  an  Director  Dr.  Drechsler,  Dr.  Schaufuss  und 
Prof.  Sussdorf,  welche  die  Beiträge  eingeliefert  hatten,  zurückzugeben, 
um  in  Gemeinschaft  mit  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  Ileichenbach  über 
deren  weitere  Verwendung  zu  verfügen. 

Das  1873  gedruckte  Mitgliederverzeichniss  führt  278  wirkliche,  130 
Ehren-  und  271  correspondireude  Mitglieder  auf. 

Während  der  Jahre  1874  und  1875  übernahmen  Hofrath  Prof.  Dr. 
Geinitz  und  Geh.  Regierungsrath  von  Kiesenwetter  den  Vorsitz.  Die 
Uebcrsiedelung  der  Kgl.  polytechnischen  Schule  in  neue  Räume  und  die 
durch  die  veränderte  Bestimmung  des  alten  Gebäudes  nüthig  werdenden 
baulichen  Veränderungen  in  demselben,  zwangen  auch  die  Isis,  sich  ein 
neues  Sitzungslokal  zu  suchen,  und  trat  der  Vorstand  mit  dem  Verein  für 
Erdkunde  über  Mitbenutzung  von  dessen  Räumlichkeiten  in  Verhandlungen, 
welche  im  Juni  1875  ihren  Abschluss  durch  einen  Vertrag  fanden,  in 
welchem  der  Isis  die  Mitbenutzung  der  Vei*samndungsräume  des  Vereins 
für  Erdkunde  in  dem  Hause  der  kleinen  Brüdorgasse  Nr.  11  gegen  eine 
jährliche  Entschädigung  von  225  Mk.  gestattet  wurde.  Die  letzte  Sitzung 
in  dem  alten  Lokale  fand  am  26.  August  statt,  die  erste  im  neuen  am 
30.  September,  in  der  Zwischenzeit  fielen  die  Sectionssitzungen  aus.  Auch 
die  Bibliothek  siedelte  in  einen  für  ihre  Aufbewahrung  im  dritten  Stock  des- 
selben Gebäudes  gemietheten  Raum  über ;  am  30.  September  wurde  sie  zu 
einem  höheren  Betrage  als  bisher  wieder  versichert.  Der  Direction  des  Kgl. 
Polytechnikums  sprach  die  Gesellschaft  beim  Verlassen  ihres  zeither  be- 
nutzten Versammlungslokales  ihren  Dank  aus;  den  bisherigen  zweiten 
Bibliothekar,  Privatus  F.  Richter,  ernannte  sie  für  seine  uneigennützige 
Ven^'altung  der  Bibliothek  wiihrend  der  vergangenen  10  Jahre  zum  Ehren- 
mitgliede. 

Durch  Beschluss  der  Hauptvei-sammlung  am  25.  November  1875  wurde 
das  Eintrittsgeld  von  3  auf  5  Mk.,  der  Jahresbeitrag  der  Mitglieder  von 
9  auf  10  Mk.  erhöht,  auch  die  Bestimmung  getroffen,  dass  ein  Mitglied 
gegen  einmalige  Zahlung  von  150  Mk.  an  die  Gesellschaftskasse  von  allen 
Jahi-esbeiträgen  befreit  sein  sollte.  Am  IG.  December  genehmigte  die 
Hauptversammlung  die  Trennung  der  Section  für  Mathematik,  Physik  und 
Chemie  in  zwei  Sectionen,  die  für  Physik  und  Chemie  und  jene  lur 
Mathematik. 

In  den  Jahren  1876  und  1877  standen  Geh.  Regierungsrath  von 
Kiesen wetter  und  Rentier  H.  Ackermann,  nach  dessen  am  23.  April 
1876  erfolgtem  Tode  Prof.  Dr.  Hart  ig  der  Gesellschaft  vor.  Als  zweiter 
Secretär  wurde  Bergfactor  Röscher,  als  zweiter  Bibliothekar  Freiherr 
D.  von  Biedermann  gewählt,  welcher  aber  mit  Ende  des  Jahres  1876 


12_ 

sein  Amt  niederlegte,  worauf  im  folgenden  Jahre  Oberlehrer  Engel hardt 
und  Bergingenieur  Dittmarsch  lezteres  Amt  mit  aller  Sorgfalt  verwalteten. 

Das  Jahr  1876  brachte  der  Gesellschaft  manche  sehr  fühlbare  Ver- 
luste. Am  17.  Januar  starb  Geh.  Justizrath  Dr.  Siebdrat,  welcher  im 
Jahre  1865  an  der  Revision  der  Statuten  hervorragenden  Autheil  ge- 
nommen, von  1866—1868  dem  Vorstande  und  seit  dieser  Zeit  dem  Ver- 
waltungsrathe  angehört  hatte.  Seiner  Thätigkeit  verdankt  die  Isis  wesent- 
lich die  Rückkehr  in  geordnete  Verhältnisse,  welche  durch  unliebsame 
persönliche  Verhältnisse  erschüttert  worden  waren.  Des  Todes  des  zweiten 
Vorsitzenden  H.  Ackermann  ist  bereits  gedacht  w^orden.  Auf  einer, 
mineralogischen  Studien  am  Vesuv  und  Aetna  gewidmeten  Reise  erkrankte 
er  in  Catania  auf  Sicilien  und  verschied  dort  nach  kurzem  Krankenlager 
am  Typhus.  Seinen  interessanten  Vorträgen  verdankt  die  Gesellschaft 
manche  Förderung  ihrer  Ziele,  noch  im  Tode  zeigte  er  seine  Anhänglich- 
keit an  die  Isis  durch  ein  Legat  von  5000  Mk.,  welches  er  zu  Bibliotheks- 
zwecken ihr  testamentarisch  aussetzte. 

In  dem  seit  Michaelis  1875  benutzten  Miethlokale  wurden  die  Sitzungen 
nur  zwei  Jahre  lang  abgehalten,  da  sich  dasselbe  in  mancher  Hinsicht  der 
vollen  Entwickelung  wissenschaftlicher  Thätigkeit  nicht  günstig  erwies. 
Namentlich  konnten  die  in  den  Sitzungen  der  mathematischen  und  der 
physikalisch -chemischen  Section  oft  nöthig  werdenden  Demonstrationen 
und  Experimente  nur  in  sehr  beschränktem  Maasse  zur  Ausführung  gelangen, 
die  Zugänglichkeit  und  Benutzung  der  Bibliothek  war  gegen  früher  sehr 
erschwert  und  die  für  Miethe,  Heizung  und  Beleuchtung  alljährlich  zu 
zahlende  Summe  von  ca.  450  Mk.  stellte  zu  hohe  Anforderungen  an  die 
Kasse  der  Gesellschaft.  Deshalb  entschloss  sie  sich  zu  einem  nochmaligen 
Wechsel  ihres  Sitzungslokales  und  wandte  sich  an  das  hohe  Ministerium 
des  Kultus  und  öffentlichen  Unterrichts  mit  dem  Ersuchen,  ihr  in  den 
Räumen  des  neuen  Polytechnikums  die  Abhaltung  ihrer  Sitzungen  zu  ge- 
statten und  einen  geeigneten  Platz  zur  Aufstellung  ihrer  Bibliothek  zu 
gewähren.  Dank  dem  freundlichen  Entgegenkommen  der  Direction  des 
Kgl.  Polytechnikums  in  der  Person  des  Herrn  Geh.  Bergrath  Prof.  Dr. 
Zeuner  genehmigte  das  hohe  Ministerium  das  Gesuch  durch  Verordnung 
vom  28.  März  1877. 

Der  auf  Grund  dieser  Verordnung  mit  der  Direction  im  Mai  1877 
abgeschlossene  Vertrag  räumte  der  Gesellschaft  das  Recht  ein,  ihre 
Sectionssitzungen  und  Hauptversammlungen,  sowie  die  Sitzungen  des 
Directoriums  und  Verwaltungsrathes  in  geeigneten  Lokalen  gegen  eine 
jährliche  Entschädigung  von  130  Mk.  für  Heizung  und  Beleuchtung  abzu- 
halten; für  Aufstellung  der  Gesellschaftsbibliothek  wurde  ihr  ein  Zimmer 
in  der  ersten  Etage  des  Polytechnikums  überlassen  und  den  Mitgliedern 
die  freie  Benutzung  des  Lesezimmers  und  der  Bibliothek  des  Polytechnikums 
gestattet.  Dagegen  verpflichtete  sich  die  Gesellschaft,  die  Mitbenutzung 
ihrer  Bibliothek  auch  den  Angehörigen  des  Polytechnikums  zu  gewähren, 
ihre  Zeitschriften  im  Lesezimmer  auszulegen  und  die  Ausleihung  der  Bücher 


13 

dem  Bibliothekscustos  des  Polytechnikums  gegen  eine  jährliche  Entschädiginig 
zu  übertragen. 

Die  Gesellschaft  fühlt  sich  verpflichtet,  auch  an  dieser  Stelle  dem  hohen 
Ministerium  des  Kultus  und  öflentlichen  Unterrichts  und  der  Diroction  des 
Kgl.  Polytechnikums  ihren  wärmsten  Dank  ausziisprechen ! 

Wenn  auch  die  Uebeifiiedelung  in  das  vom  Centrum  der  Stadt  ent- 
fenitere  Polytechnikum  für  viele  Mitglieder  Unbequemlichkeiten  beim 
Besuche  der  Sitzungen  verursachte  und  sich  dadurch  manche  veranlasst 
fühlten,  denselben  fem  zu  bleiben,  so  war  sie  doch  in  vielen  Beziehungen 
vom  grössten  Nutzen.  Die  reichen  Sammlungen  des  Polytechnikums  und 
die  vorzüglich  eingerichteten  Laboratorien  für  Physik  und  Chemie  boten 
die  Möglichkeit,  auch  der  Isis  die  neuesten  Fortschritte  dieser  Wissenschaften 
in  ausgedehntester  Weise  vor  Augen  zu  führen,  die  Bibliothek  konnte 
in  weit  unbeschränkterem  Masse  benutzt  werden  als  bisher,,  da  sie  an 
allen  Wochentagen  während  die  Tagesstunden  geöffnet  ist. 

Die  erste  Versammlung  im  neuen  Lokale  fand  am  27.  September  1877 
statt,  die  Bibliothek  war  schon  im  Mai  nach  dem  Polytechnikum  überführt 
und  nach  einer  eingehenden  Revision  am  1.  Juli  1877  wieder  geöffnet 
worden. 

Mit  der  Uebersiedelung  in  das  Kgl.  Polytechnikum  beginnt  für  die  Isis 
der  jüngste  Abschnitt  ihrer  Geschichte,  der  zwar  nach  Aussen  wenig  Be- 
merkenswerthes  bietet,  nach  Innen  aber  eine  Periode  reger,  wissenschaft- 
licher Thätigkeit  bedeutet.  Im  Jahre  .1 878  unternahm  die  Gesellschaft  die 
Herausgabe  der  wissenschaftlichen  Ergebnisse  einer  von  ihrem  Mitgliede, 
Oberlehrer  Dr.  Schneider,  im  Herbst  1875  nach  dem  Kaukasus  aus- 
geführten Heise  als  selbständige  Publikation  unter  dem  Titel  „Natur- 
wissenschaftliche Beiträge  zur  Kenntniss  der  Kaukasusländer",  welche 
Schrift  ausser  Beiträgen  von  Dr.  0.  Schneider  selbst  noch  Bear- 
beitungen der  von  ihm  im  Kaukasus  gesammelten  Arachnoideen  von 
Dr.  L.  Koch,  der  Hemipteren  von  Dr.  G.  von  Horvath,  der  Algen 
und  Diatomeen  von  Dr.  A.  Grunow,  der  Mineralien  von  Dr.  A.  Frenzel, 
der  Gesteine  von  Dr.  H.  Möhl  und  der  Versteinerungen  von  Dr.  H.  P>. 
Geinitz  enthält. 

Um  eine  leichtere  Uebersicht  über  die  bisher  in  den  Jahresberichten 
verstreueten  grösseren  Abhandlungen  und  die  Aufnahme  selbständiger  Ar- 
beiten der  MitgUeder,  über  welche  in  den  Sitzungen  niclit  berichtet  werden 
konnte,  zu  ermöglichen,  wurde  1880  die  Bestimmung  getroffen,  in  Zukunft 
die  Abhandlungen  von  den  Sitzungsberichten  zu  trennen,  und  erscheinen  die 
Jahresberichte  seitdem  unter  dem  Titel  „Sitzungsberichte  und  Abhandlungen 
der  naturwissenschaftlichen  Gesellschaft  Isis  in  Dresden".  Die  Redaction 
derselben  besorgt  wie  bisher  ein  besonderes  Comite,  welches  aus  dem  ei-sten 
Vorsitzenden,  dem  ersten  Secretär  und  den  sechs  Sectionsvorständen  besteht, 
welche  die  Berichte  über  die  Thätigkeit  ihrer  Sectionen  zu  verfassen  und 
ein  Gutachten  über  Aufnahme  von  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der  von 
ihnen  veHretenen  Fachsectionen  zu  geben  haben. 


H 

Die  50jährige  Wiederkehr  des  Tages,  an  welchem  in  Dresden  eine 
Anzahl  Männer  zusammentrat,  um  einen  Verein  zur  Beförderung  der  Natur- 
kunde zu  gründen,  bot  am  20.  December  1883  Veranlassung  zu  einer 
kleinen  Feier  im  Kreise  der  Mitglieder,  bei  welcher  Gelegenheit  der  Vor- 
sitzende der  Gesellschaft,  Prof.  Dr.  Drude,  einen  kurzen  Rückblick  auf 
die  vergangenen  50  Jahre  gab. 

Als  Leiter  der  wissenschaftlichen  Thätigkeit  und  der  inneren  Ange- 
legenheiten der  Gesellschaft  war  für  das  Jahr  1878  und  1S79  Geh.  Bergrath 
Prof.  Dr.  Zeuner  erwählt  worden.  Nach  ihm  übernahmen  1880  Regierungs- 
rath  Prof.  Dr.  Hartig,  1881  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  Geinitz,  1883  Prof. 
Dr.  Drude  und  1884  Oberlehrer  Engelhardt  den  Voi-sitz.  Für  das 
Jubiläumsjahr  1885  wurde  am  27.  November  1 884  der  Senior  der  Isis,  Geh. 
Hofrath  Prof.  Dr.  Geinitz,  wiederum  an  die  Spitze  berufen. 

Die  vermögensrechtlichen  Angelegenheiten  der  Isis  leiteten  in  den  Jahren 
1878  und  1879  Regierungsrath  Prof.  Dr.  Hartig,  1880  und  1881  Ober- 
lehrer Dr.  Schneider,  1882  und  1883  Prof.  Dr.  Harnack,  1884  Prof. 
Dr.  Voss,  für  1885  wurde  Oberlehrer  Dr.  Helm  als  zweiter  Vorsitzender 
gewählt.  Das  Amt  eines  ersten  Secretärs  verwaltete  von  1866  bis  1881 
Apotheker  Bley  mit  grosser  Hingebung;  nacli  seinem  Rücktritte  wurde 
Referent  zu  seinem  Nachfolger  gewählt.  Als  zweite  Secretäre  fungirten  nach 
einander  Bergfactor  Röscher  (bis  1880),  I^ehrer  A.  Weber  (1881),  Ober- 
lehrer Dr.  Schunke  (1882  bis  1884)  und  Oberlehrer  Vetters  seit  Beginn 
dieses  Jahres.  Als  ei*ster  Bibliothekar  ist  seit  1872  Handelsschullehrer 
0.  Thüme,  als  sein  Stellvertreter  seit  1878  Prof.  Dr.  Vetter  thätig. 
Die  Kasse  der  Gesellschaft  verwaltet  seit  1872  Hof buchhändler  Warnatz. 

Die  Zahl  der  Mitglieder  beträgt  zur  Zeit  214  wirkliche,  70  Ehren- 
und  181  con-espondirende  Mitglieder.  Manche  Lücken  hat  der  Tod  in 
den  letzten  Jahren  in  die  Reihen  verdienter  und  thätiger  Mitglieder  der  Gesell- 
schaft gerissen,  und  sei  hier  nur  an  Prof.  Dr.  W.  F.  Beim,  Präsident  der 
Kais.  Leop.  Carol.  D.  Akademie,  (f  14  Mai  1878),  Prof.  Dr.  med.  E.  Lösche 
(t  25.  Januar  1879),  Geh.  Hofrath  Dr.  L.  Reichenbach  (f  17.  März 
1879)*),  Dr.  F.  Meh  wald  (t  1880),  Geh.  Regierungsrath  von  K  iesenwetter 
(t  18.  März  1880),  Dr.  L.  Rabenhorst  (t  24.  April  1881),  Major  a.  D. 
E.  Westphal  (t  7.  Mai  1881),  Staatsrath  Prof.  Dr.  Schieiden  (t  22.  Juni 
1881),  Oberappellationsgerichts-Präsident  a.  D.  Dr.  K.  Sickel  (f  12.  August 
1881),  Kaufmann  F.  L.  Gehe  (t  22.  Juni  1882),  Regierungsrath  Prof. 
B.  Schneider  (t  5.  Februar  1883),  Rentier  E.  Schür  mann  (t  26.  No- 
vember 1883)  und  F.  C.  Wilhelmi  (f  1884)  erinnert. 

Auch  der  letzte  der  noch  lebenden  Stifter,  welcher  der  Isis  seit  ihrem 
Bestehen  ununterbrochen  angehört  hatte,  der  pensionirte  Kanzleisecretär 
Carl  Nagel,  schied  am  4.  März  1883  aus  ihrer  Mitte.  Die  Isis  wird 
ihnen  Allen  ein  dauerndes  Andenken  bewahren! 


*)  Einen  von    Dr.  med   Friedrich  vcrfassten  Nekrolog  verj?l.  Sitznngsbcr.  der  Isis 
1879.    S.  97—104. 


15 

Nach  Nagel' 8  Tode  weilt  nur  noch  ehier  jener  Männer,  welchen  die  (ic- 
sellschaft  ihre  Gründung  verdankt,  Dr.  med.  Friedr.  Theile  in  Lockwitz, 
als  thätiger  Naturforscher  unter  den  Lebenden.  — 

Während  wir  bisher  nur  die  äussere' Entwickelung  und  den  alhnählichen 
Aufbau  der  heutigen  Organisation  unserer  Gesellschaft  betrachteten,  ist 
es  unsere  Pflicht,  auch  ihrer  eigentlichen  Wirksamkeit,  ihrer  wissen- 
schaftlichen Thätigkeit  während  der  letztvergangenen  25  Jalire  mit  wenigen 
Worten  zu  gedenken. 

Wohl  kaum  giebt  es  ein  Problem  oder  eine  Entdeckung  von  Bedeutung 
auf  naturwissenschaftlichem  Gebiete,  die  nicht  in  dem  Kreise  unserer  Mit- 
glieder Interesse  erregt  hätte  und  in  den  Vei*sammlungen  zur  Besprechung 
gelangt  wäre,  wohl  kaum  eine  wichtigere  Erfindung  der  Technik,  die  nicht 
durch  ihre  Vertreter  in  unserer  Mitte  vorgeführt  und  erläutert  worden 
wäre  —  davon  legen  die  24  Jahrgänge  unserer  Sitzungsberichte  Zeugniss 
ab.  Alle  die  Männer  zu  nennen,  die  durch  ihre  Vorträge  belehrend  und 
anregend  auf  die  Mitglieder  eingewirkt  haben,  alle  die  Themata  anzuführen, 
die  ilire  Behandlung  in  den  Sitzungen  gefunden  haben,  kann  nicht  der 
Zweck  dieser  Zeilen  sein  und  soll  hier  nur  auf  einige  der  wichtigeren  hin- 
gewiesen werden. 

Zunächst  aber  ist  es  eine  Pflicht  der  Dankbarkeit,  Dei-er  zu  gedenken, 
welche  sich  durch  Uebemahme  des  Vorsitzes  in  den  Sectionen  während  der 
letzten  25  Jahre  theils  durch  eigene  Vorträge,  theils  durch  Heranziehung 
geeigneter  Kräfte  zu  solchen  besondere  Verdienste  um  Belebung  der  wissen- 
schaftlichen Thätigkeit  in  der  Gesellschaft  erworben  haben,  als  Vorstände 
der  Sectionen  für 

Zoologie : 

186L  Dr.  C.  F.  Voigtländer  und  Dr.  med.  Fr.  Küchenmeister. 

1862.  Dr.  L.  Reichenbach  und  Dr.  C.  F.  Voigtländer. 
1863—1865.  Dr.  L.  lleichenbach  und  Dr.  L.  Schaufuss. 

1S66.  Dr.  med.  Fr.  Küchenmeister  und  Th.  Ileibisch. 

1867.  Th,  Reibisch  und  Dr.  R.  Ebert. 

1868.  Dr.  W.  F.  Behn  und  Th.  Rei bisch. 
186«.  Dr.  R.  Ebert  und  Dr.  W.  Abendroth. 
1870.  Dr.  med.  A.  F.  Günther  und  Dr.  R.  Ebert. 
187L  Th.  Kirsch  und  Dr.  R.  Ebert. 

1872.  Hellmuth  von  Kiesenwetter  und  Dr.  Hilgendorf. 

1S73.  H.  von  Kiesenwetter  und  Dr.  J.  von  Markusen. 

1874.  H.  von  Kiesenwetter  und  Th.  Reibisch. 

1875.  H.  von  Kiesenwetter  und  Dr.  B.  Vetter. 
1876-1S77.  Dr.  B.  Vetter  und  Dr.  R.  Ebert. 

1878.  H.  von  Kiesenwetter  und  Dr.  R.  Ebert. 

1879—1880.  H.  von  Kiesenwetter  und  Dr.  B.  Vetter. 
1881.  Dr.  B.  Vetter  und  Cl,  König. 

1882—1883.  Dr.  B.  Vetter  und  Dr.  R.  Ebert. 
1884—1885.  Dr.  R.  Ebert  und  Th.  Reibisch. 


16 


Botanik : 

1861—1864.  G.  F.  Reinicke  und  G.  F.  Krause. 

1865.  G.  F.  Reinicke  und  H.  S.  Neumann. 

1866.  W.  0.  Helmert  und  C.  E.  Besser. 
1867-1868.  O.E.  Besser  und  C.  F.  Seidel. 
1869— 1S70.  (f.  A.  Lassig  und  F.  A.  Weber. 

1871.  Dr.  M.  Schieiden  und  Dr.  AI.  Hofmann. 

1872.  Dr.  AI.  Hofmann  und  0.  Thüme. 
1873—1874.  0.  Thüme  und  F.  C.  Wilhelmi. 

1875.  C.  F.  Seidel  und  0.  Thüme. 

1876.  G.  Ad.  Petzold  und  C.  F.  Seidel. 

1877.  G.  Ad.  Petzold  und  Dr.  R.  Ebert. 

1878.  C.  F.  Seidel  und  G.  Ad.  Petzold. 

1879.  C.  F.  Seidel  unä  R.  H.  Müller. 
1880-1881.  Dr.  0.  Drude  und  C.  F.  Seidel. 

1882.  Dr.  0.  Drude  und  Dr.  R.  Kell. 

1883.  Dr.  R.  Kell  und  F.  A.  Weber. 
1884— 1 885.  Dr.  0.  Drude  und  F.  A.  Weber. 

Mineralogie  und  Geologie: 

1861  —  1864.  Dr.  H.  B.  Geinitz  und  E.  Zschau. 

1865-^  1866.  Dr.  H.  B.  Geinitz  und  Aug.  von  Gutbier. 

1867.  Dr.  H.  B.  Geinitz  und  E.  Zschau. 

1868.  E.  Zschau  und  Fr.  Otto. 
1869—1871.  Dr.  H.  B.  Geinitz  und  E.  Zschau. 
1872.  Dr.  H.  B.  Geinitz  und  J.  G.  Klemm. 
1873-1875.  Dr.  H.  B.  Geinitz  und  E.  Zschau. 
1876—1881.  Dr.  H.  B.  Geinitz  und  H.  Engelhardt. 
1882-1883.  H.  Engelhardt  imd  A.  Purgold. 
1884—1885.  A.  Purgold  und  E.  Zschau. 

Prähistorische  Forschungen: 

1870-1871.  Oberstlieutenant  0.  Schuster  und  Dr.  F.  Mehwald. 

1872.  J.  G.  Klemm  und  Dr.  F.  Mehwald. 

1873.  Dr.  F.  Mehwald  und  D.  von  Biedermann. 

1874 — 1875.  Oberstlieutenant  0.  Schuster  und  Dr.  F.  Mehwald. 
1S76.  Obei-stlieutenant  0.  Schuster  und  D.  von  Biedermann. 

1S77-1878.  Oberstlieutenant  0.  Schuster  und  Dr.  H.  B.  Geinitz. 
1879— ISSI.  Dr.  L.  Caro  und  W.  Osborne. 

1882.  Dr.  L.  Caro  und  E.  Fischer. 

1883.  Dr.  H.  B.  Geinitz  und  E.  Fischer. 

1884.  Dr.  H.  B.  Geinitz  und  H.  Wieohcl. 

1885.  D.  von  Biedermann  und  W.  Osborne. 


17 

Mathematik,  Physik  und  Chemie: 
1861 — 1865.  J.  A.  Türmer,  Dr.  A.  Drechsler  und  G.  Sussdorf. 

1866.  Dr.  C.  Neumann  und  Dr.  E.  G.  Kahl. 

1867.  Dr.  E.  Hartig  und  Dr.  C.  Neumann. 

1868.  Dr.  0.  Schlömileh  und  Dr.  E.  Hartig. 

1869.  B.  Schneider  und  Dr.  E.  Hartig. 

1870.  Dr.  H.  Klein  und  Dr.  W.  Fränkel. 

1871.  Dr.  W.  Fränkel  und  Dr.  Weinhold. 

1872.  G.  A.  Neubert  und  Dr.  G.  H.  Hoffmann. 

1873.  Dr.  G.  H.  Hoffmann  und  G.  A.  Neubert. 

1874.  G.  A.  Neubert  und  Dr.  E.  G.  Kahl. 

1875.  Dr.  C.  Neumann  und  Dr.  E.  G.  Kahl. 

Physik  und  Chemie: 

1876.  Dr.  C.  Neumann  und  Dr.  H.  Fleck. 

1877.  Dr.  A.  Töpler  und  Dr.  C.  Neumann. 

1878.  Dr.  A.  Töpler  und  Dr.  R.  Schmitt. 
1879—1880.  Dr.  W.  Abendroth  und  Dr.  C.  Neumann. 

1881.  Dr.  R.  Schmitt  und  G.  A.  Neubert. 

1882.  Dr.  R.  Schmitt  und  Dr.  W.  Abendroth. 
1883-1884.  Dr.  W.  Hempel  und  Dr.  R.  Schmitt. 
1885.              Dr.  R.  Ulbricht  und  G.  A.  Neubert. 

Mathematik : 
1876 — 1877.  Dr.  G.  Zeuner  und  Dr.  Königsberger. 

1878.  Dr.  W.  Fränkel  und  Dr.  G.  F.  Helm. 

1879.  Dr.  G.  F.  Helm  und  Dr.  H.  Burmester. 

1880.  Dr.  H.  Burmester  und  Dr.  H.  Klein. 

1881.  Dr.  Ax.  Harnack  und  H.  T.  Rittershaus. 

1882.  H.  T.  Rittershaus  und  Dr.  Aur.  Voss. 

1883.  Dr.  Aur.  Voss  und  Dr.  G.  F.  Helm. 

1884.  Dr.  G.  F.  Helm  und  Dr.  W.  Fränkel. 

1885.  Dr.  W.  Fränkel  und  Dr.  H.  Burmester. 

Aus  dem  Gebiete  der  Zoologie  sind  zunächst  die  in  früherer  Zeit 
zahlreich  gehaltenen  Vorträge  von  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  Reichenbach  zu 
erwähnen,  über  Aflen,  über  Systematik  der  hirschartigen  Thiere  u.  a.  Ueber 
die  anthropoiden  Affen  des  K.  zoologischen  Museums  in  Dresden  und  über 
Vögel  von  Neu-Guinea  sprach  Hofrath  Dr.  A.  B.  Meyer,  über  die  Repti- 
lien und  Fische  Sachsens  Dircctor  Th.  Reibisch  und  Osk.  Klocke,  über 
die  Gruppe  der  Pycnodontiden  Prof.  Dr.  Vetter.  Zahlreiche  Mittheilungen 
aus  dem  Gebiete  der  Entomologie  verdankt  die  Isis  Geh.  Regierungsrath 
von  Kiesenwetter,  Apotheker  Kirsch,  Bankier  Nawradt,  Dr.  Stau- 
dinger, Dr.  Schaufuss  und  Lehrer  Schiller;  über  den  Schaden  des 
Borkenkäfers  sprach  Geh.  Forstrath  Dr.  Judeich,  über  die  Verheerungen 
durch  Phylloxera  vastatrix  Dr.  Nase  ho  Id.    Ueber  Eingeweidewürmer  gaben 

2 


__JI8 

Oberlehrer  Dr.  Ebert,  über  Trichinen  Medicinalrath  Dr.  Küchenmeister 
und  Prosector  Dr.  Voigtländer  interessante  Mittheilungen.  Der  Malako- 
zoologie  wendete  namentlich  Director  Th.Rei bisch  seine  Aufmerksamkeit 
zu.  Ueber  Quallen  und  Actinien  verbreiten  sicli  Vorträge  von  Glasmodelleur 
Blaschka.  Seine  reichen  Erfahrungen  über  das  künstliche  Ausbrüten 
des  Vogeleies  theilte  Apotheker  Baumeyer  mit,  über  die  künstliche  Fisch- 
zucht in  Sachsen  berichtete  Prof.  Dr.  Nitzsche.  Entwickelungsgeschicbt- 
liche  Fragen  behandelten  Prof.  Dr.  Vetter  und  Oberlehrer  Dr.  Ebert 
Die  Resultate  der  Tiefseeforschungen  waren  Gegenstand  von  Vorträgen  des 
Grafen  Pourtales,  des  Generalstabsarztes  Dr.  Günther  und  des  Rentier 
Ackermann.  Ueber  Vivisection  sprach  Director  Marquart,  über  die 
Geschichte  der  Zoologie  Geh.  Regierungsrath  von  Kiesenwetter. 

Von  anthropologischen  Vorträgen  verweisen  wir  auf  den  von  Prof. 
Dr.  K.  Vogt  aus  Genf  über  Mikrocephalie  und  Atavismus,  von  Dr.  med. 
H.  Klencke  über  das  menschliche  Gehirn  und  von  Herrn  von  Blan- 
dowski  über  die  Ureinwohner  Australiens. 

Aus  dem  Gebiete  der  Botanik  behandeln  grössere  Pflanzenfamilien  Vor- 
träge von  Freiherrn  von  Biedermann  über  die  Palmen,  von  Bankdirektor 
Lässig  und  Maler  C.  Seidel  über  die  Coniferen,  von  Prof.  Dr.  Drude 
über  die  Orchideen,  von  Lehrer  Weber  über  Compasspflanzen.  In  die 
Kryptogamenkunde  führten  die  zahh^eichen  Vorträge  von  Dr.  Rabenhorst, 
in  die  Arbeiten  Pasteur's  über  Gährungspilze  Oberlehrer  Reinicke  ein. 
Ueber  Veränderungen  in  der  Flora  von  Dresden  berichtete  Oberlehrer  Wobst, 
die  Moosflora  der  Dresdener  Haide  lehrte  Lehrer  Schiller  kennen.  Floren 
grösserer  Gebiete  besprechen  die  botanischen  Reiseberichte  von  Garten- 
director  Krause,  Hofgärtner  Pos<jharsky  und  Dr.  0.  Schneider  aus 
Salzburg,  von  Hofgärtner  Neumann  aus  Tyrol  und  Dr.  Alex.  Hof- 
mann aus  der  Schweiz,  sowie  die  Vorträge  von  Maler  C.  Seidel  über  die 
Flora  der  östlichen  Sudeten  und  des  Tatragebirges,  von  Dr.  Kell  über  die 
Flora  des  Kyfiliäuser  und  des  Riesengebirges.  Ueber  die  durcli  mehr- 
jährigen Aufenthalt  in  Australien  gewonnenen  Beobachtungen  über  die 
Vegetation  dieses  Eidtheils  verbreiteten  sich  Vorträge  des  Kaufmann 
Wilhelmi.  Aus  dem  Gebiete  der  Pflanzengeographie  sind  ausser  früheren 
Mittheilungen  von  Dr.  med.  Friedrich,  Oberlehrer  Reinicke  und 
Handelsschullehrer  Thüme  namentlich  die  Vorträge  von  Prof.  Dr.  Drude 
hervorzuheben.  P>gebnisse  phytophänologischer  Beobachtungen  theilten 
Prof.  Dr.  Drude,  Oberförster  Kos  mahl  und  Oberlehrer  Wobst  mit. 

Die  Geologie  und  Mineralogie  hat  unter  den  Mitgliedern  der 
Isis  stets  viele  Freunde  gefunden.  Vor  Allem  hat  sich  um  Förderung  dieser 
Wissenschaften  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  Geinitz  verdient  gemacht  durch 
zahlreiche  A'orträge,  durch  welche  er  den  geologischen  Bau  unserer  Erde, 
insonderheit  unseres  engeren  Vaterlandes,  sowie  die  Flora  und  Fauna  der 
Vorwelt  bekannt  machte.  Ueber  den  geologischen  Bau  von  Gippsland 
sprach  Bergfactor  Röscher,  über  die  geologischen  Forschungen  in  Nord- 
amerika  Geh.   Hofrath  Prof.  Dr.  Geinitz,   über  die   Geologie   Englands, 


19 

Schottlands,  der  Capverdischen  und  Kaimeni-Inseln  Dr.  A.  Stübel,  der  Insel 
Wight  Kapitän  Boscavenibbetson,  der  Inseln  Helgoland  und  Nordeniey 
Ingenieur  Carstens,  des  südlichen  Norwegens  Bergingenieur  Di  ttmar  seh, 
der  Insel  Elba  Dr.  0.  Schneider.  Den  geologischen  Bau  der  Alpen  be- 
handelte ein  Vortmg  von  Prof.  Dr.  Baltzer,  Zürich,  die  Vergletscherung 
Norddeuischlands  und  Skandinaviens  Vorträge  von  Dr.  Dathe,  Oberlehrer 
Cl.  König  und  Oberlehrer  Dr.  Seh  unke,  das  Klima  der  Eiszeit  ein 
Vortrag  von  Dr.  H.  Vater,  lieber  die  Entstehung  der  Mai-schen  sprach 
Oberlehrer  Dr.  Ebert,  üder  die  Sandformen  der  Dresdener  Haide  Oberst 
v.  Gut  hier,  ül)er  den  Erdbrand  von  Planitz  bei  Zwickau  Dr.  Funcke, 
lieber  die  seit  Auftreten  des  Menschen  ausgestorbenen  Thiere  verbreiteten 
sich  Generalstabsarzt  Dr.  Günther  und  Prof.  Dr.  Behn,  über  diluviale 
Thiere  von  Oelsnitz  i.  V.  Oberst  v.  Gutbier;  die  Flora  der  Tertiärzeit 
lehrte  Oberlehrer  Engelhard t,  die  Insectenwelt  derselben  Referent 
kennen ;  den  Plänerversteinerungen  des  Plauenschen  Grundes  widmete  Maler 
E.  Fischer  Aufmerksamkeit.  Mechanische  und  mikroskopische  Gesteins- 
analysen erläuterten  Prof.  Dr.  Stelznor,  Freiberg,  und  Dr.  Pabst;  den 
Mineralreichthum  Sachsens  machten  E.  Zschau,  den  Erzreichthum  des  Altai 
Obei-st  V.  Pischke  l)ekannt.  Uebor  V^orkommen  von  Edelsteinen  in  der 
sächsischen  Schweiz  gab  Prof.  Dr.  Stelzner,  über  Silbervorkomnien  in 
Spanien  Bergingenieur  Engelmann,  über  sicilianischen  Bernstein  Dr. 
0.  Schneider,  über  Gewinnung  des  samländischen  Herr  v.  Normann 
Mittheilungen.  Zahlreiche  krystallograi)hische  Beobachtungen,  sowie  mine- 
ralogisch-geologische Reiseberichte  theilte  Ingenieur  Purgold  mit.  Ueber 
die  neueste,  den  geologischen  Karten  von  Sachsen  zu  Grunde  gelegte 
Genemlstabskarte  sprach  Oberst  Vollborn. 

Ueber  die  Fortschritte  der  vorhistorischen  Archäologie  berichtete 
Oberstlieutenant  0.  Schuster,  über  Funde  aus  der  Vorzeit  Skandinaviens 
Dr.  Mehwald.  Die  Pfahlbauten  der  Schweiz,  die  vorhistorischen  Stationen 
von  Schussenried,  Thayingen  u.  a.  erläuterte  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  Geinitz 
durch  zahlreiche  Vorlagen.  P^ine  Uebersicht  über  die  Heidenschanzen 
Deutschlands  gab  Oberstlieutenant  0.  Schuster,  über  die  vorhistorischen 
Stationen  des  Elbthales  in  Sachsen  Maler  E.  Fischer.  Die  slavische  und 
deutsche  Besiedelung  von  Sachsen  behandelte  ein  Vortrag  des  Geh.  Rath 
Prof.  Dr.  Meitzen,  Berlin.  Ueber  Urnenfelder  der  Umgegend  von  Dresden 
berichteten  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  Geinitz,  Hofapotheker  Dr.  Caro, 
Ingenieur  Wiechel  und  Referent.  Reiche  Sammlungen  vorhistorischer 
Funde  aus  Prankreich  und  Sachsen  legten  Fräulein  Ida  v.  Boxberg,  aus 
Böhmen  Rentier  Osborne,  aus  Sibirien  01)erst  v.  Pischke  vor.  Ueber 
archäologische  Excursionen  in  Nord -Frankreich  gaben  Oberstlieutenant 
0.  Schuster,  über  die  Schliemann'schen  Ausgrabungen  in  Troja  Freiherr 
D.  V.  Biedermann  interessante  Mittheilungen. 

Von  Vorträgen  aus  der  Physik  und  Chemie  seien  hervorgehoben 
die  von  Generalmajor  Törmer,  Major  Dr.  Kahl,  Prof.  Neubert  und 
Prof.    Dr.    Heger    über    Spectralanalyse,    von    Dr.    C.    Neu  mann    und 

2* 


.    20 

C.  A.  Hantzsch  über  Newton's  und  Göthe's  Farbenlehre,  von  Geheimrath 
Prof.  Dr.  Zeuner  über  die  kritische  Temperatiu-,  von  Oberlehrer  Dr.  Helm 
über  electrische  Beleuchtung,  von  Prof.  Dr.  Lösche  und  Regierungsrath 
Prof.  B.  Schneider  über  unterseeische  Kabel  und  von  Prof.  Dr.  Zetzsche, 
Berlin,  über  das  Telephon.  Allgemeinstes  Interesse  erregten  femer  die  von 
zahlreichen  Demonstrationen  und  Experimenten  begleiteten  Vorträge  aus  dem 
Gebiete  der  Electricität  und  des  Magnetismus  von  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr. 
Top  1er.  In  die  Fortschritte  des  Beleuchtungswesens  führte  Fr.  Siemens 
ein.  Ueber  zahlreiche,  unter  seiner  Leitung  im  Laboratorium  für  organische 
Chemie  des  K.  Polytechnikums  ausgeführte  experimentelle  Untersuchungen 
berichtete  Hofrath  Prof.  Dr.  Schmitt,  über  seine  Gasuntersuchungen 
Prof.  Dr.  Hempel,  über  die  von  ihm  ausgeführten  Analysen  Dresdener 
Trinkwässer  Hofrath  Prof.  Dr.  Fleck,  über  den  Einfluss  von  Bleiröhren- 
leitungen auf  Trinkwässer  Apotheker  C.  Bley;  über  Theerfarben  und 
Thecrfarbenindustrie  sprachen  Dr.  Naschold  und  Privatdocent  Dr.  Möhlau, 
über  Petroleum  als  Leuchtmittel  Prof.  Sussdorf,  über  den  Bildungs- 
prozess  fossiler  Brennstoffe,  über  Nahrung  und  Nahrungsmethoden  Hofrath 
Prof.  Dr.  Fleck,  über  Desinfectionsmittel  Apotheker  C.  Bley.  Das  Ozon 
war  Gegenstand  mehrerer  Vorträge  von  Prof.  Sussdorf  und  Dr. 
Schumi ann.  Schätzbare  Mittheilungen  über  neue  Entdeckungen  auf 
dem  Gebiete  der  Physik  und  Chemie  verdanken  wir  auch  Prof.  Dr. 
Abendroth,  Oberlehrer  Dr.  Hoffmann,  Prof.  Neubert,  Dr.  C.  Neu- 
mann, Major  Dr.  Kahl,  Apotheker  C.  Bley. 

Mit  der  Meteorologie  beschäftigten  sich  Prof.  Neubert,  Hofrath  Dr. 
Drechsler,  Privatdocent  Photograph  Krone,  Maler  E.  Fischer  und 
Assistent  J.  Freyberg,  mit  den  Fortschritten  der  Photographie  Photo- 
graph H.  Krone. 

Von  astronomischen  Vorträgen  sind  die  des  Hofrath  Dr. 
Drechsler,  Dr.  C.  Neumann,  Oberlehrer  Dr.  Hoffmann,  Photograph 
Krone  und  Oberlieutenant  Opelt  zu  erwähnen. 

Vorträge  aus  dem  Gebiete  der  reinen  und  angewandten  Mathe- 
matik hielten  Geheimrath  Prof.  Dr.  Zeuner,  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr. 
Köuigsberger,  Prof.  Dr.  Burmester,  Prof.  Rittershaus,  Regierungs- 
rath Prof.  Lewicki,  Prof.  Dr.  Harnack,  Prof.  Dr.  Voss,  Schriftsteller 
0.  Schniitz-Dumont,  Prof.  Dr.  Klein  und  Oberlehrer  Dr.  Helm. 

In  verschiedene  Zweige  der  Technik  endlich  führten  Vorträge  von 
Regierungsrath  Prof.  B.  Schneider,  Regierungsrath  Prof.  Dr.  H artig, 
Baurath  Prof.  Dr.  Fränkel,  Baurath  Prof.  Dr.  Mohr,  Prof.  Rittershaus, 
Civiliugenieur  Dr.  Pro  11  ein. 

Philosophische  Themata  behandelten  Vorträge  von  Director  Dr. 
Drechsler,  Dr.  med.  Pfaff,  Geh.  Regierungsrath  v.  Kiesenwetter, 
Prof.  Dr.  Abel,  Berlin. 

Ueber  Städtereinigung  sprach  Geh.  Medicinalrath  Dr.  Günther, 
über    Veipäegung     grösserer     Truppenmassen     im    Kriege     Hauptmann 


21 

V.   Kretzschmar,   über    Festungsbelagerung    General    v.    Abendroth, 
über  das  Beamtenwesen  China's  Dr.  Hirth  aus  China. 

Die  von  einzelnen  Mitgliedern  unteniommenen  grösseren  Wissenschaft* 
liehen  Reisen  führten  auch  der  Gesellschaft  reichen  StoiF  der  Belehrung 
zu,  es  sei  hier  erinnert  an  die  Vorträge  von  Prof.  Dr.  Laube,  Prag,  über  den 
Verlauf  der  zweiten  deutschen  Nordpolexpedition,  deren  wissenschaftlicher 
Begleiter  er  war,  an  die  zahlreichen  Vorträge  von  Oberlehrer  Dr.  Schnei- 
der über  Palästina,  Egypten  und  den  Kaukasus,  von  Photograph  Krone 
über  die  Aucklandinseln,  von  Rentier  Ackermann  über  den  Yellowstone 
National  Park,  von  Bergingenieur  Bald  auf  über  seine  Reise  nach  dem 
weissen  Meere. 

Gross  ist  die  Zahl  der  Mitglieder,  die  es  sich  angelegen  sein  liessen, 
durch  kleinere  Mittheilungen,  Vorlagen  von  Naturgegenständen  und  durch 
Fragstellung  zur  Anregung  des  wissenschaftlichen  I^ebens  in  der  Gesell- 
schaft beizutragen. 

Auch  der  naturwissenschaftlichen  Literatur  wurde  besondere  Aufmerk- 
samkeit zugewendet,  wie  die  zahlreichen  Referate  über  neu  erschienene 
Schriften  in  den  Sitzungsberichten  und  die  von  der  botanischen  und 
zoologischen  Section  ins  Leben  gerufenen  Literatur-Abende  bezeugen. 

Zur  Förderung  der  Hiätigkeit  unserer  Gesellschaft  trugen  wesentlich 
auch  die  gemeinschaftlichen  Excursionen  bei,  welche  während  der  Sommer- 
monate in  die  Umgegend  der  Stadt,  in  grössere  Gartenanlagen  oder  tech- 
nische Etablissements  ausgeführt  wurden. 

An  den  in  Dresden  zeitweilig  tagenden  Wanderversammlungen  deutscher 
naturwissenschaftlicher  Gesellschaften  nahmen  auch  die  Isismitglieder  regen 
Antheil,  so  an  der  42.  Versammlung  deutscher  Naturforscher  und  Aerzte 
im  September  1 868,  sowie  an  den  Versammlungen  der  deutschen  geologischen 
und  der  deutschen  anthropologischen  Gesellschaft  im  September  1874. 

Einen  Beweis  der  selbständigen  wissenschaftlichen  Thätigkeit  vieler 
Mitglieder  legt  die  grosse  Zahl  der  in  den  24  Jahrgängen  unserer 
Sitzungsberichte  enthaltenen  Abhandlungen  ab,  unter  denen  namentlich 
solche  aus  dem  Gebiete  der  Mineralogie,  Geologie,  Paläontologie  und  Botanik 
vertreten  sind. 

Die  B  i  b  1  i  0 1  h  e  k  ist  in  den  letzten  Jahrzehnten  bedeutend  ge waclisen.  Im 
Jahre  1835  mit  dem  ersten  von  der  Gesellschaft  gehaltenen  Journale  „Archiv 
der  Naturgeschichte  von  Wiegmann"  gegründet  und  bis  1838  nur  um  vier 
Bände  gewachsen,  bestand  sie  1 860  bereits  aus  gegen  1 000  Zeitschriften  und  ein- 
zelnen Werken,  deren  Zahl  sich  von  Jahr  zu  Jahr  immer  vergrösserte  und  heute 
etwa  eine  Höhe  von  ca.  2500  Nummern  erreicht  hat.  Dieses  rasche  Wachs- 
thum  ist  vor  Allem  auf  die  erweiterten  Tauschverbindungen  mit  verwandten 
Vereinen  zurückzuführen.  Nach  Herausgabe  eines  eigenen  Organes  Hess  es 
sich  die  Gesellschaft  jeder  Zeit  angelegen  sein,  in  Beziehungen  zu  den 
gleiche  Ziele  verfolgenden  Vereinen  zu  treten,  um  ihren  Mitgliedern  auch 
die  wissenschaftlichen  Forschungen  weiterer  Kreise  zugänglich  zu  machen, 
sodass  heute  ein  wissenschaftlicher  Verkehr   mit  239   Gesellschaften   des 


22 

In-  und  Auslandes  stattfindet.  Die  hierdurch  erhaltenen  Schriften  sind 
vorwiegend  allgemein  naturwissenschaftlichen  Inhalts,  manche  enthalten  nur 
Abhandlungen  aus  einzelnen  Zweigen  der  Naturwissenschaften,  nur  wenige 
deren  aus  Fächern,  die  in  der  Isis  nicht  speziell  vertreten  sind,  wie 
Geographie,  Landwirthschaft,  Geschichte  u.  a.  Grossen  Dank  schuldet  die 
Gesellschaft  vielen  ihrer  Mitglieder,  die  ihre  Publikationen  der  Bibliothek 
zum  Geschenk  machten  und  von  denen  manche,  wie  Barrand e's  grosses 
Werk  über  das  böhmische  Silurbecken,  Kesselmeyer's  Calendariura 
perpetuum  mobile,  der  „0(b'n"  der  Frau  Kayser-Langerhanns  einen 
hohen  Wei*th  repräsentiren.  Nur  klein  ist  bei  den  geringen  verfugbaren 
Mitteln  die  Zahl  der  Zeitschriften  und  Bücher,  welche  die  Isis  alljährlich 
ankaufen  kann. 

In  gleich  erfreulicherweise  haben  sich  auch  die  finanziellen  Ver- 
hältnisse gehoben.  Während  das  Budget  des  Jahres  1861  nur  eine 
Einnahme  von  1539  Mk.  angiebt,  der  eine  Ausgabe  von  1502  Mk.  gegen- 
übersteht, weist  der  Rechnungsabschluss  von  1884  eine  Einnahme  und 
Ausgabe  von  ca.  2800  Mk.  nach.  Dagegen  besitzt  die  Isis  ausser  einem 
Reservefond  von  224  Mk.  zur  Zeit  ein  Kapital  von  9850  Mk.,  welches  sie 
der  hochherzigen,  die  Wissenschaft  ehrenden  Gesinnung  ihrer  Mitglieder 
C.  Kesselmeyer,  H.  Ackermann  (f),  J.  Bodemer  und  L.  Gehe  (t) 
verdankt.  Ebenso  ist  die  Gesellschaft  ihrem  Mitgliede  Fabrikbesitzer 
Fr.  Siemens  verpflichtet,  welclier  durch  eine  jährliche  freiwillige  Gabe 
von  100  Mark  zur  Besoldung  des  Agenten  für  den  Vertrieb  der  Zeit- 
schrift beitrug. 

Für  alle  diese  Geschenke,  die  zur  Förderung  der  selbständigen  Ent- 
wickelung  unserer  Gesellschaft  wesentlich  beigetragen  haben,  sprechen  wir 
auch  hier  nochmals  unseren  aufrichtigen  Dank  aus! 

In  gleicher  Weise  fühlen  wir  uns  zu  grossem  Danke  allen  den  Männern 
verpflichtet,  die  durch  ihre  Thätigkeit  in  unserer  Gesellschaft  zu  deren 
Emporblühen  beigetragen  haben  und  den  wissenschaftlichen  Bestrebungen 
der  Mitglieder  in  jeder  Weise  förderlich  gewesen  sind.  Viele  von  ihnen 
weilen  nicht  mehr  in  unserer  Mitte,  ihr  Andenken  wird  immer  hoch 
in  Ehren  gehalten  werden.  Möge  es  der  Isis  in  Zukunft  nie  an  solchen 
freundlichen  Förderern  fehlen,  möge  sie  am  Ende  des  ersten  Jahrhunderts 
ihres  Bestehens  auf  die  vergangene  Zeit  mit  gleicher  Befriedigung  wie  jetzt 
zurückblicken! 


23 


Beamten -Collegium  der  Isis  im  Jahre  1885. 


Direotorium: 

Erster  Voraitzender ;  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  B.  üeiuitz. 
Zweiter  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr.  G.  F.  Helm. 

Die  Seclionsvorstände 
für  Zoolo{(ie:  Oberlehrer  Dr.  R.  Ebert, 
für  Botanik:  Director  und  Prof.  Dr.  O.  Drude, 
für  Mineralogie  und  Geologie:  Bergingenieur  A.  Purgold, 
für  Physik  und  Chemie:  Prof.  Dr.  R.  Ulbricht, 
für  prähistorische  Forschungen:  Freiherr  D.  von  Biedermann, 
für  Mathematik:  Baurath  Prof.  Dr.  W.  Frank el. 

Ei-ster  Secretär:  Dr.  .F.  Deichmüller. 
Zweiter  Secretär:  Oberlehrer  K.  Vetters. 


Verwaltungsrath : 

Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr.  G.  Helm. 

Mitglieder:  Apotheker  H.  Baumeyer, 
Maler  A.  Flamant, 
Commissionsrath  E.  Jäger, 
Fabrikant  E.  Kühn  seh erf, 

Fabrikbesitzer  und  Ingenieur  Fr iedr,  Siemens, 
Geheimrath  und  Director  Prof.  Dr.  G.  Zeuner. 

K assiror :  Hofbuchhandler  H.  Wa  r  n  a  t  z. 
Erster  Bibliothekar:  Handelsschullehrer  O.  Thüme. 
Zweiter  Bibliothekar:  Professor  Dr.  B.  Vetter. 
Secretär:  Oberlehrer  K.  Vetters. 


Redactions  -  Comite 

besteht  aus  den  Mitgliedern   des  Directoriums  mit  Ausnahme   des  zweiten  Vor- 
sitzenden und  des  zweiten  Secretärs. 


IL  Abhandlungen. 

Die  Entwickelung  der  petrographischen  Unter- 
suchuiig8methoden  in  den  letzten  fünfzig  Jahren. 

Mit  besonderer  BerCcksichtigung  der  mechanischen  Gesteinsanalyse.*) 

Von  Prof.  Dr.  Alfred  Stelmep. 


Bei  der  Feier  des  fünfzigjährigen  Bestehens  und  Wirkens  einer  Gesell- 
schaft, die  sich  die  Pflege  der  Naturwissenschaften  zur  Aufgabe  gestellt  hat, 
liegt  CS  nahe,  einen  Vergleicli  zu  ziehen  zwischen  den  in  den  einzelnen 
Disciplinen  sonst  und  gegenwärtig  bräuchlichen  Arbeitsmethoden  und  zu 
fragen,  welche  Erweiteningen  und  Vertiefungen  die  exacte  Forschung  im 
Laufe  der  Zeit  gewonnen  hat. 

Auf  den  nachfolgenden  Blättern  soll  versucht  werden,  diese  Frage 
insoweit  zu  beantworten,  als  sie  die  Geologie  und  namenthch  die  Petro- 
graphie  betrifft. 

Es  wird  daher  zunächst  ein  kurzer  Ueberblick  über  die  allmähliche 
Entwickelungsweise  der  Gesteinsuntersuchung  gegeben,  und  hierauf  die  der- 
malige Leistungsfähigkeit  der  letzteren  an  einigen  Beispielen  erörtert  werden. 

In  einem  i)etrographischen  Arbeitszimmer  der  dreissiger  Jahre  mag 
ausser  ein  paar  Hämmern  wenig  mehr  zu  sehen  gewesen  sein  als  ein 
Fläschchen  mit  Salzsäure  und  eine  Lupe,  allenfalls  auch  noch  ein  Sicher- 
trog. Nimmt  man  dazu  noch  Karte  und  Kompass,  so  dürfte  hiermit  — 
und  mit  ein  paar  guten  Beinen,  überhaupt  der  ganze  Untersuchungsapparat 
eines  älteren  Geologen  genannt  sein. 

Die  eratc  Ergänzung  und  Erweiterung  desselben  betraf  das  Fläschchen 
Salzsäure.  Bereits  in  den  zwanziger  Jahren  hatte  man  begonnen,  Gesteine 
chemisch  zu  analysiren  und  Gmelin  hatte  dal)ei  schon  1828  die  in 
Salzsäure  löslichen  und  unlöslichen  Bestandtheile  der  Phonolithe  gesondert 
bestimmt.  Hierdurch  und  durch  manche  weitere  Analysen,  so  namentlich 
durch  diejenigen,  welche  Abich  1841  bis  1843  mit  den  Eruptionsproducten 

*)  Der  Inhalt  des  uai'kfblgcndcn ,  auf  AVunsch  der  Redaction  zum  Abdruck  ge- 
langenden Aufsatzes  bildete  das  Thema  eines  Vortrages,  den  der  Verfasser  in  der  all- 
gemeinen Sitzung  der  Isis  vom  27.  M&rz  1884  hielt, 

fetttchrift  der  /t«r  m  Dresden,  I88ö, 


J6 

italienischer,  armenischer  und  südamerikanischer  Vulkane  vorgenommen 
hatte,  waren  zwar  verechiedene  lehrreiche  Resultate  gewonnen  worden  — 
immerhin  w^urde  die  chemische  Untersuchung  der  Gesteine  bis  1847  doch 
noch  ziemlich  lau  betrieben. 

In'  dem  zuletzt  genannten  Jahre,  das  man  als  das  Geburtsjahr  der 
Geochemie  bezeichnen  dai-f,  veröffentlichte  G.  Bischof  zum  ersten  Male 
sein  Lehrbuch  der  chemischen  und  physikalischen  Geologie,  in  welchem  er, 
gestützt  auf  eine  bewundernswerthe  Vielzahl  von  Thatsachen  und  ebenso 
umsichtig  wie  überzeugend  nachwies,  „dass  unsere  Erde,  so  weit  wir  sie 
kennen,  ein  grosses  chemisches  Laboratorium  ist,  worin  seit  der  Schöpfungs- 
periode ununterbrochen  chemische  Processe  von  Statten  gehen,  und  so 
lange  von  Statten  gehen  werden,  als  sie  ihre  Bahn  um  die  Sonne  be- 
schreiben wird".  Damit  aber  war  der  Geologie  ein  neues,  vielversprechendes 
und  bald  auch  eifrig  cultivirtes  Forschungsgebiet  erschlossen. 

Insonderheit  wurde  jetzt  Bunsen  dazu  angeregt,  die  vulkanischen 
Gesteine,  die  er  auf  Island  gesammelt  hatte,  zu  analysiren  (1851).  Er 
glaubte  hierbei  zu  finden,  dass  alle  diese  nordischen  Eruptionsproducte 
hinsichtlich  ihrer  chemischen  Zusammensetzung  eine  continuirliche  Reihe 
zwischen  einem  sauerst-en  (normaltrachytischen)  und  einem  basischsten 
(normalpyroxenischen)  Gliede  bilden  und  nun  sehen  wir  ihn  selbst,  seine 
Schüler  sowie  zahlreiche  andere  Chemiker  und  Geologen  darin  wetteifern, 
diese  Reihe  durch  die  Untersuchung  der  verschiedensten  Gesteine  aller 
Länder  zu  ergänzen  und  zu  festigen.  Delesse  und  Durocher,  Kjerulf 
und  Rammeisberg,  Scheerer,  Streng  und  zahlreiche  andere  Fach- 
genossen sind  in  den  Laboratorien  so  rastlos  thätig,  dass  J.  Roth  bereits 
1861  nahezu  1000  vertrauenswürdige  Bausch-  und  Partialanalysen  von 
Gesteinen  sammeln,  kritisch  zu  einem  Ganzen  verarbeiten  und  seine  müh- 
samen Tabellen  mit  vollem  Rechte  als  „eine  nothwendige  und  unabweisliche 
Ergänzung  der  Petrographie"  bezeichnen  kann. 

Von  den  zahlreichen  anderen,  seit  1847  ausgeführten  chemisch-ana- 
lytischen Arbeiten,  die  unseren  Einblick  in  den  Chemismus  der  Erde,  in 
die  Beschaffenheit  ihrer  festen  Kruste,  in  die  unaufhörlich  sich  abspielenden 
Zerstörungen,  Umwandlungen  und  Neubildungen  der  Mineralien  und  Ge- 
steine zu  vervollständigen  trachten,  kann  hier  abgesehen  werden;  denn 
schon  das  Vorstehende  wird  genügen,  um  verständlich  zu  machen,  dass  aus 
dem  Fläschchen  Salzsäure  im  Laufe  der  Zeit  ein  vollständig  eingerichtetes 
chemisches  Laboratorium  geworden  und  das  geologische  Untersuchungs- 
gebiet in  solcher  Weise  erweitert  worden  war,  dass  sich  nachgerade  eine 
Arbeitstheilung  zwischen  Feldgeologen  und  chemischen  Geologen  vollziehen 
musste. 

Der  Petrograph  will  aber  nicht  blos  die  chemische,  sondern  auch  die 
mineralogische  Zusammensetzung  der  Gesteine  ergründen  und  diejenigen 
Gesetze  klar  stellen,    welche    die   Differenzirung   glutflüssiger  Massen   zu 


27 

einzelnen  mineralischen  Componenten ,  sowie  Ausscbeidungsfolge  und 
Aggregatiousweise  der  letzteren  bedingen. 

Deshalb  konnte  ihm  die  von  chemischer  Seite  zu  Theil  gewordene 
Unterstützung,  so  werthvoU  dieselbe  auch  war,  doch  nicht  genügen;  denn 
die  Gesteinsanalytiker  selbst  wiesen  ja  bald  nach,  dass  die  chemische  Zu- 
sammensetzung der  Gesteine,  trotz  der  so  ausserordentlichen  Verschieden- 
heit dieser  letzteren,  in  qualitativer  und  quantitativer  Beziehung  nur  inner- 
halb der  oben  genannten  Grenzen  schwankt,  dass  Gesteine  von  durchaus 
verschiedener  mineralischer  Zusammensetzung  und  Structur,  wie  Gninit» 
Quarzporphyr  und  Pechstein  trotzdem  eine  gleiche  chemische  Zusammen- 
setzung haben  können  und  dass  somit  ausser  der  chemischen  Beschaffenheit 
der  zur  Eruption  gelangenden  Massen  auch  die  bei  der  Ei-stanning  der- 
selben herrschenden  physikalischen  Zustände  von  einflussreicher  Bedeutung 
für  das  schliesslich  entstehende  Product  sein  müssen. 

Durch  die  chemische  Analyse  konnte  daher  die  optische  Analyse 
derselben  nicht  entbehrlich  gemacht  werden. 

Diese  letztere  war  aber  noch  eine  sehr  unvollkommene,  denn  die 
älteren  Petrogi-aplien  besa^ssen  eben  zur  Verstärkung  ihrer  eigenen  Sehkraft 
nur  die  einfache  Lupe  und  diese  genügte  so  wenig  für  das  Studium  der 
weit  verbreiteten,  klein-  und  feinkörnigen  Aggregate,  dass  man  noch  weit 
davon  entfernt  blieb,  von  allen  Gesteinen  angeben  zu  können,  welche 
Mineralien  ihre  hauptsächlichsten  Bestandtheile  seien. 

Es  hatte  zwar  nicht  an  einzelnen  Beweisen  dafür  gefehlt,  dass  die 
Untersuchung  von  Gesteinspulver,  von  mineralischen  Spaltblättchen  und 
Gesteinssplittern  unter  dem  Mikroskope  unser  Erkenntnissvermögen  steigern 
könne  —  es  sei  hier  nur  an  Cordier's  Studien  gepulverter  und  ge- 
schlämmter Basalte  (1815),  an  Brewster's  noch  heute  werth volle  Mit- 
theilungen über  Flüssigkeitseinschlüsse  in  Topas,  Sapphir  und  anderen 
Mineralien  (1826),  an  die  gegen  Ende  der  zwanziger  Jahre  von  Nicol 
begonnene  Herstellung  von  Dünnschliffen,  die  nun  alsbald  von  Witham 
zur  mikroskopischen  Untersuchung  fossiler  Pflanzen  im  durchfallenden 
Lichte  verwerthet  wurde  (1831)  und  endlich  an  diejenigen  Resultate  er- 
innert, die  Scheerer  1845  bei  der  mikroskopischen  Untersuchung  feiner 
Splitter  des  Tvedestrander  Sonnensteines  und  anderer  Mineralien  erhalten 
hatte  — ,  aber  man  war  doch  noch  zu  sehr  mit  geologischen  Feldunter- 
suchmigen,  mit  dem  Studium  der  mehr  und  mehr  sich  anhäufenden  Ver- 
steinerungen und  n)it  der  neu  aufgekommenen  Ausführung  chemischer 
Analysen  beschäftigt,  als  dass  man  dem  Mikroskope  mehr  als  eine  gelegent- 
liche Beachtung  geschenkt  hätte. 

Nur  so  wird  es  erklärlich,  dass  sich  die  deutschen  Geologen  dem 
Mikroskope  gegenüber  selbst  dann  noch  indifferent  verhielten,  als  ihnen 
Oschatz  1851  zum  ersten  Male  eine  Sammlung  von  Mineral-  und  Gesteins- 
dünnschliffen vorlegte  und  auf  die  Bedeutung  der  letztei^en  für  Structur- 
Studien  hinwies.     Man  hatte  eben  noch  kein  Verständniss  für  die  Trag-» 


28 

weite  derartiger  Untersuchungsmethoden,  auch  noch  keine  Uebung  in  der 
Deutung  der  mikroskopischen  Bilder  und  so  überliessen  denn  die  Geologen, 
wie  ich  an  einem  Beispiele  leicht  zu  erweisen  vermöchte,  die  kleine  von 
Oschatz  in  den  Handel  gebrachte  Präparatensammlung  den  physikalischen 
Instituten  als  ein  zu  Demonstrationen  geeignetes  Curiosum. 

Auch  ein  weiterer  Anstoss,  der  die  Petrographeu  aus  dieser,  ihi-en 
jüngeren  CoUegen  wohl  geradezu  unveratändlich  ei*scheinenden  Gleichgültig- 
keit gegen  eine  vervollkommnete  optische  Untersuchung  der  Gesteine  hätte 
aufrütteln  können,  die  von  Sorby  an  DünnschliiTen  und  unter  Anwendung 
von  durchfallendem  und  polarisirtem  Lichte  ausgeführte  Arbeit  über  den 
kalkigen  Sandstein  von  Yorkshire  (1851),  ging  noch  spurlos  vorüber. 

„Da  geschah  es  nun,  dass  in  jener  langjährigen  Stagnation,  während 
welcher  die  fast  gänzlicher  Entmuthigung  anheimgefallene  mikroskopische 
Forschung  kaum  einen  wesentlichen  Schritt  vorwärts  gethan  hatte,  Henry 
Clifton  Sorby  in  Sheffield  im  November  1858  (Quart,  joum.  of  geol. 
soc.  XIV.  453)  jene  für  alle  Zeiten  classische  Arbeit  veröffentlichte,  welche 
unter  dem  Titel  „On  the  microscopical  structure  of  crystals,  indicating  the 
origin  of  minerals  and  rocks"  eine  Reihe  mit  bewunderungswürdigem 
Scharfsinn  durchgeführter  Untersuchungen  brachte,  die  ihren  Einfluss  noch 
bis  auf  den  heutigen  Tag  geltend  machen  Drei  ganz  neue  Gebiete  sind 
es,  auf  denen  sich  hier  die  Forschung  zum  ersten  Mal  bewegt:  die  mikro- 
skopische Structur  der  als  Gemengtheile  von  Gesteinen  auftretenden 
Mineralien  erfährt  eine  Prüfung,  es  werden  die  künstlich  auf  irgend  einem 
Wege  gebildeten  Krystalle  in  dieser  Hinsicht  mit  ihnen  verglichen  und 
diese  Resultate  geleiten  dann  hinüber  zur  endlichen  exacten  Lösung  der 
schwierigsten  Fragen  der  genetischen  Geologie,  um  welche  seit  dem  Ende 
des  vorigen  Jahrhunderts  Kampf  auf  Kampf  unablässig  geführt  worden  war." 

Zirkel,  dessen  „Einführung  des  Mikroskopes  in  das  mineralogisch- 
geologische Studium"  Leipzig  1881  ich  diese  Bemerkung  entlehne,  machte 
bald  nach  dem  Erscheinen  jener  Sorby 'sehen  Arbeit,  im  Jahre  1862, 
durch  einen  glücklichen  Zufall  die  persönliche  Bekanntschaft  mit  ihrem 
Verfasser  und  wurde  nun  infolge  der  hierbei  erhaltenen  Anregungen  dessen 
eifrigster  Nachfolger  in  dem  wieder  erschlossenen  Forschungsgebiete. 

Den  1863  erschienenen  „Mikroskopischen  Gesteinsstudien"  konnte  er, 
ausser  manchen  anderen  wichtigen  Arbeiten,  bereits  1870  eine  „Untersuchung 
über  die  mikroskopische  Zusammensetzung  und  Structur  der  Basaltgesteine" 
folgen  lassen  und  damit  auch  die  deutschen  Fachgenossen  von  der  seither 
ungeahnten  Bedeutung  und  nunmehrigen  Unentbehrlichkeit  des  Mikroskopes 
bei  mineralogischen  und  petrographischen  Studien  überzeugen.  An  Stelle 
der  früheren  Gleichgültigkeit  gegen  das  Mikroskop  trat  —  zuerst  in 
Deutschland  —  ein  so  beispielloser  Eifer  in  der  Heratellung  und  Unter- 
suchung von  Dünnschliffen,  dass  sich  binnen  wenigen  Jahren  in  allen 
geologischen    Arbeitszimmern    Schleif-    und    Schneidmaschinen    und    neu 


29 

construirte,  der  Eigenartigkeit  der  petrographischen  Untersuchung  ent- 
sprechende Polarisationsmikroskope  eingebürgert  hatten. 

Eine  reiche  Ernte  lohnte  den  Fleiss.  Ich  erinnere  nur  an  die  in 
rascher  Folge  erscheinenden  Arbeiten  von  Zirkel  und  Rosenbusch,  von 
Tschermak  und  Vogelsang,  von  Fischer,  Bofickj^,  Dölter,  Cohen 
und  Klein,  von  Fouque  und  Michel  Levy,  von  Törnebom,  Cossa 
und  zahlreichen  Anderen  und  damit  zugleich  an  die  Bereicheining  unseres 
Wissens  von  der  mineralogischen  Zusammensetzung  der  Gesteine,  an  die 
Reformation  der  von  Alters  her  ererbten  und,  wie  sich  jetzt  herausstellte, 
doch  gänzlich  haltlosen  Associationsgesetze  der  Mineralien,  an  die  p]r- 
Weiterung  unserer,  nun  das  feinste  Detail  umfassenden  Kenntniss  von  der 
Structur  der  Gesteine,  an  die  nun  wesentlich  vervollkommnete  Interpretation 
der  chemischen  Gesteinsanalysen,  an  die  vielfache  Umgestaltung,  welche 
unsere  Vorstellungen  von  der  Entstehungsweise  der  Gesteine  und  von  der 
unaufhörlich  sich  vollziehenden  Wanderung  und  Wandelung  der  Stoffe  im 
anorganischen  Reiche  erlitten. 

Kein  Wunder,  dass  das  Mikroskop  schnell  „Mode"  wurde  und  dass 
die  weit  mühsamere  und  umständlichere  chemische  Gesteinsuntei*suchung 
eine  Zeit  lang  —  und  über  die  Gebühr  —  vernachlässigt  wurde. 

1873  konnte  die  reiche  Fülle  neu  gewonnener  Thatsachen  schon 
systematisch  zusammengestellt  werden:  von  Zirkel  in  der  „Mikroskopischen 
Beschaffenheit  der  Mineralien  und  Gesteine",  von  Rosenbusch  in  der 
„Mikroskopischen  Physiographie  der  petrographisch  wichtigsten  Mineralien", 
der  dann  1877  des  Letzteren  „Mikroskopische  Physiographie  der  massigen 
Gesteine"  nachfolgte. 

Trotz  alledem  darf  nicht  vergessen  werden,  dass  auch  die  Unter- 
suchung von  Gesteinen  unter  dem  Mikroskope  eine  einseitige  ist  und  um 
deswillen  auf  gar  manche  Frage,  die  der  Petrograph  zu  stellen  hat,  noch 
immer  keine  Antwort  zu  geben  vermag.  Denn  einestheils  zeigen  ja  durch- 
aus nicht  alle  in  den  Dünnschliffen  zur  Wahrnehmung  gelangenden  Gesteins- 
elcmente  Querschnittsformen,  Spaltbarkeit,  Färbungen  und  Polarisations- 
erscheinungen, die  zu  ihrer  specifischen  mineralogischen  Bestimmung  aus- 
reichen, und  anderseits  werden,  selbst  wenn  derartige  charakteristische 
Eigenschaften  zu  sehen  sein  und  zur  Artbestimmung  ausreichen  sollten, 
aus  den  lediglich  optisch  wahniehmbaren  Charakteren  nur  in  den  seltensten 
Fällen  Schlüsse  auf  die  besondere  substantielle  Beschaffenheit  der  erkannten 
Minerale  gezogen  werden  dürfen. 

So  wird  es  z.  B.  der  Mikroskopiker  oftmals  unentschieden  lassen  müssen, 
ob  bräunlichrothe  und  isotrope  Kömer,  die  er  als  Elemente  eines  Gesteines 
wahrnimmt,  Granat  oder  Spinell  sind,  ob  einzelne  kleine  teti-agonale  Kry- 
ställchen  als  Rutil  oder  Zinnerz,  ob  wasserhelle  doppelbrechende  Querschnitte 
als  solche  von  Quarz,  Sanidin  oder  Topas  zu  deuten  sind,  oder  ob  eine  vor- 
handene Hornblende  der  thonerdefreien  oder  der  thonerdehaltigen  Reihe 
angehört   und  ein  lichter  Glimmer  kali-,  lithion-,  kalk-  oder  uatronhaltig 


30 

ist.  Gar  raanche,  nur  auf  die  mikroskopische  Untersuchung  sich  stützende 
Angabe  hat  bereits  corrigiii;  werden  müssen  und  manche  andere,  noch 
heute  übliche  und  zum  Theil  nur  auf  stillschweigender  üebereinkunft  be- 
ruhende Deutung  bedarf  noch  recht  sehr  der  weiteren  Bestätigung. 

Es  würde  natürlich  falsch  sein,  wenn  man  der  mikroskopischen  Unter- 
suchung hieraus  einen  Vorwurf  machen  wollte!  Dem  Mineralogen,  der 
grössere  Krystalle  oder  Aggregate  untersucht,  muthet  ja  auch  Niemand  zu, 
dass  er  diese  letzteren  nur  auf  Grund  der  mit  den  Augen  oder  mit  der 
Lupe  wahrnehmbaren  Kennzeichen  bestimme,  sondern  man  gestattet  ihm, 
ja  man  verlangt  sogar,  dass  er  sein  auf  Grund  des  blossen  Ansehens  ge- 
wonnenes Urtheil  noch  durch  Ausmittelung  von  Härte  und  spec.  Gewicht, 
durch  Prüfung  des  Löthrohrverhaltens  oder,  wenn  nöthig,  durch  eine 
chemische  Analyse  controlire  und  verschärfe. 

Aus  den  erwähnten  Mängeln  konnte  daher  für  den  Mikroskopiker  nur 
die  Forderung  entspringen,  auch  mit  seinen  unmittelbaren  Wahrnehmungen 
noch  andere  Bestimmungsweisen  zu  combiniren. 

Man  liat  dieser  Forderung  zunächst  dadurch  Rechnung  zu  tragen 
gewusst,  dass  man  chemische  Ileactionen  ausfindig  machte,  die  selbst  dann 
noch  charakteristische  Resultate  ergeben,  wenn  man  einen  oder  einige  wenige 
Tropfen  von  Säure  auf  winzige  Mineralsplitterchen  einwirken  lässt  und  die 
eintretenden  Erscheinungen  erst  unter  dem  Mikroskop  wahrzunehmen 
vermag.  Insonderheit  hat  man  sein  Augenmerk  auf  die  Kryställchcn 
gerichtet,  die  sich  alsdann  bilden  und  aus  ihrer  jeweiligen  Form  Rück- 
schlüsse auf  die  in  dem  zersetzten  Splitterchen  enthalten  gewesenen  Elemente 
gestatten. 

Ist  es  z.  B.  fraglicli,  ob  ein  als  Gesteinselement  auftretendes,  in  Salz- 
säure lösliches  Silicat  natriumhaltig  ist,  so  genügt  es,  ein  kleines  Splitterchen 
desselben  auf  ein  Objectglas  zu  legen  und  hier  mit  einem  Tröpfchen  con- 
centrirter  Salzsäure  zu  bedecken.  Bei  Gegenwart  von  Natrium  wird  man 
miter  dem  Mikroskop  alsbald  wahrnehmen,  dass  sich  auf  der  Oberfläche 
des  Mineralkörnchens  Hexaederchen  von  Chlornatrium  entwickeln;  oder 
man  versetzt  ein  Tröpfchen  der  eingedampften  Lösung  des  Problematicums 
mit  einem  Tropfen  von  essigsaurem  LVanyl  und  wird  diesmal  bei  Anwesen- 
heit von  Natrium  die  Entwickelung  zahlreiclier  gelblicher,  sehr  scharf 
ausgebildeter  Tetraederchen  von  essigsaurem  Uranyl- Natrium  beobachten. 

Derartige  mikrochemische  Methoden,  die  sich  in  Zierlichkeit 
und  Schärfe  den  Löthrohrreactionen  ebenbürtig  zur  Seite  stellen  —  nach 
Behrens  lassen  sich  z.  B.  in  einem  Mineralkörnchen  noch  0.0005  mgr  GaO 
durch  Bildung  von  Gypskryställchen  nachweisen  — ,  sind  namentlich  durch 
Streng  (1876,  1883,  1884),  durch  Boficky  (1877),  Behrens  (1881)  und 
Haushofer  (1883)  in  Vorschlag  gebracht  worden  und  haben  sich  bereits 
vielfach  eingebürgert;  aber  freilich  verlangen  sie  wegen  der  minimalen 
Quantitäten,  mit  denen  man  arbeitet,  sehr  grosse  Erfahrung  und  Sorgfalt, 
und  überdiess  sind  sie  auch,   wie  Streng  erst  neuerdings  wieder  betonen 


31 

musste,  bei  sehr  kleinen,  in  einem  Gesteine  eingewachsenen  Mineralien  in 
den  meisten  Fällen  nicht  mehr  anwendbar. 

Unter  solchen  Umständen  ist  die  seit  1879  wieder  aufgekommene 
mechanische  Gesteinsanalyse,  die  sich  eine  Zergliederung  der  Gesteine 
in  ihre  mineralischen  Elemente  zur  Aufgabe  stellt,  die  Möglichkeit  er- 
schliesst,  ein  jedes  der  gewonnenen  Theilproducte  für  sich  allein  einer 
quantitativen  chemischen  Analyse  zu  untenverfen,  und  ausserdem  noch  das 
speciiische  Gewicht  der  betreffenden  Mineralien,  also  ein  anderweites  Merk- 
mal ersten  Ranges,  zu  ermitteln  gestattet,  als  eine  weitere  und  nicht  minder 
werthvoUe  Ergänzung  des  petrographischen  Apparates  zu  bezeichnen. 

Die  Anfange  dieser,  der  nassen  Aufbereitung  des  Bergmannes  vergleich- 
baren Methode  gehen  weit  zunick,  denn  Cordier  hatte  sie  bereits  1815 
zur  Untei-suchung  des  Basaltes  benutzt.  Indem  er  das  Pulver  desselben 
mit  Wasser  schlämmte  und  jedes  der  hierbei  erhaltenen  Producte  fiir  sich 
allein  weiter  untersuchte,  gelang  es  ihm,  den  Nachweis  zu  führen,  dass  der 
bis  dahin  fiir  ein  einfaches  Mineral  gehaltene  Basalt  thatsächlich  ein 
Mineralgemenge  sei.  Immerhin  war  die  Methoile  zunächst  noch  sehr 
unvollkommen  und  allenfalls  nur  dann  genügend,  wenn  es  sich  um  die 
Sonderung  von  in  ihren  Gewichten  stark  differirenden  (iesteinselementen 
handelte;  zur  Trennung  des  Quarzes,  der  verschiedenen  Feldspäthe  und 
anderer  in  der  Dichte  sich  näher  stehender,  dem  Petrographen  liesonders 
häufig  unter  die  Hände  kommender  Mineralien  erwies  sie  sich  nicht  als 
brauchbar. 

Die  Cordier'sche  Methode  pflegte  daher  citirt,  aber  nur  in  seltenen 
Fällen  angewendet  zu  werden.*) 

Das  gleiche  Schicksal  wurde  auch  einem  Vorschlage  zu  Theil,  der 
1862  von  F.  G.  Schaffgotsch  gemacht  worden  war  und  darauf  hinaus- 
lief, die  Dichte  kleiner  Körperchen  durch  Eintragen  der  letzteren  in  eine 
mit  ihnen  gleich  schwere  Flüssigkeit  zu  bestimmen.  Als  eine  solche 
bezeichnete  der  Genannte  u.  a.  die  Lösung  von  saurem  salpetei-saurera 
Quecksilberoxyd  in  Wasser,  die  im  concentrirten  Zustande  und  bei 
Zimmerwärme  das  specifische  Gewicht  von  3.3  bis  3.4  besitzt.  Nachdem 
der  zu  untersuchende  Körper  auf  diese  Flüssigkeit  gelegt  worden  war, 
wurde  die  letztere  durch  Zusatz  von  Wasser  oder  Salpetersäure  so  lange 
verdünnt,  bis  jener  Körper  in  ihr  frei  schwebend  blieb.  Alsdann  wurde 
auf  irgend  eine  Weise  das  Eigengewicht  der  Flüssigkeit  selbst  bestimmt. 

Von  dieser  Methode  hat  meines  W^issens  zunächst  nur  Jenzsch  einen 
Nutzen  fiir  die  Petrographie  zu  ziehen  gewusst,  als  er  1864  mit  ihrer 
Hilfe  das  specifische  Gewicht  und  dadurch  auch  die  Art  der  Feldspäthe, 
die  sich  an   der  Zusammensetzung  der  verschiedenen   Freiberger  Gneisse 

*)  So  neuerdings  von  Thürach  1884.  Derselbe  scLlemmte  Gesteinspulver,  Thonc, 
Erden  etc.  in  Porzellan  schalen  mit  Wasser  und  isohrte  dadurch  grössere  Mengen  von 
Zirkon,  Rutil,  Anatas  und  anderen  schwereren  Mineralien.  (Ueb.  d.  York,  mikroskop. 
Zirkone  etc.    Würzburg.    1884). 


32 

betheiligen,  bestimmte;  dann  ist  sie  aber  bei  den  Geologen  gänzlich  in 
Vergessenheit  gerathen,  theils  vielleicht,  weil  diese  letzteren  in  den  sechziger 
Jahren  noch  allzusehr  von  anderen  als  petrographischen  Arbeiten  in  An- 
spruch genommen  waren,  anderntheils  wohl  auch  deshalb,  weil  die  in 
Vorschlag  gebrachte  schwere  Lösung  ihrer  stark  sauren  Beschaffenheit 
wegen  auf  zahlreiche  gesteinsbildende  Mineralien  zersetzend  einwirkt  und 
deshalb  bei  den  mit  ihr  etwa  beabsichtigten  Separationsprozessen  allerhand 
unliebsame  Störungen  veranlasst. 

Der  Gedanke,  welcher  dem  Vorschlage  von  Schaffgotsch  zu  Grunde 
lag,  könnt«  ei-st  praktische  Verwerthung  finden,  nachdem  es  gelungen 
war,  schwere  und  zugleich  in  Bezug  auf  die  gewöhnlicheren  Gesteinselemente 
chemisch  indifferente  Lösungen  ausfindig  zu  machen.  Dies  geschah  aber 
1874  durch  Sonstadt  und  1874  durch  Church.  Beide  lenkten  die  Auf- 
merksamkeit der  Mineralogen  und  Petrographen  auf  eine  concentrirte 
Lösung  von  Kaliumquecksilberjodid.  Dieselbe  wurde  hierauf  von  Thoulet 
(1879),  namentlich  aber  von  Goldschmidt  (1881)  probirt,  als  brauchbar 
erkannt  und  bald  darauf  vielfach  und  in  der  erfolgreichsten  Weise  an- 
gewendet. 

Während  Thoulet  mit  einer  Lösung  gearbeitet  hatte,  die  l)ei  11  bis 
15  ^  C.  ein  specifisches  Gewicht  von  2.77  besass,  in  welcher  also  noch 
Quarz  und  Oligoklas  schwammen,  zeigte  Goldschmidt,  dass  man  die 
Lösung  bequem  auf  ein  specifisches  Gewicht  von  3.196  (im  Sommer  auf 
3.17)  bringen  könne,  wenn  man  KJ  und  HgJg  in  dem  Gewichtsverhältnisse 
1  :  1.24  löse.  Dann  schwimmt  noch  blassrother  Turmalin  von  Elba  (3.04) 
und  es  können  nun  die  meisten  Glimmer,  alle  Feldspäthe,  Quarz,  Nephelin, 
Leucit,  Zeolithe  etc.  von  einander  getrennt  werden. 

Eine  noch  dichtere  Flüssigkeit  wurde  bald  darauf  (1881)  durch 
D.  Klein  in  dem  borwolframsauren  Cadmium  entdeckt.  Dieses  soll  bei 
15®  C,  das  specifische  Gewicht  3.281  erreichen,  so  dass  in  ihm  auch,  noch 
die  meisten  Amphibole  und  Pyroxene,  also  weitere,  petrographisch  wichtige 
Mineralien  suspendiii;  bleiben*).  Endlich  machte  Rohrbach  (1883)  noch 
auf  BiU'iumquecksilberjodid  mit  dem  specifischen  Gewichte  von  3.58  auf- 
merksam; indessen  kann  das  letztere,  da  es  sich  bei  Zusatz  von  Wasser 
zei*setzt,  nur  eine  beschränkte  Anwendung  finden. 

Die  Arbeiten  mit  diesen  Flüssigkeiten,  die  man  kurzweg  als  Thoulet'sche 
oder  Goldschmidt'sche,  bezw.  Klein'sche  Lösungen  zu  bezeichnen  pflegt, 
erfolgen  nun  ganz  entsprechend  dem  Vorschlage  von  Schaffgotsch    in 

*)  Die  Klein'scLe  Lösung,  die  ich  von  Th.  Schuchardt  in  Görlitz  bezogen  habe, 
hat  das  specifische  Gewicht  3.410,  so  dass  noch  Olivin  (3.348)  schwimmt.  Ausserdem 
hat  Klein  angegeben,  dass  die  Krystallc  von  Cadmiumborowolframat,  welche  sich  aus 
der  concentrirten  Lösimg  absetzen  und  bei  75°  in  ihrem  Krystallwasser  schmelzen,  als- 
dann eine  noch  ziemlich  leicht  bewegliche  Flüssigkeit  von  3.6  bilden,  auf  welcher  noch 
Spinell  schwimmt.  Ks  ist  mir  indessen  nicht  bekannt  geworden,  dass  mit  dieser  dichtesten 
Flüssigkeit  gearbeitet  worden  sei. 


33 

der  Weise,  daBs  man  das  gepulverte  Gestein  in  jene  trocken  einträgt,  zur 
Abtrennung  von  Luftbläschen,  die  etwa  einzelnen  Kömern  anhaften,  gut 
umrührt  und  einige  Zeit  wartet,  bis  die  leichteren  Partikelchen  aufgestiegen 
sind  und  die  schwereren  sich  zu  Boden  gesetzt  haben.  Hat  man  die  letzteren 
abgesondert,  so  verdünnt  man  nach  und  nach  mit  destillirtem  Wasser  und 
scheidet  nun  z.  B.  erst  Turmalin  (3.1),  dann  Biotit  (2.9»,  hierauf  Quarz  und 
Oligoklas  (2.6)  und  endlich  Orthoklas  (2.5)  ab.  Nach  vollendeter  Trenn- 
ung wird  dann  die  verdünnt  gewordene  Lösung  durch  Eindampfen  über 
dem  Wasserbade  wieder  concentrirt.  Zu  beachten  ist  nur,  dass  beide 
Lösungen,  die  Thoulet'sche  wie  die  Klein'sche,  von  Metallen  (Eisentheilchen 
des  Zerkleinerungsapparates  I),  die  letztere  ausserdem  auch  noch  von  Car- 
bonaten  zersetzt  werden.  Eventuell  ist  daher  vor  der  eigentlichen  Arbeit 
eine  Behandlung  des  Gesteinspulvers  mit  verdünnter  Salzsäure  noth wendig. 

Die  jeweilige  Dichte  der  Lösung,  bei  welcher  der  Absatz  eines  ge- 
wissen Minerales  erfolgt,  kann  entweder,  nach  E.  Cohen,  mit  einer  hydro- 
statischen Wage  bestimmt  werden,  oder  nach  Goldschmidt's  Vorschlage, 
der  bei  Arbeiten  mit  grösseren  Massen  der  bequemere  ist,  durch  eine 
Indicatoren-Skala,  die  man  sich  aus  verschiedenen,  durch  die  Lösungen 
unangreifbaren  und  ihren  individuellen  Eigengewichten  nach  ein  für  alle- 
mal bestimmten  Mineralsplitterchen  herstellt.  Die  InteiTalle  zwischen  den 
einzelnen  Indicatoren  sollen  nach  Goldschmidt  im  Allgemeinen  0.5  be- 
tragen ,  in  dem .  für  den  Petrographen  wichtigsten  Gebiete  (2.55—2.75) 
jedoch  etwas  engere  sein  (etwa  0.03). 

Die  Skala,  welche  ich  unter  Benutzung  der  freundlichen  Mittheilungen 
der  Herren  Goldschmidt  und  Weisbach  zusammengestellt  habe,  ist 
die  folgende: 

1.  Hyaiith 2.173  —   Mejonit 2.669 

0039  0.030 

2.  Opal 2.212  U.  Labrador    ....  2.699 

0.038  0.030 

3.  Xatrolith    ....  2.250  15.  Beryll 2.729 

0.034  '  0.059 

4.  Perhstein   ....  2.284  16.  Dysyntribit   .  .  .  2.788 

0.036  O.OHO 

5.  Wavcllit 2.320  17.  Dolomit 2.868 

0.047  0.044 

6.  Obsidiaii 2.367  18.  Prehnit 2.912 

0.027  0.021 

7.  Petalit 2.394  19.  Ai-agonit ?.933 

0.093  0.107 

8.  Leucit 2.487  20.  Turmalin    ....  3.040 

0.078  0.114 

9.  Orthoklas   ....  2.565  21.  Andaliisit    ....  3.154 

0.021  0.055 

10.  Feuerstein  ....  2.586  22.  Hornblende  .  .  .  3.209 

11.  Eläolith 2.609    "  23.  Diopsid 3.2.:0  ^'^^^ 

^,.     ,,  0.030  .  0.040 

12.  Oligoklas 2.639  24.  Axinit 3.290 

0.030  0.058 

13.  Mejonit 2.669  25.  Olivin 3.348 

Diese  Skala  mag  zugleich  den  Genauigkeitsgrad  erkennen  lassen,  mit 
welchem  man  ein  gepulvertes  Mineralgemenge  der  fraktionirten  Füllung 
unterwerfen  kann. 


34 

Zur  Ausfühining  der  Arbeit  mit  schweren  Lösungen  sind  ausserdem 
noch  von  Thoulet,  Oebbecke  (1881)  und  Harada  (1881)  besondere 
Glasapparate  vorgeschlagen  worden,  die  ganz  zweckmässig  waren,  so  lange 
man  die  spec.  Gewichte  einzelner  Mineralsplitterchen  ermitteln  oder  nur 
kleine,  zur  Vornahme  einiger  chemischer,  beziehentlich  mikrochemischer  Re- 
actionen  genügende  Quantitäten  von  Gesteinselementen  isolii^en  wollte.  Nach- 
dem man  sich  indessen  mit  dem  Processe  veilraut  gemacht  hatte  und  mit 
seiner  Hilfe  auch  gi'össere  Massen  von  Gosteinspulver  zu  sondern  begann, 
stellte  sich  bald  heraus,  dass  kleine,  mit  einem  Ausgusse  versehene  Becher- 
gläser oder  gewöhnliche  Glastrichter  genügen,  deren  Ausflussrohre  zer- 
schnitten und  durch  ein  Stückchen  Kautschuckschlauch  wieder  verbunden 
worden  sind.  Schiebt  man  dann  noch  über  das  letztere  einen  Quetsch- 
hahn, so  kann  man  jetzt  sehr  leicht  den  jeweiligen  Bodensatz  von  der 
übrigen  Flüssigkeit  und  den  in  ihr  noch  suspendirten  leichteren  Elementen 
trennen.*)  Aufstellung  des  ganzen  Apparates  auf  einer  grossen  Glasplatte 
ist  ausserdem  empfehlenswerth. 

Die  so  ausgeführten  und  wenn  nöthig,  mehrfach  wiederholten 
mechanischen  Analysen  werden  natürlich  um  so  vollkommener  werden,  je 
differenter  die  Gewichte  der  mineralischen  Constituenten  der  zu  unter- 
suchenden Gesteine  sind.  Ausserdem  ist  gutes  Gelingen  der  Arbeit  davon 
abhängig,  dass  jedes  Körnchen  des  zu  sondernden  Gesteinspulvers  ein- 
heitlich beschaffen,  also  nicht  mehr  mit  anderen,  sein  Eigengewicht  beein- 
flussenden Körperchen  verwachsen  sei.  Diese  letztere  Forderung  stösst  bei 
sehr  fein  struirten  Gesteinen  auf  grosse  und  zum  Theil  nicht  mehr  über- 
windliche  Hindernisse,  wird  dagegen  bei  einigermaassen  grobkörnigen 
Gesteinen  durch  eine  der  Sonderung  vorausgehende  entsprechende  Zer- 
kleinerung in  ziemlich  befriedigender  Weise  erfüllt.  Meinen  Erfahrungen 
nach  empfiehlt  es  sich,  die  mit  schweren  Lösungen  zu  analysirenden  Ge- 
steine derart  zu  pulvern,  dass  sie  noch  durch  ein  Drahtsieb  mit  1000 
Maschen  auf  dem  Quadratcentimeter  gesiebt  werden  können.  Die  alsdann 
erhaltenen  Körnchen  und  Splitterchen,  deren  Durchmesser  zwischen  0.1 
und  0.2  mm  schwanken,  sind  wenigstens  zum  grossen  Theil  homogen  und 
sondern  sich  recht  gut,  während  bei  einer  noch  weiter  fortgesetzten  Zer- 
kleinerung allzuviel  staubfeine  Partikelchen  entstehen,  die  Tage  lang  in 
der  schweren  Lösung  suspendirt  bleiben  und  sich  nur  unvollständig  sortiren 
lassen.  Ausserdem  würden  auch  bei  einem  noch  feineren  Pulverisiren  viele, 
bei  der  obengenannten  Grobe  noch  intact  gebliebene  Kryställchen ,  wie 
z.  B.  solche  von  Zirkon  oder  Apatit,  zertrümmert  und  die  isolirten  Mineral- 
splitterchen überhaupt  so  klein  werden,  dass  sie  unter  dem  Mikroskope 
nicht  mehr  sicher  bestimmbar  sein  w^ürden. 


*)  Scheidetrichter  mit  eingeschliffenen  Glasbähnen  sind  dagegen  nicbt  zu  empfehlen, 
da  sich  die  letzteren  durch  einklemmende  Gestcinssplitterchcn  bald  abnutzen  und  un- 
dicht werden. 


35 

Die  staubfeinen  Partikelchen,  welche  bei  dem  Pulvern  bis  zur  genannten 
Komgröbe  erzeugt  werden,  schlämmt  man  vor  Beginn  der  Sepiiration  mit 
Wasser  ab.  Ihr  Betrag  ist  keineswegs  imhedoutend,  sondern  verui-sachtc 
beispielsweise  l)ei  der  Verarbeitung  von  Nadelwitzer  Granit,  von  Wegefahrter 
Gneiss  und  von  Syenit  des  Plauenschen  Grundes  Substanzverluste  von  circa 
33,  42  und  50  ®  o-  Da  nicht  angenommen  werden  kann,  dass  dieses  feinste 
I\ilver  von  allen  überhaupt  vorhandenen,  härteren  und  weicheren,  zäheren 
und  spröderen  Mineralelementen  eines  Gesteines  in  einem  den  Mengen 
dieser  Elemente  entsprechendem  Verhältnisse  geliefert  werde,  so  ist  hierin 
und  in  den  bei  der  späteren  Sortirung  sich  ergebenden,  niemals  ganz  ver- 
nieidlichen  Ausfällungen  von  mehr  oder  weniger  unreinen,  und  weiterer 
Sortirung  nicht  mehr  fähigen  Zwischenproducten  begründet,  dass  man.  die 
in  Rede  stehende  mechanische  Gesteiusanalyse  leider  nicht  direct  zu  einer 
Bestimmung  des  Quantitätsverhältnisses  der  Gesteinsconstituenten  verwerthen 
kann.  Das  ist  auch  schon,  und  zwar  im  Gegensatze  zu  den  Angaben 
Dölter's*)  unter  Anderem  von  Mann  (N.  Jahrb.  f.  Min.  1884.  IL  181) 
betont  worden. 

Der  hauptsächlichste  Werth  der  mechanischen  Gesteinsanalyse  wird 
also  nur  darin  gesucht  werden  dürfen,  dass  wir  durch  dieselbe  die  spe- 
cifischen  Gewichte  der  wesentlichen  Gemengtheile  eines  Gesteines  kennen 
lenien  und  diese  Gemengtheile  selbst  in  Quantitäten  zu  isoliren  vermögen, 
welche  die  Ausführung  genauer  chemischer  Analysen  erlauben.  Aus  diesen 
chemischen  Einzelanalysen  und  aus  der  chemischen  Analyse  des  Gesammt- 
gesteines  (Bauschanalyse)  wird  sich  dann  auch,  und  zwar  in  weit  sichererer 
als  der  seither  möglichen  Weise,  das  procentale  Verhältniss  berechnen  lassen, 
nach  welchem  sich  die  verschiedenen  Mineralien  an  der  Zusammensetzung 
eines  Gesteines  betheiligen. 

Die  Zahl  derjenigen  Mineralien,  welche  sich  theils  in  hervorragender, 
theils  in  untergeordneter  Weise  an  der  Zusammensetzung  von  Gesteinen  be- 
theiligen und  noch  dichter  sind  als  die  concentrirte  Klein'sche  Lösung 
(3.41),  ist  glücklicher  Weise  nur  eine  sehr  geringe;  am  häufigsten  wird  der 
Petrograph  Granat  (3.4—4.3)  und  Epidot  (3.3—3.5)  begegnen,  nächstdem 
Spinell  (3.5—4.1),  Zirkon  (4.4-4.7),  Cyanit  (3.4-3.7)  und  allenfalls  Topas 
(3.5),  ausserdem  Metalloxyden  (Magnetit,  Titaneisenerz,  Rutil,  Anatas,  Zinn- 
erz) und  Sulfuriden  (Eisenkies,  Magnetkies  etc.).  Alle  im  gegebenen  Falle 
vorhandenen  Mineralien  dieser  Art  werden  selbst  in  der  concentrirten 
Klein'schen  Lösimg  im  bunten  Gemische  zu  Boden  fallen. 

Zu  einer  Absonderung  einiger  dieser  schwereren  Körper,  wie  auch  zur 
Trennung  gewisser  leichterer  Mineralien,  die  ungefähr  gleiches  specifisches 
Gewicht  besitzen  und  deshalb  in  der  Klein'schen  Lösung  ebenfalls  gemein- 
schaftlich ausfallen  —  so  z.  B.  Apatit  (3.207)  und  Hornblende  (3.209)  — 
kann  endlich  noch  eine   magnetische  Analyse  vorgenommen  werden. 

*)  Zur  Kenntniss  der  vuloan.  Gesteine  und  Mineralien  der  Capvcrdiscbeu  Inseln. 
Graz  1882.  7. 

3* 


36 

Dieselbe  wird  damit  zu  beginnen  haben,  dass  man  mit  Hilfe  eines 
gewöhnlichen  Magneten  die  etwa  vorhandenen  Körnchen  von  Magnetit  und 
Magnetkies  extrahirt. 

Zu  einer  weiteren  Trennung  kann  dann  ein  Electromagnet  verwendet 
werden.  Je  nachdem  man  denselben  bei  verschiedener  Stromstürke  und 
verschiedener  Entfernung  auf  Gemenge  der  genannten  Art  einwirken  lässt, 
wird  er  entweder  nur  die  eisenreicheren  oder  nur  die  eisenärmeren  Ele- 
mente attrahiren;  nach  Dölter  beispielsweise  am  leichtesten  Chromit, 
hierauf  Almandin,  dann  in  abnehmender  Folge  Pleonast,  Augit,  Hornblende, 
Epidot,  Turmalin  etc. 

Dieses  magnetische  Separationsverfahren  ist  zuerst  von  Fouque  (1879) 
angewendet  worden  und  später  von  Dölter  (1882)  und  Pebal  (1882) 
sowie  von  Mann  (1884)  mehr  und  mehr  vervollkommnet  worden. 

Die  zuletzt  noch  übrig  bleibenden  Mineralien,  die  sich  auch  dem  Electro- 
magneten  gegenüber  indifferent  verhalten,  können  dann  allenfalls  noch  durch 
Einwirkungen  chemischer  Agentien,  durch  welche  freilich  das  eine  oder 
andei'e  von  ihnen  zei*stört  werden  wird,  von  einander  getrennt  werden. 

Wenn  man  grössere  Mengen  von  Gesteinspulver,  etwa  ein  halbes  oder 
ein  Kilogramm,  in  Arbeit  nimmt  und  die  mechanische  Analyse  in  der  eben 
angedeuteten  Weise  mit  der  magnetischen  und  chemischen  combinirt,  wird 
man  jetzt  endlich  noch  in  den  Stand  gesetzt,  solche  Mineralien,  welche 
sich  in  kleinen  und  sehr  kleinen  Mengen  an  der  Zusammensetzujig  von 
Gesteinen  zu  betheiligen  und  deshalb  im  Gegensatze  zu  den  vorherrschenden 
oder  wesentlichen  Gemengtheilen  der  letzteren  als  accessorische  be- 
zeichnet zu  werden  pflegen,  einem  weit  genaueren  als  dem  seither  mög- 
lichen Studium  unterwerfen  zu  können.  Hierin  aber  möchte  ich,  aus 
Gründen,  die  weiter  unten  noch  näher  entwickelt  werden  sollen,  eine  ganz 
besonders  treflliche  Eigenschaft  der  mechanischen  Analyse,  von  der  in  Zu- 
kunft wohl  noch  allerhand  hochinteressante  Aufschlüsse  zu  erwarten  sind, 
erblicken. 

Blättert  man  die  von  Roth  herausgegebenen  tabellarischen  Zusammen- 
stellungen der  älteren  und  neueren,  heute  bereits  nach  Tausenden  zählen- 
den Bauschanalysen  durch,  so  wird  man  bald  wahrnehmen,  dass  die 
Kenntniss  jener  Accessoria  durch  die  chemische  Zerlegung  der  Gesteine 
nur  sehr  wenig  gefördert  worden  ist.  Man  findet  in  jenen  Tabellen  in 
besonderen  Rubriken  die  procentalen  Mengen  der  chemischen  Constituenten 
der  wesentlichen  Gesteinsbildner,  also  diejenigen  von  SiO*,  Al^O^  Fe*0*, 
FeO,  MnO,  MgO,  CaO,  Na«0  und  K^O  bis  auf  zwei  Decimalstellen  ver- 
zeichnet; dann  folgt  noch  eine  Rubrik  „Sonst",  in  der  hier  und  da  Angaben 
über  ausserdem  vorhandene,  meist  nur  qualitativ  bestimmte  kleine  Mengen 
von  Phosphorsäure  und  Titansäure,  von  Schwefel  und  Chlor  und  von  dem 
einen  oder  anderen  Schwermetalle  vereinigt  sind. 

Diese  Thatsache  kann  nicht  Wunder  nehmen,  denn  einmal  war  es  ja 
aus  allgemeinen  geologischen  Gründen  ganz  in  der  Ordnung,  dass  man  die 


Aufinerksanikeit  zunächst  auf  die  quantitativ  domiuii'enden  Elemente  eines 
Gesteinsmagmas  richtete  und  ein  anderes  Mal  ist  es  ja  auch  leicht  be- 
greiflich, dass  die  oft  nur  in  Bruchtheilen  eines  Procentes  vorhandenen 
selteneren  Stoffe  bei  der  gewöhnlichen  chemischen  Bauschanalyse  selbst  von 
dem  gewissenhaftesten  und  geschicktesten  Chemiker  übersehen  oder  ihrem 
Wesen  nach  nicht  näher  bestimmt  werden  konnten. 

Ein  Beispiel  mag  das  näher  erläutern.  Ich  werde  weiter  unten  einen 
Granit  zu  besprechen  haben,  der  etwa  0.1  %  Zirkon  enthält.  Da  man  zu 
chemischen  Bauschanalysen  ein  Gramm  Substanz  zu  nehmen  pflegt,  würden 
mithin  in  dem  zur  Analyse  gelangenden  Gramm  Granit  etwa  0.07  ®/o  (oder 
0.7  mgr)  Zirkonsäure  neben  etwa  70  %  Kieselsäure  enthalten  sein.  Da 
nun  der  Chemiker  in  früheren  Zeiten  keine  Kenntniss  von  der  Existenz 
jener  geringen  Menge  Zirkonsäure  haben,  also  auch  nicht  zielbewusst  nach 
ihr  suchen  konnte,  so  musste  ihm  dieselbe  —  der  Erfolg  hat  es  hundert- 
fa.ltig  bewiesen  —  bei  seiner  Arbeit  entgehen ;  höchstens  wird  bei  einer 
oder  der  anderen  Operation  die  Spur  eines  Rückstandes  oder  die  Spur  einer 
Ausfällung  entstanden,  eine  sichere  Deutung  der  betreffenden  Erscheinung 
aber  nicht  möglich  gewesen  sein. 

Etwas  günstiger  gestaltete  sich  die  Sache  für  den  Mikroskopiker.  Als 
die  Durchmustei-ung  der  Gesteinsdünnschliffe  begann,  war  man  unter 
Anderem  auch  davon  überrascht,  die  sogenannten  Accessoria  in  einer  früher 
nicht  geahnten  Menge  und  Mannigfaltigkeit  anzutreffen.  Einige  derselben, 
wie  Apatit,  Spinell,  Zirkon,  Rutil,  Perowskit  hat  man  allmählich  mit  mehr 
oder  weniger  Sicherheit  erkennen  gelernt,  während  das  Wesen  anderer, 
nicht  minder  häufig  wahrnehmbarer  Körnchen,  Nädelchen  und  Kryställchen 
bis  heute  noch  vollständig  problematisch  ist.  Und  dennoch  ist  es  nicht 
nur  möglich,  sondern  auch  recht  wahrscheinlich,  dass  derartige  Mikrolithen 
die  Träger  seltener  und  wissenschaftlich  interessiinter,  vielleicht  sogar  für 
den  Haushalt  der  Natur  oder  für  die  Technik  recht  wichtiger  Elemente  sind. 
Auch  hier  möge  ein  Beispiel  zur  Erläuterung  dienen. 

Es  würde  gewiss  recht  interessant  sein  zu  erfahren,  ob  Verbindungen 
der  Zirkon-  und  Yttererde,  der  Titan-,  Columb-  und  Tantalsäure,  die  so 
charakteristische  Accessoria  von  Riesengraniten  und  grosskrystallinischen 
Eläolithsyeniten  zu  sein  pflegen,  nur  in  diesen  oder  auch  in  den  fein- 
körnigeren Graniten  und  in  den  den  letzteren  entsprechenden  Phonolithen 
vorhanden  sind.  Die  chemische  wie  die  mikroskopische  Analyse  haben 
darüber  noch  keine  sichere  Auskunft  zu  geben  vermocht;  die  erstere  aus 
den  bereits  angeführten  Gründen,  die  letztere  aus  solchen,  die  sich  eben- 
falls leicht  klar  stellen  lassen. 

Es  ist  nicht  ungewöhnlich,  dass  die  Quarze,  Feldspäthe  und  Glimmer 
eines  Riesengranites  0.1  bis  0.2  m  im  Durchmesser  haben,  während  die- 
selben Gemengtheile  eines  feinkörnigen  Granites  nur  1  mm  messen.  Käme 
nun  z.  B.  in  beiden  Gesteinen  auch  Polykras  vor  und  zwar  in  einer  Grössen- 
abstufung,   der  jener  der  wesentlichen   Granitelemente  proportional  wäre 


38 

und  hätte  ein  im  Riesengrauit  eingewachsener  Krystall  dieses  seltenen 
Titanates  und  Niobates  die  schon  recht  respectable  Grösse  von  1  cm  Durch- 
messer, so  würde  er  in  dem  feinkörnigen  Granit  nur  noch  ein  opakes  oder 
braun  durchscheinendes  Körnchen  von  0.10  bis  0.05  mm  Durchmesser  bilden. 
Die  mineralische  Natur  desselben  würde  von  Seiten  des  mikroskopirenden 
Petrographen  gänzlich  unbestimmt  gelassen  werden  müssen. 

Endlich  gleicht  die  mechanische  Analyse  auch  noch  einen  letzten 
Uebelstand  der  mikroskopischen  Untersuchung  aus;  denjenigen  nämlich, 
dass  die  der  letzteren  unterworfenen  Dünnschliffe  nur  sehr  kleine  Volumina 
repräsentiren  und  um  deswillen  durchaus  keine  sichere  Garantie  dafür 
bieten,  dass  bei  der  Durchmusterung  von  einigen  Präparaten  auch  alle  in 
dem  betreffenden  Gesteine  thatsächlich  vorhandenen  Accessoria  zur  Wahr- 
nehmung gelangen. 

Ein  Gesteinsdünnschliff  gewöhnlicher  Art  ist  etwa  15  mm  lang  und 
breit  und  0.025  bis  0.05  mm  stark,  hat  also  ein  Volumen  von  5.62  bis 
11.25  cmm.  Dass  eine  so  kleine  Masse  vollständige  Auskunft  über  die 
Gemengtheile  eines  Gesteines  geben  könne ,  wird  man  billiger  Weise  nicht 
erwarten  können. 

Es  möge  gestattet  sein,  diese  Unvollkommenheit  unseres  optischen 
Erkenntnissvermögens  wiederum  an  einem  der  Praxis  entlehnten  Beispiele 
zu  erläutern. 

Der  Gehalt  der  aufbereitungswürdigen  Zinnerz  führenden  Greisen  des 
Erzgebirges  beträgt  selten  mehr  als  1  o/^ ;  bei  dem  Altenberger  Stockwerks- 
gesteine erreicht  er  sogar  im  Durchschnitte  nur  Vs  %•  Da  sich  derartig 
niedrige  Zinnerzgehalte  nicht  mehr  auf  dokimastischem  Wege  bestimmen 
lassen,  so  pflegt  man  die  Beurtheilung  der  Gewinnungsfähigkeit  vorliegender 
Zwittergesteine  von  den  Ergebnissen  abhängig  zu  machen,  welche  die 
Sicherung  ihres  Pulvers  im  Troge  giebt.  Nun  kann  aber  diese  letztere, 
selbst  bei  grosser  Uebung  der  Arbeiter,  doch  noch  zu  Irithümem  Ver- 
anlassung geben;  deshalb  fragte  ein  Zinngrubenbesitzer  bei  mir  an,  ob 
nicht  vielleicht  die  mikroskopische  Untersuchung  der  fraglichen  Gesteine 
vertrauenswürdige  Resultate  zu  liefern  vermöchte? 

Praktische  Versuche  und  Rechnung  erheischten  eine  Verneinung  der 
Frage.  Denn  angenommen,  dass  der  Granit  (s.  G.  2.7)  selbst  1  %  Zinnerz 
(s.  G.  6.9)  enthalte,  so  würde  dieses  letztere  in  einem  Gesteinswürfel  von 
15  mm  Seitenlänge  doch  nur  13.2  cmm  einnehmen  oder,  dafom  es  die 
Gestalt  eines  einzigen  Körnchens  hätte,  ein  Würfelchen  von  2.36  mm 
Seitenlänge  bilden. 

Nehmen  wir  dagegen  den  für  den  Mikroskopiker  günstigeren  Fall  an, 
dass  unser  Zinnerzprocent  in  Form  von  8  unter  sich  gleich  grossen  würfel- 
förmigen Körnchen  entwickelt  sei,  so  würden  diese  letzteren  1.8  mm  Seiten- 
länge besitzen.  Denken  wir  uns  nun  diese  8  Kömchen  einreihig  zu  einem 
einer  Würfelkante  parallel  liegenden  Säulcheu  gruppirt,  so  würde  dieses 
letztere  9.44  mm  lang  sein. 


39 

Da  weiterhin  ein  guter  Düunschliflf  0.025  bis  0.05  mm  sbirk  ist,  also  aus 
einem  Würfel  von  15  mm  Seitenlänge  —  hier  natürlich  abgesehen  von  dem 
beim  Schleifen  unvermeidlichen  Substanzverluste  —  600  bis  300  Präparate 
hergestellt  werden  können,  so  würde  unter  den  angegebenen  Verhältnissen 
in  378  bez.  189  Dünnschliffen  je  ein  Zinnerzkömchen  von  1.18  mm  Seiten- 
länge, dagegen  in  222  bez.  1 1 1  Schliffen  kein  Erz  zu  sehen  sein  und  sonach 
das  Ergebniss  der  mit  ein  oder  zw^ei  Präparaten  auszuführenden  mikro- 
skopischen Untersuchung  in  hohem  Grade  vom  Zufalle  abhängig  und  deshalb 
für  den  Praktiker  unbrauchbar  sein. 

Wesentlich  anders  würde  sich  dagegen  die  Sache  bei  einer  mechanischen 
Analyse  gestalten. 

Hätte  man  derselben  0.25  kg  des  fraglichen,  1  o/o  Zinnerz  enthaltenden 
Greisens  unterworfen,  so  würde  man  bei  ihm  in  der  concentrirten  Klein'schen 
Lösung  einen  aus  2.5  gr  Zinnerz,  sowie  aus  Wolframit,  Arsenkies  und  Topas 
bestehenden  Bodensatz  erhalten  und  aus  demselben,  nacli  Beseitigung  des 
Wolframs  und  Arsenkieses  durch  Rösten  und  Behandeln  mit  Säuren,  ein 
für  den  Betrieb  brauchbares  Urtheil  über  den  Gehalt  des  untersuchten 
Rohmateriales  abzugeben  vermögen.*) 

Zum  weiteren  Erweise  der  Brauchbarkeit  und  Nützlichkeit  der  mit 
grösseren  Mengen  von  Material  ausgeführten  mechanischen  Analysen  lasse 
ich  hier  noch  die  Resultate  einiger,  in  der  bereits  oben  angegebenen  Weise 
vorgenommener  und  mit  einfachen  chemischen  Operationen  verbundener 
Sonderungen  folgen. 

Dieselben  wurden  von  mir  zunächst  in  der  Absicht  vorgenommen,  die 
an  der  Zusammensetzung  verschiedener  Freiberger  Gneisse  und  sächsischer 
Granite  theilnehmenden  Mineralien  zu  isoliren  und  zwar  in  Quantitäten, 
die  nicht  nur  zu  vollständigen  chemischen  Analysen,  sondern  auch  zu  be- 
sonderen Untei-suchungen  auf  etwaige,  an  der  Zusammensetzung  der  Glimmer 
theilnehmende  Schwermetalle  ausreichten.  Hierdurch  sollten  dann  Beiträge 
gewonnen  werden  zur  Autwort  auf  die  in  der  Neuzeit  so  vielfach  discutirte 
Frage  nach  der  Entstehung  der  Erzgänge.  Die  Resultate,  welche  in  dieser 
besonderen  Hinsicht  gefunden  worden  sind,  sollen  bei  anderer  Gelegenheit 
besprochen  und  hier  nur  die  allgemehieren  und  zum  Theil  recht  über- 
raschenden Ergebnisse  jener  mechanischen  Analysen   mitgetheilt  werden. 

Da  der  Zweck  dieser  letzteren  die  Verarbeitung  möglichst  frischen 
Materiales  erheischte,  so  wurden  von  jedem  zu  sondernden  Gesteine  vor 
seiner  Zerkleinerung  im  Gussstahlmörser  zunächst  mehrere  mikroskopische 
Präparate  angefertigt.  Zeigten  die  letzteren  auffällige  Verwitterungs- 
erscheinungen, so  wurden  die  betreffenden  Stücke  bei  Seite  gelegt. 

*)  Leider  verbietet  sich  jedoch  die  Anwendung  der  mechanischen  Analyse  in  diesen 
und  ähnlichen,  der  Praxis  angehörigen  Fällen  durch  den  hohen  Preis  der  schweren 
Lösungen.  Von  der  Thoulet'schen  Lösung,  die  giftig  und  deshalb  weniger  empfehlens- 
werth  ist,  kostet  das  KUo  etwa  20  Mk.,  von  der  Klem'schen  Lösung,  da  deren  Her- 
stellung ziemlich  umständlich  ist,  sogar  50  Mk. 


40 

Dann  wurden  abgewogene  Quantitäten  der  einzelnen  Gesteine  gepulvert, 
abgeschlämmt  und  der  verbleibende  Rückstand,  nach  vorherigem  Trocknen 
über  dem  Wasserbade,  in  schwere  Lösungen  eingetragen.  Die  bei  der  Aus- 
fällung benutzten  Indices  und  ihre  besonders  bestimmten  specifischen  Ge- 
wichte finden  sich  in  der  ersten  Verticalreihe  der  nachstehenden  Tabelle 
verzeichnet.  Dann  folgen  die  gewonnenen  Theilproducte.  Da  diese  letzteren 
möglichste  Reinheit  besitzen  sollten,  so  wurde  jedes  Theilproduct  mehrfach, 
zum  Theil  4  bis  5  mal  ausgefällt.  Die  Summa  der  hierbei  abgeschiedenen, 
weniger  reinen  Zwischenproducte,  die  zumeist  noch  aus  verschiedenen,  mit 
einander  verwachsenen  Mineralpai*tikelchen  bestanden  und  von  der  weiteren 
Verarbeitung  ausgeschlossen  wurden,  tritt  in  der  nachfolgenden  Tabelle  als 
Aufbereitungsverlust  auf. 

Die  Tabelle  zeigt,  dass  dieser  Aufbereitungsverlust,  namentlich  aber 
der  schon  vorher  erhaltene  Schlämmverlust,  sehr  hohe  Procentsätze  er- 
reichen. Aus  diesem  leider  unvermeidlichen  Umstände  und  aus  der  Unwahr- 
scheinlichkeit,  dass  sich  alle  die  verschiedenen  Mineralien  eines  Gesteines 
an  beiden  Verlusten  in  gleichen  Verhältnissen  betheiligen,  ergiebt  sich  jetzt 
in  der  deutlichsten  Weise,  dass,  wie  schon  oben  bemerkt  w^urde,  die  mechanische 
Analyse  für  sich  allein  zu  einer  Bestimmung  der  Quantitätsverhältnisse 
der  einzelnen  Gesteinselemente  nicht  brauchbar  ist. 

Ausserdem  ist  zu  bemerken,  dass  jedes  Theilproduct  noch  in  der 
Lösung  schwamm,  wenn  der  nächst  tiefer  stehende  Index  bereits  zu  Boden 
gesunken,  und  dass  es  seinerseits  zum  Absätze  gelaugt  war,  wenn  der 
nächst  höhere  Index  noch  keine  Neigung  zum  Untersinken  zeigte,  so  dass 
also  das  specifische  Gewicht  jedes  gewonnenen  Theilproductes  zwischen 
denjenigen  der  darüber  und  darunter  stehenden  Indices  liegt.  Stehen  da- 
gegen Index  und  Theilproducte  auf  dei'selben  Horizontalen,  so  fielen  beide 
zu  gleicher  Zeit  aus,  hatten  also  nahezu  dasselbe  Eigengewicht. 

Aus  den  zuerst  abgeschiedenen  Bestandtheilen  von  einem  specifischen 
Gewichte  über  3.348*)  wurde  zunächst  der  etwa  vorhandene  Magnetkies 
beziehungsweise  Magnetit  mit  einem  starken  Hufeisenmagneten  ausgezogen. 
Der  nicht  magnetische  Rückstand  zeigte  unter  dem  Mikroskope  verschiedene 
Gemenge  von  Granat,  Zirkon,  Topas,  Andalusit  (?),  von  braun  durch- 
scheinenden Körnchen  und  Kryställchen,  von  Titanit  und  Eisenkies.  Hieraus 
konnten  der  letztgenannte  und  etwa  vorhandene  anderweite  Sulfuride  durch 
Königswasser,  und  der  namentlich  aus  dem  Syenit  in  grossen  Mengen  aus- 
gefallene Titanit  durch  Schwefelsäure  abgeschieden  werden;  denn  wenn 
man  den  schwersten  Bodensatz  aus  dem   Syenit,   nachdem  der  Magnetit 

*)  Da  dieselben  meist  uiir  iii  sehr  kleinen  Mengen  vorbanden  sind,  so  wurden  sie, 
gleichwie  die  Glimmer,  um  zu  chemischen  Analysen  ausreichende  Quantitäten  zu  erbalten, 
ausser  aus  dem  in  der  Tabelle  verzeichneten  Robmateriale  in  jedem  Falle  noch  aus 
300  bis  500  Gramm  weiterem  Gesteinspulver  ausgefällt  und  für  sich  weiter  verarbeitet. 
In  der  Tabelle  sind  diese  anderweit  gewonnenen  Partieen  von  Glimmer,  Zirkon,  Kies  etc. 
natürlich  nicht  berücksichtigt  worden. 


41 


extrahirt  worden  ist,  einige  Zeit  lang  mit  der  genannten  Säure  erwärmt, 
so  zeigt  sich  alsdann,  dass  sich  jedes  Titanitsplitterchen  mit  einer  weissen 
Rinde  (von  Gyps?)  umgeben  hat,  so  dass  es  jetzt  in  seiner  Ei-scheinungs- 
weise  unter  dem  Mikrosko]i)e  einigermassen  an  die  sogenannten  Kelyphithüllen 
mancher  Granate  erinnert.  Das  spocifische  (iewicht  der  Titanitsplitterchen 
ist  durch  dieses  ihnen  anhaftend  bleibende  Zersetzungsproduct  derai*t  er- 
niedrigt worden,  dass  sie  sieh  jetzt  bei  erneutem  Eintragen  in  schwere 
Lösung  leicht  von  dem  intact  gebliebenen  Granate,  Zirkone  etc.  abscheiden 
lassen.  Der  in  dem  verbleil>enden  Gemenge  etwa  noch  vorhandene  Granat 
wurde  hierauf  mit  Flusssäure  zersetzt,  so  dass  endlich  nur  noch  Zirkon, 
Topas,  braune  Körnchen  und  eventuell  vereinzelte  andere,  nicht  näher 
untersuchte  Körperchen  übrig  waren. 


GneiM  Ton 
Himmelfahrt 
bei  Freiberg. 


Rohgewicht    des  ver-  ' 
arbeiteten   Gesteines  j 

Schlämmverlust 


Zur    mechanischen 
Sonderung  gelangten 

Aufbereitungsverhist 
C*  0  des  Gesonderten) 

Leüdt ~^^  _ 

Orthoklas    "  ^.505 
Eläolith        ~  2.609 


Vtr. 

360.0 
44.0 

J12.2  o/„) 

314.0 

27.42 

(8.7  '"o) 


;()rthokl.61.0 


i' 


'1 


Oligoklas  2.639 
Quarz_  _2.647 
Dysyntribit    ^.788 


I  \  Plagiokl.  u. 


Boracit 


2.897 


l'braun.  Glimm 
I       33.50 


jfurmalin 
Andälusit 

Apatit 


Olivin 


3^040 
J^154 

3.207 

^.348" 


Apatit  0.54 


Magnetkies 
0.27 


Zirkon  1 

Schwe- 1 

felkiesf 

Ilutil(V)l 


0.29 


II. 

Wpgefahrter 
Gueiss  von 

Himmelsfttrat 
bei  Ernnd. 


<Jr. 
552X) 

230.0 

J4]L7%). 

322.0 

92.3 

(88.6%) 


Orthoki.  8.0 


Plagiokl.  u. 


(Quarz  190.9H  Quarz  103.0 


weiss.  Glimm. 
50.70 


braun.  Glimm 
55^0  _ 
Turmalin  2.64 


Apatit  1.11 


Magnetkies 

4.65 
Granat  3.52  i- 
Zirkon 
Zinnerz 


K28 


III. 

(iranit  von 

Nadelwitz 

bei  Bantzeu. 


Cir. 
438.0 

144.0 

(32.9  «„) 

294.0 

65.65 

(22.3  "/„) 


Ortliokl.2:>.7 


Orth(»kl.26.H 


Plagiokl.  u. 
Quarz  146.0 


braun.  Glimm. 
28.9 


Apatit  0.35 


Magnetkies 

0.32 
Zirkon  | 
Schwe-  L  oQ 
felkies  r-^ 
Rutil  (V)l 


Granit  von 

W^ilzicbhauB 

bei  Eibenitock. 


Gr. 
445.0 


195.0 

(43.8  %> 

250.0 


31.87 

(12.7  %) 


(Jrtliokl^46.10 
Örthokl.  43.80 


Plagiokl.    u. 
Quarz  104.48 

weiss.  Glimm. 

2.78 

braun.  Glimm. 
20.60 

(Apatit  0.23* 
{  Turmalin  u. 
(Flusssp.0.80 


Topas!   \ 
einzelne  I 
Zirkone,  )3.34 
etw^as 
Zinnerz  (i\ 


V. 

Syenit  aus  dem 
Plauenschen 

Grunde 
bei  Dreiideu. 


Gr. 
_500.0 

250.0 

(50  0/,,) 

250.0 
25.3 

(10.1  ".„) 

OrthökT.78.5 

brthükl.62X^> 

Plagiokl.  u. 
Quarz  39.7 


Hornblenden. 
Apatit  34.3 


Magnetit 
7.2 
Titanit!  j 
einzelne  l 
Zirkonej 
Orthit  (?)l 


3.0 


*  Apatit  indirect  durch  den  Gewicht« verlust  des  Gemenges  bei  dessen  Behandlung  mit  Salzsäure  bestimmt, 
t  Granat  indirect  durch  Zersetzen  des  Gemenges  mit  Flusssäure  bestimmt. 


42^ 

Zur  weiteren  Erläuterung  der  in  der  Tabelle  verzeichneten  Resultate 
ist  noch  das  Folgende  zu  bemerken. 

Die  in  III,  IV  und  V  je  zweimal  auftretenden  leichteren  Feldspäthe 
sind  wohl  nur  durch  etwas  grössere  oder  geringere  Frische  von  einander 
differirende  Orthoklaspartikelchen,  denn  das  Gewicht  des  Orthoklases 
(2.55  bis  2.58)  wird  sich  etwas  verringern  oder  erhöhen  müssen,  je  nach- 
dem der  letztere  die  dem  Mikroskopiker  bekannte  und  wohl  in  dem  Be- 
ginne einer  Entwickelung  von  Kaohn  (2.2)  begründete  weisse  Trübung  (III), 
oder  auch  die  durch  Abscheidung  von  Eisenoxyden  bedingte  Röthung  (V) 
erlitten  hat. 

Oligoklas  (2.60  bis  2.66)  und  Quarz  (2.65  bis  2.68)  lassen  sich 
auf  mechanischem  Wege  leider  nicht  von  einander  sondern. 

Der  weisse  und  braune  Glimmer  stehen  sich  mit  ihren  Ge- 
wichten ziemlich  nahe  und  ihre  Gewichte  sind  vielfach  durch  eingewachsene 
fremde,  besonders  schwerere  Körperchen  (Zirkonkryställchen,  Erzpartikelchen) 
alterirt.  Ihre  beiderseitige  Trennung  und  die  Isolirung  von  einigermassen 
reinem  Materiale  gelingt  daher  nur,  wenn  man  viele  Zwischenproducte 
opfert.  Aber  auch  dann  noch  fand  Herr  Dr.  H.  Schulze,  der  mich  durch 
die  chemische  Analyse  der  auf  mechanischem  Wege  gewonnenen  Theil- 
producte  und  durch  die  Ausführung  der  oben  genannten  chemischen  Zer- 
setzungen zu  grossem  Danke  verpflichtet  hat,  in  den  mit  Brom  erhaltenen 
Extracten  der  Glimmer  von  I,  II  und  III  kleine,  zum  Theil  wägbare 
Mengen  von  Schwefel-  und  Phosphorsäure,  und  in  den  Extracten  von 
I  und  II  Spuren  von  Schwermetallen  (Nickel,  Kobalt,  Kupfer,  in  I  auch 
Zink).  Es  waren  also  mit  den  Glimmern  noch  kleine  Mengen  von  Apatit, 
von  Kiesen,  beziehungsweise  von  Zinkblende  verwachsen;  dagegen  konnten, 
wie  hier  nur  beiläufig  bemerkt  sein  möge,  in  den  Glimmern  selbst  keine 
weiteren,  an  ihrer  Zusammensetzung  theilnehmenden  Schwermetalle  nach- 
gewiesen werden. 

Die  ansehnliche  Menge  des  in  dem  Gneisse  II  enthaltenen  grünen 
Turmalines  würde  bei  der  Betrachtung  des  Gesteines  mit  dem  blosen 
Auge  wohl  Niemand  vermuthen. 

Gewöhnlich  wird  angegeben,  dass  der  in  kiystallinen  Gesteinen  vor- 
kommende Apatit  lange,  schmale,  farblose  Nadeln  von  scharfen  hexago- 
nalen  Umrissen  bilde,  welche  die  anderen  Gesteinsgemengtheile  „formlich 
wie  Stecknadeln"  durchdringen.  Diese  Angabe  trifll  indessen  nach  meinen 
P^rfahrungen  nur  für  gewisse  Eruptivgesteine  (z.  B.  für  Nephelindolerite) 
zu;  denn  der  in  recht  beträchtlicher  Menge  aus  dem  Nadelwitzer  Granite  III 
isolirte  Apatit  erscheint  in  durchschnittlich  O.l  bis  0.3  mm  langen  und 
0.05  bis  O.IO  mm  starken,  an  beiden  Enden  gewöhnlich  pyramidal  aus- 
gebildeten, säulenförmigen  Kryställchen.  Ob  auch  die  langen,  besonders 
im  Quarze  dieses  Granites  eingewachsenen  Nädelchen  Apatit  sind,  konnte 
nicht  nachgewiesen  werden.  Ebenso  besitzen  die  Gneisse  I  und  II,  gleich- 
wie   manche   andere,    die   ich   untersucht  habe,   sehr   reichlichen  Apatit. 


43 

In  ihueu  pflegt  derselbe  iu  bis  0.3  mm  starken,  kurz  säuleufönnigen  und 
an  den  Kanten  gerundeten  Kryställchen  oder  in  ellipsoidischen  Körnchen 
ausgebildet  zu  sein,  so  dass  ich  ihn  in  Dünnschliffen  erst  erkannt  und  von 
den  zuweilen  recht  ähnlich  ei'scheinenden  Quarzkörnchen  unterscheiden 
gelernt  habe,  nacli  dem  ich  aus  den  Gneissen  isolirte  und  durch  chemische, 
qualitative  Analyse  bestimmte  Apatite  mit  dem  Mikroskope  hatte  studiren 
können. 

Der  Magnetkies  der  Gneisse  I  und  II  erwies  sich  bei  der  von 
Herrn  Dr.  Schulze  vorgenommenen  quantitativen  chemischen  Analyse  als 
nickel-  und  kobalthaltig.  Er  muss  wegen  der  auf  mikroskopischem  Wege 
constatirten  Frische  der  untersuchten  Gesteine  und  wegen  seines,  ebenfalls 
an  Dünnschliffen  zu  erkennenden  innigen  Verwachsenseins  mit  anderen 
primären  Gneissmineralien,  als  ein  dem  Gneisse  von  Ui-sprung  an  zu- 
gehöriger Gemengtheil  betrachtet  werden.  Gleiches  gilt  von  dem  chemisch 
noch  nicht  näher  untersuchten  Magnetkiese  des  Nadelwitzer  (Jranites  III. 

Endlich  wurden  auch  die  aus  dem  Himmelsfiirster  Gneisse  II  nach 
Zersetzung  des  Granates  mit  Flusssäure  noch  zurückbleibenden,  nur  mit 
vereinzelten  Zirkonkryställchen  untermengten  Körperchen  untei'sucht  Die- 
selben sind  meist  dunkel  nelkenbraun,  durchscheinend,  bilden  rundliche 
Körner  oder  etwas  gerundete  kurzsäulenförmige  Kryställchen  von  —  im 
Maximum  —  0.18  mm  Länge  und  0.06  mm  Stärke.  Die  Kryställchen 
löschen  parallel  zu  ihren  Längskanten  aus  und  sind  dem  Ansehen  nach 
tetragonal. 

Die  von  Herrn  Dr.  Schulze  vorgenommene  qualitative  Analyse  liess 
erkennen,  dass  sie  Zinn-  und  Titiuisäm-e  enthielten.  Eine  quantitative 
Bestimmung  dieser  beiden  Elemente  war  leider  wegen  des  geringen  dis- 
poniblen Quantums  nicht  ausführbar.  Wenn  es  unter  diesen  Verhältnissen 
weiteren  Studien  vorbehalten  bleiben  muss,  zu  entscheiden,  ob  diese 
braunen,  allem  Anscheine  nach  auch  in  manchen  erzgebirgischen  Horn- 
blendegneissen  sehr  häufig  auftretenden  Körnchen  und  Kryställchen  als 
tit anhaltiges  Zinnerz  oder  als  zinnhaltiger  Rutil  zu  deuten 
sind,  so  dürfte  der  Nachweis,  dass  sich  überhaupt  zinnhaltige  Erze  als 
primäre  Gemengtheile  in  Gesteinen  der  erzgebirgischen  Gneissformation 
finden,  doch  schon  jetzt  nicht  ohne  Interesse  sein*). 

Bezüglich  der  kleinen ,  nahezu  wasserhellen  Z  i  r  k  o  n  -  Kryställchen , 
welche  aus  allen  fünf  in  der  Tabelle  aufgenommenen  (iesteinen  isolirt 
wurden,  mag  hier  nur  angegeben  werden,  dass  sich  die  mineralogische 
Bestimmung  derselben  in  den  vorliegenden  Fällen  zwar  nur  auf  ihre  aller- 
dings sehr  charakteristische  Krysüillform,  auf  ihr  dem  tetragonalen  Systeme 


*)  Hierbei  mag  noch  bemerkt  werden,  dass  auch  die  orthoklastischen  und  plagio- 
klastischen  Feldspäthe  des  Himmelsfttrster  Gneisses  II  bei  ihrer  chemischen  Untersuchung 
als  zinn-  und  baryumhaltig  erkannt  wurden.  Ueber  secundäre  Zinnerzvorkommnisse 
auf  und  neben  den  Freiberger  Erzgängen  vergl.  A.  Stelzner.  Neues  Jahrb.  f.  Min. 
1884.  I.  271. 


44 

entsprechendes  optisches  Verhalten  und  auf  ilire  lebhafte  chromatische 
Polarisation  gründet,  indessen  hinsichtlich  ihrer  Richtigkeit  nicht  an- 
gezweifelt werden  katin,  da  für  ganz  analoge,  aus  einem  hier  nicht  be- 
sprochenen zersetzten  Gneisse  von  PVeiberg  isolirte  Kryställchen  durch 
Dr.  Schulze  die  Theilnahme  der  Zirkonerde  an  der  Zusammensetzung 
(luantitativ  constatirt  werden  konnte. 

Im  Anschlüsse  an  diese  Fundberichte  möchte  ich  endlich  noch,  und 
zwar  namentlich  für  diejenigen  Leser,  die  der  Petrographie  femer  stehen, 
betonen,  dass  der  durch  die  mechanische  Analyse  —  und  vielfach  nur 
durch  diese  —  mit  Sicherheit  mögliche  Nachweis  vom  ursprünglichen 
Vorhandensein  kleiner  Mengen  der  zuletzt  besprochenen,  sogenannten 
„accessorischen  Mineralien"  in  krystallinen  Schiefer-  und  Massengesteinen 
keineswegs  bloss  von  theoretischem  Interesse  ist,  sondern  auch  vielfache 
und  früher  gänzlich  ungeahnte  Einblicke  in  den  chemischen  Haushalt  der 
Natur  gewährt.  Auch  das  möge  auf  Grund  der  oben  registrirten  Erfunde 
an  ein  paar  letzten  Beispielen  kurz  erläutert  werden. 

Aus  438  gr  Nadel  witzer  Granit  III  wurden  nach  dem  Pulvern  und 
Abschlämmen  der  feinsten  Partikelchen  294  gr  zur  mechanischen  Sonderung 
geeigneter  Körnchen  und  Splitterchen  gewonnen  und  aus  diesen  letzteren 
u.  A.  —  abgesehen  von  den  Aufbereitungsverlusten*)  —  0.35  gr  Apatit  und 
0.28  gr  Zirkon  isolirt. 

Wenn  daher  die  Apatite  und  Zirkone  bei  der  Zerkleinerung  des 
Granites  zwar  von  den  anderen,  mit  ihnen  venvachsen  gewesenen  Mineralien 
abgesprengt,  sonst  aber  intact  geblieben  und  mit  ihrer  ganzen  ursprüng- 
lichen Menge  in  das  durch  Abschlämmen  gewonnene  und  weiter  ver- 
arbeitete gröbere  Gesteinspulver  gelangt  wären,  so  würden  in  438  gr  rohen 
Granit  überhaupt  0.35  gr  oder  0.079  «/o  Apatit  und  0.28  gr  oder  0.064  o'o 
Zirkon  vorhanden  sein;  wenn  sich  dagegen,  was  namentlich  bezüglich  des 
Apatites  das  wahrscheinlichere  ist,  auch  die  beiden  Accessoria  an  dem 
ihrer  ursprünglichen  Menge  entsprechenden  Verhältnisse  an  der  Bildung 
des  feinsten,  später  durch  Schlämmen  entfernten  Staubes  betheiligt  haben 
und  infolge  dessen  auch  in  den  schliesslich  zur  mechanischen  Sonderung 
gelangenden  294  gr  in  ihrem  ursprünglichen  procentalen  Verhältnisse  vor- 
handen gewesen  sein  sollten,  so  würde  die  gefundene  Menge  des  Apatites 
(0.119  o/o)  und  jene  des  Zirkones  (0.095  <>/o)  correspondiren. 


*)  Diese  Aufbereituugsverlustc  waren  namentlich  bezQglicli  des  Apatites  nicht  un- 
beträchtlich, da  sich  derselbe  von  zahlreichen,  in  Folge  eingewachsener  fremder  Körperchen 
etwas  schwerer  gewordenen  Glimmerblättchen  selbst  durch  Abrollen  auf  einer  matten 
Glastafel  (die  ich  dem  anderweit  vorgeschlagenen  rauhen  Papier  vorziehe)  nur  sehr  un- 
vollkommen trennen  Hess.  Thatsiichlich  dürfte  also  der  Granit  noch  weit  apatitreicher 
sein,  als  oben  angegeben  wurde.  Eine  mit  einem  grösseren  Quantum  von  Rohmaterial 
vorzunehmende  chemische  Bestimmung  des  dem  Gesteine  zukommenden  Phosphorsäurc- 
gehaltes  würde  hier  ein  zutreffenderes  Resultat  liefern. 


45 

Im  Folgenden  werden  die  diesen  beiden  Annahmen  entsprochenden 
Ergebnisse  berechnet  und  derart  neben  einander  gestellt  werden,  dass  die 
auf  die  erste  Annahme  bezüglichen,  Minimalwertho  ergebenden  Zahlen  auch 
in  erster,  die  auf  die  zweite  Annahme  bezüglichen  in  zweiter  Linie  und, 
wie  soeben  schon  geschehen,  in  Parenthese  genannt  werden. 

Da  das  specifische  Gewicht  des  verarbeiteten  (iranitos  im  Mittel  zu 
2.712  bestimmt  wurde,  so  würde  sonach  1  Kubikmeter  Granit  2142  (3227)  gr 
Apatit  und  1736  (2576)  gr  Zirkon  enthalten. 

In  einem  Kubikmeter  Granit  sind  also  von  Ursprung  an  mindestens  2, 
wahrscheinlich  sogar  mehr  als  3.2  kg  Apatit  oder  —  einen  Phosphorsäure- 
gehalt des  Apatites  von  41  <>/o  angenommen  —  0.9  beziehungsweise  mehr 
als  t.3  kg  Pbosphorsäure  vorhanden. 

Im  Anblicke  dieser  Zahlen  und  in  Erinnerung  des  Umstandes,  dass  ja 
die  Apatite  des  Granites  und  anderer  Eruptivgesteine,  gleichwie  diejenigen 
der  Gneisse  und  anderer  archäischer  Schiefer,  bei  der  Zerstörung  aller 
dieser  Gesteine  und  bei  der  Wiederablagerung  der  Zerstörungsproducte 
auch  in  die  verschiedenartigsten  Sedimente  mit  übergegangen  sein  müssen, 
wird  die  in  frülieren  Zeiten  übliche  Ansicht,  nach  welcher  gewisse,  auf 
Gängen  und  Klüften  und  zwar  nur  in  geringer  Tiefe  sich  findende  Phos- 
phate ihre  Phosphorsäure  von  oben  her,  d.  h.  „von  organischen  Substanzen, 
welche  an  der  Oberfläche  verweseten",  erhalten  haben  sollten*),  überflüssig. 
In  noch  höherem  Grade  wird  die  ganz  eigenthümliche,  ei-st  neuerdings 
wieder  ausgesprochene  Meinung  hinfällig,  welche  einem  grossen  Theile  der 
irdischen  Phosphorsäure  kosmischen  Ursprung  zuschreiben  zu  müssen 
glaubt  und  insonderheit  ,,in  den  Stemschnuppen  den  Quell  sieht,  aus 
welchem  uns  seit  Jahi-tausenden  und  täglich  liinfort  Phosphor  in  Säure- 
form und  Bittererde  zur  Befruchtung  unserer  Felder  zugeführt  wird,  .  .  . 
als  ein  äusserst  feiner  Regen,  der  in  äusserst  geringer  Menge  und  in 
höchst  feiner  Vertheilung  ohne  Unterlass  sich  aus  der  Atmosphäre  auf 
unsere  Meere,  Wälder  und  Gefilde  niedersenkt**);"  denn  wir  erkennen  ja 
schon  aus  unseren  Granit-  und  Gneissstudien,  dass  die  Natur  die  für 
Pflanzen  und  Thiere  gleich  unentbehrliche  Phosphorsäure  auf  der  Erde 
selbst  in  der  vorsorglichsten  Weise  verbreitet  hat  und  überall  aus  eigenen 
Mitteln  darzubieten  vermag. 

Zu  nicht  minder  interessanten  Resultaten  führt  die  Rechnung  bezüg- 
lich der  scheinbar  so  unbedeutenden  Zirkonführung  des  Granites,  denn 
die  0.064  (0.095)  <^/o  entsprechen  pro  Kubikmeter  Granit  einem  Quantum 
von  1736  (2576)  gr  oder,  das  specifische  (Gewicht  des  Zirkones  zu  4.5  an- 
genommen, einem  Zirkonwürfel  von  73  (83)  mm  Seitenlänge. 

Da  unter  dem  Mikroskope  vorgenommene  Messungen  ergaben,  dass 
die  Zirkonkryställchen  des  Nadel  witzer  Granites  durchschnittlich   0.1  mm 

*)  Breithaupt.    Die  Paragenesis  der  Mineralien.    1849.    126.  127. 
**)  Berghans.    Der  Himm eisstaub  und  die  Landwirthschaft.    Ausland  1884.  669. 


46 

lang  und  0.03  mm  stark  sind ,  also  ein  Volumen  von  durchschnittlich 
0.00009  cmm  haben,  so  würden  in  einem  Cubikcentimeter  Granit  4277 
(6355)  Kryställchen  und  in  einem  15  mm  langen  und  breiten,  0.025  mm 
starken  Dünnschliffe  23  (26)  Zirkonkryställchen  vorhanden  sein  müssen. 
Dieses  Resultat  entspricht  aber,  wie  die  Durchmusterung  von  vier  Schliffen 
zeigt,  nahezu  den  thatsächlichen  Verhältnissen. 

Der  ähnliche  Zirkonreichthum  mancher  Freiberger  Gneisse  macht  es 
verständlich,  dass  man  aus  jeder  Hand  voll  Ackererde,  die  aus  der  Zer- 
setzung der  letzteren  hervorgegangen  ist,  mit  Hülfe  schwerer  Lösungen 
ein  nicht  zu  übersehendes  Quantum  von  Zirkonen  isoliren  kann,  und  dass 
weiterhin  Zirkonkryställchen  nicht  nur  in  zahlreichen  Flussalluvionen  der 
Gegenwart,  sondern  auch  in  sehr  vielen  sedimentären  Bildungen  früherer 
Zeiten  angetroffen  werden*). 

Zu  einer  Betrachtung  anderer  Art  giebt  der  0.842  (1.444)  o/o  betragende 
Magnetkies-Gehalt  des  Wegefahrter  Gneisses  von  Himmels- 
fürst bei  Brand  (II)  Veranlassung.  Da  dieser  Kies  nach  der  von  Herrn 
Dr.  Schulze  ausgeführten  quantitativen  Analyse  0.61  o/o  Ni  und  0.12  o/o  Co 
enthält  imd  da  das  specifische  Gewicht  seines  Muttergesteines  zu  2.782 
bestimmt  wurde,  so  sind  in  einem  Cubikmeter  Gneiss  23.4  (38.9)  Kilo 
Magnetkies  mit  143  (237)  gr  Nickel  und  28  (47)  gr  Kobalt  vorhanden. 

Ein  derartiger  primärer  Metallgehalt  des  Gneisses  würde  vollständig 
genügen,  die  Entsehung  der  auf  einigen  Freiberger  und  Brander  Gängen 
hier  und  da  einbrechenden  Nickel-  und  Kobalterze  durch  Lateralsecretion 
zu  erklären.  Denn  wenn  man  annimmt,  dass  auf  jeder  Seite  eines  Ganges 
eine  zwei  Meter  breite  Zone  Gneiss  durch  circulirende  Wässer  zersetzt  und 
ihres  gesamniten  Nickel-  und  Kobaltgehaltes  beraubt  worden  sei,  so  würde 
alsdann  auf  einem  Quadratmeter  Gangfiäche  der  Metallgehalt  von  4  Cubik- 
metern  Nebengestein,  in  Summa  572  (984)  gr  Ni  und  112  (188)  gr  Co 
concentrirt  worden  sein. 

Von  Himmelsfürst  ist  nach  den  mir  vorliegenden  Geschäftsberichten 
der  Grube  in  den  letzten  Jahren  kein  Nickel  und  Kobalt  zur  Hütte  ge- 
liefert worden;  wohl  aber  von  Beschert  Glück  und  von  Himmelfahrt. 

Auf  Beschert  Glück  hat  die  in  den  vier  Jahren  1870  und  1S73  bis 
1 S75  abgebaute  Gangfläche  von  überhaupt  1 1  225  qm 

86.80  Ctnr.  Silber,  168  Ctnr.  Blei  und  3.6  Ctnr.  Nickel, 
also  der  Quadratmeter  Gangfläche  durchschnittlich 

386  gr  Silber,  747  gr  Blei  und  16  gr  Nickel 
geliefert. 

Himmelfahrt  hat  in  1883  abgebaut 
a)  33  639  qm  von   (iängen  der  kiesigen  Bleiformation   und  durcli  Auf- 
bereitung derartiger  Gänge  u.  A.  gewonnen 

♦)  F.  Sandberger.  Uebcr  Zirkon  in  geschicliteton  Felsarteii.  Zeitschr.  d.  Deutsch. 
(Jool.  Gos.  XXXV.  ISKJ.  193. 


47 

154.74  Ctnr.  Silber,  41  363  Ctnr.  Blei  und  0.6  Ctnr. 
Nickel  und  Kobalt, 
oder  von  dem  Quadratmeter  Gangfläche  durchschnittlicli 
230  gr  Silber,  61.45  kg  Blei  und  1.00  gr 
Nickel  und  Kobalt; 
b)  2092  qm  von  Gängen  der  Schwerspath-  und  Braunspathlormalion,  aus 
deren  Aufbereitung  aber  gewonnen 

44.02  Ctnr.  Silber,  88  Ctnr.  Blei  und  7.92  Ctnr. 
Nickel  und  Kobalt, 
oder  von  dem  Quadratmeter  Gangfläche  durchschnittlich 
1052  gr  Silber,  2103  gr  Blei  und  189  gr 
Nickel  und  Kobalt. 
Es  ergiebt  sich  daher,   wenn  wir  die  oben  in  dem  Magnetkiese  des 
Himmelsfürster    Gneisses  II    gefundeneu    Nickel-   und   Kobaltgehalte,    und 
selbst  wenn  wir  die  wahrscheinlich  etwas  geringeren  Nickel-  und  Kobalt- 
gehalte  des  Himmelfahrter   Gneisses  l*)   als    für   den   Freiberger   Gneiss 
gültige  Durchschnittswerthe  annehmen,  dass  in  unserem  Gneisse  genügendes 
Rohmaterial  zur  Bildung   der  auf  seinen   Gängen   vorkommenden  Nickel- 
und  Kobalterze  durch  Lateralsecretion  vorhanden  ist. 

Dagegen  folgt  aus  dem  Mitgetheilten ,  wie  dies  hier  nur  beiläufig  an- 
gedeutet werden  kann,  mit  ebenso  grosser  Bestimmtheit,  dass  die  Ursitzo 
des  Silbers  und  Bleies,  des  Zinkes  und  Arsenes,  also  derjenigen  Metalle, 
welche  den  Freiberger  Gängen  ihren  typischen  Charakter  verleihen,  nicht 
in  dem  uns  bekannten  Nebengesteine  gesucht  werden  können;  denn  obwohl 
auf  den  edlen  Gängen  von  Himmelfahrt  5.5  mal  soviel  Silber  und  1 1  mal 
soviel  Blei ,  auf  den  kiesigen  Gängen  aber  sogar  230  mal  soviel  Silber  und 
61450  mal  soviel  Blei  als  Nickel  und  Kobalt  vorhanden  sind,  so  haben 
doch  die  bis  jetzt  in  Freiberg  ausgeführten  mechanischen  und  chemischen 
Analysen  der  Feldspäthe,  Glimmer  und  sonstigen  Gemengtheile  frischer 
Gneisse  nicht  einmal  Spuren  von  Silber  oder  Blei  ausfindig  machen 
können ! 

Aehnliche  Rechnungen  zeigen,  wenn  wiederum  die  Zahlen  der  vor- 
stehenden Tabelle  zu  Grunde  gelegt  werden,  dass  der  Syenit  des  Plauen- 
schen  Grundes  bei  Dresden  (V),  dessen  spec.  Gewicht  nach  Zirkel  2.730 
beträgt,  1.44  (2.88)o/o  Magnetit  und  O.GO  (1.2) o'o  Titanit  enthält, 
also  in  einem  Kubikmeter  39.31  (78.62)  Kilo  Magnetit  und  16.38  (32.76) 
Kilo  Titanit  beherbergt. 

Das  würde  einem  Magnetitwürfel  von  19.8  (25)  cm  und  einem  Titanit- 
würfel  von  16.7  (21)  cm  Seitenlänge  entsprechen. 

*)  Der  Magnetkies  des  Himmclfalirter  Gneisses  ist  noch  nicht  analysirt  worden. 
Sollte  er  gleichen  Nickel-  und  Kobaltgehalt ,  wie  jener  von  Himmelsfürst  (II)  besitzen, 
so  würden  4  Cnbikmeter  des  llimmelfahrter  Gneisses  (I)  4(58  »53(5^  gr  Nickel  und 
92  (^lOi'igr  Kobalt  beherbergen. 


48 

Doch  genug  der  Beispiele. 

Das  Mitgetheilte  wird  hinlänglich  erweisen,  dass  in  Zukunft  neben  den 
bereits  unentbehrlich  gewordenen  chemischen  und  mikroskopischen  Ana- 
lysen auch  die  mechanische  nicht  mehr  fehlen  darf. 

Der  ehemals  so  einfache  Hausrath  des  petrographischen  Laboratoriums 
wird  dadurch  freilich  immer  complicirfer,  aber  dafür  rücken  wir  nun  auch 
der  Kenntniss  vom  Wesen  der  Gesteine,  an  welcher  Wissenschaft  und  Praxis 
ein  gleich  hohes  Interesse  haben,  immer  näher  und  näher. 

Freiberg,  Sachsen.     Im  Februar  1885. 


49 


Bemerkungen  über  den  Quarz  im  Syenite 
des  Plauenschen  Grundes. 


Von  E.  Zschau. 


„In  dem  bekannten  Syenite  des  Plauenschen  (hundes  bei  Dresden,  in 
welchem  man  keinen  Plagioklas  und  Quarz  makroskopisch  beobachtet,  und 
welcher  daher  früher  als  eigentlicher  Typus  des  reinen  Oi-thoklas-Hornblende- 
(iemenges  galt,  wurde  u.  d.  M.  neben  diesen  Mineralien  dennoch  aus- 
gezeichnet gestreifter  Plagioklas  und  ausserdem  Quarz  aufgefunden,  ferner 
besitzt  das  (iestein  verhältnissniässig  reichlich  Apatit  und  Titanit  etc." 
(Zirkel,  Mikroskopische  Beschaffenheit  der  Mineralien  und  (lesteine  S.  380.) 

Nach  Anfühning  dieser  Worte  könnte  die  Aufgabe,  die  ich  mir  gestellt, 
als  gelöst  angesehen  werden,  und  sie  ist  es  auch,  wenn  man  von  unserem 
Syenite  im  engeren  Sinne,  vom  normalen  (iesteine  spricht.  In  diesem  ist 
der  Quarz  nur  selten  mit  blossem  Auge  wahrnehmbar,  ebenso  wie  der 
plagioklastische  Feldspath,  öfterer  schon  mit  der  Lupe,  mikroskopisch  habe 
ich  nicht  beobachtet.  Das  Gestein  führt  aber  quarz  reichere  Neben- 
ge bilde,  die  sich  nach  ihrem  Auftreten  von  demselben  keinesfalls  trennen 
lassen;  diese  Ncbengebilde  hatten  fiir  mich  gewisscrmassen  die  Bedeutung 
von  Leitfossilien,  nach  deren  Erkennung  die  Auffindung  des  Quarzes  im 
normalen  (iesteine  bald  gelang.  Diese  Nebengebildc  und  auch  solche,  die 
dem  Gesteine  eigentlich  fremd  sind,  da  sie  nur  sekundärer  Natur  sein 
können,  sollen  den  Hauptgegenstand  vorliegender  Darstellung  bilden,  und 
ich  hoffe,  dass  manche  der  angeführten  Thatsachen  meinen  Versuch  einiger- 
niassen  rechtfertigen. 

1)  An  erster  Stelle  mögen  granitische  Gebilde  des  Syenits  erwähnt 
sein.  Dieselben  ei*scheinen  als  Nester  von  geringer  (irösse,  schmale  Sclmüre 
oder  Bänder  und  bis  zu  0.5  m  (selten)  mächtige  gangailige  grosskrystalli- 
nische  Massen.  In  fast  allen  ist  der  Feldspath  vorwaltend,  meist 
Orthoklas,  seltener  Oligoklas,  die  Hornblende  tritt  fast  ganz  zurück 
und  erscheint  nur  ausnahmsweise,  der  Quarz  fehlt  fast  nie  und  auch 
grossblättriger  Glimmer  ist  zuweilen  vorhanden.  Der  Feldspath  ist, 
nebst  Glimmer,  das  ältere  Glied  dieser  Ausscheidungen,  (^uarz  das  jüngere, 

Fctitschi'ift  ihv  hix  in  DrtHtltn,  IHH't.  4 


50 

doch  mag  er  auch  zuweilen  gleichzeitig  mit  dem  Feldspathe  entstanden 
sein,  da  er  mit  demselben  mitunter  wahren  Schriftgranit  bildet.  Der 
Quarz  ist  also  zumeist  in  der  Mitte  der  Bänder  und  Nester  vorhanden. 
In  den  grösseren  Ausscheidungen  ist  der  Quarz  ziemlich  rein,,  durch- 
scheinend, bergkrystall-  oder  rauchquarzartig ,  gegen  den  Feldspath  scharf 
begrenzt.  In  manchen  schmalen  Bändern  aber  zeigt  er  sich  ebenso  wie 
der  Feldspath  mehr  dicht  und  in  diesen  übergehend.  Quarzkrystalle 
wurden  in  diesen  Gebilden  nicht  beobachtet. 

Nur  in  einigen  wenigen  Fällen  wurden  reine  Quarzausschei- 
dungen im  dichten  Syenite  bemerkt,  dieselben  waren  immer  sehr  eng  be- 
grenzt, aber  doch  bandartig  oder  plattig.  Werden  solche  Platten  gespalten, 
so  zeigt  sich  eine  ähnliche  rhomboidale  Absonderung  des  Quarzes, 
wie  sie  an  manchen  Granitbändern  des  Granits  von  der  Knorre  bei 
Meissen  und  auch  von  Mitweida  bekannt  ist.  Es  scheint,  als  ob  diese 
Absonderungen  des  Granites  und  hier  des  Quarzes  mit  der  Struktur  (dem 
Wüchse)  des  Gesteins  in  Verbindung  stehen.  Sie  zeigen  vielleicht  im 
Kleinen,  wie  eigentlich  die  Bruchflächen  grosser  Felsmassen  erecheinen 
müssten. 

Für  die  granitischen  Ausscheidungen  ist  der  Orthit  in  vielen  Fällen 
ein  bezeichnendes,  geradezu  ein  leitendes  Mineral,  welches  die  innige  Be- 
ziehung zwischen  dem  normalen  Gesteine  und  der  granitischen  Abänderung 
beweist.  Meist  ist  der  Orthit  mehr  dem  Feldspathe  vergesellschaftet  als 
dem  Quarze;  nur  in  einem  einzigen  Falle  wurde  der  Orthit  auch  m 
dichtem  Quarze  angetroffen,  welcher  dann  die  bekannte  strahlige 
Gruppirung  zeigte,  die  der  Umgebung  des  Orthits  so  ganz  besondere 
eigen  ist. 

Die  lehrreichsten  mächtigeren  granitischen  Ausscheidungen  wurden  in 
dem  oberen  Bruche  beim  Forsthause  (linkes  Ufer)  und  in  den  letzten 
Brüchen  unmittelbar  vor  Potschappel  (rechtes  und  linkes  Ufer)  be- 
obachtet, während  die  bandartigen  besonders  schön  in  dem  Bruche  un- 
mittelbar unterhalb  der  Begerburg  auftreten.  Kleinere  Nester  sind  von 
allen  Brüchen  des  Grundes  bekannt. 

2)  Ein  mehr  selbständiges  Auftreten  des  Quarzes  ist  das  in 
gangartigen  Gebilden,  die  wohl  zumeist  als  Spalten-  und  Kluftausfiillungen 
anzusehen  sind.  Das  mächtigste  derartige  Vorkommen  ist  am  Nordende 
des  grossen  Bruches  unterhalb  der  Begerburg.  Die  Richtung  dieser 
Gangmasse  ist  circa  NW—  SO,  also  rechtwinkelig  zur  Thalaxe,  die  im  All- 
gemeinen NO— SW  ist.  In  den  Quarz  dieses  Ganges  sind,  besonders  an 
einer  Grenze,  scharfkantige  Syenits tücke  eingebettet  und  der  be- 
grenzende Syenit  ist  viel  klüftiger  und  mehr  kleinstückig,  als  das  Gestein 
sonst  in  der  Hauptmasse  erscheint.  Auch  ist  das  Gestein  an  der  Grenze 
gewöhnlich  auffallend  arm  an  Hornblende,  so  dass  man  geneigt  sein 
möchte,  diese  als  das  Material  anzusehen,  welches  den  Quarz,  sowie  den 
begleitenden  Epidot  geliefert.     Das  Ganggestein  ist  fast  nur  Quarz,  zellig, 


51 

rauh,  krystallinisch  und  dicht,  grau  bis  farblos,  hin  und  wieder  grünlich, 
Spuren  von  Epidot  führend,  wodurch  seine  Zugehörigkeit  zum  Syenite  be- 
wiesen würde.  Die  unregelmässigen  Hohlräume  sind  vielleicht  der  Sitz 
eines  leicht  zersetzbaren  Felsits  gewesen. 

Lehrreicher  als  das  grosse  Vorkommen  ist  das  Auftreten  vieler  kleineren. 
Dieselben  bilden  nur  schmale,  scharf  begrenzte  Bänder  im  frischen  Gesteine, 
zuweilen  mehrere  Meter  weit  erstreckt,  öfter  aber  nur  kleine,  enge  Klüfte 
ausfüllend.  Diese  Bänder,  Ausscheidungen,  bestehen  aus  Epidot  und 
Quarz,  ersterer  meist  in  geringerer  Menge  schmale  Streifen  zu  beiden 
Seiten  des  Bandes  bildend,  er  ist  das  ältere  Glied.  Die  Mitte  besteht  aus 
dichtem  und  krystallinischem  Quarze  mit  langgestreckten  Drusenräumen, 
besetzt  mit  wohlgebildeten  Quarzkrystallen,  denen  sich  zuweilen  Kalkspath 
zugesellt.  In  den  kleineren,  engeren  Kluftgebilden  war  letzteres  immer  der 
Fall;  der  Kalkspath  bedeckt  dann  aber  ausser  dem  Epidot  und  Quarze 
auch  noch  andere  krystallisirte  Mineralien,  wie  rhombisch  erscheinenden 
Felds path,  blättrige  und  nadelformige  Hornblende,  Titanit  und 
Glimmer.  licider  sind  alle  diese  Dinge,  fast  mit  alleiniger  Ausnahme 
des  Quarzes  und  Epidots,  nur  in  sehr  kleinem  Massstabe  entwickelt  und 
die  Deutung  schwer.  Immer  aber  ist  der  Epidot  das  ältere  und  Quarz 
das  jüngere  Glied. 

Ausser  auf  Spalten  und  Klüften  ist  das  Epidot-Quarzvorkommen  auch 
als  Nester  im  festen  Gesteine,  wenn  auch  selten,  zu  beobachten. 
In  diesen  Nestern  ist  der  Epidot  schön  strahlig,  der  Quarz  dicht,  beigesellt 
zuweilen  ein  Chlorit. 

Auf  engen  Klüften  des  Syenits  sind,  wie  oben  gesagt,  die  Haupt- 
gemengtheile  desselben  nicht  nur,  sondern  auch  mehrere  seiner  Neben- 
mineralien auskrystallisirt  und  durch  Kalkspath  geschützt  worden.  Nach 
Wegnahme  des  letzteren  durch  Säure  erhält  man  flache  Drusen.  Zuweilen 
ist  der  Kalkspath  auch  schon  ganz  oder  theilweise  durch  die  Natur 
entfernt. 

Die  meisten  freien  Quarzkrystalle  dieser  Gebilde  bieten  nichts  Be- 
sonderes, aber  an  manchen,  namentlich  solchen,  welche  ganz  oder  nahezu 
aufrecht  in  den  Drusen  standen,  wurde  eine  eigenthümliche  Einkerbung 
der  Säulenflächen,  sowie  eine  basisch  erscheinende  obere  Abstumpfung 
wahrgenommen.  Die  Einkerbung  war  nicht  die  gewöhnliche,  die  die 
pyramidalen  Flächen  erkennen  lässt,  sondern  es  waren  scheinbar  hexagonale 
Tafeln  in  kleinerer  oder  grösserer  Anzahl  eingebaut.  Die  Endpyramide 
entweder  gänzlich  verschwunden  oder  auch  wie  aus  dicht  gehäuften  Tafeln 
bestehend. 

Auffallend  war  auch  ein  dem  Perlmutterglanze  sich  nähernder  Glanz 
der  Tafelflächen.  Hexagonale  Quarztafeln,  TridymitI!  verwachsen  mit  ge- 
wöhnlichem Quarze.  Doch  ich  gedachte  der  Worte  eines  unvergesslichen 
Mannes  —  Th.  Scheerer  —  „dass  der  Anfanger  am  öftersten  etwas  Neues 
gefunden  zu  haben  glaubt,"  und  sammelte  weiter  das  spärlich  vorkommende 

4* 


52 

und  unscheinbare  Material.  Ich  fand,  dass  die  Tafehi  auch  sehr  geneigt 
zu  einander  stehenden  Quarzki-ystallen  parallel  waren,  dass  die  tafelige 
Theilung  auch  in  der  Richtung  der  Hauptaxe,  sowie  in  jeder  anderen  vor- 
kommen könne,  dass  also  die  Ursache  der  Erscheinung  eine  äussere  sein 
müsse.  Diese  Ursache  ist  nun  nach  meiner  Meinung  der  Kalkspath, 
derselbe  hat  bei  gleichzeitigem  Krystallisiren  mit  dem  Quarze  diesen  mehr 
oder  weniger  zurückgedrängt  und  unterbrochen.  In  ganz  engen  Klüften 
des  Syenits  ist  oft  zunächst  nur  Kalkspath  zu  sehen,  nach  Wegnahme 
desselben  durch  Säure  erscheinen  zuweilen  auch  Epidot  und  Quarz  und 
Anderes.  Der  Epidot  ist  als  Aelteres  durch  den  Kalkspath  nicht  beein- 
trächtigt, sondern  nur  der  jüngere  Quarz. 

Die  Kalkspäthe  des  Syenits,  hier  so  genannt,  wenn  auch  dem- 
selben nicht  eigentlich  angehörend,  zeigen  eine  ziemliche  Mannigfaltigkeit 
in  Formen  und  sonstiger  Ausbildung.  Mit  das  Bemerkenswertheste  ist 
aber  das  in  dem  ganzen  kleinen  Gebiete  nicht  gar  seltene  Auftreten  von 
Calcitkrystallen  mit  basischen  Enden.  Ja  wenn  auch  an  manchen  Kry- 
stallen  die  Basis  nicht  zu  sehen,  sondern  z.  B.  — V2  R>  so  kann  doch  im 
Inneren  die  basische  Zusammensetzung  vorhanden  sein,  und  es  ergiebt  sich 
zuweilen  eine  Art  basischer  Spaltbarkeit,  die  Spaltungsflächen  alsbald  er- 
kennbar durch  ihren  perlmutterartigen  Glanz.  Die  Calcittafeln  oder 
Tafelgruppen  können  auch  an  einem  Ende  durch  — V»  R  überbaut  sein, 
während  das  andere  frei  ist.  Zierliche  skalenoedrische  Talelgmppen 
zeigen  ähnlichen  Bau  wie  manche  der  gekerbten  Quarze.  Ich  glaube  nun, 
dass  all  die  Einkerbungen  und  Durchschneidungen  des  Quarzes  ihren 
Grund  in  der  gleichzeitigen  Bildung  des  Quarzes  und  des  tafeligeu 
Kalkspaths  haben,  dass  sie  sich  gegenseitig  an  alleiniger  Ausfüllung  des 
Raumes  hinderten,  ohne  aber  ein  vollständiges  Unterbrechen  des  Krystall- 
wachsthums  bewirken  zu  können.  (Können  doch  z.  B.  Quarzkrystalle  recht 
schön  sich  weiter  bilden,  wenn  auch  ihre  Flächen  mit  fremden  Stoßen 
unterbrechend  bedeckt  werden.  Kappenquarz.)  Von  Aren  dal  liegt  ein 
Stück  vor  mit  Pistazit  und  Quarz.  Letzterer  ist  in  ganz  gleicher  Weise 
gekerbt  wie  der  von  Plauen,  ersterer  dagegen  ungestört.  Die  beschriebene 
Quarzbildimg  erinnert  wohl  etwas  an  die  sogenannten  Babelquarze. 

3)  Quarz  auf  Klüften  eines  zersetzten  Syenits  bildet  Krystallrinden 
und  ei-scheint  als  heller  gemeiner  Quarz,  zuweilen  als  Rauchquai'z.  Auch 
hier  treten  andere  Stoffe  hinzu,  namentlich  Calcit,  seltener  Baryt, 
Aragonit,  Kupferglanz  u.  s.  w.  Nur  Calcit  und  Baryt  stören  den 
Quarz  und  unterbrechen  sein  Wachsthum.  Der  Calcit  ei-scheint  hier  meist 
unvollkommen  skalenoedrisch,  schief  gekerbt  oder  gestreift  in  einer  Richtung 
der  Spaltbarkeit,  und  zeigen  sich  diese  Kerben  auch  auf  dem  Quarze, 
dessen  aufrechte  Pyramiden  wie  zusammengedrückt  und  kaum  wahrnehm- 
bar sind.  Ist  der  Calcit  vollkommen  ausgebildet,  so  ist  der  Quarz  nur 
eine  Ausfüllung  zwischen  den  Krystallen  desselben,  und  zwar  meist  Rauch- 
quarz, seltener  amethystartig. 


53 

4)  Die  oben  envähiiteii  Quarze  stellen  iiiiiner  in  mehr  oder  weniger 
enger  Beziehung  zum  Syenite,  indem  sie  von  demselben  umschlossen  werden 
oder  wenigstens  nicht  durch  neuere  Gebilde  abgetrennt  sind.  Als  solche 
neuere  Gebilde  sind  nun  zu  nennen  der  Calcit,  Dolomit,  Baryt, 
Laumontit,  An  alz  im.  Laumontit  sitzt  gewöhnlich  auf  zersetztem 
Syenite,  seltener  auf  frischem,  nur  einmal  wurde  er  auf  Quarz  sitzend  ge- 
funden. Der  Analzim  tindet  sich  meist  auf  und  in  Calcit,  seltener 
unmittelbar  auf  zei*setztem  Syenite  oder  auf  Quarzrinden  desselben.  Auf 
den  Zeolithen  wurde  Quarz  nicht  an^etroftcn,  auf  dem  Calcite,  Dolomite 
und  Baryte  dagegen  findet  er  sich  als  eine  neueste  Bildung  vor. 

Ein  unscheinbares  Barytstück  zeigt  längliche,  tafelige  Krystalle 
bis  2  cm  lang  und  1  cm  breit,  eigentlich  Krystallginippen  (:x  P  oc .  P  ^ . 
>^P2);  die  Mitte  der  Tafel  bildet  eine  lange,  dünne,  rhombische  Säule 
und  fast  nur  auf  dieser  befinden  sich  einige  wohlgebildete  Qua rzkry stalle, 
so  dass  man  schliessen  möchte,  dass  ei-st  mach  Entstehung  dei^selben  das 
Wachsen  des  Baryts  in  die  Breite  vor  sich  ging,  da  die  breiten  Flächen 
nur  wonig  Quarz  tragen. 

Quarz  auf  Calcit  und  Dolomit.  liCtztere  zwei  Mineralien  wurden 
zusammen  namentlich  am  Anfange  (Brüche  beim  Forsthause)  und  am  Ende 
des  Grundes  (Brüche  vor  Potschappel)  gefunden,  meist  in  Klüften  und 
Höhlen  zersetzten  Syenits.  Zuweilen  ist  der  Dolomit  das  ältere  Glied  und 
bildet  dann  wohlgestaltete  Ilhomboeder  unter  dem  Calcite,  oder  er  ist 
jünger  und  überrindet  den  Calcit.  Es  kommt  auch  vor,  dass  dieser  jüngere 
Dolomit  noch  neuere  meist  recht  zierliche,  aus  fiachen  Rhomboedern  be- 
stehende kleine  Krystallgruppen  trägt.  Diese  letzteren  Calcite  tragen  keinen 
Quarz,  nur  die  ersteren  und  der  Dolomit. 

Auf  dem  Calcite  sitzt  der  Qiuirz  gewöhnlich  vereinzelt,  die  Krystalle 
können  bis  l  cm  gross  sein  und  sind  hell,  wie  Bergkrystall  oder  auch 
dunkel,  wie  Rauchquarz,  und  zeigen  skalenoedrische  und  rhomboedrische 
Eindrücke  nach  Wegnahme  des  Calcits.  Auf  dem  Dolomite  bildet  der 
Quarz  gewöhnlich  ganze  Rinden  kleiner,  heller  Krystalle.  Das  Schema  für 
eins  der  interessantesten  Vorkommen  würde  etwa  sein :  tafelige  Calcite  mit 
drei  aufgesetzten  flachen  Rhomboedeni,  darauf  dünne,  erdige  Rinde  (ver- 
witterter eisenhaltiger  Calcit),  bedeckt  durch  Dolomit  und  dieser  bedeckt 
mit  Quarzrinde,  so  dass  die  letztere  noch  zeigt  die  Grube  und  die  Rinnen, 
erzeugt  durch  den  Aufbau  der  Rhomboeder  auf  die  Tafel. 

Noch  einer  Thatsache  mag  hier  gedacht  werden.  In  einer  Kluft- 
ausfüllung fand  sich  ein  blassröthlich ,  erdig  erscheinender  Einschluss 
im  Kalkspathe.  Bei  genauerer  Betrachtung  zeigte  er  sich  krystallinisch 
und  der  Staub  ritzte  Glas.  U.  d.  M.  wurden  deutliche  und  vollkommen 
ausgebildete  Quarze  erkannt.  Die  Krystalle  waren  etwa  Y^ — 1  mal  so 
lang,  wie  eine  Baumwollenfaser  breit  ist,  oder  V«  — IV«  (O.Ol)  =  0.005  — 
0.015  mm  lang  und  0.0025 — 0.005  mm  dick.  Die  kleinen,  losen  Krystalle 
sind  nur  die  Ausfüllung  einer  Calcitdruse. 


54 

Nach  Vorstehendem  könnten  vielleicht  folgende  Quarze  unseres  Syenits 
dem  Alter  nach  unterschieden  werden: 

1)  Quarz  im  Syenite  und  in  den  granitischen  Ausscheidungen  des- 
selben ; 

2)  Quarze  in  Begleitung  von  Pistazit  in  gangartigen  Massen,  Bändern 
und  dünnen  Kluftausfüllungen; 

3)  Quarze  auf  Klüften  verwitterten  Syenits; 

4)  Quarae  auf  Carbonaten  und  anderen  sekundären  Gebilden. 

Man  darf  an  die  erwähnten  Vorkommen  nicht  einen  zu  grossen  und 
strengen  Massstab  legen,  sie  zeichnen  sich  weder  durch  grosse  Schönheit 
und  Augenfälligkeit,  noch  durch  Häufigkeit  aus.  Nur  in  sehr  lauger  Zeit 
ist  es  gelungen,  ein  Material  zu  sammeln,  von  dem  der  Schreiber  ange- 
nommen, dass  es  der  Erwähnung  einigermassen  werth  sei,  weil  er  selbst 
dadurch  viel  Anregung  und  Freude  gewonnen,  wie  es  ja  bei  jedem  eifrigen 
Sammler  der  Fall  ist. 


55 


Die  Crednerien  im  unteren  Quader  Sachsens. 

Von  H.  Engelhardt. 

Mit  Tafel  I. 


Credneria  Geinitziana  Ung.  Taf.  I.  Fig.  8. 
1843.    Credneria  sp.  Geinitz.  Gaea  v.  Sachsen.    S.   133,    Ders.,  Charakt.  d. 

Schichten  u.  Petref.  d.  sächs.-böhm.  Kreidegeb.     S.  97. 
1849.    Credneria  Geinitziana,    Unger,    gen.   et.  sp.  pl.  foss.    S.  422.    Ders., 

Bot.  Zeitung  v.  Mohl  u.  Sclüechtendal.    S.  349. 
1849.    Credneria  tremulaefolia,    Brongniart,  Tableau  des  genres  de  v^gätaux 

fossiles.     S.  111. 
1849.    Credner^ia  Reichi.  Geinitz,  Quadergeb.    S.  247. 
1857.   EttingshauHenia  tremtdaefoUa  Brongn,  sp.  Stiehler,  Beitr.  z.  Kenntn. 

d.  vorweit.  Flora  d.  Kreidegeb.  im  Harze.  Falaeont.  V.  S.  67.  Schimper, 

Traitö  vög.  pal.  JII.  S.  62.  Taf.  96.  Fig.  28. 

Die  Blätter  sind  klein,  lederig,  querelliptisch,  in  der  Mitte  am 
breitesten,  am  Grunde  herzförmig;  der  obere  Theil  des  Randes  ist  seicht- 
buchtig  gezahnt,  der  untere  beinahe  ganzrandig,  beide  aber  schmal  knorpelig 
berandet.  Der  Mittelnerv  ist  verhältnissmässig  stark  und  endigt,  nur 
wenig  vei'schmälert,  in  der  Spitze.  Mit  ihm  entspringen  am  Grunde  vier 
Hauptnerven,  von  denen  die  untersten  sehr  fein  sind,  deren  einer  entfernter 
vom  Rande  verläuft  und  in  den  einen  Ast  des  nächsthöheren  Hauptnervens 
mündet,  in  den  ersten  Zahn  nur  ein  Aestchen  absendend,  während  der 
andere  dicht  am  Rande  verlaufende  schon  vor  dem  ersten  Zahne  ver- 
schwindet. Die  oberen  besitzen  beinahe  die  Stärke  des  Mittelnervs  und 
verlaufen  in  wenig  spitzem  Winkel  bis  zur  Mitte  des  Blattrandes,  wo  sie 
verhältnissmässig  stark  in  einem  Zahne  ihr  Ende  erreichen,  nachdem  sie 
nach  aussen  eine  geringe  Anzahl  gebogener  Seitennerven  zu'den  gegenüber- 
liegenden Zähnen  des  Randes  ausgesendet  haben.  Aus  dem  Mittelnerv 
entspringende  Sekundärnerven  sind  jederseits  zwei  bogig  verlaufende  vor- 
handen. Die  Nervillen  entspringen  unter  rechtem  Winkel,  sind  durch- 
gehends  geknickt  und  vielfach  in  Gabeläste  gespalten.  Der  Stiel  war 
lang  und  stark. 

Die  Blätter  zeigen  die  grösste  Aehnlichkeit  mit  denen  von  Pqptdus 
trmiula  L.  nach  ihrem  allgemeinen  Aussehen,  insbesondere  aber  in  Bezug 
auf  ihre  Nervatur.    Hier  wie  dort  finden  wir  am  Grunde  zwei  feine  Haupt- 

FiMtsckrift  der  his  in  Di'e»l(-th  IHHö. 


56 

nerven,  die  keine  Sekundärnerven  absenden,  darüber  zwei  stärkere,  welche 
es  nach  unten  thun,  und  noch  höher  die  vom  Mittehien^en  ausgehenden 
starken  Seitennerven,  auch  findet  bei  den  zuletzt  genannten  ein  wenig 
Hin-  und  Herbiegung  statt. 

Trotzdem  dürfen  sie  nicht  zu  den  Salicincvn  gezogen  werden,  da  bei 
diesen  ein  knoi^peliger,  verdickter  Rand  nie  zu  beobachten  ist.  Auch  möv^hte 
ich  darauf  hinweisen,  dass  bei  den  Pappelblättern  die  seitlichen  Haupt- 
nerven und  die  von)  Mittelnorv  ausgehenden  Seitennerven  sich  nach  dem 
Rande  sehr  verfeinern  und  vor  demselben  sich  spalten,  was  l)ei  dieser 
Crcdueria  nicht  der  P'all  ist. 

Wenn  C.  v.  Ettingshausen  in  Kreidefl.  v.  Niederschoena  (Sitzgb.  d.  k. 
Akad.  d.  Wissensch.  1867)  S.  24  die  Selbständigkeit  dieser  Art  bezweifeln 
zu  können  glaubt,  so  hat  er  sicher  Exemplare  einer  anderen  Art  unter 
diesem  Namen  in  den  Händen  gehabt,  da  sie  ja  von  den  übrigen  Species 
ganz  wesentlich  abweicht. 

Credneria  cuveifolia  Bronn.  Taf.  I.  Fig.  2.  4.  7. 
1836.    Credneria  sp.     Cotta,  Jahrb.  f.  Min,     S.  585. 

1838.  Credneria  ciineifoliu.  Bronn,  Lethaea  geogu.  IL  S.  583.  Taf.  28.  Fig.  11. 
Geinitz,  Gaea  v.  Sachsen.  S.  133.  Ders.,  Quader  Deutschlands,  8.274. 
Ders.,  Elbsandsteingeb.  I.  S.  308.  Taf.  67.  Fig.  3.  v.  Ettingshausen, 
Niederschoena.  S.  24. 
1857,  EtÜngshausenia  cuneifolia.  Stiehler,  Palaeont.  V.  S.  67.  Schimper, 
Traitö  v^g.  pal.  IH.    S.  62. 

Die  Blätter  sind  gross,  lederig,  umgekehrt- ei- keilförmig,  entweder 
so  lang  als  breit  oder  etwas  länger  als  breit,  über  der  Mitte  am  breitesten; 
der  Rand  der  unter  stumpfem  Winkel  anstossenden  oberen  Seiten  ist 
bogig  gezahnt,  der  der  einen  spitzen  Winkel  bildenden  unteren,  am  Stiele 
herablaufenden  geradlinig  oder  fast  geradlinig.  Der  Mittelnerv  ist  stark 
und  verläuft  gerade,  allmählig  an  Stärke  abnehmend,  in  der  Spitze;  die 
Seitennerven  nehmen  vom  Grunde  nach  der  Spitze  hin  an  Länge  ab,  sind 
stark,  etwas  gebogen  und  zeigen  gleichfalls  allmähliche  Verminderung  der 
Stärke,  bis  sie  zart  in  einem  Zahne  verlaufen;  die  untersten  entspringen 
gegenständig  über  dem  Grunde  und  senden  nach  unten  allmählich  schwächer 
werdende,  gebogene  Tertiämerven  aus,  von  welchen  die  unteren  unter 
einander  bogig  verbunden  sind,  die  oberen  aber  in  Randzähnen  münden. 
Die  oberen  Seitennerven,  fast  immer  alternirend,  sind  einfach  und  verlaufen 
in  Zähnen  des  Randes,  die  Nervillen  sind  selten  gerade,  meist  geknickt, 
in  Gabeläste  gespalten  und  durch  sehr  feine  Queradern  verbunden.  Der 
Stiel  ist  lang  und  stark. 

Drei  Exemplare  lagen  mir  vor,  ausser  ihnen  niu'  noch  ein  Blattfetzen. 

Das  eine  (Fig.  2),  von  dem  auch  die  Gegenplatte  vorhanden  ist,  zeigt 
sich  beinahe  vollständig  erhalten  und  mit  der  verkohlten  Blattmasse  ver- 
sehen. Bei  ihm  entspringt  aus  dem  untersten  Nerven  der  einen  Seite  auch 
ein  gebogener  Seitennerv  nach  oben  zu,  der  in  einen  Zahn  ausläuft,  während 


57 

dies  heim  zweiten  der  anderen  Hälfte  nach  unten  der  Fall  ist.  Es  ist 
dies  zwar  eine  Kleinigkeit,  ich  ei'wiihne  sie  aher  doch,  da  sie  bei  einzelnen 
Crednerim  de«  Hai'zes  als  nonnal  angesehen  werden  dürfte.  (Vgl.  Stiehler, 
Beiträge  etc.  Pal.  V.  Tat".  9.  Fig.  2—5;  Taf.  M).  Fig.  9.;^  Die  Nerven  treten 
aus  der  Blattniiusse  hervor  und  liegt  uns  deshalb  jedenfalls  die  Unterseite 
vor.     Die  knorpelige  Verdickung  des  Randes  ist  gering. 

Das  zweite  klehiere  Blatt  (Fig.  7)  ist  nur  im  Abdruck  vorhanden 
und  zeigt  die  Nervatur  vertieft.  Der  Band  ist  ebenfalls  nur  wenig 
knorpelig  verdickt. 

Das  dritte  (Fig.  4)  scheint  das  Fragment  eines  jungen  Blattes  zu 
sein.  An  ihm  fällt  die  bedeutende  Stärke  der  Nervatur  auf,  sowie  dass 
die  oberen  Seitenner>en  gegenständig  sind. 

Geinitz   zieht  in  Elbsandsteingeb.  I.    S.  3()S   auch   die   von  v.  Otto  in 
Additamenta  II.  Taf.  9.  Fig.  8.  10  abgebildeten  Fragmente  hierher,  doch 
shid  dieselben  zu  unvollständig  erhalten,  als  dass  eine  Zureclumng  derselben 
zu  einer  bestimmten  Art  mit  Sicherheit  behauptet  werden  kann. 
Crvdncria  grandidentata  Ung.  Taf.  I.  Fig.  1.  3.  5.  6. 
1849.    Unger,  Bot.  Zeitg.  v.  Mohl  u.   Schlechtendal.    S.  348.    Taf.  5.    Fig.  5. 
Ders.,   gen.   et.   sp.   pl.   foss.    S.  422.     v.  Ettingshausen,   Niederschoena 
S.  25. 
1857.    Etiingshaiiseiüa  (jvandidentata.     8tiehler,  Palaeout.  V.    S.  67. 

An  in.  Ob  Cr.  expansa  Brongn.  (vgl.  Tabicau  des  gen  res  de  vegetaux  fossiles 
y.  111»  dieselbe  Art  sei,  kann  nur  vermuthet  werden,  da  weder  Abbildung  norh  Be- 
schreibung gegeben  sind. 

Die  Blätter  sind  gross,  lederig,  rhomboidal,  länger  als  breit,  unter 
der  Mitte  am  breitesten;  der  Rand  der  beiden  längeren  oberen,  unter 
einem  dem  rechten  nahekommenden  spitzen  Winkel  zusammenstossenden 
Seiten  ist  buchtig  gezahnt,  die  unteren  kleineren  am  Blattstiel  herab- 
ziehenden verlaufen  beinahe  gerade.  Der  Mitteinen'  ist  stark,  ebenso  sind 
es  die  entweder  gegenständig  oder  alternirend  entspringenden  Seitennerven, 
welche  fast  geradlinig  die  Blattmasse  durchziehen  und  verdünnt,  aber 
immerhin  noch  verhältnissmässig  stark  in  den  Randzähnen  münden ;  nur 
die  untersten  senden  etwas  gebogene  Seitennerven  nach  unten  ab,  von 
denen  wieder  die  unteren  mit  einander  verbunden  sind,  die  oberen  aber 
in  die  der  Basis  nächsten  Zähne  münden;  die  der  Spitze  nächsten  Seiten- 
nerven verbinden  sich  unter  stai'ken  Bogen  mit  einander  und  entspringen, 
dadurch  von  den  übrigen  völlig  abweichend,  unter  beinahe  rechtem  Winkel. 
Die  Nervillen  sind  meist  gebrochen,  in  GabeUlste  gespalten  und  durch 
sich  in  gleicher  Weise  verhaltende  noch  feinere  mit  einander  verbunden. 
Der  Stiel  war  lang  und  stark. 

Es  sind  ein  fast  vollständiges  Blatt  (Fig.  1),  ein  Fragment,  von  dem 
das  Spitzentheil  vollständig,  der  Grund  aber  nur  in  geringem  Masse  er- 
halten ist  (Fig.  5),  ein  Blatt,  dem  die  Spitze  (Fig.  (5)  und  ein  grosses 
Blatt,  dem  der  Rand  gänzlich  fehlt  (Fig.  3),  dargestellt  worden.   Letzteres 


58 

zeichnete  ich,  weil  sich  tui  ihm  an  einer  Stelle  die  feinere  Nervatur  sehr 
gut  erhalten  zeigte. 

Keines  der  Stücke  zeigt  die  Kohlensubstanz  erhalten ;  Fig.  6  ist  durch 
Eisenoxydhydrat  gelbbraun  gefärbt.  Alle  machen  wahrscheinlich,  dass  die 
Blätter  dieser  Art  weniger  lederig  waren,  als  die  der  vorigen ;  bei  allen  zeigt 
sich  der  Rand  nur  wenig  verdickt.  Der  Blattstiel  von  Fig.  6  kann  nur 
als  abnorm  gestaltet  angesehen  werden,  eine  Erscheinung,  die  sich  auch, 
wenngleich  mehr  hervortretend,  an  von  Stiehler  abgebildeten  Crednerieii- 
blättern  zeigt.  (Vgl.  Palaeont.  V.  Taf.  9.  Fig.  3;  Taf.  10.  Fig.  9;  Taf.  11. 
Fig.  10.)  Möglich,  dass  sie  durch  Insektenstiche  hervorgerufen  wurde,  w^as 
wir  an  jetztweltlichen  Pflanzen  ja  auch  zu  beobachten  vermögen. 

Diese  Art  steht  der  vorhergehenden  am  nächsten,  doch  lassen  die 
wahrscheinlich  verechiedene  Dicke  der  Blätter  von  beiden,  das  Auftreten 
der  grössten  Breite  an  entgegengesetzter  Stelle,  das  verschiedene  Verhalten 
von  Breite  und  Länge  zu  einander,  sowie  das  der  oberen  Seitennerveii 
nicht  eher  das  Vei*schmelzen  beider  zu  einer  Art  zu,  bis  massgebende 
Uebergangsformen  bekannt  werden. 

Die  hier  beschriebenen  und  abgebildeten  Stücke,  welche  mir  durch 
die  Güte  des  Herrn  Prof.  A.  Stelzner  zukamen,  befinden  sich  sämmtlich 
in  der  Sammlung  der  Bergakademie  zu  Freiberg.  Sie  stammen  aus  der 
berühmten  Fundstelle  von  Niederschöna  bei  Freiberg,  somit  aus  dem 
unteren  Quader.  Eingebettet  fanden  sie  sich  in  einer  Schieferthonschicht, 
welche  reich  an  Glimmerblättchen  ist. 

Eine  gleiche  Schicht  mit  innelagernden  Pflanzenresten  ist  auch  in  der 
Nähe  von  Dohna  gefunden  worden.  (Vgl.  Dr.  Deichmüller,  Ueber  das 
Vork.  cenomaner  Vei-st.  bei  Dohna.  Abb.  d.  naturw,  Gesellsch.  Isis  in 
Dresden.  1881.  S.  98.)  Das  geologische  Museum  zu  Dresden  besitzt  von 
dort  auch  Fragmente  einer  Crednerienart,  deren  sichere  Bestimmung  jedoch 
nicht  mögUch  ist,  da  ihnen  der  Rand  fehlt.  Höchst  wahrecheinhch  gehören 
sie  Credncria  cimcifoUa  Bronn  an. 

Sonstige  Fundstellen,  welche  Crednerienblätter  geliefert  hätten,  sind 
bis  jetzt  in  Sachsen  nicht  bekannt  geworden. 


Allgemeines. 

Schon  Scheuchzer,  Brückmami,  Walch  und  D'Aubuisson  de  Volsins 
erwähnten  Abdrücke  grosser  Baumblätter  aus  den  Sandsteinen  der  oberen 
Kreide  des  Harzes.  Zenker  untereuchte  solche  zuerst  genauer,  beschrieb 
und  bildete  sie  unter  dem  Namen  Credneria  (zu  Ehren  des  Prof.  Credner 
in  Giessen)  in  semen  Beitr.  z.  Naturgesch.  d.  Urwelt  ab,  worauf  Stiehler 
in  Beitr.  z.  Kenntn.  d.  vorw.  Flora  d.  Kreidegebirges  im  Harze  (Palaeont.  V.) 
die  bis  dahin  in  Sachsen  und  Böhmen  gefundenen  und  gleichbenannten 
Blätter   mit  dem   Namen  EHlngshausenia  belegte,  nachdem  schon  Broun 


59 

iu  Lethaea  geogn.  V.  S.  55.  (3.  Aufl.)  betont  hatte,  dass  die  knorpelige 
Bandeinfassung  derselben  und  der  viel  schiefere  Verlauf  der  Seitennerven 
erster  Ordnung  bei  Credneria  cunelfolia  vielleicht  Anlass  zur  Trennung 
dieser  Species  in  eine  eigene  Sippe  geben  könnte,  für  welche  der  Name 
Chofi\drophyllum  geeignet  sei,  freilich  ein  Name,  der,  wie  Stiehler  mit  Recht 
bemerkte,  schon  von  Bunge  (nicht  Runge !)  bereits  für  eine  lebende  Gattung 
der  Getifianeen  venvondet  worden  war. 

Die  Hauptuntei-schiede  beider  lassen  sich  etwa  so  gegenüberstellen: 
Echte  Crednerien  do8  Harzes :  Ettingshanseiiien  Sachsens  a.  Böhmens : 

Gestalt:  Rundlich,  eiförniiK  oder  um-  Keilförmig    oder    rhomboidisch    am 

gekehrt-eiförmig,  am  Grunde  Stiele  herablaufend. 

meist  herzförmig. 
Hand:       Nicht  knorpelig  verdickt.  Knorpelig  verdickt. 

Unterste  Seitennerven:  Horizontal  Steil  aufsteigend. 

oder  fast  horizontal. 

Darnach  müssen  unsere  Credneria  viumfolia  Bronn  und  (h\  grandi- 
dentata  Ung.  zu  Ett'mgsJuiusciüu  gerechnet  werden.  Dagegen  zeigt  Cr, 
Grinitzi  Ung.  von  den  Crednvricii  des  Hai*zes  die  rundliche  Gestalt  mit 
herzförmigem  Grunde  und  zwei  fast  horizonüil  abgehende  unterete  Seiten- 
nerven, von  den  Ettingshansmim  Sachsens  den  knorpelig  verdickten  Rand, 
Dies  ergiebt,  dass  sie  eine  Mittelform  ist,  die  beide  von  Stiehler  aufgestellte 
Gattungen  mit  einander  zu  verbinden  im  Stande  ist,  dass  also  eine  so 
scharfe  Treimung  weiterhin  nicht  beibehalten  werden  kann.  Zu  ähnlichem 
Resultate  kommt  auch  Velonovsky,  wenn  er  in  Fl.  d.  böhm.  Kreideforma- 
tion Heft  I.  S.  17  nachweist,  dass  Cr,  boJiemica  Vel.  so  gut  zu  den  echten 
Crednerieti  als  zur  Section  CliondrophylUnn  gezählt  werden  könne  und  dann 
fortfährt:  „Es  können  uns  demnach  die  Blätter  von  Credneria  bohetnica 
der  beste  Beweis  sein,  dass  alle  Blätter  der  Crednerien  und  Chondrophyllen 
überhaupt  sehr  verwandten  Pflauzenarten  angehören  müssen."  Unter 
solchen  Verhältnissen  dürfte  es  wohl  angezeigt  sein,  so  lange,  bis  man 
durch  Funde  von  zugehörigen  Früchten,  vor  allem  aber  von  Blüthen,  in 
den  Stand  gesetzt  worden  sein  wird,  Zusammengehörigkeit  oder  wirklich 
generische  Verschiedenheit  bestimmt  nachweisen  zu  können,  alle  Blatt- 
formen unter  dem  ursprünglichen  Namen  Credneria  vereinigt  zu  lassen 
und  nur  Formengruppen  aufzustellen,  dabei  die  amerikanischen  verwandten 
mit  einschliessend,  was  etwa  folgende  ergeben  würde: 

Form  1.    Echte  Crednerien. 

Form  2.    Ettingshaiisenien. 

Form  3.    Uebergangsformen  zwischen  beiden. 

Form  4.    Protophyllen,    (Vgl.  Lesquereux,  The  cretaceous  Flora. 

S.  100  if.) 

Wenden  wir  uns   der  Frage  zu,   welcher  Familie  der  jetztweltlichen 

Flora  sie  zuzuweisen  seien,  so  müssen  wir  vorausschicken,  dass  diese  Frage 

von  den  Paläontologen  schon  längst  aufgestellt,  jedoch  sehr  verschieden 

beantwortet    ist.      Hatte    Brückmann    (Epistolae   itinerariae    No.   37)   die 


60 

Harzer  Blätter  mit  denen  der  Haselnuss  verglichen,  aber  aucli  zugleich 
iuif  ihre  bedeutendere  Grösse  hingewiesen,  wollte  d'Aubuissou  des  Voisins 
in  seiner  „Geognosie"  sie  sogar,  freilicli  ganz  unglücklich,  wegen  dieser 
mit  Palmenblättern  vergleichen,  so  stellte  sie  Zenker  zu  den  Amentacem, 
aber  mit  (?),  (iöppert  (Bronn,  Gesch.  d.  Nat.  III.  2.  S.  57)  vorsichtig  zu 
den  Bkofylnlonm  zweifelhafter  Verwandtschaft  und  Hampe  zu  den  Poly- 
gonccn  (S.  u.  a.  Flora  1840.  1.  S.  155.  Bot.  Zeitg.  1846.  S.  160.  Ber.  d. 
naturw.  Ver.  d.  Harzes  1 852.  S.  6  ff.)  in  die  Nähe  der  Gattung  Coccoldni, 
welche  Ansicht  jedoch  Hosius  und  v.  der  Marck  (Die  Flora  d.  Westfäl. 
Kreidef.  Palaeont.  Bd.  26.  S.  196)  als  irrig  zurückwiesen.  Geiuitz  reihte 
sie  in  die  Familie  der  Sali  einem  ein.  (Charakt.  d.  Schichten  u.  Petref.  d. 
sächs.-böhm.  Kreidegeb.  S.  97.  Gaea  v.  Sachsen  S.  133.)  Was  nun  unsere 
speciell  sächsischen  Formen  anbetrifft,  so  lässt  sich  nicht  leugnen,  dass  die 
Blätter  von  Cr.  Geinitziana  Ung.  mit  denen  von  Pojmhfs  tretnnla  L.  auf- 
fällige Aehnlichkeit  zeigen  und  könnte  man  wirklich  versucht  sein,  sie  in 
der  Familie  der  Salieineot  unterzubringen,  wenn  der  charakteristische  ver- 
dickte Rand  nicht  vorhanden  wäre,  welcher  bei  keinem  lebenden  Gliede 
dieser  Familie  beobachtet  werden  kann.  Wollte  man  deshalb  die  Möglich- 
keit annehmen,  dass  die  Blätter  der  ersten  Poimbts-Avten  ursprünglich 
knorpeligen  Rand  gehabt,  denselben  aber  im  Verlaufe  ihrer  allmählichen 
Umbildung  verloren  hätten,  so  würde  doch  zu  bedenken  sein,  dass  einmal 
dafür  zur  Zeit  auch  nicht  eine  einzige  Thatsache  spricht,  so  dass  wir  solche 
Gedanken  wohl  dem  Gebiete  der  Träumereien,  nicht  aber  dem  der  exakten 
Wissenschaft  überlassen  dürfen,  und  dass  das  andere  Mal  gerade  diese 
Eigenschaft  die  Blätter  dieser  Art  mit  denen  von  Ot\  euneifolia  Bronn  und 
Cr,  grandiderftnfa  Ung.  eng  verbindet,  so  dass  sie  nur  in  Gemeinschaft  mit 
ihnen,  welche  weder  mit  denen  der  Gattung  Salin' ^  noch  mit  solchen  des 
Geschlechtes  Fojmlas  übereinstimmen,  betrachtet  werden  dürfen.  Dadurch 
aber  ist  die  Stellung  aller  unter  den  Salieincen  erschüttert  worden,  trotz- 
dem wir  nur  einen  Theil  der  Crednerienblätter  zur  Betrachtung  zogen. 

Bronn  verzichtete  auf  die  Vergleichung  dieser  Blätter  mit  denen  von 
Gliedern  einer  Familie;  er  wies  mit  durch  ein  ?  ausgedrückter  ReseiTe  auf 
die  Ordnung  der  Juliflorm  hin  und  schloss  der  vorhergenannte  Forscher 
sich  ihm  in:  Das  Quadersandsteingeb.  v.  Deutschld.  (S.  274)  an.  Ganz 
abweichender  Ansicht  war  C.  v.  Ettingshausen.  Er  schreibt  in  seiner 
Kreidefl.  v.  Niedei-schoena  S.  24:  „Dass  die  Crcdnerien  nicht  mit  dem 
Geschlechte  Fqpulus,  sondern  mit  Cissns  am  nächsten  verwandt  sind,  und 
daher  auch  nicht  den  Salicinecn,  sondern  den  Ampcliden  eingereiht  werden 
müssen,  habe  ich  bereits  an  einem  andern  Orte  (S.  Jahrb.  d.  K.  K.  geol. 
Reichsanstalt.  II.  2.  S.  171)  ausgesprochen."  Leider  ist  an  citirter  Stelle 
kein  eingehender  Nachweis  zu  finden.  Unsere  deshalb  angestellte  Ver- 
gleichung der  Crednerienblätter  mit  solchen  der  Gattung  Cisstis  ergab 
allerdings,  dass  es  eine  Anzahl  der  letzteren  giebt,  welche  mit  einzelnen 
Ch'cd)iericn  sehr  grosse  Aehnlichkeit  haben,  aber  es  gelang  uns  nicht,  für 


61 

alle  dergleichen  festzustellen.  Andere  zeigen  vielmehr  Aehnlichkeit  mit 
Blättern  von  PlnUinus,  besondei-s  aus  dem  Tertiär  (z.  B.  mit  PL  GniUelmav 
(iöpp.);  aber  es  sind  wiederum  nur  einzelne  Arten.  Ganz  ebenso  geht  es 
uns,  wenn  wir  sie,  wie  es  Brongniaii;  gethan,  mit  Parrotia,  Hamamelis 
und  Foihenjilla  zusammenstellen  oder  wie  vcm  Schimper  in  Traite  veg. 
pal.  III.  S.  63  geschehen  ist,  mit  Pterospirmtfm  und  Sfcrctdia,  oder  wie 
von  Miquel  mit  den  Mareen*),  oder  wie  von  de  Saporta  mit  der  Gattung 
BucUandia,  (S.  Annales  des  sciences  naturelles.  V.  Ser.  Botanique.  Tom.  3. 
S.  33  ff.)  Leugnen  lässt  sich  freilich  nicht,  dass  die  Mehrzahl  der  so- 
genannten „eigentlichen  Crednerieti''  wohl  am  besten  mit  den  Mareen  zu 
vergleichen  ist,  was  Velonovsky  (a.  a.  ().  S.  18  ff.-  eingehend  nach- 
gewiesen hat. 

So  ist  es  daher  nicht  gelungen,  in  einer  Familie  alle  Arten  unter- 
zubringen; wir  bedürfen  vielmehr  dazu  immer  einer  Anzahl  und  zwar  im 
System  nicht  neben  einander  stehender,  wobei  nicht  vei'schwiegen  werden 
darf,  dass  die  Aehnlichkeiten  der  verglichenen  Blätter  stets  auch  trennende 
Verschiedenheiten  neben  sich  haben.  Und  doch  dürfen  wir  die  einzelnen 
Glieder  dieser  Gruppe,  wie  wir  oben  gezeigt,  nicht  trennen,  da,  so  ver- 
schieden sie  auch  sein  mögen,  sie  doch  durch  N'erbindungsglieder  zusammen- 
gehalten werden.  Vielleicht,  dass  einstmals  die  auf  (irund  der  vom  Comte 
de  Saporta  in  Ann.  des  sc.  nat.  V.  S.  Botanique  Tom.  3.  S.  32  geäussei-ten 
Ansicht  gestellt«  Frage  Schimpei*s:  „üu  peut  etre  meine  a  une  forme 
prototypiques  qui  aurait  renferme  dans  son  sein  tout  un  grand  groupe  de 
Phanerogames  dicotyledonees ,  decoupe  dans  la  flore  actuelle  en  familles 
et  meme  en  ordres  distincts,  a  la  suite  de  la  disparition  des  formes  des 
transition?"  (Traite  pal.  veg.  III.  S.  58)  wissenschaftlich  beantwortet 
werden  kann;  fui-  jetzt,  da  wir  ei-st  anfangen,  Bausteine  zu  einem  Stamm- 
baume der  Pflanzenwelt  zusammenzutragen,  ist  es  Jiur  Wunsch. 

So  wie  die  Angelegenheit  zur  Zeit  steht,  bleibt  uns  nichts  übrig,  als 
zusammen  zu  hissen,  was  Gott  zusammengefügt,  die  Credverlen  als  eine 
besondere  Familie  aufzufassen,  die  in  ihrer  Eigenai-t  während  der  Kreide- 
formation bestand  und  am  Ende  dei-selben  ausstarb,  wenn,  worüber  wir 
jedoch  gänzlich  im  Dunkeln  tappen,  sie  sich  den  Bedingungen,  welche  die 
Tertiärzeit  an  sie  stellte,  nicht  accomodiren  konnte,  oder  sobald  das 
Gegentheil,  was  wahi-scheinlicher,  der  Fall,  sie  sich  in  Folge  der  Neuord- 
Jiung  der  Dinge  kraft  der  den  einzelnen  Arten  inwohnenden  verschiedenen 
Neigung  zur  Fort-  und  Umbildung  in  vei'schiedene  Gruppen  spaltete,  die 
durcli  die  auf  sie  ausgeübte  lange  sich  fortsetzenden  Impulse  sich  so 
umänderten,  dass  wir  die  Produkte  dieser  umformenden  Gewalt  der  Natur 

*j  Er  bemerkt  in  De  fossUIe  planteu  van  het  krijt  in  hct  hertogdom  Limburg  S.  8: 
„en  Avat  de  krijit-periode  betreft,  sluit  zieh,  naar  nijine  meening,  de  ten  opzigte  van 
hare  verwandsohap  nog  twyfelaclitige  Credneria  liet  naast  an  de  afdeelingcn  der  Arto- 
carpeen  en  Moreen  an,  en  ouder  de  Aziatische  Ficus-formon  zal  men  voor  deze  zondcr- 
linge  bladen  de  mecstc  analogen  antreffen.*' 


62 

zur  Zeit  nur  in  verschiedenen  Familien  wiederfinden  können.  So  schön 
auch  letztere  Hypothese  klingen  mag,  so  haben  wir  zur  Zeit  kein  Recht, 
sie  als  feststehende  Wahrheit  hinzustellen,  zumal  da  wir  nur  auf  Blättern 
fussen,  also  nur  auf  ehiem  Theile  der  Pflanzen,  und  völlige  Wahrheit  uns 
nur  werden  kann,  wenn  wir  die  allmähliche  Umbildung  des  Ganzen  nach- 
zuweisen im  Stande  sind.  Hat  man  ja  noch  nicht  einmal  die  Gesetze 
festgestellt,  nach  denen  die  Umwandlung  des  Typus  eines  Blattes  und 
seiner  Nervation  stattfindet,  was  u.  A.  auch  vorhergegangen  sein  müsste, 
wenn  wir  über  die  Umänderung  der  Pflanzen  in  langen  Zeiträumen  und 
das  dabei  stattfindende  Verhältniss  der  Theile  zu  einander  unabweisbare 
Wahrheiten  predigen  wollten.    . 

Der  Freude  müssen  wir  aber  am  Schlüsse  dieser  Bemerkungen  Aus- 
druck geben,  dass  wir  in  den  sächsischen  Credne^ien  Pflanzen  keimen  ge- 
lernt, die  als  treffliche  Leiter  für  den  unteren  Quader  dienen 
können. 


Festschrift 


Taf.  I. 


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63 


Palaeontologische  Beiträge 

von    Dr.  H.  B.  Gtoinits,  Drendeii. 
Mit  Tafel  II  und  ill. 

1.  lieber  Thierfährten  in  der  Steinkohlenformation  von  Zwicicau, 

Siinntchnites  HeHngl  Ciein. 
(Tafel  II.) 

Diese  ersten  Thierfährten  in  der  Steinkohlenformation  von  Zwickau  in 
Sachsen  wurden  1S84  durch  Herrn  Bergdirector  Hering  auf  dem  Gruben- 
felde des  Schader-Hermann-Schachtes  auf  Bockwaer  Commun  entdeckt  und 
zeigten  sich  auf  der  Taf.  H  in  natürlicher  Grösse  abgebildeten  Platte  eines 
lichtaschgrauen  milden  Schieferthones  zwischen  dem  Zachkohl-  und 
Schichtenkohltlötze ,  demnach  in  der  untersten  Partie  der  Hauptzone  der 
Farne  ül>er  der  Sigillarienzone. 

An  dem  oberen  Ende  dieser  Platte  ist  noch  der  Abdruck  eines  quer- 
liegenden Stengels  von  CaJamUes  Suckowi  Bgt.  zu  erkennen,  mit  wenigstens 
vier  ziemlich  deutlichen  knotigen  (Jelenkringen. 

Die  Platte  zeigt  die  Reliefs  von  1 4  Fusseindrücken,  welche  regelmässig 
mit  einander  abwechseln  und  von  denen  7  der  linken  und  7  der  rechten 
Fussreihe  entsprechen.  5?ämmtliche  Abdrücke  einer  Reihe  haben  fast 
gleiche  (irösse  und  Form,  so  dass  man  nur  schliesseu  kann,  dass  Hinter- 
und  Vorderfüsse  einander  sehr  ähnlich  waren,  wenn  mau  nicht  annehmen 
will ,  dass  diese  Fährten  von  einem  Zweitüssler  herrühren.  Es  lassen  auch 
die  zwischen  2  und  2.5  cm  langen  Abstände  der  hinter  einander  liegenden 
Fährten  keine  wesentlichen  Untei-schiede  zwischen  Vorder-  und  Hinterfüssen 
erkennen;  der  Zwischenraum,  welcher  beide  Fussreihen  trennt,  ist  kaum 
1  cm  breit. 

An  einem  jeden  Fährtenabdi-ucke  untei-scheidet  man  einen  kurzen, 
gegen  7  mm  breiten  Ballen,  welcher  durch  eine  Reihe  kleiner  rundlicher 
Kindrücke  von  Fuss-  oder  Handwurzelknocheu  von  den  5  Zehen  getrennt 
wird.  Letztere  sind  im  Allgemeinen  schlank  und  bekrallt  Die  äussere 
Zehe  ist  klein  (bis  4  mm  lang),  die  zweite  etwa  doppelt  so  lang,  die  dritte 

hUMtxrhrift  titv  hix  iit  Ih'tiuhn.  IHH't. 


64_V   '^  ^V 

noch  etwas  länger  (bis  10  mm),  die  vierte  wieder  etwas  kürzer,  nahezu 
wie  die  zweite  Zehe,  und  die  innere  Zehe  ist  fast  ganz  verkümmert,  so  dass 
sie  nur  rudimentär  erscheint.  Selir  eigenthümlich  ist  für  diese  Fährten, 
dass  die  dritte  und  vierte  Zehe,  oder  Mittel-  und  Zeigefinger,  stets  einander 
sehr  genähert  sind  und  ähnlich  den  mit  einander  verwachsenen  Zehen  des 
Sclireitfusses  eines  Vogels  ei-scheinen,  während  die  zweite  Zehe  sich  von 
der  mittleren  Zehe  unter  einem  spitzen  Winkel  entfernt. 

Hierdurch  weichen  diese  Fähi-ten  von  allen  anderen  bisher  bebxnnt 
gewordenen  wesentlich  ab,  wie^vohl  sie  auf  stegocephale  Reptilien  zurück- 
gefülirt  werden  können,  wie  alle  bisher  in  der  Steinkohlenformation  und 
der  Dyas  nachgewiesenen  Arten,  und  es  mögen  einige  schmale  wulstförmige 
Erhöhungen,  die  man  neben  den  Fährten  bemerkt,  vielleicht  von  dem  Nach- 
schleppen eines  Schwanzes  des  Thieres  henühren,  welchen  die  meisten 
Stegocephaleu  besessen  haben  ^j. 

lieber  die  erste  Entdeckung  von  Thierfahrten  in  der  unteren  Stein- 
kohlenformation von  Horton  lUuflf  in  Neu -Schottland  1841  durch  Sir 
\V.  E.  Logan  und  ähnliche  Funde  sowohl  in  der  unteren,  als  mittleren 
und  oberen  Steinkohlenformation  von  Nova  Scotia  in  dem  Jahre  1844  durch 
Dr.  Harding  und  Dr.  Gesner  bei  Parrsboro,  sowie  durch  J.  W.  Dawson 
bei  South  Joggins,  Horton,  Wiudsor  und  Cape  Breton,  hat  Principal 
J.  W.Da  wson  2)  in  „The  Canadiau Naturalist  and  Geologist,  1 863.  Vol.  VHI.*' 
genauere  Aufschlüsse  ertheilt,  und  Professor  Owen  im  Quart.  Joui-n.  of  the 
Geol.  Soc.  of  London.  XVUI.  p.  238  Bericht  erstattet.  Es  sind  dort  noch 
ganze  Skelette  von  Stegocephalen  aus  entsprechenden  Schichten  der  Stein- 
kohlenformation entziffert  worden,  auf  welche  jene  Fährten  zurückführbar 
sind^),  ebenso  wie  in  der  Steinkohlenformation  von  Schottland^)  und 
Irland*). 

Die  ältesten  bisher  in  Deutschland  bekannten  Thierfahrten  überhaupt 
gehörten  dem  Rothliegenden  oder  der  Dyas  an.  So  hatte  B.  v.  Cotta 
schon  1848  Fusseindrücke  aus  der  unteren  Abtheilung  des  Roth  liegenden 
bei  Friedrichsroda  im  Thüringer  Walde  beschrieben  *5);  hierauf  folgte  die 
Entdeckung  mehrerer  Arten  von  Fährten  in  den  Kalkplatten   der  unteren 

')  Vergl.  H.  G,  Secley,  Dr.  Fritsch's  Permian  Ainpbibians  of  Boheinia  in:  The 
(iool.  aMagazin,  1885.    Dec.  "lll.    Vol.  II.    p.  80-87. 

■-)  ,1.  W.  Dawson,  the  Air-Breathers  of  tlie  Coal  Period  in  Nova  Scotia.  I 

")  J.  W.  Dawson,  on  the  Results  of  recent  explorations  of  ercct  trees  containiug 
animal  Remains  in  the  Coal-Formation  of  Nova  Scotia.  (Pliil.  Trans,  of  the  Royal 
Society,  Part  II.   1882.   p.  661.) 

*)  Huxley,  über  neue  Labyrinthodonten  aus  dem  Kdinburger  Steinkohlenfohle. 
(Quart.  Journ.  of  the  (ieol.  Soc.  of  London,  XVIII.  p.  291 ;  XIX.  p.  56.)  j 

•')  R.  Etheridge,  über  die  Entdeckung   einiger   neuer  Labyrintliodonten  in  der       ' 
Steinkohlenformation   von   Irland.    (Woodward,   the   Geol.  Mag.   186(i.   III.   p.  4)    und 
W.  H.  Baily,  über  die  neue  Entdeckung  fossiler  Reptilien   in  der  Steinkohle  des  sttd- 
lichen  Irland.    The  Geol.  Mag.   Vol.  III.   p.  84. 

")  Leonhard  u.  Bronn,  Jahrb.  f.  Min.    1848.    p.  \^X 


Festschrift  d.  Isis  in  Dresden,  18S5. 


Taf.  IL 


1^  f 


H.  B.  Oeinitz. 


Lichtdruck  von  BAmmler  A  Jonas,  Dreadcn. 


65 

Dyas  bei  Hohenelbe  durch  Frau  Josephiiie  Kablik,  welche  SihSaurieh' 
nites  salanmndroides  üein.,  S.  lacertoklcs  Gein.  und  S.  Kahlikae  beschrieben 
worden  sind^),  an  die  sich  bahl  ähnliche  Fährten  aus  der  (Jegend  von 
Ruthen  bei  Wünschelburg  in  der  üralschaft  (ilatz^)  anreiheten. 

Die  wichtigen  Veröffentlichungen  von  Professor  Ant.  Fritsch  in 
Prag  ^),  sowie  die  Beschreibung  der  in  dem  Rothliegenden  des  Plauenschen 
Grundes  bei  Niederhässlich  vorkommenden  Stegocephalen  durch  Herni. 
Credner'®),  Geinitz  und  Deichmüller 'i)  haben  gleichfalls  gezeigt, 
(l;iss  jene  Fusseindrücke  zu  den  Stegocephalen  gehören. 

Aelteren  Datums  ist  die  Entdeckung  der  riesigen  Tatzenreliefs  des 
Chiroflict^ium  oder  Chirosaurus  Barihi  Kaup  in  dem  bunten  Sandsteine  von 
Hessberg  bei  Hildhurghausen,  welche  schon  1833  durch  Consistorialrath 
Sickler  in  Hildburghausen  erfolgt  ist  und  die  seiner  Zeit  ein  so  gerechtes 
Aufsehen  erregt  hat**). 

Noch  in  neuester  Zeit  hat  das  Vorkommen  jener  für  den  bunten  Sand- 
stein charakteristischen  Fährten  des  Ckirotherium  Barthi  Kaup  neben  den 
kleinen  Fährten  des  CA.  Geinitzi  Hornstein^*)  in  den  unteren  Schichten 
des  den  oberen  Zechstein  bedeckenden  bunten  Sandsteins  bei  Crotenleite 
(Grotheuleite,  Crotenlaide)  zwischen  Gössnitz  und  Meerane  in  Sachsen  einen 
kräftigen  Beweis  mit  dafür  liefern  können,  dass  eigenthümliche  bunte  Letten 
an  der  unteren  Grenze  des  bunten  Sandsteins  (Z.  o.  in  der  geologischen 
Specialkarten  von  Sachsen  und  von  Preussen)  nicht  mehr  zum  Zechstein 
oder  zur  Dyas,  sondern  vielmehr  zum  bunten  Sandstein  der  Trias  ge- 
hören '*).' 

Man  nimmt  allgemein  an,  dass  auch  die  Chirotherium  Barthi- Fährten 
von  einem  Labyrinthodonten  oder  Stegocephalen  abstammen  und  es  liegt 
Wühl  am  nächsten,  sie  auf  den  grossen  Trefiiatosaurus  Brauni  Burmeister 
des  bunten  Saudstehies  zurückzuführen.  Zu  hoffen  ist  nun,  dass  man  in 
der   Steinkohlenformation   von  Zwickau    die  Stegocephalen -Art   bald  auf- 

•>  Geinitz,  Dyas,  1861.  p.  4.  5.  Taf.  1—3.  —  Nachträge  zur  Dyas,  II,  1882. 
p.  9.     Taf.  1, 

**)  Saiirichnites  Leisnerianus  Gein.  im  N.  Jabrb.  f.  Min.  1863.  p.  389.  Taf.  4. 
V'ig,  ö. 

•*)  Ant.  Fritsch,  Fauna  der  Gaskohle  und  der  Kalksteine  der  Perraformation 
Böhmens.    Prag,  1879—1882. 

'«)  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.    1881.    p.  298.  574;  18H2.    p.  213;  1883.  p.  275. 

")  Mitth.  aus  d.  K.  mineralogisch-geologischen  Museum  in  Dresden,  Heft  V  und  VI. 
» Nachtrag  zur  Dyas,  JI  u.  III,  1882  und  1884.) 

»*)  Dr.  F.  K.  L.  Sickler,  Sendschreiben  an  Dr.  J.  E.  Blumenbach.  Hildburghausen, 
Xj^34  —  c.  Kessler  u.  Dr.  Sickler,  die  Plastik  der  Urwelt  im  Wcrrathale.  Ilild- 
burghausen,  1836.  —  L.  Agassiz  in  I3uckland*s  Geologie  u.  Mineralogie,  1838,  II. 
Taf.  26 1,  26^1,  26 m.  —  K.  Koch  u.  E.  Schmid,  Fährten- Abdrücke  im  bunten  Sand- 
>tcine.     Jena,  1841. 

"•'*)  Hörn  stein  im  Jahrb.  f.  Min.  1876.  p.  923.  —  Geinitz  in  Mitth.  aus  d.  K. 
min.  Mus.  in  Dresden,  III.  Hft.   p.  39.   Taf.  7. 

«*.  Geinitz  in  Loopoldina,  XXI.    1885. 


66 

finden  möge,  welche  die  oben  beschriebenen  Fährten  zurückgelassen  hat; 
am  wahrscheinlichsten  scheint  uns,  dass  man  in  derselben  dann  wohl  auch 
eine  nahe  Verwandtschaft  mit  der  Gattung  Keniteriyetmi  Huxley  oder  einem 
ähnlichen  Stegocephalen  erkennen  wird. 

Von  den  bisher  bekannt  gewordenen  Fährten  eines  Zweifüsslei-s,  wie 
namentlich  von  jenen  für  Vogelspuren  gehaltenen  Ornithichniten  aus 
dem  neurothen  Sandsteine  des  Connecticut  Thaies  10),  oder  auch  von  den 
in  jüngeren  mesozoischen  Formationen  entdeckten  Fähi-ten  der  Dinosaurier  i*^) 
weichen  die  des  Smiriclmiks  Hcringi  wesentlich  ab. 


2.  lieber  Milchzähne  des  Mammuth,  mephas  pHminenius  Biumi). 

im  Dresdener  Museum. 
(Tafel  III.) 

Unser  K.  mineralogisch -geologisches  und  prähistorisches  Museum  be- 
wahrt eine  grosse  Anzahl  von  Zähnen  und  Knochen  des  Elcjfhos  inimt- 
gmius  aus  Sachsen,  deren  verschiedene  Fundstätten  in  den  Sitzungsberichten 
der  Isis,  1883,  Abb.  p.  100  verzeichnet  worden  sind.  Seit  langer  Zeit  schon 
bilden  die  von  Oberst  A.  v.  Gut  hier  bei  Oelsnitz  im  Vogtlande  aus  einer 
mit  Lehm  erfüllten  Spalte  im  devonischen  Clymenienkalke  ausgegrabenen 
fossilen  Säugethiere  einen  höchst  werthvoUen  Schatz  des  Museums  *'),  später 
wurden  dieselben  durch  zahlreiche  andere  Funde  in  Sachsen  vermehrt, 
unter  denen  besonders  jene  von  Prohlis,  SO.  von  Dresden,  hier  hervor- 
zuheben sind. 

Auf  einem  neben  dem  Gasthofe  von  Prohlis  gelegenen  Grundstücke, 
das  im  Jahre  1875  zum  Ziegeleibetriebe  in  Benutzung  genommen  wurde, 
war  man  bei  dem  Bau  der  Trockenschuppen  1  m  tief  unter  der  Erdober- 
fläche auf  einen  gewaltigen  Stosszahn,  auf  grosse  Becken-  und  Schenkel- 
knochen eines  alten  Mammuth  gestossen,  welche  der  erste  Besitzer  dieses 
Grundstückes,  Herr  Friedrich,  unserem  Museum  wohlwollend  überwiesen 
hat.     Ueber  die  weiteren  Funde  theilt  uns  der  nachherige  Besitzer,  Herr 


**)  Buckland,  Geologie  und  Mineralogie,  Uebersetzung  von  Agassiz,  1838,  II. 
Taf.  26a  und  b. 

*^)  C.  Struckraann,  über  das  Vorkommen  grosser  vogelähnlicher  Thierfalirten  im 
Hastingssandsteine  von  Bad  Behburg  bei  Hannover.  (Jahrb.  f.  Min.  1880.  I.  p.  125. 
Taf.  4.) 

»^  Nach  Mittheilungen  v.  Gutbier's  im  Jahrb.  f.  Min.  1842,  p.  127,  Taf.  2. 
Fig.  6—10  und  1843,  p.  479,  wo  diese  Funde  beschrieben  werden,  wurde  ihr  Vorkommen 
1841  bekannt,  seit  welcher  Zeit  sie  der  K.  Kreisdirector  Freiherr  von  Künssberg 
behufs  ehier  in  Zwickau  angelegten  Kreis  -  Sammlung  sorgfältig  sammeln  Hess,  um  sie 
der  Wissenschaft  und  dem  Vatcrlande  zu  retten.  Dieselben  wurden  1850  von  Zwickau 
in  das  Dresdener  Museum  übersiedelt. 


67 

C.  Adolph  Böhme,  welchem  das  K.  mineralogische  Museum  den  wich- 
tigsten Theil  derselben  verdankt,  noch  Folgendes  mit:  In  den  Jahren 
1876—1881  sind  beim  Abgraben  von  Lehm  in  verschiedenen  Tiefen  sowohl 
grosse  Backzähne,  Reste  des  Kopfes  und  Extremitätenknochen  dos  Mani- 
muth,  Zähne  und  Knochen  vom  Pferd,  Zähne  und  Hornkern  des  Wisent, 
liison  priscus,  als  auch  verschieden  grosse  (leweihe  des  Uenthiers  gefunden 
worden,  woran  sich  im  Winter  1SS1  noch  der  Fund  eines  fossilen  Iltis  und 
Reste  eines  Nagethieres,  imd  in  dem  Winter  1882—1883  n(K'h  Backzähne 
des  lüiinoceros  tichorhinus  angeschlossen  liaben. 

Demnach  besteht  die  Fauna  der  fossilen  Säugethiere  von  Prolilis  aus 
folgenden  Mitgliedern  : 

1.  Elei)has  }mmigenitis  Blumb.  oder  Mammuth,  in  Zuständen, 
welche  einerseits  auf  das  jüngste,  anderseits  auf  das  höchste  Alter  der 
Thiere  hinweisen; 

2.  Blnnoceros  tichorhinus  Cuv.  (Rhin.  antiqnitatis  oder  büschelhaariges 
Nashorn),  Backzähne  von  ausgewachsenen  Thieren; 

3.  Equas  Cahallns  L. ,  wildes  Pferd,  von  mittlerer  Grösse,  nach 
Zähnen,  Schulterblatt,  Oberarm,  Mittelhandknochen  u.  s.  w.  zu  schliessen; 

4.  Cervns  tarandHS  L»,  Renthier,  durch  sechs  Geweihe  verschiedener 
Grösse  vertreten; 

5.  Genius  sp,^  wahrscheinlich  Edelhirsch,  nur  durch  einen  Geweih- 
zacken angezeigt,  welcher  von  Dr.  Schaufuss  einem  Antilopen-artigen  Thiere 
zugeschrieben  wurde; 

G.  Bison  (Bos)  priscus  Bojanus,  Wisent,  nacli  Backzähnen  und 
einem  52  cm  langen  Hornkeiiio  bestimmt,  der  mit  jenen  sibirischer 
Exemplare  übereinstimmt; 

7.  Foetorius  putorius  (Mustela  piitorms)  L.,  Iltis,  von  Dr.  Schaufuss 
fiiiher  als  Mustcla  Boehmci  bezeichnet,  Schädelreste  und  beide  Unterkiefer 
eines  alten  Thieres,  nach  Bestimmung  von  Prof.  Dr.  Ne  bring  in  Berlin. 
Der  Letztere  äussert  sich  darüber  d.  d.  5.  Febr.  1884  in  folgender  WVise : 
Nach  meinen,  resp.  Hemi  Winterfeld^s  eingehenden  Yergleichungen  handelt 
es  sich  hier  um  einen  sehr  starken  litis,  Foetorius  putorius,  doch  geht  er 
über  das  Maximum  der  heutigen  Iltisse  nicht  hinaus.  Will  man  einige 
Differenzen  hervorheben,  so  liegen  sie  darin,  dass  die  Backenzahnreihe 
etwas  länger  und  gestreckter,  der  sogenannte  Reisszahn  etwas  länger  und 
schmäler,  der  Höckerzahn  kleiner  ist,  als  dies  bei  den  heutigen  Iltissen  zu 
sein  pflegt.  Damit  hängt  wohl  zusammen,  dass  der  Eckzahn  mehr  in  der 
Richtung  der  Backenzahnreihe  steht,  als  es  sonst  bei  starken  Exemplaren 
der  Fall  ist.  Prof.  Nehring  sieht  in  dem  diluvialen  Iltis  einen  directen 
Vorfahr  unseres  heutigen  Iltis,  der  sich  in  wesentlichen  Punkten  von 
letzterem  kaum  unterschied,  wenn  er  auch  durchschnittlich  den  Typus 
eines  carnivoren  Raubtliiei's  stärker  ausgelnldet  besessen  haben  mag,  als 
unser  lebender  Iltis. 

5* 


68 

8.  Spermophihis  sp.,  Ziesel,  dessen  Ueberreste  nach  Untersuchung 
durch  Prof.  Nehring  auf  ein  ausgewachsenes  niittelgrosses  Individuum  hin- 
weisen, das  mit  dem  im  Diluvium  weit  verbreiteten  Sp.  rnfescens  Blasius 
(=  Sp,  altaictiS  fossiUs  Nehr.)  identisch  sein  mag,  also  ein  Steppen- 
bewohner in  der  Fauna  von  Prohlis! 

Von  den  überall  in  Deutschland  verbreiteten  Lössconchylien  sind 
Helicc  hispida,  Succinea  oblonga  und  Fupa  ninscomm  auch  in  dem  Löss 
von  Prohlis  nachgewiesen,  während  jüngere  Landschnecken  unmittelbar 
unter  der  Rasendecke  dort  ihren  Wohnsitz  fanden. 

Das  geognostische  Profil  des  Lehm-  und  Lösslagei-s  an  der  Böhme'schen 
Ziegelei  in  Prohlis  ist  bei  dem  Teufen  des  dortigen  Brunnens  festgestellt 
worden  wie  folgt: 

Zu  oberst  wenig  Ackerkrume, 

dann  fetter  Lehm ca.     3  ni 

Löss,  sogen.  Seif  mit  vielen  Kalkconcretionen ,  sogen.  Loss- 

männchen,  und  den  oben  genannten  Lössconchylien     .     ca.     5  m 

Scharfer  Sand ca.  15  m 

Kies ca.     4  m 

Sa.  ca.  27  m 

Der  fette  Lehm  liefert  das  Material  zu  vorzüglichen  Ziegeln,  der 
sogen.  Seif,  welcher  sehr  kalkreich  ist,  findet  nur  zum  kleinen  Theil  bei 
der  Ziegelei  Verwendung. 

Die  ersten  Funde  fossiler  Mammuthreste  wurden  im  fetten  Lehm 
gemacht,  die  späteren  fanden  meist  in  dem  Löss  oder  sogen.  Seif  und 
namentlich  an  dessen  oberer  Grenze  statt. 

Unter  den  Mammuth-Zähnen  von  Prohlis  ist  als  wichtigster  Fund 
jener  Milchzahn  Taf.  IIL  Fig.  4,  5  und  6  d^  hervorzuheben,  welchen  zu 
erlangen  unser  Museum  fast  40  Jahre  lang  vergeblich  ei'strebt  hat.  Er 
wurde  mit  dem  unter  d  ^^  abgebildeten  grösseren  Zahne,  an  dessen  Vorder- 
mnd  er  genau  anpasst,  von  Herrn  A.  Böhme  zusammen  gefunden.  Beide 
Zähne  gehören  dem  rechten  Unterkiefer  eines  jungen  Ehphas  prhnigrnius 
an  und  werden  gewöhnlich  als  erster  und  zweiter  Milchbackzahn  oder 
als  „ant^)enuUimat€"  und  „pentdtimute  molar"  bezeichnet. 

Cuvier  hat^»)  golch  einen  ersten  Milchzahn  (Molaire  de  lait  d'un  tres 
jeune  elephant)  von  Fouvert  abgebildet.  Dieser  ist  etwas  grösser  als 
unser  Zahn  d^,  gehört  aber  seiner  Form  nach  auch  einem  Unter- 
kiefer an. 

Sir  Richard  Owen  hat  neuerdings  zwei  Milchzähne  von  Elephas 
primigeniiis  aus  einer  Knochenhöhle  von  Creswell  Crags  als  „First  and 
second  grinders"  oder  „molars**  als  grosse  Seltenheiten  beschrieben  ^^),  welche 

**)  Becherches  siir  les  ossements  fossiles,  4.  Ed.  1834.  Tome  II.  p.  175.  PI.  12. 
Fig.  2. 

^*)  The  Quart.  Joiim.  of  the  Geolog.  Soc.  of  London.  ISao.  Vol.  XL.  p.  31—33. 
Fig.  1.  2. 


_^9  _ 

mydi  im  Oberkiefer  festsitzen  und  ein  gleiches  Alter  haben,  wie  jene  von 
Prohlis  d'  und  d". 

Der  erste  Milchbackzahn  von  Prohlis,  Taf.  III.  Fig.  4,  5,  6  d',  l^e- 
sitzt  eine  sehr  abgenutzte  Kaufläche  von  rundlich-dreiseitigem  Umriss,  der 
sich  nach  vorn  und  innen  hin  verengt,  sie  misst  von  vorn  nach  hinten 
15  mm,  während  ihre  grössto  Breite  dieses  Mass  nicht  überschreitet. 
Von  den  zwei  langen  schmalen  Wurzeln  des  kleinen  Zahns  biegt  sich  die 
hintere  an  ihrem  unteren  Ende  hakenförmig  nach  vom  (Fig.  5  d');  die 
vordere  Wurzel  ist  abgebrochen;  die  hintere  ist  an  ihrer  vorderen  Seite 
mit  einer  tiefen  Längsrinne  versehen  (Fig.  6.  d^)  und  trägt  drei  nur  noch 
unvollkommen  von  einander  geschiedene  Lamellen  der  Kaufläche  (Fig.  4  d^), 
wälirend  der  vordere  Theil  der  Kaufläche  nur  aus  zwei  Lamellen  bestanden 
zu  haben  scheint. 

Der  zweite  Milch backzahn  von  Prohlis  (Fig.  4  und  5  d")  ist 
55  mm  lang  und  durchschnittlich  30  mm  breit,  auf  der  äusseren  Seite 
last  gerade  abgestumpft,  auf  der  inneren  Seite  mehr  gewölbt  und  hinten 
etwas  verengt  und  gerundet. 

Seine  Kaufläche,  deren  hinterer  Theil  noch  wenig  in  Angrifl*  genommen 
ist,  lässt  sieben  eniailirte  Lamellen  unterscheiden.  Ihre  wellenförmig  ge- 
lH)genen  Emailschichten  sind  an  den  mittleren  weniger  stark  abgeschliffenen 
Lamellen  in  zwei  bis  drei  querliegende  ellipsoidische  Ringe  geschieden,  wie 
(lies  Wi  der  nahen  Verwandtschaft  von  Elephas  und  Masfodon^^)  nicht 
befremden  kann. 

Auch  in  dieser  Beziehung  entspricht  unser  Zahn  dem  zweiten  Milch- 
zahne von  Creswell  Crags,  wenn  auch  der  letztere  dem  rechten  Oberkiefer 
angehört.  Er  besitzt  drei  breite  Wurzeln,  die  sich,  ebenso  wie  das  obere 
Ende  der  Laraellen,  etwas  nach  vorn  hin  richten  (Fig.  5.  d^^). 

Derartige  Zähne  kommen  weit  häufiger  vor  als  d'  und  liegen  in  unserem 
Museum  auch  von  Oelsnitz  im  Vogtlande  vor,  von  wo  sie  von  Gutbier  im 
Jahrb.  f.  Min.  1842.  p.  132  unter  d  aus  dem  Oberkiefer  und  unter  e  aus 
dem  rechten  Unterkiefer  beschreibt.  Dagegen  können  die  von  A.  von  Gutbier 
feb.  p.  132  unter  c,  Taf.  2.  Fig.  7)  als  kleine  Zahnkeime  der  ersten  Zähne 
Hufgefassten  Zahnplatten  ihrer  ansehnlichen  Grösse  nach  weder  auf  den 
ersten  noch  auf  den  zweiten,  eher  noch  auf  den  dritten  Milchbackzahn 
zurückgeführt  werden. 

F'alconer  (a.  a.  0.)  und  Leith  Adams**),  welche  verschiedene 
Exemplare  dieser  ei-sten  Milchzähne  abbilden,  bezeichnen  dieselben  als 
„ante  penultimate'*  und  „penultimate  milk  molars"  oder  vorvorletzten 
und  vorletzten  Milchbackzahn. 


'^)  Ch.  Murchison,  Palaeontological  Memoirs  and  Notes  of  the  late  Uugh  Fal- 
coner,  Vol.  II,  London,  1868. 

-')  Monograph  of  the  British  FossU  Elephants  (Elephas  pi-imigenius) ,  Part.  II.  in 
Palaeontographical  Society,  London,  1879,  p.  69  u.  f.,  PI.  6-— 15. 


70 

Von  dem  letzten  oder  dritten  Milchbackzahne  liegen  in  dem 
Dresdener  Museum  zwei  Exemplare  vor,  die  mit  dem  darauf  folgenden  ersten 
wirklichen  Backzahn,  oder  vierten  Backzahne  überhaupt,  noch  in  dem 
Oberkiefer  eines  Elephas  2>yi^nigetnus  festsitzen.  Dieser  kostbare  Rest  ist 
1874  in  einer  mit  Lehm  erfüllten  Kluft  im  Quadersandsteine  des  Bär'scheu 
Steinbruchs  bei  Liebethal  in  der  sächsischen  Schweiz  entdeckt  und  dem 
K.  Museum  wohlwollend  von  Herrn  Baumeister  Bär  überlassen  worden. 

Beide  letzten  Milchbackzähne  besitzen  eine  sehr  stark  abgenutzte  Kau- 
fiäche  von  mindestens  70  mm  Länge  und  ca.  63  mm  grösst^r  Breite  und  lassen 
nur  noch  sieben  emailirte  Lamellen  erkennen,  da  die  vorderen  bis  auf  die 
Wurzel  gänzlich  abgekauet  sind  und  eine  derselben  nur  noch  als  kleiner 
ringförmiger  Wulst  aus  der  dichten  Zahnsubstanz  inselai-tig  hervortritt. 
Drei  breite,  nach  rückwärts  gebogene  Wurzeln  sind  nach  hinten  tief  aus- 
gebuchtet und  haben  60—65  mm  Höhe  erreicht. 

Der  unmittelbar  dahinter  folgende  vierte  Backzahn  oder  erste  wirk- 
liche Backzahn  ist  gegen  18  cm  lang,  wenn  man  den  noch  nicht  in 
Angriff  genommenen  hinteren  Theil  mit  in  Anschlag  bringt.  Seine  schon 
abgenutzte  Kaufläche,  welche  sich  von  dem  stumpf  gerundeten  hinteren 
Ende  aus  bis  in  die  Nähe  des  vorderen  Endes  langsam  erweitert,  ist  nur 
12.5  cm  lang  und  erreicht  nahe  dem  vorderen  Ende  fast  6.5  cm  Breite. 
Es  sind  auf  ihr  12  Lamellen  in  Gebrauch  gekommen,  während  man  an 
dem  ganzen  Zahne  überhaupt  mindestens  1 7  Lamellen  ausser  dem  hinteren 
sogenannten  Talon  zählen  kann. 

Diesem  Zahne  entspricht  nahezu  ein  wenn  auch  etwas  kleinerer  Zahn 
aus  dem  linken  Unterkiefer  von  Oelsnitz  im  Vogtlande,  der  bei  etwa  12  cm 
Gesammtlänge  und  aus  14  Lamellen  bestehend,  eine  Kaufläche  von  10  cm 
Länge  mit  1 2  Lamellen  zeigt,  v.  Gutbier  hat  auch  diesen  Zahn  im  Jahrb. 
f.  Min.  1842,  p.  132  unter  f  erwähnt. 

Die  letzten  zwei  Backzähne,  die  nach  und  nach  an  die  Stelle  der 
früheren  vorgeschoben  werden,  nehmen  noch  grössere  Dimensionen  an.  So 
liegen  mis  Backzähne  des  Unterkiefers  von  Oberposta  bei  Pirna  vor,  welche 
gegen  25  cm  Gesammtlänge  besitzen,  aus  22—23  emailirten  Lamellen  be- 
stehen und  auf  ihrer  7.5  cm  breiten  Kaufläche  erst  13  abgekauete  Lamellen 
zeigen.  Dieselben  wurden  noch  in  dem  Kiefer  sitzend  nebst  Stücken  des 
Schädels  in  einer  mit  Lehm  erfüllten  Spalte  des  oberen  Quadersandsteins 
entdeckt,  in  welche  vernmthlich  ein  ganzer  Mammuth-Cadaver  durch  Hoch- 
fluth  der  diluvialen  Gewässer,  welche  einst  das  Eibthal  dui-chströmten, 
gefülu-t  worden  ist. 

Zähne  von  ähnlichen  Dimensionen  sind  auch  aus  dem  Lehm  und  Löss 
von  Prohlis  herausgezogen  worden  und  passen  ihrem  Alter  und  ihrer  Grösse 
nach  recht  gut  zu  dem  colossalen  Stosszahne,  der  mit  ihnen  und  riesigen 
Knochen  zusammen  gefunden  worden  ist.     Das  Bruchstück  eines  Stosszahns 


7!     _ 

von  Prolilis,  welches  das  K.  mineralogische  Museum  bewahil;,  ist  zwar  nur 
70  cm  lang,  hat  aber  bei  50  cm  Umfang  dieselbe  Stärke,  welche  ein  min- 
destens 2.20  m  langer  Stosszahn  aus  Sibirien  in  unserem  Museum  noch  jetzt 
besitzt,  nachdem  er  bei  dem  Zwingerbrande  im  Jahre  1849  durch  sein 
Heral)stürzen  schon  etwas  verkürzt  worden  ist. 

Ausser  diesen  sedis  Backzähnen  des  Eleplias  primigmius  liegt  noch 
VAU  kleiner  noch  in  dem  linken  Unterkiefer  sitzender  Milchzahn  als  grüsste 
Seltenheit  vor,  der,  wie  es  scheint,  wenigstens  für  diese  Art  fossiler 
Elephanten,  noch  ein  Uni  cum  der  Dresdener  Sammlungen  ist.  Derselbe 
wurde  bei  den  Ausgrabungen,  welche  A.  v.  (iutbier  bei  Oelsnitz  im  Vogt- 
lande in  der  schon  erwähnten  Höhlenspalte  des  Clymenienkalkes  ausgeführt 
hat,  gewonnen,  ist  aber  von  seinem  Entdecker  nicht  selbst  beschrieben 
worden,  sondern  gelangte  zur  Untersuchung  an  Kaup,  der  ihn  als 
Cymutothcrium  antiquum  Kp.  unter  die  grasfressenden  Walthiere  gestellt 
hat**).     Blainville,  Falconer  und  Leith  Adams**)  gedenken  dieses 


•-'  Dr.  J.  J.  Kaui»,  Akten  der  Urwelt  1841,  I.  p.  11.  Taf.  4.  Fig.  1-4.  Da  die 
Akten  der  Urwelt  von  Kaup  aus  dem  Buchhandel  gänzlich  verschwunden  und  daher  nur 
sehr  schwer  zugänglich  sind ,  so  lasse  ich  die  Beschreibung  Kaup*s  hier  wörtlich  folgen : 
^  Ks  ist  eine  Kieferhälfte,  wonach  ich  dieses  Geschlecht,  Cyfnatotherium  antiquum  als 
ein  grasfressendes  Walthier,  begründe,  die  vorn  an  dem  Synchondrosentheil  und  am 
hinteren  £nde  verletzt  ist.  Das  Auffallendste  an  diesem  Kiefer  ist,  dass  er  nur  einen 
Zahn  besitzt,  der  am  Ende  des  scharfkantigen,  in  die  Höhe  steigenden,  vorderen  Theils 
dos  Kiefers  gelegen  ist.  Die  Spitze  des  Zahns  ist  unbedeutend  höher  als  der  erhabenste 
Punkt  des  vorderen  Kiefertheils  und  scheint  im  Leben  vom  Zahnfleisch  fast  ganz  aber- 
deckt gewesen  zu  sein.  Der  Zahn  ist  lang  und  seine  Wurzel  nach  aussen  gebogen;  sie 
ist  der  Länge  nach  gerippt  und  von  innen  nach  dem  Ende  hin  so  concav  ausgeschnitten, 
als  wollte  der  Zahn  sich  in  zwei  Wurzeln  theilen;  bis  zum  Anfang  dieser  scheinbaren 
Trennung  ist  die  Wurzel  hohl.  Der  Zahn  selbst  ist  über  der  Wurzel  von  aussen  ange- 
schwollen,  im  (ianzen  von  aussen  nach  innen  zusammengedrückt  und  theilt  sich  nach  der 
Si)itze  in  zwei  verwachsene  iingerartige  Stummeln,  wovon  der  vordere  der  grössere  ist. 
Letzterer  hat  an  der  Spitze  eine  kleine  Narbe,  die  jedoch  nicht  durchs  Kauen  entstanden 
ist.  Die  Knochenma.sse  des  Zahns  ist  von  aussen  erst  über  der  Anschwellung  unregel- 
inässig  gefurcht;  auf  diesen  Riefen  sieht  man  hier  und  da  noch  anhängendes  Email, 
das  jedoch  ebenfalls  unregelmässig  und  in  Blättchen  und  Warzen  aufgelagert  ist.  Hinter 
diesem  Zahn  ist  ein  stumpf  erhabener  Kamm,  nach  innen  mit  einer  Porenreihe  versehen. 
Da  unter  diesem  Kamm  der  Knochen  unbedeutend  dick  ist,  indem  unter  ihm  das  enorm 
grosse  Nervenloch  hinläuft,  so  ist  nicht  anzunehmen,  dass  hier  Zähne  gesessen  haben, 
tleren  Alveolen  durch  das  Alter  verschwunden  sind.  Am  Ende  dieses  Kammes  liegt  eine 
Spalte,  welche  die  Basis  des  Proc.  coron.  durchbricht.  In  dieser  Gegend  ist  der  Kiefer 
ungewöhnlich  breit  und  zwar  breiter  wie  hoch. 

Vorn  zeigt  der  Kiefer  ein  ganz  denselben  durchbrechendes  Nervenloch,  das  auf  der 
inneren  Seite  mit  einem  anderen  correspondirt ,  das  etwas  weiter  nach  hinten  in  den 
Kiefer  eindringt.  Auf  der  äusseren  Seite  zeigt  der  Kiefer  noch  ein  kleines  und  weiter 
nach  hinten  ein  grösseres  Gefkssloch. 

Den  schneidenden  Rand  des  vorderen  Drittels  des  Kiefers,  die  mächtige  Entwickclung 
der  Nervenlöcher,  sowie  der  Gefassspalte  an  der  Wurzel  des  Proc.  coron.  hat  dieses 
Tliier  mit  Halicof'e,  Manatus  und  Halitherium  gemein,  allein  sein  einziger,   einfacher, 


72 

Zahns  und  der  Letztere  bezeichnet  ihn  als  „the  Fre-aide-paiultimatc  or 
first  Milk  Molar ^\  den  man  auch  an  einem  ganz  jungen  afrikanischen 
Elephanten  im  Britisch  Museum  erkannt  habe.  Dagegen  unterscheidet  sich 
ein  von  Leith  Adams  a.  a.  0.  PL  IX.  Fig.  4,  4  a  und  4  b  abgebildeter  Zahn 
aus  einer  Höhle  in  Kent,  in  der  Kent's  Cavern  Collection  in  Torquay, 
welchen  dieser  Autor  gleichfalls  als  pre-ante-penultimate  milk  molar  hin- 
stellt, von  dem  Oelsnitzer  Zahn  sowohl  durch  die  Beschaffenheit  seiner 
Krone  als  auch  seiner  zweigabeligen  Wurzel  und  lässt  sich  wohl  eher  an 
jenen  unteren  „ ante-penultimate  milk  molar"  oder  ersten  Milchbackzahn 
anreihen,  welchen  L.  Adams  PL  VIII.  Fig.  6  von  Church  Hill,  Notts,  be- 
schreibt. 

In  neuester  Zeit  hat  sich  Dr.  Pohlig  in  Bonn  wieder  mit  diesem 
Zahne  beschäftigt,  den  er  Anfang  1883  nebst  anderen  Mammuthresten  in 
dem  Dresdener  Museum  studirte  und  in  einer  brieflichen  Mittheilung  vom 
28.  Januar  1883  für  einen  besonders  merkwürdigen  drittletzten  Milchback- 
zahn eines  monströsen  Kiefers  erklärt.  Eine  weitere  Notiz  darüber  scheint 
von  ihm  noch  nicht  veröffentlicht  worden  zu  sein. 

Unser  seltenes  Fragment  eines  linken  Unterkiefei*s ,  dessen  hinterer 
Knochenfortsatz  abgebrochen  ist,  erscheint  auf  Taf.  III.  Fig.  1  u.  2  in  natür- 
licher Grösse  von  der  inneren  Seite  und  von  oben  gesehen  und  ist  0.170  m 
lang.  Der  darin  noch  senkrecht  sitzende  Zahn  hat  eine  Höhe  von  37  mm, 
wovon  die  Krone  über  ein  Drittel,  die  Wurzel  kaum  zwei  Drittel  einnimmt. 
Die  au  ihrer  Basis  schwach  wulsttormig  verdickte  Krone  zeigt  einen  Längs- 
durchmesser von  9  und  einen  Breitedurchmesser  von  8  mm.  Sie  besteht 
aus  zwei  schnabelartig  mit  einander  verwachsenen,  spitzen  und  gegen  einander 
gebogenen  Haken,  deren  vorderer  den  hinteren  etwas  überragt.  Nach 
Abtrennung  eines  Theils  der  sie  bedeckenden  Emailschicht  tritt  ihre  weisse 


au  der  Wurzel  hohler  Zahn,  die  Breite  des  Kiefers  aii   der  hinteren  Hälfte  und   seiuc 
geringe  Höhe  daselbst  lassen  keinen  näheren  Vergleich  mit  diesen  Geschlechtern  zu". 

Die  von  Kaup  p.  13  angeführten  Dimensionen  sind  nach  Berichtigung  zweier  Druck- 
fehler folgende: 

Ganze  Länge  des  Fragments 0.17Ü  m 

Senkrechte  Höhe  des  Kiefers  (^unmittelbar  vor  dem  Zahne)  0.048  „ 

Grösste  Breite  des  Kiefers  (vor  dem  hinteren  Fortsatze  bei  b)  0.043  „ 

Senkrechte  Höhe  daselbst 0.037  „ 

Höhendurchmesser  des  enormen  Nervenlochs  (V)  am  hinteren 

Abbruch 0.028  „ 

Breitedurchmesser 0.021  „ 

Höhe  des  Zahns  (.statt  0.030) 0.037  „ 

Höhe  der  Zahnkrone  an  der  äusseren  Seite 0.014  ,, 

Höhe  der  Zahnkrone  an  der  inneren  Seite 0.010  „ 

Länge  derselben  (statt  0.019) 0.009  „ 

Breite  derselben 0.007  „ 

'**)  L.  Adams,  Monograph  of  the  British  Fossil  Elephants,   Part.  II,  in  Palaeont, 
Soc.  London,  1879,  p.  83. 


73 

gläiizeucle  KnocluMisubstaiiz  hervor,  welclu*  ebenso  wie  die  Einuilscliiclit 
uiiregelmässig  längsgefurclit  ist.  Die  an  ihrer  Basis Miohle'  Wurzel  ist 
comprimirt,  auf  der  äusseren  Seite  gewölbt,  auf  der  inneren  verflacht,  nach 
untenhin  rinnenartig  vertieft  (Fig.  3a),  und  biegt  sich  sehr  deutlich  nach 
aussen  (Fig.  3  b). 

Aus  der  Beschaflenheit  dieses  Zahns  ergiebt  sich  jedenfalls,  dass  er  von 
jenen,  oben  als  erste  Milchbackzähne  beschriebenen  Zähnen  vei'schieden  ist, 
seine  Stellung  im  Kiefer  aber  zeigt  uns,  dass  er  wohl  als  Lückenzahn  dem  ersten 
Milchbackzahne,  oder  dem  „ante-penultimate  milk  molar'*  vorausgegangen  ist, 
wesshalb  ihn  schon  L.  Adams  als  ..pre'anfc-jwvulthnatr  Milk  molar*'  und 
Falconer  als  ,,most  anterior*'  unterschieden  haben.  Die  gewöhnlichen, 
üben  beschriebenen  Milchzähne  sind  erst  hinter  demselben  hervorgedrungen 
und  zwar  in  dem  Räume,  welchen  Kaup  in  seiner  Beschreibung  als  stumpf 
erhabenen  Kamm  bezeichnet,  der  nach  innen  mit  einer  Porenreihe  vei'sehen 
sei  und  unter  welchem  das  „enorm  grosse  Nervenloch"  hinlaufe.  Offenbar 
hat  sich  diese,  nach  Kaup  „unbedeutend  dicke",  kammartige  Knochendecke, 
die  schon  durch  ihre  mehr  poröse  Beschaffenheit  eine  geringere  Festigkeit 
anzeigt,  von  den  nachfolgenden  Zähnen  bis  an  die  hintere  Spalte  hin 
leichter  durchbrechen  lassen.  Ob  man  diesen  Zahn  als  den  allerei-sten 
Milchbackzahn  oder  als  Lückenzahn  bezeichnen  soll,  oder  als  Eckzahn  mit 
dem  Hakenzahne  des  Pferdes  vergleichen  will,  wie  von  Outbier  annahm, 
ist  unwesentlich,  jedenfalls  aber  ist  dieser  Zahn,  neben  welchem  sich  ei-st 
die  vorher  beschriebenen  Milchbackzähne  entwickelt  haben,  der  Prinior- 
dialzahn  des  Mammuth  gewesen. 

In  der  umfassenden  Literatur  über  Elvphas  primigciiius  ist  uns  nichts 
Aehnliches  weiter  bekannt;  dagegen  erinnert  ein  von  Falconer  a.  a.  0. 
p.  296.  PI.  11.  Fig.  3  als  milk  tnsk  oder  milk  i?icisar  beschriebener  Zahn 
des  Elephas  (Loxodon)  Meliimsis  daran.  Wenigstens  hat  dieser  Zahn  eine 
ganz  ähnliche  Wurzel  wie  dieser  Primordialzahn  von  Oelsnitz,  während  die 
Krone  nur  in  einem  einzigen  etwas  excentrischen  spitzen  Höcker  ausläuft. 
Soll  aber  das  von  Falconer  gebrauchte  W'ort  tusk  Stosszahn  bedeuten,  so 
passt  diese  Bezeichnung  w^enigstens  nicht  für  den  Oelsnitzer  Zahn,  welcher 
senkrecht  im  Unterkiefer  sitzt  und  ausserdem  von  einem  Milchstoss- 
zahne  in  Dr.  Pohlig's  Sammlung  verschieden  ist. 


/4 


Erklärung  der  Tafel  III. 

Fig.  1.  Linker  Unterkiefer  eines  ganz  jungen  Mammuth  [Elephas  primigenius  Ulunib.) 
mit  dem  Primordialzahne  bei  a,  aus  diluvialem  Lehm  von  Oelsnitz  im  Vogt- 
lande, in  natürlicher  Grösse,  von  der  inneren  Seite  gesehen.  {Cy motzte r tum 
antiquum  Kaup.) 

Fig.  2.    Desgleichen,  von  oben  gesehen. 

Fig.  3  a.  b.  Der  Primordialzahn  des  unter  Fig.  1  und  2  abgebildeten  Unterkiefersj. 
a.  von  der  inneren,  b.  von  der  hinteren  Seite  gesehen. 

Fig.  4  dl  und  d^i.  Der  erste  und  zweite  Milchbackzahn,  dens  antepaenultimatus  und 
dens  paenultiraatus,  eines  jungen  Elephas  primüjenius  aus  dem  rechten  Unter- 
kiefer, in  natürlicher  Grösse,  von  Prohlis  bei  Dresden,  von  oben  gesehen,  die 
Kauüäclien  zeigend. 

Fig.  5  dl  und  d^i.  Dieselben  Zähne,  von  der  äusseren  Seite  gesehen,  mit  der  ergänzten 
vorderen  Wurzel  von  d^. 

Fig.  6d^.  Ansicht  des  Zahnes  d^  von  der  vorderen  Seite  mit  der  Abbruchstelle  der 
vorderen  Wurzel  bei  x. 


^  v^ 


Festschrift  i 


a 

I 


2. 


H.BGeinitz 


75 


Die  Vertheilung  und  Zusammensetzung  östlicher 
Pflanzengenossenschaften  in  der  Umgebung  von 

Dresden. 


Von  IVof.  Dr.  Oscar  Drude. 


Einen  nicht  unbeträchtlichen  Antheil  an  der  gesammten  botiinischen 
Literatur  bilden  die  Florenwerke,  die  vor  etwa  130  Jahren  als  wissen- 
schaftliche Hilfsquellen  begonnen  und  seitdem  mit  wachsendem  Eifer  und 
vermehrten  Kenntnissen  in  stets  reichhaltigerer  Form  ausgearbeitet  sind. 
Sifi  sammeln  für  ein  Gebiet,  welches  am  besten  nach  natürlich  geographischen 
Verhältnissen  abgegrenzt  sein  sollte,  wenn  der  Zweck  einer  „Flora"  ein 
hervorragend  wissenschaftlicher  ist,  welches  aber  oft  aus  rein  praktischen 
Gründen  willkürlich  abgegrenzt  ist  und  von  dem  Flächenraum  weiter 
Kaiserreiche  bis  zu  den  (iemarkungeu  einer  einzelnen  Stadt  hinsichtlich 
der  Grösse  schwankt,  die  ganze  bekannte  Pflanzenwelt  in  einer  gebräuch- 
lichen systematischen  Zusammenstellung,  fügen  die  Standorte  und  die 
Häufigkeit  der  Verbreitung  zu  der  äusserlichen  Beschreibung  hiirzu,  geben 
die  Blüthezeit  an,  und  dienen  also  als  Nachschlagebücher  im  grossen  oder 
kleinen  Massstabe  je  nach  den  darauf  verwendeten  Mitteln.  Das  Aussehen 
der  kleinen  Florenwerke  richtet  sich  ganz  nacli  dem  praktischen  Bedürfniss, 
und  für  das  geringste  Mass  derselben  hat  die  wissenschaftliche  Botanik  an 
sie  nicht  mehr  Anforderungen  zu  stellen,  als  die  Geographie  an  Meyers 
oder  Bädekers  Reisehandbücher. 

Anders  ist  es  mit  der  wissenschaftlichen  Floristik,  welche  nicht  los- 
getrennt vom  Gesammtumfcinge  der  Botanik  den  Licht  verbreitenden  Ge- 
sichtspunkten neuerer  Zeit  Rechnung  tragen  muss.  Und  wie  es  da  nun 
an  der  Zeit  ist,  hinsichtlich  der  systematischen  Zusammenstellung,  Ab- 
grenzung der  Arten,  Schilderung  der  Charaktere  und  der  Lebensweise  der 
einzelnen  Gattungen  und  Arten  die  schwerwiegenden  Kenntnisse  neuerer 
Zeit  auch  in  der  Floristik  zu  verwenden,  so  besonders  auch  hinsichtlich 
der  geographischen  Anordnung. 

Die  Anfiihrung  der  Standorte  in  Deutschlands  grösseren  und  kleineren 
Floren  ist  meist  noch  eine  sehr  oberflächliche;  das  beste  Quellen  werk  der 

FetUchrift  der  In»  m  Drtidm,  I880. 


76 

deutschen  Flora,  Koeh's  Synopsis  Florae  germanicac  et  liclveticae,  erschien 
zu  einer  Zeit,  wo  pflanzengeographische  Gesichtspunkte  noch  nicht  in  den 
Kahmen  kleinerer  Ländergebiete  eingeführt  waren;  seitdem  ist  überhaupt 
noch  keine  grosse  allgemeine  deutsche  (oder  centraleuropäische)  Flora 
wieder  erschienen.  Es  werden  in  den  Floren  die  Standorte  nach  Provinzen 
und  deren  Abtheilungen  aufgezählt,  so  wie  es  die  Staatseintheilung  möglich 
gemacht  hat,  und  es  werden  einzelne  Städte,  Berge  u.  s.  w.  als  Fundorte 
genannt.  Einige  kleinere  Floren,  wie  z.  B.  PrantPs  Excursionsflora  von 
Bayern,  machen  eine  rühmliche  Ausnahme,  indem  sie  mit  einer  natürlich- 
geographischen  Eintheilung  ihres  Gebietes  beginnen  und  die  Standorte 
demgemäss  classificiren. 

Es  müssen  nun,  um  die  Fortentwickelung  der  Pflanzengeographie  auch 
auf  dem  enger  begrenzten  floristischen  Gebiete  zu  zeigen,  in  jedem  Lande 
aufmerksam  die  Principien  beobachtet  und  durch  sorgfältiges  Naturetudium 
verfolgt  werden,  mich  denen  die  verschiedene  Vertheilungsweise  der  Arten 
erfolgt  ist  und  in  denen  ein  wichtiges  Stück  der  localen  Entwicklungs- 
geschichte des  Landes  in  der  jüngsten  Erdperiode  vor  uns  liegt.  Diese 
Principien  richten  sich  sowohl  auf  die  allgemeiner  verbreiteten  Pflanzen, 
so  dass  jeder  Florist  z.  B.  Sachsen  hinsichtlich  seines  Besitzes  von  Buchen- 
wäldern als  westeuropäisch,  hinsichtlich  seines  Besitzes  von  Edeltannen  in 
den  Bergwäldern  als  dem  südlichen  Theile  Mitteleuropas  angehörig  kennt, 
auch  die  Folgenschwere  dieses  Besitzes  fühlt,  und  dadurch  zu  Vergleichen 
mit  den  schon  in  diesen  Grundzügen  anders  gestalteten  Ländern  angeregt 
wird,  als  aucli  haben  sie  sich  auf  die  sogenannten  „Seltenheiten"  der  Flora 
zu  richten  und  gerade  in  Bezug  auf  diese  mit  grösserer  wissenschaftlicher 
Genauigkeit,  als  bei  den  allgemein  verbreiteten  Pflanzen,  zu  untersuchen, 
welche  Beziehungen  zu  anderen  Floren  dieselben  ausdrücken.  Was  heisst 
überhaupt  „Seltenheit"?  Der  botanisirende  Schüler,  der  nur  Dresdens  Floni 
zum  Schauplatz  seiner  Thätigkeit  macht,  empflndet  grosse  Freude,  wenn  es 
ihm  gelingt,  am  Rande  der  Haide  bei  UUersdorf  und  Bühlau  nach  langem 
Suchen  Drosera  rofundifolia  zu  finden;  würde  er  um  Bremen  oder  Celle 
botanisü'en,  so  würde  er  bald  achtlos  au  derselben  Art  vorübergehen.  Als 
ich  selbst,  im  Sommer  IS80  zuerst  um  Dresden  botanisirend,  einen  steilen 
Felsen  bei  Dohna  im  Juni  goldgelb  schimmern  sah  von  den  zahlreichen 
Blüthentrauben  des  Cytisus  nigricans  und  den  Theihiehmern  der  Excursion 
meine  freudige  Ueberraschung  ausdrückte,  erklärten  diese,  es  sei  keine 
Seltenheit,  er  wachse  hier  rings  auf  den  Höhen  zeretreut;  ebendieselben 
Pflanzenliebhaber  aber  würden,  wenn  sie  nur  wenig  weiter  westwärts  ihre 
Excursionen  zu  machen  gewohnt  gewesen  wären,  grosse  Anstrengungen 
gemacht  haben,  um  Cytisus  nigricans  an  natürlichem  Standorte  zu  pflücken. 
Denn  fast  alle  Pflanzen  sind  irgendwo  gemein  oder  wenigstens  zahlreich 
zei^streut,  verlieren  sich  aber  von  diesem  ihren  Entwicklungsgebiete  in 
immer  kleineren  Portionen,  wenn  ihnen  nicht  ein  Gebirge,  ein  Ocean  eine 
plötzliche  Schranke  setzt;  und  da,   wo  sie  in  ganz  kleineu  Portionen  auf- 


77 

treteu,  stehen  sie  bei  den  sammelnden  Floristen  hoch  im  Werth  und  fallen 
leichter,  als  andere  Pflanzen,  der  Ausrottung  durch  Massenexcursionen  an- 
heim.  Diese  „Seltenheiten"  sind  also  nur  relativ  selten,  haben  aber  für 
die  Wissenschaft  einen  hohen  geographischen  Werth;  selten  nur  hat  der 
Zufall  allein  und  blind  sie  an  die  Stelle  geführt,  wo  man  sie  pflückt;  in 
der  Regel  stellen  sie  die  ersten  Vorposten  einer  ihr  Areal  ausbreitenden 
Fflauzenart  dar  und  sind  dann  in  unserer  Zeit  gewöhnlich  solche  Alten, 
welche  durch  die  mit  der  Cultur  eintretenden  Veränderungen  stark  be- 
günstigt die  Plätze  einnehmen  können,  von  denen  dieselbe  Cultur  die  alt- 
ehrwürdigen Bürger  der  Flora  durch  Umbrechen  von  Wiesen  und  Haiden, 
Trockenlegen  von  Mooren,  Sümpfen  und  durch  Entwaldung  vertreibt. 
Oder  es  sind  die  letzten  Ueberbleibsel  solcher  Allen,  welche  durch  Ver- 
hältnisse der  eben  angedeuteten  Ai-t  zurückgedrängt  werden.  Aber  ab- 
gesehen von  diesen  Cultui-veränderungen  besitzt  die  Flora  in  ilirer  ursprüng- 
lichen Zusammensetzung  —  ursj)rünglich,  d.  h.  so  wie  sie  unsere  germanischen 
Vorväter  hier  antrafen  —  genug  locale  Seltenheiten,  welche  ebenfalls  als 
erste  oder  letzte  Stationen  von  Arten  mit  grossem  Areal  ein  hervorragendes 
Interesse  besitzen  und  uns  dunkel  die  ewigen  Schwankungen  verrathen, 
welchen  die  Pflanzendecke  der  Erde  unter  rein  natürlichen  Verhältnissen 
ausgesetzt  ist.  Mit  Recht  nimmt  man  an,  dass  seit  der  Eiszeit  die  haupt- 
sächlichsten Areale  der  jetzt  bei  uns  lebenden  Arten  („Arten**  im  grösseren 
Umfange  gemeint)  sich  einigermassen  befestigt  haben  und  —  abgesehen 
natürlich  von  den  durch  den  Menschen  heiTorgerufenen  \'eränderungen  — 
so  ungefähr  stationär  geblieben  sind;  aber  seitdem  der  periodische  Klima- 
wechsel in  kleineren  Perioden  nicht  nur  in  der  rationellen  Pflanzengeographie 
als  wirksamer  Factor  auch  seit  der  Eiszeit  theoretisch  anerkannt  ist,  sondern 
auch  z.  B.  durch  Nachweis  von  Steppenthieren  mitten  im  Herzen  Deutsch- 
lands in  postglacialer  Zeit*)  mindestens  eine  starke  Bestätigung  gefunden 
hat,  müssen  wir  mit  diesem  Factor  rechnen  und  haben  das  Recht,  manche 
isolirte  Vorkommnisse  einzelner  Arten  als  Reste  von  früheren,  seitdem 
etwas  geänderten  Verhältnissen  zu  deuten;  mindestens  aber  haben  wir  die 
Pflicht,  diese  isolirten  Standorte  zu  prüfen  und  unter  einem  gemeinsamen 
Gesichtspunkte  daraufhin  zu  betrachten,  was  sie  etwa  aussagen  können. 

In  der  näheren  und  weiteren  Umgebung  Dresdens  sind  nun,  wie 
fast  überall  in  grösserem  oder  kleinerem  Masse,  solche  locale  Seltenheiten, 
oder  wenn  man  diese  Pflanzen  nicht  immer  gerade  als  Seltenheiten  be- 
zeichnen will,  locale  Pflanzengenossenschaften  von  anderem  Charakter,  als 
dem  des  mittleren  Durchschnitts,  welchen  die  meisten  Wälder,  Wiesen  und 
Haiden  zeigen.  Vom  Süden  her  dringen  Gebirgspflanzen  bis  zum  nörd- 
lichen  Ufer  der  Elbe  vor,  wo  z.  B.  Prmanfhes  purpurea,    PolygonafiOH 

*)  Dr.  Alfr.  Nehring,  1878  im  Jahrb.  f.  Min.  p.  H43  iiiul  im  Archiv  f.  Anthro- 
pologie, Bd.  X,  p.  359  und  XI,  p.  1;  Kosmos,  Jahraran.!?  1883.  p.  173.  —  Dr.  The  od. 
Liebe  in:  Zoologischer  Garten,  187S.  XIX.  Hft.  2. 


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verticillatnm  und  Arunrus  Silvester  noch  im  Thal  des  Fischhausbaches  der 
Dresdener  Haide  Erzgebirgsarten  voi-stellen,  welche  nicht  viel  weiter  nach 
Norden  in  die  Haidegegenden  der  deutschen  Niederung  eindringen ;  übrigens 
stehen  diese  Pflanzen  für  den  Dresdener  Floristen  nicht  in  hohem  Werth, 
da  ja  Dresden  wirklich  auch  floristisch  am  Nordrande  des  Erzgebirges 
liegt,  und  daher  Viscaria  vulgaris ^  lUinuneiilus  aeonitifolins,  TJialictntm 
aquilegifoUum  und  Arahis  Halleri  geradezu  vor  den  Südthoren  der  Stadt 
wachsen.  Entlegener  schon  sind  die  Fundplätze  der  zu  der  friesischen  oder 
baltischen  Niederung  als  Charakterpflanzen  gehörigen  Arten,  von  denen 
ErieM  Tetralix  kaum  die  Nordgrenze  Sachsens  berührt,  Gentiana  Fneumo- 
nantlte  dagegen  mit  Sciitellaria  minore  Lycopodium  inundatuw,  den  Bfiynchos- 
jm-a-Arten  sowie  in  den  Torfgräben  Lysimachia  thjrsifhra  über  Radeburg 
bis  in  die  Nähe  von  Moritzburg,  also  etwa  15  Kilometer  von  den  nörd- 
lichen eben  erwähnten  Erzgebirgs -Vorposten  in  der  Dresdener  Haide  ent- 
fernt, vordringen. 

Haben  diese  beiden  Pflanzengenossenschaften  (die  des  Erzgebirges  und 
die  der  Niederung)  bei  ihrem  Vordringen  bis  fast  zur  gegenseitigen  Be- 
rührung doch  fast  immer  geschiedene  Standorte,  kiesige  Flussufer  und 
schattige  Wälder  am  Rnnde  der  sie  begrenzenden  letzten  steilen  Hügel  die 
erstere,  Moore  und  Sümpfe  die  letztere,  so  giebt  es  noch  eine  dritte,  in 
Dresdens  weiterer  Flora  höchst  bemerkenswerthe  Kategorie  von  Pflanzen, 
die  als  gemeinsamen  pflanzengeographischen  Charakter  das  zahlreiche 
Vorkommen  ihrer  Arten  im  Osten  und  Südosten  Europas  mit  all- 
mähligem  Schwinden  gegen  die  dem  Atlantischen  Ocean  näher  liegenden 
mittleren  und  westlichen  Gegenden  hin  zeigen,  und  welche  man  wohl  kurz- 
weg als  Ausläufer  des  pontischen  Florengebietes,  besser  gesagt,  als 
solche  der  „südosteuropäischen  Steppen"*),  bezeichnet  hat.  Damit 
soll  nicht  gesagt  sein,  dass  alle  Pflanzen  dieser  Gruppe  in  diesen  Steppen 
ihr  eigentliches  Bürgerrecht  besitzen  müssen;  viele  von  ihnen  sind  dem 
südöstlichen  Theile  des  „mitteleuropäischen  Flor  engebiet  es'* 
vielmehr  als  wahre  Bürger  zugehörig.  Das  aber  ist  allen  gemeinsam,  dass 
sie  hier  im  Herzen  Deutschlands  längst  nicht  mehr  ihr  hauptsächlichstes 
Areal  besitzen;  von  Sachsen  aus  nehmen  sie  nach  Südosten  an  Masse  und 
an  Häufigkeit  der  Standorte  zu,  wie  sie  nach  Nordwesten  in  eben  diesen 
Beziehungen  abnehmen,  immer  seltener  werden  und  endlich  mit  einem 
äussersten  nordwestlichen  Vorposten  enden;  diese  letzteren  liegen  vielfach 
in  den  Gegenden  von  Braunschweig  (Asse!  ein  niedriger  Höhenzug  aus 
Muschelkalk  bestehend,  2  Meilen  südlich  von  der  Stadt)  und  Hannover 
(Hils  und  Deister!)  und  hier  hatte  ich  in  frühen  Jahren  Gelegenheit,  einzelne 
dieser  Pflanzen  an  ihren  gegenwärtigen  entferntesten  Vorposten  keimen  zu 
lernen,  ehe  ich  sie  in  Sachsen  in  so  viel  reicherem  Masse  wiederkehren  sah. 

*)  Dio  Abgrenzung  dieser  Gebiete  siehe  in  meiner  Abliandbmg  ..Die  Florenreidie 
der  Erde*'.  l*etenn.  (ieogr.  Mittheilnngen.  Krgiinzungsbeft  74,  S.  51  und  Karte  I. 


79_ 

Das  Vorkomraen  im  südlichen  Hannover  hatte  schon  vor  langer  Zeit 
Cirisebach*)  zu  einer  für  Erörterung  dieser  Florenverhältnisse  wahrhaft 
nmstergiltigen  Untei*suchung  veranlasst,  in  der  dem  heutigen  Standpunkt 
der  Wissenscliaft  nur  nicht  das  zu  ängstliche  und  dennoch  hypothetische 
Abwägen  der  klimatischen  Mittelwerthe  jener  üegenden  entspricht,  welche 
von  den  PHanzen  berührt  werden;  es  muss  dafür  das  specielle  „Klima" 
jener  Localitäten  untersucht  werden,   welches  die   besondere  Flora  erhält. 

Seit  jener  Zeit  ist  der  Gegenstand  auch  nicht  mehr  aus  der  solche 
Dinge  behandelnden  Literatur  verschwunden ,  vielfach  in  den  Vorreden  zu 
kleineren  Floren  im  Auszuge  und  mit  Zusätzen  mitgetheilt,  und  als  wichtiger 
(iesichtspunkt  in  die  Gliederung  der  deutschen  Flora  hineingebracht.  In 
dieser  Weise  sind  diese  östlichen  PHanzengenossenschaiten  besonders  von 
Gerndt**)  mit  in  den  Rahmen  der  Behandlung  aufgenommen;  in  neuerer 
Zeit  erfolgte  noch  einmal  eine  sehr  anregende  Darstellung,  welche  wiederum 
zugleich  mit  ausführlichen  Tabellen  über  die  einzelnen  Arten  verbunden 
ist,  von  Loew***),  welche  sich  aber  einen  anderen  Bezirk  der  deutschen 
Flora  ausgewählt  hat,  nämlich  die  (iebiete  der  Weichsel,  Oder,  Havel  und 
der  Elbe  in  der  Gegend  von  Magdeburg,  und  welche  Sachsen  nur  ver- 
gleichsweise herbeigezogen  hat. 

In  dieser  Abhandlung  ist  für  uns  von  besonderem  Interesse  die  Aus- 
einandersetzung über  die  in  jenen  genannten,  nordöstlich  bis  nordwestlich 
vom  Königreich  Sachsen  sich  erstreckenden  Flussgebieten  vorkommende 
Ptlanzengenossenschaft  der  östlichen  Steppenflora,  welche  Loew  ganz  zweck- 
mässig als  „pannonische  Association**  bezeichnet.  Es  werden  folgende 
Arten  als  für  sie  charakteristisch  genannt  und  ihre  Areale  in  Deutschland 
übersichtlich  gekennzeichnet  (S.  596—656):  Anemone  silrestris,  Adonis  irr- 
nalis,  Ahjssum  montannm,  Silenc  cMnmnthaj  Oxytroins pilosa,  Aster  Linosyris, 
Aster  Amellns,  Inulahirta,  Hieracium  evhioidcs,  Scorzmiern  purpHrea,  Camjxt- 
nula  sihiriva,  Enphrasia  lutea,  Thymelaea  Passerina,  Thesium  intermcdinm, 
Carex  supina  Wahlbg.  (-ohtusata  Libjebl.^,  Stijxi  painata  und  Stqm  eapil- 
lata.  Jedem,  der  im  Elbhügelgebiet  bei  Pirna,  Dresden,  Meissen  botanisirt 
hat,  wird  auf  den  ersten  Blick  auffallen,  dass  die  eben  genannten  Arten 
bei  uns  entweder  ganz  fehlen  oder  ausserordentlich  selten  sind.  Nirgends 
tretim  sie  in  einer  solchen  Weise  auf,  dass  man  sie  als  Embleme  für  eine 
besondere  Pflanzengenossenschaft  nennen  könnte,  wie  es  mit  den  beiden 
pannonischen  Gräsern  Stf2)n  pennafa  und  cnjrillata  noch  auf  den  trockenen 
Gypshöhen  am  Kyfi'häuser,  also  weit  westlich  von  uns  der  Fall  ist.     Dies 

*)  Teber  die  Vegetationslinien  des  nordwestlichen  Deutschlands,  üöttinger  Studien, 
Abthlg.  I,  S.  461—562. 

**)  Dr.  A.  Gerndt,  Gliederung  der  deutschen  Flora  mit  besonderer  Berücksichtigung 
Saclisens.    dm  8.  Jaliresber.  d.  Kealschulo  I.  Ordnung  zu  Zwickau  1875/76.) 

***!  Dr.  E.  Loew,   lieber  Perioden  und  Wege  ehemaliger  Pflanzenwanderungen  im 
norddeutschen  Tief  lande.     (Linnaea  Hd.  42,  (1870),  S.  511—660.) 


80 

ist  natürlich  Loew  nicht  entgangen  und  er  spricht  sich  so  darüber  aus: 
„Zunächst  ist  es  für  die  Verbreitung  dieser  Steppenptlanzen  äusserst 
„charakteristisch,  dass  sie  sowohl  Schlesien  als  auch  das  Königreich 
„Sachsen  umgehen,  oder  diese  Gebiete  nur  an  ganz  sporadischen  einzelneu 
„Punkten  berühren.  So  fehlen  in  Schlesien  überhaupt:  Adonis  vnmalis, 
„Oxytrojyis  pilosa,   Euphrasia  lutea,  Cwrx  obtusata;  die  übrigen  sind  sehr 

„sporadisch ;  diese  schlcsischen  Standorte  liegen  entweder  in  Ober- 

,, Schlesien  und  stehen  dann  mit  den  Standorten  in  Mährea  in  Beziehung, 
„oder  sie  schliessen  sich  wie  die  der  S^yw- Arten  direct  an  die  in  der  Mark 
„liegenden  Oderthal  -  Standorte  an.  Merkwürdigerweise  treten  sämmtliche 
„oben  aufgezählte  Steppenpflanzen  an  den  Diluvialrändcru  des  Oderbruchs 
„und  des  unteren  Oderthals  wieder  auf,  nachdem  sie  Schlesien  ganz  über- 
„sprungen  oder  nur  sporadisch  berührt  haben.  Ein  ähnliches  Verhältniss 
„wiederholt  sich  im  Eibgebiet.  Die  meisten  zu  unserer  pannonischen  Asso- 
„ciation  gehörigen  Pflanzen  sind  in  Böhmen  wenigstens  in  der  Thal-  und 
„Hügelregion  ziemlich  verbreitet,  fehlen  dann  aber  im  Königreich  Sachsen 
„oder  kommen  daselbst  nur  an  einem  oder  zwei  Sttindorten  vor  und  treten 
„erst  wieder  an  der  Elbe  in  der  Magdeburger  Gegend  auf.  Ganz  fehlen: 
,/Thi^elaea  Passerina,  Campannla  sihirica,  Hierncium  echioidcs,  Scorzmivm 

..purjuvrea,  Aster  Linosyris^  Oxytropis  pilosa  und  Adonis  vei-nalis 

„Dagegen  finden  diese  Glieder  der  Steppenflora  westlich  von  der  Elbe  auf 
„dem  Flötzplateau  des  Magdeburger  Gebietes,  sowie  an  den  Kalkbergeu 
„des  Harzraudes  und  Thüringens^  zum  Theil  auch  der  Gegend  von  Halle, 
„wie  überhaupt  des  Saalgebietes  eine  zweite  Heimath.  Hier  Hegen  zahl- 
„reiche  Colonien  derselben  oft  dicht  gesät  bei  einander."  lieber  die 
Pflanzen,  welche  nach  Loew  (der  dazu  Wünsche's  Excursionsflora  lür 
Sachsen  benutzte)  nicht  geradezu  in  Sachsen  fehlen,  lässt  sich  nach  gegen- 
wärtigen Nachsuchungen  nur  sagen,  dass  sie  ausserordentlich  selten  sind, 
nur  einen  oder  einige  wenige  Standorte  (ehiige  unter  ihnen  überhaupt 
zweifelhaft)  besitzen,  und  jetzt  vielleicht  theilweise  ganz  vei'schwunden 
sind.  Ich  selbst  habe  bisher  nicht  eine  dieser  Arten  in  dem  sächsischen 
Elbthale  gesammelt;  das  Herbarium  Florae  Saxonicae,  welches  jetzt  unter 
den  botanischen  Sammlungen  des  K.  Polytechnikums  für  sich  geordnet 
und  zur  Nach  Weisung  der  Standorte  in  erster  Linie  berufen  ist,  entliält 
nur  2  der  fraglichen  10  Arten:  Carea  stqnna,  welche  aber  nur  in  der 
Unterart  C,  spicata  Schk.  (mit  eiuer  einzigen  androgynen  Spicula)  vom 
Bienitz  bei  Leipzig  als  einzigem  Standort  vertreten  ist;  und  Aster  Amellus, 
welcher  in  schönen  Exemplaren  i.  J.  1843  an  den  von  Pläner  bedeckten 
Syeuitfelsen  des  Plauenschen  Grundes  in  unmittelbarer  Nähe  Dresdens  ge- 
sammelt ist.  In  den  Acten  des  Herbariums,  in  denen  nach  den  Aufzeich- 
nungen des  hochseligen  Königs  Friedrich  August  IL,  des  Stifters  der 
jetzigen  mit  dem  Herbarium  verbundenen  botanischen  Bibliothek,  und 
Reichenbach's  sich  einige  Nachweise  solcher  seltener  Pflanzen  finden,  ist 
hinsichthcli  dieser   10  Arten   nur  eine,  allerdings  wichtige  Auskunft  über 


81 

Annncne  siltraMs  vorhanden,  nach  welcher  sie  zusammen  mit  Pofenfilla 
iitfie^tris  auf  den  Löss-Hügehi*)  gegenüber  dem  Dorf  und  Schloss  Schieritz, 
ak)  an  den  südlichen  Uferhöhon  des  Lommatzscher  Wassei-s,  welches 
:>  Kilometer  nordwestlich  von  Meissen  von  Westen  her  der  Elbe  zuströmt, 
licfunden  worden  ist. 

Innhi  hirta  habe  i(!h  in  einem  Exemplare  im  Herbarium  unseres  (ie- 
s4'Uschaftsmitgliedes  Oberfiirster  Kosmahl  aus  Sachsen  gestehen ;  es  stammte 
\on  trocknen  Rainen  der  liegend  um  Berggiesshühel.  Unser  eifrigstes  um 
Dresden  Nachsuche  haltendes  Gesellschaftsmitglicd,  Oberlelirer  Wobst,  hat 
\oii  allen  1 0  fraglichen  Arten  niemals  auch  nur  eine  zwischen  Pirna  und  Meissen 
gesammelt.  Von  einigen  anderen  Herren  sind  Stiim  ixmnata  am  Plauenschen 
(iiTinde,  und  auch  Ahjssnm  numtauum  wieder  aufgefunden  worden. 

Es  würde  hier  zu  weit  abfuhren,  wollte  ich  den  interessanten  Resul- 
taten Loew's,  die  in  der  genannten  Abhandlung  niedergelegt  sind  und 
Sachsen  indirect  tief  berühren,  noch  weiter  folgen.  Es  geht  aus  der  Sach- 
lage an  sich  schon  henor,  djiss  unseren  gegen wäi-tigen  Anschauungen 
gemäss  nicht  das  jetzige  Klima  die  Ursache  dieser  sporadischen  Ver- 
breitung und  Ueberspringung  sein  kann,  dass  vielmehr  die  Ursache  in  den  die 
Uesiedelung  Mitteldeutschlands  vom  Osten  und  Westen  her  regulirenden 
geologischen  Configurationen  und  damaligen  Klimaten  zu  suchen 
k,  wie  sie  seit  der  Glacialperiode  her  bestimmend  eingewirkt  haben,  und 
dass  das  heutige  Klima  unter  Mitwirkung  der  localen  Bodenverhältnisse 
nichts  bewirkt,  als  die  Erhaltung  dieses  östlichen  Florenelements  auf  dem 
einmal  vor  ihm  liesetzten  Terrain. 


Die  Leitpfianzen  und  Standorte  der  östlichen  Ffianzengenossenschaft 

bei  Dresden. 

Wir  hal)en  den  vorhergehenden  Auseinandersetzungen  gemäss  in  unserer 
Flora  also  eine  aus  ganz  anderen  Repräsentanten  bestehende  östliche  Ge- 
nossenschaft zu  erwarten,  abgesehen  von  den  wenigen  Stellen,  an  denen 
die  in  der  Mark  Brandenburg  und  bei  Magdeburg  vorkommende  piinnonische 
Association  Loew's  durch  die  eine  oder  andere  Art  mit  vertreten  ist.  Die- 
jenigen Arten  werden  als  zu  der  sächsischen  östlichen  Genossenschaft  zu- 
gehörig zu  betrachten  sein,  welche  in  Mitteldeutschland  nicht  mehr  all- 
gemein verbreitet  stets  besondere  Standorte  aufsuchen,  welche  in  ihrem 
Specialklima  den  Bedingungen  ihrer  südöstlichen  Heimat  mehr  entsprechen, 
welche  also  besonders  den  dunklen  Schatten  der  Laubwälder  und  Wald- 
rebe ebenso  wie  Torfmoore  fliehen,  und  dabei  sich  selbst  dadurch  ver- 
rathen,  dass  an  besonders  günstig  gelegenen  Stellen  nicht  nur  eine  grosse 
Menge  seltener,  sondern   zugleich  auch  der  gewöhnlicheren,  weniger  aiv 

*)  I>ie  geologischen  Erläuterungen  verdanke  ich  der  Freundlichkeit  meines  hoch- 
vm'hrten  Collegen  Herrn  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  Geinitz. 


82 

spruchsvollen  östlichen  Pflanzenarten  gemischt  vorkommt;  fliese  Seltenheiten 
weisen  dann  mit  grosser  Bestimmtheit  auf  ein  anderes  Hauptareal  hin, 
aber  auch  die  ihnen  beigemengten  anderen  Ai-ten  lassen  sich  nach  Auslest^ 
derjenigen,  welche  tiberall  vorkommen  können,  gewöhnlich  als  demselben 
Florenbezirk  angehörig  erkennen  und,  sind  sie  so  einmal  erkannt,  dann 
auch  an  einer  grösseren  Zahl  von  Standorten  unter  ähnlichen  Vorkomm- 
nissen weiter  verfolgen. 

A.  Ein  Theil  von  ihnen  begleitet  mit  grosser  Sicherheit  die  Elbe  und 
kommt  mehr  oder  weniger  häufig  an  den  Uferböschungen,  Mauern  der  die 
Elbe  begleitenden  Dämme  und  Gärten,  oder  auf  den  Thalwiesen  vor,  und 
da  diese  Pflanzen  der  directen  Uebertragung  dm-ch  das  Flusswasser  hin- 
sichtlich ihres  Vorkommens  zuzuschreiben  sind,  weil  viele  von  ihnen  an 
neu  überschwemmten  Stellen  neu  ei*scheinen,  so  sollen  sie  hier  nicht  weiter 
betrachtet  werden,  wo  es  sich  darum  handelt,  der  älteren  Geschichte  in 
der  Pflanzenbesiedelung  Sachsens  nachzuspüren.  Von  hierher  gehörigen 
Charakterpflanzen  dieser  östlichen  „Elbthalgenossenschaft**  will  ich  nur 
nennen  Ärabis  arenosa,  welche  von  den  Sandsteinfelsen  der  sächsischen 
Schweiz  an  bis  Meissen  zur  Bosel  hinauf  nahe  den  Eibufern  stellenweise 
häufig  ist,  ebenso  Ei-ysinmm  hierucifolium  und  Sisf/mhrlum  strictissimtim 
als  zwei  seltenere  Pflanzen,  die  unmittelbar  bei  Dresden  an  der  Mauer  des 
Gondelhafens  und  im  gi^ossen  üstragehege  schon  sieh  finden ;  vielleicht  auch 
EiT/ngium  camxyestrc,  welches  ich  liUst  hätte  seinem  Vorkommen  nach  zu 
der  eigentlichen  östlichen,  die  sonnigen  Hügel  bewohnenden  Genossenschaft 
zu  zählen;  dann  aber  besondei-s  das  die  Elbe  von  Schmilka  am  Ostthor 
der  sächsischen  Schweiz  bis  Meissen  und  darüber  hinaus  überall  begleitende 
Allinm  Schoenoprasum ,  das  seine  Blüthenköpfe  im  Juni  überall  aus  den 
Ritzen  in  den  Eibdämmen  hervorspriessen  lässt,  und  auf  den  Flussufer- 
wiesen gelegentlich  seine  Verbreitung  mit  der  bei  uns  an  viel  weniger 
Standorten  vertretenen  Scilla  hifolla  theilt. 

B.  Der  andere,  viel  grössere  luid  hinsichtlich  seines  Vorkommens  und 
der  Mannigfaltigkeit  seiner  Zusammensetzung  viel  interessantere  Theil  der 
östlichen  Pflanzen  bewohnt  als  andere,  vielfach  in  ihrem  Pei-sonal  wechselnde 
Genossenschaft  sonnige  Felsen,  hoch  gelegene  grasige  Plätze,  Kaine  an  den 
die  Elbe  begleitenden  Hügeln,  meidet  im  Allgemeinen  die  geschlossenen 
Wälder,  mischt  sich  aber  in  lichte  Haine  hinein  und  wächst  sogar  mit 
Haide,  Kiefer  und  Rennthierflechte  gesellig  an  steilen  Felsabstürzen,  wo 
auf  einzelnen  trocknen  und  sonnigen  Vorsprüngen  seine  licbensbedingimgen 
noch  erfüllt  werden.  Die  Zahl  der  Arten  ist  hier  eine  viel  grössere,  als 
bei  der  unter  A  genannten  Gruppe,  und  es  soll  als  Haupttheil  dieser  Studie 
ein  ausführlicheres  Vei*zeichniss  derselben  folgen.  Vm  uns  kürzer  auszu- 
drücken, wollen  wir  uns  zunächst  die  wichtigsten  Arten  herausgreifen,  um 
nach  ihnen  die  Pflanzengenossenschaft  zu  bezeichnen.  Ich  halte  es  fiir 
wichtig,   dass  den  eine   bestimmte  Rolle  für  einen  im  Vergleich  mit  der 


83 

Vegetation  der  Erde  sehr  kleinen  Florenbezirk  spielenden  Genossenschaften 
nicht  zu  allgemeine  Namen,  welche  die  Herkunft  bezeichnen,  gegeben 
werden;  ich  halte  es  für  besser,  dass  sie  nach  mehreren  hervorragenden 
Arten  mit  deren  systematischem  Namen  bezeichnet  werden.  Eine  einzelne 
Pflanze  wird  selten  im  Stande  sein,  das,  was  man  ausdrücken  will,  klar 
zu  bezeichnen,  weil  diese  einzelne  Pflanze  in  der  Regel  ein  zu  weites  Areal 
besitzen  wird;  eine  aus  drei  oder  vier  Pflanzennamen  gebildete  Bezeichnung 
wird  die  passendste  sein.  Axel  Blytt  nennt  nach  den  auf  den  norwegischen 
Alpen  hervorragenden  ( -harakterpflanzen  des  arktischen  Floren-Elements  die 
dortige  Pflanzengenossenschaft  nach  Bryas  octo2)etala,  Thalictrum  alpinum, 
Salia:  retimlaia  und  Carex  rnj^^stris*)  die  „Z)rya.s- Formation";  obgleich 
nicht  viel  darauf  ankommt,  möchte  ich  den  Namen  „Formation"  für  die 
gi-üsseren  Zusammenstellungen  der  Flora,  wie  „Formation  der  Nadelwälder", 
„Haideformation"  u.  s.  w.  aufbewahrt  wissen  und  den  Namen  „Genossen- 
schaft" für  die  kleineren  Abtheilungen  in  diesen  Foimationen  lassen. 
Als  eine  solche  (ienossenschaft  des  atlantischen  Westens,  welche  als  ge- 
schlossene (d.  h.  mit  ihren  Hauptgliedem  noch  gesellig  beisammen  vor- 
kommende) Formation  längst  nicht  mehr  in  das  Herz  Deutschlands  und 
also  nicht  bis  zu  den  nordwestlichen  Grenzen  Sachsens  vordringt,  würde 
ich  z.  B.  Mt^rica  Galv,  Erica  Tetralix  und  Narfhecium  ossifragtim  nam- 
haft machen,  denen  sich  dann  noch  viele  weiter  verbreitete  Pflanzen,  wie 
Gentiana  Pneumonanthv,  Curex  Psendocppei-us  und  fiUformis,  Lyccpodium 
immdßtum  etc.  auschliessen.  Letztere  sind  auch  noch  im  nöi*dlichen 
Sachsen  zu  einer  Genossenschaft  jnit  eigenem  Charakter  vereinigt,  und  es 
ist  also  erlaubt,  zur  Schilderung  der  floristischeu  Verhältnisse  Sachsens  in 
den  Gegenden  von  Radeburg  und  Königsbrück  von  einer  nordwestlichen 
Genossenschaft  Gentiana  Vnannonunthc  u.  s.  w.  zu  sprechen,  weil  diese 
Pflanzen  dort  Charakter  bestimmend  auftreten.  Ich  halte  es  also  für 
passend,  die  Benennungen  der  Genüsseuschaften  nach  den  häufigsten 
Charakteiurten  zu  wählen,  nach  denen,  welche  man  geradezu  als  „Leit- 
pflanzen" bezeichnen  kann,  weil  sie  beim  Botanisiren  in  einer  Gegend  so- 
gleich anzeigen,  mit  was  für  Sorten  von  allen  möglichen  Pflanzen  man  an 
einer  bestimmten  Stelle  wohl  zu  thun  haben  kann.  Denn  die  Leit- 
pflanzen verschiedener  Genossenschaften  schliessen  sich 
gegenseitig  von  ihren  Standorten  aus.  Die  verschiedenen  Leit- 
pflanzen einer  und  derselben  (Genossenschaft  wachsen  sowohl  dicht  neben 
einander,  als  vertheilen  sie  sich  häufig  auf  verschiedene  Plätze  derselben 
Localitäten,  lieben  bald  mehr  die  Sonne  und  trocknen  Fels,  bald  sonnige 
Raine  u.  s.  w.,  und  ergänzen  sich  also  gegenseitig  in  der  Erleichterung, 
die  sie  für  die  Kenntnissnahme  der  Flora  bieten.  Ich  gebrauche  für  sie 
den  Ausdruck  „Leitpflanzen",  weil  sie  eine  ähnliche  Rolle  in  der  Floristik 

*)  Essay  on  the  Irnmigratioii  of  tlie  Xorwegian  Flora  diiring  alternating  rainy  atul 
ilry  periods.    C-liristiania  1870.    S.  i). 

6* 


84 

zu  spielen  haben,  wie  die  „Leitfossilien"  im  Erkennen  der  geologischen 
Schichten  an  den  vei'schiedenen  Punkten  der  Erde. 

Als  Leitpflanzen  der  in  der  Umgebung  Dresdens,  überhaupt  im  König- 
reich Sachsen  vorkommenden  östlichen  Genossenschaft  nenne  ich  Ci/tisufi 
nigricans,  Peucedanum  Oreoselinum^  Scabiosa  ochroleuca 
und  Verlas  cum  Lychnitis,  Noch  manche  andere  Arten  hätten  fast 
ein  gleiches  Recht,  als  Leitpflanzen  genannt  zu  werden;  aber  da  sie  doch 
nicht  alle  genannt  werden  können,  so  wähle  ich  diese  aus  und  bezeichne 
als  wichtigste  von  ihnen  Cytisus  nigricans.  Wo  man  diesen  hübschen 
Halbstrauch  in  unserer  Gegend  an  Felsabhängen  üppig  blühend  findet,  darf 
man  getrost  an  demselben  Fels  oder  in  der  Nähe  noch  andere  Pflanzen 
der  zugehörigen  Genossenschaft  vermuthen. 

Am  Südrande  der  Haide,  nahe  einem  Granitbruch  an  der  Chaussee  zum 
„Weissen  Hirsch",  hatte  ich  in  einem  Sommer  den  Cytisus  reich  blühend 
zwischen  den  Felsspalten  bemerkt;  im  März  des  nächsten  Jahres  sammelt^^ 
ich  an  derselben  Stelle  Carex  humilis  über  jenen  Felsen  an  den  rasigen  Ab- 
hängen. Bei  Wachwitz  ergiesst  sich  ein  kleiner  Bach,  von  üömisdorf  und  Ober- 
Rochwitz  herkommend,  in  die  Elbe;  in  seinem  Mittellauf  erhält  derselbe 
von  Nordwesten  her  noch  einen  kleinen  Zufluss;  dort  liegt  die  Pappritzer 
Mühle,  und  an  den  steilen  Felsen  der  den  kleinen  Zufluss  an  seinem  süd- 
westlichen Ufer  begleitenden  Höhe  fand  ich,  tiefer  im  Schatten  als  gewöhn- 
lich wachsend,  Cytisus  nigricans.  Ich  verfolgte  ihn  weiter  bis  auf  die 
sonnigen  Steilfelsen,  wo  Yvrhascum  Lychnitis  in  ausgezeichneten  Exemplaren 
wuchs,  und  andererseits  bis  auf  die  grasigen  Leimen,  an  denen  der  er- 
wähnte kleine  Zufluss  entspringt  und  welche  in  die  sandigen  Kiefernhahie 
oberhalb  Loschwitz  und  Wachwitz  übergehen,  wo  Peucedanum  Oreosclimm 
sich  mit  CMuna  mischte.  Tiefer  im  (iiiinde,  gegenüber  der  Pappritzer 
Mühle,  fand  ich  dann  das  Jahr  darauf  noch  eine  Reihe  anderer  östlicher 
Pflanzen,  darunter  in  dem  Bachthal  selbst  an  einer  steilen  Felsecke  Care^ 
Schreier i.  —  Eine  kleine  Strecke  (IV2  Kilometer)  südöstlich  davon  ergiesst 
sich  bei  Niederpoyritz  ein  anderer  Bach  in  die  Elbe,  der  den  sogenannten 
Helfenberger  Grund  bildet;  sein  westliches  Gehäuge  ist  besonders  steil  und 
felsig.  An  einer  Seite  fand  ich  die  sonnigen,  sonst  dicht  mit  gewöhnlichen 
Kiefern,  Besenstrauch  und  Haide  bewachsenen  Felsen  (etwa  100  m  hoch 
über  dem  Spiegel  der  Elbe)  dicht  mit  Cytisus  nigricans  bewachsen;  als- 
bald entdeckte  ich  auch  beim  Umherklettera  an  derselben  Stelle  grosse 
Horste  von  Ällium'  fallax  in  den  Ritzen  des  Gesteins  neben  Verlascum 
Lychnitis,  Unten  im  schattigen  Thale  aber,  40  m  tiefer  an  den  den  Bach- 
grund begleitenden  Felsen,  blühte  PrenantJies  purpurea,  bei  uns  ein  hervor- 
ragendes Glied  der  niederen  Erzgebirgsgenossenschaft,  die  hier  dicht  neben 
der  östlichen  hinzieht.  Dies  mag  erklären,  warum  ich  den  leicht  kennt- 
lichen und  überhaupt  nicht  in  das  westliche  Deutschland  eindringenden 
schönen  Cytisus,  den  einzigen  in  der  Flora  Saxonica  wild  wa(!lisenden,  als 
erste  Leitpflanze  genannt  habe.  — 


85 

Ihre  Standorte  habe  ich  schon  mehrfach  als  sonnige  Hölien  und  Steil- 
felsen nebst  kurzi^asigen  Hügeln  gekennzeichnet;  wie  es  bei  Dresden  nicht 
anders  sein  kann,  finden  die  östlichen  Arten  dieselben  grösstentheils  auf 
kiystallinischen  Gesteinen,  scheinen  sich  aber  mit  Vorliebe  da  anzusiedeln, 
wo  etwas  Kalk  im  Boden  vorkommt;  nöthig  ist  dei-selbe  für  ihr  Vor- 
kommen durchaus  nicht,  es  ist  nur  die  gewöhnliche  Erscheinung,  dass 
östliche  Pflanzen  bei  ihrem  Vordringen  in  das  westlichere  Deutschland 
sich  gern  und  schliesslich  allein  an  Kalkboden  halten,  weil  sie  dort  am 
ehesten  in  den  Localbedingungen  ihre  Anspiüche  erfüllt  finden,  die  ihnen 
als  südöstliche  Pflanzen  eingeimpft  sind. 

Die  reicheren  Standorte  halten  sich  an  die  Nähe  der  Elbe,  sind  aber 
so   weit  von  ihr  und  liegen  so  hoch  über  ihr  —  wie  schon  aus  den  Be- 
schreibungen einiger  Specialstandorte  bei  Wachwitz  hervorging  —  dass  es 
Thorheit  sein  würde,  an  eine  directe  Einschleppung  in  jüngster  (histerischer) 
Zeit  durch  den  Eibstrom  aus  Böhmen  zu  denken;   die  Einwanderung  ist 
ehie  viel  ältere,  und  die  Genossenschaft  hält  hier  ihre  alten  Plätze  auf- 
recht.    Ich   will    die   besonderen   Standorte   von    Ost   nach   West   folgend 
nennen,   welche  mir  bisher  auf  meinen  Ausflügen  um  Dresden  aufgefallen 
sind;  eine  Vollständigkeit  liegt  natürlich    hier   nicht   in   meiner  Absicht. 
An  den  Ufern  der  Müglitz   zieht  sich   von  Dohna  bis  zur  Erlicht- Mühle 
bei    Xeu-Mügeln   ein   steil   gegen    den   Fluss    abfallender   Höhenzug   von 
Plänermergel ,  in  dessen  Wald-  und   Buschvegetation  zahlreiche   Pflanzen 
der  Genossenschaft  eingestreut  sind;   sein  Kamm    liegt   50  m   über  dem 
Elbspiegel,   von  dem  er  3  Kilometer  entfemt  ist.     Der  ganze  die  Elbe  an 
ihrem  Nordufer  in  geringer   (nicht   über   1  Kilometer   betragender)   Ent^ 
femung  begleitende  Höhenzug  vom  Abhänge  des  356  m  hohen  Porsberges 
an  bis  zur  Dresdener  Haide,  wo  granitisches  Gestein  mit  starker  Bedeckung 
von  Diluvialsand  vorhen-scht,  und  bis  unmittelbar  vor  die  Nordostthore  der 
Stadt,  hat  auf  zahlreichen  Abhängen  und  in  tief  eingeschnittenen  Seiten- 
thälchen   eine  ganze   Menge  der   gewöhnlicheren   östlichen    Pflanzen,    und 
diesem  Höhenzuge  gehören  die  Standorte  bei  Wachwitz  an.     Vielfiich  sind 
sie  schon  durch  die  Cultur  zurückgedrängt;  der  Elbspiegel  ist  hier  circa 
110  m    über  dem  Meere,    die  Höhen  da,   wo  sie  die   Mehrzahl  der  in- 
teressanten Pflanzen  besitzen,  circa  200  m  hoch.     Nordwestlich  der  Stadt 
sind  auf  den  nur  bis    150  m  hohen  Hügeln  bei  Trachenberge  wiederum 
einige  dieser  Pflanzen;  aber  südwestlich  der  Stadt  und  Elbe  liegt  da,  wo 
die  vereinigte  Weisseritz  durch  das  Felsenthor   des  Plauenschen  Grundes 
durchbricht,   an  diesen  zwischen  150  und  190  m  hohen  Steilhängen  4  bis 
5  Kilometer  von  der  Elbe  entfernt  einer  der  reichsten  Standorte,  der  nur 
jetzt  durch  die  vereinigte  Wirkung  der  Eisenbahn,  von  Fabriken  und  un- 
ausgesetzten Plünderungsexcui^ionen  der  pflanzenliebenden  Einwohnerschaft 
sehr  gelitten  hat.     Im  Thal  der  Weisseritz  selbst  überwiegt  selbstverständ- 
lich die  erzgebirgische  Pflanzengeuossenschaft  in  den  zu  Eingang  erwähnten 


86 

häufigsten  Gliederu  {Prenanthes,  Thlaspi  alpestrc,  Manunmlus  iiconitifolins, 
Viscaria  etc.);  doch  lassen  sich  die  Spuren  der  östlichen  Genossenschaft 
weitab  vom  Elbthale,  etwa  12  Kilometer  davon  entfernt,  an  den  sonnigen 
Südabhängen  des  Nordufers  der  wilden  Weisseritz  z\\ischen  Hainsberg  und 
Tharandt,  zumal  an  dem  335  m  hohen  Hirschberge,  deutlich  verfolgen, 
wo  Cytisus  nigricans  häufig  neben  Cijnanchtim  Vincetoxicum  auftritt. 

Auch  die  Lössnitz  birgt  auf  ihren  200  m  Höhe  übersteigenden  Graiiit- 
und  Syenit -Hügeln,  die  jetzt  von  Weinbergen  bedeckt  sind,  einzelne  neue 
Pflanzen,  weniger  die  das  Südufer  der  Elbe  am  üsterberg  begleitenden 
Höhen.  Dann  aber  kommt,  schon  nahe  Meissen,  an  der  unmittelbar  steil 
aus  dem  Flussthal  aufsteigenden  „Bosel"  (fast  200  m  hoch),  die  das 
Spaargebirge  als  südöstliche  Ecke  abschliesst,  ein  neuer  sehr  reicher 
Fundort,  der  zwar  auf  eben  dieser  Ecke  selbst  die  Mehrzahl  der  Charakter- 
arten zui*  Entwicklung  gebracht  hat,  aber  durch  andere  Stellen,  sogar 
durch  nahegelegene  sumpfige  Wiesen  in  und  an  den  Spaarbergen  ergänzt 
wird.  Etwa  7  Kilometer  nordnordöstlich  dieses  Standoiies  findet  derselbe 
ein  Analogen  auf  einigen  kleinen,  kaum  40  bis  50  m  aus  ihrer  Umgebung 
aufsteigenden  Plänerhügeln  mit  circa  200  m  absoluter  Höhe  zwischen 
Oberau  und  Gohlis,  wo  ein  kleines  Bächlein  aus  bewaldeten  Hügeln  her- 
vor an  der  Buschmühle  vorbei  auf  die  beiden,  hier  parallel  laufenden 
Eisenbahnen  zuströmt;  nordwestlich  von  ihm  und  nördlich  der  nach 
Berlin  führenden  Bahnstrecke  liegen  (auf  der  neuen  Genenilstabskai-te 
von  Sachsen  in  1 :  25  000,  Blatt  Nr.  49  ohne  Namen  gelassene)  Hügel,  an 
ihrem  Südabhang  in  Weinberge  verwandelt,  im  Volksmunde  „Ziegenbusch" 
genannt;  unter  diesem  Namen  soll  davon  bei  der  speciellen  Aufzählung 
der  Arten  die  Rede  sein.  Es  scheint  zwar  zunächst,  als  ob  diese  Hügel 
bei  Gohlis  mit  den  früher  genannten  Standorten  der  östlichen  Genossen- 
schaft in  gar  keinem  Zusammenhange  ständen,  da  sie,  weitab  von  dem 
Eibufer,  von  den  granitischen  Spaarbergen  durch  eine  breite  Einsenkung 
getrennt  smd,  in  der  bei  Neu-Sörnewitz  und  Zaschendorf  ein  kleiner  Bach 
mit  100  m  kaum  überragender  Thalsohle  im  Bogen  hinter  den  Spaar- 
bergen herum  bei  Colin  zu  der  nur  wenig  tiefer  fliessenden  Elbe  geht. 
Allein  ein  Blick  auf  das  eben  genannte  Blatt  der  neuen  topographischen 
Karte  von  Sachsen*)  belehrt  uns,  dass  diese  Höhen  bei  Gohlis  die  letzten 
nördlichen  Verlängerungen  des  bis  Niederlössnitz  hin  die  Elbe  an  ihrem 
Nordufer  begleitenden  ganzen  Granit-Syenit-Zuges  sind,  welcher  bei  Naun- 


*i  Die  mit  dem  Herbarium  verbundene  botanische  Bibliothek  verdankt  der  Güte 
des  Königl.  Finanzministeriums  ein  vollständiges  Exemplar  der  Ausgabe  mit  getuschten 
Höhenböschungen.  Es  ist  kaum  zu  sagen,  wie  sehr  durch  die  Benutzung  so  sorgfaltig 
ausgearbeiteter  Karten  der  Florist  bei  seinen  Specialstudien  gcwhuit  und  erst  den  Ueber- 
blick  über  eine  Reihe  einzelner  von  ihm  beobachteter  Thatsachen  erhält;  man  merkt 
stets,  wie  sehr  die  Pflanzengeographie  mit  dem  topographischen  Erdbilde  wissenschaftlich 
auf  gleicher  Höhe  sich  bewegen  muss. 


87 

dorf  und  Zitzschewig  nordwärts  umbiegt  und  über  Weinböhla  hinaus  sich 
weit  von  der  Elbe  verlierend  gegen  Grossenhain  zu  verläuft. 

Ueber  Meissen  hinaus  habe  ich  selbst  die  östliche  Pilanzengenossen- 
schaft  an  ihren  natürlichen  Fundplätzen  noch  nicht  verfolgt;  es  ist  un- 
zweifelhaft, dass  sie  noch  in  ähnlicher  Weise  sich  dort  fortsetzt,  wahr- 
scheinlich aber  weniger  reichhaltig  wird,  bis  dann  in  der  Magdeburger 
üegend  die  oben  erwähnte  östliche  Genossenschaft  von  ganz  anderem 
Schlage  sich  mit  den  Ueberbleibseln  der  Cyiisus  wi^r/caii«- Genossenschaft 
vermischt. 

Zwischen  l*irna  und  Meissen  bewohnt  die  letztere  also  die  sonnigen 
Höhen  50  bis  100  m  hoch  über  dem  Eibspiegel,  nahe  oder  weit  vom  Ufer 
der  Elbe  entfernt,  und  sich  bis  tief  in  die  kleinen  Thäler  der  Bäche  und 
Flüsse,  die  von  Norden  und  Süden  her  der  Elbe  zuströmen,  hinein  er- 
streckend. Nach  Norden  verliert  sie  sich  in  den  Haidegegenden ,  wo  ich 
ihre  Spuren,  angezeigt  durch  Fcucedamtm  Oreoselinum  und  Bosa  rubiffinosay 
noch  an  den  Uferhöhen  der  Röder  östlich  von  Radeburgs  Mooren  und 
Teiclnni  zwischen  Gross- Dittmannsdorf  über  Medingen  hinaus  auf  den 
Rainen  bei  Mittelbach  westlich  von  Pulsnitz  und  schon  weit  nördlich  vom 
Thal  der  Rö<ler  wiederkehren  sah. 

Neben  dieser  Haupt- (ienossenschaft  lässt  sich  noch  ein  Nebenglied 
unterscheiden,  welches  andere  Standorte,  nämlich  Sumpfwiesen,  aufsucht, 
aber  mit  den  eben  genannten  Arten  wenigstens  die  südöstliche  oder  öst- 
liche Heimat  gemeinsam  hat,  auch  nicht  wie  andere  Flussthalpfianzen  mit 
der  Elbe  selbst  noch  jetzt  weiter  angesiedelt  wird  und  also  auch  nicht 
nur  auf  den  Elbthalwiesen  vorkommt;  im  Gegentheil  weitab  von  der  Elbe 
da,  wo  sich  Wiesen  an  die  geschilderten  Hügel  mit  Cytisus  nigricans  etc. 
anlehnen  und  unter  gleichen  Floreneinwanderungs-Bedingungen  haben  l)e- 
siedeln  können,  wenn  auch  die  verschiedene  BodenbeschaflFenheit  andere 
Arten  nothwendig  machte.  Solche  Sumpfwiesen  sind  im  Ganzen  bei  uns 
selten,  sie  haben  keinen  Raum,  und  wo  sie  ihn  hatten,  ist  er  wohl  in 
neuerer  Zeit  eingeengt.  Ich  habe  daher  von  hierher  gehörigen  Pflanzen 
weder  viele  Arten  noch  viele  Standoi-te  bisher  kennen  gelernt,  betrachte 
aber  nach  meinen  bisherigen  Erfahrungen  als  Hauptglied  dieser  zweiten 
südöstlichen  Pflanzengenossenschaft  l)ei  uns,  die  sich  im  allgemeinen  Ver- 
halten ganz  an  die  ei'stc  anschliesst,  Iris  Sibirien, 


88 


Auf^ählungr 

der  die  ftenossenschaft  von  Cytisus  nigricans  etc.  zwischen 

Pirna,  Hainsberg  und  Meissen  zusammensetzenden  wichtigeren 

Fflanzenarten  mit  Angabe  ihres  weiteren  Areales. 

Die  Abgi'enzung  dieser  Liste  liat  insofern  etwas  willkürliches,  als 
darüber  gerechte  Zweifel  bestehen  müssen,  ob  irgend  eine  Pflanze  deshalb 
sich  unter  die  seltneren  Arten  mischt,  weil  sie  als  gemeine  mitteleuropäische 
Pflanze  dieselben  sonnigen  Hügel  als  Standorte  liebt,  oder  weil  sie  wirklich 
zu  derselben  Besiedelungs-Genossenschaft  gehört  und  nicht  erst  später  ein 
accessorisches  Mitglied  derselben  geworden  ist.  Die  Entscheidung  darüber 
lässt  sich  oft  nur  sehr  schwer  trefien.  Ich  beschränke  mich  daher  darauf, 
das  hier  anzugeben,  was  ich  auf  in  fünf  Jahren  nach  den  verschiedensten 
Richtungen  hin  wiederholten  Excureionen  gesehen  habe;  ich  habe  auch  im 
letzten  Jahre  so  manches  gefunden,  was  mir  früher  entgangen  war,  habe 
auch  manche  der  in  den  Büchern  angegebenen  Funde  noch  nicht  gemacht, 
dass  ich  über  die  hier  noch  vorhandenen  Lücken  nicht  zweifelhaft  bin. 
Trotzdem  scheint  es  an  der  Zeit,  an  die  Zusammenstellung  dieser  Liste 
heranzugehen,  da  nur  auf  diese  Weise  ein  geordnetes  Vorwärtsgehen  dieser 
üntei-suchungen  und  eine  lebhaftere  Betheiligung  der  Mitglieder  unserer 
naturwissenschaftlichen  Gesellschait  zu  erhoffen  ist. 

Die  Arten  dieser  Genossenschaft,  welche  häufiger  auf  den  Höhen  zer- 
streut vorkommen,  sind  nicht  mit  besonderen  Standorten  aufgeführt;  die 
seltneren  dagegen,  welche  sich  nur  an  einem  oder  wenigen  Standorten 
finden,  haben  einen  darauf  bezüglichen  Nachweis  erhalten,  und  zwar  be- 
zeichnen die  Abkürzungen;  P.  G.  =  Plauenscher  Grund,  B.  =  Bosel, 
Z.  =  Ziegenbusch,  die  reichsten  Standorte  als  die  am  häufigsten  zu 
nennenden ;  auch  hier  führe  ich  nur  das  mir  sicher  bekannt  gewordene  an. 
Aus  den  gebräuchlichen  Florenwerken  sind  dann  die  möglichst  kurz  ge- 
haltenen Notizen  über  das  Ausstrahlen  der  Standorte  dieser  südöstlichen 
Genossenschaft  nach  Nordwesten  in  Deutschland,  und  über  ihre  Haupt- 
verbreitung im  östlichen  und  südöstlichen  Mitteleuropa  geschöpft,  erstere 
stehen  unter  den  einzelnen  Arten,  letztere  rechts  daneben. 

I.  Dlkotyledonen. 

A.   Choripetalen,  Monochlamydeen  und  Apetalen. 

Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 
Cytisus  nigricans.  —  An  vielen  Stand- 
orten verbreitete  Hauptleitpflanze  der 
Genossenschaft;  hält  sich  blühend  bis 
gegen  Ende  September,  wo  schon  die 
gereiften  Samen  zu  finden  sind.  Ver- 


Durch  ganz  Böhmen  verbreitet, 
in  trocknen  lichten  Wäldern,  Hai- 
den,  auf  felsigen  Lehnen  bis  auf 
das  Vorgebirge  600  m  hoch.  — 

In  Schlesien  fast  nur  in  der 
nordwestlichen    und     der    ober- 


S9 


gesellschaftet    sich    häufig  mit  Saro- 
thamnus  scoparius. 

Südwestliches  Sachsen  ( Vogtland  \  Thüringen 
im  Thal  der  Saale  und  Elster,  also  in  den  an 
Sachsen  östlich  angrenzenden  Landen.  Fehlt 
schon  gänzlich  im  Gebiet  der  Flora  von  Magde- 
burg, Bernburg  und  Zerbst;  kehrt  auch  nicht, 
wie  zuweilen  behauptet,  im  Ost-Harz  wieder: 
fehlt  im  südlichen  Hannover.  Findet  sich  aber 
noch  nördlich  von  Sachsen  im  südöstlichen 
Thcile  der  Mark  Brandenburg  (Frankfurt  a.  0. ) 


2.  Anthyllis  Vtdneraria.  —  Diese  weit  im 
mittleren  Deutschland  verbreitete 
Pilanze  scheint  sich  im  mittleren  Eib- 
gebiet an  die  Q/^*.sM,s-Genossenschaft 
anzuschliessen,  ohne  einen  integriren- 
den  Bestandtheil  derselben  zu  bilden. 

Bei  Leipzig  am   Bienitz.     Sonst  weit  ver- 
breitet. 

',).  Trifolium  monianmn.  —  Von  dieser  Art 
gilt  die  über  Auiht/Uis  Vtdneraria 
gemachte  Bemerkung. 


Trifdium  al^yentre,  —  Häufiger  Bestand- 
theil der  Genossenschaft. 

Iji  Mitteldeutschland  weit  verbreitet  ist  diese 
Art  noch  im  südlichen  Hannover  häufig,  fehlt 
aber  im  nordwestlichen  Hannover  etwa  nördlich 
von  Höxter.  Im  nördlichen  Deutschland  noch 
bei  Ratzeburg  (Reinke\ 

Coronilla  raria.  —  Im  Gebüsch  und  an 
grasigen  Abhängen  zerstreut,  häufig. 

Erreicht  ihre  Nordwestgrenze  nördlich  vom 
Harze  in  der  Gegend  von  Braunschweig.  (Nach 
Meyer,  Fl.  Hannov.  exe,  am  Elm\ 

Orobus  niger,  —  Nicht  selten  der  CytisuS" 
Genossenschaft  beigemischt,  doch  immer 
die  schattigeren  Theile  der  Standorte 
aufsuchend.  Bei  Dohna  an  den  Ab- 
hängen gegen  die  Müglitz  besonders 
häufig!  B!  im  Gebüsch. 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 

schlesischen  Ebene,  dort  aber  ziem- 
lich verbreitet.  Südöstliche  Mark 
Brandenburg  (Frankf.  a.  0.). 

Im  südlichen  Polen  an  waldigen 
steinigen  Orten,  sehr  zerstreut 
(Warschau),  im  nördlichen  Polen 
fehlend. 

Alpenländer  der  Schweiz  und 
Oesterreichs.  rngarn,  Sieben- 
bürffeii,  Croatien,  Herzegowina. 
Macedonien,  Thracien  und  süd- 
westliches Russland.  Serbien  und 
Bosnien;  in  den  Bergen  der 
Moldau.  — 

hn  Hügellande  und  Mittel- 
gebirge Böhmens  und  an  vielen 
Kinzelorten  sehr  häufig. 

In  Schlesien  besonders  auf 
Kalk,  sehr  zerstreut,  im  nord- 
westlichen Gebiet  selten. 

In  Polen  überall  häufig. 


In  ganz  Böhmen  mit  Ausschlut«s 
der  Gebirge. 

In  ganz  Schlesien,  meist  häufig 
oder  gemein. 

In  Polen  auf  trocknen  Hügeln 
und  Waldwiesen.  — 

In  Böhmen  sehr  verbreitet. 

In  der  ganzen  schlesischen 
Ebene  und  den  Vorbergen  zer- 
streut. 

In  Polen  häufig. 


Häufig  im  ganzen  böhmischen 
Hügellande. 

Häufig  in  ganz  Schlesien,  Ebene 
und  Hügelland. 

Häufig  in  ganz  Polen. 

In  Böhmen  im  Mittelgebirge, 
Hügellande  und  der  Ebene  ver- 
breitet. 

Durch  die  ganze  schlesische 
Ebene  und  Hügelregion  zerstreut. 

In  Polen  überall  ziemlich  häufig. 


<U) 


Verbreitung  imSOdotten  u.  Osten. 

Im  westlichen  Sachsen,  z.  B.  bei  Grimma 
(Imuiig)  und  am  Bienitz*)  (häufig);  bei  Halle, 
Jena  und  Erfurt;  im  Flötzgebiet  der  Magde- 
burger^) Gegend  noch  ziemlich  häufig,  dann 
seltener  werdend  nordwestlich  vom  Harz,  aber 
erst  in  Oldenburg  und  Ostfriesland  fehlend. 

7.    Vicia  cassuhka,  —   Au   einigen   Stelleu 

in  grossen  Mengen,  besonders  bei  Dohna 

und  am  Abhänge  des  zur  Dresdener 

Haide  gehörigen  Wolfshügels,  wo  die 

Blätter  fast  keine  Wickelrauke  tragen. 
Pirreicht  ihre  Verbreitungsgreuzc  in  Han- 
nover, in  dessen  südwestlichem  und  westlichem 
Theile  sie  fehlt;  folgt  dagegen  der  Klbc  bis 
zu  ihrem  Unterlaufe  (Eibstrand  zwischen  Laucn- 
burg  und  Glüsing;  Sclinakcnbcck  u.  s.  w.) 

S.  SanguisorOfi  officiHalls.  —  Sehr  häufig 
auf  den  Wiesen  in  der  Nähe  aller  von 
der  (.*yfe«6-Genossen8chaft  bewohnten 
Hügel,  gesellig.  Fehlt  niemals  da, 
wo  andere  östliche  Pflanzen  die  Wiesen 
bewohnen,  zumal  Iris  sibirka. 

Weit  im  mittleren  Deutschland  verbreitet 
wird  sie  schon  südlich  vom  Harz  selten  und 
verliert  sich  hi  den  sandigen  Haiden  von  Han- 
nover (abgesehen  von  den  Küstenmarschen). 

9.  Potent il kl  verna,  var.  pilosa,  —  Diese 
Varietät  erinnert  in  der  Behaanmg 
an  P.  optiva;  sie  blüht  schon  Ende 
März  und  Anfang  April  mit  grossen, 
leuchtendgelben  Blumen  im  Felsgeröll 
der  tro<!knen  Hügel,  z.  B.  neben  Pul- 
satllhi  pratensis  und  Siicrynla  vernalis. 
Die  Potentilln  venia  in  der  Dresdener 
Haide  neben  Calluna  hat  ein  nicht 
unwesentlich  vei-schiedenes  Aussehen: 
es  ist  dies  eine  von  vielen  Erschei- 
nungen,   wo   vei'schiedene  Varietäten 

*)  Anmerkung.  Für  den  zwei  Stunden  westlich  von  Leipzig  nahe  dem  Dürfe 
Kückmardorf  gelegenen  reichsten  Fundplatz  der  dortigen  Gegend,  den  Bienitz,  beimtzte 
ich  -  da  ich  ihn  selbst  noch  niemals  besucht  habe  —  das  kleine  Büchelchen:  „Flora 
des  Bicnitz  und  seiner  Umgebungen*',  von  Dr.  Petennann.    Leipzig  1841. 

**)  Für  diese  Gegend  diente  mir  als  hauptsächlichste  literarische  Quelle :  L.  Schneider. 
Flora  von  Magdeburg  mit  Einschluss  der  Florengebiete  von  Bernburg  und  Zerbsi. 
Berlin  1877. 


Verbreitet  durch  ganz  Böhmen 
und  in  dessen  Nordhälfte  gesellig 
auf  lichten  buschigen  Abhängen. 

In  der  schlesischon  Ebene  iiud 
Hügelregion,  gegen  Südosten  ab- 
nehmend. 

Fehlt  in  Polen? 

Im  ganzen  südöstlichen  Theil 
des  mitteleuropäischen  Floreu- 
gebietcs,  bis  Bosnien  und  Süd- 
Russland.  — 

Meist  sehr  gesellig  auf  den 
Wiesen  des  kühleren  böhmischen 
Hügellandes. 

Meist  sehr  gesellig  in  Schlesien, 
im  noixlwestlichen  Theile  seltener 
werdend. 

In  Polen  auf  feuchten  Wiesen 
überall  häufig. 


In  Böhmen  verbreitet  und  meist 
häutig. 

Die  Varietät  soll  in  Schlesien 
selten  sein,  sofern  sie  dieselbe 
Form  überhaupt  vorstellt. 


9t 


vorschiedeueu  (ienossenschafleu  auge- 
höreu,  und,  weil  letztere  bestimmte 
gleichartige  Standorte  besiedeln,  auf 
den  Eiufluss  des  Standortes  allein  in 
fälschlicher  Weise  zurückgeführt  sind. 

Verbreitung  der  Varietät  unbekannt.  Ich 
gUubc  dieselbe  Form  im  W'errathal  in  der 
Gegend  von  Allendorf  gesammelt  zu  haben. 

10.  Filiifcndula  hexapetala  Gilib.  (=  Splrava 

FilijtendHla  L.  et  Aut.).  —  Verbreitet 
an  nicht  zu  viel  Standorten  im  Be- 
reiche der  Qy^'6«6-üeno8senscliaft,  an 
welche  sie  sich  im  mittleren  Eib- 
gebiete anzuschliessen  scheint. 

Noch  häutig  im  Gebiet  von  Magdeburg. 
In  Hannover  nur  im  sOdlichen  und  östlichen 
Theilc  häutig;  gegen  Nordwesten  abnehmend 
und  selten  (westlicher  llarzrand  bei  Salzgitter! 
Braunschweig:  Asse!).  Fehlt  in  der  nord- 
westlichen Niederung  durchaus. 

11.  Müsa  yalli(Xif  *immilu,  —  IJ !  ZI  (Gesellige 

Strauchgmppen,  oft  nur  eine  Spanne 
bis  ein  Fuss  hoch  und  aufrecht,  sel- 
tener in  schattigem  Gebüsch  nieder- 
liegend.  Die  grossen  rothen  und  schön 
duftenden  Blumen  machen  sie  zu  einer 
Zierde  der  Genossenschaft.   Wird  auch 
aus  dem  P.  G.  angegeben. 
Fehlt  am  Bienitz.     Bei  Halle  (Bibra).     In 
Thüringen  (Jena,  Erfurt,  Naumburg).    Fehlt  in 
der  Flora  von  Magdeburg  und  von  da  uord- 
westwärts  überall. 


12.  Uosu  rubiffinom.  —    Zerstreut  auf  den 

Hügeln,   auf  Rainen»   in  den  Wein- 
bergen u.  s.  w.,  doch  im  allgemeinen 
nicht  zu  häufig. 
Zerstreut    durch   Sachsen   und  Thüringen 

und  .das  südliche  und  mittlere  Hannover,  im 

Nordwesten  seltener  werdend. 

13.  Vijrm  communis.  —  BI,  wo  ich  die  wilde 

Form  oben  am  Hange  zwischen  Fels- 
geröll in  einem  einzigen  knorrigen  und 


VerbreitHng  imSttdotten  u.  Osten. 


Im  Uügellaude  Böhmens  ver 
breitot,  aber  zerstreut  und  stellen- 
weise fehlend. 

In  ganz  Schlesien,  in  der  Ebene 
und  llügelrcgion ,  zerstreut  und 
stellenweise  fehlend. 

In  Polen  auf  trocknen  Höhen 
überall  ziemlich  häutig. 


Im  böhmischen  Hügellaude  auf 
steinigen  buschigen  Abhängen  auf 
Kalk-  und  Lehmboden  verbreitet, 
an  einer  grossen  Menge  von  Stand- 
orten. 

In  Schlesien  in  manchen  Gegen- 
den ziemlich  häutig  und  von  vielen 
Standorten  angegeben,  erreicht  sie 
die  Nordgrenze  der  ostdeutschen 
Verbreitung. 

In  Polen  zerstreut. 

In  südlichen  Breiten. von  Frank- 
reich —  Schweiz— nördl.  Italien  — 
durch  ilie  (»stlichen  Alpenländer 
nach  l'ngarn,  Moldau,  Podolien 
und  Macedonien.  — 

In  Böhmen  sehr  häutig,  wenn- 
gleich weniger  häutig  als  Bosa 
canina. 

Zerstreut  durch  ganz  Schlesien, 
in  manchen  Gegenden  selten. 

In  Polen  zerstreut. 


In  Böhmen  zerstreut  und  ver- 
ehizelt. 

In  Schlesien  besonders  im  Oder- 
thal wild. 


92 


stai'k  mit  Domen  bewehrten   Baume 
gefunden  zu  haben  glaube, 
lieber   die  wirklich   wilden  Standorte   des 
Binibaumes  fehlt  es  an  sicheren  Angaben;  er 
wird  nicht  über  die  Flötzgebiete  Mitteldeutsch- 
lands hinaus  wild  sein. 

14.  Cotaneaster   infegcrrimus   (vulgatis).    — 
P.  G!    Wird  auch  noch  von  B.  ange- 
geben,  wo  ich  ihn  bisher  nicht  sah. 
Fehlt  am  Bienitz.    In  Thüringen  von  Naum- 
burg und  Halle  an  auf  den  Muschelkalkhügeln 
an  vielen  Standorten!   ImWerrathal  bei  Allen- 
dorf!   Kur  im  südlichsten  Magdeburger  Gebiet, 
dann  aber  im  Ost -Harz  wiederkehrend.    Von 
da  an  nordwestwärts  fehlend  mit  einzelnem  vor- 
geschobenen Standort  am  Süntel. 


1 5.  Sorbits  tonninalis.  —  Wenige  kleine  Bäume 

auf  B!  und  Z!  Scheint  früher  häufiger 

gewesen  zu  sein. 
Ziemlich    häufig    im    mittleren    deutschen 
Hügellande  verbreitet  bis  zu  seiner  nordwest- 
lichen  Grenze   in  Haimover  an  den  Sieben- 
bergen und  am  Deister. 

16.  Sedum  rupestre  (rcflexim).  —  An  vielen 

Stellen  der  felsigen  Hügel  als  Bestand- 
theil  der  Genossenschaft. 
Weit  verbreitet  in  Deutschland  auch  in  der 
von  Sachsen  nordwestUchen  Richtung. 

17.  Fmcedanum  Cervarla,  —  B!  und  Z!  An 

beiden  Punkten  häufig,  zumal  an  dem 

Steilhange  der  Bosel  gegen  die  Elbe 

hin  in  über  2  m  hohen  Exemplaren, 

trotz  der  sonnigen  Lage  erst  sehr  spät 

im  Jahre  blühend.  In  dem  mit  kurzem 

Gras  bedeckten  Tenain  des  Ziegen- 

buschs    entwickelt    sich    die    Pflanze 

wahrscheinlich  des  lichten   Schattens 

der  Bäume  wegen  zu  geringer  Grösse 

und  Fructification. 

Bei  Leipzig   (am  Bienitz   auf  den  Wiesen 

bei  Klein-Dölzig).     In  Thüringen  häufig.    Als 

Seltenheit  an  einigen  Stellen  des  Magdeburger 

Gebiets.   In  den  Vorbergen  und  in  der  niederen  ; 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 

Wird  aus  Polen  als  häufig  an- 
gegeben. 


Im  wärmeren  Hügellande  und 
Mittelgebirge  Böhmens  verbreitet 
mit  nicht  wenigen  Standorten. 

In  der  schlesischeu  Hügel- 
region an  wenigen  Stellen  und 
selten  (auch  im  Gesenke). 

In  Polen  selten,  auf  Felsen  im 
südlichen  Gebietstheil. 

In  den  Ost  -  Alpeuländern, 
Ungarn  bis  Serbien  und  Süd- 
Kussland. 

Sporadische  Fundorte  weit 
über  diese  Grenzen  hinaus.  — 

Im  böhmischen  Mittel-  und 
Vorgebirge. 

In  Schlesien  an  wenig  Stand- 
orten. 

In  Polen  überall  vereinzolt. 


Im  böhmischen  Hügellamle 
und  Mittelgebirge  zerstreut. 

In  der  schlesischeu  Ebene, 
nur  in  der  nordwestlichen  Ge- 
bietshälfte. 

In  Polen  sehr  selten.  — 

In  Böhmen  in  trocknen  Laub- 
wäldern, auf  buschigen  Hügeln. 
Waldwiesen,  gern  auf  Kalk,  Basalt, 
Gneiss;  im  Hügellande,  besonders 
in  dessen  wärmerem  Theil  und  in 
der  P^bene  ziemlich  verbreitet  und 
stellenweise  häufig. 

In  Schlesien  auf  trocknen 
Wiesen  und  lichten  Waldstellen 
besonders  der  Hügelregion,  au 
vielen  Standorten,  aber  nach  Nord- 
westen hin  selten  werdend. 

Im  südlichen  Polen  zerstreut 
(um  Warschau,  Klödno). 

Oesterreichs  Kronländer,  Dal- 
matien,  Montenegro. 

Ungarn,  Banat,  Siebenbürgen, 
Bosnien,  Serbien. 


93 


Region  des  Harzes.     An  einzelnen  Stellen  im 
südliclien  Hannover   mit   dem   nordwestlichen   \ 
Endpunkt  am  Kronsberg  bei  Hannover. 

m.  Pcuecdannm   OrroscHnmn,    —    Zahlreich 
verbreitet    auf   den    Rainen    und   be- 
grasten Hügeln  im   Bereich  der  Ge- 
nossenschaft, eine  ihrer  Leitpflanzen  i 
darstellend.      Sie    steigt    an    einigen 
Stellen  von   den  Eibhöhen  bis  in  die 
Nähe   der  Thalwiesen   herab,  so  auf 
Dämmen   in   Wachwitz,    ohne  jedoch  i 
jemals    in  die  Thalwiesen -Vegetation  i 
sich  zu  mischen. 
In  Sachsen    viel   weiter  verbreitet  als  17: 
hiUitig  am  ßieiiitz.     In  Thüringen  seltener  als 
17.    An  sehr  vielen  Stellen  auf  den  trocknen 
Hainen   des    Magdeburger   Gebiets.     Im    (ist- 
lichen Harz.     Der   Elbe   folgend  bis   Lauen- 
burg! an  einzelnen  Stellen,  und  bis  Hamburg. 
Weiter  westlich  bis  zum  nördlichen  Elm  bei 
Hraunschweig! 

Ul.  Ju-i/ngaun  mmjwstre,  —  Häufige,  die  Ab- 
hänge der  Uferhöhen  stellenweise  fast 
gesellig  bedeckende  Pflanze;  ich  sehe 
dieselbe  als  Glied  der  (  y /87/s-(ienossen- 
schaft  und  nicht  als  eigentliche  Strom- 
thalpflanze an,  weil  sie  fast  immer  auf 
den  von  ersterer  bewohnten  Höhen  sich 
im   reicheren   Masse   angesiedelt  hat. 
[Vergl.  Loew  in  Linnaea,  Bd.  42,  S.  554.] 
Häutig  bei  Halle  und  Sondershausen,  östlicher 
Harz ;  selten  in  der  Mark  Brandenburg,  häufig 
an  der  Elbe  bei  Lauenburg!  bei  Lüneburg. 

20.  Difuithus  caesius.  —  P.  G!  Reichlich  an 
den  unzugänglichen  Felsen  des  rechten 
Weisseritz-Ufers,  in  grossen  und  reich- 
blühenden  Rasen.  Wird  von  Heyn- 
hold noch  im  Hoflössnitzthale  ange- 
geben, an  der  Umbiegungsstelle  des 
nördlichen  Eibhöhenzuges  gegen  Nor- 
den auf  Weinböhla  zu;  bewohnt  also 
die  Standorte  der  Genossenschaft,  ohne 
jedoch  streng  zu  ihr  zu  gehören. 


Verbreitung  imSUdoeteii  u.Oeten. 

Mittleres  und  sadliches  Russ- 
land. — 

Zugleich  in  Süd -Europa  von 
Spanien  bis  zur  Herzegowina.  - 

In  Böhmen  auf  Wald-,  Berg- 
und  Uferwiesen,  im  Waldgebüsch, 
an  Bainen,  nur  im  sandigen  und 
kiesigen  Boden,  in  der  Hügelregion 
fast  nur  der  nördlichen  Landes- 
bälfte  sehr  zerstreut.    Mähren. 

In  Schlesien  auf  Ilainen, 
trockenen  Wiesen  u.  Waldrändern, 
besonders  auf  Sandboden  in  der 
Ebene  an  vielen  Stellen. 

In  Polen  auf  trockenen  Wiesen 
u.  Waldrainen  überall  sehr  häufig. 

Oesterreiclis  Kronliinder.  Dal- 
niatieu. 

Fugarn,  Uanat.  Siebenbürgen, 
Bosnien,  Serbien. 

Mittleres  und  südliches  Buss- 
land. — 

Verbreitet  im  N.  bis  Schonen 
und  (Jeland,  im  Süden  bis  Spanien 
und  zur  Herzegowina.  — 

In  Nord-  und  Mittelböhmen 
auf  Triften  und  dürren  Hügeln 
verbreitet  und  häutig. 

In  Schlesien  auf  trockenen  und 
steinigen  Hügeln  sehr  selten  (zwei 
Standorte  angegeben,  bei  Breslau  >. 

Häutig  in  Mähren  und  im  öst- 
lichen Galizien. 

Im  südlichen  Polen  gemein 
und  von  da  weiter  längs  der 
Weichsel,  im  nordlichen  Polen 
fehlend. 


In  Böhmen  auf  Felsen  der 
Mittelgebirge,  selten,  jedoch  an 
den  einzelnen  Standorten  zahl- 
reich beisammen. 

In  Schlesien  auf  Sandhügeln 
der  Ebene  an  wenigen  Stellen, 
hier  die  Ostgrenze  seiner  Ver- 
breitung erreichend. 

Vergleiche  Dr.  Gerndt  a.  a.  0. : 
Freienwalde  in  der  Mark  Branden- 
burg.    Moszyn  am  Gorkasee  als 


94 


Saalthal,  Thüringen  an  mehreren  Stellen 
(Suhl,  Eisenach,  Schwarzburg  u.  s.  w.).  Im  Ast- 
lichen  Harz  (an  den  Felsen  des  Bodethales  bei 
der  RoBStrappe).  Fehlt  im  (lebiet  der  Flora 
von  Magdeburg.  In  Hessen  bis  zum  Habichts- 
wald bei  Cassel  Scheint  nach  der  Begrenzung 
mehr  eine  südliche  als  eine  östliche  Pflanze  zu 
sein.  Findet  sich  auch  in  Schlesien  und  im 
Odergebiet  bei  Frankfurt,  in  Posen,  stets  an 
einzelnen  Stellen.  —  Bayerische  Hochebene  und 
Franken  häufiger:  im  Jura. 

21.  Diantlius  Carthiisianornm,    —    Häutiges 

Mitglied  der  ry/Ä</«-Genossen8chaft. 
Auf  den  sonnigen  Höhen  der  Spaar- 
berge  und  auch  anderwärts  findet  sich 
diese  Art  in  einer  abweichenden  Form 
(var.  pratensis  Neilr.):  Die  Blüthen- 
büschel  sind  1  -armblüthig,  die  Blumen 
selbst  sind  gross  und  blassrosa,  sehr 
in  die  Augen  fallend.  Die  Blumen 
erinnern,  zumal  da  die  Kelchschuppen 
und  Inflorescenzbracteen  nur  kurz  be- 
gi-annt  sind  und  die  Büschel  niclit 
strahlig  umgeben,  sehr  an  DiantJuts 
Seguierii,  von  dem  die  Pflanze  aber 
durch  die  Länge  der  Blattscheiden 
vei-schieden  ist.  7).  Seguierii  kann 
nicht  füglich  der  r^//.sws-Genossen- 
schaft  bei  uns  beigezählt  werden,  da 
er  nur  an  einer  Stelle  des  Loschwitzer 
Höhenzuges  in  ihrem  (»ebiete  vor- 
kommt und  viel  häufiger  l>ei  Hellen- 
dorf im  Elbsandsteingel)iete  nahe  der 
böhmischen  Grenze  ist. 

Weit  verbreitet  iu  Deutschland  ohne  deut- 
lich ausgesprochene  Vegetationsgrenze,  jedoch 
mit  entschiedener  Abnahme  nach  Nordwesten. 
D.  CarÜitMtanorum  gehört  zu  den  Arten, 
welche  sich  der  (^V^i^cj^-üenossenschaft  zu- 
gesellen, ohne  mit  deren  übrigen  Bestandtheilon 
die  genaue  Verbreitungslinie  zu  verfolgen. 

22.  Sj)ergulu  ver^mlis  W.  (pentandra  L,)   — 

Auf  den  felsigen  Höhen  häufig  und 
im  ersten  Frühjahre  mit  Cerastium 
semideeandrum    die   Flora  beginnend. 


Verbreitung  imSQdoeten  H.Osten. 

östlichster  Punkt.  England— Bel- 
gien—Schweiz— Tyrol  —  Croaticn. 


In  Böhmen  ist  die  Varietät 
pratenm  auf  Bergwiesen  in  der 
Hügelregiou  verbreitet  und  be- 
sonders im  wärmeren  llagoUande 
häufig. 

Die  Art  ist  in  der  schlesischen 
Ebene  und  Hügelregion  häufig,  die 
Varietät  ist  nicht  angegeben. 

In  Polen  auf  sonnigen  Hügeln 
und  in  trockenen  Wäldeni  überall 
gemein. 


In  Böhmen  weit  verbreitet  und 
zeratreut,  mehrere  Standorte  sind 
„auf  Felsen"  genannt. 

In    Schlesiens  nordwestlicher 


95 


Bei  dieser  Art  sind  die  Formen  (*V.  Mari- 
Mmii  Bor.,  *S'.  petUamha  Aut.)  zu  wenig  sicher 
auseinander  gehalten,  als  tlass  sich  klar  er- 
kennen Hesse,  ob  die  Form  der  sandigen  llaiden 
mit  der  Felsenpflanze  übereinstimmt.  Auch 
ich  bin  dardber  unsicher. 

23.  Viola  hirta.  —  Hier  und  da  ein  häufiger 

Begleiter     der     Genossenschaft     mit 

reichen   hellblauen  Blumen,   nie  von 

mir  an  anderen  Standorten  gesehen. 

Von  weiter  und  unb<»stimmtor  Verbreitung 

in  Deutschland. 

24.  Hf/})ericiim  montanum.  —  Im  Dresdener 

Gebiet  nicht  häutig  und  nur  im  Be- 
reich der  f  V/^i/?//s-Genossenschaft,  mit 
welcher  es  aber  vielleicht  nur  die 
Standortsbedingungen  gemeinsam  hat. 
P.  Gl  und  ZI  häufig,  auch  an  anderen 
Stellen! 

In  Leipzig  am  Bienitz.  Bei  Halle.  Häutig 
in  Thüringen  und  Süd-Hannover.  Noch  häufig 
im  Gebiet  von  Magdeburg  auf  dem  Flötzgebiet. 
Ebenfalls  noch  häutig  auf  den  Kalkhügehi  in 
der  Umgebung  von  Hannover,  in  der  Flora 
von  Celle  schon  sehr  selten  und  nordwestwärts 
verschwindend. 

25.  Hyperinnn  hlrsutum,  —  'i'heilt  die  Ver- 

breitung der  vorigen  Art  in  unserem 
(iebiete,  scheint  aber  etwas  häufiger 
zu  sein. 

26.  Polygala  romosa.  —  Häufig  auf  den  son- 

nigen Hügehi.  Verbreitimg  wie  bei 
den  beiden  Hpimienfn-Arieu. 

27.  Ilrllanthemum  Chamaecisttts  (=  vulgare). 

—  Kann  bei  uns  gleichfalls  als  acces- 
sorisches  Mitglied  der  ( ^ytistt.^  -  G  e- 
nossenschaft  betrachtet  werden. 

28.  EiqJiarbia   Cyparissias.    —    Scheint   an 

keinem  Punkte  zu  fehlen,  wo  die 
Cyiisns  -  Genossenschaft  i-eich  ent- 
wickelt ist. 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 

Ebene   häufig  angegeben,    sonst 
selten. 

In  Pulen  häutig  {S.  Marinmui 
Boreau);  S.  j)etitamirfi  selten. 


In  ganz  Böhmen  verbreitet  und 
meist  häufig. 

In  der  schlesiscben  Ebene  und 
Hügelregion  zerstreut. 

Scheint  in  Polen  häufig  zu  sein. 


Fast  durch  ganz  Böhmen  ver- 
breitet. 

Durch  ganz  Schlesien  zerstreut, 
oft  aber  selten. 

In  Polen  an  nicht  viel  StantU 
orten. 


hl  Böhmen  wie  die  vorige  Art 
verbreitet. 

In  Schlesien  häufiger  in  der 
Oderniederung;  sonst  wie  vor. 

Nur  im  südlichen  Polen,  und 
auch  da  sehr  selten.  — 

In  Böhmen  verbreitet. 

In  Schlesien  meist  nicht  selten. 

In  Polen  häufig'. 

In  Böhmen  auf  trockenen 
Wiesen  und  grasigen  Hügeln  be- 
sonders auf  Kalk  häufig. 

In  Schlesien  auf  sonnigen 
Hügeln  zerstreut. 

In  Polen  verbreitet. 

In  ganz  Böhmen  gemein  und 
sehr  gesellig. 

In  Schlesien  meist  gemein 
und    oft    sehr    gesellig    in    der 


96 


Als  accessorisches  Mitglied  wie  23,  von 
weiter  und  unbestimmter  Verbreitung:  doch  ist 
bekannt,  dass  sie  nicht  aller  Orten  häutig  ist. 

21).  Anemone  (Pulsatilla)  pratensis,  var.  an- 
(fustlscctn  Celak.  (Prodr.  Fl.  v.  Böhmen, 
S.  405).    —    BI  Hier  häutig  und  im 
kurzen  Rasen  der  Hügel  gesellig ;  scheint 
früher  um  Dresden  an  vielen  Stellen 
verbreitet  gewesen  zu  sein,  wo  jetzt 
kaum    noch    schwache    Ueberbleibsel 
zu  finden  sind  (Tolkewitz,  Zschachwitz, 
Wachwitz,  Pillnitz). 
Fehlt  am  Bienitz.  -—  Bei  Halle,  Wittenberg, 
Dessau.   Im  Magdeburger  Gebiet  sogar  im  Di- 
luvium und  Sand-Alluvium  ziemlich  häutig.   Bei 
Ncuhaldensleben  das  östliche  Braunschweig  er- 
reichend.   Am  nordöstlichen  Ilande  des  Harzes. 
Bei  Sondershausen.     Von  da  an  nordwestlich 
in    einzelnen   sehr  zerstreuten  Tunkten;    süd- 
wärts nicht  über  den  Thüringer  Wald  hinaus- 
gehend. 

30.  Clcmatis  recfa.   —   B!  und  Z!    Dort  im 

lichten    Gehölz     häufig,     in    grossen 
Exemplaren    und    oft    niederliegend. 
Findet  sich  auch  am  Südufer  der  Elbe 
an    den  Abhängen  bei  Niedei-\Nartha 
(von  mir  dort  noch  nicht  gesehen^. 
Fehlt  am  Bienitz  bei  Leipzig.  —  ZiemUch 
häufig  im  Elb-Alluvium  des  Magdeburger  Ge- 
biets, so  dass  die  Pflanze  dort  als  Stromthal- 
pflanze  auftritt,   wozu   sie   in   Sachsen    nicht 
neigt.    Bei  Barby.    Nordwestwärts  immer  sel- 
tener  werdend.     Bei  Nordhausen.     Fehlt  in 
Braunschweig  und  Hannover  und  von  da  west- 
wärts. 

31.  Aquilegia  vulgaris.   —    Im   Gebiete  der 

Dresdener  Flora  nicht  allzu  häufig, 
sucht  sie  die  Standorte  der  Cytisus- 
üenossenschaft  auf  und  wird  dadurch 
ein  unwesentlicher,  aber  zierender  Be- 
standtheil  derselben. 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 

Ebene,    stellenweise   sehr  selten 
oder  fehlend. 

In  Polen  überall  gemein. 

In  Böhmen  auf  trockenen  son- 
nigen Hügeln,  Felsabhängen,  in 
Kiefer  Wäldern  und  Ilaiden  be- 
sonders auf  Sandboden,  im  Hügel- 
lande der  nördlichen  Landeshälfte 
verbreitet. 

In  Schlesien  auf  dürren  Hügeln 
und  in  sandigen  Kiefernwäldern 
der  Ebene  sehr  zerstreut,  wird 
aber  mit  einer  grossen  Zahl  von 
Fimdplätzen  angegeben. 

In  Polen  auf  sandigen  Hügeln. 
Triften  und  Haiden  überall  sehr 
häuüg. 

Mittleres  und  südliches  Russ- 
land, Serbien,   Fugarn,  Croatien. 


In  Böhmen  auf  steinigen 
Hügeln.  Wiesen  und  an  Wald- 
rändern verbreitet. 

In  Schlesien  sehr  selten,  nur 
von  drei  Standorten  in  der  Ebene 
angegeben. 

In  Polen  in  der  Nähe  der 
Wei<*hsel  an  manchen  Standorten. 


Durch  ganz  Böhmen  verbreitet, 
gern  auf  Kalk. 

In  Schlesien  an  vielen  Stand- 
orten (auf  Kalk)  im  Vorgebirge, 
in  der  Ebene  selten. 

Zerstreut  im  südlichen  Polen. 


97 


R.    Sympetalen. 


',\2.  (\mi)xinuhi  (jloumafa,  —  B!  und  an 
einigen  Stollen  der  südlichen  Elbnfer- 
züge. 

Am  Bicnitz  häutig,  dort  auch  auf  den  Wiesen 
hei  Klein- Dölzipf  angegehen,  obgleich  diese  Art 
nicht  eigentlich  Wiesenptlanze  ist.  Häutig  im 
Flötzgebiet  von  Magdeburg.  An  den  Vorbergen 
und  im  östlichen  Theile  des  Harzes.  Als  Selten- 
heit in  der  Flora  von  Celle  (Hten.) 

:J3.  Asjfcnda  ajnanchica,  —  Zerstreut  an  den 
Standorten  der  CVf/.s7f.s-(ienossenschaft, 
an  manchen  Stellen  zahlreich  auf 
trocknem  Fels  (B!  P.  (i!). 

Scheint  ziemlich  weit  in  Sachsen  verbreitet  zu 
sehi  und  nur  die  eigentlichen  Montan-Gegcnden 
sowie  die  nördlichen  Striche  und  die  Lausitz 
völlig  zu  meiden.  Am  Bienitz.  —  Häutig  in 
Thüringen  und  im  (iebiet  von  Magdeburg. 

34.  Asj)erul(i  gulioidrs  (glanca).  —  BI  und 
R  Gl  scheint  an  den  ührigen  Stand- 
orten zwischen  Pirna  und  Meissen  zu 
fehlen. 

Am  Bienitz  nicht  selten.  —  In  Thüringen 
häutig  bis  nach  Halle.  Erreicht  seine  Xord- 
westgrenze  auf  den  Kalktlötzen  des  Magde- 
burger Gebietes  an  mehreren  Standorten. 
Ist  in  südlicheren  Breiten  noch  weiter  nach 
Westen  (über  das  Mainthal  nordwärts  hinaus) 
verbreitet  ^ Witzenhausen !  i 

[Bemerkung.  Aaperula  iinctoria,  von 
Petermann  als  sicher  vom  Bienitz.  wenngleich 
dort  nicht  häutig  angegeben,  dann  weiter  nord- 
westwärts  in  der  Gegend  von  Halle,  Bernburg, 
Barby  und  am  östlichen  Ilarzrandc  vorkommend, 
fehlt  im  Bereiche  der  Flora  von  Dresden.] 

ii.").  (Udium  borcak',  —  Nur  im  Bereiche  der 
Ci/tisus  -  Genossenschaft  an  einigen 
Stellen  des  mittleren  Elbthales ;  in  den 
Hainen  des  Z!;  auf  den  Wiesen  in  der 
Einsenkung  zwischen  den  Spaarbergen 
und  Oberau!  mit  Iris  sihirira:  soll  aucli 
bei  CotLa  wachsen.  Findet  sich  zu- 
gleich in  der  Lausitz. 


Verbreitung  Im  Sudosten  u.  Osten. 

Im  böhmischen  Hügellande  und 
Mittelgebirge  viel  verbreitet. 
Durch  ganz  Schlesien  zerstreut. 
In  Polen  auf  Kalkboden  häutig. 


In  Böhmen  eine  charakte- 
ristische Pflanze  des  wärmeren 
Hügellandes  und  sehr  verbreitet. 

In  Schlesien  nur  im  mittleren 
und  östlichen  Gebiet  südlich  vom 
51**  n.  B.,  auf  sonnigen  Kalk- 
hügeln an  zahlreichen  Kinzel- 
standorteu. 

Im  südlichen  Polen  fast  überall 
sehr  häufig,  im  nördlichen  fehlend. 

Durch  ganz  Böhmen  zerstreut, 
gern  auf  Kalk. 

In  Schlesien  sehr  selten  auf 
sonnigen  steinigen  Hügeln  (nur 
von  drei  Standorten  angegeben). 

Kehlt  in  Polen. 


[In  Böhmen  etwas  seltener  als 
Ä.  fßalioides.] 

[In  Schlesien  im  mittleren  un<l 
südlichen  Gebiet  selten.] 

[In  Polen  selten.] 


In  Böhmen  zerstreut  auf  un- 
fruchtbaren Wiesen,  Ilaiden  und 
Waldwiesen,  von  der  llügelregion 
bis  auf  das  obere  Riesengebirgi». 

In  Schlesien  häufig  bis  gemein, 
nur  in  der  Oberlausitz  selten. 

In  PoI(>n  häufig. 


98 


Häufig  auf  den  Wiesen  am  Bienitz ;  ebenso 
bei  Halle  und  südwärts  im  Saalthal,  im  Nord- 
westen hei  Dessau,  Barby,  Suhl,  Magdeburg, 
überall  als  „häufig'*  bezeichnet.  Selten  bei 
Hannover;  fehlt  in  Celle  und  im  Nordwesten. 

36.  Scablosa  odiroleuca,   —   Truppweise   auf 

einer  grösseren  Menge  von  Standorten 
und  dort  charakteristisch,  so  dass 
diese  von  Sccihiosa  colunibaria  sehr 
wohl  im  Range  einer  eigenen  Art  ab- 
weichende Pflanze  zu  einer  Leitpflanze 
für  die  Genossenschaft  ward. 

In  Sachsen  scheint  die  Art  auch  im 
Westtheil  an  manchen  Standorten  häufig  und 
charakteristisch  zu  sein.  Häufig  auf  den  Hügeln 
zwischen  Halle  und  Erfurt!  Jena  u.  s.  w.  Ist 
nach  Schneider  noch  im  südlichen  Theil  der 
Flora  von  Magdeburg,  namentlich  in  Kalk- 
gegenden und  auf  den  Hügeln,  häufig,  fehlt 
aber  im  nordwestlichen  Theile  dieses  Gebietes 
und  wird  dort  durch  Scabiosa  columharia  vor- 
treten, welche  ich  im  mittleren  Eibgebiet  nie- 
mals mit  Scahiosa  ochroleuca  vergesellschaftet 
gesehen  habe. 

37.  IntiJa  salicina  —  Nicht  sehr  häufig,  be- 

sonders Z!  und  bei  Pirna;  bei  Lang- 
hennersdorf  und  Berggiesshübel  (hier 
also  in  dem*  östlichen,  Böhmen  ge- 
näherten Theile  des  Areals  der 
(  y/,sti5-Geno8senschaft). 

In  der  Lausitz.  Bei  Leipzig  am  Bienitz 
und  an  anderen  Stellen.  Bei  Halle,  Witten- 
berg, Bai'by,  Dessau,  Cötheu;  dann  nacli  Nord- 
westen hin  seltener  werdend  und  bei  Braun - 
schweig  und  Hannover  nur  noch  auf  den  Kalk- 
hügeln. Dagegen  häufiger  in  Süd -Hannover; 
noch  häufig  und  gesellig  in  der  Flora  von 
Magdeburg. 

38.  Antheinis  thwtoria.   —    An   den   steilen 

Abhängen  der  Bosel  sehr  zahh^eich; 

auch    sonst    zahlreich    an    manchen 

Stellen,  aber  wohl  nur  im  Bereich  der 

Cytisus-G  enossenschaft . 
Bei  Leipzig  an»  Bienitz.    Sehr  häufige  Art 
in    ganz   Thüringen    und   Süd -Hannover   auf 
Kalkhügeln.   In  der  Flora  von  Magdeburg  zer- 


Verbreitung im  Südosten  u.  Osten. 


In  Böhmen  auf  trockenen 
Hügeln,  Rainen,  an  Wegen  im 
Hügellandc,  sehr  häufig  in  den 
wärrosten  Gegenden. 

In  Schlesien  „eine  meist  ver- 
breitete und  häufige  Charakter- 
pflanze" der  Ebene  und  Hügel- 
region, im  nordwestlichen  Theile 
selten  oder  fehlend. 

In  Polen  häufig  und  stellen- 
weise gemein. 


In  Böhmen  an  vielen  Stand- 
orten, besonders  auf  Kalk. 

In  Schlesien  in  der  Ebene  und 
Hügelregion  zerstreut  und  stellen- 
weise häufig. 

In  Polen  überall  meist  nicht 
selten. 


Verbreitet  in  Böhmen  von  den 
Vorbergen  bis  zur  Hügelregion, 
in  der  Ebene  felüend. 

In  Schlesien  an  sehr  vielen 
einzelnen  Stellen  zerstreut,  aber 
nicht  häufig  verbreitet. 

In  Polen  meist  überall  häufig. 


99 


streut.  Im  Ostbarz.  Selten  bei  Braunscliweig 
und  Hannover,  und  von  da  nordwestwarts 
scbwindend. 

:M).  Achillea  MiUvfoVimn,  *sctacr(L  —  Selten: 
Von  Ileichenbaeh  nach  einem  Exemplar 
lies  Herbar.  Fl.  Saxonicac   auf  einem 
Ilain    bei   Hosterwitz    in   sehr  ausge- 
sprochener   Form    beobachtet.      Auf 
Triften   bei  Oberau!     Auch  am  süd- 
lichen  Höhenzuge   bei  Niederwartha. 
Am  Bienitz   bäufig:   ebenso  in  Tbüringcn. 
Nordwestwarts  bis  Barby  und  Bernburg,   im 
Magdeburger  Gebiet  besonders  auf  Kalkbügehi. 

•40.  Chrysanthemum  corytribostwi.  —  Nur  an 
wenigen  Stellen  häutig  und  immer  in 
der   Cy//Ä/f.s-üenossenschaft :    an    den 
Abhängen  des  Müglitzthales  beiDohna; 
und  zalilreich  B! 
In  Thüringen  viel  häufiger  und  durcli  das 
ganze    Gebiet    verbreitet.      Im    Magdeburger 
(iebiet  nicht  selten  im  FUitzbereich,  von  da 
selten  auf  das  Diluvium  und  Alluvium  Über- 
gehend.     Im   Ostharz    und  auf  allen   Rand- 
gebirgen  des   Harzes   auch   im   Norden.     Im 
südlichen   Hannover    auf  Kalkhügeln   häufig; 
bei  Braunschweig  an  der  Asse!    Fehlt  schon 
bei  der  Stadt  Hannover  und  von  da  nordwärts 
in  der  Haide. 

41.  Cirs^ium  canum,  —  Selten:  Auf  Sumpf- 

wiesen an  den  nördlichen   Abhängen 
der  Spaarberge,  Nasse  Aue  u.  s.  w,, 
dort  gesellig  und   von  ganz  gleichem 
physiognomischen    Eindruck    als   auf 
den  böhmischen  liergwiesen  im  Eger- 
thale  am  Erzgebirgsabhange.    Gehört 
zur  Genossenschaft  der  Iris  sihiricft, 
(Wird  auch  von  Nieder-Sedlitz  ange- 
geben.) 
Fehlt  am  Bienitz.   ~  War  fälschlich  von 
Erfurt  angegeben,    als    einziger   Standort  in 
Thüringen.     Fehlt   im  Gebiet  der  Flora  von 
Magdeburg.     Es  ist  also  eine  Art,  welche  an 
den  genannten  Orten  ihre  nordwestliche  Grenze 
erreicht  zu  haben  scheint. 

42.  Sfrrahda  f'mrtoria,  —   Z!   Zahlreich  im 

lichten  Walde  und  zwischen  Gebüsch: 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 


Die  T'nterart  in  Böhmen  auf 
trockenen  Hngelu  häufig,  ohne 
Febergänge  zu  der  gewöhn- 
lichen Form  Achillea  MiUefnlium 
genuina. 

In  Schlesien  sehr  selten  auf 
sonnigen  Hügeln  i4  Standorte. 


Im  böhmischen  llttgellande  und 
Vorgebirge  verbreitet,  gern  auf 
Kalk. 

In  Schlesien  ziemlich  selten, 
an  einer  geringen  Zahl  von  Stand- 
orten. 

Im  südlichen  Polen  ziemlich 
häutig  in  trockenen  AVäldern ,  im 
nördlichen  —  wie  es  scheint  — 
fehlend. 

Ist  sowohl  im  südlichen  Theile 
von  West -Europa  (Portugal  — 
Frankreich^  als  besonders  von 
Ost  -  Europa  (Montenegro  —  Süd- 
Russland)  und  im  östlichen  Theile 
Mittel- Europas  verbreitet.  — 

In  Böhmen  auf  feuchten  Wiesen 
verbreitet  in  der  ganzen  nördüchen 
Landeshälfte  in  den  Niederungen 
und  im  gebirgigeren  Theile  bis  an 
den  Fuss  der  Sudeten,  meist  sehr 
gesellig. 

In  Schlesien  in  der  Ebene  und 
llügelregion,  als  Charaktei-pflanze 
in  der  mittelschlesischen  Ebene 
verbreitet. 

In  Polen  selten,  auf  feuchten 
Wiesen.    In  Posen,  Galizien. 

In  Mäliren,()esterreich,  Steyer- 
mark,  Kärnthen,  Croatien,  l  Jigarn, 
Banat,  Siebenbürgen,  Serbien. 

Im  mittleren  und  südlichen 
Hussland. 

In  Böhmen  allgemein  verbreitet 
auf  Waldwiesen  der  Hügelregion 
inid  des  Mittelgebirges. 


100 


auf  Waldwiesen  durch  ganz  Sachsen 
zerstreut  und  überhaupt  von  weiterer 
Verbreitung. 

Am  Bienitz  sehr  häufig.  In  Thüringen  auf 
Waldwiesen  häufig,  zuweilen  in  höhere  Lagen 
eintretend. 

Im  südlichen  und  mittleren  Hannover  noch 
häufig  wird  sie  beim  Aufliören  der  letzten 
kalkigen  Höhenzüge  selten  und  hat  ihre  Nord- 
westgrenze. 

43.  Centaurea  paniculata  (=  maculosa),  — 

B!  Zahlreich  auf  der  Höhe  und  am 
Hange  gegen  die  Elbe  hin.  Auch  auf 
den  Mauern  nahe  dem  Eibufer. 

Bei  Leipzig;  bei  Halle,  Naumburg  u.  s.  w. 
häutig,  auch  im  südlicheren  Saalthal.  Bei 
Fi*aukenhausen;  Kyifhäuser.  Häufig  noch  im 
Magdeburger  Flötzgebiet  und  dort  auf  das 
Diluvium  übergehend.  Schon  selten  in  der 
Gegend  des  Eichsfeldes.  Erreicht  die  Nord- 
grenze ihrer  Verbreitung  mit  dem  Harze. 

44.  Lacttim  pcrennis.  —  Selten :  B !  Am  steilen 

Abhänge  zwischen  Geröll  neben  An- 

therkum.     Scheint  sicher  nur  in  der 

Gegend  von  Meissen  vorzukommen.  ' 

Immer  als  seltenere  Pflanze  zerstreut  durch 

Thüringen,  wie  sie  auch  am  Bienitz  bei  Leipzig 

fehlt.     Bei   Bernburg.     Auf  der   Rothenburg 

(KyftTiäuser). 

Ostharz !  im  Bodethal;  dort  ist  auf  dieser  Ver- 
breitungslinie ihre  Grenze  gegen  Nordwesten. 
Ausserdem  im  südlichen  Deutschland  vom 
fränkischen  Jura  bis  Elsass,  ein  südliches  Wohn- 
gebiet; häutig  im  Rhein-  und  Moselgebiet. 

45.  Hmacium  pracaltnm.  —  Im  Müglitzthal 

auf  den  sonnigen  Höhen  häufig ;  P.  G ! 

und  an  anderen  Orten. 
Zerstreut  im  Saalthal,  an  manchen  Stellen 
Mutig.  Auch  am  Bienitz  bei  Leipzig.  Eben- 
falls noch  an  mehreren  Standorten  im  Magde- 
burger Gebiet;  von  da  in  den  östlichen  Harz 
und  dessen  Randgebirge  verbreitet.  In  der 
Flora  der  Stadt  Hannover  schon  ganz  fehlend. 

4().  Melittk  MeUssophyllum.  —  Z!  Nicht  sehr 
zahlreich  an  einem  grasigen  Hange, 
dort  um  Mitte  Juni  reichlicli  l)lühend. 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 

In  Schlesien  verbreitet  und  in 
manchen  Gegenden  häutig. 
In  Polen  überall  häutig. 


In  Böhmen  im  wärmeren  Hügel- 
lande verbreitet  auf  dürren  Hügeln. 
Mauern  u.  s.  w. 

In  der  Lausitz  verbreitet. 

In  Schlesien  häutig,  gern  auf 
Sandboden. 

In  Polen  überall  häutig. 


In  Böhmen  auf  felsigen  Ab- 
hängen (auf  Kalk,  Basalt,  Thon- 
schiefer)  der  wännsten  Gegenden, 
eine  wahre  Zierde  derselben. 

In  Schlesien  fehlend.  In 
Polen  fehlend. 

Im  südöstlichen  Theile  Eu- 
ropas: üesterreich,  Ungarn,  Banat, 
Croatien,  Siebenbürgen,  Serbien. 
Bosnien,  Montenegro. 

Zugleich  auch  im  wärmeren 
West  -  Europa :  Spanien ,  1 'rank- 
reich, Belgien;  Schweiz. 

Im  Gebirge  und  niederen  Hügel- 
lande  von  ganz  Böhmen  zerstreut. 

In  Schlesien  verbreitet  und 
meist  nicht  selten. 

In  Polen  häufig. 


In  Böhmen  in  lichten  Eichen - 
Waldungen  der  Niederung  und 
des  Mittelgebirges  an  sehr  vielen 
Stellen  zerstreut. 


101 


Süll  aucli  im  Müglitzthale  bei  Dohiia, 
südlich  der  Stadt  auf  den  die  Wasser- 
scheide  gegen   Maxen   hin  bildenden 
Höhen  an  einem  lichten  Waldplatze 
wachsen    und    ist   früher    (einem   im 
Herbarium  aufbewahrten,  vom  Könige 
Friedrich    August    H.     herrührenden 
Protokoll  zufolge)   dort   wirklich  ge- 
funden; an  eine  Verwechselung  dieser 
Art  ist  niemals  zu  denken. 
Fehlt  am  Bienitz,  wird  aber  aus  der  Flora 
von   Leipzig  angegeben.     Bei   Halle   und   an 
zwei   anderen  Stellen  Thüringens.     Fehlt  im 
Gebiet  der  Flora  von  Magdeburg.   Fehlt  über- 
haupt von  da  an  nordwestwärts  bis  zu  ihrer 
Nordwestgrenzc  auf  der  Asse  bei  Braunschweig! 
17.  Betonicu  officinalis,  —  Bei  Dresden  nicht 
zu  häufig,  sucht  sie  die  lichten  Wälder 
im  Bereich  der  Cy/«>MS-üenossenschaft 
als  deren  accessorisches  Mitglied  auf. 
4S.  Stachys  reda.  —  P.  G!  B!  In  den  Wein- 
bergen der  Höhenzüge  hier  und  da. 
Fehlt  am  Bienitz,   ist  aber  in  Thüringen 
häutig.     Auf  Kalk  in  der  Flora  von  Magde- 
burg, Braunschweig.  Hannover  nicht  häufig. 
lü.    Verbascinn  Lychnit'ts,  —  Variirt  auch  bei 
uns    mit   weisser   und  gelber  Blüthe 
ohne  ausgesprochenen  Unterschied  nach 
Standorten.      Ist    zahlreich   auf   den 
Höhen  verbreitet  und  in  Sachsen  zer- 
streut.     Schwächste    Leitpflanze   der 
Genossenschaft. 
Am  Bienitz.     Durch  ganz  Thüringen,  im 
Gebiet  der  Flora  von  Halle,  Magdeburg,  in 
den    südlichen   Vorbergen    und    im   östlichen 
Harze  häufig;  bei  Quedlinburg  und  Aschers- 
leben.     Weniger  häufig  im  südlichen  Hannover 
und  in  Braunschweig  nördlich  vom  Harze.   Im 
weiteren  Gebiete  um  die  Stadt  Hannover  nur 
noch  auf  einem  Kalkhügel  bei  Hameln.   Scheint 
von  da  an  in  nordwestlicher  Richtung  zu  fehlen. 
Findet  sich  weiter  ostwärts  dagegen  weiter 
nach  Norden  verbreitet,   z.  B.  in  Lauenburg 
und  im  nördlichen  Holstein  als  Seltenheit. 
50.  Melampyrum  cristatnm,  -  B !  Im  feuch- 
teren Gebüch  am  Nordabhange  zahl- 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 

In  Schlesien  in  Gebüschen  und 
Laubwäldern  au  sehr  vielen  Stellen 
'  zerstreut«  in  der  nordwestlichen 
Ebene  jedoch  sehr  selten. 

Im  südlichen  Polen  au  mehreren 
Standorten,  im  nördlichen  ganz 
fehlend. 

Von  Griechenland  an  durch 
den  südöstlichen  Theil  von  Mittel- 
Europa  (Bosnien,  Siebenbürgen, 
Oesterreich  u.  s.  w.)  verbreitet; 
zugleich  aber  mit  einem  anderen 
Gebiet  im  westlichen  Europa  vom 
nördlichen  Portugal  bis  Süd-Eng- 
land. 


Im  böhmischen  Hügellande  ver- 
breitet. 

In  Schlesien  vielfach  häufig. 
In  Polen  häufig. 

In  Böhmen  häutig  im  llügel- 
landc  und  Mittelgebirge. 

In  Schlesien  au  einer  grösseren 
Zahl  einzelner  Standorte. 

In  Polen  ziemUch  häufig. 

In  Böhmen  auf  trockenen 
Hügeln,  lichten  Abhängen,  Weg- 
rändern, Flussufem  verbreitet,  oft 
sehr  zahlreich. 

In  Schlesien  auf  trockenen 
Hügeln,  an  Rainen  u.  s.  w.  in  der 
Ebene  zerstreut  und  an  manchen 
Stellen  häufig,  im  Vorgebirge 
fehlend. 

In  Polen  auf  sonnigen  Hügeln, 
trockenen  Waldplätzen  und  Sand- 
feldern überall  häufig,  nur  im  nörd- 
lichen Gebiete  seltener. 

Südostwärts  durch  alle  zum 
mitteleuropäischen  Florengebiet 
gehörigen  Länder  bis  nach  Monte- 
negro und  Südrussland  verbreitet ; 
zugleich  aber  auch  im  südwest- 
lichen Europa. 

In  Böhmen  in  lichten  Wäldern 
und  auf  Waldwiesen  stellenweise 
häufig  und  immer  gesellig. 


102 


)l. 


52 


reich.    (Angegeben  auch  von  Nieder- 
wartha  u.  a.  0.) 
Am   Bienitz    und    au    anderen   Orten    bei 
Leipzig. 

Halle,   Jena,   Naumburg,   Frankenhausen, 
öondersbausen;  auch  bis  Gotha  hin. 

Im  östlichen  Harz  in  der  niederen  Berg- 
region und  auf  den  südlichen  Vorbergen. 

Im  Elballuvium  der  Flora  von  Magdeburg 
an  mehreren  Orten.     Als  grosse  Seltenheit  in 
der  Flora  um  die  Stadt  Hannover. 
Veronica  latifolia.  —  Ein  nicht  sehr  häu- 
figer Begleiter  der  C^fews- Genossen- 
schaft auf  Kalkboden  (Müglitzthal,  Z! 
u.  a.  a.  0.);  kein  wesentliches  Mitglied 
der  Genossenschaft,  welches  hier  nur 
anhangsweise  genannt  wird. 
Zahlreich  durch  Mitteldeutschland  verbreitet. 
Orohanche  arenaria  (purpurca  Jacq.^  — 
B!  Selten,  am  steilen  Abhänge  gegen 
den  Fluss. 
Fehlt  am  Bienitz  bei  Leipzig. 
In  Thüringen  sehr  spärlich  zerstreut:   bei 
Naumburg,    am   Kyffhäuser    und   an   einigen 
anderen  Stellen  angegeben.    Bei  Halle. 

Mit   dem  Nordrande   des  Harzes   (Regen- 
stein) die  Grenze  gegen  NW.  erreichend. 
53.  Symphytum  tuherosunh  —  In  schattigen 
Wäldern  nicht    häufig,    B!    und  zer- 
streut bis  zum  Westrande  des  Elb- 
sandsteingebietes  (an  der  Viehleite  bei 
Pirna);  P.  G. 
Fehlt   am   Bienitz.      Fehlt   in   Thüringen. 
Fehlt  in  der  Flora  von  Magdeburg.     Ange- 
geben wird  noch  (Garcke,  Fl.  v.  Deutschi.)  bei 
Lenzen  an  der  Elbe. 
Cytianchum   Vincetoxicum.  —  Diese  weit 
verbreitete    Art    wird    hier    nur    als 
accessorisches  Mitglied  der  Genossen- 
schaft genannt,  da  sie  sich  immer  nur 
an  gleichen  Standorten  findet. 


54 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 

In  Schlesien  an  vielen  Stand- 
orten zerstreut  und  dort  gern  ge- 
sellig. 

In  Polen  an  einzelnen  Stand- 
orten. 


Besonders  in  Nordböhnicn  ver- 
breitet. 

In  Schlesien  an  sehr  vielen 
Standorten. 

In  Polen  auf  sonnigen  Hügeln 
nicht  sehr  häutig. 


In  Böhmen  auf  sonnigen  Ab- 
hängen an  fünf  Standorten. 

In  Schlesien  selten,  vielleicht 
an  fünf  Standorten. 

In  Polen  fehlend. 

Im  südöstlichen  Europa  und 
im  südlichen  Theile  von  West- 
Europa  zerstreut. 

In  Böhmen  in  schattigen  Berg- 
wäldern zerstreut,  aber  verbreitet 
und  gesellig. 

In  Schlesien  zerstreut  und 
stellenweise  häufig. 

Nur  im  südwestlichen  Polen, 
auch  da  nicht  häufig. 


In  Böhmen  häufig,  besonders 
auf  den  Bergen  im  nördlichen 
Thcil. 

Im  südlichen  und  mittleren 
Schlesien  häufiger,  im  nördlichen 
seltener. 

Durch  ganz  Polen  auf  sonnigen 
Hügeln,  gern  auf  Kalk. 


II.  Monokotyledonen. 


55.  Iris  sibirita.  —   Wichtigste  LeitpHanze 
der    zweiten    südöstlichen    Pflauzen- 


In  Böhmen  auf  feuchten, 
buschigen  Wiesen  niederer  und 
gebirgiger  Gegenden  zerstreut  an 


103 


geiiossensdiaft,  welciie  die  sich  an  die 
Hügel  anlehnenden  Sumpfwiesen  be- 
wohnt Nicht  sehr  verbreitet,  am 
häufigsten  zwischen  den  Spaarbergen 
und  Oberau,  auch  auf  kleineren  Wiesen 
an  der  Buschmühle  nahe  dem  Ziegen- 
busch (nach  Dr.  A.  Fischer). 
Auf  den  Wiesen  am  Bienitz,  nicht  selten 
bei  Leipzig. 

In  Tbüringen  zerstreut  an  vielen  Stellen, 
ebenso  bei  Halle. 

In  der  Flora  von  Magdeburg  an  einer  Reihe 
von  Fundpl&tzen. 

In  Anhalt.  Im  Harz  auf  den  feuchten  Berg- 
wiesen und  auf  den  Kandbergen  zerstreut. 

Im  südlichen  Hannover  zerstreut  und  an 
wenig  Fundstellen;  dann  nach  NW.  bin  spärlich 
und  bei  Osnabrück  die  Grenze  erreichend.  — 
Weiter  im  Osten  bis  Mecklenburg  verbreitet. 

56.  Polygonatmn  officinule.  —  Abhänge:  BI 

—  Soll  im  Gebiete  zei-streut  vor- 
kommen, scheint  aber  doch  immerhin 
nicht  häufig  zu  sein.  (Viel  häufiger 
ist  bei  uns  Polygonatitm  multiflorum, 
welche  einen  Thcil  ihrer  Standorte 
mit  der  Q/^istiÄ-Genossenschaft  theilt, 
einen  anderen  grösseren  Theil  aber  in 
die  Abhänge  und  Waldthäler  des  Erz- 
gebirges verlegt.) 
Im  Bienitz.  In  Thüringen  und  Süd- Han- 
nover weit  verbreitet. 

In  dem  Magdeburger  Gebiet  zerstreut. 
Nach  Nordwesten  hin  im  mittleren  Hannover 
als  Seltenheit. 

57.  Änthvricum  rufnosum,  —  B!  Bei  Losch- 

witz; wird  auch  von  Pü*na  angegeben; 
ist  aber  immerhin  eine  seltene  Pflanze. 

Im  Bienitz,  dort  viel  seltener  als  folgende 
Art.    Bei  Halle,  Dessau,  Zcrbst. 

In  ganz  Thüringen;  häufig  bei  Naumburg 
und  Sondershausen. 

Im  Flötzgebiet  von  Magdeburg  und  auf  dem 
Diluvium  ziemlich  selten. 

Auf  den  südlichen  Vorbergen  des  Harzes 
häufig;  im  Ostharz  und  auf  den  nördiichen 
Verbergen. 


Verbreitung  Im  Südosten  u.  Osten. 

einer  grossen  Zahl  von  Küizel- 
Standorten. 

In  der  schlesischen  Ebene  auf 
feuchten  Wiesen  zerstreut  an  einer 
grossen  Zahl  von  Standorten,  in 
Oberschlesien  selten. 

In  Polen  auf  feuchten  AVieseu, 
besonders  im  südlichen  Theile. 

InOesterreich,  Ungarn,  Sieben- 
bürgen, Croatien,  Serbien,  Ru- 
mänien, im  südlichen  und  mitt- 
leren Russland,  im  westlichen 
Deutschhind  nur  in  südlichen 
Breiten  bis  zum  Elsass. 


Im  Böhmen  auf  steinigen  Leh- 
nen im  Hügel  und  Gebirgslande 
verbreitet. 

In  Schlesien  au  vielen  Stand- 
orten. 

In  ganz  Polen    meist  häufig. 


In  Böhmen  auf  sonnigen,  trock- 
nen Hügeln  im  wärmeren  Lande 
ziemlich  verbreitet. 

In  der  Lausitz  vereinzelt. 

In  Schlesien  zwar  nirgends 
häufig,  aber  an  sehr  viel  einzelnen 
Standorten. 

In  ganz  Polen  auf  trocknen 
Abhängen ,  an  Kieferwäldern, 
häufig. 

Im  ganzen  südlichen  Europa 
von  Portugal  bis  Süd-Russland 
verbreitet 


104 


Im  südlichen  Hannover  zerstreut;  im  mitt- 
leren die  Grenze  südlich  der  Stadt  Hannover 
erreichend. 

58.  Antherictwi  Liliago.  —  P.  G!  B!   Wird 

auch  aus  den  Weiubergen  von  Cosse- 

bauda  angegeben,  wo  ich  es  noch  nicht 

sah. 

Im  ganzen  Bienitz  und  auf  den  Wiesen  bei 

Dölzig  häufig.    Bei  Halle,  Naumburg,  Weissen- 

fels.    Zerstreut  durch  ganz  Thüringen;  seltener 

im  südlichen  Hannover. 

Im  Gebiet  von  Magdeburg  ziemlich  häufig 
auf  Diluvium  an  einer  grossen  Zahl  einzelner 
Fundstellen. 

Im  östlichen  Harz  (Bodethal)  luid  an  den 
Vorbergen  des  Südens,  Ostens  und  Nordens. 
Von  da  an  selten  werdend  mit  NW. -Grenze 
bei  Celle. 

59.  Ällium  fallax.   —    An   wenigen   Stellen 

auf  den   Q/^f^m-Hügeln ,    dann  aber 
meist  in  grösseren  Mengen  gesellig; 
am  zahlreichsten  B !  Ausserdem  P.  G. 
und  Helfenberger  Grund! 
Auf  Anhohen  im  Bienitz. 
In  Thüringen  häufiger  (Saalthal  u.  s.  w.). 
Als  grosse  Seltenheit  an  vier  Stellen  der 
P'lora  von  Magdeburg. 

An  den  südlichen  Vorbergen  des  Harzes 
(auf  Gyps);  im  östhchen  Harz  auf  Urgestein 
(Selkethal!  Bodethal!) 

00.  Allinm  Scorodoprasum.  —  GHed  der  Ge- 
nossenschaft von  Iris  sihirica  auf  Thal- 
wiesen im  Bereich  der  Hügel  (Cosse- 
bauda;  reichlich  im  Zschoner  Grunde! 
Beide  Standorte  also  an  dem  südlichen 
Pilbhöhenzuge). 
Bei  Leipzig  an  mehreren  Stellen. 
In  Thüringen  (Jena,  Erfurt,  Suhl).     Halle. 
Bei  Dessau   und  Barby.     Sehr  häufig  im 
Alluvium  und  auch  im  Kalkfiötz  um  Magde- 
burg.   Im  östlichen  Harz  und  an  dessen  Nord- 
rand. 

61.  Allinm  vineale,  — •  Ein  häufiges  acces- 
sorisches  Mitglied  der  Genossenschaft 
auf  den  trocknen  Hügeln,  von  weiter 
Verbreitung  in  Mittel-Pjuropa. 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 


Nach  Heynhold  in  der  nöi-d- 
lichcn  Lausitz  häufig,  in  der  Ober- 
lausitz fehlend. 

In  Böhmen  auf  felsigen, 
buschigen  Abhängen  selten  (es 
werden  18  Standorte  angeführt). 

In  Schlesien  sehr  selten  und 
vielleicht  ganz  fehlend. 

In  Polen  als  grosse  Seltenheit 
au  einzelnen  Standorten  im  öst- 
lichen Gebietstheil. 

In  den  Südost -europäischen 
Ländern  weit  verbreitet. 


In  Böhmen  auf  sonnigen  Felsen 
sehr  zerstreut,  an  nicht  sehr  vielen 
Standorten. 

In  Schlesien  selten  auf  son- 
nigen Felsen,  in  der  Tiefebene 
höchst  selten,  an  etwas  mehr 
Standorten  in  der  Hügelregion. 

In  Polen  auf  Felsen  selten 
und  nur  im  südwestlichen  Gebiet. 


In  Böhmen  auf  buschigen 
Hügeln,  Dämmen  und  Wiesen 
zerstreut,  hier  und  da  zahlreich. 

In  Schlesien  ziemlich  selten 
an  einzelnen  Standorten,  im  Nord- 
westen fehlend. 

In  Polen  an  wenig  Standorten, 
stellenweise  häufig. 


In  Böhmen  zerstreut. 
In  Schlesien  verbreitet. 
In  Polen  zerstreut. 


105 


62.  Curej:   hitmilis.    —     Die    am    frühesten 
blülieiide  Cliarakterpflanze  der  Cytisus- 
(lenossenschaft,  in  sonnigen  Frühjahi*en 
schon  am    10.  März  in  voller  Blüthe 
stehend,  Mitte  April  schon  regelmässig 
verblüht.      Wächst    nur   in   sonnigen 
Felsnischen,    an    einigen  Stellen    des 
nördlichen    Eibhöhenzuges    (Bl    Süd- 
hang   der   Dresdener    Haide!    P.   G! 
Radebeul). 
Im  Bieuitz  bei  Leipzig.     In  der  Flora  von 
Halle.     Bei   Magdeburg  an   manchen   Stellen 
gesellig. 

In  Thüringen  an  vielen  Stellen,  besonders 
auf  Kalk ;  westlich  bis  zum  nörd liehen  Wcrra- 
thal  (Badenstein!)  verbreitet.  —  An  den  öst- 
lichen Vorbergen  des  Harzes. 

Als  Seltenheit  am  Ibergeund  Ith  bei  Hannover. 

f>l5.  Carex  montana,  —  Stellenweise  ein 
accessorisches  Mitglied  der  Cytisus- 
Genossenschaft,  von  weiterer  \'er- 
breitung;  in  der  Flora  Dresdens  an 
nicht  vielen  Stellen. 

Sehr  häufig  am  Bicnitz. 

Häutig  in  Thüringen  und  Süd-Hannover. 

04.  Carcjc  Schreier i.  —  An  einzelnen  Stellen 

gesellig.    Scheint  überhaupt  durch  das 

mittlere  Gebiet  Sachsens  hin  zerstreut 

zu  sein. 

Häufig  im  Bienitz  und  bei  Klcin-Dölzig  bei 

Leipzig. 

Häufig  in  der  Flora  von  Halle  und  Naum- 
burg und  Magdeburg. 

Am  Ost -Harz  au  einigen  Stellen  häufig. 
Nach  Nordwesten  hin  erst  am  Rande  der 
Niederung  selten. 

65.  Andropogon  Ischaetnum,  —  Am  Abhänge 
des    Porsberges    gegen    Pillnitz     hin 
häufig!    P.  G.    Wird  noch  von  meh- 
reren Orten  und  auch  von  Meissen, 
wo  ich  es  noch  nicht  sah,  angegeben. 
Fehlt  im  Bienitz.    Häufig  bei  Halle. 
In  Thüringen  zerstreut  (Saalthal);  bei  Au- 
leben am  Kyffhäuser. 

Bei  Quedlinburg  und  Ascherslcben  an 
mehreren  Standorten  zahlreich,  dort  seine 
Nordwestgrenze  erreichend. 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 

In  Böhmen  auf  sonnigen,  fel- 
sigen Abhängen,  kalkliebend,  nur 
im  wärmeren  Lande,  an  nicht  sehr 
vielen  Standorten. 

In  Schlesien  auf  sonnigen 
Hügeln  sehr  selten  (zwei  Stand- 
orte in  der  Ebene  angegeben). 

In  Polen  sehr  selten  und  bis- 
her nur  im  südwestlichen  Gebiet 
aufgefunden. 

Nach  Südosten  über  Oester- 
reich- Ungarn  bis  Bosnien,  Mon- 
tenegro und  Süd-Ilussland  ver- 
breitet; zugleich  noch  in  Italien, 
Frankreich  und  von  da  zerstreut. 


in  Brdinieu  allgemein  verbreitet. 
In  Schlesien  an  vielen  Stand- 
orten. 

In  Polen  nicht  häufig. 


In  liöhnien  auf  trocknenWiesen 
verbreitet. 

In  Schlesien  gesellig  und  häufig. 
In  Polen,  wie  es  scheint,  selten. 


In  Böhmen  im  wärmeren  Hügel- 
landc  häufig. 

Fehlt  in  Schlesien. 

In  Polen  nur  im  südwestlichen 
Theil  und  dort  sehr  selten  an 
wenigen  Standorten. 


lOG 


Verbreitung  im  Südosten  u.  Osten. 

In  Böhmen  sehr  verbreitet  uml 
häufig. 

In  Schlesien  häufig. 

In  Polen  ziemlich  häufig. 

In  Böhmen  auf  Kalk-  und 
Sandstcinfelsen ,  nicht  so  häuHg 
als  die  Hauptform  der  Art. 

Die  Felsentbrm  in  SchIe.Men 
seltener,  eine  ähnliche  Form  häutig 
auf  Sand  in  der  Kbene. 


In  Böhmen  verbreitet,  scheint 
aber  nicht  so  sehr  häufig. 

In  Schlesien   an  vielen  Orten. 
In  Polen  zerstreut. 


00.  Koclcria  crisfnta.  —  Ein  iiccessorisches 
Mitglied  der  Cf/iistts  -  Genossenschaft 
von  weiterer  Verbreitung. 

07.  Frsfttra  ov'ma,  var.  glaum.  —  Besonders 

häutige  Spiehirt  des  gemeinen  Schwin- 
gels, welche  sich  an  den  reichsten 
Standorten  der  r^^/s//,s-Genossenschaft 
einfindet:  ?.  G!  B! 

Die  Verbreitung  der  Spielart  ist  schwer  zu 
ermitteln;  nach  Westen  reicht  sie  weit  im  Be- 
reich ausgebildeter  Felsenfiora  (z.  B.  am  Biel- 
stein  im  Werrathal!);  nach  Nordwesten  mag 
sie  eine  baldige  Grenze  erreichen. 

08.  Brachypodium  pinnatum,  —  Wie  Koderia 

ein  accessorisches  Mitglied  der  Ge- 
nossenschaft von  weiterer  Verbreitung, 
welches  aber  im  Bereich  der  Flora 
von  Dresden  wohl  kaum  an  anderen 
Standorten  aufzutreten  pHegt. 


Diese,  hinsichtlich  der  fremden  östliclien  Floren  den  Florenwerkeu  von 
Celakovsky  für  Bölimen,  Fiek  &  Uechtritz  für  Schlesien,  Rostafinski  fiir 
Polen,  grossen theils  wörtlich  entlehnten  Citate  sprechen  für  sich  selbst: 
dass  die  geschilderte  Cy^«5w.9- Genossenschaft  in  Sachsen  ein  Glied  der 
grossen  Südost -europäischen  Flora  darstellt,  welcJie  besonders  in  den 
österreichisch -ungarischen  Ländern  mit  Einschluss  von  Böhmen  reich  ent- 
wickelt ist.  Viele  der  Arten  sind  auch  in  Süd-Russland  häufig,  aber  der 
Herkunftsort  für  Sachsen  ist  wohl  der  nächstliegende,  Böhmen  selbst,  von 
wo  die  Pflanzen  eine  Verbreitungslinie  nach  Nordwesten  genommen  haben, 
während  dieselben  Arten  nach  Thüringen,  Hessen  und  anderen  west- 
deutschen Mittelländern  über  Bayern  und  das  Rheinthal  gelangt  sein 
mögen.     Von  Nord -Schlesien  her  scheint  Sachsen  wenig  besiedelt  zu  sein. 

Alle  aufgeführten  Pflanzen  sind  in  Böhmen  mindestens  ebenso  häufig 
als  in  Sachsen,  und  die  Mehrzahl  ist  sehr  viel  häufiger  dort.  Als  einzige 
Pflanze  würde  PaucodfüiHin  Orrmclinum  zu  nennen  sein,  die  in  Sachsen 
häufiger  zu  sein  scheint  als  in  Böhmen,  und  die  in  dieser  Hhisicht  mit 
der  Verbreitung  derselben  Art  in  Schlesien  übereinstimmt.  Dagegen  fehlen 
in  Schlesien  einige  Arten,  die  in  Sachsen  im  Bereich  der  Q/fews-Genossen- 
schaft  vorkommen,  nämlich  Lactuca  perennis  und  Andropogon  Iscliaemum; 
und  ausserdem  scheinen  folgende  Arten  in  Sachsen  viel  weiter  und  zahl- 
reicher verbreitet  zu  sein  als  in  Schlesien:  Ci/tisua  nigricans  selbst;  Cotif 
neaster  integerrimns  (wenn  wir  dessen  Verbreitung  in  Thüringen  mit  zu 
Sachsen   hinzurechnen);    Erpigixim    campesfre   in    hohem    Masse,    ebenso 


107 

Clanafis  nein;  Aaj^rnla  galioidvs  uud  ryuunchica  treten  in  Schlesien  viel 
seltener  als  in  Böhmen  auf;  dann  Anthcricum  Liliago,  ÄUiinn  Scorodopra- 
smn  und  Carex  humilis,  —  Innerhalb  des  behandelten  sächsischen  Ge- 
bietes haben  ihre  nordwestliche  Grenze  die  beiden  Arten  Syniphytum 
fittßerosum  und  Cirsium  canum,  die  übrigen  erstrecken  sich  mehr  oder 
weniger  weit  in  nordwestlicher  Verbreitungslinie  darüber  hinaus  bis  in  das 
Wesergebiet.  — 

Als  Wanderungslinie  von  Böhmen  her  betrachte  ich  nicht  das  enge 
Eibthal  im  Eibsandsteingebiete,  wo  die  Mehrzahl  der  interessanteren 
Pflanzen  aus  der  (ienossenschaft  fehlt,  sondern  die  Einsenkung  auf  der 
sächsisch-böhmischen  Grenze  zwischen  Erzgebirge  und  Eibsandsteingebirge, 
wo  die  „NoUendorfer  Höhen*'  seit  alter  Zeit  eine  natürliche  Verbindung 
von  Pirna  her  durch  das  Gottleuba-Thal  gegen  Eulau  und  Aussig  hin  in 
Nordböhmen  hergestellt  haben  und  wo  in  Sachsen  in  der  Gegend  von 
Hellendorf,  Berggiesshübel  und  Gottleuba  bis  Pirna  hin  eine  Menge  in- 
teressanter Standorte  die  Verbindungslinie  zu  beweisen  scheinen. 

Li  dieser  letzteren  Gegend  finden  wir  daher  ein  interessantes  Gemisch 
von  Arten  der  Q/Z/saÄ  -  Genossenschaft  mit  solchen  der  niederen  Montan- 
flora, indem  sich  z.  B.  Erysimum  hieraeifolhan,  Asperula  cynanchica,  Inula 
salicina  und  hirta,  Spnphytum  tuherosum,  Vcronica  longifolia,  Verhascum 
LychnitiSy  Orchis  sambucina  und  globosa  auf  den  sonnigen  Höhen  mit  den 
Characterarten  der  sächsischen  Bergregion :  Amica  luontana,  Setiecio  nemo- 
rmsis,  Centaurea  phrygia,  Cirsium  heferaphyllum ,  Frcnanthes  purjmren, 
Phyfctwia  orhivularv,  Digitalis  grandiftora,  Coeloglossum  viride  und  Luzulu 
maxima  auf  den  Berg-  und  Thalwiesen  oder  auch  in  den  feuchten  Gründen 
mischen;  dieses  Gemisch  macht  die  Flora  des  westlichen  Randes  vom  Elb- 
sandsteingebiete  besonders  reichhaltig. 

Im  Sinne  dieser  Anschauung  hätte  man  also  die  Ai-ten  der  Cytisus- 
Genossenschaft  in  Sachsen  als  eine  böhmische  Ansiedelung  zu  betrachten, 
welche  noch  im  reichen  Masse  ihr  Gedeihen  gefunden  hat;  selbstverständlich 
ist  damit  nur  der  nächste  und  wichtigste  Ausgangspunkt  genannt  und  die 
Frage  völlig  unberührt  gelassen,  wie  sich  das  Indigenat  aller  dieser  Arten 
in  Böhmen  selbst  stellt. 


1ü9 


Ueber  die  Verwandtschaftsbeziehungen  zwischen 
Dinosauriern  und  Vögeln. 

Von  Prof.  Dr.  B.  Vetter. 


Hiixley  gebührt  das  Verdienst,  schon  im  Jahre  1868  die  vielfachen 
und  tiefgreifenden  Uebereinstimmungen  in  der  Organisation  zwischen  Repti- 
lien und  Vögeln  nachgewiesen  und  diese  beiden  scheinbar  so  schroflf  einander 
gegenüberstehenden  Klassen  unter  dem  Namen  Sauropsiden  als  nächste 
Verwandte  zusammengefasst  zu  haben.  Er  glaubte  zugleich  in  der  Ordnung 
der  Dinosaurier  die  Bindeglieder  erkennen  zu  können,  welche  durch 
allmählige  Umformung  namentlich  des  Beckens  und  der  hinteren  Extremität 
von  Eidechsen-  oder  Krokodil-ähnlichen  ürgestalten  hinüberleitetcn  zu  der 
jurassischen  Archaeopteryx  und  von  da  durch  die  Ratiten  (die  Strauss- 
artigen  Laufvögel)  bis  hinauf  zu  deji  Carinaten  (den  mit  Kiel  auf  dem 
Brustbein  versehenen  Flugvögeln).  Das  erstere  Ergebniss  fand  nahezu 
ungetheilten  Beifall,  was  aber  das  letztere  betrifft,  so  sind  darüber  von 
den  namhaftesten  Foi'schern  sehr  verschiedene  Ansichten  ausgesprochen 
worden,  welche  besonders  seit  der  Auffindung  des  zweiten,  jetzt  in  Berlin 
befindlichen  -4iYÄa<?r>p^*/y:i- Exemplars  immer  lebhafter  hervortraten.  Die 
kürzlich  erscliienene  Beschreibung  des  letzteren  von  Prof.  Dam  es,  welche 
zugleich  die  erwähnte  hochwichtige  allgemeine  Frage  eingehend  bespricht, 
scheint  mir  einen  geeigneten  Anlass  zu  bieten,  um  den  gegenwärtigen  Stand 
dieser  Angelegenheit  im  Zusammenhang  darzustellen.  Natürlich  kann  es 
sich  hier  nur  um  eine  knappe  Hervorhebung  der  wichtigsten  Punkte 
handeln,  wesshalb  ich  auch  in  der  nachfolgenden  Uebersicht  alle  nicht 
auf  specielle  Untersuchungen  gestützten  Urtheile  sowie  die  völlig  ab- 
lehnenden Aussprüche  Einzelner  ganz  übergehe. 

Der  Hu xley 'sehen  Ansicht  schliesst  sich  üegenbaur  (ürundzüge 
d.  Vgl.  Anat.  2.  Aufl.  1870)  vollkommen  an,  nachdem  er  schon  1864 
gezeigt  hatte,  dass  am  Vogelfuss  durch  Venvachsung  der  oberen  Tai-sal- 
reihe  mit  der  Tibia,  der  unteren  mit  dem  Mittelfuss  ein  „  Intertai-sal- 
gelenk"  entsteht  und  dass  die  Vorbereitung  darauf  bereits  innerhalb  der 
Reptilklasse  und  zwar  am  ausgeprägtesten  bei  den  Dinosauriern  zu  finden 
ist ;  auch  ihm  gelten  die  Ratiten  als  auf  niedrigerer  Stufe  stellen  gebliebene 


HO 

Vorläufer  der  Carinaton  (so  besonders  im  Federkleid,  in  der  Bildung  des 
Schultergüi'tels  und  Brustbeins,  im  Mangel  der  Flugfähigkeit)  und  Compso- 
(fnafhiis  und  Archaeopfnyx  als  unzweifelhafte  Zwischenformen  zwischen 
Keptil  und  echtem  Vogel. 

R.  Owen,  der  liochverdiente  vergleichende  Anatom  und  wohl  der 
beste  Kenner  der  europäischen  Dinosaurier,  dem  wir  ja  auch  die  Schilderung 
des  ersten  Archaeoptcryx -^x^m^ldiV^  (J^hilos.  Trans.  1863)  verdanken,  der 
aber  von  jeher  der  modernen  Entwickelungslehre  feindselig  gegenüber 
gestanden,  spricht  sich  1875  in  seiner  Monographie  von  Omosaiirus*)  ein- 
gehend über  die  vorliegende  Frage  aus.  Er  nimmt  zwar  auch  eine 
allmählige  Umbildung  der  Formen  in  Anpassung  an  neue  Bedürfnisse  an, 
aber  nicht  durch  natürliclie  Zuchtwahl,  sondern  durch  ein  ihm  eigenthüm- 
liches  Prinzip  der  „Nomogenie",  durch  „natürliclie  Ursachen"  im  Gegensatz 
zu  der  alten  Schöpfungstheorie;  und  demgemäss  leitet  er  auch  die  Vögel, 
wenngleich  mit  einiger  Reserve,  von  Reptilien  ab  und  zwar  so,  dass  ihr 
Stamm  von  laugschwänzigen  Flugsauriern  ( Bliamphorhfnclnis)  durch 
Archacoptei-yx  zu  den  Carhiaten  leite,  während  die  Ratiten  durch  den 
Verlust  der  Flugfähigkeit  umgebildete  Nachkömmlinge  der  letzteren  seien; 
die  Dinosaurier  hält  er  für  einen  Seitenzweig  der  Reptilien,  deren  weiter 
difterenzirte  Formen  (Ig^iuinodon ,  Compsognathus ,  Stegosaurns  u.  s.  w.) 
mit  gewaltigen  Hinterbeinen  und  Schwanz  und  verkleinerten  Vorderbeinen, 
nicht  etwa,  wie  Huxley  will,  Känguruh-artig  mit  aufgelichtetem  Vorder- 
körper auf  dem  Lande  sich  bewegt,  sondern  fast  ausschliesslich  im  Wasser 
si(;h  aufgehalten  hätten  und  darin  nach  Art  eines  Krokodils  mit  an  die 
Brust  gedrückten  Vordergliedern  vermöge  seitlicher  Bewegungen  des  kom- 
priniirten  Schwanzes,  unterstützt  von  der  Ruderthätigkeit  der  Hinterfüsse, 
herumgeschwommen  w^ären. 

Welcher  Ansicht  sich  Prof.  Marsh,  dessen  grosse  Verdienste  um 
unsere  Kenntniss  der  Dinosaurier  allbekannt  sind,  in  dieser  Frage  zuneigt, 
ist  aus  seinen  eigenen  Aeusserungen  nicht  mit  voller  Bestimmtheit  zu  ent- 
nehmen. Die  Untersuchung  der  zahntragenden  Vögel  aus  der  Kreide 
Nordamerikas  führte  ihn  1880  zu  dem  Ergebniss**),  dass  der  in  paläozo- 
ischen Schichten  zu  suchende  Stammvater  der  Vögel  eine  verallgemeinerte 
Form  mit  rudimentärem  Federkleid  gewesen  sein  müsse,  welche  durch 
letzteres  zwar  von  den  Vorfahren  sowohl  der  Dinosaurier  als  der  Pterodak- 
tylen  sich  entfernt,  im  Uebrigen  aber  wohl  namentlich  den  ersteren  nahe- 
gestanden habe  (abgesehen  von  dem  freien  Quadratbein,  das  sich  bei 
Dinosauriern  nur  theilweise  erhält).  Die  direkten,  d.  h.  verhältnissmässig 
w^eniger  abgeänderten  Nachkommen  jenes  Stammvaters  seien  nun  die 
Ratiten,  als  deren  ältester  Vertreter  HespcrornlH,  ein  „Wasserstrauss", 
erscheine,  der  also  wie  die  heutigen  Landstrausse  auch  in  seiner  Vorfiihren- 

*)  Palaoonto^raph.  Soc.  Vol.  XXIX:  Mcsozoic  Rept.  H.  S.  ßf)— 93. 
**i  Marsh,  Odontornithos,  S.  188;  Kosmos,  Hd.  IX.  S.  \m. 


111 

geschichte  niemals  bis  zur  Flugfähigkeit  gelangt  sei  und  die  Federn,  welche 
ihn  zum  Warmblüter  machten,  nur  zum  Schutz  gegen  Abkühlung  besessen 
habe.  Frühzeitig,  wahrscheinlich  in  der  Triaszeit,  habe  sich  hiervon  der 
Stamm  der  Flugvögel  abgezweigt,  in  dessen  direkter  Foitsetzung  vielleicht 
Arc}uieoi»tetya'  liege,  während  Ichtltyanns ,  Ajmiontis  u.  s.  w.  durch  ihre 
biconcaven  Wirbel  sich,  trotzdem  sie  schon  vortreffliche  Flieger  wai*en, 
als  Vertreter  alter  Nebenlinien  kennzeichneten. 

In  dem  Vortrage  dagegen ,  welchen  Marsh  1881,  nachdem  er 
Archaeopteryx  im  Original  studirt  hatte ,  vor  der  britischen  Naturforsclier- 
versammlung  zu  York  hielt*),  bemerkt  er  am  Schluss,  die  grösste  An- 
näherung an  die  (jurassischen)  Vögel  linde  sich  bei  einigen  sehr  kleinen 
Dinosauriern  aus  dem  amerikanischen  Jura,  deren  Knochen  zum  Tlieil  kaum 
von  denen  der  ersteren  zu  untei'scheiden  seien  (es  sind  jedenfalls  die  merk- 
wuirdigen  Coclurin  gemeint);  einige  derselben  hätten  wahi*scheinlich  auf 
Bäumen  gelebt  und  der  Unterschied  zwischen  ihnen  und  den  gleichzeitig 
lebenden  Vögeln  möge  zueilst  hauptsächlich  nur  in  den  Federn  bestanden 
haben.  Dies  klingt  so,  als  ob  diese  beiden  Gruppen  vor  Kurzem  erst  aus  ge- 
meinsamer tirundlage  hervorgegangen  zu  denken  und  unter  den(triassischen  ?) 
Dinosauriern  also  doch  die  Stammväter  der  Vögel  zu  suchen  wären.  Da  jedoch 
gleich  nachher  wieder  auf  die  paläozoischen  Schichten  hingewiesen  wird,  in 
denen  wir  „die  primitiven  Formen  dieser  Klasse*'  zu  finden  erwarten  dürften,  so 
kann  der  obige  Passus  kaum  anders  gemeint  sein,  als  dass  hier  in  der 
That  nur  eine  „Annäherung**,  ein  schlagendes  Beispiel  jener  Convergenz 
organischer  Formen  in  Folge  des  Ehitiusses  gleicher  Lebensbedingnn<reu 
vorliege,  die  eine  Blutsverwandtschaft  nur  vortäuscht**). 

Viel  unbestimmter  drückt  sich  in  dieser  Hinsicht  Prof  Cope  aus, 
welcher  mit  Marsli  in  der  Sammlung  und  Bearbeitung  der  paläonto- 
logischen Schätze  Nordamerikas  auf  die  rühmlichste  Weise  wetteifert.  Ohne 
auf  frühere  Arbeiten  dieses  Foi^schers  einzugehen,  in  denen  er  gelegentlich 
die  Annainne  vei*theidigt,  die  gewaltigen  herbivoren  Dinosaurier  hätten 
vorzugsweise  auf  dem  Boden  massig  tiefer,  sumpfiger  Gewässer  gelebt, 
wo  sie,  auf  den  massigen,  wie  Anker  wirkenden  Hinterbeinen  halb  auf- 
gerichtet, die  weichen  Wassei-pHanzen  abweideten,  führe  ich  nur  seine 
neueste  diesbezügliche   Aeusserung  in   einer   vorläufigen   Mittlieiluiig  über 

*)  ..Jurassische  Vögel  und  ihre  Verwandten**;  s.  Kosmos  X,  S.  231. 

**)  Dem  gegenftber  darf  nicht  verschwiegen  werden,  dass  Marsh  nocli  im  August 
1884  (American  Journ.  Science,  Vol.  XXVIII,  S.  161)  die  Beschreibung  der  verwachsenen 
Mittelfussknochen  von  Ceratosuurus ,  einem  camivoren  Dinosaurier,  mit  den  Worten 
schliesst:  „Dajnit  ist  nun  die  innige  Verwandtschaft  der  beiden  Klassen  UJinosaurier  und 
Vögel)  klar  bewiesen",  —  was  doch  nur  den  Sinn  haben  kann,  die  Tendenz  zu  einer 
sohhen  Verwachsung  sei  beiden  durch  gemeinsame  Vererbung  eingeprägt  worden,  unter 
jenen  aber  nur  bei  wenigen  (z.  B.  CerutosanniH) ^  unter  diesen  bei  allen,  vielleicht  mit 
Ausnahme  von  Archa€optery.r,  zum  Durchbruch  gekommen. 


112 

die  Phylogenie  der  Wirbelthiere*)  an.  „Die  Vögel",  heisst  es  da, 
„wenigstens  ein  Theil  derselben,  scheinen  sich  aus  den  Dinosauriern  hervor- 
entwickelt zu  haben";  und  weiter  unten:  „Zwei  ausgestorbene  Ordnungen 
der  Reptilien  bieten  uns  aufsteigende  Entwickelungsreihen  dar,  nämlich  die 
Dinosaurier  und  die  Pterosaurier,  von  denen  eine  oder  beide  sich  in  die 
Vögel  fortgesetzt  haben ".  Die  Möglichkeit  eines  diphyletischen  Ursprunges 
der  letzteren  und  zwar  aus  verhältnissmiissig  schon  hoch  difFerenzirten 
Formenkreisen  wird  also  zum  mindesten  nicht  in  Abrede  gestellt. 

Wie  Marsh,  so  ist  auch  Carl  Vogt  durch  die  Betrachtung  der 
Berliner  Arclmeopteryx  zu  einer  bedeutsamen  Kundgebung  über  unser 
Problem  angeregt  worden.  Er  hat  meines  Erachtens  die  Abstammungs- 
möglichkeiten  der  Vögel  mit  weiterem  Blick  und  schärferer  Logik  abge- 
wogen als  alle  seine  Vorgänger,  wenn  er  sich  auch  vielleicht  in  Einzelheiten 
nicht  immer  mit  der  nöthigen  Reserve  ausgedrückt  haben  mag.  In  seinem 
vor  der  schweizerischen  Naturforscherversammlung  in  St,  Gallen  1879 
gehaltenen  Vortrag**)  kommt  er  zu  dem  Schluss,  dass  Archa^iopteryx  in 
allen  erkennbaren  Theilen,  namentlich  auch  in  der  Hand,  im  Becken  und 
im  Schwanz  nach  dem  Typus  des  Reptils  gebaut  und  nur  nach  den 
Hinterfüssen  und  der  Federbedeckung  ein  Vogel  zu  nennen  sei  (die  von 
Owen  beschriebene,  echt  vogelartige  Furcula  hält  er  für  einen  Theil  des 
Beckens).  Um  sich  diese  Mischung  von  Charakteren  zu  erklären,  unter- 
sucht er  erst,  wie  die  heutigen  Vögel  zu  den  ilire  ganze  Organisation 
behen-schenden  Besonderheiten,  nämlich  zur  Flugfahigkeit  und  zur  Tragung 
des  schief  aufgerichteten  Körpers  auf  den  Hinterbeinen,  gekommen  sein 
mögen.  Schon  in  einem  früheren  Aufsatze***)  hatte  er  mit  vollem  Recht 
betont,  dass  „die  Anpassung  der  Wirbelthiere  an  den  Flug  nicht  noth- 
wendig  mit  derjenigen  an  die  aufrechte  Haltung  verbunden"  und  dass 
ebenso  andei-seits  die  Umbildung  der  hinteren  Gliedmassen  zu  ausschliess- 
lichen Stützen  des  Körpers  ganz  unabhängig  ist  von  der  Umbildung  der 
Vorderglieder  zu  Flügeln.  Beispiele  fiir  ersteres  sind  die  Fledennäuse  und 
die  Flugsaurier,  welche  sich  gewiss  nie  auf  ihren  schwachen  Hinterbeinen 
aufrichten,  resp.  aufgerichtet  haben,  auch  die  letzteren  nicht,  trotz  ihres 
verhältnissmässig  festgefügten  Beckens;  den  zweiten  Satz  illustriren  zahl- 
reiche springende  und  hüpfende  Formen,  welche  zugleich  erkennen  lassen, 
dass  „die  Befreiung  der  Vorderglieder  von  ihrer  Funktion  als  Stützen 
während  des  Stehens  und  Gehens  sich  in  Wirklichkeit  auf  zwei  ganz  ent- 
gegengesetzte Arten  vollziehen  kann :  im  einen  Falle  verkürzen  sie  sich,  um 
unnütz  zu  werden  oder  als  Greiforgane  zu  dienen  (Beispiel:  iMchhörnclieu 
—  Känguruh),  im  andern  verlängern  sie  sich,  um  Flugorgane  zu  werden" 
(hierfür   lässt   sich   allerdings    aus   der  Gegenwait   kein   Belog   anführen. 


*)  American  Naturalist,  Dec.  1884,  S.  1256. 

**)  Abgedruckt  in  Revue  scientiliquo  1879,  Nr.  11;  s.  Kosmos  VI,  S.  22(J. 
***'  Westermann's  Ulustr.  Monatslioftt;  1878,  Nov.    S.  2:J(>. 


113 

ausser  etwa  der  Hiegeiide  Baunifrosch  (Wmco^)horu8)^  denn  die  verschiedenen 
mit  Fallschirmen  versehenen  Säugethiere  gehören  nicht  hierher;  Vogt 
scheint  also  hier  nur  die  vorauszusetzenden  Urformen  der  eigentlichen 
Flieger  im  Auge  zu  haben).  Nun  beziehen  sich  aber  „alle  Charaktere, 
auf  die  man  sicli  stützte,  um  die  Dinosaurier  als  Ahnen  der  Vögel  zu 
betrachten,  nur  auf  die  Entwickelung  der  Fähigkeit,  sich  auf  den  Hinter- 
l)einen  aufrecht  zu  halten",  und  gerade  Camj)Soynathns,  der  vogelähnlichste 
Dinosaurier,  was  die  Bildung  des  Beckens  und  der  Hinterglieder  betrifft, 
beweist  am  l)esten,  dass  damit  eine  mehr  oder  weniger  beträchtliche  Ver- 
kürzung der  Vorderglieder  verbunden  war.  —  Demgemäss  kann  Vogt  nur 
der  Annahme  zustimmen,  dass  vielleicht  von  den  Dinosauriern  eine  direkte 
Linie  durch  Ilesperornis  zu  den  llatiten  führe,  deren  Vorderglied  somit 
nicht  etwa  einen  rudimentär  gewordenen  Flügel,  sondern  „einen  Dinosaurier- 
Vordeifuss  darstellen  würde,  der  sich  in  Richtung  der  Vogelorganisation 
entwickelt  hat,  aber  mit  dem  ureprünglichen  Fehler  der  Verkürzung  und 
Verminderung  behaftet,  welcher  ihn  liindert,  ein  wirksames  Flugorgan  zu 
werden".  Den  Carinateu  anderseits  ging  unzweifelhaft  Archacopteryx 
voraus ;  deren  Almen  aber  sind  noch  nicht  entdeckt  und  werden  auch  ganz 
l)esonders  schwer  zu  entdecken  sein,  weil  wir  sie  uns  eben  vorzustellen 
hal)en  „als  eidechsenartige  Landreptile  fast  ohne  Moditicationon  in  ihrem 
Skelett,  deren  Haut  nur  an  vei-schiedenen  Stellen  mit  langen  Warzen 
(d.  h.  umgewandelten  Schuppen),  mit  Flaum  und  nidimentären  Federn 
versehen  war". 

Damit  sind  eigentlich  die  überhaupt  möglichen  Annahmen  ziemlich 
erschöpft  und  wir  können  deshalb  die  noch  anzuflihrendcn  Aussprüche  rasch 
Revue  passiren  lassen.  Seeley,  welcher  namentlich  die  jüngsten,  aus  der 
oberen  Kreide  stammenden  Dinosaurierreste  genau  untersucht  hat,  gedenkt 
zwar  mehrfach  gewisser  Analogien  zwischen  diesen  und  den  Vögeln, 
bemerkt  aber  dazu  ausdrücklich*):  Der  Schluss  auf  eine  Verwandtschaft 
beider  Gruppen  „beruht  indessen  nur  auf  Merkmalen  einiger  weniger 
Knochen  der  Beckem-egion  und  der  hinteren  (iliedmassen,  die  man  bei 
einigen  Gattungen  (der  ersteren)  wahrnimmt,  die  aber  nicht  als  charak- 
teristisch für  die  ganze  Gruppe  gelten  können".  Ln  striktesten  Gegensatze 
dazu  steht  Dr.  G.  Baur,  dessen  Untei-suchungen  über  den  „Tarsus  der 
Vögel  und  Dinosaurier"**)  in  der  bestimmten  Hoffnung  unternommen 
wurden,  im  Embryo  der  ei-steren  Verhältnisse  zu  finden,  welche  bei  letzteren 
als  bleibende  Einrichtungen  vorliegen.  Diese  Erwartung  ist  durchaus 
erfüllt  und  damit  das  Resultat  der  Gegen  baur 'sehen  Arbeit  im  wesent- 
lichen bestätigt  worden,  ja  es  hat  sich  gezeigt,  dass  die  Elemente  des 
Vogeltarsus  im  Laufe  ihrer  individuellen  Entwickelung  ziemlich  genau  die- 
selben Rückbildungen,  UmgesUiltungen  und  Verwachsungen  erfiihren,   wie 

♦j  Citirt  nach  Dames,  I.  cit.  S.  67. 
**)  Morpholojr.  Jahrimch,  IW.  VIII.    mS2. 


114 

sie  an  dem  der  Dinosaurier  zu  beobachten  sind,  wenn  man  diese  in  zwei 
aufsteigende  Reihen  (dem  herbi-  und  carnivoren  Charakter  der  Thiere 
entsprechend)  ordnet,  welche  mit  den  wenigst  diflferenzirten  Formen,  den 
Sauropoda  und  den  Zavclodofitidae  beginnen  und  mit  Ornithopoden  (etwa 
Iguanodon)  und  Coinpsognatkus  endigen.  Danach  glaubt  Bau r  „als  sicher 
hinstellen  zu  dürfen ,  dass  die  Dinosaurier  in  Wirklichkeit  die  Stammeltern 
der  Vögel  sind".  Bei  den  fossilen  Vögeln  findet  er  im  wesentlichen  die 
heutigen  Verhältnisse,  mit  schwaclien  Anklängen  an  ältere  Zustände,  welche 
unter  den  recenten  Vögeln  noch  am  meisten  bei  den  Ratiten  bewahrt 
seien  —  woraus  man  wohl  auch  entnehmen  dari\  dass  Verfasser  diese  als 
Vorläufer  der  Carinaten  betrachtet.*) 

Einen  in  gewissem  Sinne  auf  die  Owen'sche  Anschauung  zuriickgreifen- 
den  Stammbaum  hat  Prof.  Wiedersheim  1882**)  und  1884  t)  aufgestellt. 
Von  gemeinschaftlichen  Ausgangsformen,  „welche  sich  höchst  wahrscheinlich 
als  Abzweigungen  der  Sauropoda  Marsh's  herausstellen  werden,"  hätten 
sich  zunächst  langschwänzige  Reptilien  entwickelt,  die  wohl  schon  in  vor- 
triassischer  Zeit  nach  den  drei  Richtungen  der  langschwänzigen  Flugsaurier 
(Rkamphorhyfichus)^  der  kurzschwänzigen  Flugsaurier  (Pterodactylvs)  und 
der  [langschwänzigen,  also  wohl  mit  ersteren  näher  verwandten]  Vorfahren 
von  Arehaeopfef^x  aus  einander  gegangen  wären;  aus  letzterer  seien  dann 
sämmtliche  Flugvögel  einschliesslich  Ichthyonfis  und  Apntornis  entstanden. 
Anderseits  seien  von  gleichen  Urformen  durch  die  Zwischenstufen  der 
Stego-  und  Scelidosaurierf-f)  „ohne  Zweifel"  Hcsjferornis  und  im  weiteren 
die  heutigen  Ratiten  abzuleiten,  was  insbesondere  noch  dadurch  motivirt 
wird,  dass  „nur  so  das  Auftreten  von  Dinosaurier-,  resp.  Ratitencharakteren 
am  Becken  und  der  Hinterextremität  der  Arcliaeopteryoc  und  gewisser 
heutiger  Carinaten  {Geocoeey.r,  TivamtisJ  sich  erklären  lasse." 

♦)  In  einer  soeben  erschieneneu  Mittlieilung  (Morph.  Jahrb.  X,  1885)  vergleicht 
Baur  die  Entwickelung  des  Pnbis  und  des  Postpubis  bei  den  verschiedenen  Dino- 
saurierordnungen und  den  Vögeln,  und  da  er  letzteres  Gebilde,  das  für  die  Vögel  so 
ausserordentlich  characteristisch  ist,  bei  den  carnivoren  Dinosauriern  noch  nicht  ein- 
mal andeutungsweise  entwickelt  findet,  so  sieht  er  sich  folgerichtig  genöthigt,  diese  ganze 
Gruppe  (incl.  des  vogelähnlichsten  Vertreters,  Compsognathus!),  trotz  der  hohen  Differen- 
zirung  ihres  Tarsus,  aus  der  Vorfahrenreihe  der  Vögel  zu  entfernen  und  diese  nur  von 
den  Ornithopoden  ausgehen  zu  lassen.  Zugleich  erklärt  er  sich  hier  bestimmt  für  die 
Ableitung  der  Carinaten  von  den  Batiten,  zu  welchen  er  im  Gegensatz  zu  Dam  es  auch 
Archaeopteryx  zu  rechnen  geneigt  scheint. 

**)  Lehrb.  d.  Vergl.  Anat.  d.  Wirbelthiere  Bd.  T.  S.  67. 

t)  „Die  Stammesentwickelung  der  Vögel."  Biol.  Centralbl.  TU.  Bd.,  Nr.  21,  22. 
Hier  wird  auf  einen  vom  Verf.  1878  gehaltenen  akademischen  Vortrag  zurückverwiesen, 
in  welchem  er  diese  Ansicht  schon  erörtert  und  wissenschaftlich  begründet  habe. 

f\)  Statt  dessen  steht  allerdings  im  Text  zwei  Mal  ..Omithosceliden"  —  offenbar  niu- 
ein  lapsus  calami,  da  letzterer  Name  im  Lehrb.  d.  Vgl.  Anat.  1.  c.  richtig  (im  Huxley- 
srhen  Sinne)  gebraucht  wird. 


115 

L.  Dollo,  welcher  uns  seit  1882  in  einer  Reihe  trefflicher  Abhand- 
lungen*) mit  den  in  seltener  Vollständigkeit  erhaltenen  Iguanodati -TXesteu 
des  Brüsseler  Museums  l)ekannt  macht,  geht  zwar  darin  mehrfach  auf  sehr 
beachtenswerthe  vergleichende  Betrachtungen  ein  und  weist  sogar  höchst 
merkwürdige  üebereinstimmungen  zwischen  jenen  und  den  Vögeln  nach, 
will  aber  damit  zunächst  nur  die  Eigenthümlichkeiten  im  Skelett  der 
Dinosaurier  mehr  per  analogiam  zu  erklären  versuchen  und  lehnt  jede 
Spekulation  darüber,  ob  solche  beiden  Gruppen  gemeinsame  Charaktere 
auf  Vererbung  oder  auf  Anpassung  beruhen,  von  voniherein  ausdrück- 
lich ab. 

Endlich  bleibt  noch  der  Standpunkt  zu  erläutern,  den  I^of.  Dam  es 
auf  Grund  seiner  sorgfältigen  Untersuchung  der  Berliner  Archdeopteryx 
gewonnen  hat.  Mncht  auch  seine  Arbeit**)  zunächst  im  beschreibenden 
Abschnitt  und  zum  Theil  auch  in  demjenigen  über  „Die  Beziehungen  von 
Archaeopteryx  zu  Reptilien  und  Vögeln"  den  Eindruck,  als  sei  er  allzu 
sehr  bemüht,  das  l)erühmte  Fossil  als  nicht  mehr  und  nicht  minder  denn 
einen  Vogel  hinzustellen,  der  nur  in  einigen  Hinsichten  embryonale  oder 
Jugendzustände  bewahrt  hat  —  im  Hinblick  darauf  bietet  ihm  sogar  der 
Humerus,  die  Hand  „nichts  Auffallendes"  dar  und  erscheint  ihm  auch  der 
lange  Schwanz  „keineswegs  befremdend",  —  so  ist  doch  anderseits  die 
ruhige  sachliche  Behandlung  der  vielfach  verquickten  Frage  im  höchsten 
Grade  anzuerkennen  und  zuzugeben,  dass  Verfasser  auf  diese  Weise  der 
vorhandenen  Schwierigkeiten  sicherlich  viel  besser  Herr  geworden  ist,  als 
wenn  er  sich  den  Blick  dun-h  irgend  welche  theoretische  Vorurtheile  hätte 
trüben  lassen.  Indem  auch  er  in  der  Ardmeoptnyx  ,,mit  ihren  geo- 
logischen Nachfolgeni  ein  schönes  Beispiel  für  die  Richtigkeit  des  bio- 
genetischen (irundgesetzes"  erblickt,  „nach  welchem  das  Individuum  heute 
dieselben  Etappen  der  Entwicklung  zurücklegt,  wie  sein  Stamm  im 
Laufe  der  geologischen  Perioden",  hält  er  es  doch  anderseits  „für  durch- 
aus unzulässig,  in  einer  der  bisher  bekannt  gewordenen  Reptilordnungen 
die  Stammeltern  der  Vögel  erkennen  zu  wollen",  und  schliesst  sich  darin 
vollkommen  C.  Vogt  und  Seeley  an.  Auf  Grund  des  Besitzes  von  echten 
Konturfedem  stellt  er  Archaeoptnyx  zu  den  Carinaten  und  folgert,  dass 
dieser  ganzen  Gruppe  Formen  vorausgegangen  sein  müssten,  welche  nur 
(»i-st  Dunenfedern  besassen,  weil  diese  auch  in  der  Ontogenie  jenen  voraus- 
gehen; als  wenig  veränderte  Nachkommen  solcher  Urformen  ersclieinen 
ihm  die  Ratiten  (incl.  Hesjwrornis)  ^  bei  denen  das  Gefieder  in  der  That 
auf  der  Stufe  desjenigen  eines  neugeborenen  Carinaten  stehen  bleibt. 
Die  gemeinsame  Stammform  beider  Linien  sucht  auch  er  in  einem  paläo- 
zoischen Reptil.     Seine  Genealogie  stimmt  also  mit  derjenigen  von  Marsh 


*}  Bill  du  Mus.  roy.  criiist.  nat.  de  Belgiqiie.   T.  I,  II,  III. 

♦♦)  „üeber  Archacoptoryx."    Berlin  18R4.    (Paläont.  Abli..  liorausg.  v.  Danios  inid 
Kayser,  II.  3.  Heft). 

8* 


116 

überein,  von  dem  er  sich  eigentlich  nur  darin  unterscheidet,  dass  er  auch 
im  System  der  Vögel  diese  Geschiedenheit  der  beiden  Linien  bis  in  die 
Juraperiode  zurück  zum  Ausdruck  bringt,  d.  h.  Laojderyof:  (erst  fragmen- 
tarisch bekannter  Vogel  aus  dem  Jura  Nordamerikas)  und  Henpei'onm 
der  einen,  Ärdiaeopteti/x  und  Ichthyomis  der  anderen  Unterklasse  zutheilt, 
während  Marsh  die  zahntragenden  Vögel,  jedoch,  wie  er  selbst  bemerkte, 
nur  vorläufig,  als  besondere  Gruppe  zusammengefasst  hatte. 

Die  nachstehende  tabellarische  llebersiclit  dürfte  das  Gesagte  zum 
Theil  noch  deutlicher  machen;  Zweifel  und  Widersprüche  treten  darin 
natürlich  schärfer  hervor,  als  dies  in  der  Absicht  ihrer  Urheber  gelegen 
haben  mag. 

Hypothesen  über  die  Abstammung  der  Vögel, 

Huxley  (1868)        1  ^.  ,,  .,        .    ,       .      t>  .-.       n   • 

,    ^      ,/^^  ^.   (  Dinosaiu-ier  —  Coumsoannth.  —  Ärchaeopt.  —  Ratit.  —  (  arin. 
Gegeubaur(1870)  J  .     ^    ^ 

n  rifi'-rW""  Dinosaurier  (allgem.  horizontale  Haltung,  Wasserthiere) 

Uwen  (18/o;  |_  Bhamphorhynchm  —  Ärchaeopt.  —  Carinaten  —  Ratiten! 

Dinosaurier  ,    Arcliaeopteryx  \ Carinaten 


Marsh   (1 880)  \   -  Pterosaurier         —  -  IcMhym'nis       >  (Odonttyrnithes) 

Urvogel — ■ —      '^*"  Hespei'ornifi      J    -    -       —     — Ratiten 

(paläoxoiüch) 

?  oder  vielleicht  (1881):  —  Dinosaur.  ~  Coeluria  —  Ärchaeopt  —  Carinaten? 

/i  ,.r.r.^v»j       Tx-  Carinaten        ,      .,  (  Pterosaur.  —   Carinaten. 

Cope  (1884)  i  -  Dinosaur.  ^^^     ;    oder  >  {  p.,,^^^^    _  ^^.^^ 

V      f  /'ift7Q^   i  ~  Dinosaur.  —  (CmnpsoffnaUh.)  —  Hesperornis —      Ratiten. 
vog     i   o  .;    I -- Eidechsenartiger  Urvogel Ärchaeopteryx — Carinaten. 

Seeley(1881)  Keine  Verwandtschaft  mit  Dinosaur.;  Ratit.  u.  Carin.  aus  gemeinsam.  Stammform. 

p  /iQQO\  n-  •      i  Sauropoda  —  Iguatiodon? 

baur  (^Ibbi)  Dmosaurier  ^  ;^j^clod(mt.-  Compsognalh,    -  OdontoinitJies  -  Ratit.  V -  Carin. 

, .  - -.  ^  V  (  Herbivor.  —  Ornithopod.  (Iguanod.)  —  Ärchaeopt.  —  Ratit.  —  Carl  n. 

-     (188o)  Dinosaurier  |(,^^^^^r^,^  _  Compsogtiathus, 

^Pterodactylus 
„, .     T         ,      .        /4  0Crt    oi^    c*            j    ^       Bhamphorhynchus                   Ichtftyorn. 
W.edershem   (1882,  84)  .S««r«„orf«  /        •^^rc/.a.oj.f. Carinaten. 

Stcgosaurier  -    -  Hesjyerornis      -  Ratiten. 
Dames  (1884)  siehe  Marsh. 

Wollte  ich  niui  noch  meine  eigene  Ansicht  in  der  Sache  ausrdhrlich 
begi'ünden,  so  würde  nichts  übrig  bleiben,  als  jeden  einzelnen  Theil  des 
Skeletts  in  allen  seinen  Modilicationen  bei  Dinosauriern,  fossilen  und 
lebenden  Vögeln  und  manchen  anderen  zur  Vergleichung  heranzuziehenden 
Formen  durchzugehen.  Dies  zu  thun,  ist  jedoch  hier  nicht  der  Ort. 
In  Betreff  der  wichtigsten  Thatsachen  kann  ich  auf  die  zum  Theil  von 
Abbildungen  begleiteten  Darstellungen  von  der  Organisation  der  Dinosaurier 
und  der  Archaeapteryx  verweisen,  die  ich  im  „Kosmos**  1884,  II.  Bd., 
S.  351,  sowie  ebenda  1885,  I.  Bd.,  Mai-  und  Juniheft,  gegeben  habe, 
l)ezw.   geben     werde.       Hier    kann    es    sich     nur    darum     liandeln,     n)it 


117 

wenigen  Striclien  ein  Bild  des  Kiitwickelungsganges  zu  entwerfen,  den 
meiner  Meinung  njicli  die  heutigen  Kenntnisse  von  den  genannten  Ab- 
theilungen des  Wirbelthierkreises  füi»  diesell)en  anzunehmen  gestatten. 
Der  Kundige  wird  darin  manche  der  noch  streitigen  Fragen  berührt  und 
soweit  möglich  andeutungsweise  beantwortet  finden. 

Die   ältesten    bisher   bekannt  gewordenen  Dinosaurier   stammen  aus 
der    Trias,    und    zwar    sind    es    Vertreter    sowohl    der    Theropoda    (die 
Familien  der  Zanclothntidar  und  Ampltisauri(lac)   als  der  Sauropoda  (der 
freilich  nur  „provisorisi^h"  zu  den  Aflantosauridae  gestellte  DystrojJiacus). 
Die  letzteren  sind  die  verhältnissmässig  am  wenigsten  differenzirten  Dino- 
saurier, Pflanzenfresser  mit  nahezu  gleich  langen  Vorder-  und  Hintergliedern 
und  funfüngerigen ,   mit  ganzer  Sohle  auftretenden  Füssen  etc.,   die  jedoch 
ihre  volle  Entfaltung  erst  im  (oberen)  Jura  en-eichen;  ei-stere   aber  sind 
typische  Cai-nivoren,  deren  Vorderbeine  stark  verkürzt  sind,  während  die 
mächtigen  Hinterglieder  zum  Theil   nur  noch  drei  Zehen  haben  und  bloss 
mit  diesen   auftreten.     Schon  daraus  geht  klar   genug    hervor,    dass  der 
Anfang  der  Entwickelung  des  Dinosauriei-stammes  viel  weiter  zuiiick  liegen 
und  dass  dieselbe  eben  mit  echten  Vierfiissem   begonnen  haben  muss,   die 
im  Bau  des  Beckens,  der  Beine,  des  Schädels  noch  nahe  Beziehungen  zum 
Lacertiliertypus  darboten.     Obwohl  wir  gewiss  nur  ei'st  einen  kleinen  Theil 
der  Formen  kennen,  welche  in  der  ganzen  mesozoischen  Zeit  gelebt  haben, 
so  liegen  doch  schon  mindestens  fünf  oder   sechs  sehr   verschiedenartige 
Entwickelungsrichtungen   vor,  die  uns  einen  Begi-iff  von  der  Anpassungs- 
fähigkeit dieser  Gruppe  geben  können.    Als  solche  getrennt  neben  einander 
her  laufende  Linien  können  wir,   ausser  den  eben  erwähnten  Sauropoden 
und  Theropoden,  noch  nennen  (wobei  ich  dem  bekannten  System  Marsh's 
folget:  die  Stegosauria,  die  Ornithopodu,   die  Coeluria,  die  Compsogtmtha 
und  die  Hallopoda,  von  denen  die   beiden  ei-steren  selbst  wieder  sehr  ab- 
weichende Gestalten  umfassen  und  kaum   natürliche  Abtheilungen  bilden. 
Auffallend    ist   nun   allerdings,   dass   bei   allen   diesen   eine   Bildung   des 
Beckens  und  der  Hinterglieder  wiederkehrt,  die  bald  mehr,  bald  weniger 
(oft  nur  in  den  Grössenverhältnissen   zu  den  Vordergliedeni)  an  diejenige 
der  Vögel  erinnert,  und  es  begreift  sich  leicht,  dass  bei  noch  unvollständiger 
Kenntniss    der   heute   aufgedeckten    Formenfülle   und   dem   Mangel   eines 
Systems  der  Gedanke   Platz  greifen  konnte,  das  seien  vereinzelte  Glieder 
einer  einzigen  zusammenhängenden  Reihe,  welche  allmählig  zu  den  Vögeln 
überführen  werde.    Je  näher  man  aber  zusieht,  desto  mehr  befestigt  sich 
die  Ueberzeugung ,  dass  es  sich   hier  um  ganz  divergente  Erscheinungen 
handelt.     Eine  kurze  Charakteristik  der  genannten  Ordimngen  wird  dies 
schon  deutlich  machen. 

Die  Stegosaurier  (die  zwei  Familien  der  Stcyosauridac  und  Sccli- 
dosauridac  umfassend),  zumeist  sehr  grosse,  mit  einem  knöchernen  Haut- 
panzer, wenigstens  längs  der  Mittellinie  des  Rückens,  ausgestattete  Tliiere, 
waren   in   der  That  augenscheinlich   einer  vorwiegend   auf  den   liinteren 


118 

Extremitäten  stattfindenden  Lokomotion  angepasst,  wobei  der  Körper  wohl 
noch  aufrechter  getragen  wurde  als  bei  den  meisten  Vögeln.  Dem  ent- 
sprechend sind  die  Darmbeine  ausserordentlich  weit  nach  vorn  verlängert, 
um  mit  einem  langen  Stück  der  Wirbelsäule  in  Verbindung  zu  treten, 
doch  sind  nur  vier  mit  einander  verschmolzene  eigentUche  Kreuzbein- 
>virber*)  vorhanden;  das  kräftige  Sitzbein  erstreckt  sich  weit  nach  hinten 
und  unten  und  bildet  eine  ansehnliche  Symphyse,  und  ihm  schliesst  sich 
in  ganzer  Länge  das  sogenannte  Postpubis  an,  ein  Element,  das,  ab- 
gesehen von  einigen  Dinosauriern,  nur  noch  den  Vögeln  zukommt. 
Daneben  ist  aber  freilich  das  den  letzteren  ganz  fehlende**)  Pubis  oder 
Schambein  als  sehr  starker,  gerade  nach  vorn  gerichteter  Knochen  vor- 
handen. Am  Hinterbein  wieder  ein  exquisites  Vogelmerkmal:  die  Ver- 
schmelzung von  Astragalus  und  Calcaneus  unter  sich  und  mit  Tibia  und 
Fibula  (dies  jedoch  nicht  bei  den  Scelidosauriduc);  alles  andere  aber  ist  fast 
das  gerade  üegentheil  von  Vogelähnlichkeit:  Oberschenkel  erheblich  länger 
als  Unterschenkel,  ohne  den  für  andere  vogelähnUche  Dinosaurier  so 
charakteristischen  (bei  Polarnnthus  jedoch  vorhandenen)  „dritten  Trochanter", 
Fibula  stark  und  selbständig,  Astragalus  ohne  aufsteigenden  Fortsatz, 
Mittelfussknochen  der  in  voller  Fünfzahl  vorhandenen  Zehen  sehr  kurz 
(bei  Scelidosauridfie  nur  noch  vier  Zehen  mit  verlängerten  Metatai-sen). 
Dieser  wunderbaren  Mischung  von  Charakteren  am  Becken  und  Hinterbein 
steht  gegenüber  eine  bedeutend  verkürzte  Vorderextremität,  die  aber  sehr 
kräftig  entwickelt  und  mit  freier  Beweglichkeit  begabt  war  und  daher 
jedenfalls  als  Greiforgan  diente.  Der  mächtige  Schwanz  scheint  beim  Aus- 
ruhen als  Stütze  fungirt  zu  haben.  Der  relativ  winzig  kleine  Schädel 
nähert  sich  am  meisten  dem  von  Hatteria,  der  merkwürdigen  Eidechse 
Neuseelands.  Es  leuchtet  ohne  Weiteres  ein,  dass  ein  so  specialisirter 
Organismus  nimmermehr  der  Weiterentwickelung  zu  einem  Urvogel 
fähig  war. 

Wie  steht  es  mit  den  Ornithopoden?  Ihr  Name  schon  weist  auf 
die  Vögel  hin  und  in  der  That  sind  sie  nebst  Conipsognathus  es  stets 
gewesen,  aus  denen  man  jene  abzuleiten  suchte.  Die  drei  hier  vereinigten 
FamiUen  der  Camptmiotidae ,  Iguanodontidae  und  Hadrosauridae  umfassen 
allerdings  Formen  von  sehr  verschiedenem  Habitus;  Iguunodoft  düi'fte  wohl 
der  am  einseitigsten  und  zugleich  vogelähnlichsten  ausgebildete  Typus  sein. 
Ich  berücksichtige  daher  zunächst  vorzugsweise  diesen.  Da  haben  wir  ein 
unzweifelhaft  auf  den  stark  verlängerten  Hinterbeinen  einhergehendes 
Thier,  dessen  Kiefer  vom  zahnlos  und  höchst  wahrscheinlich  mit  einem 
Hornschnabel  bekleidet  waren;  am  Becken  lassen  namentlich  die  langen, 
schlanken,  allerdings  in  ventraler  Symphyse  vereinigten  Sitzbeine  imd  die 
Postpubis    (diese   noch    mehr    bei   Hypsilophodon   und    Camptmwtus)    eine 

♦)  Bei  Polacanthus  fünf,  mit  denen  noch  fünf  Lendenwirbel  ankylosirt  sind. 
*♦)  Nach  neuesten  Mittheilungen  von  Bunge,    Dollo,  A.  Johnson  und  Baur 
ifjt  nicht  einmal  der  „Pectinealfortsatz"  als  Rudiment  des  Pubis  anzusehen. 


119 

schlagende  Uebereinstimmung  mit  den  entspreclieuden  Theilen  eines  Ratiten 
erkennen;  daneben  sind  aber  noch  die  schaufelfinmigen ,  nach  vom  und 
aussen  gewendeten  Schambeine  vorhanden,  die  dem  Vogel  gänzlich  fehlen. 
Das  Hinterbein  zeigt  eine  Tibia,  welche  beinah  oder  gerade  so  lang  ist 
als  das  Femur*),  an  diesem  einen  wohlentwickelten  „dritten  Trochanter", 
für  welchen  neuerdings  Dollo  bei  manchen  Vögeln  eine  genau  entsprechende 
Bildung  in  rudimentärer  Form  nachgewiesen  hat;  selbst  die  Gelenk- 
verbindung zwischen  Ober-  und  Unterschenkel  ist  bis  in  Einzelheiten  die 
gleiche.  Wie  beim  Vogel  ist  ferner  die  Tibia  oben  vom  mit  einem  starken 
Kamm,  unten  mit  einer  Grube  für  den  aufsteigenden  Astragalusfortsatz 
vei-sehen  und  die  Fibula  am  unteren  Ende  schon  beinah  zum  nutzlosen 
Anhilngsel  geworden.  Noch  sind  freilich  die  Fusswurzelknochen  der  ersten 
Reihe  getrennt  und  ebenso  scheinen  zwei  selbständige  in  der  zweiten 
Reihe  gewesen  zu  sein  (nach  Dollo);  dafür  sind  aber  nur  noch  drei 
funktionirende  Zehen  vorhanden  (nebst  einem  rudimentären  Metatarsale 
der  ersten),  von  denen  die  mittlere  am  längsten  und  deren  Mittelfuss- 
knochen  sehr  kräftig,  etwas  verlängert  und  dicht  zusammengerückt  sind, 
was  alles  in  wunderbarer  Weise  auf  den  Vogelfuss  vorzubereiten  scheint 
und  mit  dessen  embryonalem  Verhalten  nahezu  übereinstimmt.  Aber  das 
Vorderglied  ist  auch  hier  sehr  verkürzt,  beweglich  und  am  ei-sten  Finger 
mit  einer  dolchai-tigen  Waflfe,  an  den  drei  folgenden  mit  fast  hufähnlich 
verbreiterten  Endgliedern,  am  fünften,  stark  von  den  anderen  divergirendeu 
mit  einer  Kralle  versehen,  so  dass  sie  jedenüills  ganz  besonderen  Zwecken 
angepasst  war.  Der  lange,  in  der  ersten  Hälfte  sehr  hohe,  aber  schmale 
Schwanz  dürfte  wohl  eher  als  Fortbewegungsorgan  im  Wasser,  denn  als 
Stütze  auf  dem  Lande  gedient  haben. 

Wer  ein  solches  Geschöpf  von  fast  zehn  Meter  Länge  für  sich  betrachtet, 
der  kommt  gewiss  nicht  auf  den  Gedanken,  es  fiir  einen  Vorläufer  der 
Vögel  zu  halten,  selbst  wenn  er  sich  den  etwa  hasengrossen  Conipsognathus 
und  die  zierliche  Archaeopteryx  als  Tebergangsglieder  zwischen  jenes  und 
den  Strauss  gestellt  denkt.  Aber  auch  wenn  wir  uns  den  J(//eawodt>w-Typus 
in  ganz  bescheidenen  Dimensionen  ausgefühi-t  voi-stellen,  wa^i  ja  wohl  zu- 
lässig ist,  haben  wir  doch  nichts  gewonnen,  da  eben  die  schon  erwähnten 
Specialisirungen,  denen  noch  mehrere  andere  angereiht  werden  könnten 
(die  ganze  Configuration  des  Schädels,  der  wohl  nicht  mehr  zu  bezweifelnde 
Mangel  von  Schlüsselbeinen,  die  Hautpanzerung  etc.),  eine  direkte  Fort- 
entwickelung  desselben   im  angedeuteten  Sinne   entschieden   verbieten**). 

*)  Bei  dem  kleinen  Nanosaurus  und  bei  Laosaurtis  ist  sie  sogar  erheblich  länger. 
♦*)  Noch  neuerdings  betont  G.  Baur  (Amer.  Naturalist,  Dec.  1884,  S.  1276): 
„Unter  den  herbivoren  Dinosauriern  und  insbesondere  den  Ornithopoden  ähnlichen  Formen 
müssen  wir  die  Vorfahren  der  Vögel,  und  zwar  offenbar  zunächst  der  Eatiten  aufsuchen  ;'* 
er  stützt  sich  aber  auch  hier  wieder  nur  auf  einen  einzigen  Charakter,  die  bei  den 
Ornithopoden  angebahnte  Rückbildung  des  Pubis  unter  gleichzeitiger  Kntwickelung  des 
Postpubis  (vgl.  oben  S.  114,  Anm.). 


120 

Nun  wird  man  freilich  sagen:  Natürlicli  (lenken  wir  uns  nur  eine  ver- 
allgemeinerte ursprünglichere  Form  als  gemeinsamen  Stammvater  sowolil 
des  Igimnodan  als  anderseits  der  Vögel.  Allein  es  waren  doch  lauter 
solche  Specialisirungen  des  ersteren,  welche  man  zur  Erklärung,  d.  h.  zur 
Ableitung  derjenigen  der  letzteren  benützen  w^oUte;  entkleide  ich  Iguanodmi 
derselben,  so  tritt  mir  immer  unverhüllter  der  einfachere  Sauropoden-  oder 
gar  der  Lacertilier-Typus  entgegen,  wie  schon  eine  Zusammenstellung  der  in 
gewisser  Hinsicht  eine  hübsche  absteigende  Reihe  bildenden  Gattungen  der 
Camptonotidae:  Nanosaurus,  Hypsilophodmi ,  Laosaurus  und  Camjyfofiotus 
erkennen  lässt,  und  die  von  da  zu  den  Vögeln  fuhrende  Linie  muss  selb- 
ständig Schritt  für  Schritt  alle  jene  Besonderheiten  erwerben,  die  Igaanoclon 
zur  Aufrichtung  des  Körpers  auf  den  Hinterbeinen  befähigten.  Es  kann 
also,  meine  ich,  hier  wenigstens  keinem  Zweifel  mehr  unterliegen,  dass 
nicht  von  Homologien  mit  dem  Vogelfuss  und  -becken,  sondern  nur  von 
Analogien  gesprochen  werden  darf;  die  Thatsachen  selbst  haben  dadurch 
wahrlich  nicht  an  Interesse  verloren,  da  sie  uns  von  Neuem  vor  Augen 
fuhren,  wie  durch  die  stetige  Einwirkung  gleicher  Bedürfnisse  aus  ähn- 
lichem Rohmaterial  auch  nahezu  Gleiches  geschaffen  wird,  mag  die  Aus- 
führung des  übrigen  Baues  noch  so  verschiedenartig  sein.  Wenn  irgendwo, 
so  müssen  wir  hier  eine  Erscheinung  der  Convergenz  anerkennen. 

Die  drei  noch  übrigen  Gruppen  sind  bisher  nur  durch  je  eine 
jurassische  Gattung  vertreten  und  mit  Ausnahme  von  Campsognathus  noch 
sehr  unvollständig  bekannt.  Hallopus  und  Coelurus  zeichnen  sich  beide 
durch  sehr  starke  Pneumaticität  der  Knochen  aus,  welche  bei  letzterem 
bis  zu  einem  unglaublichen  Grade  gediehen  ist;  beide  hatten  sehr  lange 
und  schlanke  Mittelfussknochen  am  dreizehigen  Fusse  und  ersterer  zudem 
ein  nach  Art  vieler  Säugethiere  nach  hinten  vorragendes  Fersenbein,  waren 
also  augenscheinlich  gute  Springer.  Trotzdem  besteht  das  Kreuzbein  von 
Hallopus  nur  aus  zwei  Wirbeln,  wie  bei  den  einfachsten  Sauropoden  (aber 
auch  der  jurassische  Theropode  Oreosaurns  zeigt  diese  Eigenthümlichkeit), 
ohne  dass  seine  Sprungfähigkeit  deshalb  vermindert  zu  denken  wäre,  wie 
der  Frosch  mit  seinem  einen  Sacralwirbel  lehrt.  Die  biconcaven  Wii'bel 
verweisen  ihn  auf  eine  niedrige  Stufe,  während  anderseits  die  stark  ver- 
kürzten Vorderglieder  gleich  dem  Bau  der  Hinterglieder  eine  weitgehende 
Differenzirung  verrathen.  Jedenfalls  kann  auch  Hallopus  nicht  als  Vorfahre 
der  Vögel  gelten. 

Ueber  die  Vorderglieder  von  üoelurns  wissen  wir  nichts.  Den  grossen, 
verlängerten,  z.  Theil  opisthocoelen  und  durch  staike  Gelenkfortsätze  ver- 
bundenen Halswirbeln  mit  nach  Vogelart  damit  verwachsenen  Halsrippen 
folgten  viel  kürzere,  schwach  biconcave  Rückenwirbel  und  ein  sehr  langer, 
schwacher  Schwanz,  woraus  Marsh  entnimmt,  dass  an  dem  mächtigen 
und  breiten  Nacken  und  verkürzten  Rumpf  verlängerte  Vorderglieder 
befestigt  gewesen  sein  müssten,  ähnlich  wie  bei  den  Flugsauriern.  Dass  er 
zugleich  die  Möglichkeit  offen  hält,  Coelurus  habe  trotz  seiner  Springbeine 


121 

auf  Bäumen  gelebt,  ist  aiigesichts  des  Ikunnkängurulis  auf  Neu-(iuiiiea 
(Dvmlrolngus)  nicht  üben-aschend ;  daraus  aber  weiter  zu  folgern,  dass 
solche  Formen  sich  vielleicht  zu  Vögeln  weitergebildet  haben  könnten, 
halte  ich  für  sehr  gewagt,  —  weniger  deshalb,  weil  der  älteste  echte 
Vogel  mit  den  Coelnria  gleichaltrig  ist  (denn  letztere  mögen  ja  lange  zuvor 
schon  in  ähnlicher  Form  existirt  haben),  als  vielmehr,  weil  wir  auch  hier 
wieder  die  (noch  dazu  sehr  oberflächlich  festgestt41te^  Vogelähnlichkeit  der 
hinteren  und  vielleicht  auch  der  vorderen  Pktremität  aufs  innigste  mit 
Specialisirungen  (grosse,  breite  Halswirbel,  ganz  eigenthümlicher  Typus  der 
Knochenpneumaticität)  verbunden  und  davon  abhängig  sehen,  die  dem  Pilde, 
das  wir  uns   vom   Urvogel   msicheu  müssen,    unzweideutig  widersprechen. 

Aber  Comj)sognathi4s*f  In  der  That  ist  sein  Hinterbein  merkwürdig 
vogelähnlich  und  geht  noch  in  folgenden  Punkten  über  die  Ornithopoden 
hinaus:  Femur  erheblich  küraer  als  die  schlanke  Tibia;  Fibula  der  letzteren 
innig  angeschmiegt,  unten  griffelförmig  reducirt;  Astragalus  mit  langem, 
aufsteigendem  Fortsatz,  mit  der  Tibia  venvachsen,  ebenso  Calcaneus  mit 
Fibula ,  vielleicht  auch  beide  unter  sich ;  ihre  Gelenkfläche  gegen  die 
zweite  Tarsusreiho  nur  etwas  flacher  wie  die  der  Vögel;  diese,  aus  drei 
flachen  Stücken  bestehend,  die  selbst  in  den  Grössenverhältnissen  mit 
denen  des  Vogelembryos  übereinstimmen,  ist  den  drei  Metatarsalien  innig 
angefügt;  letztere,  sehr  lang  und  schlank,  liegen  dicht  neben  einander, 
gleichsam  zur  Verwachsung  bereit;  das  proximale  Rudiment  eines  fünften 
und  das  distal  verschobene  des  ersten  Mittclfussknochens  entsprechen  wieder 
genau  den  embi^onalen  Anlagen  beim  Vogel;  die  Zehen  sind  nahezu 
identisch.  Und  es  sei  gleich  hier  hinzugefugt:  fast  in  allen  diesen  Punkten 
kommt  Archaeopteryx  dem  heutigen  Vogeltypus  noch  etwas  näher,  ohne  ihn 
völlig  zu  erreichen.  Soll  das  alles  auf  Convergenz  beruhen?  Ohne  mich  hier 
auf  eine  nähere  Begründung  einzulassen,  kann  ich  nur  sagen:  angesichts 
der  vielen  mindestens  ebenso  wunderbaren  Fälle  solcher  Art,  welche  uns 
namentlich  die  Säugethiere  in  Gebiss-  und  Fussbildung  darbieten,  halte 
ich  diese  Annahme  für  vollkommen  l)erechtigt,  und  sie  scheint  mir  zur 
Nothwendigkeit  zu  werden,  wenn  wir  nun  bedenken,  dass  CompsoguathuH 
daneben  noch  besass:  eine  lange  Sitzbeinsymphyse,  höchst  wahrscheinlich 
ansehnliche,  nach  vorn  und  unten  gerichtete  Schambeine,  eine  stark  ver- 
kürzte Vorderextremität  mit  auf  drei  Finger  reducirter,  krallenl)ewehrtcr 
Hand.  Dass  die  Knochen  nicht  pneumatisch  sind  und  der  Schädel  ent- 
schiedenen Lacertiliertypus  zeigt,  dürfte  auch  wohl  in  Betracht  kommen. 
Nehmen  wir  noch  den  langen,  kräftigen,  am  Anfang  mit  sehr  starken 
Querfortsätzen  versehenen  Schwanz  und  den  gestreckten  Hals  dazu,  so 
erhalten  wir  das  Bild  eines  Känguruh-  oder  Springhasen-ähnlichen  Thieres, 
das  einen  weiter  entwickelten  Seitenzweig  des  Omithopodenstamnics 
repräsentiren  mag,  zum  Flieger  aber  bereits  verdorben  war. 

Die  andere  Frage:  ob  er  nicht  wenigstens  mit  den  Vorfahren  der 
Uatiten  nächst  vei-wandt  sein   könnte?  —   wage  ich  nicht  bestimmt  zu 


122 

verneinen.  Docli  bin  ich  sehr  geneigt,  Da  nies  beizustimmen,  der,  auf 
S  tu  der 's  Untersuchungen  über  die  Entwickelung  des  Vogelgefieders  sich 
stützend,  dasjenige  der  Ratiten  auch  phylogenetisch  als  Vorläufer  des 
Carinatengefiedors  ansieht  und  demgemäss  beide  Linien  von  gemeinsamer, 
wenn  auch  sehr  weit  zurückliegender  Stammform  ableitet.  Dass  Ardtof:- 
opterijx  eben  ihres  Gefieders  wegen  als  ein  Carinate  zu  bezeichnen  ist,  der 
fieilich  sehr  bedeutsame  Reptilcharaktere  bewahrt  hat,  erscheint  mir 
gleichfalls  zweifellos  und  brauche  ich  daher  nicht  näher  auf  ihre  Organi- 
sation einzugehen.  Nur  die  eine  Bemerkung  sei  beigefügt,  dass  mir  die 
zarten,  zugespitzten,  einköpfigen  Rippen  bestimmt  anzudeuten  scheinen, 
dass  ein  Sternum  von  irgend  erheblichen  Dimensionen  nicht  vorhanden  war. 

Daran  knüpft  sich  naturgemäss  noch  ein  Schlusswort  in  Bezug  auf 
Hcspcromis^  welche  uns  Marsh  als  einen  dem  Wasserleben,  besonders 
dem  Tauchen  angepassten  Ratiten  vorgefiihrt  hat.  Ist  aber  der  verhältniss- 
mässig  lange  Humerus,  das  kräftige  Coracoid,  das  sehr  lange,  wenn- 
gleich schmale  Schulterblatt  und  vor  AUeni  das  zwar  nur  flach  ge- 
wölbte, aber  breite  und  weit  nach  hinten  ausgedehnte  Brustbein  mit  der 
Annahme  vereinbar,  dass  die  Vorderexti'emität  ihrer  Vorfahren,  seitdem  sie 
sich  vom  Boden  erliol)en,  gar  keine  Funktion  mehr  gehabt  habe  und  der 
Verkümmerung  anlieim  gefallen  sei  ?  Mir  scheinen  die  angefühilen  Punkte 
vielmehr  auf  früher  vorhanden  gewesene  Flugfähigkeit  liinzudeuten.  Auch 
die  Form  des  Mittelfusses  weckt  Bedenken  gegen  die  Riititcnvenvandt- 
schaft  von  H€S2)eromis,  Wäre  es  nicht  natürlicher,  sie  als  extrem  redu- 
cirten  Carinaten  aufzufassen?  — 

Soviel  scheint  mir  aus  den  vorstehenden  Betrachtungen  als  sicherstes 
allgemeines  Resultat  hervorzugehen:  wir  dürfen  nie  vergessen,  dass  die 
Paläontologie  zumeist  gar  kärgUche  Beste,  nur  wenige  disjecta  membra 
der  reichen  Lebensfülle  vergangener  Zeiten  vor  sich  hat,  und  dass  daher 
auf  solches  Material  gestützte  phylogenetische  Ableitungen  stets  nur  mit 
der  grössten  Vorsicht,  unter  Berücksichtigung  aller  irgend  ven\erthbaren 
Thatsachen  und  Erfahrungen  zu  vei-suchen  sind,  wenn  sie  bleibende 
Bedeutung  oder  auch  nur  heuristischen  Werth  fiir  weitere  Forsclmngen 
beanspruchen  wollen. 


123 


Urnenfunde  bei  Klotzsche  und  Laussnitz 
in  Sachsen. 

Von  Betriebsingeiiieur  H.  Wieohel. 


Beim  Baue  der  schmalspurigen  Secundäreisonbahn  von  Klotzsclie 
nach  Königsbrück  wurden  im  November  1883  und  Frühjahr  1884  beim 
Ausheben  der  Einsclmitte  Thongefässe,  die  auf  das  Vorhandensein  von 
Umenfriedhöfen  hinwiesen,  aufgefunden.  Die  erhöhte  Aufmerksamkeit, 
welche  derartige  Funde  gegenwärtig  insbesondere  deshalb  erregen,  weil  die 
genauere  Erhebung  des  Fundmaterials  einerseits  und  sodann  das  strengere 
vergleichende  Studium  desselben  es  ermöglicht  haben,  nicht  nur  das 
relative  Alter  jener  Hinterlassenschaften  früherer  Landesbewohner  mit 
holier  Wahi-scheinlichkeit  zu  bestimmen,  sondern  auch  unsere  Erkenntniss 
jener  Dinge  soweit  zu  fördern,  dass  Schlüsse  auf  die  Kulturzustände, 
Handelsbeziehungen  und  ethnologischen  Verhältnisse  der  vorhistorischen 
Zeit  mit  einiger  Begründung  gezogen  werden  können,  hat  auch  dem 
Kgl.  Finanzministerium,  in  dessen  Auftrag  der  Bau  der  gedachten  Bahn 
ausgeführt  wurde,  Veranlassung  gegeben,  die  aufgeschlossenen  Fundstellen 
sorgfaltig  untersuchen  zu  lassen.  Wenn  auch  die  Zahl  der  Gräber  und 
der  Fundobjecte  nur  eine  beschränkte  war  und  daher  auch  die  bei  diesen 
Aufgrabungen  erlangten  Ergebnisse  nur  bescheidene  sein  konnten,  so 
verdient  die  Beachtung,  welche  von  Seite  der  Behörden  in  Sachsen  der 
vaterländischen  Vorgeschichte  gewidmet  wird.  Dank  und  Anerkennung,  und 
es  ist  zu  erhoffen,  dass  auch  fernerhin  die  vorhistorischen  Funde,  welche 
sowohl  bei  den  Bauten  der  verschiedenen  Ressorts  als  auch  bei  der  Ver- 
waltung des  ausgedehnten  fiskalischen  Grundbesitzes,  insbesondere  der 
Staatsforsten  zu  Tage  kommen,  dem  blossen  Sammeleifer  entzogen  und 
durch  planmässige  Aufnahmen  der  wissenschaftlichen  Verarbeitung  zu- 
geführt werden. 

Im  Nachstehenden  wird  ein  vorläufiger  Bericht  über  die  ürnenfunde 
l>ei  Klotzsche  und  Laussnitz  erstattet,  während  eine  ausführlichere  Ver- 
öffentlichung über  diese  Ausgrabungen  unter  Beigabe  von  Abbildungen  in 
naher  Aussicht  steht. 

1)  Urnenfunde  bei  Laussnitz.  Wo  der  Waldweg,  genannt  „der 
Spiess",  aus  der  Laussnitzer  Haide  südlich  vom  Dorfe  Laussnitz  aus  dem 

Fattehrift  der  Ins  in  Dresden,  J88ö. 


124 

Walde  auf  die  FeldHur  tritt,  wurden  in  0.50  ni  Tiefe  an  drei  Stellen 
Reste  von  Bestattungen  aufgefunden.  Da  der  für  den  Bahnbau  benöthigte 
Landstreifen  an  dieser  Stelle  nur  die  Breite  von  etwa  6  m  hat,  so  ist 
daraus,  dass  auf  dieser  Fläche  nur  drei  Gräber  nachzuweisen  waren,  noch 
nicht  zu  schliessen,  dass  es  sich  hier  nur  um  Einzelgräber  handelt.  Weitere 
Ausdehnung  der  Nachgrabung  auf  dem  Areal  der  anstossenden  Feldbesitzer 
erschien  jedoch  zur  Zeit  nicht  angemessen. 

Grab  1  enthielt  eine  einzelstehende  Henkelurne  mit  Knochenresteu 
ohne  Steinsetzungen  oder  Beigefässe. 

Grab  2  war  in  12  m  Entferimng  gelegen  und  von  reicherer  Aus- 
stattung. In  einer  grossen,  allerdings  nur  in  Bruchstücken  zu  Tage  ge- 
förderten 26  cm  weiten  Napfurne  stand  eine  einhenkelige  Ttissc  und 
rings  umher  drei  Beigefässe,  eine  kleinere  Napfurne  mit  Kantenstrichen 
und  Eindrücken,  eine  kleine  napfailige  Schale  und  eine  II  cm  weite 
Henkelurne.  Metallbeigaben  fehlten,  Knochenreste  fanden  sich  spärlich  im 
Hauptgefäss. 

Etwa  2  m  von  Grab  2  entfernt  wurde  von  den  Erdarbeitern  ein 
Häufchen  Knochenreste  ebenfalls  in  0.50  m  Tiefe  aufgefunden.  Dass 
diese  Knochenreste  ihrer  Beschaffenheit  nach  vom  Leichenbrand  heiTÜhrten, 
steht  ausser  Zweifel;  ob  dieselben  jedoch  ein  selbständiges  Grab  aus- 
niaclien  oder  zu  Grab  2  gehören ,  lässt  sich  nicht  mehr  entscheiden. 
W^(»nn  auch  ein  derartiges  Vorkommen  nicht  ohne  Beispiele  ist,  so  dürfte 
es  doch  nicht  angemessen  sein,  an  dieses  vereinzelte  und  nur  auf  den 
Bericht  der  Arbeiter  begründete  Vorkommen  weitere  Schlüsse  zu  knüpfen. 

Die  Beschaffenheit  der  Thongefässe  weist  dieselben  jener  Epoche, 
welcher  das  durch  seine  ausfiihrliche  Veröffentlichung  bekannte  Strehlener 
Urnenfeld*)  angehört,  zu.  Derartige  Thongefässe  linden  sich  besonders 
zahlreich  in  der  sächsischen  und  preussischen  Lausitz  zusammen  mit 
Bronzen  älterer  Form,  fast  nie  jedoch  mit  Eisen  und  sind  mit  der 
Bezeichnung  „Lau  sitz  er  Typus"  in  die  Bronzezeit,  mithin  in  eine 
Epoche  vor  unserer  Zeitrechnung  gestellt  worden. 

Wollte  man  nur  aus  der  Lage  des  Fundorts  schliessen,  so  würde  eine 
so  frühe  Datirung  des  Fundes  kaum  zu  rechtfertigen  sein.  Laussnitz  liegt 
unweit  Königsbrück,  dem  alten  Uebergange  über  die  Pulsnitz,  welche  in 
der  Zeit  vor  der  deutschen  Einwanderung  die  Länder  der  Daleminzier  von 
von  den  Milzienern  schied.  Aus  der  Sprache  der  damals  vorgefundenen 
wendischen  Bevölkerung  stammen  ohne  Zweifel  die  Namen  Pulsnitz, 
Laussnitz,  Stenz  (stanice  =  befestigter  Ort),  dicht  vor  Königsbiück  und 
Glauschnitz  (hlasnice  ==  Wachthaus),  das  nächste  Dorf  über  Stenz  hinaus  ent- 
lang der  hohen  und  Heerstrasse,  welche  schon  in  vordeutscher  Zeit  die 
Hauptverkehi-sader  von  Ost   nach  West  gewesen  sein  wird.     Von   Königs- 

*)  11.  B.  Geiiiitz,  Die  IJrueiifelder  von  Strehloii  uud  Grosseuhaiu.  (Mitth.  aus 
d.  K.  mineralog.  Museum  iu  Dresden.    1876.) 


125^ 

brück,  welches  wahrscheinlich  auf  der  Stätte  einer  wemlischeii  Niederlassung 
oder  Befestigung  erbaut  ist,  strahlten  wohl  schon  in  ältester  Zeit  die 
Verkehrswege  nacli  dem  Westen  in  vei*scliiedenen  Richtungen  aus.  Sdion 
erwähnt  wurde  die  hohe  und  Heerstrasse,  ausserdem  führt  die  sogenannte 
„kleine  Poststriusse"  hier  durch,  welche  bis  Tauscha  mit  der  auf  den 
Foi-stkarten  unter  der  Bezeichnung  „die  alten  Strassen'*  eingetragenen 
weiterliin  sogenannten  „alten  Strasse"  über  liadeburg  nach  Meissen  zu- 
sammenfällt, endlich  läuft  von  Königsbrück  aus  die  jetzt  zur  Chaussee 
ausgebaute  Sti-asse  durch  die  Laussnitzer  Haide  nach  Dresden,  deren 
älteste  Richtung  vielleicht  mit  dem  erwähnten  Waldweg  „der  Spiess",  ent- 
lang dessen  die  Secundäreisenbahn  tracirt  ist,  zusammenfällt  und  an 
welchem  auch  das  Dorf  Laussnitz  und  die  Urnenfundstelle  gelegen  ist. 

Hiernach  würde  sich  vor  der  Uebergaugsstelle  an  der  Pulsnitz  ein 
vordeu tsclies  Culturgebiet  Laussnitz -Stenz-G  lauschnitz  construiren  hussen, 
in  welchem  an  charakteristischer  Stelle  an  der  heutigen  Flurgrenze  von 
liaussnitz  und  an  dem  Punkte,  wo  der  alte  W^ildweg  „der  Spiess"  auf  die 
Feldflur  tritt,  die  Unienfundstelle  gelogen  ist  und  demnach  kaum  ohne 
alle  Beziehung  zu  den  Ansiedelungen,  welche  die  einwandernden  Deutschen 
vorfanden,  sein  kann.  Es  liegt  hier  und  bei  ähnliclien  Funden  unleugbar 
ein  gewisser  Zwiespalt  der  Beurtlieilung  vor.  Mag  die  chronologische  Be- 
stimmung der  Fundsachen  mit  noch  so  guten  (iründen  gestützt  und  nach 
dem  heutigen  Stande  der  Vorgeschichte  auch  völlig  glaubhaft  sein,  so 
treten  doch  häufig  auffallende  Beziehungen  zwischen  der  Lage  der  Urnen- 
felder und  den  noch  heute  erhaltenen  Flurgrenzen,  Feldeintheilungen, 
Lokahiamen,  Ansiedelungen  der  Wendenzeit  hervor,  die  gleichfalls  be- 
achtenswerthe  Gründe  liefern,  auch  die  Unienfelder  mit  dieser  Zeit  in 
inneren  Zusammenhang  zu  bringen.  Ob  dieser  Zwiespalt  sich  in  einfachster 
W^eise  dadurch  ausgleichen  wird,  dass  eine  Continuität  der  Vererbung  seit 
jener  Broncezeit  bis  in  die  Wendenzeit  nachweisbar  wird,  oder  ob  sich  in 
anderer  Weise  eine  Lösung  herbeiführen  lässt,  kann  nur  durch  vergleichende 
Verarbeitung  zahlreicher  genauer  Fundberichte  bei  sehr  eingehender  Wür- 
digung der  Fundorte  der  Entscheidung  näher  gebracht  werden.  Hierin 
liegt  der  wahre  wissenscliaftliche  Wei-th  des  unterirdischen  Theiles  vor- 
gescliichtlicher  Forschungen,  die,  wenn  sie  sich  nur  auf  die  Befriedigung 
der  Neugierde  oder  auf  das  planlose  Sammeln  von  Curiosa  erstrecken, 
leidit  einen  Beigeschmack  des  Dilettantischen  annehmen. 

2.  Urnenfunde  bei  Klotzsche.  Dicht  neben  der  Haltestelle 
Klotzsche  an  der  Dresden-Görlitzer  Eisenbahn  fanden  sich  beim  Einplaniren 
einer  flachen,  sandigen  Kui^pe  behufs  Anlage  des  Anschlussbahnhofs  für 
die  Secundärbahn  nach  Königsbrück  eine  Anzahl  Umengräber,  die  je  nach 
dem  Fortschritt  der  Arbeit  im  März  bis  Mai  1S84  sorgfältig  erhoben 
worden  sind.  Das  für  die  Bahnanlage  erworbene  Areal  ist  hier  von 
grösserem  Umfange,  so  dass  innerhalb  desselben  ein  zusammenhängendes 
Gräberfeld,  aus  elf  Gnibstellen  bestehend,  erschlossen  wurde.    Dasselbe  zieht 


126 

sich  waln-sclieinlich  noch  weiter  in  den  benachbarten  Kiefernwald  und  in 
Richtung  der  flachen  Kuppe  hin,  welche  zwischen  der  Haltestelle  Klotzsche 
und  der  in  140  m  Abstand  voriiberführenden  Chaussee  nach  Königs- 
brück  gelegen  ist.  Nach  der  anderen  Seite  ist  der  Boden  bei  früheren 
Gleisanlagen  bereits  abgetragen  worden,  so  dass  Untersuchungen  in  dieser 
Richtung  ausgeschlossen  sind.  Allerdings  sollen  bei  jenen  Arbeiten  seiner 
Zeit  nach  Aussage  von  Arbeitern  viel  lose  Steine  zu  Tage  gekommen  sein, 
was  deshalb  aufgefallen  war,  weil  der  Boden  aus  reinem  Sand,  der  in 
wechselnder  Mächtigkeit  dem  Granit  aufgelagert  ist,  besteht.  Wahrscheinlich 
hat  das  Urnenfeld  in  dieser  Richtung  früher  weitere  Ausdehnung  besessen. 

(irab  I  muss  bei  der  Aufdeckung  schon  ziemlich  zei-stört  gewesen 
sein,  da  völlig  oder  doch  gut  erhaltene  Gefasse  nicht  erhoben  wurden. 
Dagegen  sind  die  Gefässbruchstücke,  welche  wahrscheinlich  noch  einem 
zweiten  benachbarten,  bei  den  Erdarbeiten  ausgeworfenen  Grabe  ent- 
stammen, von  Werth,  so  dass  die  Zerstörung  durch  die  Erdarbeiter,  welche 
allerdings  durch  diese  Funde  erst  auf  das  Urnenvorkommen  aufmerksam 
wurden,  umsomehr  beklagt  werden  muss.  Es  fanden  sich  Scherben  einer 
rothbraunen  Buckelurne,  wie  Fig.  7,  Taf.  V,  Geinitz,  Strehlener  Urnenfeld, 
eine  für  die  Umenfelder  vom  Lausitzer  Typus  besondere  charakteristische 
Form,  ferner  eine  grosse  30  cm  weit(»  Napfurne,  ein  Randstück  eines 
grossen,  dickwandigen  Gefässos  mit  breiter,  vorstehender  Wulst  um 
den  Gefösshals  und  Henkel,  wie  es  inn*  sehr  selten  beobachtet  wird,  ferner 
Bruchstücke  gewöhnlicher  Schalen  und  endlich  einige  Scherben  mit  ein- 
gekratzten Linien,  zwischen  denen  Punkte  eingestochen  waren.  Ein  Stein- 
kranz und  Steinbedeckung  ist  zu  erkennen  gewesen,  von  Metallbeigaben 
ist  dagegen  etwas  nicht  in  Erfalnung  gebracht  worden. 

Aus  (trab  2  entstammt  eine  Henkelurne,  welche  schon  bei  der  Her- 
stellung am  Rande  eingedrückt  wurde  und  dadurch  unrund  ei*scheint. 
Einige  Steine  landen  sich  neben  dem  (leftiss. 

Grab  3  enthielt  eine  mit  Knochenresten  gefüllte  henkellose  Urne  von 
der  üblichen  Form  der  Henkelurnen. 

Grab  4  bestand  aus  einer  nur  10  cm  weiten,  mit  Knocheuresten 
gefüllten  Henkelurne  und  einer  Tasse  ohne  Steinsetzungen, 

Aus  Grab  5  sind  nur  spärliche  Bruchstücke  zweier  Gefasse,  einer 
flachen  Schale,  wahrscheinlich  Deckel  auf  dem  zweiten  Gefiisse,  einer  Tasse 
erhoben  worden,  ähnlich  wie  si)äter  aus  Grab  7. 

Grab  6  enthielt  eine  von  einer  Schüssel  überdeckte  Schale  mit  einem 
griffartigen  Vorsprung  am  oberen  Rande  und  als  Beigefäss  eine  leider  stai'k 
zertrümmerte  Buckelume  mit  hohem,  geschweiftem  Halse.  Die  spärlichen 
Knochenreste,  welche  sich  beim  Ausgraben  feststellen  Hessen,  entstammten 
wahrscheinlich  der  überdeckten  Schale.     Steinsetzungen  fehlten. 

Grab  7.  Neben  zwei  Steinen  stand  eine  Schale  unter  einer  Schüssel 
als  Deckel,  eine  Beisetzungsweise,  die  schon  in  den  (iräbern  1  (?),  5  und  6 
zu  constatiren  war. 


127 

Grab  8.  Unter  einem  Deckstein  standen  zwei  Schalen,  deren  eine, 
wie  in  Grab  6,  einen  griflFartigen  Vorsprung  am  oberen  Rande  zeigte. 
Neben  denselben  befand  sich  das  Hauptgefäss,  ein  25  cm  weiter  Napf, 
bedeckt  von  einer  Schüssel  mit  ausgebildetem  Rand.  Da  sonstige  Stein- 
setzungen sich  nicht  vorfanden,  so  wird  der  envühnte  Deckstein  nur  zur 
Abdeckung  der  beiden,  wahrscheinlich  mit  Getränk  angefüllten  Schalen  ge- 
dient haben. 

Grab  9.  Unter  einem  grossen  Stein  von  50  cm  Durchmesser 
und  15  cm  Stärke  fand  sich  nichts  anderes  als  eine  kleine,  flache, 
zerdrückte  Schale  mit  einigen  wenigen  Knochenresten  vor.  Dieses  Grab 
liegt  dicht  an  der  Grenze  des  Bahnareals  und  dürfte  möglicherweise  zu 
einem  grösseren  Grab  jenseits  dei-selben  gehören,  da  die  Geringfügigkeit 
der  Beisetzung  in  keinem  Verhältnisse  zu  den  Steinbauten  steht. 

Grab  10  zeigte  eine  ziemlich  vollständige,  seitlich  vei-schobene  Stein- 
setzung um  eine  30  cm  weite,  carminröthliche  Napfurne,  welche  mit 
einer  einhenkeligen  Schüssel  bedeckt  war  und  Knochenreste  enthielt.  Als 
Beigefässe  fanden  sich  eine  stark  zertrümmerte  Tasse  und  ein  kleines,  mit 
Punkten  und  Streifen  verziertes  kugeliges  Näpfchen.  Auch  hier  fehlten 
Metallbeigaben. 

Grab  11.  In  einer  gi-ossen  Napfurne,  ähnlich  der  aus  (irab  10, 
fanden  sich  endlich  die  bis  auf  eine  unsichere  Spur  bisher  auf  diesem 
Unienfelde  vemiissten  Bronzebeigaben,  und  zwar  in  folgenden,  für  die 
Style]M)che,  welcher  sämmtliche  bisher  gefundene  Thongefässe  angehören, 
charakteristischen  Formen:  eine  Schmucknadel  mit  Knopf,  ähnlich  den 
Strehlener  Funden,  eine  dünnere  Nadel  mit  ösenartig  umgebogenem  Ende, 
zwei  flache  Knöpfe  aus  Bronzeblech  mit  Oesen  zum  Annähen,  mehren» 
spiralartige  Binichstücke  von  Bronzedraht.  In  unmittelbarer  Nähe  wurden 
noch  zwei  zierliche  Beigelässe,  eine  Tasse  und  eine  kleine,  nur  tt  cm 
weite  Henkelurne  mit  <lurch  einen  Stempel  eingedrückten  Kantenverzie- 
rungen. 

In  dem  leichten  Sand,  welcher  in  der  ganzen  Dresdener  Haide  den 
Untergrund  bildet,  Hessen  sich  nicht  nur  die  (iefässe  mit  Leichtigkeit  er- 
heben, es  konnte  auch  meist  deutlich  beobachtet  werden,  bis  zu  w^elcher 
Tiefe  die  Grabgruben  ehemals  ausgehoben  worden  waren;  da  der  wieder 
eingeworfene  Sand  durch  Mischung  mit  Humus,  Asche,  eine  allerdings  nur 
sehr  wenig  dunklere  Färbung  hatte. 

In  Form  und  Beschaffenheit  sind  die  (Jefässe  und  Metallbeigaben 
völlig  übereinstimmend  mit  denjenigen  der  Bronzezeit,  speciell  vom  Lausitzer 
Typus.  Das  Klotzscher  Umenfeld  ist  somit  eng  mit  den  Laussnitzer 
Funden  zusammenzustellen  und  gilt  das  dort  (iesagte  auch  hier. 

Bezüglich  der  Oertlichkeit  des  Urnenfeldes  ist  zu  bemerken,  dass 
dasselbe  in  unmittelbarer  Nähe  der  alten  Strassenrichtimg  Dresden-Königs- 
brück,  und  zwar  da  gelegen  ist,  wo  vielfach  verästelte  Waldwege  imter 
Umgehung  des   tief  eingeschnittenen    Priessnitzthales   am    Knie    desselben 


128 

von  der  Strasse  abzweigen  und  die  Riclitung  auf  Iladeberg  einschlagen. 
In  der  zwischen  der  Königsbrücker  Striisse  und  diesen  Waldwegen  am 
Abzweigungspunkte  eingeschlossenen  Spitze  liegt  die  bereits  erwähnte,  etwa 
140  m  breite,  sandige,  flache  Kuppe,  an  deren  Rand  das  Urnenfeld 
aufgedeckt  wurde.  Die  Stelle,  wo  die  Radeberger  Waldwege  von  der 
Strasse  abzweigen,  ist  dadurch  noch  bedeutungsvoller,  dass  eben  da  auch 
der  Coininunicationsweg  von  den  alten  Dörfern  Rähnitz  und  Klotzsche  von 
Westen  hi  die  Königsbrücker  Strasse  einmündet.  Auch  hier  ist  also  die 
Lage  des  Urnenfeldes  nicht  ohne  Beziehung  zur  ehemaligen  Topographie 
der  Umgebung  kurz  vor  der  Zeit  der  deutschen  Einwanderung.  Unweit 
der  Kreuzungsstelle  zweier  charakteristischer  Wegerichtungen,  welche  Orte 
mit  wendischen  Namen  verbinden,  deren  eine  (die  Königsbrücker  Strasse) 
zugleich  Flurgrenze  des  benaclibarten  Dorfes  Klotzsche  (Kluce  ==  Rodeland) 
ist,  gelegen,  lässt  sich  audi  für  dieses  Uraenfeld  ein  wendisches  Cultur- 
gebiet :  Klotzsche,  Riihnitz  (hranice  =  Holzstoss,  Scheiterhaufen ;  aber  auch 
=  Grenze),  Gommlitz,  Lausa  (lazu  =  ungeackerter  Feldstreifen,  Lehde)  con- 
struiren,  —  ja,  einige  heutige  Localnamen  in  nächster  Nähe  <les  Umen- 
feldes  scheinen  sogar  in  Bezieliung  zu  demselben  zu  stehen.  Die  unmittel- 
bar benachbarte,  kurze,  aber  tief  eingeschnittene  Schlucht,  „Teufelsloch", 
könnte,  wie  in  ähnlichen  Fällen,  auf  eine  in  der  vorchristlichen  Zeit  ver- 
ehrte Stelle  hinweisen,  die  am  Priessnitzknie  gelegene  „Todtenbrücke"  auf 
den  alten  Bestattungsplatz  bezogen  werden,  ohne  dass  jedoch  diesem 
wahi-scheinlich  nur  zufälligen  Vorkommen  deutscher  Ortsbezeichnungen 
eine  grössere  Bedeutung  beigemessen  werden  darf. 

Wenn  durch  die  Ausgrabungen  in  Klotzsche  und  Laussnitz  bei  der 
Beschränktheit  des  Materials  auch  neue  Gesichtspunkte  für  die  vorgeschicht- 
liche Forschung  nicht  gewonnen  werden  konnten,  so  werden  dieselben  doch 
schätzbare  Bausteine  abgeben  für  die  vaterländische  Prähistorie,  welche 
durch  recht  zahlreiche  ähnliche  Heiträge  ihren  Zielen  immer  näher  ge- 
bracht werden  möge. 


129 


Beitrag:  zur  Kenntniss  der  Kolbe'schen  Salicyl- 

säure-Svnthese. 


Von  R.  Schmitt. 


Die  theoretiscli  so  interessante  künstliche  Pai*8tellung  der  Salicylsäure 
von  Kolbe  ist  bis  jetzt  in  ihrem  Verlauf  noch  nicht  vollständig  aufgeklärt, 
obgleich  sich  die  Grossindustrie  ihrer  bemächtigt  hat  und  centnerweise  die 
Säure  nach  diesem  Verfahren  darstellt. 

Ich  lege  hiermit  die  Resultate  einer  Exporimental- Untersuchung  vor, 
durch  welche  ich  glaube  einer  Aufklärung  über  den  Verlauf  der  Reactionen, 
welche  sich  bei  der  Kolbe 'scheu  Synthese  der  Salicylsäure  abspielen,  näher 
getreten  zu  sein.  Zur  besseren  Einsicht  in  die  Fragen,  die  ich  zu  beant- 
worten versucht  habe,  schicke  ich  zunächst  eine  kurze  Uebersicht  der 
Ai'beiten  voraus,  die  bis  jetzt  über  diese  Synthese  vorliegen. 

Kolbe  liess  zuerst  im  Jahre  1859,  von  der  Ansicht  ausgehend,  die 
Salicylsäure  sei  als  Phenylkohlensäure  aufzufassen  und  habe  dieselbe  Con- 
stitution wie  die  Aethylkohlensäure,  Nati'ium  auf  Phenol  einwirken,  durch 
welches  gleichzeitig  ein  Strom  von  Kohlensäureanhydrid  geleitet  wurde. 
Er  gelangte  in  der  That  auf  diese  Weise  zu  der  gesuchten  Säure.  Er  nahm 
an,  die  drei  Ingredienzien  vereinigten  sich  unter  Entbindung  von  Wasser- 
stoff unmittelbar  zu  salicylsaurem  Natrium. 

Besonders  hebt  Kolbe  aber  hervor,  die  Säure  entstehe  nicht  durch 
Einleiten  von  Kohlensäureanhydrid  in  Phenolnatrimn.  (Liebg.  Annal.  113, 
pag.  126.)  Bemerkenswei-th  ist,  dass  damals  Kolbe  die  Isomerie  der  Salicyl- 
säure mit  der  Oxybenzotisäure  (die  jetzige  Metaoxybenzoesäure)  durch  die  An- 
nahme erklärte,  erstere  sei  Phenylkohlensäure,  letztere  aber  eine  Oxyphenyl- 
carbonsäure  und  es  bestehe  zwischen  den  beiden  dasselbe  Verhältniss.  wie 
zwischen  der  Aethylkohlensäure  und  der  isomeren  Milchsäure: 
CiHöü/wv  CcHöOp/^ 

Aethylkohlensäure  Salicylsäure 

p    TT    OH  f^    TT    OH 

^**^*COOH  ^«"*COOH 


Milchsäure  Oxybenzoesäure. 

Fmittchift  thv  hi«  in  DtatUtt,  J88Ö. 


130 

Aber  schon  im  Jahre  1 860  kam  er  bei  seiner  wichtigen  Untersuchung 
über  die  Basicität  der  Salicylsäure  (Liebg.  Annl.  115,  pag.  176.)  zu  Resul- 
taten, welche  bewiesen,  dass  diese  Säure  auch  eine  Oxyphenylcarbonsäure, 
gleich  w^ie  die  Oxybenzoesäure  sei.  Er  musste  also  seine  frühere  Ansicht 
über  die  Constitution  der  Salicylsäure,  die  ihn  aber  entschieden  zur  künst- 
lichen Darstellung  derselben  geführt  hatte,  fallen  lassen  und  damit  auch 
die  Erklärung  über  den  Verlauf  der  Reaction. 

Bei  eingehender  Untersuchung  fand  nun  Kolbe,  dass  bei  der  Ein- 
wirkung von  Natrium  auf  Phenol  in  Gegenwart  von  Kohlensäureanhydrid 
neben  salicylsaurem  Natrium  auch,  und  zwar  in  grösserer  Menge,  das 
Natriumsalz  der  Phenylkohlensäure  entsteht. 

Offenbar  aber  trennte  Kolbe  diese  wichtige  Verbindung  nicht  von  der 
Salicylsäure,  sondern  schloss  nur  auf  die  Existenz  derselben,  weil  das  feste 
Reactionsproduct  in  Wasser  gelöst,  bei  Zusatz  einer  Mineralsäure,  eine 
grosse  Menge  von  Kohlensäure  entwickelte,  unter  Abscheidung  von  Phenol 
und  Salicylsäure.  Der  Schwierigkeit  einer  Erklärung  für  die  merkwürdige 
Thatsache  der  Bildung  der  beiden  isomeren  Verbindungen  neben  einander, 
begegnete  er  mit  dem  Hinweis,  dass  bei  seiner  Reaction  ähnliche  Verhält- 
nisse obwalteten,  wie  bei  der  Einwirkung  des  Schwefelsäureanhydrids  auf 
Aethylalkohol,  denn  auch  hier  entsteht  die  Aethylschwefelsäure  neben  der 
Oxyaethylsulfonsäure  (Isaethionsäure).  Er  war  so  fest  überzeugt  von  dem 
Verlaufe  seiner  Reaction  nach  folgender  Gleichung: 

2C«H,0H  +  Na,  +  2  C  0,  =  C6H4^^ojj^+  ^f^^  C  0 , 

^^  salicylsaures      phenylkohlen- 

.  Natrium  saures  Natrium, 
dass  er  sich  zu  dem  negativen  Versuch  veranlasst  sah,  ob  bei  der  Einwirkung 
von  Natrium  auf  Aethylalkohol  in  Gegenwai-t  von  Kohlensäureanhydrid  nicht 
neben  dem  aethylkohlensauren  Natrium  das  oxyaethylcarl)onsaure  Natrium 
(milchsaures  Natrium)  sich  bilde,  welchen  auch  Beilstein  mit  ungünstigem 
Erfolg  schon  früher  angestellt  hatte  (Liebg.  Ann.  1 1 2,  pag.  1 24). 

Die  eben  ausgesprochene  Ansicht,  Kolbe  habe  das  phenylkohlensäure 
Natrium  nicht  in  reinem  Zustand  dargestellt,  geht  zwar  nicht  klar  aus 
seinen  Mittheilungen  hervor,  in  denen  er  sogar  anfährt,  dieses  Salz  bilde 
sich  bei  der  Einwirkung  von  Kohlensäureanhydrid  auf  Phenolnatrium,  die- 
selbe wird  aber  mehr  wie  wahrscheinlich,  wenn  man  berücksichtigt,  dass 
er  keinerlei  Angaben  über  das  Verhalten  dieser  für  seine  Salicylsäure- 
Synthese  so  wichtigen  Verbindung  macht,  und  ferner,  dass  er  14  Jahre 
später  feststellte,  dieselbe  bilde  sich  bei  der  Reaction  überhaupt  nicht, 
sondern  statt  ihrer  entstände  saures  kohlensaures  Natrium,  und  die  Ent- 
wicklung des  Kohlensäureanhydrids  aus  dem  Reactionsproduct  bei  der  Neutra- 
lisation sei  auf  dieses  Salz  zuriickzuführen  (Jounuil  f.  practisch.  Chemie  [2] 
10,  pag.  89).  Bei  dieser  w^ieder  aufgenommenen  Untersuchung  constatirte 
er  auch  die  Bildung  von  Phenolnatriuni   bei  seiner  Reaction,    und   dass 


131 

dieses  Salz  abnahm  und  grössere  Mengen  Salicylsäure  erzielt  wurden,  so 
bald  er  bei  höherer  Temperatur  das  Einleiten  von  Kohlensäureanhydrid 
fortsetzte.  Da  er  gleichzeitig  die  Stabilität  des  Phenolnatriums  bei  hoher 
Temperatur  erkannt  hatte,  so  Hess  er  trockenes  Kohlensäureanhydrid  nun- 
mehr auf  über  100®  C.  erhitztes  Phenolnatrium  einwirken.  In  einem  ge- 
wissen Stadium  der  Reaction  tritt  freies  Phenol  auf,  und  der  schliessliche 
Rückstand  besteht  aus  Dinatriumsalicylat.  Der  Process  verläuft  stets 
in  der  Weise,  dass  aus  zwei  Molekülen  Phenolnatrium  ein  Molekül 
Dinatriumsalicylat  gebildet  wird,  wälirend  sich  ein  Molekül  Phenol  ab- 
spaltet. 

Kolbe  erkannte  wohl  das  Complicirte  dieser  Reaction  und  nahm,  um 
das  Auftreten  des  freien  Phenols  zu  erklären,  deshalb  an,  es  entstände  primär 
beim  Erhitzen  aus  zwei  Molekülen  Phenolnatrium  ein  Molekül  Dinatrium- 
phenol  und  ein  Molekül  freies  Phenol: 

2C6H50Na  =  CcH4NaONa+  CeHsOH 
Phenolnatrium  Dinatriumphenol     Phenol ; 

und  dieses  oi-stere  werde  dann  secundär  durch  Anlagerung  von  einem 
Molekül  Kohlensäureanhydrid  in  das  Dinatriumsalicylat  umgesetzt. 

C6H4NaONa  +  C  O2  =  CeH* ^y  J)  ^^ 
Dinatriumphenol  Dinatriumsalicylat. 

Die  Hypothese  stand  nicht  im  Einklang  mit  den  Erscheinungen,  welche 
beim  Verlauf  der  Reaction  eintreten,  denn  einmal  wird  das  Kohlensäuregas 
sofort  absorbirt,  noch  bevor  das  Phenolnatrium  auf  100®  erhitzt  ist,  und 
zwar  ohne  Abspaltung  von  Phenol.  Diese  beginnt  erst  bei  viel  höherer 
Temperatur,  nachdem  die  Absorption  des  Kohlensäureanhydrids  nachgelassen 
hat.  Dann  stellte  auch  Kolbe  fest,  dass,  wenn  der  Process  unterbrochen 
wird,  bevor  freies  Phenol  auftritt,  die  Masse  schon  Natrinmsalicylat  ent- 
hält. Es  konnte  also  die  Rückbildung  des  Phenols  nicht  durch  die  erste 
Phase  der  Reaction,  die  Kolbe  annimmt,  bedingt  sein. 

Die  Interpretation  des  Processes  fand  deshalb  auch  keinen  Anklang, 
zumal  die  Existenz  eines  Dinatriuraphenols  durch  nichts  bewiesen  war  und 
Kolbe  selbst  scheint  kein  besonderes  Gewicht  auf  dasselbe  gelegt  zu 
haben,  denn  in  seinem  ('ompendium  der  organischen  Chemie  (2.  Auflg. 
pag.  412.)  foi-muliit  er  nur  den  quantitativen  Verlauf  der  Reaction  durch 
die  Gleichung: 

CeHöONa    ,pn        ^TjONa  i    n  vi  nu 

CcHsONa  +  ^^^*  =  ^«"^COONa  +  ^^HöOH. 

Durch  diese  im  Jahre  1874  entdeckte  neue  Darstellungsmethode  dei 
Salicylsäure  wurde  es  erst  möglich,  die  Fabrikation  derselben  in  einem 
so  grossartigen  Massstabe  aufzunehmen,  wie  es  in  dem  Etablissement  ge- 
schieht,   welches    bisher    unt^r    der    trefflichen    Leitung    des   Herrn    Dr. 

9* 


132 

vonHeydenin  Radebeul  sich  befand,  aber  trotzdem  stand  eine  vollständige 
Einsicht  in  den  Verlauf  der  Reaction  noch  aus. 

Eine  bemerkenswerthe  Ansicht  in  dieser  Beziehung  sprach  im  Jahre 
1878  E.Bau  mann  in  seiner  Publication  über  die  Phenylschwefelsäure  aus 
(Bericht  d.  deutsch,  chemisch.  Gesellschaft  IX.  pag.  1285).  Gestützt  auf 
die  Thatsache,  dass  das  von  ihm  zuerst  dargestellte  Natriumphenylsulfat 
beim  Erhitzen  in  einer  zugeschmolzenen  Röhre  sich  fast  quantitativ  in 
paraphenolsulfosaures  Kalium  umsetzt,  schloss  dieser  Forscher,  dass  auch 
bei  der  Einwirkung  von  Kohlensäureanhydrid  auf  Phenolnatrium  zunächst 
phenylkohlensaures  Natrium  entstehe,  und  dieses  dann  bei  höherer  Tem- 
peratur sich  in  salicylsaures  Natrium  (phenolcarbonsaures  Natrium)  mole- 
kular umsetze: 

I.     CeHßO Na  +  C  0,  =  ^\^j^^  C  0 


Phenolnatrium 


MaO' 


phenylkohlensaures  Natrium 

II.     CcHöOp/A r,  11  OH 

NaO'^^^  — '^'"^COONa 

phenylkohlen-       salicylsaures 
saures  Natrium        Natrium. 

Das  Auftreten  des  Dinatriumsalicylats  und  des  freien  Phenols ,  stand 
aber  mit  dieser  Annahme  nicht  im  Einklang.  Baumann  spricht,  um  dieses 
zu  erklären,  die  Vermuthmig  aus,  die  Bildung  dieser  beiden  Verbindungen 
sei  bedingt  durch  die  sccundäre  Einwirkung  von  freiem  Natriumhydroxyd, 
welches  im  Phenolnatrium  enthalten  sei.  Durch  diese  freie  Base  werde 
das  Mononatriumsalicylat  in  das  Dinatriumsalicylat  übergeführt  und  das 
dabei  sich  bildende  Wasser  zerlege  dann  weiter  einen  Theil  des  phenyl- 
kohlensauren  Natriums  in  saures  kohlensaures  Natrium  und  Phenol: 

I.    CcH4pQQy^+Na()H  =  C6H4^Q'[)y^  +  HgO 
salicylsaures  Natrium  Dinatriumsalicylat 

II.   ^«^^^gcO  +  H.O  =  J}^^oCO  +  ^'«H»OH 


phenylkohlensam*es  saures 

Natrium  kohlensaures 

Natrium 


Phenol. 


Da  es  ihm  aber  nicht  gelang,  das  phenylkohlensaure  Natrium  darzu- 
stellen, so  konnte  er  seine  Annahme  nicht  experimentell  beweisen. 

Es  wurden  daher  in  der  letzten  Zeit  von  Dr.  Hentschel  in  meinem 
Laboratorium  in  dieser  Richtung  Versuche  angestellt.  Dieselben  führten 
zunächst  zu  einer  verbesserten  Darstellungsmethode  des  Diphenylcarbonats 
und  weiter  zu  der  Umsetzung  dieses  Esters  durch  Erhitzen  mit  Natrium- 
aethylat  oder  Phenolnatrium  in  einfach  salicylsaures  Natrium.  (Journal 
f.  pr.  Chem.  [2]  27,  pag.  42). 


133^ 

Durch  diese  neue  interessante  Synthese  der  Salicylsäure  war  der  innere 
Zusanimenliang  dieser  Säure  mit  dem  phenylkohlensauren  Ester  unzweifelhaft 
dai'gelegt.  Darauf  wies  aber  auch  schon  die  Umsetzung  des  Chlorkohlen- 
säure-Aethylesters  durch  Phenol  und  Natrium  in  den  Salicylsäure- Aethyl- 
ester  hin,  welche  im  Jahre  1868  von  Wi Im  &  Wischin  ausgefühi*t  wurde 
(iJeitschrift  f.  Chem.  1868,  pag.  6).  Für  den  Chemismus  hei  der  Kolbe 'sehen 
Reaction  bot  sie  jedoch  keinen  Aufschluss.  Hentschel  stellte  deshalb  noch 
weitere  Versuche  an,  und  ging  dabei  von  der  Baumann'schen  Annahme 
aus,  das  primäre  Product  bei  der  Einwirkung  des  Kohlensäureanhydrids 
auf  Phenolnatrium  sei  das  pheuylkohlensaure  Natrium;  weiter  al)er  nimmt 
er,  im  Gegensatz  von  jenem,  an,  dieses  Ester  setze  sich  nicht  in  Mono- 
natriumsalicylat  beim  Erhitzen  um,  sondern  trete  mit  ehiem  Molekül  Phenol- 
natrium in  Wechselwirkung  und  dabei  bilde  sich  freies  Phenol  und 
Dinatriumsalicylat  entsprechend  der  Gleichung: 

^  Na 0  ^  ^  +  t:oH50Na  =  CuH4^ ^^  ^^  +  LjH^ . 
phenyl-      P>^enolnatrium      Dj^^trium-  P*^^"^^' 

kohlensaures  salicylat 

Natrium 

Dieses  glaubt  er  auch  experimentell  dadurch  bewiesen  zu  haben,  dass 
er  beim  Einleiten  von  Kohlensäureanhydrid  in  eine  Lösung  von  Phenol- 
natrium in  absolutem  Alkohol  einen  Niedei-schlag  erhielt,  der  getrocknet, 
mit  Phenolnatrium  erhitzt,  Salicylsäure  liefert.  Dieser  Niederschlag  ist  aber, 
wie  Hentschel  selbst  feststellte,  keineswegs  reines  phenylkohlensaures 
Natrium,  sondern  höchstens  ein  Gemenge  von  aethyl-  und  phenylkohlensaurem 
Natrium.  Ich  glaube  sogar,  der  Niedei-schlag  enthält  gar  kein  phenyl- 
kohlensaures Natrium,  denn  ich  habe  ihn  daretellen  lassen  und  gefunden, 
dass  dereelbe,  mit  Wasser  übergössen,  kein  Kohlensäureanhydrid  entwickelt; 
dieses  müsste  al>er  eintreten,  wie  später  gezeigt  werden  wird,  wenn  das 
ti*agliche  Salz  in  dem  Gemenge  vorhanden  wäre.  Der  Bildung  von  Salicyl- 
säure \)ei  Erhitzen  des  Niederschlags  mit  Phenolnatrium,  kann  ebenfalls 
keine  Beweiskraft  für  das  Vorhandensein  von  phenylkohlensaurem  Natrium 
zuerkannt  werden,  denn  durch  mehrfache  Versuche  habe  ich  festgestellt, 
dass  aethylkohlensaures  Natrium  mit  Phenolnatrium  oder  Phenol  in  einem 
geschlossenen  Rohre  auf  200  ^  C.  erhitzt  Salicylsäure  liefert. 

1)  Je  21  gr  CßHsONa  und  C2HöOCOONa  gaben  unter  diesen  Um- 
ständen 1 3  gr  Salicylsäure,  also  54  %  der  theoretischen  Ausbeute, 

und 

2)  aus  19  gr  CcHöOH  +  23  gr   CgHßüCOONa  wurden  8.5  gr 
Salicylsäure  gewonnen. 

Es  kann  also  obiger  Versuch  weder  als  Nachweis  dienen,  dass  sich 
bei  der  Kollje'schen  Synthese  phenylkohlensaures  Natrium  bildet,  noch  dass 
dieses  Salz  sich  mit  reinem  Phenolnatrium  in  Dinatriumsalicylat  und 
Phenol  umsetzt. 


134 

Ich  habe  nun  die  Arbeit  in  neuester  Zeit  wieder  aufgenommen  und 
zunächst  die  Frage  zu  beantworten  versucht: 

Ist  die  Annahme  von  Baumanu,  die  Entstehung  des 

Dinatriumsalicylats  bei   der  Kolbe'schen   Reaction  sei 

auf  die  Anwesenheit  von  Natriumhydroxyd  in  dem  zur 

Verwendung  kommenden  Phenolnatrium  zurückzuführen, 

gerechtfertigt? 

Zu  dem  Zwecke   wurde  mit  grösster  Subtilität  reines  Phenolnatrium 

dargestellt,  das  im  Wasserstofl'strom  bei  200®  C.  getrocknet  war  und  von 

dessen    Reinheit    ich    mich    durch    eine    Natriumbestimmung    überzeugte. 

Beim  Erhitzen  desselben  in  einer  Retorte   unter   gleichzeitiger  Zuleitung 

von  Kohlensäureanhydi-id  wurde  letzteres  schon  unter  100®  stark  absorbirt 

und  später,  als  die  Temperatur  über  140®  stieg,  begann  die  Abdestillation 

vom  Phenol,  während  die  Absorption  von  Kohlensäuregas  sich  verlangsamte 

und  schliesslich  fast  aufhörte.    Nach  zehnstündiger  Dauer  bei  1  SO  ®  C.  traten 

keine  Phenoldämpfe  mehr  auf  und  der  Process  war  beendet. 

Bei  der  quantitativen  Bestimmung  der  Ausbiäute  zeigte  sich,  diiss  fast 
aus  zwei  Molekülen  Phenolnatrium  ein  Molekül  Phenol  sich  abgespalten 
hatte  und  ein  Molekül  Salicylsäure  gebildet  war.  Des  Resultat  wider- 
legte also  obige  Annahme  von  Baumann. 

Phenylkohlensaures  Natrium. 

Ich  vei-suchte  nun  auf  verschiedene  Weise  reines  phenylkohlensaures 
Natrium  darzustellen  und  gelangte  schliesslich,  von  der  Voraussetzung  aus- 
gehend, dass  dieses  Salz,  gleich  wie  das  aethylkohlensaure  Natrium,  ausser- 
ordentlich empfindlich  gegen  Wärme  und  Wasser  sein  musste,  zum  Ziel, 
als  ich  chemisch  reines  und  absolut  trockenes  Phenolnatrium  tagelang 
der  Einwirkung  von  trockenem  Kohlensäureanhydrid  bei  gewöhnlicher 
Temperatur  aussetzte.  Dabei  wurde  auf  folgende  Weise  operirt.  In  einem 
weiten  Glascylinder,  in  dessen  beiden  Enden  Glaskappen  luftdicht  ein- 
geschliffen waren,  welche  in  Röhren  mit  guten  Glashähnen  ausliefen,  wurde, 
nachdem  der  Apparat  ausgetrocknet  war,  eine  bestimmte  Menge  Phenol- 
natrium, dessen  Reinheit  quantitativ  vorher  festgestellt  war,  gebracht. 
Darauf  wurde  das  Gewicht  des  beschickten  und  geschlossenen  Cylinders 
genau  festgestellt  und  derselbe  mit  einem  Kipp'schen  Kohlensäureentwickler 
derart  in  Verbindung  gesetzt,  dass  das  Gas  ein  System  von  Trockenröhren 
passirte,  bevor  es  in  den  Cylinder  trat.  Zunächst  blieben  beide  Glashähne 
offen,  um  die  Luft  aus  dem  Apparat  zu  verdrängen,  dann  aber  wurde  der 
Hahn  der  Abzugsröhre  geschlossen,  während  die  Verbindungsröhre  in 
Contact  mit  dem  Kohlensäureentwickler  blieb.  Das  Innere  des  Cylindei-s 
stand  also  fortwährend  unter  dem  Druck,  der  in  dem  Kipp'schen  Appai-at 
vorhanden  war,  so  dass  ein  beständiger  Ersatz  der  absorbirten  Kohlensäure 
stattfinden  konnte.  Die  Absorption  des  Kohlensäureanhydrids  begann  sofort 
unter  Volumzunahme   und   massiger  Wärmeentwickelung.     Trotzdem   das 


135 

Pheiiolnatrium  häufig  durch  eine  Drehung  des  Cylinders  um  seine  Axe  um- 
gewendet wurde,  dauerte, die  Absorption  je  nach  der  Quantität  der  Masse 
zwei  bis  vier  Wochen.  Die  Zunahme  des  Apparats  wurde  von  Zeit  zu  Zeit, 
naclidem  die  beiden  Hähne  geschlossen  waren,  durch  Wägen  controlirt 
Anfangs  ist  die  Al)Sorption  sehr  stark,  sie  verkngsarat  sich  aber  allmälig, 
wahrscheinlich  weil  die  äussere  Schicht  des  gebildeten  phenylkohlensauren 
Natriums  den  Contact  des  Kerns  der  einzelnen  Partikel  mit  dem  Kohlen- 
säuregas ei-schwert.  Sobald  die  zur  Bildung  des  phenylkohlensauren 
Natriums  nüthige  Menge  Kohlensäureanhydrids  aufgenommen  ist,  bleibt 
das  (iewicht  des  Apparats  absolut  constant.  Es  ist  also  eine  wahre  Ge- 
duldsprobe zu  bestehen,  wenn  man  zu  dem  reinen,  von  Phenolnatrium 
fi*eien  Salz  gelangen  will,  und  diesem  Umstand  ist  es  wohl  zuzuschreiben, 
dass  die  Reindarstellung  desselben  bis  jetzt  nicht  gelungen  ist. 

Von  den  vielen  quantitativen  Versuchen  seien  folgende  aufgeführt: 

Die  Bildung  von  jj^^  C  0 
verlangt: 
I.     19.58  gr  CellöONa  absorbirten  7.32  gr  CO^        7.43  gr  CO» 
11.     29.24   „  „  „  11.03   „       „         11.07    „      „ 

III.  125.95    „  „  „  47.10   „       „         47.80    „      „ 

IV.  141.32   „  „  „  52.90   „       „         53.58    „      „ 

Das  so  dargestellte  phenylkohlensaure  Natrium  ist  ein  weisses,  dem 
riienolnatrium  sehr  ähnliches  Pulver,  ohne  jedoch  dessen  starke  hygro- 
skopische Eigenschaften  zu  besitzen.  Von  seiner  Reinheit  lieferten  folgende 
Natrium -Bestimmungen  einen  Beweis: 

1)  44292  gr  geben  0.0346  gr  NagSO*  =  14.93%  Na, 

2)  0.4994  „       „       0.2224   „         „        =  14.42%    „ 

Das  reine  phenylkohlensaure  Natrium  enthält  1 4.38  %  Natrium. 

Aus  «5.1097  gr  Substanz  wurden  durch  verdünnte  Schwefelsäure 
O.S305gr  COg  =26.71  %  ausgetrieben,  reines  phenylkohlensaures  Natrium 
liefert  27.5  ®;o. 

Sehr  bemerkenswerth  ist  die  Empfindlichkeit  des  Salzes  gegen  Wasser. 
Sobald  es  damit  in  Berühining  kommt,  entwickelt  sich  rapid  CO«  unter 
Abscheidung  von  Phenol,  bei  der  quantitativen  Bestimmung  des  auf  diese 
Weise  deplacirten  Kohlensäureanhydrids  wurde  festgestellt,  dass  nur  die 
Hälfte  der  Kohlensäure,  die  in  dem  Salz  enthalten  ist,  entbunden  wurde, 
denn  3.1615  gr  lieferten  nur  0.4759  gr  CO2  =  15.05 «/o  statt  der  27.5%. 
Schüttelt  man  die  wässerige  Lösung  mit  Aether  aus,  um  das  durch  Wasser 
abgeschiedene  Phenol  zu  entfernen,  und  versetzt  sie  dann  mit  Säuren,  so 
tritt  wieder  unter  Abscheidung  von  Phenol  eine  reichliche  Kohlensäure- 
Entwickelung  ein.  Das  phenylkohlensaure  Natrium  wird  also  durch  Wasser 
in  Mengenverhältnisse,  die  folgende  Gleichung  ausdrückt,  zerlegt: 

2  ^'j^;^  C  0  +  H2O  =  00.+  C6H5OH  +  ^0^0  +  C6H5O  Na . 


136 

Versetzt  man  das  Salz  mit  absolutem  Alkohol,  so  wird  kein  Kohlen- 
säureanhydrid frei,  die  Masse  erwärmt  sich,  aber  es  tritt  keine  Auflösung 
ein;  überhaupt  ist  es  mir  nicht  gelungen,  ein  Lösungsmittel  für  die  Ver- 
bindung zu  finden. 

Ueberfohrung  des  phenylkohlensauren  Natriums 
in  Mononatriumsalicylat. 

Im  Besitz  des  phenylkohlensauren  Natriums,  war  es  nun  weiter  von 
Interesse,  sein  Verhalten  bei  höherer  Temperatur  zu  studiren.  Erwärmt 
man  das  Carbonat  allmälig  in  einer  Retorte  bis  auf  120®  C,  so  entwickelt 
sich  sehr  bald  stromweis  Kohlensäureanhydrid,  und  als  Rückstand  bleibt 
fast  reines  Phenolnatrium,  steigert  man  aber  die  Temperatur  möglichst 
rasch  auf  180 — 200  ^  C,  so  entweichen  geringere  Mengen  Kohlensäure,  gleich- 
zeitig treten  jedoch  Phenoldämpfe  auf;  der  Rückstand  enthält  dann  neben 
Phenolnatrium  salicylsaures  Natrium,  und  von  letzterem  Salz  um  so  mehr, 
je  rascher  die  Temperatur  auf  die  angegebene  Höhe  gesteigert  wurde. 
Dieses  Verhalten  gab  den  Fingerzeig,  dass  das  Erhitzen  in  einem  ge- 
schlossenen Apparat  ein  günstigeres  Resultat  liefeni  würde,  und  dieses  warum 
so  wahrscheinlicher,  da  ja  nach  Bau  mann 's  Beobachtungen  das  phenyl- 
schwefelsaure  Kalium,  bei  gewöhnlichem  Luftdruck  erhitzt,  eine  sehr  unwgel- 
mässige  Zersetzung  erleidet,  während  es  sich  in  einem  geschlossenen 
Apparat  fast  glatt  auf  molekular  in  phenolsulfosaures  Kalium  um- 
lagert. In  der  That  gelingt  es,  das  phenylkohlensaure  Natrium 
quantitativ  in  Mononatriumsalicylat  überzuführen,  sobald 
es  in  einer  geschlossenen  Röhre  einige  Stunden  auf  120—130  0  C. 
erhitzt  wird.  Nach  der  Operation  ist  in  derselben  kein 
Druck  vorhanden  und  man  erhält  das  salicylsaure  Salz  fast 
frei  von  Zersetzungsproducten.  Mit  Aether  behandelt,  lassen 
sich  nur  ganz  geringe  Mengen  Phenol  aus  dem  Salz  aus- 
ziehen. Aus  15.6  gr,  um  nur  einen  Beleg  für  die  quantitative  Ausbeute 
anzuführen,  wurden  13.6  gr  reine  Salicylsaure  gewonnen,  während  die 
theoretische  Menge  13.45  gr  betragen  würde. 

Die  Vermuthung  von  Baumann  hatte  sich  also  bestätigt,  denn 
es  ist  kein  Zweifel,  dass  bei  der  Kolbe' sehen  Synthese  sich  primär 
das  phenylkohlensaure  Natrium  bildet,  und  die  Thatsache,  dass  die 
Absorption  des  Kohlensäureanhydrids  im  Anfang  der  Operation  bei  niederer 
Temperatur  ausserordentlich  rasch  erfolgte,  erklärt  sich  jetzt  sehr  einfach. 
Dieses  ist  die  Periode  der  Bildung  des  phenylkohlcBsauren  Natriums, 
jedoch  wird  das  Phenolnatrium  auch  nur  theilweise  in  dieses  Salz  um- 
gesetzt. Die  vollständige  Umsetzung  tritt  beim  Verlauf  der  Kolbe 'sehen 
Reaction,  wie  sie  jetzt  durchgeführt  wird,  überhaupt  nicht  ein.  Steigert 
sich  die  Temperatur  auf  t30<>  C,  so  findet  die  molekulare  Umsetzung  des 
Carbonats  in  das  Monosalicylat  statt,  ohne  Abspaltung  von  Phenol.     Die 


137 

Aunahme  von  Heutschel,   nar,h  welcher  das  pbenylkohlensaure  Natrium 

ein  Molekül   Phenolnatrium  bedürfe,  um  überhaupt  in  salicylsaure  Salze 

sich  umzusetzen,   ist  durch  die  glatte   Uebei-führung  des  Carbonats  beim 

einfachen  Erhitzen  widerlegt,  und  es  ist  mehr  wie  wahrscheinlich,    dass 

auch  bei  der  Kolbe' sehen  Synthese  zunächst  das  Mononatriumsalicylat  sicli 

bildet.     Die  Bildung  des  Dinatriumsalzes  der  Salicylsaure  muss  vielmehr 

durch 

die  Einwirknnfr  des  JMoiioiiHtriiiiu.salicylats  auf  Plieiioliiafriuni, 

die  ei^st  bei  höherer  Temi)eratur,  also  in  der  letzten  Periode  des  Proccsses 
eintritt,  bedingt  sein.  Um  diese  Vermuthung  experimentell  zu  stützen, 
wurden  in  einer  Retorte  48  gr  von  einem  Gemisch,  welches  aus  gleichen 
Molekülen  Phenolnatrium  und  Mononatriumsalicylat  bestand,  ein  Wasser- 
stoflFstrom  längere  Zeit  auf  180— 190^0.  erhitzt;  es  destillirten  dabei 
15.2  gr  Phenol  ab,  und  zurück  blieb  ein  Kuchen  von  Dinatriumsalicylat, 
aus  welchem,  nachdem  er  in  ^Yasser  gelöst  war,  durch  Salzsäure  23.2  gr 
Salicylsaure  gefällt  wurden.  Die  Umsetzung  hatte  sich  also  nach  der 
Gleichung  abgespielt: 

CeHi^^  0  0  Xa  "^  UcHsONa  =  CeHsOH  +  t'elli^,  ^  ^  y^ 
MoDonatrium-     J'h«'olnatriuni     Phenol     üinatriumsalicylat. 
salicylat 
denn  nach  dieser  hätten    10.3  gr  Phenol  und  24  gr  Salicylsaure  entstehen 
müssen. 

Mit  dieser  bemerkenswerthen  Undagerung  ist  nun   in   der  That  die 
letzte  Reaction  bei  dem  Kolbe'schen  Pi-ocess  klargestellt. 

Es  ist  also  kein  Zweifel,  dass  derselbe  so  geleitet  werden  kann,  dass 
folgende  Reactionen  nach  einander  eintreten: 

I.     CeHsONa  +  C  Og  =  ^^^"j^p  C  0 

^^^?^^  Phenylnatrium- 

natnum  J^^o^^^ 

I,     CoHsü/iu ,,  TT  OH 

"•       NaO*"^~^''"*COONa 

Phenylnatrium-  Mononatrium- 
carbonat  salicylat 

III.    CaH«^^^,  jj.^  +  C«H50Na  =  CsHsOH  +  C'«H«^  Jj^  ^..^ 

Mononatrium-  ^*'«""*"**™™     "'^"^'^     Dinatriumsalicylat. 
salicylat 


So  befriedigend  die  gewonnenen  wissenschaftlichen  Resultate  auch 
waren,  so  konnten  dieselben  nur  für  die  Praxis  eine  Bedeutung  gewinnen, 
wenn  es  gelang,  die  Darstellung  des  reinen  phenylkohlensauren  Natriums 


138 

in  kürzerer  Zeit  zu  ermöglichen,  denn  nur  dann  war  das  Problem  gelöst: 
aus  einem  Molekül  Phenolnatrium  glatt  auf  vermittelst  Kohlensäureanhydrids 
ein  Molekül  Salicylsäure  im  Grossen  darzustellen.  Dieses  Salz  bildet  sich 
nun  in  folgender  einfacher  und  im  Grossen  ausführbarer  Weise: 

Man  bringt  das  absolut  trockene  —  denn  jeder  Wassergehalt 
schadet  —  Phenolnatrium  in  einen  Autoklaven  und  pumi^t  etwas  mehr 
als  die  zur  Bildung  des  pheuylkohlensauren  Natriums  nöthige  Menge 
Kohlensäureanhydrid  ein*).  SchHesst  man  dann  den  Autoklaven  und 
schüttelt  die  Masse  öfter  um,  so  ist  nach  ganz  kurzer  Zeit  das  Phenol- 
natrium in  das  Carbonat  umgewandelt.  Da  sich  aber  bei  dieser  raschen 
Absorption  der  Kohlensäure  die  Masse  so  stark  erhitzt,  dass  auch  schon 
secundäre  Umlagerungen  vor  sich  gehen,  ohne  dass  alles  Phenoluatrium 
sich  umgesetzt  hat,  so  muss  man  den  Apparat,  um  dieses  zu  vermeiden, 
abkühlen.  Es  ist  dann  nur  noch  nöthig,  den  geschlossenen  Autoklaven 
einige  Stunden  auf  120—130  0  C.  zu  erhitzen,  um  das  phenylkohlensaure 
Natrium  in  das  Mononatriumsalicylat  umzuwandeln.  Wie  quantitativ  der 
Process  sich  abspielt,  mögen  folgende  Ausbeutewerthe  beweisen:  116  gr 
Phenolnatrium  absorbirten  statt  41  gr  Kohlensäureanhydrid  42  gi*  und  aus 
199  gr  Phonolnatrium  wurden  statt  232  gr  228  gr  Salicylsäure  gewonnen. 
Der  Ausführung  dieses  Processes,  bei  welchem  nur  die  Hälfte  von  Natron- 
hydrat und  Phenol  gebraucht  wird,  um  dieselbe  Menge  von  Salicylsäure 
darzustellen,  wie  durch  die  Kolbe'sche  Synthese,  steht  also  nichts  mehr 
im  Wege. 

Da  die  Verwendung  der  Luftpumpe  zu  complicirt  ist,  so  führe  ich  die 
Reaction  in  kleinem  Massstabe  in  meinem  Laboratorium  in  der  Art  aus, 
dass  ich  in  eine  schmiedeeiserne  Birne,  die  100  Atmosphären  Druck  aus- 
halten kann,  das  Phenolnatrium  bringe,  rasch  die  nöthige  Menge  von  fester 
Kohlensäure**)  zuschütte  und  dann  den  Apparat  hermetisch  abschliesse. 
Die  weitere  Manipulation  ergiebt  sich  aus  den  obigen  Daten. 

Es  ist  mir  eine  sehr  angenehme  Pflicht,  meinem  bisherigen  Assistenten, 
Herrn  R.  B.  Seifert,  für  seine  wesentliche  Hülfe  hiermit  meinen  besten 
Dank  auszusprechen,  denn  die  experimentelle  Durchführung  der  Unter- 
suchung musste  ich  hauptsächlich  in  seine  Hände  legen. 

*)  Anraerkung.  Die  Menge  Kohlensäureanhydrid  lässt  sich  sehr  leicht  bestimmen, 
sobald  man  die  Capacität  des  Pumpenstiefels  kennt  und  das  Schwungrad  der  Pumpe  mit 
einem  Tourzähler  versehen  ist. 

**)  Nachdem  das  flüssige  Kohlensäureanhydrid  Handelsartikel  geworden  ist,  kann 
man  mit  diesem  Stoif  im  festen  Aggregatszustand  jetzt  auch  leicht  operiren. 


139 


Neue  Beleuchtungsmethode. 

Von  Friedr.  Siemens,  Dresden. 
Mit  Tafel  IV. 


Die  Beleuchtuiigsfrage  ist  in  neuerer  Zeit  eine  sehr  brennende  ge- 
worden und  scheint  es  in  noch  immer  höherem  Grade  werden  zu  wollen 
und  zwar  in  dem  Masse,  als  Verbesserungen  gemacht  werden,  welche 
wiederum  nur  dazu  beitragen ,  das  Bedürfniss  nach  grösserer  Zweckmässig- 
keit noch  femer  zu  steigern. 

Die  Erfordernisse,  welche  an  eine  praktische  Beleuchtung  gestellt 
werden,  haben  sich  mit  der  Zeit  ausserordentlich  vermehrt,  ohne  dass  man 
bis  jetzt  übersehen  kann,  wohin  und  wie  weit  uns  dieses  allgemeine  Strebpn 
treiben  wird. 

Vom  lichtbedürftigen  Publikum  wird  allgemein,  ausser  der  starken 
Lichteffecte ,  welche  jedoch  ohne  zu  grossen  Kostenaufwand  zu  unterhalten 
und  herzustellen  sind,  um  acceptabel  zu  sein,  auch  eine  möglichst  einfache 
Behandlung  der  Beleuchtungsapparate  als  nothwendigstes  Erfordemiss  be- 
trachtet. Daher  werden  auch  immer  die  einfachsten  und  directesten  Formen 
der  Beleuchtung  den  difficileren  Apparaten  vorgezogen,  auch  dann  noch, 
wenn  letztere  in  Bezug  auf  Lichteffecte  und  Unterhaltungskosten  wesentlich 
grössere  Vortheile  bieten. 

In  der  neuesten  Zeit  genügen  die  oben  genannten  drei  Bedingungen 
aber  keineswegs  mehr,  denn  man  ist  auch  anspruchsvoll  geworden  in  Bezug 
auf  gute  reine  Luft  und  angenehme  Temperatur  in  den  erleuchteten  Räumen, 
worauf  man  früher  wenig  oder  gar  kein  Gewicht  legte.  Man  war  zufrieden, 
wenn  nur  das  nothwendigste  Lichtbedürfniss  in  möglichst  einfacher  Weise 
erfüllt  wurde. 

Abgesehen  von  dem  elektrischen  Licht  sind  die  Regenerativ -Gas- 
brenner, welche  als  combinirte  Ventilations-  und  Beleuchtungsapparate  be- 
trachtet werden  können,  dem  Bedürfniss  nach  kühlerer  und  besserer  Luft 
entsprungen,  welche  durch  die  bisherigen  BeleuchtungseinrichtuÄgen,  na- 
mentlich bei  festlicher  Beleuchtung,  gar  zu  sehr  verdorben  wird,  um  sich 
gemüthlich  oder  wohl  darin  fühlen  zu  können, 

Ausser  der  Luftverbesserung  giebt  es  aber  noch  ein  anderes  Haupt- 
erfordemiss,    das  ein  guter  Beleuchtungsapparat   erfüllen  sollte,   welches 

Fenttchrift  der  l»i»  in  Dresden,  lH8ö. 


__140 

wohl  schon  oft  angestrebt  wurde,  aber  bisher  in  der  Hauptsache  noch 
ganz  unerfüllt  geblieben  ist.  Ich  meine  die  Darstellung  einer  intensiven 
Lichtquelle,  die  neben  der  vollständigen  Erfüllung  aller  oben  specificirteu 
Erfordernisse  dem  Auge  nicht  direct  sichtbar  ist.  Dadurch,  dass  die 
Lichtquellen,  welche  neuerdings  den  ökonomischen  Bedingungen  entsprecbend, 
immer  intensiver  hergestellt  werden  und  daher  naturgemäss  das  Auge  mehr 
blenden,  wird  es  auch  zur  unabweisbaren  Noth wendigkeit,  diese  Licht- 
quellen selbst  dem  Auge  möglichst  zu  entziehen,  ohne  desshalb  viel  sonst 
disponibles  Licht  für  die  Benutzung  opfern  zu  müssen.  Ich  habe  gefunden, 
dass  bei  den  Arbeiten  auf  meinen  Glashüttenwerken,  welche  vor  allen 
Dingen  ein  gutes  Licht  erfordern,  es  für  die  Genauigkeit  dieser  Arbeiten 
von  vorzüglicher  Wirkung  ist,  wenn  der  Arbeiter  nicht  durch  die  directe 
Einwirkung  der  intensiven  Lichtquelle  auf  sein  Auge  mehr  oder  weniger 
geblendet  wurde.  Man  erlangt  sogar  eine  viel  bessere  Leistung,  mit  al)- 
solut  geringerer  Beleuchtung,  sobald  die  irritirende  Einwirkung  des  directen 
Lichtes,  wie  dies  bei  den  bisherigen  Beleuchtungsweisen  immer  der  Fall 
war,  abgestellt  wird.  Die  besten  Beispiele  hiei-für  liefert  die  Natur  selbst. 
Wenn  einem  die  Sonne  in  die  Augen  scheint,  kann  man  eine  Weile 
hinterher  absolut  nichts  sehen,  wenn  auch  das  vorhandene  Licht  noch  so 
vollkommen  ist.  Man  sieht  genauer,  weim  die  Sonne  eine  Weile  hinter 
Wolken  vei'schwindet ,  obgleich  das  disponible  Lichtqimntum  viel  geringer 
geworden  ist.  Sogar  in  der  Dämmerung,  wenn  die  Sonne  schon  ganz  ver- 
schwunden ist,  kann  man  unter  gewissen  Umständen  genauer  sehen,  als 
wie  am  Tage  liei  mehrfach  stärkerer  Beleuchtung,  Bei  Anwendung  des 
unverdeckten  oder  ungemilderten  elektrischen  Bogenlichtes  sieht  man  viel 
ungenauer,  als  wenn  die  Intensität  des  disponiblen  Lichtes  durch  eine 
Milchglaskugel  um  mehr  als  die  Hälfte  reducirt  wird. 

Noch  sehr  viel  hesser  würde  man  demnach  sehen  können,  wenn  es 
gelänge,  die  Lichtquelle  ganz  dem  directen  Blicke  zu  entziehen,  ohne  des- 
halb das  verbreitete  Licht  wesentlich  verringern  zu  müssen. 

Letzteres  ist  nun  mein  Standpunkt,  welchen  ich  vermittelst  meines 
neuen  Regenerativ-Gasbeleuchtungs-Apparates  mit  automatischer  Zuführung 
von  vorgewärmter  Breunluft  zu  verwirklichen  beabsichtige. 

Die  Construction  dieses  neuen  Beleuchtungsapparates  ist,  wie  auf  der 
Zeichnung  in  einem  Aufriss  Fig.  l  und  einem  Grundriss  Fig.  2  dargestellt, 
folgende : 

Vier  Hauben  a.  b.  c.  d.  aus  Blech  oder  einem  anderen  geeigneten 
Materiale  sind,  wie  Fig.  l  im  Durchschnitt  zeigt,  derart  übereinander  ge- 
stellt, dass  sich  zwischen  je  zwei  Hauben  hinreichend  Zwischenraum  be- 
lindet  für  den  Durchüuss  der  Verbrennungsproducte  resp.  der  Brennluft, 
wie  die  Pfeile  darstellen.  Die  oberste  Haube  (d)  ist  oben  mit  einer  Esse 
(e)  versehen,  während  die  Haube  (c)  nach  unten  zu  kürzer  gehalten  ist, 
damit  um  deren  unteren  Rand  die  zu  l)eiden  Seiten  der  Haube  gebildeten 
freien  Zwischenräume  mit  einander  communiciren.     Die  Haube  (b)  trägt 


141 

oben  in  der  Spitze  einen  nach  unten  zu  gerichteten  Stutzen  (r),  während 
die  Haube  (a)  nach  unten  und  oben  zu  offen  gehalten  ist  für  den  Durch- 
fluss  der  Bi*ennluft.    (Siehe  Pfeile.) 

Die  unterste  oder  innerste  Haube  dient  auf  ihrer  inneren  Seite  als 
Reflector  und  ungefähr  im  Brennpunkt  desselben  sind  eine  oder  mehrere 
gewöhnliche  Oasflammen  (Schnittbrenner)  angebi-acht. 

Die  Verbrennungsproducte  der  Gasflamroen  entweichen  durch  den 
Stutzen  (r)  in  den  durch  die  Haube  (b)  und  (c)  gebildeten  Zwischenraum, 
durchstreifen  denselben  von  oben  nach  unten,  um  durch  den  von  den 
Hauben  (e)  und  (d)  gebildeten  Zwischenraum  wieder  nach  oben  und  von  da 
durch  die  Esse  (e)  zu  entweichen.  Sobald  nun  die  Hauben  durch  die  Ein- 
wirkung der  Verbrennungsproducte  der  Flammen  hinreichend  erwäi'mt 
sind,  namentlich  die  Haube  (b).  so  wird  auch  der  freie  lufterfüllte  Raum 
zwischen  den  Hauben  (a)  und  (b)  so  viel  angewärmt  sein,  dass  die  darin 
befindliche  Luft,  durch  diese  Erwärmung  leichter  geworden,  automatisch 
in  die  Hölie  treibt  und  dadurch  den  oberen  Theil  des  inneren,  durch  die 
Haube  (a)  gebildeten  kegelförmigen  Raumes,  in  welchem  die  Gasflamme 
brennt,  mit  erhitzter  Luft  erfüllt. 

Die  Flamme  oder  die  Flammen  brennen  demzufolge  in  einer  Atmo- 
sphäre von  erhitzter  Luft,  werden  also  mit  erhitzter  Brennluft  gespeist, 
deren  Temperatur  in  einem  Masse  zunimmt,  welche  der  Temperatur- 
zunahme der  Beleuchtungsflamme  und  der  Haul)en  entspricht.  Da  die  heisse 
Brennluft  automatisch,  wie  beschrieben,  zuströmt  und  den  inneren,  durch 
die  Haube  (a)  gebildeten,  die  Flammen  enthaltenden  Raum  in  dem  Masse 
nachfüllt,  wie  die  heisse  Brennluft  verzehrt  wii-d  und  in  Verbrennungs- 
producte verwandelt,  durch  den  Stutzen  (r)  und  die  Passagen  zwischen 
den  Hauben  nach  der  Esse  (e)  entweicht,  so  ist  es  wohl  hinreichend  ver- 
ständlich, dass  dieser  Beleuchtungsapparat  permanent  mit  hocherhitzter 
Brenuluft  gespeist  wird,  ohne  dazu  irgend  welcher  besonderer  Hilfsmittel 
zu  bedürfen.  Die  Flammen  brennen  ganz  frei,  sind,  da  auch  kein  Glas- 
verschluss  erforderlich  ist,  von  unterhalb  vollkommen  zugänglich  und  das 
erzeugte  Licht  wird  schattenlos,  theilweise  direct,  aber  grösstentheils  durch 
die  als  Reflector  dienende  Haubenfläche  gesammelt,  vollständig  nach  unten 
geworfen.  Selbstverständlich  kann  das  erzeiigte  Licht  je  nach  der  Form 
des  Reflectors  beliebig  concentrirt  oder  je  nach  Bedürfniss  mehr  zerstreut 
werden.  Um  in  gewissen  Fällen  eine  noch  grössere  Zerstreuung  des 
Lichtes  zu  bewirken,  sowie  um  die  Wärmeausstrahlung  nach  unten,  welche 
mitunter  lästig  wird,  zu  verringern,  briuge  ich  (s.  Fig.  3)  unter  dem 
Apparat  und  den  Flammen  einen  eigenthümlich  geformten  Glasköiper  an. 
Die  stumpfe  nach  oben  gerichtete  Spitze  schweift  parabelformig  nach  unten 
zu  dei^artig  aus,  dass  die  darauf  fallenden  Lichtstrahlen  entweder  nur 
gebrochen,  oder,  wie  die  punktirten  Linien  zeigen,  seitwärts  reflectirt 
werden. 


142 

Soll  nur  das  Licht  gebrochen  und  die  Durchstrahlung  der  Wärme 
verringert  werden,  so  wende  ich  gewöhnliches  Glas  an,  wenn  aber  das 
Licht  mehr  zerstreut  werden  soll,  nimmt  Milchglas  diese  Stelle  ein,  welche^i 
je  na^h  Erforderniss  mehr  oder  weniger  deckend  und  daher  liclitreflectirend 
hergestellt  werden  kann. 

Zum  sicheren  Aufhängen  des  Glaskörpers  dient  ein  weitmaschiges 
Drahtnetz,  welches  unten  einen  Metallrand  hält,  auf  welchem  und  dem 
Netz  selbst  das  Glas  derartig  ruht,  dass  dasselbe  zerbrechen  kann,  ohne 
dass  die  Scherben  herunter  fallen  können.  Störungen  verursacht  der  Glas- 
körper also  wenig  oder  gar  nicht,  weil  er  den  freien  Zugang  zu  den 
Flammen  nicht  hindert  und  auch  keinen  integrirenden  Theil  des  Appa- 
rates bildet. 

Da  es  fiir  die  Entwickelung  der  Lichtintensität  der  Flammen  nur  auf 
den  Auftrieb  der  heissen  Luft  ankommt,  so  kann  man  auch  den  Hauben 
fast  jede  beliebige  äussere  Form  geben ,  welche  dem  Reflector  entspricht 
und  demnach  für  die  gewünschte  Lichtvertheilung  geeignet  erscheint. 

Das  Licht  des  Beleuchtungs- Apparates,  wie  hier  beschrieben,  kann 
nur  von  oben  kommen,  aber  das  demselben  zu  Grunde  liegende  Con- 
structionsprinzip  lässt  auch  Variationen  zu,  weshalb  es  auch  möglich  ist, 
den  Luftanwärmeapparat  nicht  um  den  Reflector  herum,  sondern  daneben 
zu  stellen.  Man  hat  eben  nur  nöthig,  die  durch  den  Stutzen  (r)  ent- 
weichenden Verbrennungsproducte  ausschliessUch  nach  einer  Seite  und  dann 
abwärts  zu  fiihren,  wie  Fig.  4  und  6  in  zwei  Aufrissen  und  Fig.  5  und  7 
in  zwei  Grundrissen  darstellen.  Die  Verbrennungsproducte  müssen,  nach- 
dem die  Kanäle  (a.  a.)  durchlaufen,  eventuell  wieder  nach  oben  in  eine 
Esse  (e)  geführt  werden,  während  die  heisse  Brennluft  durch  zwei  neben 
dem  für  die  Verbrennungsproducte  bestimmten  Abzug  (a)  angebrachte 
verticale  Kanäle  (b.  b.)  automatisch,  wie  sub  Fig.  1  beschrieben,  in  den 
Reflector  (R)  eingeführt  wird.  In  diesem  Falle  braucht  der  Reflector  nur 
so  tief  zu  sein,  wie  die  Höhe  der  Flamme  selbst  beträgt,  weil  der  Auftrieb 
der  heissen  Luft  vermittelst  der  heissen  Passagen  (b.  b.)  innerhalb  des  seit- 
wärts stehenden  Ständers  (S)  bewirkt  wird;  auch  unterliegt  es  hier  keinem 
Hinderniss,  die  Haube  oder  den  Reflector  (R)  aus  Glas  zu  machen  und 
daher  das  erzeugte  Licht  auch  nach  allen  Richtungen,  sogar  nach  oben  zu 
streuen.  Diesen  zweiten  Apparat  habe  ich  nur  deswegen  beschrieben,  um 
zu  zeigen,  dass  ich  bei  der  Ausführungsweise  dieser  Brenner  in  der  be- 
liebigen Lichtvertheilung  nicht  beschränkt  bin;  aber  ich  lege  das  Haupt- 
gewicht auf  den  zuerst  beschriebenen  Apparat,  weil  derselbe  das  Licht  in 
der  bescluiebenen  Weise  zur  Geltung  bringt,  wie  ich  es  für  den  praktischen 
Gebrauch  als  besonders  vortheilhaft  betrachte. 

Da  das  Licht  selbst  (d.  h.  die  Lichtquelle)  beim  Apparat  Fig.  1  tief 
im  oberen  Theil  des  Reflectors  oder  der  Haube  (a)  steckt,  so  ist  dasselbe 
von  der  Seite  gar  nicht  sichtbar.  Erst  wenn  man  sich  unter  dem  Brenner 
aufstellt,    um    in   die  Hölic   zu   schauen,   sieht   man    direct   in   das  Licht. 


143 

Da  nun  in  der  gewöhnlichen  Praxis  Niemand  unter  den  Apparat  treten 
wird,  um  nach  oben  zu  schauen,  so  sielit  man  für  gewöhnlich  das  Licht 
selbst  gar  nicht,  man  hat  aber  fast  die  volle  Nutzniessung  desselben.  Der 
sub  Fig.  l  beschriebene  Apparat  entspricht  also  allen  Bedingungen,  welche 
ich  mir  Eingangs  gestellt  habe,  vollständig.     Es  sind  dies  folgende: 

I;  Der  Apparat  ist  nicht  sehr  theuer  in  der  Anschaffung,  wenigstens 
viel  billiger  als  wie  das  elektrische  Licht  und  auch  billiger  wie 
meine  alten  Uegenerativbrenner. 
2)  Die  Ookonomio  von  (tas  ist  sehr  bedeutend,  indem  das  zur  Be- 
nutzung gebrachte  Licht  bei  gleichem  (iasverbrauch  sogar  meine 
alten  Regenerativbrenner  und  daher  sämmtliche  übrigen  Gas- 
beleuchtungsapparate weit  übertrifft. 
IJ)  Die  Handhabung  ist  eine  ausserordentlich  einfache,  in  dieser  Be- 
ziehung vollkommen  gleich  den  gewöhnlichen  Schnittbrennern, 
darum  auch  hierin  sämmtliche  andere  Beleuchtungsapparate  über- 
treffend. 

4)  Reparaturen  und  Störungen  können  selbstverständlich  der  grossen 
Einfachheit  halber  kaum  stattfinden.  Während  einer  mehrmonat- 
lichen ausgedehnten  Benutzung  auf  meinen  Glashütten  ist  ein  der- 
artiger P'all  noch  gar  nicht  vorgekommen,  während  sämmtliche 
übrigen  benutzten  Beleuchtungsapparate  mannigfache  Sorgfalt  er- 
forderten. Glasköi-per  oder  sonstige  Zuthaten,  welche  Ersatz 
erfordern,  sind  gar  nicht  vorhanden. 

5)  Die  Verbrennung  des  Gases  ist  eine  sehr  vollkommene  und  daher 
eine  wesentliche  Verschlechterung  der  Luft  in  den  zu  erleuchtenden 
Räumen  weniger  zu  besorgen,  wie  bei  jedem  anderen  Beleuchtungs- 
apparate. Da  ausserdem  die  abgehenden  Verbrennungsproducte  in 
Folge  der  Luftvorwärmung  beinahe  vollständig  abgekühlt  entweichen, 
so  liegt  auch  keine  Schwierigkeit  vor,  diese  Producte  zu  sammeln 
und  abzuführen ,  wie  bei  meinen  alten  Regenerativbrennern  bereits 
im  grossen  Masse  durchgeführt  wurde.  Der  Apparat  kann  also 
ausser  zur  Beleuchtung  auch  noch  zur  Ventilation  dienen,  und  zwar 
erlangt  man  letzteren  Vortheil  in  einer  besseren  Weise,  wie  es  die 
meisten  speciell  dafür  construirten  Ventilationsapparate  gestatten 
und  nebenher  noch  ganz  umsonst,  ein  Vortheil,  der  kaum  hoch 
genug  angeschlagen  werden  kann. 

{'})  Die  letzte  Bedingung,  welche  dieser  Apparat  erfüllt,   ist  das  von 
mir   neu  aufgestellte  Erfordeniiss  der  Lichtvertheilung  und   Aus- 
nutzung desselben,  ohne  gezwungen  zu  sein,  die  Lichtquelle  selber 
ansehen  zu  müssen. 
Dieses  Erfordeniiss  ist  zwar  noch  nicht  als  allgemeines  Bedürfniss  an- 
erkannt,   wird  jedoch,   wenn  in  der  Praxis  erat  erprobt,   als  solches  sehr 
bald    geschätzt   werden.      Das    grösste  Hindemiss   der   Anerkennung   der 
letzten  Bedingung  wird  die  neuerdings  sehr  verbreitete  Neigung  sein,   mit 


144 

der  Intensität  des  directen  Lichtes  der  Lichtquelle  Luxus  zu  treiben,  oder 
vielmehr,  Effecte  zu  erzielen.  Es  wird  schon  Mancher  als  einen  grossen 
Uebelstand  empfunden  haben,  dass  bei  Anlässen  festlicher  Beleuchtung, 
sowie  auch  bei  Schau-  und  Ausstellungen  aller  Art,  bei  Gesellschaften  und 
anderen  Gelegenheiten  die  Intensität  der  Lichtquellen  sich  dem  Auge  sehr 
unangenehm  bemerkbar  machte,  dass  man  trotz  der  grossen  Lichtfülle  nur 
undeutlich  sehen  konnte,  indem  man  mehr  oder  weniger  geblendet  ward. 
Man  hat  zwar,  wie  icli  schon  Eingangs  bemerkte,  allerlei  Hilfsmittel, 
wie  Milchglasschaalen ,  Kugeln  oder  Glocken  oder  wohl  gar  Vorhänge  an- 
gewendet, um  die  directe  Einwirkung  des  Lichtes  auf  das  Auge  zu  ver- 
ringern. Damit  hat  man  zwar  auch  die  gewünschten  Resultate  annäheiTid 
erzielt,  aber  immer  nur  auf  Kosten  des  zur  Verwendung  gelangenden 
Lichtes.  Wie  icli  auch  schon  ei*wähnte,  geht  durch  das  Milchglas  circa  die 
Hälfte  des  erzeugten  Lichtes  verloren  und  ganz  vollkommen  wird  der  be- 
absichtigte Zweck,  die  Augen  zu  schützen,  trotzdem  nicht  erfüllt. 

Noch  sehr  viel  wichtiger  und  nützlicher  wirkt  die  Vermeidung  der 
directen  Einwirkung  der  Lichtquelle  auf  das  Auge  in  solchen  Fällen,  wo 
Arbeiten  ausgeführt  werden  sollen,  welche  genaue  Sehkraft  erfordern,  also 
fast  in  allen  Fabriken,  Werkstätten,  Ateliers  und  Geschäftsräumen  ver- 
schiedenster Art.  Hier  kommt  es  nicht  damuf  an,  mit  der  Lichtquelle 
Luxus  zu  treiben  oder  Effect  zu  erhaschen,  sondern  es  fragt  sich  nur, 
vermittelst  welcher  Beleuchtungsart  mau  am  zuverlässigsten,  am  einfachsten 
und  mit  den  geringsten  Kosten  ein  recht  brauchbares,  dem  Auge  wohl- 
thätiges  Licht  erzeugt,  und  von  diesem  Gesichtspunkte  aus  betrachtet,  wird 
man  zugeben  müssen,  dass  Bedingung  6  nicht  nur  ein  Erfordemiss,  sondern 
eine  wirkliche  Nothwendigkeit  ist.  Der  Apparat  entspricht  demnach  allen 
an  ihn  vernünftiger  Weise  zu  stellenden  Bedingungen,  weshalb  ich  euie 
rasche  Einführung  zunächst  in  allen  solchen  Fällen  erwarte,  wo  man 
weniger  auf  die  äussere  Form  oder  auf  Effecthaschei'ei  ausgeht,  sondern  wo 
es  vorzugsweise  auf  das  Lichtbedürfniss  selbst  ankommt. 

Die  Zeit  wird  natürlich  das  ihrige  dazu  beitragen,  den  Apparat  auch 
für  Luxusbeleuchtungen  jeglicher  Art  anwendbar  zu  machen.  Die  Con- 
struction  ist  ja  variationsfähig,  wie  beispielsweise  unter  Fig.  4—7  darge- 
stellt, so  dass  kein  Grund  vorliegt,  warum  nicht  jede  beliebige  Beleuch- 
tungsaii  damit  hergestellt  werden  kann.  Allerdings  gebe  ich  gerne  zu,  dass 
für  manche  Zwecke  auch  andere  Beleuchtungsappiu*ate,  so  namentlich  auch 
meine  alten  Regenerativbrenner  permanenten  Vorzug  verdienen,  namentlich 
in  solchen  Fällen,  wo  das  Licht  mehr  nach  der  Seite  oder  nach  oben 
gerichtet  werden,  oder  gar  nur  auf  einen  seitUch  liegenden  Punkt  concentrirt 
werden  soll. 

Specielle  Beleuchtungszwecke  und  besondere  Verhältnisse  giebt  es  so 
viele,  dass  man  keine  einzige  Beleuchtungsform  als  die  Allgemeine  be- 
zeichnen kann,  darum  wird  auch  jede  bekannte  Beleuchtungsart  ihren 
legitimen  Anwendungskreis  finden;  für  mein  neues  Beleuchtungsverfahren 


145 

beanspruche  ich  nur  das  demselben  wirklich  zukommende  Gebiet,  welches 
meiner  Ansicht  nach  allerdings  recht  umfangreich  zu  werden  verspricht,  und 
zwar  deshalb,  weil  es  die  fiii*  den  gewöhnlichen  Gebrauch  zu  stellenden 
Bedingungen  ausnahmslos  erfüllt. 

Ich  erlaube  mir  zum  Schluss  noch  besonders  hervorzuheben,  dass  die 
sub  6  gestellte  Bedingung  auch  sehr  wohl  von  anderen  Beleuchtungsarten 
ei-fuUt  werden  kann,  wenn  auch  nicht  in  so  einfacher  und  natürlicher 
Weise.  Das  Bedürfniss  nach  dieser  Bedingung  ist  überhaupt  erst  durch 
die  neuerdings  erzeugten  intensiveren  Lichtquellen,  welche,  direct  ange- 
sehen, das  Auge  blenden,  entstanden;  deshalb  ist  die  allgemeine  Aufmerk- 
samkeit wegen  Zeitmangel  noch  nicht  genügend  auf  diesen  Umstand  gelenkt 
worden,  denn  sonst  würde  man  gewiss  das  elektrische  Bogenlicht  schon  in 
ähnlicher  Weise  beliandelt  haben.  In  der  That  ist  dies  annähernd  schon 
geschehen,  indem  man  Bogenlichter  in  grosser  Höhe  angebracht  hat  und 
das  Licht  vermittelst  eines  Reflectors  nach  unterwärts  concentrirte.  Man 
hat  auf  diese  Weise  ganze  Städte  oder  Stadttheile  mit  einem  Licht  be- 
leuchten wollen.  Ich  bin  auch  vollständig  der  Meinung,  dass  das  geht, 
nur  muss  man  die  Concentration  des  Lichtes  in  anderer  Weise  vornehmen, 
als  wie  es  geschehen  ist.  Bei  diesen  Versuchen  wurde  das  Licht  viel  zu 
sehr  zerstreut  und  gmg  deshalb  zu  viel  davon  seitlich  verloren;  auch  die 
Schattenbildung,  welche  nur  durch  einen  vergrössei-ten  Reflector  zu  ver- 
ringern ist,  trat  zu  stark  auf. 

Auf  die  Höhe ,  in  welcher  die  Lichtquelle  aufgestellt  ist,  kommt  es  in 
diesem  Falle  in  Bezug  auf  die  erlangte  Lichtfülle  fast  gar  nicht  an,  sondern 
nur  darauf,  wie  gross  der  Umfang  des  zu  erleuchtenden  Kreises  werden 
soll,  was  sich  ja  durch  die  Form  des  zu  wählenden  Reflectors  genau  be- 
stimmen lässt. 

Hierbei  muss  noch  in  Betracht  gezogen  werden,  dass  für  die  praktische 
Beleuchtung  das  von  oben  fallende  Licht  unter  fast  allen  Umständen  allen 
anderen  Lichtveitheilungsweisen  vorzuziehen  ist,  wie  ja  auch  die  Natur, 
welche  nur  ein  Licht  kennt,  dies  am  vollkommensten  liefert.  Die  Natur 
besitzt  allerdings  einen  ungeheuer  grossen  und  daher  besonders  praktischen 
Reflector,  dies  sind  die  Wolken  und  der  Dunstkreis.  Den  Naturreflector 
nachzuahmen,  wenn  auch  auf  andere,  den  besonderen  Umständen  ent- 
sprechende Weise,  ist  die  Aufgabe,  welche  ich  mir  gestellt  und  durch 
das  bescliriebene  Beleuchtungsverfahren  um  einen  guten  Schritt  vorwärts 
gebracht  zu  haben  glaube. 


10 


X 


X 


F. 


J47j.  -  \ 


Zur  Theorie  der  Wärmeleitung  in  festen  Körpern. 

Von  Prof.  Dr.  Axel  Hamack,  Dresden. 


Die  Arbeiten,  welche  Fourier  in  den  Jahren  1807—1822  über  die 
Wärme  veröflFentlichte,  waren  in  doppelter  Beziehung  grundlegend.  Denn 
erstlich  gelang  es  ihm,  für  die  früheren  Untersuchungen  von  Lambert  und 
Biot  über  Wärmevertheilung  den  umfassenden  mathematischen  Ausdruck  in 
Foim  einer  partiellen  Differentialgleichung  aufzustellen,  sodann  vermochte 
er  zum  erstenmal  allgemeine  Methoden  zur  Integration  solcher  Gleichungen 
anzugeben,  Methoden,  welche  schon  einige  Jahrzehnte  vorher  bei  dem 
Problem  der  schwingenden  Saiten  von  Euler  und  Daniel  Bernoulli  eifrig 
erstrebt,  aber  nicht  vollständig  erkannt  waren.  Die  Grundgleichungen,  von 
denen  Fourier  und  zum  Theil  auch  schon  Biot  ausgingen,  bestehen  noch 
gegenwärtig  in  voller  Geltung,  wiewohl  ihnen  die  nunmehr  aufgegebene  An- 
schauung der  Wärme  als  eines  imponderabelen  Fluidums  zu  Grunde  lag. 
In  der  That  basirte  die  Herleitung  der  Differentialgleichung  auch  nur  auf 
den  physikalisch  erwiesenen  Thatsachen  der  spezifischen  Wärme  eines 
Körpers  und  eines  der  Temperaturdifferenz  proportionalen  Wärmeaustausches 
zwischen  zwei  Körpern  von  ungleicher  Temperatur.  Die  allgemeinen  Me- 
thoden aber,  welche  Fourier  zur  Integration  angab,  mussten,  wenn  sie 
auch  im  wesentlichen  das  richtige  trafen,  doch  sehr  bald  l>erechtigtcn  Ein- 
wendungen begegnen ,  in  dem  Masse ,  als  man  erkannte,  dass  er  den  Be- 
griff der  willkürlichen  Funktion  zu  eng  gefasst  und  dem  entsprechend  die 
Voraussetzungen  für  die  Gültigkeit  seines  Verfahrens  nicht  genugsam  prä- 
cisirt  hatte.  Poisson's  grosses  Werk  über  die  Wärmetheorie  (1835)  ver- 
vollkommnete zwar  auch  in  diesen  Punkten  vielfach  die  mathematische  Dai*- 
stellung,  eine  vollständige  Erledigung  war  aber  auch  hier  noch  nicht  ge- 
geben. Dieser  Mangel  wurde  um  so  fühlbarer,  als  die  Probleme  der  Po- 
tentialtheorie, Elektrostatik  und  Hydrodynamik  auf  ganz  gleichartige 
Differentialgleichungen  führten,  und  den  exakten  Beweisen  der  Integration 
wandten  sich  darum  die  Arbeiten  von  Gauss,  Dirichlet  und  Riemann  zu. 
Trotzdem  sind  diese  Bemühungen  noch  gegenwärtig,  zumal  in  der  Potential- 
theorie, nicht  abgeschlossen.  Einen  weiteren  kleinen  Beitrag  hierzu  sollen 
diese  Blätter  liefern,  in  denen  icli  im  Anschluss  an  Riemann's  Vorlesungen 

FniwUrift  dtr  hin  in  Ihesttttn,  IHHö.  1(|* 


U8 

über  partielle  Differentialgleichungen  (herausgegeben  von  Hattendorff)  die 
einfachsten  Probleme  der  Wärmebewegung  behandele. 

Wer  den  vierten  Abschnitt  jener  Schrift  studirt,  kann  nicht  in  Zweifel 
darüber  sein,  dass  die  Beweise,  zumal  in  den  §§  52  und  59  nicht  nur  keine 
direkte  und  allgemeine  Methode  zur  Bildung  der  gesuchten  Integralfuuktioii 
liefern,  sondern  auch  berechtigte  Bedenken  über  die  Gültigkeit  und  Ein- 
deutigkeit der  gefundenen  Lösungen  bestehen  lassen,  und  sich  nur  unter 
genaueren  Angaben  der  Voraussetzungen  als  richtig  erweisen. 

Mit  Rücksicht  auf  den  hier  gebotenen  Raum  führe  ich  die  Betrachtungen, 
deren  wesentlich  neuer  Inhalt  nur  in  der  Methode  beruht,  mit  welcher  aus 
der  Differentialgleichung  und  den  Grenzbedingungen  die  Integralfunktion 
hergeleitet  wird,  bloss  für  einen  Theil  der  Probleme  aus  und  beschränke 
mich  bei  den  anderen  auf  eine  Angabe  der  Resultate. 

§  l. 
Der  von  zwei  panillelen  Ebenen  bej^reuzte  KOrper. 

Es  sei  ein  Körper  gegeben,  der  nur  von  zwei  parallelen  Ebenen  x  =  o 
und  x  =  l  begrenzt  ist.  Die  Temperatur  u  desselben  soll  in  den  zu  den 
Begrenzungsebenen  parallelen  Quei'schnitten  constant,  also  bei  jedem  Wertlic 
der  Zeit  t  eine  stetige  Funktion  von  x  allein  sein.    Desgleichen  sollen  auch 

2  und  ^2  innerhalb  des  Körpers  stetige  Funktionen  der  beiden  Variabelen 
X  und  t  sein,*) 

Wenn  nun  der  Temperaturzustand  u  =  f  (x)  zur  Anfangszeit  t  =  i), 
sowie  die  Temperaturen  u  =  </)(t)  und  u  =  i/j(t)  in  den  beiden  begren- 
zenden Ebenen  x  =  0  und  x  =  1  gegeben  sind,  so  soll  gezeigt  werden, 
dass  der  Wärmezustand  im  Innern  des  Körpers  vollkommen  bestimmt  ist 
und  als  Funktion  von  t  und  x  dargestellt  werden  kann. 

Zur  Vereinfachung  der  Untersuchung  nehme  ich  dabei  an,  dass  die 
Grenzfunktionen  f(x),  r/)(t),  iij(i)  durchaus  endlich  und  stetig  sind.  Die 
blosse  Voraussetzung  ihrer  Integrirbarkeit  würde  allerdings  für  das  folgende 
auch  genügen,  doch  gestaltet  sich  die  Diskussion  dann  nicht  so  einfach: 
es  erfordert  dann  auch  die  Annahme,  dass  die  Funktionen  unendlich 
werden  können,  eine  besondere  Berücksichtigung. 

Zur  Abkürzung  der  Formeln  dient  es,  die  Längeneinheit  so  zu  wählen, 

dass   die  Dicke  1   des  Körpers   gleich  r/   wird.     Nach    der  Fourier'schen 

Fundamentalgleichung  handelt  es  sich  nun  um  die  Integration  der  partiellen 

Differentialgleichung : 

-iv  du  9  d*u 

unter  Berücksichtigung  der  gegebenen  Grenzbedingungen. 

Eine  im  übrigen  willkürliche  Funktion  u  der  beiden  Variabelen  x  und  t, 
welche  bei  jedem  von  0  verschiedenen,  positiven  Werth  von  t  nicht  nur 

*)  Aus  typographischen  Rücksichten  hahen  im  Folgenden  auch  dio  partiellen  Ab- 
leitungen überall  das  gewöhnliche  Diiferentiationszoichen  erhalten. 


149 

selbst  stetig  ist,  sondern  auch  eine  stetige  erste  Ableitung  nach  x  besitzt, 
kann  im  Innern  des  Intervalles  von  x  =  0  bis  x  =  /r  stets  durch  eine 
Fourier'sche- Reihe  von  der  Form: 

2)  u(t|X)  =  ^  Rksinkx 

k=l 
dargestellt  werden,  wobei  die  noch  zu  bestimmenden,  von  t  allein  abhängigen 
Coefficienten  ak  der  Gleichung  genügen: 

TT 

2  r 

3)  **^^  ^^  n  j   U(t>x)  S"^  txdx. 

0 

Die  Reihe  selbst  hat  an  den  Grenzen  x  =  0  und  x  =  ii  stets  den  Werth 
null,  während  die  Grenzfunktionen  q>{i)  und  i//(t)  von  0  verschieden  ge- 
geben sein  können.  Sie  stellt  also  die  Funktion  nur  für  das  Innere  des 
(xebietes  dar. 

Da  wir  annehmen,  dass  die  Differentialgleichung  l)  bei  beliebiger  An- 
näherung an  die  Grenzen  erfüllt  ist,  so  ist 

n  n 

4)  /  j*-  sin  kx  dx  =  a*  /  ,  "  sin  kxdx. 
0  0 

Umgekehrt  folgt  aus  dem  Bestehen  dieser  Gleichung  bei  allen  ganzzahligen 
Weichen  von  k  auch  die  Differentialgleichung  1). 

Führt  man  die  rechte  Seite  durch  theilweise  Integration  aus,   so  er- 
hält man 

n 


^^Va^  siw  kx  I   —  Va^  j  ^  cos  kx  d 


0 

Hier  verschwindet  der  erste  Term,  wenn  die  Funktion  ,  bei  Annäherung 
an  die  Grenzen,  wenigstens  bei  jedem  von  null  verschiedenen  Werth  von  t, 
endlich  bleibt;  das  zweite  Integral  ergiebt  den  Werth: 

—  ka^lucoskxl  — k*a^  /u  sin  kx  dx. 
^  0 

Geht  nun  die  Funktion  u  für  x  =  0  und  x  =  /r  ste.tig  in  die  Funktionen 
(f(i)  und  ih{\)  über,  so  wird  dieser  Ausdruck  gleich 

n 

5)  —  ka»  [(—l)^?/^(t)  —  r/)(t)]  —  k«a«yu  sin  kxdx. 

0 
Nun  ist  zu  untei-suchen,  unter  welchen  Bedingungen  sich  die  Reihen- 
folge der  Integration  und   der  Differentiation   nach  dem  Parameter  t  im 
ersten  Integrale  der  Gleichung  4)  vertauschen  lässt.     Da  wir  bereits  an- 
genommen haben,   dass  innerhalb  des  Intervalles  von  x  =  0  bis  x  =  tt 


150 

die  Funktion  j"  eine  stetige  Funktion  der  beiden  Variabelen  x  und  t  seiu 
soll,  so  ist 

n  —  1]  n  —  Ti\ 

6)  /  ^  sin  kxdx  =  -     I  \x  sin  kx  dx, 

wenn  6  und  /^  beliebig  kleine,  positive  Grössen  bezeichnen.  Convergü-en 
dieselben  nach  null,  so  geht  die  linke  Seite  in  das  Integral 

71 

y^^  Sin  kxdx 

0 
über,  wie  auf  Grund  der  Differentialgleichung  1)  und  derselben  Eutwickelung, 
welche  zur  Aufstellung  der  Formel  5)  geführt  hat,  hervorgeht.     Demnach 
muss  die  rechte  Seite  der  Gleichung  6)  die  Eigenschaft  haben,  dass 

(  n 

lim  A.j^  sin  kx  dx  und  lim  j.  /  u  sin  kx  dx 
0  n—  n 

für  £  =:  0  und  /;  =  0  verschwinden;  dazu  ist  erforderlich  und  aus- 
reichend, dass  die  Integrale 

c  n 

7)  /  T-^  sin  kx  dx  und  /  ~  sin  kx  dx 

0  Tt  —  ri 

die  Eigenschaft  haben,  dass  sie  lediglich  durch  Wahl  der  Grossen  «  und  i; 
bei  allen  Werthen  von  t  innerhalb  eines  Intervalles  von  t  bis  t  -|-  l\i  kleiner 
als  eine  beliebig  kleine  Grösse  d  gemacht  werden  können.    Denn  es  ist 

l-J\  sin  kx  dx  =  lim/?i^^^-^\-"^^-")  sin  kx  dx 

0  0 

für  At  =  0,  und 


t-f  At 


mithin 


t+ At 


"i*  +  ^^  x)  —  ]i  U, x) 1      /'du    , . 

At     '     "  ^  Aty  cir  "^' 

t 

8)  j'^y  u  sin  kx  dx  =  lim  ^^f^in  kx  dx^^-"  dt 

0  t 

t  +  At  € 

=  ^^''-tJ  cltyj;^  sin  kxdx. 


t  0 

Ist  also  das  innere  Integi-al  des  letzten  Ausdruckes  bei  allen  Werthen 
von  t  im  Intervall  von  t  bis  t-j-At  durch  Wahl  von  €  kleiner  als  cJ,  so 
ist  die  Forderung  erfüllt.     Dieselbe  Bedingung  gilt  für  die  obere  Grenze. 

Beachtet  man  nun  wiederum  die  der  Formel  5)  analogen  Relationen, 
welche  für  die  Integrale  1)  aus  der  Gleichung  4)  hervorgehen,  so  erkennt 
man,  dass  die  gewünschten  Bedingungen   bei  jedem  Werth  von  t  erfüllt 


151 

.sind,  falls  die  Funktion  u  die  Eigenschaft  hat,  dass  sie  gl  eich  massig 
stetig  in  die  Grenzfunktionen  (f{t)  und  iff(i)  übergeht,  d.  h.  dass  bei  allen 
Werthen  von  t  der  nämliche  Werth  von  x  ausreichend  ist,  um  die  Un- 
gleichungen : 

[u(t,x)  — f/)(t)]<d,     [u(t,>7-x)  — V^(t)]<d 

zu  erfüllen.*)  Ist  dieses  der  Fall,  so  verwandelt  sich  die  Gleichung  4)  auf 
Grund  des  Ausdruckes  5)  in  die  lineare  Differentialgleichung: 

9)  "^j""  +  k«  a«  ak  =  -  I  ka»  [(- 1 )"  rp (t)  -  ^p  (t)] 

und  hieraus  folgt: 

t 

10)     ak  =  -^k«^e  [yi(-l)M^(t)-^;)(t/Je  dt+tvj, 

0 

wobei  Ck  eine  von  t  und  x  unabhängige  Constante  bedeutet. 

Für  t  =  0  soll  u  (t,x)  in  den  Werth  f(x)  übergehen,  also  muss 

n  n 

ü^  z=z  '^  J  u(t,x)  sin  kx  dx  in  den  Werth   —  /  f  (x)  sin  kx  dx 

0  0 

übergehen,  wenn  wir  wieder  annehmen,  dass  der  üebergang  von  u  (t,  x)  in 
f  (x)  ein  gleichmässig  stetiger  ist.  Hieraus  folgt,  wenn  man  in  der  Formel  10) 
t  gleich  null  werden  lässt: 

71 

i i)  —  -  k «*  Ck  =  ?  /'f(xi  sin  kx  dx . 

TT  7t  iJ 

0 

Mithin  ist  die  Funktion  u  (t,  x),  wenn  sie  überhaupt  existirt,  d.  h.  wenn  die 
eingeführten  Bedingungen  alle  mit  einander  verträglich  sind,  eine  ganz  be- 
stimmte, und  darstellbar  durch  die  Reihe: 

k»30  t 

12)     u(t,x)  =  I  a«  ^V  sin  kxy  [(--  I)     t/^z)  +  y (z)] e  dz 

k=l  0 

+  ~  y,^       sin  kx  /  1  (z)  sin  kz  dz . 
k==i  0 

Man  kann  diese  Formel  durch  bekannte  Daratellungen  von  -^  und  -^— 
vermittelst  Sinusi-eihen  so  ergänzen,  dass  sie  für  x  =  0  und  x  =  tt  die 


*)  In  dein  allgemeinen  Falle,  wo  man  nur  die  Integrirbarkeit  von  </>  (t)  und  «/^(t) 
voraussetzt,  hat  man  die  Forderung  eines  „im  allgemeinen  gleichmässigen*^  Ueberganges 
zu  stellen,  d.  h.  nach  Ausschluss  von  Stellen  durch  Intervalle,  deren  Summe  beliebig 
klein  ist,  sollen  sich  bei  jedem  Werth  von  cf  die  obigen  Ungleichungen  erfallen  lassen. 
Man  hat  dann  zu  zeigen:  erstens  dass  diese  Forderung  ausreichend  ist,  imi  aus  der 
Differentialgleichung  9)  die  Gleichung  10)  zu  gewinnen,  zweitens  dass  sie  von  der  durch 
die  Gleichung  12)  dargestellten  Funktion  wirklich  erfüllt  wird. 


152 

Werthe  (f  (t)  und  ip  (t)  annimmt.  Sodann  bemerkt  man,  dass  die  Willkür- 
lichkeit des  Nullpunktes  der  Temperatur  sich  dadurch  ausdrückt,  dass  bei 
Veränderung  der  Funktionen  f(x),  y(t),  (/*(t)  um  eine  additive  Constante 
auch  die  Funktion  u  die  nämliche  Aenderung  erfährt. 

§2. 
Uiitersneliniig:  der  erhaltenen  Funktion. 

Von  den  in  der  Gleichung  12)  enthaltenen  Reihen  hat  man  nachzu- 
weisen, erstens  dass  sie  überhaupt  convergiren  und  stetige  Funktionen  der 
Variabelen  t  und  x  definiren,  zweitens  dass  diese  Funktionen  den  Grenz- 
bedingungen Genüge  leisten,  drittens  dass  auch  die  Differentialquotienten 

j^,  ^-2  innerhalb  des  Intervalles  stetige  Funktionen  sind,  und  dass 
^sin  kx  an  den  Grenzen  x  =  0  und  x  =  /^  verschwindet.*) 

I.  Zuerst  bemerke  man  den  Satz: 

k  =  oo       ..    .  ^  n  k  =  oo 

1)  ^®       sm  kx  /  f(z)  sin  kz  dz  =  /  dz|f(z)^  e        sin  kx  sin  kz    . 
k=l  0  0  '      k=l 

Da  nämlich  bei  jedem  Werth  von  t,  der  von  null  verschieden  ist, 

y,  e         sin  kx  sin  kz 
k  =  l 
eine  überall  endliche  und  stetige  Funktion  der  beiden  Variabelen  x  und  z 
ist,  so  ist  auch 

/  dz  I  f  (z)  ^  e         sin  kx  sin  kz  j 
0  k=l 

eine  stetige  Funktion  von  x;  dieselbe  besitzt  auch  eine  stetige  erste  Ab- 
leitung. Die  linke  Seite  der  Gleichung  l)  ist  aber  nichts  anderes  als  die 
Darstellung  dieser  Funktion  durch  eine  Fourier'sche  Reihe. 

Ersetzt  man  sodann  in  der  anderen  Summe  der  Gleichung  12)  t-— z 
durch  die  Variabele  y,  so  erhält  sie  die  Form 


*)  In  Bezug  auf  diese  Untersuchung  muss  ich  noch  des  Aufsatzes  von  Herrn 
Schlaf li  im  72.  Bande  des  Crelle'schen  Joumales  erwähnen,  der  für  die  in  diesem  Para- 
graph enthaltenen  Ausführungen  zum  Theil  massgebend  gewesen  ist.  Im  übrigen  er- 
scheint mir  die  in  jener  Abhandlung  durchgeführte  Methode  zur  Integration  der  partiellen 
Differentialgleichung,  welche  absichtlich  die  Anwendung  der  Reüie  und  des  Doppel- 
integrales von  Fourier  vermeidet,  trotz  ihrer  Präcision  nicht  zweckmässig  zu  sein.  Es 
spricht  sich  dieses  schon  in  dem  Umstand  aus,  dass  zur  Bildung  der  Integralformeu 
zuerst  immer  besondere  Voraussetzungen  über  die  Grenzfunktionen  eingeführt  werden, 
die  sich  nachträglich  als  überflüssig  erweisen. 


153 


,r^  y.r  k-1  -I    —  k■«y 

2)      2^  k  sin  kxy  [(-  1)         ,/,(t_y)4-r/)it-y)J  e  dy . 

k  =  l  0 

Die  Reihen 

^^  -k'it'y    ^^"  k^l  -k^ry 

>  k  sin  kx  c  und  >^  ( —  1)        k  sin  kx  e 

k=l  k«l 

convergiren  für  y  =  0  nicht  mehr,  aber  sie  definiren  stetige  Funktionen 
von  y,  die  für  y  =  0  in  den  Weiih  null  übergehen.  Unter  den  Relationen, 
welche  sich  aus  der  Transformation  der  Theta- Funktionen  ergeben,  hat 
Jacobi  (Ges.  Werke  B.  1.  pag.  264)  die  Gleichung  bewiesen: 

3)      2^e       ^«'y     ='^[^+^2^      ^«0-)]- 

n  =-  —  Qo  n  —  1 

Differentiirt  man  dieselbe  nach  x,  so  folgt: 

4)    -Äy?^'  (2n^  +  x)  e  ^-'y  ~~  ^-^^o       "nsin(nx). 

n==  — oc  n^^l 

Setzt  man  hier  statt  x  den  Werth   x—  yr,   so  wird  sin  (nx)  gleich 
(—  \y  sm  (nx), 


»=  +  «  ({2ü-l)n+xy    "  =  «_„,„, 


5)    /Jy,2ii^^-^)^+^)^  ^"'y         ■    2^^    n(-irsin(nx\ 

n  =  — Qo  n«  1 

Aus  diesen  Gleichungen  folgt,  dass  die  beiden  Reihen 

—  n-«-y  _y-_n2„«y  n  — 1 

^,  e         n  sm  nx  und  ^  e  n(— 1)        sm  nx 

n  =  l  11  =  1 

bei  jedem  endlichen  positiven  Werth  von  y  stetige  Funktionen  von  x  mit 
stetigen  Ableitungen  sind,  und  diese  Funktionen  convergiren  bei  jedem 
Werth  von  x,  auch  bei  dem  Werth  x  =  0,  für  y  =  0  nach  null.  Hieraus 
ergiebt  sich,  mittelst  desselben  Schlusses  wie  vorhin,  die  Berechtigung  der 
Vertauschung  von  Summation  und  Integration  in  dem  Ausdruck  2)  und 
sonach  erhält  die  Gleichung  t2)  die  Form: 


t54 

k  = 


kUt'z 


6)      u(t,x)  =  —|a«y  \iff{i—z)^e  k(— 1)^  sin  kxj  (b 

6  k  =  l 

t  \c  =  OD 

+  -„ctyj  lf^(t  — z)^e  ksinkxjdz 

0  k==i 

TT  k  =  OO 

-f-  ^  /  I  ^(^')  ^  ^  sin  kx  sin  k z  j  dz . 


II.   Für  t  =  0  convergireu  die  beiden  ei*sten  Glieder  nach  null;  mithin 
ist  zu  beweisen,  dass  für  t  =  0 

7t  k  =  QO         ,  ^    ^ 

7)  lim  ^  I  If  (z)    >  e         sin  kx  sin  kzl  dz  =  f  (x) 

0  k  =  l 

wird,  und  zwar  dass  dieser  Uebergang  ein  gleichmässig  stetiger  ist.  Der 
Satz  ist  einleuchtend,  sobald  die  Reihe 

2  VI  —''«■*         r 

>  e        sin  kx  /  f(z)  sin  kz  dz 

k  =  1  0 

auch  noch  für  t  =  0  convergirt;  denn  man  erhält  alsdann  die  Dai*stellung 
der  Funktion  f(x)  vermittelst  einer  Fourier'schen  Reihe.  Es  kommt  aber 
darauf  an,  den  Satz  zu  beweisen,  auch  wenn  diese  Darstellbarkeit  von  f  (x) 
nicht  vorausgesetzt  wird,  die  ja  bekanntlich  durch  die  Stetigkeit  der  Funktion 
f(x)  noch  nicht  gegeben  ist. 
Man  schreibe 

2  sin  k X  sin  kz  =  cos  k  (x  —  z)  —  cos  k  (x  +  z) 

^  e  [cos  k  (X  -  z)  —  cos  k  (x  +  z)]  =  ^  ^  p  ^  [^  e  *  «'  ^ 

k  =^  1  n  =-^  —  00 

,1  =  +  cc_  [21171 +  (x  +  z)]- 

11  =  —  ac 

80  ist  der  Ausdruck 

^  +<^    _[2ii7r-f  (X— z)]-      +«^   _[2n7f  ^-(x-fz)]-- 

0  —  oc  —  QO 

zu  uutei'suchen,  und  zu  zeigen,  dass  derselbe  unabhängig  von  x,  lediglich 
durch  Wahl  eines  kleinen  Werthes  von  t,  dem  Werth  f(x)  beliebig  nahe 
kommt. 


155 

Die  Glieder,   in  welchen  n  =  0  ist,    hebe  man  zunächst  heraus  und 
betrachte 


^^„^Jf(.)dz[e     ^«^t   -,     4„n-]. 


2r^ 

0 

Wird  X  von  0  und  /i  verschieden  vorausgesetzt,  d.  h.  bedeutet  es 
irgend  einen  mittleren  Werth,  so  betrachte  man  im  ersten  Integml  das 
Intervall  von 

z^x  —  6bi8Z  =  X  +  t. 

Der  übrige  Betrag  des  Integrales,   sowie  das  ganze  zweite  Integml,  kann 
unabhängig  von  x,   lediglich  durch  Wahl  einer   oberen  Grenze  für  t,  l>e- 

liebig  klein  gemacht  werden.    Nun  wird  durch  die  Substitution  ^  ~     =  y 

X  +  *  (x z)»  4-      *  j 

X  —  *  — i 

2«rt 

und  ist  f  (x)  eine  stetige  Funktion  von  x,  so  ist  lediglich  durch  Wahl  von  t 

f(x-2«rty)  =  f(x)  +  «d), 

wobei   d   eine   beliebig  kleine   Grösse  bedeutet;    also   ist  das  vorstehende 
Intcgi*al  gleich 

""  2«Yt  ^  2 «  rt 

Der  ei-ste  Term  convergirt  nach  f  (x),  der  zweite  mit  d  nach  null. 

Es  ist  nun  leicht  nachzuweisen,  dass  die  übrigen  Glieder  des  Aus- 
druckes 8)  unabhängig  von  x  lediglich  durch  Wahl  einer  oberen  Grenze 
von  t  beliebig  klein  gemacht  werden  können,  so  dass  ich  die  weitere  Aus- 
führung dieses  Beweises  hier  unterlassen  darf. 

Da  bei  jedem  endlichen  Werthe  von  t  die  dritte  Summe  in  der 
Gleichung  6)  für  x  =  0  und  x  =  ^r  nach  null  convergirt,  so  ist  zu 
zeigen,  dass 

^  ^^-"^      v^  " 


—  l  ft''J\irii-z)^e        "k(— 1)^sinkx]dz 
0  k  =  l 

!  ^^^        k«rr/ 

9         /  >ry  —  "^  "  ^ 

4"  ^  «^  /  [<jp  (t  —  z)    >  e  k  sin  kx] dz 


156 

für  X  =  0  iiacli  dem  VVertli  fp(t)  und  für  x  =  >i  nach  dem  Wertli  ip{t) 
convergirt,  und  zwar  wiederum  gleichmässig,  d.  h.  so,  dass  man  bei  allen 
Werthen  von  t  die  Variabele  x  so  nahe  an  0  resp.  .r  bestimmen  kann, 
dass  jener  Werth  sich  von  (jp(t)  resp.  ip(t)  beliebig  wenig  unterscheidet. 
Aus  den  Gleichungen 

9)  ^e        ksinkx  =  /J-J  ^ i2nn  +  x)e         ^-^ 
u  =  1  n  =  —  oo 

" n!^ _  k» «' z  "  ^  *  -  ((2"-^)"  +  -^)' 

10)  ^e       (-l)''ksiukx=^^:^^ä2;((2»-l)'T+x)e.  4«'z 

n  =  l  n=^  —  30 

greife  man,  wenn  x  beliebig  klein  werden  soll,  wiederum  die  Glieder  n  =  0 
heraus  und  betrachte 

1')  S^yV(t-z)e-'"^^J.  und  .^Jfit-^^^^'h- 

0  0 

Setzt  man  im  zweiten  Integral  ,,  '_  =  v,  r  -?  =  —  <!}'»  so  wird  das- 
selbe  gleich: 


'nj  <p[t-  4„ye    ""dy. 


2 

X 

2«rt 

um  nun  zu  zeigen,  dass  dieses  Integral  für  x  =  0  gleichmässig  stetig 
in  den  Werth  cp{i)  übergeht,  bezeichne  man  mit  d  eme  beliebig  kleine, 
aber  feste  Grösse  und  zerlege  das  Integral  in  die  Theile: 

X  X 

2«  n  iTwT  ^ 

Das  erste  Integral  kann  durch  Wahl  von  x  beliebig  klein  gemacht  werden, 
vom  anderen  kann  man  leicht  erkennen,  dass  es  für  x  =  0  gleichmässig  in 
den  Werth  <jp  (t  —  0)  =  q>  (t)  übergeht. 

Desgleichen  verwandelt  sich  das  ei-ste  Integral  11)  durch  die  Sub- 
stitution 

TT— X  71  —  X        1  1 

in 


L/'.»('-'i-:|'F'oy 


r 

n  —  X 
2«rt 


157 

und  bekommt  ebenso  für  x  =  ;i  den  Grenzwerth  i/K*-""  0)  =  i''(t).  Dass 
nun  die  übrigen  Terrae,  welche  aus  den  Reihen  9)  und  10)  hervorgehen, 
wiedeinim  den  Grenzwerth  null  liefeni,  will  ich  hier  nicht  weiter  aus- 
führen, da  der  Nachweis  keine  besonderen  Schwierigkeiten  bietet. 

III.   Schliesslich    ist  noch    zu   zeigen,    dass   die  Diflferentialquotient^n 

V  ,  j^,,  den    geforderten  Bedingungen   der   Stetigkeit   im   ganzen    inncrn 

liaum  bei  allen  Weichen  von  t  genügen,  luid  dass    ,      an    den    Grenzen 

X  =  0  und  X  =  ;r  die  Eigenschaft  hat,  dass  lim  I  j^  sin  kxj  =  0  wird.  Die 

Funktion  ,    muss  sich  wiederum  durch  eine  Fourier'sche  Reihe  im  Intervall 
(Ix 

von  0  bis  >i  darstellen  hissen,  und  setzt  man 


dx  ~  l)ü+-bkCOskx, 


so  muss 


0 

n  n 

bk  =       /   , "  COS  kx  dx  =       Tu  cos  kxl  4-       /  u  sin  kx  dx 
0  .  "  0 

sein.     Demnach  ist  zu  beweisen,  dass  die  Reihe: 

*2J   ||"=  l  r'/'(t)-7^(t)]+  ^  2^~     "''''*^'  kx/f(z)  sin  kz  dz 

k  _- 1  0 

k       QO  t 

+  ^2^^^  kx  [(("(t)i:-1)»'  — (/^(t))  4-  k^a^y  [(— r^     ii/MZ) 
kl  0 

—  k-«-it  —  z)l 
+  y>(z)Je  dzj 

convergent  ist.  Convergirt  dieselbe,  so  erhält  man  aus  ihr  durch 
gliedweise  Integration  zwischen  den  Grenzen  0  und  x  in  der  That,  bis 
auf  eine  von  x  unabhängige  Grösse,  die  ursprüngliche  Reihe  für  u(t,x). 
Da  die  Convergenz  der  ersten  Summe  auf  der  rechten  Seite  bei  jedem 
positiven,  von  null  verschiedenen  Werth  von  t  unmittelbar  einleuchtet,  so 
bedarf  es  nur  einer  näheren  Untersuchung  der  zweiten  Summe.  Hier  zer- 
lege man  das  Integral  von  0  bis  t  in  die  Theile  von  0  bis  t  —  £  und  t  —  6 
bis  t,  wobei  £  beliebig  klein  und  so  gewählt  ist,  dass  die  Schwankungen 
der  stetigen  Funktion  ( — l)*'^^  i/^(z)  +  9)(z)  innerhalb  des  Intervalles  von 
t  —  6  bis  t  kleiner  bleiben  als  eine  beliebig  kleine  Grösse  d.     Es  ist  alsdann 


158 

*  _k»«''t  — z)  — k»«»e 

,/[(-1)''-'  V"(z)  +  y(z)]e         dz==[(-  l)i-it/,(t)  +  y(t)]^;^? 
t  —  i 

Demnach  bekommt  die  letzte  Summe  der  Gleichung  12)  den  Werth: 

12      5 

—  ^^[(-  1)*'^^  "^ (t)  +  <r (^J]  coskxe 
''kl 
k-oo  t— € 

+  ~^cos(kx)k2«2y  [(— 1.)*^-^  J"(z)  +  ff(z)]e  dz 

k-l  0 

kl 

Die  beiden  ersten  Summen  convergiren   bei  allen  Wertlien  von  x,  wenn  a 

eine  bestimmte,  im    übrigen  beliebig  kleine,  positive  Grösse   ist.    In   der 

\^'  f^-  f 

dritten  Summe  ist  e  jedenfalls   nicht  grösser  als   1 ,   ferner  ist  für 

0<x<;r 

^coskx  =  — 2  +  - ^     ' 

k  - 1  "  2  sin  ^ 

k  =  oo 

also  ^  cos  kx  dem  Betrage  nach  nicht  grösser  als     — ;  folglich  ist  die 

kl  sin  j, 

dritte  Summe  dem  Betrage  nach  nicht  grösser  als 

71  .       X 

sinij- 

und  kann  durch  Wahl  von  d  von  vornherein  beliebig  klein  gemacht  werden. 
Das  Produkt  dieses  Ausdruckes  mit  sin  nx  bekommt  für  x  =  0  den  Grenz- 

werth  Jn,  woraus  hervorgeht,  dass  die  Forderung  lim  1 ,- sin  (nx)j  =  0 
für  x  =  0  oder  x  =  .t  in  der  That  bei  jedem  endlichen  Werth  von  n 
erfüllt  ist. 

Die  Stetigkeit  der  zweiten  Ableitung  ^j  .  wird  in  derselben  Weise  er- 
kannt, und  damit  ist  die  Gültigkeit  der  gewonnenen  Formeln  vollständig 
erwiesen. 


159 


§  3. 
Der  doreb  eioe  einzife  Ebene  beiT^Dzfe  uneiidlicbe  Raniu. 

Der  unendliche  Raum  sei  nur  durch  die  Ebene  x  =  0  begrenzt.  Für 
die  Querschnitte  senkrecht  zur  x  Axe  ist  die  Temperaturvertheilung  zur  2^it 
t  =  0  als  Funktion  f(x)  gegeben;  desgleichen  ist  die  Temperatur  fp{t)  in 
der  begrenzenden  Ebene  während  des  ganzen  Verlaufes  ])ekannt.  Diese 
Funktionen  nehmen  wir  wiederum  der  Einfachheit  wegen  als  stetige  an; 
f  (x)  soll  überdies  zwischen  den  Grenzen  0  und  oc  absolut  integrirbar  sein. 

Wir  wollen  nun  beweisen,  dass  sich  immer  ein  und  nur  ein  Integral  der 
partiellen  Differentialgleichung  finden  lässt,  welches  diesen  Grenzbedingungen 
genügt,  wenn  wir  von  der  Funktion  u(t,  x)  noch  voraussetzen,  dass  sie 
nebst  ihrer  ersten  und  zweiten  Ableitung  nach  x  im  Innern  des  ganzen 
Raumes  stetig  ist,  dass  sie  zwischen  den  Grenzen  0  und  cc  al)solut  integrirbar 

ist,  und  dass  u  und    ,      für   x  =  oc    vei-schwinden.     Eine    Funktion   von 
'  dx 

dieser  Beschaffenheit  muss  dargestellt  wei-den  können  durch  das  zweifache 
Fourier'sche  Integral: 

1)  u(t, x)  =   ^  /  d(i  sin  qx  /  u(t, >.}  sin  q/.  d/.. 

0  0 

Das  innere  Integral  ist  eine  Funktion  von  t,  welche  folgende  Eigenschaften 
zu  erfüllen  hat.    Bezeichnen  wir  es  mit  F(t),  so  ist 

QO  ao  OC 

2)  F'(t)  =  j^Ju(t,/.)  sin  qAdA=y'Jjsin  qX  AI  =  «*/f/'  sin  qA  d/.. 

0  0  0 

Indem  hier  wieder  die  Vertauschung  in  der  Reihenfolge  der  Integration 
lind  Differentiation  vollzogen  wird,  tritt  wie  früher  die  Forderung  eines 
gleichmässig  stetigen  Ueberganges  in  die  Grenzwerthe  auf.  Das  letzte 
Integral  ergiebt  nun  durch  theilweise  Integration: 

QO 

«^  Tdi  S"^Q^]  —  ^'^Q  [u  cos  qAJ  — «-q*  /u  sin  qA  dl, 
0  ^0 

Ist  also  j-^  =  0  fiir  A  =  oc ,  u  =^  f/)  (t)  für  A  =  0  und  u  =  0  für 
A  =  oc,  so  wird 

3)  F'  (t)  =  tt«  q  tp  (t)  —  «*  q«  F  (t) 

und  das  vollständige  Integral  dieser  linearen  Gleichung  ist: 

4)  F  (t)  =  e  \(<^q  J  (f  (A)  e        d A  +  C]  . 

o 


160 

Die  Constante  C  ist  noch  eine  Funktion  x  (q)  ^o^  Q  5  ^Iso  ist 

t 


(/)(X)( 
0  0 


5)  u(t,x)  =   -J  dqsinqxe  ^a^qj  (f(k)e        clA  +  x(q)J, 


Nun  soll  für  t  =  0,   u(0, x)  =  f(x)   sein;   ist  dieser  Uebergang  ein 
gleiclunässig  stetiger,  so  folgt  aus  der  Gleichung 

QC 

F  (t,  q)  =  /  u  (t,  k)  sin  q  A  d  l 
0 

6)  F(0,q)  =  x(q)  =y  f(>0  Sin  qk  (U 

0 
und  mithin  ist 

7)  u(t,x)  =   ^  «*/  qdq  sin  qx  /  f/)U)e  d/ 

0  0 

QO  QO 

-f-   "^   /  dq  sin  qx  e  /  f(A)  sin  qA  dA. 

0  0 

In  den   beiden  zweifachen  Integralen  lässt  sich  bei  jedem  endlichen 
Werth  von  x  die  Reihenfolge  der  Integrationen  vertauschen;  also  wird 

t  QO 

2  r  /»  —a'ii'it  —  k) 

8)  u(t,x)  =  —a^l  (p{l)dl  I  q  sin  qx  e  dq 


0  0 

QO  QO 


«-qU 


2     /*  /  —       * 

+  -  I  f  (A)dA  J  sin  qx  sin  qA  c  dq . 

0  0 

Es  ist  aber 


0 

und  durch  Diflferentation  nach  x  folgt  hieraus: 


QO  Y*  ^ 

e  q  sin  qx  dq  =  j^3  xe    *"''t     -, 

I  e  sin  qx  sin  qA  dq  =  -A-yr  je       ^"^^  —  e       ^ "' ^  I . 


0 
femer  ist: 


1G1 


Man  erhält  sonach  statt  der  (ilei(jliung  8) 

!  _  x'  3 

9)  U  (t,  X)  =  2  ^^^fip  (/)  e       4V-'  (t  -  ;.)  (t  _  ;^^      2  a  ;. 


0 


+       ^-,-     /*f(A)  fe       ^«'t  —  e     ^«'t  IdA 


0 

Setzt  man  noch  im  ersten  Integral 

2a>/(t  — ;i)  "^  y*  '4«(t  — Aj'5         ^y 
und  bildet  man  das  zweite  zwischen  den  Grenzen  X  =  —  ^  bis  A  =  4~^» 
indem   man  bei   negativen  Wcrthen  von  l  die  Definition  f  (—  h  =  —  f  (/j 
einfuhrt,  so  wird 

10)  u(t,x)  =  ^2J'.^(t_^.^^.^)  r'dy  +  ^lj'f(x-2«yrt)  e~\ly. 

X  QO 

2«n 

Die  geforderten  Eigenschaften  lassen  sich  nun  sämmtlich  nachweisen. 
Icli  übergehe  die  Beweise  für  die  gleichraässige  Convergeuz  der  Werthe  von 
u(t,x)  an  der  Grenze  x  =  0  nach  y(t),  und  an  der  Grenze  t  =  0  nach 
f(x),  da  dieses  aus  der  Formel  10)  mit  Leichtigkeit  folgt. 

Für  x  =  ac  convergirt  u  (t,  x)  nach  null ;  denn  es  ist  das  erste  Integral 
der  Gleichung  10)  dem  Betrage  nach  kleiner  «als  der  Maximal werth  von 
rpi^t)  multiplicirt  mit 

X 

2«rt 

und  dies  wird  mit  beliebig  wachsenden  Werthen  von  x  beliebig  klein.  Dass 
auch  das  andere  Integral  null  wird,  erkennt  man  am  einfachsten  aus  der 
Gleichung  9)  vermittelst  des  zweiten  Mittelwerthsatzes.  Denn  von  dem 
Theile 

CT.       _^  ^x  -f  ;ii^ 

y  f(/.)e       ^"'^  dA 
ü 
sieht  man  unmittelbar,  dass  er  dem  Betrage  nach  nicht  grösser  als 

_    ^'      ? 
e    i«'^y'fa)dA 

0 

ist,  wenn  man  mit  ij  denjenigen  Werth  zwischen  0  und  ^  bezeichnet,  für 
welchen  das  vorstehende  Integral  dem  Betrage  nach  am  j^rössten  wird.  Im 
anderen  Theile  betrachte  man  die  Abschnitte 

11 


162 


0  (o 

Die  Grösse  r-j  sei  so  gewählt,  dass 


y  abs[f  (/)](! A<(J 


ist;  dann  ist  aiicli  l)ei  allen  Werthen  von  x 

oc        __  (X  -  ;.)- 

Ol 

denn  der  zweite  Faktor  in  diesem  Integral  ist  positiv  und  höchstens  gleich  l. 
I):\s  andere  Integiul  aber  wird,  wenn  wir  x  grösser  als  h  annehmen,  nach 
dem  zweiten  Mittelwertlisatz  gleicli 

5-^-e      *«^'~  /'f(/.)d/ 

2  «  r^  t/ 

und  convergirt  daher  bei  beliebig  wachsenden  Werthen  von  x  nach  null. 
Für  die  erste  Ableitung  nacli  x  erhält  man  aus  der  Gleichung  9): 

0 

t  y2  ß 


A^mf^rO^^  4«^(t-Aj(t^A)    2aA 


0 
0 

Auch  liier  erfordert  nur  das  Glied 

<^  __  (x  —  ^■)- 

J{{l){x—):)e      ^«'*  dA 

0 

die  besondere  Darlegung,  dass  es  für  x  =  -x)  verschwindet;  denn  bei  den 
anderen  Tennen  gelit  dies  unmittelbar  aus  dem  Umstände  hervor,  dass  die 
Exponentialfimktion  mit  negativem  Exponenten  von  höherer  Ordnung  ver- 
schwindet als  jede  algebraische  Potenz.  Das  voi*steliende  Integral  zerlege 
man  nun  wiederum  in  die  Theile  von  0  bis  vj  und  cß  l)is  oc,  wobei  ot  so 
tixirt  ist,  dass 


y'abs[f(/)]dA<(y 


163 

ist.     Der  ^rösste  Betrag,  welchen  der  Faktor  (x  —  /)  e      *"  *    annehmen 

_  1 

kann,  wälirend  /  das  *?anze  Intervall  durchläuft,  ist  «|^2te     ^.      Mithin 

wird 

;?  _(x  — ;.)»  _  1 

'f(;.)(x  — /je      ^«'*  d;.<Ja>/2te     ^, 


/ 


und 


/ 


f(A)(x  — /je      ^«'*  dA 

0 

wird,  wenn  x  l)eliehif;  viel  gn'isser  als  oi  angenommen  ist,  gleich 
(x~r'i)e      ^«''   yV(;.)dA; 

dieser  Ausdruck  convergirt  nach  null,  wenn  x  unendlich  wird. 

Durch  weitere  Differentiation  erhält  man  die  zweite  Ahleitung  j^.,, 
welche  ebenfalls  eine  stetige  Funktion  im  ganzen  inneren  Raum  ist. 

Wir  haben  für  das  Verhalten  im  Unendlichen  die  Voraussetzung  ein- 
geführt, dass  u(t,x)  und   ,"  für  x  =  cc  vei-schwinden.    Es  fragt  sich,  ob 

man  nicht  bei  den  gegebenen  ürenzbedingungen  eine  andere  Lösung  der 
Aufgabe  erhält,  wenn  man  von  der  Funktion  u(t,x)  nur  verlangt,  dass  sie 
nebst  ihrer  ersten  Ableitung  für  x  =  oc  endlich  bleibt?  Dieses  ist  aber 
nicht  der  Fall.  Denn  ist  U  eine  andere  Funktion,  welche  diesen  neuen 
Bedingungen  genügt,  so  ist  die  Differenz  of  =  IJ  —  u  eine  im  Innern  des 
betrachteten  Raumes,  nebst  ihren  ei*sten  und  zweiten  Ableitungen  nach  x, 
stetige  Funktion,  welche  nebst  ihrer  eisten  Ableitung  auch  für  x  =  x: 
endlich  bleibt  und  welche  ferner  die  Eigenschaften  hat,  dass 

I)  ^  =  «2  J*^*;;,     2)  cß  =  0  für  X  =  0,     3j  cß  =  0  für  t  =  0 

ist.  Es  kann  gezeigt  werden,  dass  diese  Funktion  constant  gleich  null  ist. 
Das  gelingt  vermittelst  eines  Verfahrens,  welches  von  Heine  (T)ieorie  der 
Kugelfunktionen,  2.  Auff.,  Bd.  2)  im  Anschluss  an  Dirichlet  angegeben 
worden  ist.   Es  ist,  wenn  wir  mit  z  einen  beliebig  grossen  Werth  bezeichnen: 

z         t  z 

j  i\xJoj\'lAt=   IJ  oj»dx, 

0  0  0 

/d./„f^.ix=/.u|„-4_./',u[(j:)'|^, 

0  0  0  "      0  " 

11* 


164 


also: 


i/».d,=„./dt[»i4-../d.[(-^)l. 

0  0  0  " 

Lässt  mau  nun  z  unendlich  werden,  so  bleibt  der  Voraussetzung  nach 

0  " 

sicherlich  endlich;  also  muss 

0  0  " 

endlich  bleiben.  Dies  ist  aber  nur  dann  möglich ,  wenn  für  x  =  :x;  die 
Funktion  lo  null  wird;  denn  anderen  Falles  würde  das  erste  Integral  un- 
endlich, während  das  zweite  endlich  bleibt.     Dann  ist  aber 

i/».dx  =  -„./d,[(^)']^ 
0  0  " 

und  da  die  linke  Seite  positiv,  die  rechte  negativ  ist,  so  muss  w  im  all- 
gemeinen und  wegen  der  Stetigkeit  durchaus  null  sein. 

Die  Lösung  des  Problemes  in  der  Form  9)  oder  10),  nicht  in  der 
Form  7),  giebt  aber  noch  zu  einer  anderen  Bemerkung  Anlass.  Diese 
Gleichungen  liefern  ein  Integral  der  partiellen  Diflferentialgleichung ,  ohne 
dass  man  von  der  Funktion  f(x)  die  absolute  Integrirbarkeit  zwischen 
0  und  'x  zu  fordern  braucht,  wenn  nur  das  Integral  von 

f(x  — 2ayrt)e       dy 

zwischen  den  Grenzen  —  oc  und  -|-  -x,  einen  bestimmten  Werth  repräsentirt. 

Dies  tritt  z.  B.  dann  immer  ein,  wenn  f  (x)  eine  durchweg  stetige 
Funktion  ist,  die  auch  für  x  =  :jc  endlich  bleibt.  In  diesem  Falle  giebt 
es  immer  nur  eine  Lösung  der  gestellten  Aufgabe,  welche  in  der  ange- 
gebenen Form  ausgedrückt  ist. 

Auch  hier  gilt  die  bereits  oben  gemachte  Bemerkung  über  die  Will- 
kürlichkeit des  Nullpunktes  der  Temperatui*. 

Würde  die  Funktion  f  (x)  im  unendlichen  selbst  unendlich,  so  kann 
die  Formel  10)  zwar  auch  noch  einen  bestimmten  Werth  behalten  und 
eine  Lösung  der  Differentialgleichung  liefern,  doch  wüi^de  der  Beweis  der 
Eindeutigkeit  neue  Untersuchungen  erfordern. 


_165 

§4. 
Die  Kngrel. 

Mit  Einführung  von  Polarcoordinaten  r,  ^,  ?/^  für  das  Innere  und  die 
Ol)ei'fläche  einer  Kugel  erhält  die  Differentialgleichung  für  den  Temperatur- 
zustand die  Form: 

y.     du j  fd'u    ,     2   du    I ^1_      d-u     ,      1    d^i     .    _cotg_^  du] 

^^    dt  ~  ^^     Idr"^  ^~    r   dV  "+*  r^  sin«  .'>  d  i/»*  "*"   r*  d^^    '        r*      dH  ' 

Bei  einer  homogen  mit  Masse  erfüllten  Yollkugel  vom  Radius  R  sind 
die  Grenzbedingungen  gegeben: 

a)  u  =  f  (r,  *,  i/;)  für  t  =  0 
und  entweder 

b)  \x  =  (p  (^,  ifj,  t)  für  r  =  R , 

d.  h.  die  Temperatur  an   der  Oberfäche,  oder  wenn  die  Temperatur  des 
Gases,  mit  welcher  die  Kugel  in  Berührung  steht,  bekannt  ist: 

^•)  J-J  +  h[u-f/)(^,V%t)l  =  0  für  r  =  R; 

h  bedeutet  die  Constante  der  Wärmeleitung  an  der  Oberfläche. 

Da  die  Lösung  dieser  Aufgabe  in  Heine's  Theorie  der  Kugelfunktionen 
genau  behandelt  ist,  obwohl  dort,  was  nicht  noth wendig  ist,  die  Ent- 
wickelbarkeit  der  Funktion  tp  nach  Kugelfunktionen  vorausgesetzt,  und 
überdies  von  vornherein  angenommen  wird ,  dass  auch  die  zweiten  Ab- 
leitungen der  gesuchten  Funktion  im  Innern  der  Kugel  durch  Kugel- 
funktionen darstellbar  sind,  so  kann  ich  mich  darauf  beschränken,  anzu- 
geben, wie  man  auch  hier  nach  der  nämlichen  allgemeinen  Methode  zur 
Bildung  der  Funktion  gelangt,  von  welcher  man  dann  durch  eine  nach- 
trägliche Untersuchung  zu  zeigen  hat,  dass  sie  allen  geforderten  Be- 
dingungen genügt. 

Die  gesuchte  Funktion  muss,  da  sie  stetige  erste  Ableitungen  nach 
r,  ^,  cp  im  Innern  der  Kugel  besitzen  soll,  bei  jedem  Werth  von  r  kleiner 
als  R,  durch  eine  nach  Kugelfunktionen  fortschreitende  Reihe  daratellbar 
sein.     Wir  setzen  denmach: 


2)  u(t,r,^,i/;)  =  2Xn, 


wobei 


Xn  =  ^^i^y  u  F«^'  (cos  y)da 


ist.  Die  Integration  erstreckt  sich  bei  jedem  Werth  von  r  <  R  über  die 
Oberfläche  der  zugehörigen  Kugel;  da  ist  das  Oberflächenelement  derselben; 
/;  und  10  sind  die  Variabelen  der  Integration,  welche  an  Stelle  von  d-  und 
rff  treten,  und 

cos  y  =  cos  ^  cos  1/  4"  sin  c^  sin  rj  cos  {co  —  i//) . 


I6t) 

Die  Grössen  Xu  sind  uuu  Funktionen  von  r,  i*^,  i/^  und  t.  Welche  Be- 
dingungen müssen  dieselben  erfüllen,  damit  die  Funktion  u  die  Differential- 
gleichung 1)  befriedigt? 

Multiplicirt  man  die  Differentialgleichung  I),  indem  man  sich  dieselbe 
in  i;  und  ij  geschrieben  denkt,  mit  P^°^  (cos  y),  was  auch  küraer  mit  !*<"> 
bezeichnet  werden  soll,  und  integrirt  alsdann  beide  Seiten  über  die  Ober- 
fläche einer  Kugel  mit  dem  Radius  r,  so  wird  die  linke  Seite  gleich: 

Die  rechte  Seite  ergiebt,  abgesehen  von  dem  Factor  «^, 

Das  zweite  Integral  liisst  sich  umformen ;  es  ist  d  a  =  sin  i^  d  /;  d  cj  , 
und  wendet  man  auf  die  einzelnen  Glieder  das  Verfahren  der  theilweisen 
Integration  au,  so  findet  man,   dass  dieses  Integral  den  Werth  bekommt: 

/•        ftl-pn)        1  ,      d-^P(n)       ,  .  dP(°)l     , 

/  U  I    ,    ,     — .,  -  H r-r» f-  cotß  /,      ,  -i  d  (J  . 

Gemäss  der  partiellen  Differentialgleichung,  welcher  die  Kugelfunktion 
I>(n)  genügt,  ist  der  in  der  Klammer  enthaltene  Ausdruck  gleich 

—  n(n4-l)Pf») 
und  sonach  erhält  man  für  den  Ausdruck  5) 

Zusammen  mit  der  Gleichung  4)  folgt  also  aus  der  ursprünglichen 
Differentialgleichung  für  die  Grössen  Xn  die  partielle  Differentialgleichung: 

n\  tlXu  o  fd^'Xn    ,     2  dXu  n  (ii -fl)   ,.  1 

*^  dt    ~  "     l  dr-'    ■+"   r   dr    ~       HP  ~"  H' 

Es  sind  also  die  Grössen  X«  Kugelfunktionen  n**'  Ordnung  der 
Variabelen  ^  und  i/',  welche  ausserdem  von  den  Parametern  r  und  t  so 
abhängen,  dass  sie  dieser  partiellen  Differentialgleichung  genügen. 

Wie  man  diese  Gleichung  zu  behandeln  hat,  ist  bekannt.  Man  zer- 
lege die  Funktion  Xu  in  zwei  Summanden: 

o)  Xn  =  Yu  -|-  Zu  . 

Der  Theil  Yq  soll  von  t  unabhängig  sein  und  die  Gleichung 

ftv  d-Yn    ,     2   dYn  n(n  +  n   ^ 

»J  dV~  "+■  7    dr  ?^"       Xu  =  0 

GC 

befriedigen.     Im  Innern  der  Kugel  soll  r  =  ^  Y»  eine  nebst  ihren  ersten 

0 
Ableitungen  stetige  Funktion  von  r  sein,  und  fiir  r  =  R  soll  sie  entweder 

der  Bedingung  b)  oder  der  Bedingung  c)  genügen. 


167 
Der  Thüil  Zn  »oll  die  Diflereutiulgleichuiig 

'•'      ?."=«'ß'^+r7"-"";.^">^.l 

oo 

erfüllen ;  w  =  ^  Zu  soll  iiiuerlialb  der  Kugel  eine  nebst  ihren  ei*sten  Ab- 

0 
leitungen  stetige  Funktion  von  r  s>ein,  welche  lilr  r  =  11  bei  allen  Werthen 

von  t  entweder  die  Bedingung  w  ^-:  0  oder  .  .  +  h  w  ^^  o  ertiillt ,  und 
welche  lür  t  =  o  in  die  Funktion  1  (r,  .>,  i'»)  übergeht. 

Die  Bestimmung  von  Yu  ist  einfach.    Denn  es  folgt  aus  der  (ileichung  {)) 
das  allgemeine  Integral 

Y„^Cur"  +  C'„r-^»r  0^ 

wobei  die  Grössen  C„  und  C'u,  von  r  unabhängig,  Kugelfunktionen  der 
Variabelen  0-  und  ih  sind.  Da  r  eine  stetige  Funktion  von  r  auch  für 
r  =  0  sein  soll,  so  ist  C'n  =  o ,  also 

00 

r=.^VC.  und  t\=''\t'    i/'^""''^*^- 

0 

Wenn  nun  die  Funktion  r  für  r  =  R  gleichmiissig  stetig  in  den  Werth 
ff  (i%  il',  t)  übergeht,  so  ist 

also 

0 

oder  wenn  man  summirt: 

I «  ,.  _  *^  ^ ^^''  ^  ^'>  /*         'f  ^'^'  '"•  ^ '  ^^  "^        I 

^^^  An        J  (R-'-2rR  cosy +  ll-)'^" 

Dass  dieses  Integral  in  der  That  den  geforderten  (irenzbedingungen  ge- 
nügt, ist  nach  dem  von  Poisson  angegebenen  Verfahren  zu  beweisen. 

Liegt  die  Bedingung  c)   vor,    so  erhält  man  aus  der  Gleichung  für 
r  =  R: 


ist,  so  wird 


[/rl-a.]=^;;^    C„R" 


168 

13)  Cu  (ii  +  liR)  R^-^  =  ^5,  (2n+  1)  JfpV<^^do 

und  schliesslich  ist  wiederum  der  Beweis  für  den  Grenzübergang  zu  liefern. 

Die  Bestimmung  von  Zu  aber,  die  sich  durch  die  Substitution  Zn  =  -  Vn 
etwas  vereinfachen  lässt,  erfordert  die  Einführung  von  Cylinderfunktioneii 
und  ist  von  Poisson,  Riemami  und  Heine  in  den  genannten  Werken  er- 
ledigt worden. 


169 


Rückblick   auf  die   Entdeckung   des   Elektro- 
magnetismus und  der  Inductionselektricität. 

Von  A.  Toepler. 

(Aus  einem  Vortrage  in  der  Aula  des  Kg),  rolytechuikums  zur  Geburtsfeier  Ör.  Majestät 
des  Königs  Albert  am  23.  April  1885*) 


Was  aus  dem  vorigen  Jahrhundert  an  Kenntnissen  von  der  Elektricität 
zu  uns  herübergekommen  war,  beschränkte  sich  auf  die  Erscheinungen  der 
sogen.  Elektrostatik. 

Man  kannte  die  Anziehungs-  und  Abstossungskräfte  der  ruhenden 
Elektricität,  man  kannte  auch  die  wichtigsten  Wirkungen  ihrer  plötzlichen 
Entladung. 

Die  Elektricitätslehre  stand  zu  anderen  Wissenszweigen  wenig,  zur 
Technik  fast  gar  nicht  in  Beziehung. 

Ein  gewaltiger  Fortschritt  war  es,  als  an  der  Schwelle  unseres  Jahr- 
hunderts Galvani  und  Volta  den  nach  ersterem  benamiten  galvanischen 
Strom  entdeckten,  als  man  in  der  Volta 'sehen  Säule  das  Mittel  fand, 
Elektricität  zwar  mit  kleiner  Spannung,  aber  in  ungeheurer  Menge  in 
unausgesetztem  Fliessen  zu  erhalten. 

Sehr  bald  beobachtete  man  die  chemischen,  die  Wärme-  und  Licht- 
wirkungen, welche  der  Strom  in  seiner  Bahn  hervomift.  Wenn  es  zunächst 
die  chemischen  Wirkungen  waren,  welche  man  mit  grösstem  Eifer  ver- 
folgte, so  kann  dies  nicht  befremden.  Der  Anfang  des  Jahrhunderts  war 
ja  die  Zeit,  in  welcher  die  Chemie  als  junge,  vielverheissende  Wissenschaft 
alle  Geister  beschäftigte,  die  Zeit,  in  welcher  der  grosse  Dal  ton 'sehe 
Gedanke  der  chemischen  Atomlehre  zur  Reife  gedieh! 

♦)  Anmerkung.  Das  Stiftungsjalir  der  (Jesellschaft  Isis  fällt  in  die  für  die  Ge- 
schichte der  Elektricität  so  interessante  Zeit  unmittelbar  nach  der  Entdeckung  des 
Elektromagnetismus  und  der  Inductionselektricität.  Ein  halbes  Jahrhundert  hat  seitdem 
die  Früchte  dieser  Entdeckungen  gezeitigt;  es  hat  uns  den  elektrischen  Telegraphen,  die 
dynamoelektrische  Maschine,  das  Telephon  und  die  elektrische  Kraftübertragung  ge- 
schenkt.- Die  Redaction  hat  es  daher  für  angemessen  erachtet,  die  obige,  vom  Verfasser 
bereitwilligst  zur  Verfügung  gestellte  kurze  Rückschau  zugleich  als  Erinnerung  an 
Faraday,  welchem  die  neuere  Physik  so  mächtige  Impulse  verdankt,  in  diese  Schrift 
aufzunehmen.  D.  Red. 

Fattckrift  der  üü  in  Dreadm,  1885. 


170 

So  kam  es,  dass,  als  Davy  im  Jahre  1807  mittelst  der  zei-setzeiiden 
Kraft  des  Stromes  die  Alkalimetalle  entdeckte,  dieser  grosse  Erfolg  die 
Yolta'sclie  Eiitdeckmig  selbst  in  Schatten  zu  stellen  schien,  und  dass  bis 
zum  Jahre  1820  andere  wichtige  Wirkungen  der  strömenden  Elektricität 
entweder  gar  nicht  oder  nur  wenig  studirt  wurden. 

In  diesem  Jahre  nimmt  die  Erforschung  der  Elektricität  eine  ganz 
neue,  ungeahnte  Wendung.  Im  Juli  dieses  Jahres  macht  Christ  Oersted, 
Universitäts-Professor  in  Kopenhagen  und  später  Director  des  Polytechnikums 
daseH)st,  in  einer  kurzen  lateinischen  Abliandlung:  „Experimenta  circa 
effectum  conHictus  electrici  üi  acum  magneticam ",  seinen  Fachgenosseu  dio 
Mittheilung,  dass  er  eine  leicht  zu  beobachtende  Beziehung  zwischen 
P^lektricität  und  Magnetismus  entdeckt  habe. 

In  dieser  Abhandlung  beschreibt  der  Verftisser  seine  heutzuüige  Jeder- 
mann bekannten  Fundamentalversuche  über  die  Ablenkung  der  Magnet- 
nadel durch  den  galvanischen  Strom.  Er  zeigt,  dass  die  Stärke  der  ab- 
lenkenden Kraft  von  der  Stromstärke  und  von  der  Entfernung  zwischen  dem 
Stromleiter  und  der  Magnetnadel  abhängt,  und  dass  diese  Kraft  durch  un- 
magnetische Substanzen  ungehindert  hindurchwirkt. 

Der  ersten  Abhandlung  folgt  alsbald  eine  zweite,  in  welcher  er  zeigt, 
dass  bei  passender  Einrichtung  des  P^xperimentes  auch  umgekehrt  der  Strom 
durch  den  Magneten  abgelenkt  werden  kann. 

Die  erste  Abhandlung  hatte  Oersted  unverzüglich  an  die  namhaftestcu 
Physiker  und  gelehrten  (Jese  Ilse  haften  gesandt.  Er  war  sich  der  grossen 
Tragweite  seiner  Entdeckung  vollkommen  bewusst,  war  nun  doch  mit  einem 
Male  festgestellt,  dass  der  elektrische  Strom  nicht  nur  in  seiner  Bahn 
sondern  auch  ausserhalb  dei-selbeu,  dass  er  in  die  Ferne  wirkt.  Die  Ent- 
deckung verliert  auch  Nichts  von  ihrer  Ursprünglichkeit  durch  den  Um- 
stand, dass  man  schon  hinge  vor  Oersted  ehien  Zusammenhang  zwischen 
Elektricität  und  Magnetismus  vermutliet  hatte.  Was  Oersted  entdeckte, 
hatte  Niemand  vernnithet. 

So  unvermittelt  das  Dasein  der  neuen  Kraft,  des  Elektromagnetismus, 
den  (i(;lehrten  vor  Augen  trat,  so  überraschend  zeigte  sich  ihre  Wirkungs- 
weise. Hatte  man  es  l)is  dahin  nur  mit  Naturkräften  zu  thun  gehabt,  welche 
anziehend  oder  al)stossend,  also  (wie  die  (iravitation)  in  dii-ecter  Ver- 
bindungslinie von  Körper  zu  Körper  wirken,  so  musste  man  glauben,  in  der 
elektromagnetisclien  Kraft  (^ne  Ausnahme  zu  erkennen.  P^s  zeigte  sich, 
dass  der  Magnetpol  vom  Stromleiter  weder  angezogen  noch  abgestossen, 
sondern  mit  Bezug  auf  die  Verbindungslinie  querüber  getrieben  wird.  Man 
nannte  die  Kraft  eine  transverse. 

Nichts  schien  so  deutlich  für  die  abnorme  Beschafl'enheit  der  neuen 
Kraft  zu  sprechen,  als  die  merkwürdigen  Experimente,  welche  im  Jahre 
1821  ein  Assistent  an  der  Iloyal  Institution  in  Ix)ndon,  Namens  Faraday, 
veröffentlichte.  Dei-selbe  zeigte,  dass  unter  geeigneten  Umständen  ein  Strom- 
leiter   um    einen   Magnetpol,    oder    umgekehrt    ein    Magnetpol   um    einen 


171 

Stromleiter,  wie  von  einem  iiuisichthnreu  Wirbel  eifjisst,  fort  und  fort  im 
Kreise  wandert. 

Allein  —  fast  unmittelbar  nach  dem  Bekanntwerden  der  üersted'schen 
Experimente  hatte  Andre  Ampere,  Professor  an  der  polytechnischen 
Schule  zu  Paris,  eine  andere,  kaum  minder  wichtige  Entdeckung  gemacht. 
Er  hatte  entdeckt,  dass  auch  zwischen  zwei  elektrischen  Strömen  eine 
Wirkung  besteht,  und  zwar  eine  anziehende  oder  abstossende,  je  nach  der 
Richtung  der  Ströme  und  der  Lage  der  Stromleiter.  Dem  geistvollen 
Analytiker  gelang  es  auch  bald,  ein  mathematisches  Gesetz  dieser  Wirkung 
zu  ei*sinnen,  und  zugleich  eine  ganz  neue  Anschauung  \om  Wesen  des 
Magnetismus  zu  entwickeln. 

Er  lehrt,  das  Wirksame  im  Magneten  sei  kreisende  Elektricität  in 
seinen  Molekülen.  Im  Lichte  dieser  Lehre  löste  sich  die  geheimnissvolle 
W^echselwirkung  zwischen  Magnetismus  und  strömender  Elektricität  in  ein 
Aggregat  von  Attractionen  und  Repulsionen  auf.  Der  metaphysische  Grund- 
satz, dass  die  eigentlichen  Naturkräfte  nur  anziehende  oder  abstossende 
seien,  war  wieder  zur  Geltung  gebi-acht. 

Nachdem  durch  Oersted  und  Ampere  die  fundamentalen  Be- 
ziehungen aufgedeckt  waren,  vollzog  sich  die  weitere  Erforschung  des 
Elektromagnetismus  mit  rapider  Geschwindigkeit.  Arago  magnetisirt 
Stahlnadeln  in  vom  Strom  durchtiossenen  Schraubendrähten,  Sturgeon 
stellt  bald  danach  mit  weichem  Eisen  Elektromagnete  von  nie  dagewesener 
Tragkraft  her.  Poggendorff  und  Schweigger  ertinden  dius  Galvano- 
meter, welches  alsbald  in  der  Hand  Nobili's  zu  einem  Instrumente  wird, 
mit  welchem  die  allerscJiwächsten  elektrischen  Ströme  erkannt  und  gemessen 
werden  können.     Höchst  wichtige  Anwendungen  folgen  auf  dem  Fusse. 

Rewaflnet  mit  dem  neuen  Instrumente  entdeckt  Seebeck  der  Aeltere 
die  Thermoelektricität,  prüft  und  bestätigt  im  Jahre  1820  Simon  Ohm, 
damals  Gynunisiallehrer  in  Köln,  das  berühmte  Gesetz,  welches  seinen 
Namen  trägt,  jenes  Gesetz,  durch  welches  endlich  für  das  Vei^tändniss 
der  Elektricitätsbewegung  im  galvanischen  Strom  die  langentbehrte,  sichere, 
mathematische  (Jrundlage  geschaffen  war. 

Daneben  tauchen  aber  auch  neue,  ganz  räthselhafte  Ei'scheiimngen 
auf,  welche  die  Physiker  jener  Zeit  geradezu  in  Verlegenheit  setzen  mussten. 
1824  beobachtete  Arago,  dass  eine  Scheibe  aus  Kupfer  oder  anderem 
unmagnetischem  Metall,  welche  unter  einem  horizontal  aufgehängten  Magnet- 
stabe rotiile,  diesen  gewissermassen  mitzog,  so  dass  er  selbst  in  Drehung 
kam,  selbst  dann,  wenn  zwischen  beiden  eine  indifferente  Scheidewand 
vorhanden  war.  Ein  sonst  durchaus  unmfignetisirbarer  Stoff,  wie  Kupfer, 
schien  also  durch  blosse  Bewegung  in  der  Nähe  eines  Magneten  selbst 
magnetisch  zu  werden. 

Fast  mehr  noch  mag  ein  Experiment  überrascht  haben,  welches  Barlow 
an  der  Militärakademie  in  Woolwich  anstellte.  Eine  rasch  rotirende  Bombe 
nahm,  ohne  dass   ein  Magnet  in   der  Nähe  gewesen  wäre,  gewisse  mag- 


172 

netische  Eigenschaften  an,  welche  im  Ruhezustande  wieder  verschwanden. 
Man  stand  den  neuen  Thatsachen,  an  deren  Erklärung  selbst  der  Scharf- 
sinn eines  Poisson,  eines  Ampere  scheiterte,  völlig  rathlos  gegenüber. 
Niemand  scheint  daran  gedacht  zu  haben,  dass  hinter  diesem  räthselhaften 
Rotationsmagnetismus  ein  ganzes  grosses  Feld  von  noch  unentdeckten  Er- 
scheinungen verborgen  liege.  Nur  einer  ahnte  es,  und  dieser  eine  war 
Faraday. 

Michael  Faraday,  Sohn  eines  armen  Hufschraiedegesellen,  1791  in 
einem  Vororte  liOndons  geboren  und  unter  kümmerlichen  Verhältnissen  auf- 
gewachsen, kam  im  13.  Lebensjahre  zu  einem  Buchbinder  in  die  Lehre. 
Hier  las  er  eifrig  in  den  seinen  Händen  anvertrauten  Büchern.  Einige 
populäre  Schinften  über  Chemie  und  Physik  weckten  in  dem  lernbegierigen 
Jüngling  den  mächtigen  Hang  zur  Naturlehre.  In  freien  Stunden  hörte  er 
öffentliche  Vorlesungen,  auch  experimentirte  er  fleissig,  soweit  es  die  be- 
schränkten Mittel  erlaubten.  Gegen  Ende  seiner  Lehrzeit  hatte  er  das 
Glück,  von  einem  wohlwollenden  und  einflussreichen  Kunden  des  Buch- 
binderladens  in  die  Royal  Institution  zu  den  Vorlesungen  Davy's,  welcher 
damals  auf  dem  Gipfel  seines  Ruhmes  stand,  mitgenommen  zu  werden. 
Als  zwanzigjähriger  Buchbindergeselle  hatte  Faraday,  getrieben  von  glü- 
hender Begeisterung  für  die  Wissenschaft,  den  Muth,  sich  an  Davy  mit 
der  inständigen  Bitte  zu  wenden,  dass  derselbe  ihm  behülflich  sein  möchte, 
das  Handwerk  mit  dem  Beruf  eines  Naturforschers  zu  vertauschen.  Der 
schriftlichen  Bitte  fügte  er  ein  sauber  ausgearbeitetes  Heft  der  Davy 'sehen 
Vorlesungen  bei. 

Davy  erkannte  sofort,  dass  er  es  mit  einem* jungen  Manne  von  un- 
gewöhnlicher Begabung,  mit  einem  Beispiel  bewundernswerther  Selbst- 
erziehung zu  thun  habe.  Er  stellte  ihn  1812  als  Gehülfen  an  seinem 
Laboratorium  an,  nahm  ihn  auch  bald  darauf  als  Amanuensis  auf  eine 
Reise  nach  Frankreich  und  Italien  mit.  1816  schrieb  Faraday  seine 
erste  Abhandlung,  welcher  in  vier  Decennien  mehr  als  hundert  andere 
folgen  sollten.  Schon  1824  wurde  er  Mitglied  der  Royal  Society,  der 
höchsten  gelehrten  Körperschaft  in  England,  und  bald  darauf  Director  des 
Laboratoriums  und  Professor  an  der  Royal  Institution*),  an  welcher  er 
bis  zum  Ende  seines  Lebens  wirkte. 

Um  das  Jahr  1830  finden  wir  Faraday  auf  der  Höhe  seiner  schöpfe- 
rischen Thätigkeit.  Schon  früher  scheint  sich  ihm,  sei  es  durch  Arago's 
Experimente,  sei  es  durch  gewisse  Versuche  von  Ampere,  die  Vermuthung 


*)  Diese  Royal  Institution  ist  eine  Ajistalt  eigen thtimlicher  Art.  Sie  ist,  wie  so 
manche  wissenschaftliche  Einrichtung  Englands,  kein  Staatsinstitut.  Sie  gehört  vielmehr 
einer  Privatgesellschaft.  Die  Bezeichnung  Königlich  führt  sie  zu  Ehren  König  Georgs  III., 
welcher  zu  ihren  Begründern  zählt.  Die  Anstalt  hat  den  Zweck,  den  Mitgliedern  der 
Gesellschaft  die  neuesten  Ergebnisse  der  Naturwissenschaften  rasch  zugänglich  zu  machen 
und  durch  ])Opuläre  Vorlesungen  die  Ausbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse  zu 
befördern.    Sie  ist  mit  wissenschafthcheu  Hülfsmitteln  reichlich  versehen. 


173 

aufgedrängt  zu  haben,  dass  es  möglich  sein  müsse,  mit  Magneten  Elektricität 
zu  entwickeln,  dass  es  im  Gegensatze  zu  den  elektromagnetischen  auch 
magnetoelektrische  Erscheinungen  gebe.  Seinem  scharfen  Beobachtungs- 
sinne gelang  es,  die  Fährte  zu  finden,  auf  welcher  diese  Erscheinungen 
zu  suchen  waren.  Rasch  drang  er  auf  der  betretenen  Bahn  vor  und  ruhte 
nicht  eher,  als  bis  er  die  reife  Frucht  eines  ei*schöpfenden  Studiums  in 
zwei  grossen  Abhandlungen  niederlegen  konnte,  welche  er  zu  Ende  des 
Jahres  1831  und  zu  Anfang  1832  in  der  Royal  Society  vorlas. 

Der  Eindruck  dieser  Abhandlungen  auf  die  Fachgenossen  muss  ein 
fast  unbeschreiblicher  gewesen  sein,  üewöhnlich  ist  es  der  Lauf  der 
Dinge,  dass  das  Material,  aus  welchem  sich  neue  Gebiete  der  naturwissen- 
schaftlichen Erkenntniss  autbauen,  allmählich  durch  die  Arbeit  Vieler  zu- 
sammengetragen wird.  Hier  ereignete  sich  der  seltene  Fall,  dass  so  zu 
sagen  ein  ganzes  Capitel  Experimentalphysik,  mit  einer  überreichen  Fülle 
neuer  Thatsachen,  wie  aus  einem  Guss  dastand,  geschaffen  durch  die  Hand 
eines  Einzelnen. 

Im  ersten  Abschnitte  seiner  Abhandlungen  erzählt  Faraday  in  der 
ihm  eigenen,  schlichten  und  doch  so  anschaulichen  Art  und  Weise,  wie  er 
sich  anfangs  vergeblich  bemüht  habe,  für  die  bekannte  Vertheilungswirkung 
der  ruhenden  Elektricität  eine  analoge  Wirkung  der  strömenden  zu  finden. 
Er  erzählt,  dass  er  zwei  isoUrte  Drähte  dicht  neben  einander  zu  Spiralen 
gewunden,  dass  er  durch  den  einen,  den  Hauptdraht,  den  Strom  einer 
Vol tauschen  Kette  geschickt  habe,  während  der  andere,  der  Nebendraht, 
mit  einem  Galvanometer  verbunden  war.  Nicht  entmuthigt  durch  das 
anfängliche  Ausbleiben  der  erwarteten  Wirkung,  wiederholt  er  den  Versuch 
mit  möglichst  starken  galvanischen  Strömen.  Da  endlich  zeigt  ihm  das 
Zucken  der  Galvanometernadel,  dass  den  Nebendraht  jedesmal  eine 
Strömungswelle  durcheilt,  wenn  der  galvanische  Strom  im  Hauptdrahte 
beginnt  oder  aufliört.  Er  nennt  den  Act  der  Strombildung  im  Neben- 
draht Induction,  die  Ströme  selbst  inducirte  oder  Inductionsströme,  im 
Gegensatz  zum  inducirenden  Strome  im  Hauptdrahte. 

Nun  richtet  Faraday  das  Experiment  so  ein,  dass  der  Nebendraht  hin 
und  her  bewegt  werden  kann;  es  zeigt  sich,  dass  in  demselben  auch  dann 
Ströme  inducirt  werden,  wenn  man  seine  Entfernung  vom  galvanischen 
Strom  im  Hauptdraht  plötzlich  vergrössert  oder  verkleinert.  Selbstverständ- 
lich lässt  Faraday  es  sich  angelegen  sein,  die  Regeln  fiir  die  Richtung 
der  neuen  Ströme  festzustellen. 

Damit  noch  nicht  zufrieden,  stellt  er  sich  die  Frage:  Wie,  wenn 
während  des  Inductionsactes  im  Nebendraht  ein  anderer  Strom  bereits 
vorhanden  ist?  Das  Experiment  giebt  zur  Antwort,  dass  dieser  Umstand 
die  Entstehung  der  Inductionsströme  keineswegs  ausschliesst. 

Hat  Faraday  damit  die  grundlegenden  Thatsachen  für  die  Induction 
von    Strömen    durch    Ströme,    für    die    sogenannte    Voltainduction    fest- 


174 

gestellt,  so  wendet  er  sich  nun  der  magnetoelektrischen  Induction, 
oder  wie  er  sich  ausdrückt,  der  Eutwickelung  von  Elektricität  durch 
Magnetismus  zu. 

Er  steckt  in  die  Höhlung  einer  Drahtspirale  einen  Kern  aus  weichem 
Eisen,  den  er  alsdann  in  der  mannigfaltigsten  Weise  plötzlich  magnetisirt 
und  entmagnetisirt.  In  allen  Fällen  erhält  er  die  erwarteten  Inductioiis- 
ströme;  er  erhält  Funken,  physiologische  und  später  auch  chemische  Wir- 
kungen der  Inductionselektricität. 

Nun  gelingt  es  ihm  auch  leicht,  Ströme  durch  Einführung  von  Stahl- 
Magneten  in  geschlossene  Drahtspiralen,  ja  sogar  durch  Bewegung  ein- 
facher Drähte  im  Kraftbereiche  eines  Magneten  zu  induciren. 

Schliesslich  löst  Faraday,  im  Besitze  der  neuen  Erfahrungen,  das 
Räthsel  des  Arago' sehen  Rotationsmagnetismus.  Er  beweist,  dass  der 
aufgehängte  Magnet  in  der  unter  ihm  rotirenden  Scheibe  Inductionsströme 
erzeugt,  welche,  rückwärts  auf  den  Magneten  wirkend,  diesen  in  Bewegung 
setzen  müssen.  Die  den  (iegenstand  betreffenden  Experimente  sind  höchst 
einfach  und  doch  von  bewundernswerther  Feinheit  der  Erfindung. 

Die  zweite  Abhandlung,  welche  der  ersten  unmittelbar  folgt,  ist 
durch  ihren  wissenschaftlichen  üehalt  von  nicht  minderem  Interesse. 

Faraday  zeigt  darin,  wie  durch  den  Magnetismus  des  Erdkörpers 
elektrische  Ströme  inducirt  werden.  Er  orientirt  Schraubendrähte  nach 
der  Richtung  der  Inclinationsnadel  und  wendet  sie,  mit  oder  ohne  Eisen- 
kern, plötzlich  um,  er  lässt  Drahtrechtecke  schwingen  und  findet  wiederum 
in  allen  Fällen  die  erwarteten  Ströme.  Dann  vei*setzt  er  metiiUeue  Kreis- 
scheiben in  rasche  Drehung  und  findet,  dass  durch  den  P^rdmagnetismus 
Inductionselektricität  von  der  Mitte  zum  Rande  getrieben  wird  oder  um- 
gekehrt, je  nach  dem  Drehungssinne  und  der  ürientirung  der  Rotations- 
axe  zum  magnetischen  Aequator.  Mit  diesen  Thatsachen  waren  die  Er- 
scheinungen an  Barlow's  rotireuder  Doml)e  als  einfache  Folge  der  Erd- 
induction  erkannt.  Es  war  a})er  auch,  was  bei  weitem  wichtiger  ist, 
die  Grundlage  geschaffen  für  die  spätere  Erforschung  des  Erdmagnetismus 
durch  seine  Inductionswirkungen. 

Ein  besonderes  Studium  widmet  Faraday  der  Frage,  inwiefern  die 
Inductionsströme  von  der  Substanz  des  Leitei-s  abhängen,  in  welchem  die 
Induction  sUittfindet.  Ein  sinnreiches  Compensationsverfahren  führt  ihn 
zu  der  Entdeckung,  dass  die  elektromotorische  Kraft  der  Induction  von 
der  Leitersubstanz  nicht  beeinilusst  wird. 

Während  Faraday  seine  zahlreichen  und  höchst  mannigfaltigen 
Beobachtungen  beschreibt,  suclit  er  zugleich  nach  einem  Erklärungsprincip 
für  dieselben.  Ein  solches  bietet  sich  ihm  schliesslich  in  Gestalt  eines 
höchst  eigenthümlichen  Anschauungsbildes,  von  welchem  noch  die  Rede 
sein  wird. 

Man  hätte  glauben  sollen,  dass  nach  so  gründlicher  Untersuchung 
wesentlich  neue  Entdeckungen   auf  dem   Gebiete  nicht   mehr   zu   machen 


175 

seien.  Allein  Farad ay  fand  doch  noch  eine  Lücke  auszufüllen.  Schon 
in  der  ersten  Abhandlung  hatte  er  die  Vermuthnng  ausgesprochen,  dass 
ein  galvanischer  Strom  nicht  nur  auf  einen  Nebenleiter,  sondern  ebensowohl 
auch  auf  die  eigene  Bahn  inducireud  wirken  könne.  Eine  zufällige  Be- 
obachtung von  Jenkin  veranlasste  ihn,  den  Gegenstand  wieder  aufzunehmen, 
und  so  kam  der  letzte  Abschnitt  seiner  Entdeckungen,  „die  Induction  eines 
elektrischen  Stromes  auf  sich  selbst",  im  Jahre  1835  an  die  Oeffentlichkeit. 

In  dieser  Abhandlung  wird  nachgewiesen,  dass  in  der  That  ein 
galvanischer  Strom  in  den  Momenten,  in  denen  er  zu  fliessen  beginnt  oder 
aufhört,  in  seiner  Leitung  je  einen  Inductionsstrom  erzeugt.  Die  grossen 
experimentellen  Schwierigkeiten,  welche  bei  dieser  Untersuchung  vorliegen, 
überwindet  Farad  ay  mit  gewohnter  Meisterschaft.  Er  weist  die  Existenz 
auch  dieser  neuen  Ströme,  die  er  Extraströme  nennt,  durch  ihre  chemischen, 
magnetischen  und  Wärmewirkungen  nach.  ¥jY  untersucht  die  Umstände, 
welche  auf  ihre  Stärke  von  Einfluss  sind ,  und  vergisst  auch  nicht  zu 
zeigen,  wie  man  sich  für  gewisse  Zwecke  inductionslose  Stromleiter  ver- 
schaffen kann. 

Nach  diesen  kurzen  Andeutungen  über  den  Inhalt  der  Farad  ay' sehen 
Abhandlungen  wird  man  das  grosse  Aufsehen  begreiflich  linden,  welches 
sie  hervorriefen.  Um  al)er  Michael  Faraday  als  Forscher  ganz  zu  wür- 
digen, muss  man  in  Erwägung  ziehen,  dass  er  in  eben  demselben  Zeit- 
räume von  1831  bis  35  das  Haupt-  und  Grundgesetz  der  Elektrolyse,  sein 
Gesetz  der  elektrochemischen  Aequivalente  entdeckte,  und  dass  es  dem- 
selben Manne  vorbehalten  war,  in  dem  nächsten  Decennium  noch  zwei 
ungemein  wichtige  Entdeckungen  zu  machen,  die  des  Diamagnetismus  und 
der  Wirkung  des  elektrischen  Stromes  auf  das  polaiisirte  Licht. 

„Kaum  jemals**,  so  ruft  Helm  hol  tz  bewundernd  aus,  „hat  ein  einziger 
Mensch  eine  so  gi-osse  Reihe  wissenschaftlicher  Entdeckungen  von  folgen- 
schwerster Bedeutung  gemaclit,  wie  Faraday.***)  Wir  können  hinzufügen, 
dass  unter  diesen  Entdeckungen  die  bedeutendste  die  der  Inductions- 
elektricität  war.  Auf  ihrem  Gebiete  liat  Faraday,  insofern  es  sich  um 
die  Eruirung  der  fundamentalen  Thatsachen  handelt,  seinen  Nachfolgern 
kaum  etwas  Nennenswerthes  zu  thun  übrig  gelassen. 

Gleichwohl  war  der  Wissenschaft  nunmehr  ein  grosses  Arbeitsfeld 
eröffnet.  Es  galt  nicht  nur,  die  Beziehungen  der  neuen  Thatsachen  nach 
allen  Richtungen  quantitativ  zu  präcisireii,  iiir  die  Inductionsströme  Mass 
und  Zahl  zu  Schäften,  es  galt  vor  Allem,  eine  mathematische  Theorie  auf- 
zustellen, welche  die  Induction  und  die  verwandten  Ei*scheinungen  gemein- 
sam umfasst,  es  galt  dann  später,  die  Inductionselektricität  vom  allgemeinen, 
mechanischen  Standpunkte,  vom  Standpunkte  des  Princips  der  Erhaltun«^ 
der  Kraft  zu  verstehen. 


*)  Vergl  Helmlioltz's  Vorrede  zu  der  relxTsetzuiiu:  der  (redonksclirift  „Faraday 
und  seine  Entdeckungen''  von  J.  Tyndall. 


176_ 

Mit  Stolz  könneil  wir  darauf  hinweisen,  dass  diese  schwierige  und 
gewiss  nicht  minder  ruhmvolle  Geistesarbeit  Vorzugspreise  von  Männern 
deutschen  Namens  gethan  wurde,  von  Männern  wie  Lenz,  Frz.  Neu - 
mann,  Weber  und  Helmholtz. 

Faraday  war  nicht  der  Mann  für  abstracte  Untei-suchungen,  dazu 
fehlte  ihm  die  mathematische  Ausbildung.  Er  hatte  ein  hoch  entwickeltes 
Raumvorstellungsvermögen.  Er  erzählt,  dass  er  in  jüngeren  Jahren  Tay- 
lor's  Buch  über  Perspective  studirt  habe.  Dieses  Wenige  genügte  ihm, 
um  sich  in  den  verwickelten  räumlichen  Beziehungen,  welche  bei  vielen 
seiner  Beobachtungen  in  Betracht  kamen,  mit  nie  fehlender  Sicherheit  zu- 
recht zu  finden.  Das  Rüstzeug  seiner  Forschung  war  das  Experiment. 
Er  war  auch  stets  bemüht,  die  physikalischen  Begriffe  fern  zu  halten 
von  aller  theoretischen  Willkür,  von  Allem,  was  nicht  treuer  und  unmittel- 
barer Ausdruck  der  Thatsachen  ist. 

Aber,  —  wenn  auch  kein  Zweifel  sein  kann,  dass  Farad ay's  Art  zu 
forschen  eine  vorwiegend  empirische  war,  wenn  er  uns  auch  Deductionen 
in  mathematischer  Formel-  und  Zeichensprache  nicht  hinterlassen  hat, 
so  hat  er  doch  gerade  durch  seine  Untersuchungen  über  Inductions- 
elekricität  bewiesen,  dass  ihm  die  Kraft  des  mathematischen  Gedankens 
gegeben  war.  Es  wurde  schon  früher  erwähnt,  dass  B'araday  sich  zur 
Erklärung  der  Inductionserscheinungen  eines  eigenthümlichen  Anschauungs- 
bildes bedient  habe.     Dasselbe  besteht  in  Folgendem : 

Der  Verlauf  der  magnetischen  Kräfte,  welche  in  der  Umgebung  eines 
Magneten  oder  eines  galvanisches  Stromes  geweckt  werden,  lässt  sich 
durch  ein  Curvensystem ,  das  System  der  sogenannten  Kraftlinien  dar- 
stellen. Das  Liniensystem  zeigt  sich  bekanntlich  dem  Auge,  wenn  man 
feines  Eisenpulver  dem  Spiel  der  magnetischen  Kräfte  aussetzt.  Diese 
Kraftlinien  nun  sind  es,  welche  Faraday  bei  seinen  Untersuchungen  stets 
vor  Augen  geschwebt  liaben.  p]r  sieht  sie  im  Geiste  beim  Entstehen  und 
Verschwinden  des  Magnetismus  im  Räume  dahineilen,  er  verfolgt  ihre  Lage 
und  Gruppirung  bei  allen  Experimenten  und  findet,  dass  die  Entstehung 
der  Inductionsströme  in  irgend  einem  Leiter  von  dessen  örtlichen  Be- 
ziehungen zum  Kraftliniensystem  abhängt.  Der  Leiter,  den  er,  um  sich  ver- 
ständlich zu  machen,  mit  einer  bewegten  Messerklinge  vergleicht,  muss 
Kraftlinien  durchschneiden,  wenn  Induction  stattfinden  soll. 

B'araday  hält  diese  Veranschaulichung  für  so  wichtig,  dass  er  in 
späteren  Jahren  noch  einmal  ausführlich  darauf  zurückkommt.  Er  definirt 
gleichsam  die  elektromotorische  Kraft  der  Induction  durch  den  Satz:  dass 
im  Leiter  eine  Wirkung  summirt  wird,  welche  stets  gemessen  ist  durch  die 
Anzahl  der  durchschnittenen  Kraftlinien. 

Es  ist  gewdss  merkwürdig,  dass  diese  Auffassung  der  Inductions- 
erscheinungen das  Schicksal  gehabt  hat,  lange  Zeit  fast  ganz  unbeachtet 
zu  bleiben.     Erst  neuerdings,  da  Faraday  nicht  mehr  unter  den  Lebenden 


177 

weilt,  ist  ihr  die  volle  Bedeutung  einer  mathematischen  Conception  zu- 
erkannt worden.  Der  Mathematiker  Maxwell  hat  nachgewiesen,  dass  der 
Faraday'sche  KraftUniensatz ,  in  die  Foimen  der  Analysis  gekleidet, 
vollständig  geeignet  ist,  als  (irundlage  einer  mathematischen  Tlieorie  der 
Inductionsphänomene  zu  dienen. 

Nach  Alledem  muss  man  wohl  der  Meinung  von  He  Im  hol tz  bei- 
pHichten,  dass  Faraday's  Geistesentwiekelung  ein  ungewöhnliches  Interesse 
hat  auch  für  manche  Fragen  der  Psychologie  und  Erziehungslehre.  Vor 
Allem  ist  die  Lebensgeschichte  dieses  Mannes  ein  glänzendes  Beispiel 
lür  die  Macht  des  Willens.  Er,  der  als  Kind  nur  den  allergewöhnlichsten 
Schulunterricht  empfimgen,  der  erst  in  reiferen  Jahren  mit  Bildungsmitteln 
ernstlich  in  Berührung  kam,  er,  der  in  Allem  und  Jedem  Autodidakt  war, 
macht  durch  eisernen  Fleiss,  durch  sti-enge  Ordnung,  durch  gewissenhafte 
Fliege  der  ihm  innewohnenden  Talente,  den  Traum  seiner  Jugend,  ein 
Naturforscher  zu  werden,  zur  Wahrheit,  indem  er  sich  emporschwingt  in 
die  Ileihe  der  grüssten  wissenschaftlichen  Entdecker  I  Was  hätte  ihm  seine 
wunderbare  Begabung  genützt,  hätte  er  sie  nicht  unterstützt  durch  eine 
eben  so  bewundeniswerthe  Thatkraft. 

Farad ay  lebte  gänzlich  zurückgezogen,  nur  seinen  Arbeiten.  Zu- 
frieden mit  den  massigen  Einkünften  seiner  Stellung,  war  er  weit  ent- 
fernt, seine  P^utdeckungen  zu  seinem  Vortheil  auszuimtzen.  Der  Trieb  zum 
wissenschaftlichen  Forschen  war  so  mächtig  in  ihm,  dass  er  sich  nicht 
einmal  Zeit  nahm,  sich  ernstlich  mit  der  Construction  von  Inductions- 
maschinen  zu  befassen.     Er  selbst  sagt  in  seiner  zweiten  Abhandlung: 

„Ich  habe  mehr  Verlangen  danach  gehabt,  neue  Thatsachen  und 
Beziehungen  der  Magnetinduction  zu  entdecken,  als  die  Kraft  der  schon 
ermittelten  zu  erhöhen,  in  der  Ueberzeugung,  dass  das  Letztere  seine  volle 
Entwickelung  späterhin  finden  wird". 

Und  so  sehen  wir  ihn  denn  auch  mit  neidloser  Freude  die  von  Anderen 
gemachten  Anwendungen  seiner  Inductionselektricität  begrüssen. 

Eben  so  wenig  wie  nach  Gelderwerb,  trug  Faraday  Verlangen  nach 
einer  glänzenden  Stellung  vor  der  Welt.  Die  Auszeichnungen  und  An- 
erkennungen, welche  auf  den  anspruchslosen  Gelehrten  förmlich  herab- 
regneten, die  Eniennungen  zum  Mitgliede  fast  aller  Akademien  Europas, 
zum  Doctor  verschiedener  Universitäten,  änderten  Nichts  an  seinem  be- 
scheidenen Wesen.  Als  ihm  der  höchste  wissenschaftliche  Elirenposten 
seines  Landes,  der  Präsidentenstuhl  der  Royal  Society  angetragen  wurde, 
schlug  er  denselben  behaiTÜch  aus.  Auf  das  dringende  Zureden  eines 
Freundes  giebt  er  zur  Antwort,  er  müsse  einfach  Michael  Faraday 
bleiben. 

P'araday  starb  im  Jahre  1867,  in  demselben  Jahre,  in  welchem  durch 
die  Erfindung  der  dynamoelektrischen  Maschine  die  Magnetelektricität  ein 
Gegenstand  von  grösstem  praktischen  Interesse  wurde. 

12 


Mb 

Weun  man  heutigen  Tages  die  Folgen  überblickt,  welche  die  Ent- 
deckungen des  Elektromagnetismus  und  der  Inductionselektricität  seit 
50  Jahren  gehabt  haben,  so  wird  man  diese  Folgen  zumeist  in  der  Er- 
weiterung der  physikalischen  Erkenntniss  und  in  den  technischen  Nutz- 
anwendungen finden.  Man  wird  aber  auch  nicht  verkennen,  dass  diese 
Entdeckungen  eine  Folge  gehabt  haben,  welche  weit  hinausreicht  über  das 
Wissenschaftsgebiet,  dem  dieselben  angehören. 

Die  Thatsache,  dass  es  die  richtig  geleitete  Beobachtungskunst  von 
Männern  mit  vorzüglicher  praktischer  Begabung  war,  welche  wie  im  Fluge 
der  Wissenschaft  ein  neues  Gebiet,  der  Technik  eine  neue  Bahn  geschafien, 
hat  sehr  wesentlich  dazu  beigetragen,  nicht  nur  den  Sinn  für  die  Experi- 
mentalphysik, sondern  für  die  experimentelle  Forschung  überhaupt,  anzu- 
regen und  zu  fördern.  Sie  war  eine  ernste  Mahnung,  neben  dem  abstracten 
Wissen  nicht  das  praktische  Können  zu  vergessen.  Sie  hat  auch  mittelbar 
dazu  beigetragen,  dass  diejenigen  Wissenschaften,  welche  ihre  Dienste  den 
praktischen  Bedürfnissen  des  Menschengeschlechtes  widmen ,  diejenigen 
Wissenschaften,  deren  Pflege  vorzugsweise  den  technischen  Hochschulen 
obliegt,  in  ihrer  Bedeutung  fiir  die  Völkerkultur  mehr  und  mehr  anerkannt 
worden  sind. 

Freuen  wir  uns,  dass  in  dieser  Richtung  heutzutage  Deutschland  mit 
seinen  Hochschulen,  seinen  wissenschaftlichen  und  praktischen  Instituten 
und  Lehranstalten  anderen  Staaten  vorangeht. 

Lassen  Sie  es  uns  heute  ganz  und  voll  empfinden,  dass  namentlich  im 
Königreiche  Sachsen  wie  die  Wissenschaft  so  die  Kunst  und  Technik  blüht 
und  gedeiht,  unter  dem  Scepter  unseres  weisen  und  allgeliebten  Königs! 


Druck  vou  E.  Blochmann  A  Sohn  in  Dresden. 


Berichtigungen, 


Seite    13  Zeile  15  von  oben  lies:  wäbreml  der statt:  während  die. 

„     134      .,     19     „  „       „  Das  Resultat „     Des  Resultat. 

•    ^3"      -     ^5     .•  '•       •'  ''"NaO^'Ö Na^'üC^' 

„     135      „     25     „  „       „  1.4292  gr 4  4292  gr. 

„     135      .,    25     „  „       „  14.39%  Na .,      14.93  «„  Na. 

.,137      .,     12     „  „       „  im  Wasserstoffstrom  ...      ,.     ein  Wassei*stoffstrom. 


3 


1 


iiiziisDeni 

der 

Naturwissensehaftliehen  Gesellschaft 


leii 

in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redaetlons-Comitö. 


Jahrgang  1886. 

Januar  bin  Juni. 

Mit  3  Taleln. 


ll 


Dresden. 

In  Commission  von  WarnatZ  &.  Lehmann,  Kgl.  Sachs.  Hofbuchhänaier. 

1886. 


□  1886.  P 


M 


J.  ^  frirJ 


Kedaotioxxs-Oomitö   fQp  1886. 

Torsltzendeir  s  Geh,  Hafrath  Prof.  Dr.  H.  B.  Geinitz. 

Mitglieder:  Freiherr  T>.    von   Bied  ermana,  Profi  Br.  0.  Drude,  Prof.  Dr 

A.  Hariiack,  Bergingenieur  A.  Purgoid,  Prof.  Dr.  E.  Ulbricht,  Prof!  Dr 

B.  Vetter  und  Br.  J.    Y.  I>  eicbm  üller,  als  verantwortlicher  Redacteur 


Inlialt. 

Mitglieder-Terzelcluiiss    S.  Jfl. 

I.   Sitzixrii^sberichte. 

Kekrologr:  Frz.  Trgt.   Osmar  Tlicime  f  S.  3. 

I«   SecMou  für  ZoolAfri«»  s;    o  -bt  ^ 

Hngen  S.  9.  -  Reibisch  TM.  *^^*f  e,  -E-:  Duftapparate  bei  Schmetter- 
ThTerwelt  der  Rivfera  di  PoJp^Vo\?';^t^^''  ^v  "•  "  »«^hneidor,  0.:  Die 
S.10;äberr«cÄm^WoZ?"®i5^*f'  ^-  ",-.—  Vetter,  B.:  W. B. Carpeater t 
Vorlagen  S.  n  ^^*'' ""  ^^»mutlileichen  ans  Sibirien  S.  11 ;  Literatur- 


msse  uer  wviera  di  Ponente  S  i  «"""^V*^*"'  "•=  ^-"^  Ve^etationsverMIt- 
Weber,  A.:  Referat  über  H  SrT.f',.ir  ^.***^™e,  0.:  PUzmodeUe  S.  12.  - 
m.  Seetion  «r  Mlneraloirfe '«„^  V?  '  ^'»'ogie  der  Wassergewäclise  S.  13. 
Muvialbilduugen  im  Zittauer  Ö.'L,!^*"^®?'®  »•  14.  -  Danzig,  E.:  Die 
ÄP'^"*'"*;  ^°"  Roehüt/s  if9%S%^'^g^  S.  18.  -  Deiclimüller,  J.: 
ÄfL*"u'^^S  R"*Wiegeuden  rf'oJ^Tff^**  ^^^  H.Credner,  Die  Stego- 
wS^iff  •  "■=.l'atl»o1ogiedo:^V^^^"*'"^'^l'e°  Grundes.  5.  th.  S.15.- 
krjstaUinischer  Schiefer  S.oj  "«'^^  Gesteine  S.  18;  Xatur  und  Dentimg 
die  WinkeTan'Ä"'««»  *»««  K  m?«.  J^iterati.r  S.  21.  -  Geinitz^ 
Krakatau  S  ^.  „T'^^'r"."^'-«  S.  i6?'"4f*?*«*nschen  Museums  S.  14;  über 
über  P  flröt^-  mT  ^ '«»"atur  S  i«  ^^*?'-*'  "ber  lt.  D.  M.  Verbeek, 
-fdulafvom  &fcr/'VA-«*ätten^H^^  ^^:  T  Purgold,  A.:  Referat 
lieber  DreikÄr  c^'"«*?  Cölcsti,"   V?«    f  «^^"'^  V^  '""'  über  Hintze. 

"",*«»   S.  21.  _  V.  Biedermann.  D.: 
nit^    -Lagunen   von  Venedig   S.  23; 
,iri„^  'i      •   ^•■-  ^'e"e  Erwerbungen  der 
<  >  1 1  ^Sischen  Museums  S,  23;  Vor- 
3ci;«rr«*'ne,  W.:   Ueber  ungarische 
»»zekeir^  -"»"onzeschmuck  S.21;  Vorlagen 
V    «    «    -'  •■••   'oriagen    ^    o,— -dinl.^V»«  der  Elbe  beiDresden  S.23^- 
V.  Seetion  tür  PJiv.it  ^     ,  *  ?^-  *    **"e  stele  etnische  S.  23.  - 

auf  dem  Gebiete  ,1     5"  *•  *'''®'n*e  S  2^ 

"»a  nbererdnmg„etist-]b?^«'»«t*s  S.23.  -  Neubert,  G.: 

"  ^  -•»eobachtungen  in  Sachsen  S.  26. 


SiM 


der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 


ISIS 


in    Dresden. 


Heraufigegeben 
von  dem   Redactions-Comite. 


Jahrgang  1886. 

(Mit  3  Tafeln  und  6  Holsschnitien.) 


Dresden. 
In  Commission  von  Yanatl  k  Leknau,  Königl.  Sachs.  Hofbnchhindler. 

1887. 


Inhalt  des  Jahrganges  18S6. 

Mtti^edmentieliiüss  8.  III. 

I.  Sitzungsberichte« 

Hekr^lor:  Frz.  Trgt.  Oimar  Thflme  t  9-  8. 
L  Seettoii  für  Zoolngie  S.  9  n.  45.  —  Ebert,  R.:  üeber  Leben  nnd  Tod  8.  45; 
die  BefcbrAnknng  der  menseblichen  Willensfreiheit  und  die  Berechtigang  und 
Bedeutung  der  Strafe  und  Verantwortlichkeit  8.  45.  —  Haaie,  £.:  Doftapparate 
bei  Schmetterlingen  S.  9;  Vorfahren  der  Ineecten  8.  45.  —  Reibiech,  Th.: 
Vorlagen  8.  11.  —  Schneider,  0.:  Die  Thierwelt  der  BiTiera  di  Ponente 
8.  11.  ^  Vetter,  B.:  W.  B.  Carpenter  t  8.  10;  über  TocAea  PhaseoU, 
Mammntfaleichen  aus  Sibirien  S.  11;  Arbeiten  über  die  (^ehimepiphyte  S.  45; 
litt erator- Vorlagen  S.  11. 
II.  Seetfon  fOr  Botanik  S.  12  n.  46.  —  Drnde,  O.:  E.  Boissier  f  8.  12;  die  Flora 
▼on  Radebarg  bei  Dresden,  Inschriften  an  Bftnmen  8.  12;  die  natürliche  syste- 
xnatiscbe  Anordnung  der  Blüthenpflanzen  S.  46;  die  gegenwärtigen  Hülfsmittel 

der  botanischen  Mikroskopie  8  48; und  E.  Friedrich:  Ueber  Pinw  mon- 

tana  8.  12.  —  Engelhardt,  H.:  Litteratur-Besprechang  S.  18.  —  Oeinitz,  H.  B.: 
Geologische  Bemerkungen  über  die  Gegend  von  Radeburg  8. 12.  —  Kosmahl,  F.: 
Vorlagen  8.  12.  —  Reiche,  K.:  Ueber  floristisch  interessante  Bürger  Sachsttis 
8.  46;  Litteratur-Besprechnng  8.  18  u.  47.  —  Schneider,  0.:  Die  Vegetationt- 
▼erh&ltnisse  der  Riviera  di  Ponente  S.  12.  —  Thüme,  0.:  Pilzmodelle  von  Do- 
nath 8.  12.  —  Weber,  A.:  Referat  über  H.  Schenk,  Biologie  der  Wasser- 
gewächse 8.  18.  —  Vorlagen  8.  46. 

III.  Seetlon  fttr  Mineralogie  und  Geologie  8. 14  u.  48.  -^  Dan  zig,  E.:  Die  Diluvial- 
bildungen  im  Zittauer  Quadergebirge  8.  18.  —  Deichmüller,  J.:  üeber  Ge- 
steine von  RochÜtz  8.  15;  Referat  über  H.  Credner,  Die  Stegocephalen  aus 
dem  Rothliegenden  des  Plauehschen  Grundes.  5.  Th.  8.  15.  —  Engelhardt,  H.: 
Pathologie  der  Gesteine  8.  18;  Natur  und  Deutung  krystallinischer  Schiefer  8.  21; 
neue  Litteratur  8.  21.  —  Geinitz,  H.  B.:  Neue  Erwerbungen  des  K.  minera- 
logischen Museums  8.  14;  über  die  Winkel  an  Dreikantnem  8.  16;  Granat - 
kiystalle  von  der  Dominsel  in  Breslau  und  Gloggnitzer  Forellenstein  8.  48; 
Referat  über  R.  D.  M.  Verbeek,  Erakatau  8.  20;  Litteratur-Besprechung  8.  18, 
19,  48u.  49.  —  Heger,  R.:  Erystallmodelle  von  Mohn  8.48.  —Purgold,  A.: 
Ueber  Rothgiltigerz  und  Silberglanz  8.  49;  Mineraleinschlüsse  im  Granulit  Ton 
Waldheim  8  50;  Referat  über  P.  Groth,  Minerallagerstätten  im  Dauphin^  S.  16, 
über  Hintze,  Adular  vom  Gotthardt  und  Cölestin  von  Lüneburg  S.  19,  über 
E.  Geinitz,  Seen,  Torfmoore  und  Flossläufe  Mecklenburgs  8.  49.  —  Theile,  F.: 
Ueber  Dreikantner  8.  18.  —  Zsohau,  E.:  Neue  Mineralfunde  aus  dem  Plauen- 
sehen  Grunde  8.  49. 

rV.  Seetlon  für  priUilstoiisebe  Forsebnngen  8.  21  u.  51.  ^  ▼.  Bänsch,  W.:  Ueber 
Sühnkreuze'  8.  52;  über  den  Ragower  Silberfund  8.52.  --▼.  Biedermann.  D.: 
Die  Ausgrabungen  Battaglinis  in  den  Lagunen  von  Venedig  8.  28;  Bronze- 
funde von  Postolberg  in  Böhmen  und  vom  Tatzberg  bei  Dresden  8.  52;  neue 
Litteratur  S  21  u.  22.  —  Deichmüller,  J.:  Ueber  die  Generalversanunlung 
der  Niederlausitzer  Ges.  f.  Anthropologie  und  Urgeschichte  zu  Cottbus  8.  51; 
Über  einen  Bronze •  Hohlkeit  von  Pirna  8.  52.  —  Döring,  H.:  Ueber  einen 
Serpentinhammer  Ton  Mobendorf  bei  Freiberg  8.  51.  —  Funcke,  H.:  Prähist. 
Funde  bei  Erweiterung  des  Carolasees  bei  Dresden  8.  51.  —  Geinitz,  H.  B.: 
Neue  Erwerbungen  der  prähistorischen  Abtheilung  des  E.  mineralogischen  Mu- 
seums 8. 28 ;  über  Steinkreuze  8.  51 ;  Vorlagen  und  Litteratur-Besprechung  8. 28 
u.  51.  —  Osborne,  W.:  Ueber  ungarische  Bronze-  und  Kupferwaffen  und  ait- 
italische^  Bronzeschmuck  8.  21 ;  Prähistorisches  von  Sylt  und  ans  Siebenbtlrgen 
8.  52;  Vorlagen  S.  28  n.  52.  —  Raspe,  F.:  Ueber  einen  Bronze- Hohlheit t aus 
der  Elbe  bei  Dresden  8.  28.  —  Senoner,  A.:  Ueber  G.  Gozzadini,  Di  due 
Stele  etrusche  8.  28.  —  Staues,  W.:  Vorlagen  8.  22.  —  Wiechel,  H.:  Ueber 
die  Generalversammlung  der  deutsch,  anthropolog.  Ges.  in  Stettin  8.  51. 


IV 

T.  Seetfon  fOr  Fhjgik  und  Chemie  S.  28  u.  52.  —  Hagen,  £.:  Die  neueren  elek- 
trischen Bogenlampen  fOr  Parallelschaltung  S.  52.  ^  Möhlan,  R.:  Nene  I^* 
findungen  auf  dem  Gehtete  der  lUrberei  und  des  Zen^moks  S.  23.  —  Neu- 
hert,  G.:  üeher  Thermometer  und  üher  erdmagnetische  Beohachtungen  in 
Sachsen  S.  25. 
TL  SectioB  für  Mathematik  S.  25  u.  54.  —  Burmester,  H.:  Ueher  Geradführung 
und  Proportionalit&t  am  Indicator  8.  25.  —  Frftnkel,  W.:  üeher  das  Mo- 
menten-Planimeter  von  Am s  1er  S.  54.  —  Harnack,  A.:  üeher  unendliche 
Punktmengen  S.  25.  —  Rohn,  G.:  Die  Wienerischen  Modelle  fiOr  Ramn- 
cuTTcn  S.  25;  üher  LinienfliM^hen  4.  Ordnung  und  Modelle  dieser  Flächen 
S.  54,  —  Witting,  A.:  üeher  Gonfigurationen  8.  54, 

TU.  HaeptrorsammluiireB  S.  26  n.  55.  —  Verftndemngen  im  Mitgliederhestande 
8.  Bl  n.  60.  —  RechnungsahschluBS  für  J  885  8.  26,  27  u.  33.  —  Voranschlag 
Ar  1886  8.  26  u.  U.  ^  Freiwillige  Beitrag«  sur  Gesellschaftskasae  8.  62.  - 
Termehrnng  der  Bihliothek  8.  85^  55  n.  66.  —  Beschluss  üher  die  Benutzung 
der  Bihliothek  8.  57  u.  59,  die  Aufstellung  einer  neaen  Bihliotheksordnung 
8.  59.  —  Wahl  eines  1.  Bihliothekars  S.  27.  -~  Beamte  der  GeseUsehaft  für 
1887  8.  64.  —  Engelhardt,  H.:  üeher  Tertiftrpflanxen  aus  Schlesien  8.  26; 
die  Transpiration  der  Pflajuen  8.  2B;  Machruf  an  Osmar  Thüme  8.  27;  neue 
Idttorator  8.  26.  —  (xeinitz,  H.  B.:  üeher  Argyrodit  und  Germanium  8.  26; 
Gesteine  aus  Westafrika  8.-  28;  Wanderversammlun^en  gelehrter  Gesellschaften 
1886  8.  28;  üher  8teinkreaze  8.  55  ^  Üher  amerikanische  Tertiärversteinerungen 
8.  57;  üher  Erdftlle  hei  Gera  8.  60;  Nekrolog  von  E.  von  Otto  S.  27;  Litterator- 
Besprechung  8.  26,  27,  80,  81,  57-59.  —  Purgold,  A.:  Das  naturgesehicht- 
Uche  Museum  in  Brüssel  8.  29.  —  Reiche,  K.:  Die  Flora  von  Leipzig  8.55.  — 
Schneider,  C:  Die  Riviera  di  Ponente  8.  27.  «~  Siemens,  F.:  Die  Dissoda- 
tion  der  Verhrennungsprodukte  und  ihre  Bedeutung  für  die  Pyrotechnik  S.  26.  — 
Steche,  F.:  Üeher  Steinkreuze  S.  56;  üher  den  »Taufstem*  hei  ObercrinitE 
8.  56. 
Exeordonen  SL  26  u.  60.  —  Besuch  der  F.  Siemens'achen  Glashütte  in  Dresden 

8.  26.  ^-  Excursion  nach  dem  Gorlschetein  hei  Eönigsteift  S.  60. 

II.  Abhandlungren. 

L  Siemens,  Fr.:  Dia  Dissociation  der  Yerhrennungsprodukte  und  ihre  Bedeutung 

für  die  Pyrotechnik*  mit  Tafel  I  und  U,  8.  8. 
n.  Geinitz,  F.  £.:   üeher  einige  Lausitzer  Porphyre  und  Grünsteine,  sowie  den 

Basalt  aus  dem  Stohpener  Schlosshrunnen  S.  18. 
m.  Keuhert,  G.:  Die  Temperatur  des  Erdhodena  in  Dresden,  mit  Tafel  m,  S.  21. 
IV.  Danaig,  £.:   Bemerkui^ea  üher  das  DUuyium  innerhalh  des  Zittauer  Quader- 

gebirffes  8.  8a 
V.  Drude,  O.:  Edmond  Doissicr  und  seine  ,,Flora  orientalis'  8.  33. 
VI.  Hofmann,  H,:  üeher  Selenschw^felkiystalle  8.  ia 
YU.  Reiche,  K.:  Die  Flora  von  Leipzig  8.  43. 

YIIL  Purgold,   Ä«:  Einige  regelmässige  Verwachsungen  des  Rothgiltenerzea,   mit 
3  Holzschnitten,  8.  53. 
IX,  Danzig,  E.:  Weitere  Mittheilung^n  üher  die  Granite  und  Gneisse  der  Ohezlausitz 

und  des  ajigrenzenden  Böhmens  8.  57. 
X..  Drude,  0.:  Die  natürliche  systematische  Anordnung  der  Blüthenpflanzen  S.  75. 
XI.  Haase«  £  :  Die  Vorfahren  der  Insecten,  mit  8  Holzschnitten,  8.  85. 
XII.    Deiehmüller,  J.;  Die  Meteoriten  des  Königlichen  Mineralogischen  Museums 
in  Dresden  8*  92.  

JHe  Autoren  aiiMl  aUeln  verantwortUch  für  den  InhaU  ihrer  Ab' 

handZungen. 


Die*  Autoren  erhalten  Ton  den  AbbaAdlongen  60,  Ton  den  Sitzungs- 
berichten anf  besonderen  Wunsch  25  8eparatabzfige  gratis,  eine  grössere 
Zahl  gegen  Erstattung  der  Heistellungskoeten. 


Sitzungsberichte 


der 


naturwissenöchaftliclieii  Gesellschaft 

xezs 


in   Dresden. 


1886. 


Verzeichniss  der  Mitglieder 


der  G-esellschaft 


lei: 


DRESDEN 


Im  Juni  1886. 


(Berichtigungen  bittet  man  an  den  Secretür  der  Gesellschaft,  z.Z.  Dr.  J.Y.  Deichmfliler 

in  Dresden,  zu  richten.) 


-K^^. 


SBESSEN. 

Druck  von  E.  Blochmann  &  Sohn. 
188«. 


in 


I.  Wirkliche  HitgUeder. 

A.  In  Dresden:  Jahr  der 


1.  Abendroth,  Ghit.  William,  Dr.  phil.,  Prof.,  Gonrector  an  der  Kreuz- 

Bchule 1877 

2.  Amthor,  C.  E.  A.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Kreuzschale    .    .    .  1877 

3.  Baldauf^  G.  Louis,  Bürgerschullehrer 1872 

4.  Baumeyer,  G.  G.  Herrn.,  privat.  Apotheker 1852 

5.  Baiimgarten,  O.  Louis,  Dr.  phil.,  Prof.  am  Neustadter  K.  Gymnasium  1879 

6.  BeiNMr,  G.  Ernst,  Prof.,  Oberlehrer  am  Annen-Realgymnasium  .    .    .  1863 

7.  Beyer,  Benj.,  Privatus 1885 

8.  Beyer,  Th.  Washington,  Maschinenfabrikant 1871 

9.  V.  Biedermann,  Detlev  Willibald,  Frhr.,  Eentier 1871 

10.  Blasohka,  Budolf,  Olasmodelleur 1880 

11.  Bley,  J.  W.  Garl,  Apotheker  und  Droguist 1862 

12.  Bioohmann,  H.  W.  Glemens,  Buchdruckereibesitzer 1869 

13.  Bodemer,  Jac.  Georg,  Bentier 1866 

14.  V.  Böse,  G.  Moritz,  Dr.  phil.,  Ghemiker 1868 

15.  Bothe,  F.  Aib.,  Dr.  phil.,  Prof.  am  Neustadter  Realgymnasium     .    .  1859 

16.  Brüokmann,  Jul.  Andr.,  Dr.  med.,  Medicinalrath 1870 

17.  Brüokner,  Sam.  Gst,  Institutslehrer 1867 

18.  Buok,  Anton,  Gonsistoriabrath,  Hof-Gaplan  und  Präses  des  kath.  geistl. 

Gonsistoriums 1871 

19.  V.  Burgk,  Arth.,  Frhr.,  K,  Kammerherr,  Gommendator  des  Johanniter- 

ordens 1886 

20.  Burmester,  L.  E.  Hans,  Dr.  phil.,  Prof.  am  K.  Polytechnikum     .    .  1875 

21.  Calberla,  G.  Moritz,  Privatus 1846 

22.  Caro,  Ldw.  F.  H.,  Dr.  phü.,  K.  Hofapotheker 1873 

23.  Carua,  Alb.  Gst.,  Dr.  med.,  Hofrath 1856 

24.  Chalybaeus,  G.  Hob.,  Prem.-Lieuten.  a.  D.,  Secretar  im  K.  Standes- 

amt HI 1881 

25.  ChriBtUeb,  Garl,  privat.  Apotheker 1877 

26.  ClatUM,  G.  W.,  Iiwtitats-  und  Gewerbeschul-Director 1869 

27.  Cohn,  Theod.,  Dr.  med.,  Privatus .  1879 

28.  Deiohmüller,  Job.  V.,  Dr.  phil.,  Directorial-Assistent  am  K.  minera- 

logischen Museum 1874 

29.  Deitl,  F.,  Kanzlei-Secretar  bei  der  österr.-ungar.  Gesandtschaft      .    .  1885 

30.  Döring,  Herm.,  Bezirksschullehrer 1885 

31.  Breohsler,  Herm.  Adolf,  Dr.  phil.,  Hofrath,  Director  des  K.  physik.- 

mathem.  Salons 1854 

32.  Drude,  Ose.,  Dr.  phil.,  Prof.  am  K.  Pol3rtechnikum  und  Director  des 

K.  botan.  Gartens 1879 

33.  Ebert,  Gst.  Bob.,  Dr.  phU.,  Oberlehrer  am  Vitzthum'schen  Gymnasium  1863 

34.  Ebert,  Otto,  Lehrer  am  Taubstummen-Institut 1885 

35.  V.  Engelhardt,  Bas.,  Kais.  Buss.  KoUegien-Secretär  a.  D 1884 

36.  Engelhardt,  Frz.  Louis,  Buchhalter  in  der  Stadtgärtnerei    ....  1882 

37.  Engelhardt,  Herm.,  Oberlehrer  am  Neustädter  Bealgymnasium      .    .  1865 

38.  Engelmann,  Alb.  Alex.,  Bergdirector,  Gonsul  von  Ghile 1870 

1* 


IV 

Jahr  da 

39.  Erler,  Otto,  Landwirth 1884 

40.  Fessler,  Jul.,  Particulier 1862 

41.  Fischer,  C.  E.,  Porzellanmaler 1852 

.42.  Piflcher,  F.  Hugo  Rob.,  Prof.  am  K.  Polytechnikum 1879 

43.  Flamant,  A.,  Maler 1875 

44.  Pränkel,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Baurath,  Prof.  am  K.  Polytechnikum    .     .  1866 

45.  Freyberg,  Joh.  Ad.,  Lehramts-Cand.,  Assistent  am  K.  Polytechnikum  1882 

46.  Friedrich,  Chr.  0.  G.,  Apotheker 1884 

47.  Friedrich,  Edm.,  Dr.  med 1865 

48.  FritBSChe,  Ldw.  Ose,  Münzwardein 1868 

49.  Funcke,  Hugo  Alfr.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Kreuzschule      .     .  1879 

50.  Gtonpe,  Theod.  H.,  Schriftsteller 1882 

51.  Ganssauge,  W.  0.,  Kaufinann 1879 

52.  Cteinita,  Hanns  Bruno,  Dr.  phil.,   Geh.  Hofrath,   Prof.  am  K.  Poly- 

technikum und  Director  des  K.  mineralog.  Museums       ....  1838 

53.  GeisBler,  Ew.  Alb.,  Dr.  phil.,  Chemiker 1877 

54.  Qilderdale,  John  Smith,  Eev.,  englischer  Geistlicher 1872 

55.  Grübler,  Mart.,  Dr.  phil.,  Privatdocent  am  K.  Polytechnikum       .     .  1886 

56.  Günther,  C.  Bernh.,  Bankier 1861 

57.  Günther,  B.ud.  Biedermann,  Dr.  med.,  Geh.  Medicinalrath,  Medicinal- 

Beferent  im  K.  Minist,  des  Innern,  dirig.  Oberarzt  am  Carolahause  1873 

58.  Guthmann,  Louis,  Fabrikbesitzer 1884 

59.  Hftnel,  Georg  F.,  Dr.  med.,  Augenarzt 1877 

60.  Ha«en,  Ernst,  Dr.  phil.,  Prof.  am  K.  Polytechnikum 1877 

61.  Hammer,  Arth.,  Bürgerschullehrer 1885 

62.  HantEBch,  C.  A.,  Weinhändler   ^ 1860 

63.  HantBSch,  Eud.  Georg,  Weinhändler 1862 

64.  Hamack,  C.  Gst.  Axel,  Dr.  phil.,  Prof.  am  K.  Polytechnikum      .    .  1877 

65.  Hartig,  C.  Ernst,  Dr.  phil.,  Regierungsrath,  Prof.  am  K.  Polytechnikum  1866 

66.  HauBchüd,  Cl.  Th.,  Kentier 1883 

67.  Haymann,  Alfr.  Th.,  Kaufinann 1875 

68.  Heger,  G^t.  Eich.,  Dr.  phiL,  Prof.  am  K.  Polytechnikum,  Oberlehrer 

am  Wettiner  Gymnasium 1868 

69.  Helm,  G.  Ferd.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Annen-Bealgymnasium  .    .  1874 

70.  Hempel,  Walth.  Matthias,  Dr.  phil.,  Prof.  am  K.  Polytechnikum      .  1874 

71.  Heyde,  C.  Gst.  Th.,  Mechaniker 1883 

72.  Hirt,  F.  Eob.,  Fabrikbesitzer 1886 

73.  Hofinann,  Alex.  Emil,  Dr.  phil.,   Medicinal-Assessor,   ord.  Mitglied 

des  Landes-Medicinal-Coüegiums 1866 

74.  Hoftnann,  Gst.  Bruno,  Apotheker 1858 

75.  Hoftnann,  Herm.,  Dr.  phil.,  Lehramts-Cand.,  Assistent  am  K.  Poly- 

technikum      1885 

76.  Hofineister,  F.  A.  Victor,  Dr.  phiL,  Prof.,  Lehrer  der  Chemie  an 

der  K.  Thierarzneischule 1867 

77.  Hottenroth,     A.    Edm.    Wold.,     Lispector    beim    städtischen    Vor- 

messungs-Amte 1862 

78.  Tlling,  Feodor,  privat.  Apotheker 1882 

79.  Jacoby,  Jul..  Kaufinann 1882 

80.  Jftger,  F.  Ed.,  Commissionsrath 1868 

81.  Jani,  F.  Herm.,  Particulier 1871 

82.  Jenoke,  J.  Fr.,  Hofrath,  Director  der  K.  Taubstummenanstalt       .    .  1843 

83.  JentBch,  Joh.  Aug.,  Bezirksschullehrer 1885 

84.  Kahl,  E.  Gst.,  Dr.  phü.,  Major  z.  D 1862 

85.  Kayser-Langerhanns,  Agnes,  Sanitätsraths  Wwe 1883 

86.  Kell,  C.  Herm.,  Geh.  Finanzrath 1871 

87.  Kell,  £ich.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Annen-Realgymnasium      .    .    .  1873 

88.  Kelling,  C.  F.  Emil,  Civil-Ingenieur 1879 

89.  Kirsch,  Frz.  Wilh.  Theod.,  Custos  am  K.  zoolog.  Museum    ....  1856 


V 

Jahr  d«r 
Attfaalime. 

90.  Klein,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Prof.  am  Yitztbum'schen  Gymnasium      .    .  1863 

91.  Elenoke,  Jul.  W.  Herrn.,  Dr.  med 1882 

92.  Klette,  Alphons,  Rentier 1883 

93.  Köhler,  Alex.,  Verlagsbuchhändler 1884 

94.  Kopeke,  Glauss,  Geh.  Finanarath 1877 

95.  Kohl,  Otto,  Obergärtner  in  der  Stadtgärtnerei 1872 

96.  Kramsta,  Eich.,  Privatus 1868 

97-  Krause,  G.  F.,  K.  Garten-Director 1848 

98.  Krohn,  Alex.  A.  W.,  Particulier 1879 

99.  Krone,  Herm.,  Photograph,  Privatdocent  am  K.  Polytechnikum  .    .  1852 

100.  Kühnscherf;  C.  F.  Emil,  Fabrikant 1866 

101.  KuntBe,  F.  Alb.  Arth.,  Bankier 1880 

102.  y.  Langsdorfi;  0.,  Oekonomierath 1885 

103.  Laue,  Adolph,  KammermuBikus 1885 

104.  V.  Ledebur,  Hans  Em.,  Frhr.,  Landwirth 1885 

105.  Lehmann,  Jul.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D 1852 

106.  Leuner,  Osk.,  Instituts-Mechaniker  am  K.  Polytechnikum   ....  1885 

107.  Lewiold,  J.  Leonidas,  Regiei-ungsrath,  Prof.  am  K.  Polytechnikum  1875 

108.  Lodny,  Job.,  Organist  und  Bürgerschullehrer      ........  1881 

109.  Meissner,  Linus,  BürgerschuUehrer 1872 

110.  Heyer,  Ad.  Bernh.,  Dr.  med.,  Hofrath,  Director  des  K.  zoolog.  und 

anthrop.-ethnogr.  Museums 1875 

111.  Möhlau,  Kich.,  Dr.  phil.,  Prof.  am  K.  Polytechnikum 1881 

112.  Mohr,  0.  Chr.,  Baurath,  Prof.  am  K.  Polytechnikum 1875 

113.  Müller,  Bruno,  Baumeister 1884 

114.  MüUer,  Hugo,  Dr.  jur.,  Herzogl.  Sachs.  Geh.  Eath 1870 

115.  MüUer,  Eud.  Louis,  Dr.  med 1877 

116.  Naoke,  Em.  Herrn.,  Civil-Ingenieur 1876 

117.  Neubert,  Gst.  Ad.,  Prof.  beim  K.  8.  Cadetten-Corps 1867 

118.  Niedner,  Chrtn.  F.  Frz.,  Dr.  med.,  Medicinalrath,  Stadt-Bezirksarzt  1873 

119.  Nowotny,    Frz.   Seraph   Wenzl,    Ober-Finanzrath,    Mitglied    der 

General-Direction  der  K.  8.  Staatsbahnen 1870 

120.  Oettel,  Felix,  Dr.  phil.,  Assistent  am  K.  Polytechnikum     ....  1883 

121.  Opelt,   Eob.  Tb.,    Ober-Finanzrath,    Mitglied  der  General-Direction 

der  K.  S.  Staatsbahnen 1879 

122.  Osbome,  W.,  Rentier 1876 

123.  Pabst,  Camillo,  privat,  Apotheker 1884 

124.  Peuckert,  F.  A.,  Institutslehrer 1873 

125.  V.  Fisohke,  Nicolai,  Kais.  Russ.  Oberst  a.  D 1865 

126.  Pötsohke,  Jul.,  Techniker 1882 

127.  PoBCharsky,  G.  W.  K,  Prinzl.  Hofgärtner 1852 

128.  Pröll,  W.  Rud.,  Dr.  phil.,  geprüfter  Civil-Ingenieur 1878 

129.  Putsoher,  J.  W.  H.,  Privatus 1872 

130.  Babenhorst,  0.  G.  Ldw.,  privat.  Apotheker 1881 

131.  Raspe,  Friedr.,  Dr.  j)hil.,  Chemiker 1880 

132.  Reiche,  Carl,  Dr.  phil.,  Assistent  am  K.  Polytechnikum      ....  1886 

133.  Reiche,  F.  A.  Ferd.,  Privatus 1863 

134.  Reinioke,  Ghelf.  F.,  em.  Seminar-Oberlehrer 1839 

135.  Ritter,  Frz.  A.  Em.,  Dr.  med 1883 

136.  Rittershaus,  Herm.  Trajan,  Prof.  am  K.  Polytechnikum      ....  1875 

137.  Römer,  G«t.  Ldw.,  Conservator  am  K.  zoolog.  Museum 1856 

138.  Römisch,  Osw.  Erb.,  Oberrechnungskammer-Präsident  a.  D.    .    .    .  1882 

139.  Rohn,  C,  Dr.  phil.,  Prof.  am  K.  Polytechnikum 1885 

140.  Russ,  Auffustus  Ph.,  K.  Hawai'scher  Consul 1881 

141.  Salbach,  Beruh.  A.,  Baurath,  Prem.-Lieuten.  a.  D 1872 

142.  SchaflBuer,  G.  Herfort,  Particulier 1866 

143.  Sohickert,  V.  Hugo  W.,  Privatus 1868 

144.  Schiller,  Carl  G.,  Privatus 1872 


VI 

Jahr  dar 

Anftaahme. 

145.  Schlutter,  F.  E.,  Privatgelehrter 1870 

146.  Schmidt,  Moritz  W.,  K.  Wasserbau-Director 1873 

147.  Schmitt,  Rud.  W.,  Dr.  phil.,  Hofrath,  Prof.  am  K.  Polytechnikum .  1870 

148.  Schmorl,  E.,  privat.  Kaufmann 1863 

149.  Schneider,  Ose,  Dr.  phil.^  Oberiehrer  am  Annen-Realgymnasium     .  1863 

150.  Schramm,  C.  Trgt.,  em.  Cantor  und  Oberiehrer 1843 

151.  Schulze,  Jul.  F.,  privat.  Apotheker 1882 

152.  Schiinke,  Th.  Huldreich,  Dr.  phil.,  Seminai^Oberiehrer 1877 

153.  Schurig,  Rob.  Ew.,  Seminar-Oberiehrer 1877 

154.  Seeli«,  Eduard,  Dr.  phil.,  Assistent  am  K.  Polytechnikum  ....  1886 

155.  Seidel,  C.  F.,  Maler  und  Zeichnenlehrer 1860 

156.  Seidemann,  Gst.,  Maler 1864 

157.  V.  Seydlita,  F.,  Privatus 1876 

158.  Siemens,  Fr.  A.,  Civil-Ing enieur  und  Fabrikbesitzer 1872 

159.  Siemers,  Auguste,  Fräulem 1872 

160.  Siemers,  Florentine  A.  A.,  Tonkünstlers  Wwe. 1872 

161.  Sperber,  C.  Jul.,  Geh.  Regierungsrath 1885 

162.  Spinner,  Ad.  L.  Joh.,  Zahnarzt 1875 

163.  Steinhoff,  Oaes.  F.  W.,  Rittergutsbesitzer       1884 

164.  Stöhr,  Hans  Ad.,  Redacteur  der  Dresdner  Nachrichten 1874 

165.  Stötzer,  Emil  A.,  Bürgerschullehrer 1866 

166.  Streit,  Guido  W.,  Verlagsbuchhändler 1881 

167.  Struve,   Ost.  Ad.,   Dr.  phil.,    Stadtrath  und  Fabrikant  künstlicher 

Mineralwässer 1843 

168.  Stübel,  Moritz  Alphons,  Dr.  phil.,  Geolog 1856 

169.  Sussdorf,   J.  GfrcL,   Hofrath,   Prof.,   Apotheker   an   der  K.  Thier- 

arzneischule 1858 

170.  Töpler,  A.,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Prof.  am  K.  Polytechnikum     .  1877 

171.  Uhle,  C.  Louis,  Rittergutsbesitzer 1882 

172.  Ulbricht,  R.,  Dr.  phü.,  Professor  a.  D 1884 

173.  Ulbrioht,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Telegraphen-Oberinspector 1885 

174.  Vetter,  Benj.,  Dr.  phil.,  Prof.  am  K.  Polytechnikum 1874 

175.  Vetters,  C.  W.  E.,  Bürgerschul-Oberlehrer 1865 

176.  V.  Vieth,  Job.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Neustädter  K  Gymnasium  1884 

177.  Vogel,  J.  Carl  E.,  Fabrikbesitzer 1881 

178.  Vollbom,  Astulf  Rigdag,  Generalmajor  z.  D.,  Genie-Director  und 

Director  des  topogr.  Bureaus  im  K.  Generabtabe  a.  D.     ...  1867 

179.  Vorlander,  Herm.,  Rentier 1872 

180.  WaokwitE,  J.  C.  H.,  Baumeister 1878 

181.  Wamats,  Heinr.  G.  F.,  K.  Hofbuchhandler 1873 

182.  Weber,  Fr.  Aug.,  Instituts-Oberlehrer 1865 

183.  Weibezahl,  G.  Ose.,  Kaufmann 1879 

184.  Weissbach,   J.  C.  Rob.,   Architect,   Baurath,   Prof.  am  K.  Poly- 

technikum      1877 

185.  Weissflog,  Eugen,  privat.  Kaufinann 1874 

186.  Welemensky,  Jac,  Dr.  med 1882 

187.  Wieohel,  Hugo,  Betriebs-Ingenieur  an  den  K.  S.  Staatsbahnen  .     .  1880 

188.  Wilkens,  C.  F.  Gff.,.Dr.  phiL,  Procurist  und  Dii-ector  der  Steingut- 

fabrik von  ViUeroy  und  Boch 1876 

189.  Wilkinson,  James,  Privatus 1886 

190.  V.  WitBleben,  Baron 1881 

191.  Wobst,  C.  Aug.,  Oberlehrer  am  Annen-Realgymnasium 1868 

192.  V.  Zahn,  Rob.,  Yerlagsbuchhändler 1884 

193.  Zeuner,   Gst.   Ant.,   Dr.   phil..   Geh.   Rath,   Prof.,    Director    des 

K.  Polytechnikums  (vergl.  auch  S.  IX) 1874 

194.  Zsohaii,  E.  Fchgtt.,  Prof.,  Lehrer  der  Naturwissenschaften      .    .     .  1849 

195.  Zsohuppe,  F.  A.,  Vermessungs-Ingenieur 1879 


VII 

Jfthr  der 
Auftuthiiw. 

B.  Ausserhalb  Dresden: 

196.  y.  Boxberg,  Georg,  Relinsdbrf  in  der  Lausitz 1883 

197.  y.  Garlowits,  Majoratsherr  auf  Schloss  Kukuksstein  bei  Liebstadt  .  1885 

198.  Deokert,  F.  C.  Emil,  Dr.  phil.,  in  Loschwitz 1877 

199.  Degenkolb,  Bittergutsbesitzer  auf  Rottwemdorf  bei  Pirna      .    .    .  1870 

200.  Donath,  Rinaldo,  Besitzer  der  „Neuen  Welt"  in  Tolkewitz      .    .    .  .1876 

201.  Heuer,  Ernst,  Fabrikant  in  Cotta  bei  Dresden 1879 

202.  Keseelmeyer,  Carl,  in  Altrincham,  Gheshire 1863 

203.  Koemahl,  F.  A.,  Oberförster  in  Markersbach  bei  Hellendorf  .     .    .  1882 

204.  Neuhaus,  Ose.  Alb.,  Chaussee-Inspector  in  Niederfehra  bei  Meissen  1883 

205.  Nigolewaky,  A.  Moritz,   Inhaber  einer  Vorbereitungs -Anstatt  für 

höhere  Lehranstalten  in  Plauen  bei  Dresden 1861 

206.  Pohl,  Ant..  Maler  in  Blasewits 1886 

207.  Purgold,  A.,  Berg-Ingenieur  in  Bla^ewitz 1880 

208.  Bau,  Herrn.,  Lieutenant  der  Bes.  und  Gutsbesitzer  in  der  Lössnitz  1875 

209.  Beiblsoh,  Hartwig  F.,  Conservator  in  Plauen  bei  Dresden      .    .    .  1866 

210.  Beiblsoh,  Th.  F.,  Instituts-Director  in  Plauen  bei  Dresden    .    .    .  1851 

211.  Biohter,  Herrn.  J.,  Pianist  in  Badebeul 1882 

212.  Bohrwerder,  Fei.  Jul.  Beinh.,  Betriebs-Ingenieur  in  Potschappel    .  1875 

213.  Sohmidt,  Paul,  Maler  in  Blasewitz 1885 

214.  Sohreiter,  Br.,  Berg-Director  in  Berg^esshübel 1883 

215.  Thümer,  Ant.  JuL,  Instituts-Director  in  Blasewitz 1872 

216.  Treutier,  Gst.,  Dr.  med.  in  Blasewitz 1882 

217.  Welse,  Dr.  med.,  Oberstabsarzt  in  Blasewitz 1886 

218.  Zipfel,  E.  Aug.,  Bürgerschullehrer  in  Striesen 1876 


n.  EhreninltKlleder.  ji^  d« 

™  Auftaabme. 

1.  Aga^siB,  Alexander,  Dr.  phil.,  Gurator  des  Museums  of  compar.  Zoology 

in  Cambridge,  Mass.     . 1877 

2.  Barry,  Sir  Bedmond,  Kanzler  der  Universität  in  Melbourne     .    .    .  1867 

3.  V.  Beust,  IViedr.  Const.,  Frhr.,  K.  K.  Ministerialrath  und  Inspector 

der  Bergwerke  in  Torbole,  Tirol 1852 

4.  Blyth,  Edwanl,  Director  des  zoolog.  Museums  der  Asiatic  Soc.  in  Calcutta  1862 

5.  V.  Boxberg,  Ida,  Bittergut  Zschoma  bei  Radeburg 1877 

6.  CaruB,  Jul.  Vict.,  Dr.  phil.,  Prof.  an  der  Universität  in  Leipzig  .    .  1869 

7.  Cattley,  Edward,  Mrs.,  in  Boumemouth,  England 1864 

8.  Daubröe,  Aug.,  Membre  de  Tlnstitut,  Directeur  de  FEcole  des  mines 

in  Paris 1867 

9.  V.  Dechen,   E.  Heinr.,  Dr.  phil.,   wirklicher  Geheimer  Eath   und 

Oberberghauptmann  a.  D.,  Exe,  in  Bonn 1863 

10.  Dohm,  Carl  Aug.,  Dr.,  Präsident  des  entomolog.  Vereins  in  Stettin  1845 

11.  Buflos,  Adolph,  Dr.  phil,,  Prof.,  K.  Pr.  Geh.  Kegierungsrath  a.  D. 

in  Annaberg 1866 

12.  von  Ettingshausen,  Const.,  Frhr.,  Dr.  phil.,  Eegierungsrath,  Prof. 

an  der  Universität  in  Graz 1852 

13.  Flügel,  Fei.,  Dr.  phil.,  in  Leipzig 1855 

14.  Fraas,  Ose,  Dr.,  Studienrath  und  Professor  in  Stuttgart 1867 

15.  Fritsohe,  F.  W.,  Professor  und  Bergrath  a.  D.  in  Freiberg     .    .    .  1868 

16.  GkJIe,  J.  G.,  Dr.,  Professor  in  Breslau 1866 

17.  V.  Gii^bel,   Carl  Wilhelm,   Dr.,  Oberbergdirector  und  Prof.  an  der 

Universität  in  München 1860 

18.  Hagen,  Herm.  Aug.,  Dr.,  Prof.  am  Museum  of  compar.  Zoology  in 

Cambridge,  Mass 1866 

19.  Hall,  James,  Professor  in  Albany,  N.-Y 1873 


VIII 

-     Jahr  d« 

AufiiahiDe. 


20.  y.  Hauer,  Franz,  Dr^hil.,  K.  K.  Hofrath  und  Intendant  des  K  K. 

Hofmuseums  in  Wien 1857 

21.  Haughton,  Eev.  Samuel,  Prof.  am  Trinity  College  in  Dublin  .    .    .  1862 

22.  Höbert,  Edm.,  Prof.  an  der  Sorbonne  in  Paris 1867 

23.  Heine,  F.,  Oberamtmann  auf  S.  Burkhard  bei  Halberstadt    ....  1865 

24.  Jones,  T.  Rupert,  Professor  a.  D.  in  Chelsea,  London 1878 

25.  Judeioh,  Job.  Frdr.,  Dr.  phil.,  Geh.  Oberforstrath  in  Tharandt    .    .  1854 

26.  Eenngott,  A..  Dr.,  Prof.  am  Polytechnikum  in  Zürich 1868 

27.  V.  KöUiker,  A.,  Dr.,  Prof.  an  der  Universität  in  Würzburg     .    .    .  1866 

28.  Laube,  Gst.,  Dr.  phil.,  Prof.  an  der  K.  K.  Deutschen  Universität  in  Prag  1870 

29.  Leuokart,  Rudolph,  Dr.,  Geh.  Hofirath  und  Prof.  an  der  Universität 

in  Leipzig 1869 

30.  Lovön,  Sven,  Dr.,  Prof.  an  der  Universität  in  Stockholm     ....  1869 

31.  Marooii,  Jules,  in  Cambridge,  Mass 1866 

32.  Marsh,   Othn.  Charles,  Prof.  am  Yale  tJollege  in  New-Haven,  Conn.  1881 

33.  Heneghini,  Jos.,  Prof.  an  der  Universität  in  Pisa 1861 

34.  V.  Mercklin,  C.  K,  Dr.,  Geh.  Rath  und  Professor  in  Petersburg      .  1868 

35.  Höhl,  Heinr.,  Dr.,  Professor  in  Kassel 1875 

36.  ▼.  Hüller,  Ferd.,  Frhr.,  Dr.  phiL,  Director  des  botanischen  Gartens 

in  Melbourne 1849 

37.  Hnlsant,  A.,  Professor  und  Archivar  der  Akademie  der  Wissensch.  in  Lyon  1855 

38.  ▼.  NostitE-WallwitE,  Herm.,  Minister  des  Innern  und  des  K.  Hauses, 

Exe,  in  Dresden 1869 

39.  Omboni,  Giovanni,  Prof.  an  der  Universität  in  Padua 1868 

40.  Perroud,  B.  S.,  Dr.  med.,  m^dicin  des  höpitaux  in  Lyon     ....  1861 

41.  V.  Quenstedt,  Fr.  Aug.,  Dr.,  Geh.  Hofrath  imd  Professor  in  Tübingen  1868 

42.  Beinhard,  Herm.,  Dr.  med.,  K.  S.  Geh.  Medicinalrath  und  Präsident 

des  Landes-Medicinal-Collegiums  in  Dresden 1869 

43.  V.  Benard,  Carl,  Dr.,  Kais.  Russ.  wirkl.  Geheimrath,  Exe,  Präsident 

der  Kais.  Naturforscher-Gesellschaft  in  Moskau 18^ 

44.  Boemer,  Ferd.,  Dr.,  Geh.  Bergrath  und  Prof.  an  der  Universität  in  Breslau  1868 

45.  Bossberg,  C.  Mor.,  Regierungsrath  a.  D.  in  Dresden  (Mitstifter 

der  Isis) 1886 

46.  Bütimeyer,  Ludw.,  Dr.,  Professor  in  Basel 1869 

47.  V.  Schenk,  Aug.,  Dr.  nhil..  Geh.  Hofrath,  Prof.  an  der  Universität 

und  Director  des  botaiiischen  Gartens  in  Leipzig 1869 

48.  V.  Schierbrandt,  Wolf  Curt,  K.  NiederL  General -Lieutenant  a.  D., 

Exe,  in  Dresden 1854 

49.  Sohubarth,  K.  Pr.  Generahnajor  a.  D.  in  Görlitz 1868 

50.  Sohübeler,  F.  C,  Dr.,  Prof.,  Director  des  botan.  Gartens  in  Christiania  1871 

51.  Serlo,  Oberberghauptmann  in  Berlin 1870 

52.  da  Silva,  Mig.  Ant.,  Prof.  a.  d.  Ecole  centrale  in  Rio  de  Janeiro  1868 

53.  Steenstrupv  Job.  Japet.,  Dr.,  Staatsrath,  Professor  a.  D.  in  Kopen- 

hagen    1846 

54.  Studer,  B.,  Dr.,  Professor  a.  D.  und  Mitglied  der  geologischen  Gom- 

mission  in  Bern 1869 

55.  Stur,  Dion.,  Oberbergrath  und  Director  der  K.  IL  geolog.  Reichs- 

anstalt in  Wien 1885 

56.  Theile,  Friedr.,  Dr.  med.  in  Lockwitz  (Mitstifter  der  Isis)    .    .  1885 

57.  Triana,  Josö,  in  Paris 1868 

58.  Tsohermak,  Gst.,  Dr.,  Hofrath,  Professor  in  Wien 1869 

59.  Verbeek,  R.  D.  M.,  Dr.  phil.,  Director  der  K.  Niederländ.  geolog.  Unter- 

suchung von  Sumatra  und  Java  in  Buitenzorg 1885 

60.  Virchow,  Rudolph,  Dr.  med.,  Geh.  Medicinalrath  und  Prof.  an  der 

Universität  m  Berlin 1871 

61.  Vogt,  Carl,  Prof.  an  der  Akademie  in  Genf 1868 

62.  Willkomm,  H.  M.,  Dr.  phil.,  Kais.  Russ.  Staatsrath,  Prof.  an  der 

K.  K.  Deutschen  Universität  in  Prag 1866 


IX 

Jahr  der 
Auftiahme. 

63.  V.  Zepharovioh,  Vict.  L.,  Dr.  phil.,  Hofrath  und  Prof.  an  der  K.  K. 

Deutschen  Universität  in  *rag 1868 

64.  Zeuner,  Gst.  Ant,  Dr.  phil.,  Geh.  Jäath,  Prof.,  Director  des  K.  Poly- 

technikums in  Dreraen 1874 

65.  Ziohy,  Jok,  Graf,  auf  Üj-Szöny  im  Komomer  Comitat 1861 

66.  Zichy,  Kar..  Graf,  auf  Guffer  im  Presshurger  Comitat 1861 

67.  de  Zigno,  AchiUes,  Frhr.,  in  Padua , 1860 


m.  Correspondlrende  Hltglieder. 

1.  AberlOy  Carl,  Dr.,  K.  K.  Regierungsrath  und  Professor  a.  D.  in  Wien  1876 

2.  Aoourti,  Professor  in  Triest 1861 

3.  Althammer,  Dr.,  in  Arco 1861 

4.  d'Anoona»  Dr.,  Prof.  am  naturhistorischen  Museum  in  Florenz      .    .  1863 

5.  Ardissone,  Frz.,  Dr.  phil.,  Prof.  an  der  höher.  Ackerhauschule  in  Mailand  1880 

6.  Artsti  A.,  Vermessungs-Ingenieur  in  Plauen  i.  Y 1883 

7.  Asoherson,  Paul,  Dr.  phil.,  Prof.  an  der  Universität  in  Berlin     .    .  1870 

8.  Bachxnann,  Ewald,  Dr.  phil.,  Oherlehrer  in  Plauen  i.  V 1883 

9.  Baessler,  G.  Herrn.,  Anstaltsinspeotor  in  Nossen 1866 

10.  Baily,  W.  H.,  Palaeontolog  am  Geological  8urvey  of  Ireland,  in  Dublin  1861 

11.  Baldamus,  £.,  emer.  Pfarrer  in  Koburg 1846 

12.  Baldaii^  K,  Bergdirector  in  Ladowitz  bei  Dux 1878 

13  Baltzer,  A,,  Dr.  phil.,  Professor  in  Zürich 1883 

14.  Baatelaer,  A.,  Dr.,  in  Charleroi 1868 

15.  Beoh,  E.,  Dr.  med.,  Hofrath,  Gerichtsarzt,  Arzt  am  Ki*ankenhaus  in  Pirna  1846 

16.  V.  Betts  in  Verona 1863 

17.  BibUolhok,  KgL,  in  Berlin 1882 

18.  Blanford,  Wilüam  T.,  Esqu.^  in  London 1862 

19.  Bombicoi,  Louis,  Professor  in  Bologna 1869 

20.  BoniBEi,  Paul,  Dr.,  Professor  in  Modena 1878 

21.  Bruflina,  Sniridion,  Professor  in  Agram 1870 

22.  Bureau,  Ea.,  Dr.,  Pro£  am  naturhwtorischen  Museum  in  Paris     .    .  1868 

23.  Caneetrmi,  G.,  Professor  in  Padua 1860 

24.  Caratens,  C.  Dietr.,  Ingenieur  in  Berlin 1874 

25.  Castelli,  Ad.,  Bergverwalter  in  Grosspriesen  bei  Aussig 1877 

26.  Credner,  Henn.,  Dr.  phil.,  Oberbergratn,  Prof.  an  der  Universität  und 

Director  der  geolog.  Landesuntersuch.  von  Sachsen,   in  Leipzig  1869 

27.  Danai«,  Emil,  Bealschul-Oberlehrer  in  Bochlitz 1883 

28.  Dathe,  Ernst,  Dr.  phil.,  K.  Pr.  Landesgeolog  in  Berlin 1880 

29.  Densa,  Frz.,  Professor  und  Director  der  Sternwarte  in  Moncalieri    .  1869 

30.  Dittniarsch,  A.,  Bergschul-Director  in  Zwickau 1870 

31.  DöU,  Ed.,  Dr.,  Gber-Realschul-Director  in  Wien 1864 

32.  Dsiedussycki,  Wladimir,  Graf,  in  Lemberg 1852 

33.  Blsel,  Roh.,  Privatus  in  Gera .•    •         •  ^^'^ 

34.  Engelhardt,  Mor.  Am.  M.,  Baurath  und  Betriebs-Oberingenieur  a.  d. 

K.  S.  Staatsbahnen  in  Chemnitz 1862 

35.  Ferguson,  William,  F.  L.  S.,  in  Golombo  auf  Ceylon 1871 

36.  FiBOher,  Aug.,  Kaufmann  in  Pösneck 1868 

37.  Fisoher,  J.  G.,  Dr.  phü.,  Borgfelde  bei  Hamburg 1855 

38^Flolir,  Gg.  Conr.,  Amtsrichter  in  Burgstadt 1879 

39.  French,  0.,  Esq.,  Propagator  am  botanischen  Garten  in  Melbourne  .  1877 

40.  Frenkel,  Theod.,  Eealschul-Oberlehrer  in  Pirna 1883 

41.  Frensel,  A.,  Dr.  phil.,  Hüttenchemiker  und  Bergschullehrer  in  Freiberg  1872 

42.  Friederich,  A.,  Dr.  med.,  Sanitatsrath  in  Wernigerode 1881 

43.  Friedrich,  Ose,  Dr.  phil.,  Conrector  am  Gymnasium  in  Zittau     .    .  1872 


Jahr  dar 
Attfiialim6. 

44.  Fritsoh,  Ant.  Joh.,  Dr.  med.,  Prof.  an  der  K.  Böhm.  üniTersität  und 

Direcior  des  Böhm.  National-Museums  in  Prag 1867 

45.  Gaudry,  Alb.,  Dr.,  Prof.  am  naturhist  Museum  in  Paris     ....  1868 

46.  Gtoheeb,  Adelb.,  Apotheker  in  Geisa,  Sachsen- Weimar      .....  1877 

47.  Geinitz,  Frz.  Eug.,  Dr.  phil.,  Prof.  an  der  Universität  in  Rostock    .  1877 

48.  Gemdt,  Leonh.,  Dr.  phil.,  Bealschul-Oberlehrer  in  Zwickau      .    .    .  1880 

49.  Gtorsprioh,  Pfarrer  zu  Johnsbach  in  Steiermark 1846 

50.  Gonnermann,  Max,  Apotheker  in  Neustadt  bei  Koburg 1865 

51.  Groth,  Paul,  Dr.  phil.,  Prof.  an  der  Universität  in  München    .    .    .  1865 

52.  Härter,  C,  Ingenieur  in  Mexico 1881 

53.  Handtke,  Bob.,  Dr.,  Prof.  am  Landes-Proseminar  in  St.  Polten,  Oesterreich  1859 

54.  Hans,  Wilh.,  Stempeldmcker  in  Herrnhut         1868 

55.  Härtung,  H.,  Bergmeister  in  Lobenstein 1867 

56.  Hefelmann,  Bud.,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Preuss.  technischen 

Hochschule  in  Charlottenburg 1884 

57.  Heim,  Alb.,  Dr.  phil.,  Professor  m  Zürich 1872 

58.  Heine,  Perd.,  Bittergutspachter  auf  £mersleben  bei  Halberstadt   .     .  1853 

59.  Herb,  Salinendirector  in  Traunstein 1862 

60.  Herbrig,  Herm.  Aug.,  Qewerberath,  Dampf kessel-Insnector  in  Zwickau  1870 

61.  Herrmann,  Wilh.,  Dr.  theol.  et  phil.,  Professor  in  Marburg     .    .    .  1862 

62.  Heym,  C.  Ferd.,  emer.  Lehrer  der  Mathematik  in  Leipzig   ....  1846 

63.  Hibsoh,  Emanuel,  Prof.  a.  d.  höh.  Ackerbauschule  i.  Liebwerd  b.  Tetschen  1885 

64.  Hilgard,  W.  Eug.,  Prof.  an  der  Universität  in  Sacramento,  Califomien  1869 

65.  Hilgendori;  F.,  Dr.,  Gustos  am  K.  zoologischen  Museum  in  Berlin  .  1871 

66.  Hirzel,  Heinr.,  Dr.  phil.,  ausserordentl.  Professor  der  Chemie  in  Leipzig  1862 

67.  Hübner,  Adolf,  Hüttenmeister  in  Halsbrücke  bei  Freiberg   ....  1871 

68.  Hüll,  Ed.,  Prof.,  Director  der  ^eolog.  Landesuntersuchung  in  Dublin  1870 

69.  Israöl,  A.,  Schulrath,  Seminardirector  in  Zschopau 1868 

70.  Issel,  Arth.,  Dr.,  Prof.  an  der  Universität  in  Genua 1874 

71.  JentzBCh,  Alfr.,  Dr.  phil.,  Privatdocent  a.  d.  Universität  in  Königsberg  1871 

72.  Just,  Leop.,  Dr.,  Professor  für  Agriculturchemie  und  Botanik  in  Carlsruhe  1874 

73.  Kesselmeyer,  Wilhelm,  in  Manchester 1863 

74.  Kinne,  B.,  Apotheker  in  Hermhut 1854 

75.  Klein,  J.  Herm.,  Herausgeber  der  „Gaea",  in  Köln  a.  Bh 1865 

76.  Köhler,  Erst.,  Dr.  phil.,  Seminar-Oberlehrer  in  Schneeberg  ....  1858 

77.  König  von  Warthausen,  C.  Wilh.  Bich.,   Frhr.,   Kammerherr,   auf 

Warthausen  bei  Biberach,  Württemberg 1855 

78.  Kötteritfloh,  Theod.,  früher  Bealschul-Oberlehrer  in  Freiberg   .    .    .  1868 

79.  Komhuber,  Dr.,  Prof.  am  Polytechnikum  in  Wien 1857 

80.  V.  Krau88,  Christ.  Ferd.  Fr.,  Dr.,  Oberstudienrath  und  Professor  in 

Stuttgart 1861 

81.  Krebs,  Wilh.,  Cand.  der  NaturwissenschaJften  in  Hamburg     ....  1885 

82.  Kreisoher,  C.  Ghst.,  Bergrath  und  Professor  in  Freiberg 1852 

83.  Kühn,  £.,  Dr.,  Schulrath,  Bezirksschulinspector  in  Leipzig  ....  1865 

84.  Kyber,  Arthur,  Chemiker  in  Biga 1870 

85.  Lansi,  Matthaeus,  Dr.  med.  in  Bom 1880 

86.  de  Lapparent,  Alb.,  Professor  in  Paris 1868 

87.  Lefevre,  Theodor,  Dr.  in  Brüssel 1876 

88.  Le  Jolis,  Auff.,  Dr.  phil.,  Präs.  d.  natorwiss.  Gesellschait  in  Cherbourg  1866 

89.  Liebe,  Theod.,  Dr.  phil.,  Prof.  am  Gymnasium  und  Landesgeolog  für 

Ostthüringen,  in  Gera 1862 

90.  Lüttke,  Johannes,  Pharmaceut  in  Kottbus  .     .     .     .                       .     .  1884 

91.  Mann,  J.,  Inspector  am  K.  K.  Hof-Naturalien-Cabinet  in  Wien    .     .  1836 

92.  Mayer,  C.  CQiarles,  Dr.,  Prof.  an  der  Universität  in  Zürich      .     .     .  1869 

93.  Mehnert,  Ernst,  Seminar-Oberlehrer  in  Pirna       1882 

94.  Mensel,  Carl,  Berginspector  in  Zwickau 1869 

95.  ▼.  Möller,  Valerian,   Staatsrath,  Director  der  Kais.  Bergreviere  am 

Kaukasus,  in  Tiflis 1869 


Jahr  dmr 

96.  Mösohler,  H.,  Kaufinaiui  in  Herrnhut 1B54 

97.  de  MortUlet,  Gabr.,  Prof.  am  anthropolog.  Institat  in  Paris   .     .    .  1867 

98.  Naaohold,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Aussig 1866 

99.  Naumann,  Herrn.,  Bealschul-Oberlehrer  in  Bautzen 1884 

100.  Nenmann,  E.,  Mecbanikus  in  Freiberg 1866 

101.  Winnl,  A.  P.,  Graf,  Dr.  phil.  in  Venediff 1868 

102.  Nitflohe,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Prof.  an  der  Forst-Akademie  in  Tharandt  1884 

103.  Nobbe,  Friedr.,  Dr.  phil.,  Prof.  an  der  Forst-Akademie  in  Tharandt  1864 

104.  NoYik,  Ottomar,  Dr.  phiL,  Prof.  an  der  K.  Böhm.  Universität  in  Prag  1882 

105.  Oberländer,  Ober-Landbaumeister  in  Greiz 1870 

106.  y  Orflla,  Dr.,  Subdirector  del  Hospital  Givile  und  Vicedirector  del 

Collegio  in  Mahon 1866 

107.  Otto,  Ed.,  Bedacteur  der  „Hamburger  Garten-  und  Blumenzeitung'^ 

in  Hamburg 1854 

106.  Pabst,  Moritz,  Dr.  phil.,  Prof.  an  der  Bealsohnle  in  Chemnitz     .     .  1866 

109.  Pabat,  Wilh.,   Dr.  phil.,   Lehrer  am  landwirth.  Institut  zu  Marg^ 

grabowa^  Ostpreussen 1881 

110.  Pardo,  Jos.,  in  Gaströn 1863 

111.  Peohtner,  A.,  in  Görlitz 1871 

112.  Peok,  Beinhard,   Dr.,   Gustos  des  Museums   der   naturforadienden 

Gesellschaft  in  Görlitz ' 1868 

113.  Podersolli,  Jos.,  Prof.  d.  P^ik  u.  Philosophie  in  Boveredo      .    .  1863 

114.  Pereira,  Josö,  Dr.,  a  Bego  Filho  in  Bio  de  Janeiro 1871 

115.  Petennann,  A.,  Dr.,  Director  in  Gembloux 1868 

116.  Pignone,  F.  J.,  Pharmaceut  in  Genua 1880 

117.  Pigorini,  L.,  Dr.,  Prof.,  Director  des  prähistor.-ethnogr.  Museums 

in  Bom 1876 

118.  Prasse,  Ernst  Alfr.,  Betriebsingenieur  in  Leipzig 1866 

119.  V.  Regel,  Ed.,  wirkl.  Kais.  Buss.  Staatsrath,  £bic.,  Director  des  bo- 

tanischen Gkurtens  in  Petersburg 1854 

120.  Behmann,  Antoni,  Dr.,  Mitglied  der  Universität  Krakau    ....  1869 

121.  Beidemeister,  C.,  Dr.  phil.,  zweiter  technischer  Dirigent  in  der  ehem. 

Fabrik  Hermania  in  Schönebeck  a.  d.  Elbe 1884 

122.  Booh,  H.  K.,  Oberförster  in  Gorisch  bei  Biesa 1855 

123.  Böber,  G.,  emer.  Lehrer  in  Löhma  bei  Sehleiz 1852 

124.  Bostook,  M.,  Lehrer  in  Dretschen  bei  Seitschen 1872 

125.  Büokert,  Carl,  Salinendirector  in  Salzungen 1866 

126.  Bunge,  Wilh.,  K.  Pr.  Geh.  Bergrath  in  Dortmund 1868 

127.  Sandberger,  Fridolin,  Dr.,  Geh.  Hofrath,  Prof.  an  der  Universitftt 

in  Wurzburg 1862 

128.  Y.  Schlieben,  H.  L.,  Oberstlieutenant  und  Director  der  Garnison- 

Verwaltung  in  Albertstadt  bei  Dresden 1862 

129.  Sohmidt,  J.  Ernst,  Seminar-Oberlehrer  in  Bautzen 1866 

130.  Sohmidt,  Bob.,  Dr.  phil.  in  Jena       1857 

131.  Schnorr,  Veit  Hanns,  Dr.  phil.,  Bealschul-Oberlehrer  in  Zwickau    .  1867 

132.  Sohubring,  Gst.,  Mathematiker  in  Erfurt .  1875 

133.  SohuBter,  Ose,  Oberstlieutenant  in  Zwickau 1869 

134.  Soptt,  Dr.  phil.,  Director  der  Meteorological  Office  in  London    .     .  1862 

135.  Seidel  L,  0.  M.,  Seminar-Oberlehrer  in  Zschopau 1883 

136.  Seidel  IL,  Heinr.  Bemh.,  Seminar-Oberlehrer  in  Zschopau      .    .     .  1872 

137.  Y.  SeidlitB,  Georg,  Dr.  phil.  in  Köni^iberg,  Ostpreussen     ....  1868 

138.  Senft,  Perd.,  Dr..  Geh.  Hofrath  und  Professor  a.  D.  in  Eisenach     .  1866 

139.  Senoner,  Ad.,  Bibliothekar  der  K.  K.  geolog.  Beichsanstalt  in  Wien  1855 

140.  Sieber,  Geoi^,  Bittergutspachter  in  Grossgrabe  bei  K^enz   .    .    .  1879 

141.  Siegmnnd,  Wilh.,  Pnvatus  in  Beichenberg  in  Böhmen 1868 

142.  Smyth,  B.  Brough,  in  Melbourne 1874 

143.  Sonnts^,  F.,  Apotheker  in  Wüsfcewaltersdorf  bei  Schweidnitz,  Schlesien  1869 

144.  Spiegel,  M.,  Besitzer  eines  artistischen  Instituts  in  Breslau    .    .    .  1870 


XII 

Jahr  der 

Aufnahme. 

145.  Stäche t   Guido,    Dr.  pbil.,   K.  K.  Oberbergrath ,   Vicedirector  der 

K.  K.  geolog.  Beichsanstalt  in  Wien 1877 

46.  StsiiSB,  Walth.,  Fharmaceut  in  Tbun,  Schweiz 1885 

47.  Stelsner,  Alfr.,  Dr.  pbil.,  Bergrath,  Prof.  an  der  Bergakademie  in 

Preiberff 1865 

i.  Sterzel,  Jon.  Traug.,  Dr.  pbil.,  Lehrer  an  der  I.  höheren  Mädchen- 
schule in  Chemnitz 1876 

49.  StOBSioh,  Ad.,  Professor  in  Triest 1860 

50.  Y.  Szontag,  Niklas,  Edler,  Dr.  in  Talva  fured,  Ungarn 1873 

51.  Temple»  Rud.,  Assecuranz-Inspector  in  Pesth 1869 

52.  Tieljen,  Friedr.,  Dr.,  Prof.  an  der  Universität  in  Berlin     ....  1868 

53.  TodarOy  Aug.,  Dr.,  Senator  und  Director  des  botanischen  Gartens 

in  Palermo 1876 

54.  Tölsner,  0.  A.,  Consul  in  Bahia 1862 

55.  Ulrich,  Dr.  pbil.,  Staats-Geolo^  in  Melbourne 1876 

56.  UmlaufT,  Carl,  K.  K.  Kreisgerichtsrath  in  Prossnitz,  Mähren       .     .  1868 

57.  Vater,  Heinr.,  Dr.  phiL,  Mitarbeiter  a.  d.  geolog.  Landesnntersuch. 

von  Sachsen',    Privatdocent   am   K.  Polytechnikum   in    Dresden  1882 

58.  Vetters»  K.,  Dr.  phil.,  Lehrer  a.  d.  höh.  Gewerbeschule  in  Chemnitz  1884 

59.  Voigt,  Beruh.,  Steuerrath  in  Zwickau 1867 

60.  V.  Vukotiiiovich,  L.  F.,  in  Agram 1860 

61.  Waagen,  C,  Dr.  phil.,  Prof.  am  Deutschen  Polytechnikum  in  Prag  1877 

62.  Walser,  Dr.  med.  in  Schwabhausen  in  Oberbayem 1868 

63.  Walther,  H.  V.,  Dr.,  Apotheker  in  Aussig 1859 

64.  Wartmann,  Dr.  med.,  Professor  in  St.  Gallen 1861 

65.  Weber,  W.,  Kaufmann  in  Hamburg .  1857 

66.  Websky,  Mart.,  Dr.  phil.,  Geh.  Oberbergrath,  Prof.  an  der  Universität 

üi  Berlin 1868 

67.  Weinland,  Dav.  Friedr.,  Dr,  in  Baden-Baden 1861 

68.  Weise,  Aug.,  Factor  in  Ebersbach,  Sachs.  Ober-Lausitz      ....  1881 

69.  Wenzel,  G^.  Alb.,  Hofgärtner  in  Pilkiitz 1871 

70.  Wiessner,  Jul.,  Dr.,  Professor  in  Wien 1868 

71.  Winkler,  T.  C,  Custos  am  Teyler-Museum  in  Harlem 1875 

72.  Wohlfahrt,  Jul.  Osk.,  pract.  Arzt  in  Freiberg 1868 

73.  Wolff,  F.  A.,  Seminar-Oberlehrer  in  Pirna 1883 

74.  Wucherer,  Dr.  med.  in  Bahia,  Brasilien 1860 

75.  Wünsche,  F.  Otto,  Dr.  phiL,  Gymnasial-Oberlehrer  in  Zwickau  .     .  1869 

76.  ZetBSChe,  C,  Dr.  phil.,  Professor  in  Berlin 1876 

77.  Zinunermann,  F.  F.,  akademischer  Maler  in  Salzburg 1864 

78.  Zimmermann,  Ose.  £.  R.,  Dr.  phil.,  Eealschul-Oberlehrer  in  Chemnitz  1880 


Sitzungsberichte 

der 

natur^vissensehaftliehen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


1886. 


ISTekrolog. 


Schön  ist  die  in  unserer  „lais"  gebräuchliche  Sitte,  den  verstorbenen 
Mitgliedern  ein  Lebewohl  nachzurufen;  zur  schweren  Trauer  aber  wird 
sie^  wenn  es  gilt,  einem  ihrer  Vorzüglichsten  und  Treuesten  Worte  der 
Erinnerung  zu  weihen.  Dies  aber  war  in  des  Wortes  vollster  Bedeutung 
unser  aller  Freund: 

Franz  Traugott  Osmar  Thüme. 

Als  das  älteste  von  neun  aus  der  Ehe  des  Malers  und  Lackirers 
Friedrich  Edmund  Thüme  mit  Karoline  Clementine  geb.  Sachsse 
hervorgegangenen  Kindern  war  er  am  13;  November  1838  zu  Dresden  ge- 
boren. Unter  der  Fürsorge  liebender  Eltern  wuchs  er  heran  und  besuchte 
bis  zu  seinem  14.  Jahre  eine  Volksschule.  Aufmerksamkeit  und  Fleiss, 
zwei  Tugenden,  die  er  sich  bis  zu  seinem  Ende  beharrlich  bewahrt,  hatten 
ihn  zum  Liebling  seines  Lehrers  gemacht,  und  als  es  galt,  sich  einem 
Lebensberufe  zu  widmen,  da  empfahl  dieser,  der  seine  guten  geistigen  An- 
lagen erkannt  und  einen  tiefen  Blick  in  sein  Gemüth  geworfen  hatte,  dem 
um  das  Wohl  seines  Sohnes  besorgten  Vater,  er  solle  ihn  doch  Lehrer 
werden  lassen.  Dieser  Vorschlag  war  ganz  aus  der  Seele  unseres  Thüme 
gesprochen.  Ostern  1852  trat  er  in  die  mit  dem  Freiherrlich  von 
Fletcher'schen  Seminar  verbundene  Vorbereitungsanstalt,  wendete  sich  aber 
zwei  Jahre  später  dem  Königl.  Seminar  in  Friedrichstadt  zu  und  nachdem 
er  daselbst  im  Jahre  1858  die  Schulamtscandidatenprüfdng  bestanden, 
ward  ihm  von  der  obersten  Schulbehörde  die  Hilfslehrerstelle  zu  Seusslitz 
bei  Grossenhain  angewiesen. 

Die  damaligen  Schulverhältnisse  lagen  ganz  anders  als  die  heutigen. 
Der  junge  Hilfslehrer  war  nicht  ein  freier  Mann,  sondern  abhängig  von 
dem  Hauptlehrer,  der  ihm  neben  freier  Wohnung  und  Kost  jährlich  noch 
60  Thlr.  zu  verabreichen  hatte.  Einer  von  Jugend  auf  an  bescheidene 
Verhältnisse  gewöhnten  Natur,  wie  sie  unser  Thüme  besass,  war  dies 
völlig  genug,  vermochte  er  dabei  sogar  noch  etwas  zu  sparen  und  wusste 
der  angehende  Volksschullehrer  jener  Zeit  ja,  dass  er  Besseres  nicht  zu 


erwarten  habe.  Die  Dorfschule  entbehrte  die  weitgehende  Gliederung,  die 
sie  jetzt  besitzt;  sie  hatte  nur  wenige,  oft  nur  2  Klassen,  in  deren  jeder 
mehrere  Jahrgänge  gleichzeitig  Tereinigt  waren  und  gleichzeitig  in  Ter- 
schiedenen  Zweigen  von  dem  Lehrer  unterrichtet  werden  mussten,  was 
eine  geistige  und  körperliche  Anstrengung  erforderte,  die  nur  der  zu  er- 
messen vermag,  der  unter  gleichen  Verhältnissen  zu  wirken  gehabt  hat. 
Unserem  Thüme  kam  dabei  sein  ruhiges  und  heiteres  Temperament,  seine 
Liebe  zum  Berufe  und  sein  pädagogisches  Geschick  sehr  zu  Statten;  er 
überwand  alle  sich  ihm  entgegenstellenden  Schwierigkeiten.  Nur  als  sein 
Hauptlehrer  Thoman  an  einem  Beinbruch  schwer  darniederlag  und  ihm 
nun  auch  dessen  Thätigkeit  mit  übertragen  wurde,  so  dass  ihm  über 
200  Kinder  anvertraut  waren,  da  ward  es  für  seine  kräftige  Natur  zu  viel 
und  ein  Jahre  hindurch  sich  fortfristendes  Halsleiden  überfiel  ihn.  Trotz 
desselben  verlor  er  den  Muth  nicht;  er  arbeitete  eifrig  weiter. 

Die  schöne  Lage  von  Seusslitz  und  die  Naturschönheiten  der  Umgegend 
erfüllten  seine  Seele  mit  unauslöschbaren  Eindrücken,  wie  sie  die  Natur 
nur  zu  geben  vermag;  diese  ward  ihm  ein  Spiegel  seines  eigenen  Ichs. 
Und  jemehr  er  sie  liebgewann,  desto  mehr  erschloss  sie  sich  ihm  und  ver- 
anlasste ihn,  sich  auch  in  ihre  Einzelheiten  zu  vertiefen.  Die  Natur- 
wissenschaften sind  von  jeher  die  schwächste  Seite  der  Seminarfe  gewesen 
und  ist  es  deshalb  nicht  zu  verwundem,  wenn  beim  Studium  derselben 
selbst  die  Besten,  die  aus  ihnen  hervorgegangen,  mit  ausserordentlichen 
Schwierigkeiten  zu  kämpfen  hatten,  die  dem  nicht  bekannt  sind,  den  ein 
gütiges  Geschick  zu  den  Füssen  tüchtiger  Forscher  sitzen  liess,  die  seine 
Thätigkeit  leiteten,  ihn  ermunterten  und  hoben.  Sie  blieben  auch  unserem 
Freunde  nicht  erspart.  Dass  er  trotzdem  die  Flügel  nicht  erlahmen  liess, 
sich  vielmehr  immer  tiefer  in  die  ihn  packende  Wissenschaft  eindrang  und 
alle  sich  ihm  entgegenstellenden  Hindernisse  überwand,  das  hat  er  einmal 
seiner  Zähigkeit,  die  ihn  nicht  leicht  von  dem  Angefangenen  weichen  liess, 
dann  aber  zum  grossen  Theile  dem  damaligen  Ortsarzte  Herberger  zu 
danken,  welcher,  ein  tüchtiger  Kenner  und  liebevoller  Freund  der  Pflanzen- 
welt, sich  seiner  annahm  und  ihn  in  der  von  ihm  angenommenen  Rich- 
tung mehr  und  mehr  bestärkte.  In  Briefen  an  seine  Eltern  aus  damaliger 
Zeit  spricht  er  mit  Vorliebe  von  seinen  botanischen  Ausflügen  und  seinem 
mehr  und  mehr  wachsenden  Herbarium. 

So  glückliche  Stunden  ihm  nun  auch  das  Landleben  gebracht  hatte, 
so  hatte  es  ihm  doch  zugleich  gezeigt,  dass  er  hier  nidit  das  werden 
könnte,  was  er  sich  zum  Ziele  gestedct.  Der  Mangel  an  Hilfsmitteln,  die 
beschränkte  Anregung  erweckten  in  ihm  die  Sehnsucht  nach  seiner  Hei- 
math und  so  hielt  er  denn  nach  gut  bestandener  Wahlfahigkeitsprfifung, 
trotzdem  sein  CoUator  Klauss  Alles  that,  um  die  junge  Kraft,  die  sich 
der  Einwohner  Zuneigung  und  ihrer  Schüler  Liebe  errungen,  auf  längere 
Zeit  an  Seusslitz  zu  fesseln,  um  Anstellung  an  einer  der  Dresdener  Volks- 
schulen au.    Es  gelang  ihm,  im  Jahre  1860  Hilfslehrer  an  der  2.  Bürger- 


schule  zu  werden.  Nachdem  er  znm  ständigen  Lehrer  aufgerückt  war, 
▼ermählte  er  sich  im  Jahre  1863  mit  Emilie  geh.  Voigt  aus  Dresden. 
Dieser  Ehe,  welche  ein  ganz  naher  Anverwandter  als  eine  „herzinnige" 
bezeichnet,  entsprossen  vier  Kinder,  Ton  denen  nur  zwei ,  ein  Knabe  Hans 
und  ein  Mädchen  Elisabeth,  am  Leben  blieben,  von  welchen  der  erstere 
des  Vaters  Neigung  zu  den  Naturwissenschaften  geerbt,  welche  ihn  zum 
Studium  der  Median  trieb,  dem  er  noch  obliegt.  Leider  war  die  glück- 
liche Ehe  nur  eine  kurze.  An  einem  schweren  Kehlkopfleiden  verschied 
seine  Gemahlin  am  1.  Januar  1870.  In  Anna  Jäkel,  der  Tochter  seines 
Schuldirectors,  dessen  Name  in  der  sächsischen  Lehrerwelt  durch  die  im 
Vereine  mit  anderen  Dresdener  Directoren  herausgegebenen  Lese-  und  Lehr- 
bücher den  besten  Klang  hat,  fand  er  vollen  Ersatz  für  die  so  früh  Da- 
hingeschiedene. Ihre  herrlichen  Eigenschaften  sowohl  des  Geistes,  als  vor 
Allem  auch  des  Gemüths  waren  so  recht  geeignet,  ihm  sein  Haus  zum 
Paradiese  umzuwandeln,  an  dem  er  mit  allen  Fasern  seines  Herzens  hing, 
wie  die  ihm  Näherstehenden  recht  wohl  wussten,  obgleich  er  als  von  einem 
Selbstverständlichen  nie  viel  davon  sprach.  In  dieser  am  20.  Juli  1872 
geschlossenen  zweiten  Ehe  ward  ihm  nur  sein  nunmehr  13  Jahre  alter 
Sohn  Beinhold  geboren. 

Im  Jahre  1874  erhielt  Osmar  Thüme  einen  ehrenvollen  Ruf  an  die 
Handelslehranstalt  der  Dresdener  Kaufmannschaft.  Nach  bestandenem 
inneren  Kampfe  —  denn  er  verliess  ja  eine  Stellung,  die  ihm  ein  ruhiges 
Alter  und  bei  vorzeitigem  Tode  seinen  Hinterlassenen  eine  staatliche 
Pension  sicherte  —  folgte  er  demselben,  vorzüglich  getrieben  von  seiner 
immermehr  wachsenden  liebe  zu  den  Naturwissenschaften,  die  ihn  veran- 
lasste, das  Pfund,  das  er  sich  erworben,  nicht  in  sich  zu  vergraben, 
sondern  wuchern  zu  lassen,  dabei  wohl  auf  ein  höheres  Alter  rechnend. 
Wie  in  seinen  früheren  Stellungen,  zeichnete  er  sich  auch  in  dieser  durch 
Treue  und  Eifer  in  seinem  Berufe,  durch  Klarheit  und  Anschaulichkeit  in 
seinem  Unterrichte,  durch  Anspruchslosigkeit,  Wahrhaftigkeit  und  „Leben 
im  Ganzen^'  im  Umgang  mit  seinen  Collegen,  durch  Freundlichkeit  und 
selbstlose  Hingabe  in  dem  mit  seinen  Schülern  aus. 

Selbstgenügsamkeit,  der  ärgste  Feind  alles  Strebens,  fand  bei  ihm 
keine  Stätte.  Bastlos  strebte  er  nach  Erweiterung  seiner  Kenntnisse, 
nach  Vertiefung  seiner  Naturanschauung.  Darum  dürfen  wir  uns  nicht 
wundem,  wenn  wir  ihn  als  regelmässigen  Begleiter  Beichenbachs  auf 
seinen  alljährlich  wiederkehrenden  Excursionen  durch  die  Umgegend  von 
Dresden  erblicken,  ihn  an  den  von  diesem  mehrere  Jahre  hindurch  Lehrern 
und  Lehrerinnen  unentgeltlich  ertheilten  botanischen  Cursen  theilnehmen 
und  ihn  im  Verkehr  mit  auswärtigen  Freunden  der  scientia  amabilis  treten 
sehen.  Selbstverständlich  war  es,  dass  ein  solcher  Mann  unserer  Gesell- 
schaft, die  sich  zur  Aufgabe  gestellt,  unser  Vaterland  naturwissenschaftlich 
zu  erforschen  und  für  Erweitening  und  Verbreitung  allgemein  natur- 
wissenschaftlicher Kenntnisse  zu  sorgen,   nicht  fem  bleiben  konnte.    Am 

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6 

28.  November  t867  wurde  er  in  die  Isis  aufgenommen  und  nachdem  er 
sich  in  dieselbe  eingelebt,  hielt  er  es  für  seine  Pflicht,  die  Verhandlungen 
derselben  selbstthätig  zu  fördern.  Anfangs  beschränkte  er  sich  darauf, 
seltenere  Pflanzen,  die  er  auf  seinen  Ausflügen  gefunden  oder  von  Anderen 
zugesendet  bekommen,  vorzulegen  und  zu  besprechen,  dabei  immer  die 
grösste  Freude  über  neu  entdeckte  Standorte  bekundend.  So  fahrt  er, 
ganz  im  Sinne  Reichenbachs,  des  bedeutenden  Floristen  und  Systematikers, 
längere  Zeit  fort;  dann  aber,  als  er  gesehen,  dass  seine  Bestrebungen 
Anklang  finden,  erweitert  er  seine  Thätigkeit,  bringt  Referate  über  neu 
erschienene  Werke  von  Bedeutung  und  über  Pflanzenausstellungen,  über 
eigene  Beobachtungen  an  der  Entwickelung  von  Frühlingspflanzen  und  er- 
hebt sich  weiterhin  dazu,  treflfliche  Vorträge  zu  halten,  die  jederzeit  gern 
gehört  wurden.  Rabenhorst,  der  ausgezeichnete  Gryptogamenkenner,  der 
wohl  am  meisten  dahin  gewirkt,  dass  die  Gryptogamenkunde  auch  weiteren 
Kreisen  zugänglich  werde,  hat  auch  auf  ihn  Einfluss  ausgeübt;  ein  Zeichen 
davon  war  die  Vorführung  und  Empfehlung  der  von  Amoldi  heraus- 
gegebenen naturgetreuen  Nachbildungen  von  Pilzen,  für  welche  Pflanzen- 
abtheilung  er  bis  an  sein  Ende  eine  besondere  Vorliebe  zeigte.  Auf  sdnen 
Reisen  begleiteten  ihn  stets  eine  Flora  und  die  botanische  Mappe  und 
freudig  leuchtete  sein  Auge,  wenn  er  eine  ihm  vorher  unbekannte  Pflanze 
sah,  wohl  auch  pflückte  er  schöne  Blüthen,  um  der  daheim  weilenden 
Gattin  einen  Blumengruss  zu  senden.  Jahre  lang  hat  er  sich  der  Be- 
obachtung der  Pflanzen  im  botanischen  Garten  hingegeben;  dieser  war 
ihm  lieb  geworden  und  so  ist  zu  begreifen,  dass,  als  die  Nachricht  sich 
verbreitete,  dass  derselbe  aufhören  solle,  er  sofort  eine  Petition  um  Er- 
haltung desselben  entwarf  und  die  Isis  veranlasste,  in  Gemeinschaft  mit 
den  übrigen  hiesigen  naturwissenschaftlichen  und  Gartenbaugesellschaften 
für  den  Weiterbestand  desselben  einzutreten.  Sie  hatte  den  gewünschten 
Erfolg  und  ist  dieser  in  erster  Linie  unserem  verewigten  Thüme  zu 
danken. 

Auch  der  zoologischen  Section  widmete  er  seine  Kraft,  wenn  auch 
nicht  in  demselben  Grade,  wie  der  botanischen.  Besonders  anziehend 
waren  seine  Berichte  über  unseren  zoologischen  Garten,  in  dem  er  wie 
daheim  war. 

Dass  auf  solche  tüchtige  Kraft  bei  Beamtenwahlen  der  Blick  der  Ge- 
sellschaft sich  öfter  wendete,  war  wohl  nur  zu  natürlich.  So  stand  er 
der  botanischen  Section  im  Jahre  1872  als  zweiter  Vorsitzender,  in  den 
zwei  darauf  folgenden  Jahren  als  erster,  und  im  nächsten  wieder  als 
zweiter  vor;  in  dem  Jahre  1882  bekleidete  er  in  der  zoologischen  die 
eines  zweiten,  von  da  bis  1885  die  des  ersten  Schriftführers.  Ganz  be- 
sonders verdient  aber  hervorgehoben  zu  werden,  dass  er  das  verant- 
wortungsvolle und  zeitraubende  Amt  eines  ersten  Bibliothekars  in  der 
langen  Zeit  von  1872—1886  zur  steten  Zufriedenheit  und  in  uneigen- 
nützigster Weise  verwaltete.    Um  zu  ermessen,  welch  hoher  Werth  dieser 


um  uns  80  verdienten  Thätigkeit  beizulegen  sei,  muss  man  bedenken,  dass 
unser  verewigtes  Mitglied  nicht  an  Zeitüberfluss  litt,  da  er  neben  seinem 
schweren,  die  beste  Kraft  des  Mannes  in  Anspruch  nehmenden  Berafe  noch 
Privatstunden  zu  ertheilen,  fiir  den  ,  J)resdner  Anzeiger"  unter  der  Chiffre 
0.  Th.  zahlreiche  Berichte  über  den  zoologischen  Garten  und  die  heimische 
Pflanzenwelt,  welche  allgemein  gern  gelesen  wurden  und  mannig&ch  zu 
edler  Naturbeobachtung  anregten,  in  Vielen  die  Naturliebe  förderten  und 
stets  eine  getreue  Copie  seines  ganzen  Wesens  waren,  neben  denen  über 
unsere  Sitzungen  zu  liefern  hatte,  auch  in  gewissenhaftester  Weise  eine 
Anzahl  in  seine  Familie  aufgenommene  Pensionäre  überwachte  und  dabei 
noch  die  viel  Gorrespondenz  und  sonstige  Arbeit  erfordernde  „Zeitschrift 
für  Pilzfreunde"  (Dresden  und  Bodenbach.  Verlag  von  Alexander  Köhler) 
herausgab,  nachdem  er  in  Gemeinschaft  mit  seinem  Gollegen  Gebauer  die 
„Heimathskunde  von  Dresden,  zum  Gebrauche  für  Schulen  und  für  Freunde 
der  Heimath"  (Dresden.  Verlag  von  Meinhold  und  Söhne.  Dazu  ein  Heft 
mit  53  lithographischen  Figuren,  einem  Plane  von  Dresden  und  einer 
Karte  der  Umgegend.)  hatte  erscheinen  lassen,  von  kleineren  Aufsätzen  in 
verschiedenen  Blättern  nicht  zu  reden. 

So  steht  er  vor  uns  als  ein  Muster  des  Fieisses  und  der  Selbst- 
verleugnung, und  so  hofiEten  wir  ihn  noch  viele  Jahre  den  Unseren  nennen 
zu  können.  Doch  es  sollte  anders  kommen.  Ein  Körperleiden,  das  ihn 
schon  vor  längeren  Jahren  schwer  befallen,  das  aber  durch  einen  zwei- 
maligen Besuch  des  Bades  von  Wildungen  verdrängt  zu  sein  schien,  trat 
aufs  Neue  allmählich  wieder  auf.  Er  trug  es,  ohne  je  zu  murren  und 
Andere  mit  seinen  Klagen  zu  behelligen;  nur  im  engsten  Freundeskreise 
deutete  er  dann  und  wann  auf  dasselbe  hin,  dabei  mehr  von  den  secun- 
dären  Erscheinungen,  wie  von  heftigen  Blutwallungen  und  Schlaflosigkeit, 
sprechend.  Als  er  anfing,  sich  des  Bieres  gänzlich  zu  enthalten  und 
„Osiris'^  zu  meiden,  bemerkten  nur  sehr  Wenige,  dass  mit  ihm  eine  grosse 
Veränderung  vor  sich  ging;  sein  Haupt  trug  er  immer  geneigter,  seine 
Schritte  wurden  schlaffer.  So  musste  er  mir  auf  meine  theilnehmende 
Frage  nur  wenige  Wochen  vor  Ostern,  als  ich  ihn  zum  letzten  Male  sah, 
erwidern:  „Es  geht  mir  nicht  gutl^'  Kurze  Zeit  darauf,  nachdem  der 
Lehrcursus  vollendet  war  —  seine  übergrosse  Gewissenhaftigkeit  liess  ihn 
nicht  Urlaub  nehmen  —  reiste  er  zum  dritten  Male  nach  Wildungen  in 
der  Hoffnung,  zum  Ende  der  Ferien  mit  frischen  Kräften  in  seinem  Be- 
rufe weiter  wirken  zu  können.  Dass  er  keine  Vorstellung  von  der  Grösse 
seines  Uebels  gehabt,  geht  daraus  hervor,  dass  er  in  der  ersten  Zeit 
seines  Aufenthaltes  daselbst  der  femweilenden  Gattin  ein  Gedicht  an  Stelle 
eines  Briefes  zusendete  und  noch  einen  Artikel  für  die  vom  Sächsischen 
Pestalozzivereine  herausgegebenen  „Jugendblätter^'  niederschrieb.  Eine 
Operation,  die  ein  Arzt  mit  ihm  vorzunehmen  sich  gedrungen  fühlte  und 
vor  der  ihn  von  jeher  sein  treuer,  langjähriger  Hausarzt  und  Freund  als 
vor  dem  Anfang  seines  Endes  gewarnt  hatte,  liess  seine  Kräfte  allmählich 

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yerfallen.  Er  sandte  einen  Brief,  ans  abgerissenen  Sätzen  bestehend,  in 
die  Heimath.  Obgleich  er  der  Gattin  seinen  Zustand  verschwieg,  so 
krampfte  doch  derselben  das  Herz  znsammen  und  in  ihr  rief  es  laut  und 
lauter:  Ich  muss  zu  ihml  Wie  ein  Lichtschein  fuhr  es  über  sein  Gesicht, 
als  er  sie,  die  überaus  Geliebte,  neben  sich  stehen  sah,  und  Ruhe  kehrte 
wieder  in  ihm  ein,  da  er  sich  in  ihrer  Pflege  wusste.  Doch  das  scharf- 
sehende Auge  der  Tief  besorgten  erkannte  bald,  dass  es  nicht  besser  werde, 
und  als  sich  sogar  zeitweiliges  Irrereden  bei  offenen  Augen  und  Athmungs- 
beschwerden  einstellten,  beschwor  sie  die  Aerzte  um  offene  Aussprache. 
Diese  riethen  zum  Warten,  wohl  weil  sie  wussten,  dass  seine  Tage  gezahlt 
seien;  nur  einer  liess  ihr  sagen,  dass  sie  es  wagen  könne,  mit  ihm  abzureisen, 
aber,  sobald  sich  bei  der  Fahrt  zum  Bahnhofe  Ohnmächten  einstellen  sollten, 
schleunigst  wieder  zurückkehren  müsse.  Ich  will  Ihnen  die  Fahrt  nach 
Dresden  nicht  schildern,  es  sei  genug,  wenn  ich  sage :  Es  war  eine  schwere, 
sehr  schwere.  Um  Mitternacht  langte  man  hier  an.  Jetzt  mochte  unser 
unvergesslicher  Freund  wohl  fühlen,  dass  sein  Ende  nahe.  Als  am  andern 
Morgen  sein  geliebter,  noch  unversorgter  Reinhold  an  sein  Bett  trat,  da 
überflog  sein  sonst  so  freundliches  Gesicht  ein  düsterer  Zug  und  mit 
schwacher  Stimme  sprach  er  zu  ihm:  „Folge  immer  Deiner  guten  Mutter!*' 
Es  gab  für  ihn  keine  Hilfe  mehr;  seine  Kräfte  nahmen  zusehends  ab  und 
endlich  verschied  er  sanft  am  10.  Mai  Nachts  in  der  zwölften  Stunde. 
Am  13.  Mai,  da  seine  lieblingssection  Sitzung  hielt,  ward  er  zur  letzten 
Ruhe  bestattet^  begleitet  von  vielen  der  Unserigen. 

Was  er,  der  allezeit  Strebende,  allezeit  Gebende,  unserer  Isis  war, 
wissen  nur  wir  allein.  Senden  wir  ihm  unseren  Dank  in  die  Ewigkeit  nach! 
Bewahren  wir  ihm,  dem  lieben,  dem  guten  Freunde  ein  immerdar  leuch- 
tendes Andenken  I 

H.  Engelhardt 


I.  Section  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung:  am  7.  Januar  1886^  Vorsitzender:  ProfeBsor  Dr. 
B.  Vetter. 

Dr.  Erich  Haase  hält  einen  Vortrag  üher: 

Duftapparate  bei  Schmetterlingen. 

Derselbe  sucht  vor  Allem  die  verschiedenen  Arten  von  Gerüchen, 
welche  von  Schmetterlingen  ausgehen  können,  physiologisch  zu  dassi- 
ficiren  und  theilt  sie  in  solche  ein,  welche  beiden  Geschlechtern  gemeinsam 
sind,  und  in  solche,  welche  sich  nur  bei  einem  derselben  finden.  Die  Gerüche 
der  ersten  Kategorie  zerfallen,  abgesehen  von  zufallig  adhärenten,  von  be- 
stimmtem Aufenthaltsort  herzuleitenden, wie  dem  Moschusgeruch  von  Spannern, 
welche  tagsüber  an  hohlen  Weiden  ausruhten,  1)  in  der  Art  eigenthüm- 
liche,  durch  die  bestimmten  ätherischen  Gele  der  Nahrungspflanze  von  der 
Raupe  überlieferte;  2)  in  widerliche  „Schreckgerüche''  zum  Schutz  gegen 
Feinde,  wie  sie  zuerst  von  Fr.  Müller  bei  den  Maracuj4faltem  beschrieben 
wurden,  wo  sie  bei  den  Weibchen  durch  Hervorpressen  sogenannter 
Stinkkölbchen  noch  momentan  verstärkt  werden  können. 

Zu  den  Gerüchen,  welche  einem  Geschlechte  eigenthümlich  sind,  ge- 
hört der  Lockduit  der  brünstigen  Weibchen,  sowie  der  Reizduft  der  wer- 
benden Männchen.  Ersterer  dringt  aus  der  Hinterleibsöffnung  hervor  und 
lockt  die  Männchen,  besonders  von  Bombyciden  oder  Spinnern,  oft  aus 
grosser  Feme  an.  Umgekehrt  können  Männchen,  denen  die  Fühler,  der 
Sitz  der  Geruchsorgane,  abgesdmitten  werden,  das  in  nächster  Nähe  be- 
findliche Weibchen  nicht  spüren,  wie  Haus  er 's  treffliche  Beooachtungen 
erwiesen.  In  Beziehung  zu  der  mehr  oder  minder  vollkommenen  anatomischen 
Ausbildung  der  männlichen  Geruchsorgane  und  ihrer  Schutzvorrichtungen, 
sowie  der  gegenseitigen  Annäherungsbefähigung  beider  Geschlechter  steht, 
worauf  Vortragender  1885  zuerst  hinwies,  die  Ausbildung  des  Schienen- 
spoms  der  Vorderbeine,  der  bei  den  Männchen  desto  entwickelter  ist,  je 
schwerfalliger  die  Weibchen  sind,  und  doch  wieder  bei  sehr  vollkonmiener 
Ausbildung  der  Fühler  unbenutzbar  wird  und  verkümmert,  sich  aber  bei 
beiden  Gesehlechtem  (so  bei  Noctuen  oder  Eulen)  findet,  sobald  beide 
gleich  flugtüchtig  sind  und  zu  gleicher  Zeit  fliegen.  Unter  den  Tagfaltern, 
deren  Sinnesthätigkeit  mehr  in  das  grosse  Auge  verlegt  ist  als  in  den 


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Geruchssinn,  findet  er  sich  als  morphologisch  besonders  wichtiges  Organ 
nur  noch  bei  Papilioniden  und  Hesperiden. 

Der  Reizduft  des  männlichen  Schmetterlings  ist  nur  bei  solchen  Arten 
nachgewiesen,  bei  welchen  auch  die  Weibchen  flugtüchtig  sind  und  zu- 
gleich mit  den  Männchen  fliegen.  Von  deutschen  Schmetterlingen  ist  er 
besonders  deutlich  an  dem  kleinen  Kohlweissling  zu  bemerken,  wo  &c  in 
besonderen  Schuppen,  den  „Duftschuppen",  liegt,  welche  über  die  ganze 
Oberfläche  der  Flügel  zerstreut  sind.  Auch  bei  den  Schwärmern  ist  er  sehr 
deutlich  und  wird  von  zwei  Taschen  hinter  der  Brust  ausgeströmt,  welche 
am  Boden  mit  Duftschuppen  besetzt  sind,  die  ihr  ätherisches  Secret  auf 
lange,  in  der  Erregung  ausstrahlende  Haarbüschel  entleeren.  Der  Geruch 
des  Ligusterschwärmers  erinnert  an  Moschus,  der  des  Todtenkopfes  an 
Gemüse.  Am  deutlichsten  ist  dieser  Duftapparat  an  den  Männchen  eines 
kleinen  Spinners  (Hepialus  hectus)  ausgebildet  und  dort  von  Prof.  Bertkau 
in  Bonn  genauer  untersucht  worden. 

Auch  an  den  Mittelbeinen  aller  Ordensbänder  ist  ein  starker  Haar- 
büschel nachweisbar. 

Viel  reicher  und  üppiger  ist  natürlich  die  Entwiokelung  solcher  Duft- 
apparate bei  den  tropischen  Schmetterlingen,  wo  sie  eingeschlagen  im 
Innensaum  der  Hinterflügel  (OmUhqptera^  Papüio),  als  Büschel  in  Falten 
der  Flügel  versteckt  (AmatJmsia^  Mycaiesis),  als  Näpfchen  oder  tiefe 
Taschen  in  den  Hinterflügeln  (Danais)  ^  auf  den  Rippen  der  Vorderflügel 
(Diane,  Coktenis)  und  an  anderen  Orten  liegen.  Im  Allgemeinen  bestehen 
sie  aus  kurzen  Düfl;schuppen,  die  meist  geschützt  sind,  und  darüber 
liegenden  Haarpinseln,  die  zur  grösseren  Verflüchtigung  des  sie  benetzen- 
den ätherischen  Oels  der  Schuppen  dienen,  doch  fehlen  letztere  oft.  Bei 
Heteroceren  liegen  die  Duftapparate  meist  in  Bauchtaschen  (Sphingiden) 
oder  in  den  Beinen,  stets  versteckbar;  bei  PcUuia  macrops  lassen  sie  sich 
aus  dem  Umschlage  des  Vorderrandes  der  Hinterflügel  bis  zur  Grösse  einer 
Nuss  auszupfen. 

Diese  Duftapparate  sind,  als  aus  der  Umbildung  gewöhnlicher  Flügel- 
schuppen hervorgegangen,  nicht  durch  das  Princip  der  geschlechtlichen 
Zuchtwahl  das  Darwin  einst  so  eifrig  verfocht,  das  aber  hier  unanwend- 
bar ist,  weil  die  Weibchen  überhaupt  keine  Wahl  unter  den  Männdien 
treffen,  sondern  durch  das  Gesetz  der  bestimmt  gerichteten  natürlichen 
Vervollkommnung  vorhandener  Functionen  unter  stets  gleich  bleibenden, 
durch  gegebene  Beziehungen  zur  Aussenwelt  geregelten  Verhältnissen  zu 
erklären. 

Die  besprochenen  Arten  mit  präparirten  Duftapparaten  werden  vom 
Vortragenden  vorgezeigt  und  der  Bau  der  letzteren  durch  Zeichnungen 
erläutert.  — 

Der  Vorsitzende  giebt  sodann  einen  kurzen  Nekrolog  über  den  eng- 
lischen Zoologen  und  Physiologen  W.  B.  Carpenter. 


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Zweite  Sitzunf  am  4.  Hftrz  1886.  Vorsitzender:  Professor  Dr. 
B.  Vetter. 

Oberlehrer  Dr.  0.  Schneider  spricht  über  die  Thierwelt  der 
Riviera  diPonente.  Nach  einleitenden  Worten  über  die  orographischen 
and  klimatologischen  Verhältnisse  dieses  Gebietes  verweilt  der  Vortragende 
besonders  bei  dem  Vorkommen  und  der  Lebensweise  der  dortigen  Vögel, 
Reptilien,  Fische,  Insecten,  Scorpione  und  anderer  Arachniden  und  der 
Gonchylien. 

In  der  Debatte  kommen  besonders  die  angeblichen  Selbstmorde  von 
gepeinigten  Scorpionen  und  die  Folgen  des  Scorpionstiches  zur  Sprache. 

Institutsdirector  Th.  Reibisch  legt  einige  Gehäuse  von  hiesigen  und 
corsicanischen  Phryganiden  vor,  die  man  früher  als  ValvcUa  aremfera 
bezeichnet  hatte. 

Der  Vorsitzende  verliest  eine  Mittheilung  über  das  Vorkommen  eines 
neuen  Kartoffelfeindes,  der  Tachea  Fhaseoli  Passerini,  einer  Erdlaus,  die 
neuerdings  bei  Nördlingen  beobachtet  wurde.  —  Ferner  macht  er  auf- 
merksam auf  den  in  „Nature^'  Vol.  32,  S.  228  erschienenen  Bericht  von 
A.  E.  V.  Nordenskjöld  über  eine  Beschreibung  und  Abbildung  des 
sibirischen  Mammuth  aus  dem  Jahre  1722,  und  erörtert  die  Frage,  unter 
welchen  Umständen  die  Mammuthleichen  in  das  Eis  eingebettet  worden 
sein  könnten. 


Dritte  Sitzung  am  6«  Mai  1886.  Vorsitzender:  Professor  Dr. 
B.  Vetter. 

Der  Vorsitzende  bespricht  einige  neuere  Arbeiten  über  Lebens- 
weise und  Schmarotzer  der  Apiden  und  zwar  zunächst  den  letzten 
Beitrag  von  Hermann  Müller  „Zur  Lebensgeschichte  der  Dasypoda 
hirtipes^\  dann  mehrere  Abhandlungen  von  Ed.  Hoff  er  (aus  „Die  Hum- 
meln Steyermarks*'  und  „Kosmos^S  Jahrg.  1884 — 1885),  sodann  die  Ar- 
beiten A.  Schneider's  und  R.  Leuckart's  über  Sphcierularia  bombi  und 
erinnert  endlich  an  eine  Beobachtung  Gh.  Darwin 's  über  die  „Brumm- 
plätze^^  männlicher  Hummeln  (in  „Cresammelte  kleinere  Schriften  Dar- 
win's",  herausgegeben  von  Ernst  Krause). 

Institutsdirector  Th.  Reibisch  legt  Missbildungen  von  Schalen  bei 
UfUo  und  Anodonta  vor  und  sucht  ihre  Entstehung  zu  erklären. 

Der  Vorsitzende  legt  vor  und  bespricht:  W.  Preyer,  „Ueber  Muskel- 
ruhe und  Gedankenlesen^'  und  „Die  Erklärung  des  Gedankenlesens'*, 
Leipzig  1886. 


12 


II.  Section  für  Botanik. 


Erste  Sitzunf^  am  14.  Januar  1^86.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
0.  Drude. 

Nach  einem,  dem  Andenken  des  am  25.  September  1885  Terstorbenen 
Botanikers  Edmond  Boissier,  des  bekannten  Verfassers  der  „Flora 
Orientalis"  gewidmeten  Nachrufe  (s.  Abhandl.  V,  S.  33)  schildert  der  Vor- 
sitzende die  Flora  von  Radeburg  bei  Dresden,  unter  Vorlage  einer 
reichen,  durch  Vermittelung  des  Herrn  Oberlehrer  Wolf  zusammen- 
gestellten Sammlung  von  Pflanzen  der  dortigen  Gegend.  Diese  Flora  wird 
charakterisirt  durch  eine  grosse  Anzahl  nordwestlicher  Pflanzen,  welche 
hier  ihre  südöstliche  Grenze  finden  (Erica  Tetrdlix,  Rhynchospora  etc.). 

An  den  Vortrag  knüpft  Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  einen  geologischen 
Vergleich  der  Gegend  von  Radeburg  mit  der  Lüneburger  Haide,  beide 
Producte  diluvialer  Gletscher. 

Handelsschullehrer  0.  Thüme  legt  Pilzmodelle  von  Donath  in 
Tolkewitz  vor,  die  sich  durch  grosse  Naturtreue  auszeichnen. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  giebt  Mittheilungen  über  Pifms  mantana  und 
deren  Vorkommen  in  der  Nähe  des  Töpfers  bei  Zittau,  und  zwar  in  der 
Erzgebirgsrasse,  welche  sich  auch  bei  Reitzenhain  findet;  dazu  erwähnt 
noch  Dr.  med.  E.  Friedrich  das  Vorkommen  von  Pintts  montana  am 
Hochmoor  von  Böhmisch-Zinnwald. 


Zweite  Sitzung:  am  11.  Hftrz  1886.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
0.  Drude. 

Oberförster  F.  Eosmahl  bringt  zur  Ansicht  einen  interessanten 
Einschnitt  in  eine  alte  Buche,  sowie  eine  Pilzbildung  von  einer  Fichte. 

Prof.  Dr.  0.  Drude  schliesst  hieran  Erklärungen  über  Inschriften  an 
Bäumen,  speciell  über  deren  Vernarbungen. 

Oberlehrer  Dr.  0.  Schneider  giebt  alsdann  eine  Schilderung  der 
Vegetationsverhältnisse  der  Riviera  di  Ponente.  Zahlreiche 
vom  Vortragenden  dort  gesammelte  Pflanzen  sowie  Photographien  der 
landschaftlichen  Scenerie  werden  vorgelegt. 


13 

Dritte  Sitzung  am  13.  Hai  1886«  Vorsitzender:  Oberlehrer  A.  Weber. 

Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Sitzung  mit  einem  Nachrufe  für  das  heute 
beerdigte,  um  unsere  Gesellschaft  treu  verdiente  Mitglied  Osmar  Thüme. 
Die  Anwesenden  erheben  sich  zum  Zeichen  ehrenden  Andenkens  von  ihren 
Plätzen. 

Hierauf  berichtet  der  Vorsitzende  über:  Dr.  H.  Schenck,  Die  Biologie 
der  Wassergewächse.    Bonn  1886. 

Der  Verfasser  führt  in  seinem  Buche  den  Nachweis,  wie  die  For- 
mationen der  submersen  und  schvrimmenden  Pflanzen  ihrem  eigenartigen 
Medium,  dem  Wasser,  in  ihrem  Habitus  und  ihrer  Entwickelungsweise  an- 
gepasst  sind.  Er  hat  sich  dabei  zumeist  beschränkt  auf  die  einheimischen 
mitteleuropäischen  Vertreter,  weil  deren  Biologie  am  vollständigsten  unter- 
sucht ist.  Von  den  Algen  sieht  er  gänzlich  ab.  Wer  die  Wasserpflanzen 
eingehend  studiren  will,  muss  noth wendig  auf  Schenck's  Buch  zurück- 
kommen, denn  der  Verfasser  hat  neben  seinen  eigenen  Untersuchungen 
auch  sämmtUche  bis  jetzt  in  Büchern  und  Zeitschriften  veröfientlicbten 
Beobachtungen  Anderer  berücksichtigt  und  zusammengestellt.  Die  einzelnen 
Kapitel  des  Werkes,  welche  die  Lebensweise,  Gestaltung  und  Variation,  die 
Ueberwinterung  der  Wassergewächse,  das  Verhältniss  der  vegetativen 
Vermehrung  zur  Fructification,  die  Blüthengestaltung  und  Befruchtungs- 
vorgänge, die  Fruchtbildung  und  Samen  Verbreitung,  die  Keimung  und  das 
Verbreitungsgebiet  der  Hydrophyten  betreffen,  werden  vom  Referenten  ein- 
gehend besprochen  und  durch  zahlreiche  Vorlagen  aus  dem  Herbarium 
des  Königl.  Polytechnikums  illustrirt. 

Oberlehrer  H.  Engelhardt  referirt  eingehend  über  Dr.  D.  Brandis, 
Der  Wald  des  äusseren  nordwestlichen  Himalaya.  (VerhandL  d.  natur-hist. 
Ver.  d.  preuss.  Rheinlande  u.  Westphalens.  1885.  1.  Hft.  S.  153—180.) 

Ein  drittes  Referat,  gegeben  von  Dr.  G.  Reiche,  verbreitet  sich  über 
„Die  Flora  der  egyptisch-arabischen  Wüste"  von  Dr.  Georg  Volkens 
(Ber.  d.  K.  Preuss.  Ak.  d.  Wiss.,  1886.) 


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III.  Section  fdr  Mineralogie  und  Gleologie. 


Erste  Sitzung  am  21.  Januar  188«.  Vorsitzenider :  Bergingenieur 
A.  Purgold. 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  giebt  ausführlichen  Bericht  über  die  sehr 
beträchtlichen  Bereicherungen,  welche  die  Sammlungen  des  K.  Mineralo- 
gischen Museums  in  den  Jahren  1884,  1885  und  auch  schon  im  laufenden 
Jahre  durch  Ankauf,  Tausch  und  Schenkungen  erfahren  haben.  Es  wuchs 
in  der  angegebenen  Zeit  die  Sammlung  der  Meteoriten  um  8  Meteor- 
steine, 10  Stück  verschiedene  Meteoreisen  und  ]  Fundeisen;  die  minera- 
logische Sammlung  um  248  Stück;  die  geologische  Sammlung  um 
2149  Gebirgsarten  und  Versteinerungen.  Namentlich  unter  den  letzteren  be- 
finden sich  zahlreiche  classische  Exemplare,  welche  (wie  z.  B.  die  Saurier- 
fährten aus  den  Zwickauer  Steinkohlen,  der  erste  Milchzahn  von  El^has 
primigenms  von  Prohlis,  viele  Steinkohlenpflanzen  aus  den  angekauften 
Schumann'schen  Sammlungen)  der  Bearbeitung  durch  den  Vortragenden 
selbst  oder  durch  andere  namhafte  Fachmänner  als  Originale  vorlagen, 
oder  welche  (wie  unter  Anderem  die  Wurzbacher  Schiefer  von  Lobenstein, 
die  Thierfahrten  von  Grothenleite  bei  Gössnitz)  zur  sicheren  Bestimmung 
des  bisher  streitigen  geologischen  Alters  ihrer  Fundschichten  dienen 
konnten.  —  Eine  durch  Tausch  erworbene  vorzügliche  und  sehr  reiche 
Sammlung  roher  und  präparirter  Nummuliten  wird  zur  Besichtigung  in 
Umlauf  gesetzt. 

Die  Neuerwerbungen  der  prähistorischen  Sammlung  sind  in  vorstehen- 
den Angaben  nicht  mitgezählt,  sondern  werden  gehörigen  Ortes  besondere 
Erwähnung  finden. 

Dem  bedeutenden  Zuwachs  entsprechend  befindet  sich  auch  die 
wissenschaftliche  Benutzung  genannter  Sammlung  durch  viele  Fächleute 
und  ihr  allgemeiner  Besuch  durch  das  grosse  Publikum  in  erfreulicher 
Zunahme,  indem  sie  im  Jahre  1884  von  23  633,  im  Jahre  1885  von 
24  861  Personen  besichtigt  wurde. 


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Dr.  Deichmüller  legt  eine  Reibe  von  Gesteinen  vor,  die  Oberlehrer 
£.  Dan  zig  in  der  Umgegend  von  Bochlitz  gesammelt  und  mit  erläatern- 
den  Bemerkungen  eingesandt  hat.  Unter  diesen  befinden  sich  mehrere 
ausgezeichnete  Stücke  einer  Porphyrbreccie  vom  rechten  Gehänge  des 
Frelsbachthales  NW.  von  Rochlitz,  zwischen  Köttwitzsch  und  Poppitz,  die, 
abgesehen  von  der  die  porphyrische  Grundmasse  häufig  ganz  zurück- 
drängenden Menge  von  Einschlüssen,  der  zahlreichen  Granulitfrag- 
mente  halber  Erwähnung  verdienen.  Die  in  den  Breoden  am  häufigsten 
vertretene  Varietät  des  Granulits  ist  eine  aus  abwechselnden,  äusserst 
feinen  Lamellen  von  Quarz  und  Feldspath  gebildete,  mitunter  in  Augen- 
granulit  übergehende,  wie  sie  auf  Section  Bochlitz  oberirdisch  nur  äusserst 
selten  vorkommt.  Daneben  begegnet  man  Fragmenten  von  Glimmer- 
granulit,  Granit,  Phyllit,  Muskowitschiefem  etc.  —  Am  rechten  Ghemnitz- 
ufer  gangförmig  den  Granulit  durchsetzender  Granit  ist  an  einer  Stelle 
als  editer  Turmalingranit  ausgebildet.  Der  immer'  nur  in  Fragmenten 
auftretende  Turmalin  ist  theils  durch  die  Gesteinsmasse  zerstreut,  theils 
bildet  er  mit  Quarz  feinkörnige,  gestreckte,  wolkige  Partien  in  derselben. 
Neben  dem  gewöhnUchen  schwarzen  Turmalin  kommt  als  Seltenheit  in 
diesem  Granit  auch  grünlichgelber  als  primärer  Gemengtheil  vor.  —  Vom 
rechten  Steilufer  des  Erlbachs,  südöstlich  von  Rochlitz,  liegen  Graphit- 
schiefer vor,  die  im  dortigen  Cordieritgneiss  1—2  dm  mächtige 
Lager,  sowie  dünne,  aus  ÜEtst  reinem  Graphitpulver  bestehende  Schmitze 
bilden. 

Derselbe  bespricht  femer: 

H.  Credner,  Die  Stegocephaleu  aus  dem  Rothliegenden  des  Plauenschen 
Grundes  bei  Dresden.  V.  Theil.  (Zeitschr.  Deutsch,  geolog.  Ges.  1885. 
S.  694.)*) 

Als  neu  für  die  Niederhässlicher  Stegocephalenfauna  beschreibt  der 
Verfasser  zunächst  ein  Exemplar  von  Melanerpetm  pülcherrimumy  das  so- 
wohl im  Skelettbau,  als  in  den  Grössenverhältnissen  mit  dem  von 
A.  Fritsch  aus  dem  Kalke  des  Rothliegenden  von  Braunau  abgebildeten 
übereinstimmt  und  dessen  gute  Erhaltung  es  ermöglicht,  die  von  A.  Fritsch 
für  Melanerpetan  aufgestellte  Diagnose  zu  ergänzen.  Als  wesentliche 
Unterscheidungsmerkmale  von  verwandten  Formen  kommen  für  diese 
Gattung  das  starke  Zurückspringen  des  Himschädels  hinter  die  fiügelartig 
erweiterten  Supratemporalia,  das  Auftreten  eines  scfauppenförmigen  Schalt- 
knochens zwischen  Squamosum  und  Postorbitale  und  die  langgestielte 
mittlere  Thoracalplatte  in  Betracht.  Branchiosaurus  unterscheidet  sich 
leicht  durch  den  kurzen,  breiten,  fast  halbkreisförmigen  Schädel,  grosse, 
runde,  nach  vorn  gerückte  Augenhöhlen,  abgerundet  fUttfseitige,  mittlere 
Kehlbrustplatte,  Pdosaurus  durch  die  abweichende  Gestaltung  der  Ele- 


*)  Vergl.  Sitzber.  Isis  1881,  S.  39;  1882,  8.  9  und  71;  1883,  S.  77. 


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mente  des  Brustgürtels.  Während  bei  Melanerpetan  die  ndttlere  Thoracal- 
platte  fächerförmig,  am  Vorderrande  tief  eingeschlitzt,  nach  hinten  lang- 
gestielt ist,  ist  sie  bei  Pelosaurus  abgerundet  rhombisch,  ganzrandig,  un- 
gestielt; das  bei  ersterer  Gattung  schwachgekriimmte ,  stabförmige 
Coracoideum  (Glayicula  Credn.)  ist  bei  letzterer  löffeiförmig,  auch  feUt 
ihr  der  erwähnte  Schaltknochen  zwischen  Squamosum  und  Postorbitale.  — 
In  einem  dem  Wirbelbau  von  Archegosaurus  gewidmeten  Abschnitte 
werden  die  Resultate  der  Untersuchungen  Gaudr;'s,  Fritsch's  u.  A.  über 
diesen  Gegenstand  zusammengestellt;  H.  v.  Meyer's  Ansicht  vom  embryo- 
nalen Bau  der  Rumpfwirbel  ist  durch  diese  Untersuchungen  bestätigt 
worden.  Unter  dem  Namen  Sparctgmites  arciger  wird  ein  ähnlich  gebautes 
Wirbelsäulenfragment  aus  dem  Kalke  von  Niederhässlich  beschrieben, 
welches  sich  vom  Archegosaurus  durch  niedrige,  halbkreisförmige  Dom- 
fortsätze unterscheidet.  —  Die  von  Geinitz  und  Deichmüller*)  als  Hylo- 
plesion  FritscM  beschriebene  seltene  Art  wird  hier  mit  der  Gattung 
Hyhnomus  Dawson  vereinigt,  da  sich  der  Verfasser  von  der  Selbstständig- 
keit von  A.  Fritsch's  Hyhplesion  nicht  überzeugen  konnte.  — 

Geh.  Hofrath  Dr.  Geinitz  kommt  auf  die  seiner  Zeit  von  Dr.  T heile 
aufgestellte  Behauptung  zurück,  dass  die  Neigungswinkel  der  durch 
Gletscher  Wirkungen  gebildeten  Dreikantner  120^  zu  betragen  pflegen, 
und  widerlegt  dieselbe  unter  Berufung  auf  e